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Wiesbadeners eitnna

Erscheint ISmal wöchentlich. fl ^ W #T'V' A

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er monatl. 70 4, vierteil, 2.1« M *» 1(5 TrSgcr und Agenturen: Monatl. 80 4, vierteil. 2.40 M frei ins HauS.

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Rheinischer Kurier

Mittelrheinische Zeitung.

Verlag und Redaktion: Nikolasstratze 11. Filiale: Manritiusstratze 12.

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Inserat« und Abonnement: Nr. 100, Redaktion: Nr. IW: Verlag: Nr. 819.

152 Morgen-Ausgabe.

Dienstag, 24. Marz 1914.

68. Jahrgang.

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iermit laden wir unsere Leser zur Erneuerung des Bezuges der

Wiesbadener Zeitung

für das nächste Vierteljahr ein. & vertrauen auf die Kraft und die Zukunft

des deutschen Volkes wird die „Wiesbadener Zeitung" auch fernerhin den Kampf gege« alles Undeutsche und Reichsfeindliche führen.

hervorragende Mitarbeiter

ans den Kreise« der nationalliberalen Abgeord­neten, politische «nd volkswirtschaftliche Fachleute, Militärs, Kritiker und schaffende Schriftsteller, Kommnnalpolitiker usw., die schon bisher in der „Wiesbadener Zeitung" zu Worte kamen, werde« auch in Zukunft die Leser über alles Wissens- «erte nnterrichten.

die

dl«

scharfen Angriffe

aus gegnerischen Lager« zeigen »ns, wie sehr die Haltung der „Wiesbadener Zeitung" allen Feinden deutscher Art «nd des Deutschen Reiches ei« Dorn im Ange ist.

Stimmen aus dem Leserkreise

zenge« aber von einer erfreuliche« Ueberein- stimmnng der Bezieher mit dem Inhalt und der Haltung der „Wiesbadener Zeitung".

neue Bezieher zu werben,

stelle« mir unseren Freunden gern Probennmmern zur Verfügung. Wir bitte« um die tätige Hilfe und erklären uns gern bereit, an ans aufgegcbene Adressen die Zeitung probeweise bis znm 1. April z« sende«. _

. Man bestellt die „Wiesbadener Zeitung" sdie Bezngs- ..singnngen sind am Kopf angegeben) bei alle« Zeitnngs- ^Sern, bei den Briefträgern» bei den Postämtern, unseren >nture«, sowie in den Geschäftsstellen Rikolasstraste 11 Mauritiusstratze 12 in Wiesbaden.

Seftaiten und »er aus dem MlerlMm.

Nach Paris!

. Es war am 2 3. März des Jahres 1814. Das ^Uptquartier der Verbündeten war in Pougy, einem , °rfe hart am linken Aube-Ufer, an der Straße nach Arcis- ^-Aube gelegen. Kaiser, Könige, Fürsten und Prinzen ^vöikerten auf einmal diesen elenden Flecken, wo es statt Suppe eine Art Zwiebelmilch gab und alles höchst pri- ^stiv war. Uw Abende dieses 23. März wurden in Pougy französische Kuriere eingebracht, aus deren Brief­kasten sich Napoleons neuester — sein letzter — Plan er- Er hatte sich zu dem Verzweiflungsschritte entschlossen, ^4 Osten abzumarschieren, um ans diese Weise die Ber- ^"deten von ihrem Ziele, von Paris abznlenken. Was Eine Entscheidung mußte getroffen werden. R"ch öer Nacht brach man in der Richtung auf CHLlons auf, J* 1 sich über Napoleons Stellung klar zu werden. Bald J* 1 es zweifellos, daß Napoleon zwischen der Vlüch^^° und der Hauptarmee bereits hindurchmarschiert war. fju der großen Straße, die von Bar-le-Dnc nach Paris liegt eine kleine Festung, Vitry-le-Frangois. Dort­ig war der Zar vorausgeritten. Gestreckten Galopps

