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Morse»-A«sgaSe, 1* Blatt.

WresVKSrrrsr Sttgblatt.

Samstag, 28. März 1914.

Nr. 141.

reits angekündigten. Das Interesse für die „Alpha" ist sehr rege und die Meldungen laufen zahlreich ein, auch aus dem Ausland.

— Personal - Nachrichten. Dem Schülmntskand-idwten Fürst von hier ist die Lehrerstelle zu Stahlhofen bei Wester­burg vom 1. Avril an übertragen worden. — Oberzollauf- sehr Hornickel in Stettin ist die Stelle des Oberzoll- inspcktors in Wiesbaden übertragen worden.

Vorverichte üver ttunft» Vorträge unv verwandtes-

^ Königliche Schauspiele. Die Reihenfolge der Abonne- nentsbuchstaben für die nächste Woche ist folgende: Sonntag aufgehobenes Abonnement. Montag C, Dienstag D, Mittwoch aufgehobenes Abonnement. Donnerstag 8, Freitag A, Sams­tag aufgehobenes Abonnement, Sonnmg aufgehobenes Abonne­ment. Montag 8. —. Die nächste Aufführung der Nedbalschen Operette „Polenblust' findet Samstag, den 4. April, bei auf­gehobenem Abonnement statt. Vorbestellungen nimmt die Theaterkasse schon jetzt entgegen. — Wie bereits mitgeteiü, wird der Kaiser vom 13. bis 18. Mai in Wiesbaden anwesend sein. Es finden an diesen Tagen folgende Vorstellungen statt: Mittwoch, den 13. Mai: ..Die Journalisten", Donnerstag, de',: 14.: „Lohengrin", Freitag, den IS.: „Der Richter von Zalamea", Samstag, den 16.: ..Don Juan", sonntag, den 17.: Unbestimmt, Montag, den 18.: „Oberon". — Am 10. und 12. Mai finden „Parsifast'-Vorstellungen statt.

- Nassauischer Kunstverein. Neu ausgestellt: Von Matio Cristiant <8): „Bathseba". ..Tal bet Wiesenroth" „Der

schlafende Äskulap", „Wiesental". „Ttzeseus". „Der Abschied , „Bamberger Rathaus" und „BanHevger Domturm , 'Von H. Mathis. München (1): „Abendläuten". Von E. Schwabe- Luthmer. Hochheim (5): ..Mainlandschaft", „Uferweg rm

Sommer", ..Uferweg", „Tauwetter" und „Uferweg im Herbst. Von Professor A. Zoff. Graz. 6 Bilder: „Ziehende Wolken „Fischerboote im Hafen von Niemvort (Belmen) . „Wind­mühle bei Brest". „Motiv aus einem Dorfe bei Rotterdam, „Duino" und „Motiv aus dem Hafen von Rotterdam".

Uns öem PereinsIeBen.

vorberlchie, Oarcinsoerfammlungen.

* Die Jahres-Hauptversammlung des „Wiesbadener Militär Vereins" findet heute Scanstag. abends 9 Uhr, im Vereinslokal. „Zur Gernmnia". Helenenstraße 29 statt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist allseib-ges Erscheinen geboten. Vereinsabzeichen anlegen.

* Der Gesangverein ,.F r o h s i n n“ veranstaltet morgen Sonntag im Saalbau „Zur WalAust" an der Platter- Straße eine humoristische Unterhaltung mit Tanz.

Bus Lsm £aitbfereis WissbKden.

-o- Biebrich. 27. März. In der UntersuchungSsache gegen den PolizeisergoanLerr Schorn von hier, der rm Amte de- gangener sittlicher Verfehlungen beschulorgi.wurde, scheint eine Wendung zugunsten des Angrschuldrgten erngetreten zu senu da ihn der Untersuchungsrichter in Wiesbaden gestern abend wieder auf freien Fuß letzte.

