Verlag Langgaffe 21
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Dienstage 24. März 1914.
Morgen» Ausgabe.
Nr. 139. . 62. Jahrgang.
Der Dank des Vaterlandes.
Die Empfindung ist wohl allgemein, daß die Gleichstellung der Altpensionäre des Zivilstandes mir den Aeupensionären eine Forderung der Gerechtigkeit ist. -Wir stehen vor der Erfüllung dieser Forderung, der Gesetzentwurf liegt vor.
Da bleibt es auffallend, daß niemand seine Stimme für dre Altpensionäre der Armee erhebt. Sollte denn diese Forderung nicht gleich berechtigt sein und warum nicht? —
Als das Pensionsgesetz vom 31. Mai 1906 angenommen wurde, war niemand vorhanden, der im Reichstag die Interessen der Altpensionäre genügend vertreten hätte. Der Kriegsminister hat versagt. Die einzige Konzession, die für die Kriegsteilnehmer unter den Altpensionären herausgeschlagen wurde, war Anrechnung der Dienstzeit nach dem neuen Gesetz, wonach schon nach 36, statt wie bisher nach 40 Jahren, der Höchstsatz der Pension mit 45/60 erreicht wurde. Diese Verbesserung brachte den Kriegsteilnehmern eine kleine Hilfe. Nun ist wieder eine Reihe von Jahren darüber hingegangen, die allgemeine Teuerung schreitet fort, der Lebenskampf der älteren Generation von pensionierten Offizieren nimmt schärfere Formen an. Damit wird der Wunsch lebendiger, daß den Alten dasselbe eingeräumt werde wie den Jungen. Es ist unverständlich, wenn das Kriegsministerium auf dem Stand- vunkt steht, daß jeder Offizier, der den Dienst verläßt, mit den gesetzlichen Benefizien für Lebenszeit abgefunden sei, die gerade in Wirkung waren, als er pensioniert wurde.
Warum soll denn der seit 1906 Pensionierte eine höhere Pension beziehen als der 1905 Verabschiedete? — Hat er größere Verdienste? — Hat er größere Be- Mrfniffe? — Und der pekuniäre Unterschied ist ein recht bedeutender. Um es kurz zu machen nur einige wenige Beispiele zur Erläuterung: a) ein altpensionierter Hauptmann nach 26jähriger Dienstzeit bezieht 2665 M., ein neupensionierter Hauptmann 3777 M.; d) ein altpensionierter Major oder Oberstleutnant nach 35jähriger Dienstzeit bezieht 5236 M., ein neu-
vensionierter Major 6946 M., ist er patentierter Oberstleutnant gewesen, 6807 M.; c) ein altpensionierter Stabsoffizier als Regimentskommandeur bezieht nach 40jähriger Dienstzeit 6993 M„ ein neupensionierter nach 40sähriger Dienstzeit 7806 M. Nun unterliegt es keinem Zweifel, daß in den meisten Fällen die Kinder erst erwachsen, wenn der Vater den Dienst quittiert hat, an ihn dann die Aufforderung hoher Aufwendung für die Erziehung seiner Kinder ^herantrrtt. Die Söhne, wollen sie Offizier werden, müssen Zulage erhalten, die Töchter, wollen und müssen sie einen Lebens- beruf ergreifen, haben eine kostspielige Ausbildung durchzumachen. Ist es da ein Wunder, wenn wehr und mehr der Armee der beste Offizierersatz, die Offtzrers- söbne, verloren gebt? — Weil die Väter nicht mehr mitmachen können. Den Kriegsveteranen des Mann-
schaftsstandes wird mit vollem Recht durch Zuwendung einer jährlichen Gabe von 160 M. eine Hilfe zuteil, es ist der Dank des Vaterlandes für geleistete Dienste.
Warum wird den Veteranen des Offiziers- st a n d e s nicht einmal dasselbe Recht wie den Neu- pensionären? —_ Bedürfen sie weniger der Hilfe? — Verdienen sie, die ihr ganzes Leben der Sache geweiht und im Kriege als Führer gedient haben, weniger der Berücksichtigung? Sie fordern keine Gnadenzuwendung, sie fordern nur ihr natürliches Recht. — Gleiches Recht mit dem jüngeren Nachwuchs, der nur im Frieden gedient hat! Ist das unbillig?