ihm der König von Preußen mit seinen Prinzen $ { lfl man fand ihn, wie Herm. Granier erzählt, aus einer ?dös,e rechts der großen Straße, noch etwa eine halbe ^ Unde westlich der Festung mit Schwarzenberg und dem t^erglstabe bereits in Beratung. Der König stieg ab und 5 ,** hinzu, die Prinzen verblieben am Fuße der Höhe. Es ^ * ein unglaublicher Moment, so berichtet ein Augen- Ucberall umher lagen die vom Nachtmarsche .. wcten Truppen im Biwak. Nach und nach versammelten fj die höchsten Führer in der Nähe öer Monarchen und erwartend der Entscheidung entgegen. Man kann 3ar keinen Begriff von der Spannung machen, mit wel- '»,!. Blicke aller an dem kleinen Kreise hingen, in hem — pgs fühlte jeder — das Schicksal Europas cnt- tz^en wurde. Man wollte ans den Gesichtszügen und &cn erkennen, was vorging, und gan- ohne Mei- 3sverschiedenheiten ist es bet diesem „Kriegsrate en

plein air", wie Kaiser Wilhelm I. ihn mit Vorliebe zu nennen pflegte, auch wohl nicht abgcgangen. Endlich trennten sich die Beratenden, aber mit gegenseitigen Hände­drücken, und das schien allen ein gutes Zeichen. Der Krön prinz von Preußen »nd Prinz Wilhelm gingen auf den König zu: man hörte deutlich, wie sie eilig fragten: „Gehts nach Paris?", worauf der König erwiderte: „Naseweise

Frage!" Das klang freilich nicht gut, aber der König sah dabei doch so vergnügt aus und schmunzelte so freundlich, daß die Anwesenden nicht recht wußten, woran sie waren Gleich darauf neigte sich der König zu seinen Söhnen und sagte etwas zu ihnen, worauf nun die Gesichter öer Prin­zen ebenfalls heiter wurden. Auch anderweitig hatte sich schon eine zufriedene und zuversichtliche Stimmung ver breitet, denn die Sehnsucht nach Parts erfüllte alle und bald fielen Worte, die keinen Zweifel mehr ließen. Ja, die Entscheidung war gefallen, und „Nach Paris!" hieß die Losung. Des großen Dramas letzte Szene hob an.

Russisches Neuland.

(Bon unserem Korrespondenten.)

X Petersburg, 21. März.

Dem Reichsrat lag in diesen Tagen ein Gesetzentwurf über die Besiedelung der Hunger steppe in Türke­st a n nor, und wenn es sich dabei ans den ersten Blick nur um eine örtliche Angelegenheit Turkeftans handelte, so wurde doch in der Debatte eine sehr wichtige Prinzipien­frage der russischen Kolonialpolitik überhaupt angeschnitten. Deshalb stießen auch die Meinungen hart aufeinander. Die sachliche Frage, die dem Gesetzentwurf zugrunde liegt, ist einfach. Wer soll die Hungersteppe besiedeln? Dieses bei Taschkent gelegene Gebiet, dessen bisherigen Charakter sein Name verrät, ist durch die bereits ziemlich weit vor­geschrittene Anlage eines großzügigen Jrrigationssystems im Begriff, der Kultur gewonnen zu werden. Hier handelt es sich um eine andere Aufgabe als in Sibirien: der Grund­gedanke, der den staatlichen Meliorationsarbeiten in diesem Teil Turkeftans gegeben ist, bezweckt nicht einfach die Er­schließung eines Neulandes für den Menschenüberflutz aus dem europäischen Reichsteil, sondern cs soll einem der zukunftsreichsten Zweige der russischen Volkswirtschaft Neuland erschlossen werden — öer Baumwolle. Ihre Kul­tur ist in Mittelasien uralt und bereits jetzt ist sie im­stande, die Hälfte des russischen Bedarfs an diesem Roh­produkt nach Moskau, dem großrussischen Textilzentrum, zu liefern. Das Interesse des russischen Staates für diese Kultur hat sich nur langsam entwickelt: nachdem ihre Be­deutung aber erkannt war, hat die Regierung sich bemüht, die Entwicklung zu fördern. Ein Hauptverdienst gebührt dabei dem gegenwärtigen Lanöwirtschastsminister, der in seinem Gebiet schon viel Gutes geleistet hat und berufen scheint, in absehbarer Zeit in weiterem Kreise, als es sein bisheriges Arbeitsgebiet ermöglichte, seine allgemetnpoliti- schen Fähigkeiten zu beweisen. Als Leiter der landwirt­schaftlichen Kvlonialpolitik Rußlands hat er schon jetzt Ge­legenheit, jenseits der rein fachmännischen Tätigkeit all­gemeinpolitische Gesichtspunkte zur Geltung zu bringen, und sie sind es, die im Mittelpunkt der Debatten um den obengenannten Gesetzentwurf standen und ihnen ihr weiter- retchendcs Interesse geben.

