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Donnerstag- 26. März 1914. MOpgEN - 0U$0ClbC. Nr. 143. . 62. Jahrgang.
Die Wahrheit über „General" Villa.
Von einem Mexikaner wird uns nachstehender Brief aus dem Lande der „unbegrenzten revolutionären Möglichkeiten" zur Verfügung gestellt:
In den Jahren 1911 und 1912, zur Zeit der Made.ro- Revolutionen glaubte man in Emiliano Zapata den gefürchtetsten Rebellenführer Mexikos kennen gelernt zu haben. Das mag, soweit der Staat Morelos und die Grenzdistrikte benachbarter Staaten in Frage kommen, nicht ganz unrichtig gewesen sein. Und trotzdem war dieser Bandit noch ein Stümper im Vergleich mit Francisco Villa, der zuzeit mit seinen Horden einen großen Teil Nord-Mexikos in Atem hält.
Francisco Villa, der sich den Titel „General" beigelegt hat, ist einer der schamlosesten Verbrecher, den die Welt, je gesehen. Er ist heute zirka 45 Jahre alt, wurde im Staate Durango geboren, siedelte aber schon im jugendlichen Alter nach dem Staate Chihuahua über. Kaum den Knabenjahren entwachsen, ermordete er einen Offizier der Bundestruppen, angeblich wegen Familienstreitigkeiten. Er mußte fliehen und trotz der eifrigsten, jahrelangen Nachstellungen durch die Behörden gelang es nie, den Mörder zu fassen und unschädlich zu machen. Fast 12 Jahre trieb er mit Leuten gleicher Eigenschaft sein Unwesen im Hochland, sich nur selten und auch dann nur verkleidet in Orte verirrend, wo die Wachsamkeit ihm hätte gefährlich oder verhängnisvoll werden können.
Während der vielen Jahre seines Banditenlebens galten seine Räubereien und Plünderungen meist nur größeren Rancheros (Bauern) und Haciendados (Hofbesitzern); mit der ärmeren Bevölkerung soll er im allgemeinen auf gutem Fuß gestanden haben und diesem Umstand ist es wohl auch zuzuschreiben, daß er sich seinen Verfolgern stets zu entziehen vermochte.
Villa nun stand noch auf der Liste der behördlich Verfolgten, als die Revolution am 20. November 1910 ausbrach. Sie und die Aussicht auf reiche Beute war dem Gefürchteteü Veranlassung, sich dem damaligen Haupt der Revolution, Francisco Madero, zur Verfügung zu stellen. Wie jedermann, obne ^lnsehen der Person, so ward auch Dieser Biedermann willkommen geheißen und als Cabecilla (Unterführer) m d e gruppe des „Freiheitshelden" eingereiht. Bald genug begann der Räuber sich auch in seiner neuen Laufbahn bemerkbar zu machen, er plünderte und drangsalierte ganz nach seinem Belieben, gab allerdings hm und wieder mal eine Quittung für -«aulnerte Waren, aber wohl mehr, um zu zeigen, daß er wenigstens semen Namen schreiben konnte, eine Kunst, die den nieisten seiner Genossen abgeht. ^
Das war zur Zeit, als Francisco^. Madero rm
Vörden des Landes den niederen, unwissenden Bous-
schichten, meist unreifen Köpfen, seme »reiyens- theorien predigte und damit das grenzenloseste El nd Über das schöne, von der Natur so reich beglückte
Ein Tag der Fasten in Aegypten.
Bon Paul Pasig.
