Nr. 138. Montag, 23. Marz 1611. Wiesbadener Tklgblatt.
' Offiziöses über die deutsch-russischen Beziehungen. Die
„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau: Für das Verhältnis unter den Großmächten ist es nützlich, daß die heftige Fehde zwischen den deutschen und russischen Zeitungen nachgelassen hat. Beide Regierungen sind einig barm, wertvolle Interessen ihrer Reiche nicht durch nationalistische Erregungen gefährden zu lassen. Besondere Anlässe zur Trübung ihrer freundschaftlichen Beziehungen liegen nicht vor. Die noch unerledigten Zwischenfälle von Perm und Köln werden nach den Grundsätzen des geltenden Rechts beizulegen sein.
* Gänzliche Abschaffung des polnischen Religionsunterrichts in Posen. Der „Kursor Pqznanski" teilt mit, daß in den Pasener Volksschulen der polnische Religionsunterricht, der auf der Unterstufe noch besteht, äbgeschafit wird.
* Eine neue Verhaftung im Kieler Werftprozetz. Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters im Kieler Werftprozeß wurde der in Hamburg wohnende Otto Chrunfft verhaftet. Ec ist dadurch überführt worden, daß man in seiner Wohnung von ihm Unterzeichnete Quittungen gefunden hat. Der Verhaftete wurde dem Hamburger Gerichte zugeführt.
Parkarnentarik-no«..
Ein Gesetzentwurf, betr. den Postdampferverkehr mit überseeischen Ländern. Dem Reichstag fit ein Gesetzentwurf, betreffend „Postdampfschiffsverbindungen mit überseeischen Ländern", zugegangen, in dem der Reichskanzler ermächtigt wird, vom 1. Oktober ab die Einrichtung und Unterhaltung von regelmäßigen Postdampsschiffsverbindungen zwischen O st a s i e n, Australien und den Schutzgebieten in der Südsee aus die,Dauer Ibis zu fünfzehn Jahren einem deutschen Unternehmen zu übertragen und ihm eine Reichsbeihilfe bis zu einem Höchstbetrage von jährlich 1 300 000 M. zu bewilligen. Es müssen Fahrten statbfinden: a) auf der Linie Hongkong-Rabaul-iNdney in Zeitabständen von längstens vier Wochen, b) aus der Linie Singapore-Neu- guinea-Apia (Samoa) in Zeitabständen von längstens acht Wochen, c) im Jwseldienst in Zeitabständen von längstens drei Monaten. Der Entwurf setzt ferner die.Fahrgeschwindigkeit der Dampfer fest, welche die Post und deren Begleiter ohne besondere Entschädigung zu befördern haben, und bestimmt, daß die Dampfer auf deutschen Werften gebaut werden müssen. Für ungerechtfertigte Verzögerungen in den Fahrten werden entsprechen-? Abzüge von der Reichsbeihilfe gemacht. Erwachsen dem Unternehmer aus den Fahrten dauernd größere Gewinne, so können ihm entweder entsprechend größere Leistungen auferlogt oder die Reichsbeihilfe gekürzt werden. Dem Entwürfe liegt eine ausführliche Denkschrift über die bestehenden Reichspost,dampfervevbindungen mit Ostasien, Australien und den Schutzgebieten in der SMsee sowie über die geplante künftig? Gestaltung bei.
Eine sozialdemokratische Anfrage, betr. die Regelung des Theaterwesens. Die Abgeordneten Dr. Frank und Scheidemann (Soz.) stellen im Reichstag folgende Anfrage: Da in
dem Gesetzentwurf vom 25. Februar 1914, betreffend Ände. rung der Gewevbeordnung, für einen Teil theatralischer Vorstellungen neue Bestimmungen vorgeschlagen werden, ist die Befürchtung laut geworden, daß die zugesagte Regelung des ganzen Theaterwesens noch auf lange Zeithmausgeschoben sei. Ist der Herr Reichskanzler bereit, darüber Auskunft zu geben,
noch in diesem Jahre der Entwurf eines Reichstheaterge- 'ctzeS dem Reichstag vorgelegt werden wird?