Bisher beruht die Baumwollkultur Mittelasiens auf der sartischen Bevölkerung, die darin eine Jahrhunderte alte Erfahrung besitzt: das bisher überhaupt nur schwach vertretene Element der russischen Banernüberstedler ist an der Baumwollproduktion nur in verschwindendem Matze beteiligt. Die Erschließung neuer Anbauflächen und der Wille der Regierung, sie für die Baumwollkultur zu nutzen, fordert die Lösung, der Besteöelungsfrage. Käme nur die Frage der Vermehruna und Verbesserung der Baumwoll­ernte in Betracht, dann läge der Gedanke nahe, diese Auf- gabe den Sarten zu übertragen, deren nicht günstige Wirt­schaftslage dadurch gehoben werden konnte. Es sprechen aber andere Dinge mit, in erster Linie, militärpolitische Gründe. Das mittelasiatische Kolonialland soll mit russi­schem Element durchsetzt und dadurch allmählich in den Stand gesetzt werden, sich militärisch auf eigene Füße zu stellen, nicht wie bisher in seinem Soldatenersatz auf Kern- rutzlanö und Sibirien angewiesen zu sein. Diese Forde­rung scheint durchaus berechtigst SjUn taucht aber die Frage auf, die, so seltsam es klingt, in Rutzlanz bis heute uoch nicht einheitlich beantwortet ist und die am besten den riesigen Abstand beleuchtet, der in unserer Zeit nationalen Ringens das buntscheckige Rußland von den europäischen Staaten trennt, wobei selbst Oesterreich nicht anszuschließen 'st. Die Frage lautet: Wer ist Russe? Die am Ruder be­findliche offizielle Anschauung sagt: ^eute von „echt russi­scher Herkunft", die der griechischen Kirche angehören. Die erste Bedingung hat bisher «ach niemand rechtlich und wissenschaftlich klarstellen könne«, und es sind daraus wie­derholt im öffentlichen, wie tnr privaten Leben Konflikte entstanden. In dem Gesetzentwurf für die Besiedelung der Hungersteppe faßt nun der Laudwtrtschaftsmtnister, dessen nationalistischer Geist sich darin ausspricht, den Begriff in dem erwähnten Sinne, wobei er ihn gleichzeitig etwas verengt und eriveitert, indem er zur Ansiedlung nur „Bauern" »nd „Kleinbürger", die sich selbständig mit Ackerbau beschäftigen, berechtigen will, aber auch den Kreis der Rechtgläubigen weiterzieht, indem mit besonderer Er­laubnis des Ministers den Altgläubigen und Sektanten 1

die Grenzen Turkeftans geöffnet werden können. Nun ist zu bemerken, daß für den Augenblick auf Grund der Ver­merke in den Pässen noch die alte Ständezugehörigkeit fest­zustellen ist, obwohl seit Einführung öer Konstitution und der theoretischen Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz eine Ständeglicderung auch in Rußland nicht mehr besteht. Für die Zukunft wird diese Scheidung noch weniger zu halten sein. Verständig ist es, daß man in diesem Gesetzentwurf endlich mit dem Boykott der Sektantei aufhört, der den russischen Staat schon so viel der besten Volkskrüfte gekostet hat. Wer Gelegenheit gehabt hat, russische Sektantenkolo- nien zu sehen, der Kaukasus ist an ihnen besonders reich, der weiß, welches vorzügliche Kulturelement diese über- zeugungstreuen, nüchternen Bauern sind, die sich dank der Verbannung der Vergiftung durch das herrschende System entzogen haben. Dasselbe gilt für die Altgläubigen. Der Minister sah wohl ein, daß es ein gewagtes Unterfangen wäre, die Zukunft der Baumwollkultur wie der turkestani- schen Kolonie überhaupt allein auf den rechtgläubigen „echt- russischen" Bauern und Kleinbürger zu stellen, die noch nirgends oder doch nur selten die positiven Eigenschaften ge­zeigt haben, die öer Kulturträger nötig hat. In dieser Ueberzcugung ist die Duma bei Beratung des Gesetzent­wurfs und auch der Reichsrat weitergegangen. Die Reichs­duma wollte „allen russischen Untertanen christlichen Glau­bens ohne Rücksicht auf den Stand" die Möglichkeit der Uehersiedelung eröffnen. Der Reichsrat folgte dem Vor­schlag des Fürsten Obolenski, der sich die Fassung öer Duma zu eigen gemacht hatte unter Weglassung öer Worte „ohne Rücksicht auf den Stand". Somit können an der Kultur­arbeit in Turkestan, im besonderen auf dem Neuland der Hungersteppe, Deutsche, Polen und Kaukasier christlichen Glaubens Mitarbeiten, was der Sache nur förderlich sei» kann. Mit öer allmählichen Befreiung von der Baum- wolleinsuhr durch turkestanische und kaukasische Baum­wolle wird die russische Volkswirtschaft einen großen Vor­zug vor allen anderen europäischen Ländern gewinnen.