Der Islam hat die Fastenzeit auf einen ganzen semer zwölf Mondmonate, den neunten oder Ramadam der von 'den Monaten mit 29 Tagen ist, ausgedehnt. Ta nun mohammedanische Jahr als fernes Mondjahr um eM 7 Ta« kürzer ist als das übrige, so durchlauft b«« '
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fällt jedes Jahr um 11 Tage früher als m vevgang Jahre. - Es war ein besonders heißes Frühjahr knindertteilige Thermometer zeigte mittags mehrfach -ft , Schatten, und es war bei Chamftn unheimlich windstiü wir das letziemal den Ramadan in der Khalisenstadt v - lebten Der Khedive hatte dieselbe bereits verlassen nni> l Palast in Alexandrien bezogen, wo die Hitze durch das venaw-- barte Meer bedeutend gemildert wird. Um so enM'ndl'cher lastete der unerbittliche Fastenzwang auf den gläubigen renern. die wortkarg, zur Erde gebeugt und ernisten Anm?e über die menschenleeren Straßen idahinhüschten. Eine 8™B e Anzahl gerade der glänzendsten Geschäftsläden war g«IMwiwu- und nirgends verriet der narkotische Duft des Tabaks den Kaffeehäusern die Leidenschaft der Jünger o Propheten. „
Es ist näm'l'ch den Mohammedanern wahrend oes Fastens nicht nur jeglicher Genuß von Speise und Tranl- sondern selbst das Rauchen und Schnupfen, ja, das »aocn strengstens untersagt. Letzteres deshalb, weil durch die Poren der Haut Wasser in den Körper dringt und formt das bcrooi illusorisch gemacht werden würde! Strenggläubige gehen 1°. gar so weit, daß sie während der Fastenzeit nicht einmal Men eigenen Speichel verschlucken! Aber meine freundlichen fragen mit Recht, wie es möglich ist- 29 Tage lang ein lvIMs PeSot durckLutühren. Die Sache liegt sehr einfach: dasstwe
Mexiko brachte. Jedenfalls hat Villa in dieser ersten Revolution, die mit der Einnahme der Stadt Juarez endete, außer Plündern nichts Nennenswertes geleistet.
Bereits im März 1912 entlud sich, wiederum rm Staate Chihuahua, die zweite Revolution; diesmal g e g e n den aus „Sufragio libre", d. h. einer a n- g e b I i ch freien Wahl hervorgegangenen Präsidenten Madero. Obgleich Villa für die Regierung und somit zugunsten Maderos eintrat, versuchte er sofort in der 'Stadt Chihuahua eine Plünderung, wurde jedoch von dem früheren Führer der Revolution, Pascual Orozco, daran gehindert und konnte sich mit nur einigen Wenigen retten. Später schlossen sich Villa wieder mehr Leute an, er vereinigte sich mit anderen Banden- sührern und setzte sich in der Stadt Parral fest, die er dann mit seinen Leuten hartnäckig verteidigte, allerdings nicht ohne zu vergessen, vor dem Verlassen des Platzes das Geld der Banken und einiger Privatpersonen durch Gewalt an sich zu bringen. Demnächst schlug sich der Tapfere zu dem inzwischen mit Bundestruppen von der Hauptstadt her nach dem Norden vorrückenden (wirklichen!) General Huerta, der ihn schon auf der schwarzen Liste führte und ihn erschießen lassen wollte: schließlich brachte man ihn als Gefangenen nach der Stadt . Mexiko, wie es hieß, auf Wunsch des Präsidenten. Nach Verlaus einiger Monate indessen entkam der Bandit aus dem Gefängnis; ob ein hoher Gönner dafür sorgte, wird die Welt wohl nie erfahren. Nach dem kurz darauf.erfolgten Sturz und Tod des Präsidenten Madero tauchte Villa dann in Texas auf und überschritt die Grenze bei Columbus, New Mexiko. In verhältnismäßig kurzer Zeit sammelte er wieder einen Trupp arbeitsscheuen Gesindels und wählte zur planmäßigen Ausrüstung des Trupps einen Ort (Ascension), der der amerikanischen Grenze sehr nahe liegt. Wie gut die Versorgung mit Waffen und Munition gewesen sein muß, werden die Amerikaner wohl genau wissen, trotz des damals noch bestehenden Ausfuhrverbots von Waffen nsw. und trotz der strengen Überwachung der Grenzen durch amerikanische Truppen. Nacheinander hat der Banditengeneral unter anderem die Städte Torreon, Gomez Palacio, Lerdo, Santa Rosalia, Juarez und Chihuahua heimgesucht, überall vernichtend, raubend und mordend. Wieviele Männer sind einfach ermordet und unschuldig hingerichtet, wieviele Frauen und Mädchen vergewaltigt und geschändet worden von diesen Bestien in Menschengestalt — Francisco Villa und Genossen!
Man muß sich die Frage vorlegen — und man kann sich nicht genug wundern, daß die Kulturwelt solche Frage bisher u n t e r I a s s e n hat — wie es möglich war, daß ein Mann mit solchen Gesinnungen, ein'Mann, der vor keinem Verbrechen, zuruckschreckt, die Unterstützung des amerikanischen Volkes und dessen PräsiRenten finden kann, während man es ablehnt, den Präsidenten Huerta an- zuerkennen, der in diesein Falle stow Meinung, aller Kenner des Landes sehr schnell dre Ordnung wieder- herstellen könnte und würde. _
bezicht sich nur auf den Tag, d.h. den astronompchen, und sobald der Schuß der Kanone von der Zitadelle, mit welchem Tagesanbruch, der Mittag und der Beginn des Abends der Bevölkerung verkündet wird, den sehnsüchtig« Harrenden .den Untergang des Tagesgestirnes kundg'bt, ist die Physiognomie der Stadt und ihrer Bewohner wie mrt einem Zaubevschlage in ihr gerades Gegenteil verwandelt!