Eine nationalliberale Anfrage, betr. das Konsulat in Aden. Der Abgeordnete Bassermann hat im Reichstag felgende kleine Anfrage gestellt: „Ist die Zeitungsnachricht
'■'cfttia, daß das kaiserliche Konsulat in Aden durch die englische Firma Aden Coai Co. verwaltet und nach außen durch einen Deutschen, welcher Clerc dieser Gesellschaft ist, rcuräfentiert wird? Gedenkt der Herr Reichskanzler in Rücksicht auf die Wichtigkeit der dortigen deutschen Interessen die, Einsetzung eines Berufskonsuls in Aussicht zu nebm-m?"
Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses genehmigte am Samstagabend den Etat der Verwaltung der direkten Steuern.
Peer und JCTotte.
Die Verlegung der Uuteroffizierschule Biebrich zum 1. April 1914 nach Wetzlar wird jetzt im „Armee-Verordnungsblatt" amtlich bekanntgegeben.
Poft rte?? om ft a!itt.
Einnahmen der Post- und Telegraphenverwaltung. Die
Reichspost- und Telegrapheriverwaltung hat bis Ende Februar 752 468 778 M., die Reichseisenbahnvcrwaltung 144 185 000 Mark eingenommen.
Buslaud,
Gsterreich-Ungarn.
Kaiser Wilhelm hei den großen Manövern? Budapest, 22. März. Der „Pester Lloyd" meldet, daß die diesjährigen großen Manöver, denen wahrscheinlich auch Kaiser Wilhelm beiwohnen werde, vom 2. bis 5. September in der Umgebung von Steinamanger zwischen der steirischen Grenze und der Raabebene abgehalten werden.
Krankreich.
Aus der Rochette-Kommission. Paris, 21. März. Die Untersuchungskommission für die Rochette-Ange- legenbeit hat heute den ganzen Tag unter dem Vorsitz Jauräs getagt. Es wurde heute eine ganze Anzahl politischer Persönlichkeiten vernommen: wach den Verhören scheint es, als ob der heutige Tag für die Regierung ungünstig gewesen ist. Mehrere der verhörten Justizbeamten äußerten sich in schwer belastender und sogar beleidigender Weise gegen Monis und Caillaux. Rach ihren Angaben ist es unleugbar, daß von den beiden tatsächlich ein Druck auf den Generalstaatsanwalt F a b r e ausgeübt worden sei, um eine Vertagung des Prozesses Rochette zu erreichen.
Frau Caillaux vor dem Untersuchungsrichter. Paris, 21. März. Frau Caillaux wurde nachmittags von dem Untersuchungsrichter B o u c a r d im Justizpalaste vernommen. Sie erklärte u. fl., daß sie für die öffentliche Tätigkeit ihres Gatten stets den innigsten Anteil gehabt hätte. Seit zwei Jahren habe man gegen ihn Line abscheuliche Fehde geführt, er sei aus jedem Anlaß angegriffen worden, ganz besonders wegen der Abtretung eines Teiles des Kongo
gebietes. Man habe ihm unverblümt vorgeworfen, daß er denselben an Deutschland verkauft habe. Sie fei durch all diese Verleumdungen aufs tiefste erregt geworden. Einen besonders heftigen Charakter hätten diese Angriffe seit der Bildung des Kabinetts Doumergue angenommen. Sie habe immer mehr und mehr gemerkt, daß man ihr gegenüber eine f e i n d- selige Haltung beobachtete, z.' B. wenn sie in einen Salon eingetreten sei. Das habe sie angesichts der un- besireitlichen Redlichkeit ihres Gatten auf das , tiefste enipört. Sie sei über die Veröffentlichung des Briefes mit der Unterschrift „Dein Jo" im „Figaro", maßlos empört gewesen. Der Besitzer dieses Briefes, besaß auch zwei von Caillaux vor ihrer Verheiratung mit ihm an sie geschriebene Privatbriefe. Da sie befürchten mußte, daß auch diese veröffenlicht würden, plante sie, gerichtlich gegen Calmette vorzugehen und fragte den Präsidenten Monnier deshalb um Rat. Damit schloß das Verhör, das mehrmals durch Weinkrämpfe der Angeklagten unterbrochen wurde. — In Advokatenkreisen wird erzählt, daß Frau Caillaux nunmehr in einer Zelle der Conciergerie in Haft gehalten werden soll, weil man vermeiden will, daß sie auf dem Wege von dem St. Lazare-Gefängnis nach dem Justizpalast feindseligen Kundgebungen ausgesetzt werde.