= Dotzheim. 27. März. Die diesjährige, Fruhiahrs- kontrollversammlunjg für dm Mannschaften Beurlaubtenstandes von Dotzheim oer Jahresklasten 1901 bis 1913 findet am Freitag, den 17. April 1914. vormittags 9 Uhr. in Wiesbaden im Hofe des Bezrrkskommandvs, Bert-am- straste 3. statt. — Der hiesige ,,Q nar t et t v e r ern" beteiligt sich an dem Gesangwettstrert m Hahn. — Stach Ostern wird der hiesige „Dramatische Klub"..der Noch von der Jao^ hundertfeier der Schlacht bei Leipzig rm vorigen Jahve durch sein vortreffliches Spielen in guter Erinnerung steht, das Schauspiel „Wilhelm Tell" ,ruffuhren. und zwar am 26. April

(Saal« Zu« deutschen Kaiser". Ebenso hat auch der urnverein ein größeres Theaterstück. „Der Fremden- leaiovär" von Presber, in Vorbereitung, das auch nach.Ostern SffiiM tterlen soll. — Nach Beschluß der Gemeinde­vertretung soll die Handarbeitslehrerin Frau Vomhof mit den übrigen Handarbeitslehrerinnen rm Geilte glerch- aestellt werden — Wir bezahlen für das elektrische L i ch t gegenwärtig 45 Pf. für die Kilowattstunde. Es schwelen ledoch Verhandv.ngen mit dem Rheinaan-ElekirizrtatsweZ damit der Preis, wie auch in anderen Gemeinden, auf 40 Pf ermäßigt wird, wozu dasselbe vertraglich verpflrcytet ist. da die Gesell­schaft aber diese Verpflichtung Nicht anerkennen will. soll, falls die Verhandlungen zu keiner Einigung fuhren, der Fest- stellungsklageweg beschritten werden.

-- Geisenheim, 26. März. Die „Rhein. Volkszeitung" brachte in ihrer Nr 69 folgende Bemerkung ans Johannis­berg- Gelegentlich der hier abgehaltenen Relrarons- Prüfung der Schulkinder entdeckte der protestantische Pfarrer ' daß in einer Klasse zwei Kinder bei Beginn des Unterrichts die katholischen Gebete mitanhörten Ta dieses das protestantische Bolksempnuideu beeinträchtigt, legte dev Pfarrer Protest hiergegen ein. Um weiteren. Störungen des konfessionellen Friedens vorzubeugen, haben die maggebenden Persönlichkeiten beschlossen, fortan die katholischen und pro- testanlitchen Schulkinder getrennt beren zu kaffen" Darauf ist zu erwidern daß es sich nicht um die Religionsprufung handelte sondern um die öffentliche «chulprüfung, und daß ferner ber evangelische Pfarrer werter nichts getan hat. als darum gebeten/daß das Schulgebet in der..g es etzlichen 'Form abgehalten werden möge. Es ist nämlich verboten, daß in konfessionell gemischten Schulen rem konfessionelle Gebeie gesprochen werden, wie es seither m .;ohanni-Merg^un­bekümmert um die dortigen evangelischen SckWlkinder. geschah. Auch die jetzt von den „maßgebenden Persönlichkeiten rn JohannisLexg einastfützrte Trennung der «Schullttwer börm Schulgebet entspricht nicht den vorgeschriebenwi Bestrm-

himvegzusetzen. .

— Braubach, 27. März. Der erste Beigeordnete hiesiger Stadt. Lehrer a. D. Keller, ist gestern im 73. Lebensiahre gestorben. „

d. Idstein, 27. März. Anl Sonntag Palmarum, nach­mittags 5 Uhr, wird in der evangelischen Kirche wieder ein Konzert veranstaltet. Die neue Orgel wird von Lehrer Sauer (Schönber-g-Cronberg) gespielt. Als Solisten für Ge­sang und Violine sind wieder tüchtige Kräfte gewonnen. —• Der Gesangverein „Liederbund", der sonst seine festlichen Ver­anstaltungen geschloffen hält, wird unter Leitung keines Diri­genten Herrn Kapellmeister Reifert (Limburg) einen öffent­lichen V o l k s I i e d e r a b e n d halten.

wb. Usingen. 27. März. Dem Regierungsassessor Bac- Ni e i st e r in Heinborn ist die kommissarische Verwaltung des Landratsamtes des Kreises Usingen übertragen worden.