Zunächst sind Straßen und Platze' die vorher im blendenden Sonnenlichte öde und verlassen dälagen, von einer summenden und lärmenden Menschenmasse, durchflutet, der niemand auch nur eine Spur ernster Kasterung anstelht. Heiteres Lachen und Scherzen, lebhaftes Gestrnrlieren und geschäftige Eile geben dem Straßenbilde das Ansehen des Marktgetriebes, und in der Tat, folgen wir dem beweglichen Menschenstrome, so sehen wir uns bald mitten irr das lauteste Marktgewühl versetzt. Bude reiht sich an Bude, überall werden die verlockenden Süßigkeiten des Orients, von dem gummiartigen Loküm bis zu dem zu feinen Sstöerfaoen gesponnenen, honig- durchtränkten Zucker, mit näselnder, modulierender Stimme angepriesen; vor einigen Buden brodelt und brät es, und der durchdringende Fettgeruch, der sich ««i die dampfenden Pfannen verbreitet, macht eine Ännchstrung geradezu unmöglich. Dazu das Geschrei phantaststch geneideter Weiber und Kinder niederen Standes, die sich' wahrend eine maskierte Mustkerschar mit Pfeifen, Trommeln und Tamiburins vor- ausschreitet, durch das Gefühl Bahn^ brechen. — Alles das macht aus den unerfahrenen Europäer den Eindruck eines wahren Hexensabbats, dem er gern den Rücken kehrt. Er wendet sich ' anderen Gruppen Zu, dre unter einer Anzahl breitästiger Sykomoren gelagert, andachtsvoll und in höchster Spannung, die sich in den ausdrucksvollen Mienen klar spiegelt, den abenteuerlichen.Erzählungen eines der öffentlichen «Mlchädditin" (Geschichtenerzähler) lauschen. Er berichtet unter großem Beifall, indem er allerlei Erdichtetes aus dem unerschöpflichen Schatze seiner glühenden Phantasie beifügt, über die Heltentaten des Mawelukensültans ez-Zhhir Böbars
Das Militär-Luftfahrwesen in Deutschland.
Wenn auch über die einzelnen Militärluftschisfe und Militärflugzeuge fortlaufend berichtet wird und alle neuen Bauten und die mit ihnen abgehaltenen Flüge zur Kenntnis des Publikums gebracht werden, so dürfte doch ein allge- ineiner Überblick über den augenblicklichen Stand der Militärluftfahrt in Deutschland von allgemeinem Interesse sein und dazu bertragen, die einzelnen Nachrichten richtig beurteilen zu können.
Organisation. An der Spitze steht die Inspektion des Militärluft- und Kraftfahrwesens unter einem Inspekteur mit dem Range eines Regiments- oder Brigadekommandeurs. Sie zerfällt in 1. Inspektion der Luftschiffer- trnppen, 2. Inspektion der Fliegertruppen und 3. des Krast- sahr-Bataillons.
Das deutsche Heer hat jetzt fünf Luftschiff- Bataillone mit zusammen 17 Luftschifferkompagnien (darunter eine sächsische, eine württembergische, zwei bayerische) und fünf Flieger-Bataillone (einschl. eines bayerischen). In Jüterbog befindet sich eine Artilleriefliegerstation zur Ausbildung der Offiziere der Feld- und Fußartillerieschietzschule und zur Beobachtung der abgehaltenen Schießen. In der Marine: die jetzige Organisation a) Marineluftschiffsabteilung in Johannesthal und b) Marinefliegerabteilungen in Putzig. Beide unterstehen der Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens. . Beabsichtigt ist der weitere Ausbau und Unterstellung unter einen Admiral als Inspekteur. Nach der Denkschrift sollen geschaffen werden zwei Lustschifferstaffeln von je vier im Dienst befindlichen Luftschiffen und einem Luftschiff als Materialreserve. Gemeinsamer Standort: Nordholz bei Cuxhaven. Für die Flugzeuge: eine Mutter- ftation und sechs Außenftationen mit zusammen 60 Flugzeugen, 6 Gruppen a 6 in Dienst und 14 als Materialreserve. Die Mutterstation ist Standort für alle 6 Gruppen. Die Außenftationen werden nur im Kriege ständig besetzt. (Einrichtungen zur Unterkunft von je 10 Flugzeugen.) Geplant ist die Errichtung von 10 Flugstationen, von denen 6 auf die Küsten der Nordsee, 4 auf die der Ostsee kommen. Jetzt vorhanden zwei in Putzig und Wilhelmshaven, die dritte soll in nächster Zeit in Kiel eröffnet werden.