Neue Kundgebungen in Paris. Paris, 22. März. Gestern abend fanden nach dem militärischen Zapfenstreich neue Manifestationen statt, die teilweise in blutiges Handgemenge ausarteten. Auf dem Place de la Concorde rottete sich eine Schar junger Leute und Studenten zusammen und rief wiederholt: „Nieder mit Caillaux! Nieder mit dem Mörder!" Es bedurfte verstärkter Polizeimannsch asten, um die sich zur Wehr setzenden Manifestanten zu zerstreuen. Auch im lateinischen Viertel kam es zu Kundgebungen von Studenten, die „Nieder mit dem Mörder Caillaux!" und „Thalamas nach Charenton!" riefen. (Charenton ist das franiösische Staatsirrenhaus.) Vor dem Gymnasium Condorcet manifestierten Gymnasiasten, die sich zu einem langen Zug vereinigten und Verwünschungen gegen Caillaux und Thalamas ausstießen. Die Polizei zerstreute sie schließlich.
Spenden für ein Calmette-Denkmal. Paris, 22. März. Dem „Figaro" sind von verschiedenen Seiten Geldspenden für die Errichtung eines Calmette- Denkmals zugekommen. Einer der Spender wünscht, daß an der Stirnseite des Hauses des „Figaro" die Bronzebllste des Ermordeten angebracht werde mit der Inschrift: „Gaston Calmette, welcher in Erfüllung seiner Pflicht starb."
Strafantrag gegen Thalamas. Paris, 21. März. Ein Bürger von Versailles hat bei der Staatsanwalt- schaft gegen den radikalen Abgeordneten Thalamas Strafanzeige erstattet, weil dieser durch seinen an Frau Caillaux gerichteten Brief sich der Aufreizung zum Mord oder zum mindesten der Verherrlichung eines Verbrechens schuldig gemacht habe.
Spanien.
Ein hoher französischer Orden für General Marina. Madrid, 22. März. Die französche Regierung hat, wie die Blätter melden, dem General Marina das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen.
Italien.
Admiral Faravelli f. — Vizeadmiral Cagni rehabilitiert. Rom, 23. März. Admiral Faravelli, der schon während des italienisch-türkischen Krieges Höchstkommandierender der italienischen Flotte war und die Beschießung von Tripolis im Jahre 1911 leitete, ist heute vormittag gestorben. — Vizeadmiral Cagni, der nach dem Unglück, das den Panzerkreuzer „St. Georcstus" an der Meerenge von, Messina betraf, zur Disposition gestellt worden war, ist rehabilitiert worden. , ^ ..
Die endgültige Liste der Unterstaatssekretare. Rom, 23. März. Die endgültige Liste der Unterstaatssekretäre ist nach dem „Giornale d'Jtalia" folgende: Celesta, Inneres; Boriarelli, Äußeres: M^ca Castano, Kolonien: Battaglieri, Marine: Rosadv, Unterricht;
Chimienti, Justiz: Dacomo, Finanzen; Baslini, Schatzamt; Visochi, öffentliche Arbeiten; Cottafavi, Ackerbau; Marcello, Postwesen; das Unterstaatssekretariat des Krieges wird nach Ernennung des Mmisters besetzt
werden. „ t m
Der Bischof von Fulda berm Papst. Rom, 21. März. Der Papst empfing heute den Bischof von Fulda, Schmidt.
Türket
Exsultan Abd ul Hamid schwer krank. London,
22. März. Wie hier vorliegende Prrvatdepeschen aus Konstantinopel melden, ist der Gesundheitszustand des Exsultans Abd ul Hamid werft schlecht. In ärztlichen Kreisen verlautet, daß sein Ableben nahe bevor steht.
Mexiko.