# Diez. 26. März. Vom Eisenbahnministcrium in Berlin ist zugesagt, worden, daß die Frage der Errichtung einer Haltestelle für Schnellzüge am hiesigen Orte ge- vrüft werden soll.

KuZ der HittfjeöttKg.

w. Darrnstedt. 27. März. Die Zweite Kammer der Stände nabnl heute vormittwi die Regierungsvorlage, betr. die Tage­gelder und ^ R e ri ek o>st e n der Ständemit­glieder, wonach auch den durch ihre Geburt nicht berech­tigten Mitgliedern der Siandeversammlung,. ^ ^ Darm- fiabt wohnen, ein Tagegeld oon ig M. bewilligt wird und die Tagegelder der übrigen -^"Meder von 9 auf 15 M. erhöht werden, an. Der Gesetzentwuri tritt erst mit Beginn des neuen Landtages am 1. Rovx-mber I in Kraft.

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..Kaiser Franz" sind in vollem ^Nge. Am Sonntag, den 29. März d. A.. nachmittags 4 Uhr, findet eine Versamm­

lung im „Brüsseler Hof" statt, in welcher eingehend- über die getroffenen Maßnahmen berichtet und weiteres beschlossen werden soll. Nicht allein die alten „Alexander" und „Franzer von Frankfurt a. M. und Umgegend, sondern auch Abgeordnete aus den Regierungsbezirken Wiesbaden und Kassel werden erwartet.

Serichtssaal.

ne. Die Unschuld vom Lande. Die Emma Steeg aus N e u h o f stand noch innerhalb des Schulalters, da nahm sie eine Stelle als Dienstmädchen bei einem hiesigen Kaufmann an. Schon ziemlich früh glaubte ihre Herrschaft regelmäßige Fehlbeträge am Haushaltungsgeld seststellen zu können. Der Verdacht, die Beträge veruntreut zu haben, lenkte sich schon damals , auf das Mädchen, man hatte jedoch keinen Beweis und hielt daher mit der Äußerung des Verdachts zurück. Bei einer Gelegenheit nahm das Mädchen einen Wachsabdruck vom Schlüssel der Kassette und wandte sich an einen hiesigen Schlosser, daß er ihm einen Nachschlüssel darnach anfertige. An dieser Stelle hatte sie zwar kein Glück, an anderer Stelle aber scheint sie zum Ziel gekommen zu sein. In dieser Zeit fand man eines frühen Morgens die Tür zu einem Zimmer, in dem die Kassette bewahrt wurde, gewaltsam erbrochen, ohne feststellen zu können, daß Geld fehlte; an einem anderen Tage fehlten 12 M,, an dem folgenden ebenfalls. Das Mädchen wurde .daraufhin ins Gebet genommen, und während tatsächlich min­destens 450 M. fehlten, gestand es zu, zunächst 200 M., später 95 M. gestohlen zu haben. Vor der Strafkammer versuchte das kaum den Kinderschuhen entwachsene Mädchen die Herr­schaft zu verdächtigen, als ob diese sie ausgenutzt, als ob sie ihr den Lohn nicht habe zahlen können, usw. usw. Wegen schwe­ren Diebstahls erging Urteil auf 6 Monate Gefängnis. (In Anbetracht des jugendlichen Alters des Mädchens ist das aller­dings eine recht harte Strafe.)

wb. Keine Spionage, sondern Unterschlagung. Leipzig, 26. März. Vor dem zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute vormittag der Spionage­prozeß gegen den Monteur Karl Gärtner und den Apothekergehilfen R a t h m a n n, beide aus Berlin. Gärtner ist angeklagt, einer Firma für Heizungsanlagen einen Plan der Befestigungen Helgolands entwendet und die Absicht gehabt zu haben, ihn zu Spionagezwecken zu verwerten. Rath­mann soll ihn hierbei unterstützt haben. Zur Verhandlung sind 11 Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Die Öffentlichkeit ist für die Dauer der Verhandlung ausge­schlossen. Gärtner wurde wegen Unterschlagung zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt; Rothmann erhielt wegen Begünstigung 6 Monate Gefängnis. Die Anklage wegen Vergehens gegen das Spionagegesetz ließ sich nicht aufrecht erhalten.