Und geradezu beschämend mutet es an, wenn man den Vertreter des Kriegsministeriums erklären hört, die Mittel dazu seien nicht flüssig.
Und keiner der Parlamentarier steht auf und deutet auch nur an, daß diesen Offizier-Veteranen dasselbe gebührt wie den anderen Veteranen. Der Dank des Vaterlandes.
In bezug auf die finanzielle Tragweite muH im Auge behalten werden, daß die Zahl dieser Veteranen rasch abnimmt, sie sterben. Die jüngsten sind über 60 Jahre, die meisten den 70er nahe. Wie lange würde es noch einer erhöhten Aufwendung bedürfen, bis sie alle zur großen Armee abmarschiert sind und in Walball erzählen, daß der Dank des Vaterlandes ausgeblieben ist und sie nicht wert waren, der jungen Generation gleichgestellt zu werden.
Kann nun eine Nation, die eine Milliarde an einmaligen Allsgaben und ein jährliches .Mehr-Budget von 300 Millionen für ihr Heer aufbringt, nicht für wenige Jahre einige Millionen flüssig machen, um denen zu helfen, die das Deutsche Reich geschmiedet haben. —
Ein solcher Mangel an Großherzigkeit ist nur in Deutschland möglich, er gehört in das Kapitel der vielen Engherzigkeiten, deren wir uns schuldig machen. Und es gehört die ganze Männertreue, die stille Bescheidenheit und Demut dazu, die eine Tugend des deutschen Offiziers ist, wenn die alten Veteranen des Offiziersstandes diese Zurücksetzung ohne Verbitterung tragen und in dem Gedanken sterben, einer nach dem anderen: „Ter Feldzug ist meine schönste Erinnerung! Gottlob, daß ich ihn erlebt! Hoch die Armee! — Hoch Kaiser unb Reich!" E. Adolph, Wiesbaden.
politische Übersicht.
Ein konservativer Jeremias.
Einer muß es ganz arg treiben, wenn er sogar der „Kreuzztg." als reaktionär verdächtig erscheint. Dies Schicksal hat ein ungenannter preußischer „Nobile" (so nennt er sich selbst) erfahren. Unter dem hinlänglich deutlich sprechenden Decknamen „B o r u s s i c u s" hat dieser mißvergnügte Nobile em Buch erscheinen lassen, das die „Kreuzzeitung" m eine starke Erregung versetzt hat, in eine aus Bewunderung und notgedrun
genem Widerspruch seltsam gemischte Erregung. Die Bewunderung gilt dem echtpreußischen Geiste des Verfassers, der Widerspruch seinen unmöglichen Vorschlägen. Da nun aber die Sache selbst von Wichtigkeit ist, und zwar weit über den Kreis der Konservativen hinaus, da sie sich überdies, wenn auch nur von weitem, mit dem gegenwärtig dem Abgeordnetenhause vorliegenden Gesetzentwurf, betreffend die Landesverwaltung, berührt, ^ so lohnt es sich, von den Beschwerden und den Sehnsüchten des Herrn Borussicus zu sprechen. Er selbst gesteht zu, daß er sich in der Verwaltungslaufbahn zurückgesetzt fühle, die ihm zuteil gewordene Behandlung hat ihn in bestimmte kritische Bahnen gelenkt. Für Borussicus gibt es anscheinend keine konstitutionelle Staatssorm. Sein Ziel ist nach dem überwundenen Absolutismus hin orientiert, er will, „daß die Beamten der Verwaltung auch in unserem heutigen Verfassungs- und Rechtsstaat wieder die anerkannte Führerstellung gewinnen, die unsere Vorfahren im alten Staat besessen haben". Es ist immerhin ein Zugeständnis an das Leben der Gegenwart, wenn die „Kreuzztg." diese Forderung utopisch nennt und wenn sie sich sogar das Zugeständnis abringt, daß die Gesetzgebung heute weit mehr von der „sogenannten öffentlichen Meinung als von der Bureau- kratie geschaffen werde, die höchstens die wirklichen oder angeblichen Wünsche des Volkes in die Gesetzform gieße". Die „Kreuzztg." findet weiterhin, daß in Preußen der Ersatz der allgemeinen Verwaltung gut ist. Um so verwunderter ist sie darüber, daß Per kritische Borussicus in diesen Kreisen so gar keine „Persönlichkeiten" zu entdecken vermag. Aber dann bekommt Borussicus wieder Recht, wenn er behauptet daß bei der