Material. An kriegsbrauchbaren Heeresluftschiffen sind vorhanden: a) Zeppelinschiffe: „Z. 2" in Köln, „Z. 3" in Metz, „Z. 4" in Königsberg, „Z. 5" in Johannesthal, „Z. 6" in Potsdam, ,.Z. 7" in Gotha; st) Parsevalschiffe: „P. 2" in Metz, „P. 3" in Königsberg, „P. 4" macht seine Probefahrten; c) Militärluftschisfe: „M. 1" nur noch als Schulschiff in Gebrauch; ..Ersatz M. 3" Probefahrten; ,.M. 4" umgebaut. („M. 2" nicht wieder ausgebessert worden); d) andere Schiffe: ein Siemens-Schuckert; für das zerstörte „S.-L." (Schütte- Lanzl-Schiff ist ein anderes im Bau. — Außerdem würden im Mobilmachungsfalle drei Passagierluftschiffe zur Verfügung stehen („Hansa", „Viktoria Luise" und „Sachsen"). Es sind demnach 6 Zeppelin, 3 Parseval, 1 Militärluftschiff und
I Siemens-Schuckert, 3 Passagierluftschiffe, zusammen
II Luftschiffe, vorhanden und kriegsbrauchbar. Die Marine besitzt zurzeit keine Luftschiffe.
Flugzeuge. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Es sollte aber bis Ende dieses Jahres jedes Armeekorps einen
(12(30—1279), der in vier Feldzügen die letzten Reste des Königreichs Jerusalem vernichtete und dann in Milde und Gerechtigkeit herrschte. Tausendmal hat er seinen Vortrag mit genau denselben Zutaten bereits zum besten gegeben; aber immer aufs neue begeistert er ferne dankbaren Zuhörer.
Fn der Nähe befindet sich ein arabisches Kaffeehaus. Vor demselben hocken auf palmengfflochtenen „Mastabas" (bankartigen Sesseln) braune, bärtige Gestalten, begierig den scharfen Rauch der Haschisch-Pfeife 'schlürfend und Trick-Track oder Schach spielend. Die Ruhe, die um diese Gruppe herrscht, wird nur zeitweilig unterbrochen, wenn ein „Sakka- Scharbö" mit einer riesigen Flasche aus dem Rücken naht uüd durch das Aufeinanderschlagen seiner messingenen Trinkschalen zum Genüsse seines süßen Wassers einlädt. Vornehmere Mohammedaner, die Geldausgaben nicht zu scheuen brauchen und deren Sinne eines stärkeren Kitzels bedürfen, beisuchen wohl auch wenn ihnen daheim ein entsprechender Ersatz nicht geboten wird, irgendein öffentliches Etablissement, um hier entweder ihrer Spielleidenschast zu frönen oder sich an den konvulsivische Körperverrenkungen einer Bauch» twizerin zu ergötzen. Anders können wir nämlich die für unsere ästhetischen Begriffe geradezu widerlich zu nennenden, oft allerdings staunenswerten Bewegungen des Unterleibes, aus die sich in der Hauptsache die mimisch-plastische Darstellungskunst jener viel,gerühmten Vertreterinnen Tenpsichores beschränkt, nicht bezeichnen. Hat nebenbei ein lukullisches Mahl mit dem im Verborgenen genossenen, weil vom Propheten verbotenen geistigen Getränke genügende Entschädigung für die harte Fastenpause des Dages geboten, so gibt sich der Gläubige ungestört allen Genüssen hin, die^ ihm das nächtliche Treiben in verschwenderischer Fülle und steter Abwechslung bietet, um gegen Morgen, sobald der gefürchtete Kanonenschuß den abermaligen Beginn des Fastens verkündet, heimzuwanken und hin,gestreckt auf beguemem Divan den ne-uen Tag strenger Enthaltsamkeit in beständiger Erwartung