Die neue Schlacht bei Torreon. New Jork, 23. März. Depeschen aus Mexno melden, daß eine neue Schlacht zirka 2 Kilometer nordnch, von Torreon stattgefunden hat. Die Rebellen sollen rm großen und gan- zen siegreich geblieben sein. Die gruppen Huertas verloren 106 Mann an Toten, wahrend die Rebellen nuk 3 Tote und 7 Verwundete gehabt haben sollen. Die Regierungstruppen haben stch uach langem Ringen zurückgezogen. Depeschen aus Chihuahua besagen, daß die Rebellen auch dort uoer die Truppen Huertas
siegreich gewesen sind.
Huertas Rücktritt. Frankfurt a. M., 21. März. Die Meldung des mexikanischen Korrespondenten der „Frkf. Ztg.", Präsident Huerta werde im kommenden Sommer vorübergehend zurucktreten, um bei den Neuwahlen verfassungsmäßig für die Präsidentschaft kandidieren zu können, findet jetzt in mehreren New Aorker Blattern, Bestätigung. Es wird berichtet, daß dann der Minister des Auswärtigen, R o j a s, als provisorischer Präsident fungieren wird.
Abend-Ausgabe, 1. Blatt. _ Seite 3.
9ieu ist jedoch, daß den jetzigen Meldungen zufolge Präsident Wilson sein Einverständnis mit dieser Schiebung ausgedrückt haben soll. Eine Bestätigung dieser letzten Meldung bleibt abzuwarten. — Rojas ist gestern von Veracruz nach Mexiko zurügekehrt.
Hinrichtuugcn auf Befehl Huertas. Brownsville (Texas), 21. März. Nach Privatmeldungen aus Mexiko ließ General Huerta 19 Offiziere, ehemalige Anhänger des Jnsurgentengenerals Angeles, im Gefängnis hinrichten.
Australien.
Die Angst vor Japan. Wellington (Neuseeland), 21. März. Der Premierminister erklärte in einer Ansprache in Greymouth aus die Rode Churchills bezugnehmend, er glaube nicht, daß das englisch- japanische Bündnis Australien Sicherheit gowähre. Die Zeit würde kommen, wo der S t i I I e Ozean der Mittelpunkt von Stürmen sein würde. Dann müsse man englische Schisse im Stillen Ozean haben, die bereit seien, sich mit jedem Feind zu messen. Wenn England nicht in der Lage sei, Neuseeland mit zwei Kreuzern der Bristol-Klasse zu unterstützen, würde Neuseeland selber einen bauen.
Luftfahrt.
Eine Freiballon-Wettfahrt. Berlin, 23. März. In Schmargendorf fand gestern der Start zu einer Ballon-Ziel? fahrt statt, an der acht Ballons teilnahmen. Sieger wird voraussichtlich der Ballon „Harburg 2", der vermutlich am nächsten des etwa 160 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegenen Ziels Friedeberg landete.
Ein verunglückter Pegoud-Nachahmer. Basel, 23. März. Bei einem Schausliegen ist der 19jährige Flieger B o r r e r tödlich verunglückt. Er wollte Schleifenslüge nach Pegoudscher Art ausführen. Ms er sich auf dem Rücken befand, kippten die Flügel des Apparats zusammen und das Flugzeug schoß pfeilschnell zur Erde. Es wurde zertrümmert und der Flieger getötet. Sein Vater war Zeuge des Todessturzes.
Bus Stabt und tanh .
Wiesbadener Nachrichten.
— v. Steins letzte Enkelin f. Die letzte Enkelin des Reichsfreiherrn v. Stern, Frau Gräfin von der Groeben, ist in Potsdam gestorben. Sie war die Majoratsherrin der v. Steinschen Schlösser und ausgedehnten Besitzungen in Nassau, Meiningen und Westfalen. Dieselben gehen nun als Majorat an den Sohn der Verstorbenen, den Grafen Unico von der Groeben über, der die meiste Zeit in Paris lebt.