Besetzung der leitenden Stellen in der Verwaltung mitunter gewisse äußere Eigenschaften (persönliches Auftreten, Konnexionen, Vermögen) eine größere Rolle spielen als W i s s e n und Kenn t- nisse. .Dies soll nun zwar in anderen Staaten noch schlimmer sein, aber wenn Borussicus und die „Kr e u z z e i t u n g", diesmal in vollem Einvernehmen die Tatsache auch für Preußen feststellen, so ist das schon gerade übel genug, gleichgültig, wie es in Frankreich oder in den Vereinigten Staaten von Amerika oder sonstwo aussieht. Borussicus beklagt es, daß unter der Bevorzugung der Leute mit gewandtem Austreten und mit guten Beziehungen die durch Geist und Wissen hervorragenden Verwaltungsbeamten zu leiden haben. Er wird denn wobl seine Erfahrungen gemacht haben, und wir sind geneigt, ihm in diesem Punkte eher zu glauben als dem Kritiker seines Buches („Eine Schicksalsstunde des preußischen Staates") in der „Kreuzztg." Der merkwürdigste Vorschlag des Herrn Borussicus ist jedenfalls der, daß „ein scharfer Schnitt zwischen Justiz und Verwaltung" gemacht werden soll. Grundsätzlich sollen in Zukunft Juristen nicht mehr in die Verwaltung übernommen werden, sondern die Justitiargeschäfte sollen durch vorübergehende Übernahme regelmäßig wechselnder Justizbeamter erledigt werden. Mit diesem Gedanken ist
Feuilleton.
Aus Tunst und Leven.
* Der Zentralausschnß der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, der am 20. d. M. unter dem Vorsitze des Prinzen Heinrich zu Schön aich-Carolath im Rerchstlig zusammentrat, setzte den Etat der Gesellschaft für das Jahr 1814 in Einnahme und Ausgabe aus 660 600 M. fest- Von den Einnahmen entfallen u. a. auf Beiträge 130 000 M-, aus Erträge aus dem Büchervertriebe 280 000 M„ auf Lichtbäder, und Apparateverleihung, Lichtbilder- und Apparateverlauf, Wanderkino usw. 145 000 M. und auf Stiftungen 12 800 M. An Ausgaben wurden bewilligt u. a. für die Unterstützung der lokalen Bildungseinrichtungen der Verbände der Gesellschaft 10 000 M., für Volksbüchereien 350 000 M., für Lichtbilder- Nnd Apparateverleihung 35 000 M., für das Wanderkino 35 000 M. und für öffentliche Vorträge und Agitation 30 000 Mark. Für einen mit literarischen Anmerkungen, Erläuterungen und Notizen versehenen Katalog für Volksbüchereien, der nach etiva einem Jahre veröffentlicht werden und den Volksbüchereien ein lange entbehrtes Hilfsmittel für die Vücherauswahl bieten soll, wurden die Kosten, die ungefähr 28 000 M. betragen dürften, zur Verfügung gestellt. Die diesjährige Hauptversammlung der Gesellschaft findet Anfang Oktober in Verbindung mit einem eine Woche dauernden Vortrags- und Übungskursus für freiwillige Volksbildungs- Arbeit in Berlin statt. Auf -er Hauptversammlung werden 'die volkKerzieiherischen Ausgaben der Fugendpslegeeinrich- iungen eine eingehende Behandlung erfahren.
* Die ersten bayerische» Königsmarken. Am 30. März Kelangen die neuen Marken mit dem Bildnis des Königs Ludwig IIP. offiziell zur Ausgabe. Bayerns Briefmarken tragen damit zum erstenmal das Portrait des Königs, denn jene bekannten und von Sammle.ru geisuchten Marken mit döm Bild König Ludwigs II. im Prägedruck
waren nur Essays und eigentlich sogar nur private Essays. Die neuen Marken sind nach den Entwürfen des bekannten Münchener Kunstmalers Professors Walter Firlle geschaffen, dessen Portraits des Königs Ludwig wohl zu den besten gehören. An den Entwürfen für dre neuen Marken halben sich nach den „M. Neueist. Nachr." auch noch andere Künstler beteiligt; der erste Entwurf Professor Firles, der schließlich zur Ausführung bestimmt wurde, hatte noch mancherlei Änderungen durchznmachen, bis man mit dem -Druck der Marken beginnen konnte. Die neuen Marken gehören zu den schönsten ihrer Art.