Die Kämpfe in Südalbanien.

Aus Athen wird gemeldet:

An verschiedenen Punkten der epirotisch - albanischen Grenze fanden in den letzten Tagen Kämpfe zwischen albanischer Gendarmerie, die durch irreguläre Albaner ver­stärkt war, und epirotischen Aufständischen statt. Zuerst bei den Dörfern Salesi und Ariza nordöstlich von Leskovitz (an her fötiftnftetfe ttPITPn tun fort S fünf

Ile MtfiiHe fies chinelWen Priisifienten.

Aus Peking wird gedrahtet: Der Entwurf der chi­nesischen Verfassung wurde von einer Spezialkommission vollendet. Die neue Verfassung räumt dem Präsidenten königliche Machtvollkommenheiten ein. Sie gestattet ihm, unter Umständen selbstherrliche Gewalt anzuwenden. Er kann eigenmächtig Krieg erklären und Frieden schließen. In den Parlamentsferien kann er zeitweilige Gesetze er­lassen. Es steht ihm zu, außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen, die vom Parlament später bestätigt wer­den. Die Minister sind direkte Untergebene des Präsi­denten.

Ein Staatsstreich Juanschikais.

Wie aus Peking gemeldet wird, soll Juanschikai in den nächsten Tagen zum lebenslänglichen Präsidenten der chinesischen Republik mit unbeschränkten diktatorischen Voll­machten ernannt werden. Aus diesem Anlaß wird das krie­gerische Aufgebot verstärkt: die Zivilgouverneuve durch mi­litärische ersetzt.

Sollte sich diese Nachricht bewahrheiten, so würde sie von großer Tragweite sein: Eine lebenslängliche Präsi- dentschaft Juanschikais könnte nicht anders aufgefatzt wer­den, als daß China — wenn auch in verschleierter Form — zur monarchischen Regierungsform zurückkehrt. Ein gesetzlich unabietzbarer Präsident mit Diktatorgewalt ist nicht nur ein •. errscher, er ist sogar ein absoluter Herrscher. Es läßt sich natürlich nicht kontrollieren, ob die aus- Pe­tersburg stammende Meldung den Tatsachen entspricht: ein gewisses Mißtrauen ist immer geboten, da Rußland China gegenüber gewisse Tendenzen verfolgt und deshalb gerne bereit ist, das Reich der Mitte zu diskreditieren. Aber es läßt sich zum mindesten nicht leugnen, daß eine derartige Rangerhöhung Juanschikais viel Wahrscheinlichkeit besitzt. Dieser politisch ziemlich skrupellose und maßlos ehrgeizige Mann wäre dann am Ziele seiner Wünsche angelangt. Ur­sprünglich das Werkzeug Englands, Amerikas und Japans, unter deren Einfluß die Revolution ausbrach und der Staatsstreich sich vollzog, hat sich Juanschikai bald zum selbstherrlichen Machthaber entwickelt. Sogleich nach Ab­dankung der Mandschudnnastie nahm er den Titel „Bevoll­mächtigter Organisator der Republik" an und wurde nach dem Rücktritt Snnjatsens von der Nationalversammlung am 15. Februar 1912 zum Präsidenten öer Republik China gewählt. Tags darauf — ein charakteristischer snmbolischer Akt — schnitt sich der neue Präsident den Zopf ab! In »einem Amtseid versicherte Juanschikai, er werde sich treu bemühen, die Republik zu entwickeln, die Nachteile der ab- oluten Monarchie zu beseitigen, und wenn die National­versammlung einen dauernden Präsidenten ernennen sollte, zurücktreten. Nun scheint Juanschikai diesem Eide zum Trotz durch einen Staatsstreich sich zum alleinigen Herrscher in China aufschwingen zu wollen.

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