— Vom 48. Kommunallandtag. Von den 70 Mitgliedern, die dem am 20. April d. I. zuscnnmentretenden 48. Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden angehören, sind im abgelaufenen Jahre drei verstorben: Bürgermeister Hartmann (Hadamar), einer der drei Vertreter des Wahlbezirks Limburg, Landrat, Geheimer Regierungsrat Dr. Beckmann (Usingen), einer von den zwei Vertretern des Wahlbezirks Usingen, und Bürgermeister a. D. Dr. Heussenstamm (Frankfurt a. M.), einer von den 23 Vertretern des Wahlbezirks Frankfurt a. M. Für Hartmann und Heussenstamm haben die Wahlen bereits stattgefunden. Ob die für Dr. Beckmann noch bis zum Zusammentritt des Kommunallandtags stattfinden wird, ist fraglich. — Von den 70 Abgeordneten gehören 10 seit dem Jahre 1886, also seit Einführung der neuen Provinzialordnung, dem Kommunallandtag an, und zwar die Abgeordneten Rentner Theis (Gladenbach), Bürgermeister Groos (Offenbach), Kommerzienrat Grün (Dillenburg), Bürgermeister a. D. Kröck (Bettendorf), Gutsbesitzer Sturm (Rüdesheim), Bürgermeister a. D. Körner (Wehen-Jdstein), Oberbürgermelster a. D. Dr. v. Jbell (Wiesbaden), Stadtrat Dr. Flesch, Geh. Justizrat Dr. Geiger und Geh. Justizrat Dr. Humser, alle von Frankfurt a. M. Vor Einführung der Provinzialordnung im Jahre 1886 gehörten von diesen bereits dem Landtag, der damals zu seinen Mitgliedern zählte: die Standesherren, die Vertreter des Großgrundbesitzes und Abgeordnete der Kreise, an: Kommerzienrat Grün (Dillenburg),- Bürgermeister a. D. Kröck (Bettendorf) und Bürgermeister a. D. Körner (Wehen-Jdstein), welch letzterer bei dem jetzigen Kommunallandtag mit 83 Lebensjahren der Alterspräsident ist.
— Neuwahl der Schuldeputation. Am Freitag erfolgte die Wahl der Unterrichts- und erziehungskundigen Mitglieder der städtischen Schuldeputation. Rektor Kolb und Mittelschullehrer Stern wurden wiedergewählt. Mittelschullehrer K l ä r n e r war in der Eigenschaft als Stadtverordneter zu einem früheren Termin bereits wiedergewählt worden. An Stelle der ausscheidenden Handarbeitslehrerin Fräulein Müsset wurde die katholische Lehrerin Fräulein Maria Schmidts, welche, wie Rektor Kolb, an der Bleichstratzenschule angestellt ist, in die Schuldeputation gewählt.
— Allgemeine Poliklinik. Von berufener Seite wird uns mitgeteilt: Nachdem am 31. Dezember infolge Einführung der Reichsversicherungsordnung die Allgemeine Poliklinik in der Helenenstratze geschlossen werden mutzte, ist das gesamte ärztliche Instrumentarium dem Wiesbadener Verein vom Roten Kreuz, das Mobiliar und sonstige Inventar dem Wiesbadener Stadtverband für Jugendfürsorge, der Arzneischrank der Elisabethen-Herlanstalt verabfolgt. Die Allgemeine Poliklinik wurde im vergangenen Jahr von über 3600 Patienten ausgesucht. An Jahres- und einmaligen Beiträgen gingen 1712 M. sowie der Jahresbeitrag der Stadt Wiesbaden in Höhe von 1000 M. ein. Die der Poliklinik bleibenden. 8000 M. — Nominalbetrag — sind vom Ärztekollegium in seiner Schlußsitzung folgendermaßen verteilt: 600 M. der Unterstützungskasse für die Schwestern vom Wiesbadener Verein vom Roten Kreuz, von der Erwägung ausgehend, daß dieser Verein die Vereinsbestrebungen anfänglich durch kostenlose Stellung der Schwestern unterstützt hat, in den letzten Jahren gegen eine ermäßigte Vergütung; 2800 M. sollen dem Wiesbadener Stadtverband für Jugendfürsorge überwiesen werden.
— Schulfeier. Die Entlassung des ältesten Jahrgangs der Fortbildungsschule wurde gestern vormittag durch einen Festakt in der Aula der Gewerbeschule vollzogen. Das Kuratorium, die Lehrerschaft, zahlreiche Meister und sämtliche Schüler nahmen daran teil. Nach gemeinsamem Choralgesang und einem Vortrag des Schülers Reinhold Schlabs („Der