* Ein neuer Rembrandt. Ein neuentdecktes Werk Rembrandts, das Bacchus und Ariadne auf Naxos darstellt, ist im Haag aufgetaucht. Wie dem „Cicerone" geschrieben wird, wurde das Bild von dem Restaurator D. de Wild restauriert; nach der Entfernung einiger kleiner unbedeutender Retouchen trat Rembrandts Signatur und die Datierung 1631 zutage. Die Komposition erinnert an die Andromeda im Haager Museum, die wahrscheinlich um dieselbe Zeit entstanden ist. Doch ist das Bild etwas größer und koloristisch bedeutend interessanter. Die halbnackte. Ariadne hat ein tief blaugrünes Gewand mit goldgesticktem Rand über ihren Knien; hinter ^hr liegt ein goldgelber Mantel, auf dem eine Krone zu sehen ist. Die Landschaft des prachtvoll gemalten Bildes zeigt ein schönes Kolorit von grünen und grauen Tönen. DaS Werk war bisher nur wenigen Auserwählten zugänglich, doch soll Dr. Bredius, der ja bekanntlich einer der bestem Rembrandt- kenner ist, nachdem er das Bild anfänglich nicht für eine Arbeit Rembrandts gehalten hatte, nunmehr von der Urheberschaft des Künstlers überzeugt sein.
/* 16 Millionen für eine Kunstsammlung. Der Teil der berühmten Wallach-Sammlung, der bisher in dem Pariser Haus des verstorbenen Sir John Marrah Scott aufbewahrt wurde und auf Grund seines Testamentes nach harten 'Kämpfen an Lady Sackville Hüber,gegangen ist. soll nunmehr Verkauft werden. Während ein Teil der Wallacc-Sammlung in den Besitz des englischen Volkes gelangt ist und eine Zierde
ver Londoner Nationalgalerie bildet, ist dieser TM bisher sorgfältig vor dem Publikum verborgen gehalten worden, verfügt aber ebenfalls über Schätze von einzigartigem Wert Die Sammlung ist auf 7 Millionen Mark taxiert worden; doch hat der große amerikanische Sammler Widener 16 Millionen Mark dafür geboten, und in Fachkreisen glaubt man, daß eine öffentliche Versteigerung, die im Juni in London 'statt- finden soll, eine noch höhere ©utnrne erzielen würde Jeden- falls wäre damit -er Rekordpreis ausgestellt, der bisher für eme Kunstsammlung gezahlt worden ist. Die höchste Summe
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aemeße1 in ^4 C Ter S rS D fr^ e » ti £ 0n - Aus Stockholm wird aravbie berichtet^^8 ^xwllschaft für Anthropologie und Geo- ^dmiral^ SRa !?s Präsident des antarktischen Ausschusses, Ervedttwn na^^ l»Vega"-Expedition), von der neuen der- WnrS Sudpolargegenben. Schon auf der Heim- w , 1 ntpvÜ > „„ b rt,f,oIb! ’chen Expedition, die im Jahre 1901 mit . ^ ugenen „Antarctic" nach diesen Gebenden unter
er, cs; 0r ^ en war, wurde eine neue Expedition geplant, lll 1915 aufbrechen soll. An der östlichen Seite
des Antarktis; undes soll ein Hafen gesucht werden. Die
mH?* s toerben auf fünf Jahre veranschlagt. Sechs Ge- teyrre, oarunter zwei Engländer, wollen die Expedition be- S- e £‘.. rt r te Gesamtkosten dürften 270 000 Kronen betragen. S)xe Halste dieser Summe soll Schweden aufbringen, die andere yalfte wird von England durch Beiträge des Britischen Museums und der Königlichen Geographischen Gesellschaft erhofft. Die einmaligen, auf 75 000 Kronen berechneten Ausgaben soll ausschließlich Schweden bezahlen. Die von der Expedition zurückgebrachten Sammlungen sollen zwischen England und Schweden geteilt werden.