Spott uttö Spiel.

* Pferderennen zu Saint-Ouen, 27. März. Prix du Loir. 8000 Franken. 1. G. Bellevilles Sirius 2 (Head), 2. Mont Boram, 3. Cardon Bleu. 37:10; 13, 11, 14:10. — Prix du Garinais. 4000 Franken. 1. G. Wattinnes Hexagon (Odell),

2. Menuett 3, 3. Sinai. 39:10; 28, 58:10. — Prix de la Brenne. 3000 Franken. 1. E. Deutsch de Ja Meurthes Bon­heur de Jour (Berard), 2. Amabo. 3. Patrik. 35:10; 17, 18, 27:10. — Prix de la Touraine. 4000 Franken. 1. W. Harts Tribun 2 (Powers), 2. Dinna Ken, 3. Miß Esther. 132:10; 52, 49, 19:10. — Prix Bandmaster. 10 000 Franken. 1. T. Dugas Le Potache (R. Sauval), 2. Tante Lily 2, 3. Saint Nom. 25:10; 13, 16:10. — Prix du Blaisois. 5000 Franken. 1. I. D. Cohns King Malcolm (G. Mitchell), 2. Manola 2,

3. Malefize. 48:10; 17, 39, 18:10.

* Turnverein Wiesbaden. An der dritten diesjährigen Haupt Wanderung des Turnvereins über den Schläfers­kops, Bleidenstadt, Hennethal. Strinz-Margarethä. Wingsbach nach Hahn beteiligten sich 45 Turnfahrer. Wenn auch die Witterung für die Turnfahrt nicht günstig war. so herrschte unter den Turnfahrern doch die beste Wanderstimmung, die manches Hindernis überwinden Mf. — Am Sonntag, den 29. März, findet eine halbtägige Wanderung statt über die Platte. Kellerskopf nach Naurod. Rast in Naurod in der Turnhalle bei Elastwirt Doerr. Abmarsch 2 Uhr vom Sedanplatz aus.

Neues aus aller Welt.

Der baufällige Fuchsturm. Jena, 27. März. Der FucbSturm. das allen Besuchern Jenas wohlbekannte Wahr^ seichen auf dem Rücken des .Hausberges. ist baufällig. Der alte Bergfried selbst zeigt üedLnklrche Riffe, und ber felsige Untergrund bröckelt immer mehr ab. Schon vor Jahresfrist hat die Fuchstnrmgesellfchaft ein lachverständiges Gutachten eingefordert. Inzwischen aber ist so gut wie nichts geschehen wah/chein'li.ch auch deshalb, weil man nicht einmal recht weiß, wem der Fuchsturm jetzt eigentlich gehört. Gehört er dem Staat, der Stadt oder der Fuchstuwngesellschaft? Das ist nach der Eingemeindung von Zregenhain und nach den mit dem Hausberg vorgegangenen Besitzveranderungey die große Frage. Da aber an dem Turm nicht nur die Jenenser inter­essiert sind, sondern auch weite Kreise rm deutschen Lande so ist zu wünschen, daß Hand ans Werk gelegt wird bevor es »u spät ist. "

Schwere Bauunfälle. Heidelberg. 27. März Aus den, Terrain des neuen Bahnhofs ereignete sich heute nach- mrttag eii, schwerer Unfall dadurch, daß em Teil des Brücken- gerustes aus einer Höhe von 15 Metern abstürzte uird neun Arbeiter mit in die Tiefe riß. Der 27;ahrrge Nieter Karl Wagnirr aus Wössingen bei Breiten (Baden) war sofort tot sechs andere Arbeiter wurden schwer verletzt. _ Bruns- buttelkog. 27. März. Ein Schwebekrm, der Baufirma Holzmann u. Cie. ist dadurch, dag dre Arbeiter beim Abmon- tieren auf der einen Seite d-es Krans zu viel Eisenteile sort- genommen hatten, umgestürzt. Fm ganzen sind 5 Mann ge­tötet worden. drei wurden verletzt, tedoch nicht tödlich

<77 o" b M ^lbst erschossen. Barn t (Mark).

Marz. In Lrnow wurde me Mahrige Tochter des Schmiedemeisters Krüger von ihrem -vrEiga^ dem 35- iL^ Meu Säusler Schultze, erschossen. Der Täter beging dann Selbstword.

Das Hschwaffer der Warthe. Schtoarz^^ (Warthe). 27. Marz. Das Hochwasser der Warthe gefährdet den Ort und die Umgebung. Mehrere Häuser sind dem Einsturze nahe

Em Attentat auf einen Personenzug. Posen, 27. März In der Nahe von Kr-etkow ist ein Personenzug per Kleinbahn zur Entgleisung gebracht worden, indem die Weichen falsch gestellt und mit Steinen verrammelt waren.. Als Täter wur­den zwer ungarische Arbeiter verhaftet, me ein Geständnis ab- legter:. Ber dem Unfall sind weder Menschen verletzt worden noch ist Moßerer Materialschaden entstanden, ©g liegt offen­bar ein Racheakt vor.

Ein Automobilunfall. Grottkau, 27. März. Der hiesige Kaufmann Kolbe fuhr im Automdbil infolge Reifen- bruchs gegen einen Chausseestein. Das'Gefährt überschlug sich der mitfahrende Fabrikbesitzer Klinge aus Halbersdorf wurde getötet, Kolbe unbedeutend verletzt.

Zu der Dampserkatastrophe in Brrsbane. Brisbane, 27. März.,, Ein Lotsendampfer rettete ti überlebende von dem französischen Dampfer „St. Pam .

Deutscher Reichstag.

Osterferien.

3 - Berlin, 27. März. (Eig. Drahtbericht) Herr T r i m b o r n, der große Sozialpolitiker des Zentrums, bewies heute ein bemerkenswertes tMisches U n g e- s ch i cf. als er unmittelbar nach der Erklärung des Staatssekretärs Dr. Lisco, die Abschlüsse der Kon­tur r e nz k l a u s e l k o m m i s s i o n über die Gehalts-, grenze und die Erfüllungsklagen seien für die Verbün­deten Regierungen unannehnckar, die Vertagung der weiteren Beratung beantragte und diesen Antrag da­mit begründete, der Reichstag sehe sich vor eine „völlig neue Situation" gestellt. In Wahrheit bot die Er­klärung des Staatssekretärs für niemand eine Über­raschung. Dieselbe Erklärung, wenn auch vielleicht nicht ganz so feierlich, hatte dieRegierUng auch schon in derKom- mission abgegeben. Man hätte es ganz ruhig aussprechen können, der Grund, warum man nicht gleich zu Be­ginn der zweiten Lesung die Erklärung des Staats­sekretärs provozierte und dann mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokratie die Vertagung durch­drückte, in Wahrheit der sei, daß man zunächst einmal die Beteiligten, die Handlungsgehilfen selber, sich äußern lassen will, ob sie auch jetzt trotz des unerschütterlichen Widerstandes der Regierung an ihren Forderungen festhalten wollen, auf die Gefahr hin, daß damit die ganze gesetzgeberische Aktion scheitert. Die Sozialdemokraten führten eine förmliche Komödie auf; sie verlangten leidenschaftliche Fort­setzung der Beratung, sprachen von dem Eindruck der Verschleppung, der draußen im Lande entstehen müßte, wenn man so früh und^ auf so lange Zeit in die Ferien gehe, ohne eine so wichtige Materie zu verab­schieden, ja es sah sogar so aus, als ob Herr H a a s e und die Seinen demnächst mit einer Zuchthausvorlage zum Schutze abeitswilliger — Reichstagsabgeordneter komme! Dabei stellte Herr Bassermann fest, daß auch die Sozialdemokraten im Seniorenkonvent ein­stimmig dafür eingetreten seien, daß die Osterferien am 27. März beginnen sollten. Andere Redner wiesen darauf hin, daß man auch ohne den Zwischenfall die Vorlage schwerlich vor den Osterferien in zweiter Lesung, unter keinen Umständen aber in dritter Lesung verabschieden könnte. Alsdann wandte man sich. der Beratung der Petitionen zu. Man debattierte lebhaft über eine Eingabe der Grenzbewohner im Regierungsbezirk Ä u r i ch um zollfreie Einfuhr von Lebensmitteln aus Holland, eine Forderung, welche die Konservativen bekämpften. Herr Fechter, der für den Kommissionsantrag eintrat, setzte schließlich Überweisung der Petition zur Berücksichtigung durch. Schon hatte man auf der Rechten die Beschlußfähigkeit des Hauses anzweifeln lassen. Bei der nächsten Petition aber, betr. die Maßnahmen gegen den heimlichen Warenhandel, machte Herr Oertel die Drohung wahr und da gleich nach Erledigung des ersten Gegenstandes, eine wahre M a s s e n flucht der Abgeordneten ein- getreten war, endete die letzte Sitzung nach 2y 2 Stun­den tatsächlich mit der Feststellung der Beschluß­unfähigkeit. ^

Sitzungsbericht.

Eigener DrahtberiÄ des „Wiesbadener TagblattS".

# Berlin, 27. März.

Am Bundesratstisch: StaatAsekretär Dr. Lisco.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 12.22 Uhr.

Eingegangeu ist eine Vorlage, betreffend Schutz von Eigentum und Leben mrf See (Internationales

Titanicübereinkommen).

Zunächst wird die Genehmigung zur Strafver­folgung des Abgeordneten Dr. Werner- Gießen (Wirdsch. Dgg.) entsprechend dem Kommt,ssionsantrag nicht er­teilt, trotzdem der Abgeordnete Dr. Werner nochmals um Ab­lehnung deS Kommissionsantrages Littet.

Es folgt die zweite Beratung eines Gesetzentwurfes, be­treffend Änderung einzelner Paragraphen des Handelsgesetz­buches,

UonkurrenMausel.

Berichterstatter ist Abg. Dr. Giebel.

Staatssekretär Dr. Lisco: Ich habe der Hoffnung Aus­druck zu geben, daß es gelingen möge, die Beratung des Ge­setzentwurfes bald zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen. Die Verbündeten Regierungen sind in großem Umfang der Regierung enhgeigengekommen, nachdem auch die Kommission weiigehende Beschlüsse der ersten Lesung hat fallen lassen. Rur noch in drei Punkten sind Meinungsverschiedenheiten vorhanden. Die den Handlungsgchilfen zu zahlende Ent­schädigung, die auf ein Drittel des Gehalts bemessen werden soll, wünscht die Kommission auf die Hälfte zu bemessen. Die Kommission wünscht ferner, die Mindest,gehaltsgrenze auf 1800 M-, die Regierungsvorlage auf 1500 M. zu bemessen, und endlich will die Kommission dem Gläubiger nur das Recht auf die Vertragsstrafe sichern. Sie will auch nicht die Er­mächtigung, zwsichen Jnnehaltung der Vertragspflicht und Vertragsstrachn zu wählen. Im äußersten Falle würde, wenn dadurch das Zustandechmmen des Gesetzes erreicht wird, die verbündeten Regierungen im ersten Punkt nachgeben. (Bravo.) Dagegen ist der Beschluß, betr. Erhöhung der Ge­haltsgrenze, sowie betr. die Vertragspflicht, für die verbün­deten Regierungen unannehmbar. Ich möchte darüber von vornherein nicht den geringsten Zweifel aufkommen laffen. Werden in -diesen beiden Punkten die Beschlüsse der Kom­mission nichl abgeän-dert, so rst die Vorlage für die verbün­deten Regi^^^Men unannehmbar. Zur Begründung dieser StellumgnahE kann ich mich auf das beziehen, was ich schon in der Kommission ausführlich gesagt habe.

Die Konkurrenzklausel ist mit genügenden Kautelen um­geben

Und die verbündeten Regierungen sind sich bewußt, den Wünschen Handlungsgehiifen soweit entgegengekommen zu sein, wie sie es mit den berechtigten Interessen der Prinzipale nur irgendlvie für vereinbar halten können. Ich richte an das Haus deshalb die dringende Bitte, im In­teresse der Handlungsgehilfen in der Frage der Gehaltsgrenze und in der Frage der Vertragsstrafe sich auf den Standpunkt der Verbündeten Regierung zu stellen. Tun Sie dies, so wird