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0!r. 13®. Samstag, 21. März 1914.

geordneten Vajda (Rumäne), der die Notwendig, k e i t des A n s ch l u s s e s R u m ä n i e n s an den Dreibund betonte, er könne diesen Bemerkungen nur beipflichten und halte es für notwendig, dies aber­mals hervorzuheben. Denn im Ausland, wo man mit dem Stärkeverhältnis der Parteien im Abgeordneten­haus nicht vertraut sei und das Gewicht einzelner Ab­geordneter und ihrer Äußerungen nicht genügend wür­dige, könne eine optimistische Täuschung entstehen, als ob im ungarischen Abgeordnetenhaus eine gegen den Dreibund gerichtete Stimmung Platz zu grei­fen beginne. In dieser Hinsicht, sagte der Minister­präsident, erleichtert meine Aufgabe die erfreuliche Tatsache, daß auch die kompetenten Mitglieder der Opposition, welche die Fähigkeit besitzen, in außer­politischen Fragen Stellung zu nehmen, ohne Partei­unterschied sich bei jeder Gelegenheit, auch in der letz­ten Delegationssession, als Anhänger des Drei­bundes zeigten. Das Kokettieren mit Rußland und die Stellungnahme gegen den Dreibund scheint bloß ein taktisches Manöver zu sein, um zu be­weisen, daß die Unzufriedenheit, welche das gegenwär­tige Regime errege, auch das Festhalten am Dreibund ins Schwanken bringt. (Zustimmung.)

Belgien

Das Abkommen mit den Töchtern König Leopolds genehmigt. Brüssel, 20. März. Die Kammer hat das Abkommen der Regierung mit den drei Töch­tern des Königs Leopold II. Prinzessin Luise, Gräfin Stefans Lonyay und Prinzessin Viktor Napoleon und seiner Schwester der Kaiserin Charlotte über des Königs Nachlaß, mit 78 Stimmen bei 33 Stimm­enthaltungen genehmigt.

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Die Krise und die Macht der Presse. Paris, 21. März. Der Umstand, daß die mächtige radikal- soziale Partei über kein geeignetes Preßorgan verfügt, hat sich selten in allen Konsequenzen so fühlbar gemacht wie in der augenblicklichen durch das Attentat Frau Caillaux' gegen Calmette hervorgerufenen politischen Krise. Während die G e g n e r der radikalen Regie­rung Blätter vom Rang des „F i g a r o", des „G a u l o i s" und des „Echo d e Paris" zur Ver­fügung haben, können die Radikalen dieser starken Presse nur ganz unbedeutende gegenüberstellen. Die natürliche Folge ist, daß die Regierungsfreunde vollkommen mundtot gemacht werden und die öffentliche Meinung, die bisher dem Kabinett Doumergue durchaus nicht unfreundlich gegenüber­stand, allmählich in das Lager der Gegner hinllber- gerogen wird. Die regierungsfeindlichen Blätter be- richten über den Verlauf der Untersuchungen in der Rochette-Kommistion in tendenziös gefärbter Weile. Die Erklärungen des ehemaligen Ministerprä­sidenten Monis und Caillaux werden überall als Geständnisse der Schuldigen bezeichnet. Der setzt auch offiziell bestätigte Entschluß des Finanzministers C a i 11 o u x, sich für immer vom politischen Leben 'urückzuzieben, wird von den Gegnern gleichfalls als Eingeständnis seiner Schuld angesehen. In Wirklichkeit bat das'Verhör, das die Kommission im 9mtfe des gestrigen Tages vorgenommen hat, keiner- l e i unbekannte Tatsachen eraeben und weder Caillaux noch Monis erscheinen durch die Anssagen des General- staatsanwalts F a b r e, besten Rolle, selbst noch sehr mieiselbaft ist. irgendwie belastet Ern unerwartetes Ergebnis der Aussage Ccnllaux dagegen rst me / at- sgche. daß Briand. von dem man bisher glaubte, daß er der Rochette-Angelegenbeit ziemlich fern stand, plaß- lich in die Angelegenheit verwickelt erscheint. Auf allen Seiten siebt man dem weiteren, Verlauf der Unter­suchungen der Kommission am heutigen mrt leb-

Hafter Spannung entgegen und erwartet große Uber-

Das Lcichenbeaaugnis Calmettes. dar i s, 20. März. Das Leichenbegängnis Calmettes wno beute mittag unter zghlreicherReteiligung aus denKrenen der Literatur. Kunst und Politik statt. Unter den zahl­reichen Kränzen tragen einige Schleifen ^uiairif- ten, Calmettes M u t nnd,P a tr i o t i s m u s rühmend. Vorher fand ein Gottesdienst in der Krrche ©t ' stin- eois de Sales statt: di? Beerdigung erfolgte auf dem Friedbof von Batignolles. Eine große Volksmenge begrüßte den Tranerzug unterwegs. ,

Das militärische Zusammengehen mit Rußland. Paris, 21. März. Der französische Botschafwr ,rn Petersburg, Paläologue, wird voraussichtlich wie­der nach Petersburg abreisen. Hier will man wrsten, daß der Botschafter mit seiner Regierung über m U t- tLrische Fragen verhandelt hat und, betont, daß in französischen Kreisen immer mehr Stimmung mr ein engeres Zusammengehen Frankreichs mrt Nutz­land in militärischer Hinsicht besteht. A u ch trt Pet" rsburg soll man sehr für den a l l er e n g st e n militärischen Zusammenschluß beider Länder plädieren.

England.

Die Lage in Belfast. London, 20. März. Wie bekannt wird, wurden in Belfast gestern abend, 800 Freiwillige mobilisiert, um die Häuser der Nmomsten- führer zu bewachen. „Die Ulsterleute halten eine Kon­ferenz ab, die am späten Nachmittag noch fortdauerte. In Dublin finden Besprechungen zwischen den engli­schen Zivil- und Militärbehörden statt.

Verstärkung der Garnisonen in Ulster. London, 20. März. Die Wachen in dem Truppenlager Curragh lGrafschast Kildars) wurden verdoppelte Zweihundert Mann Infanterie kamen unerwartet an. In der Dublinbai ankern zwei Kriegsschiffe. Carson fordert seine Anhänger in einer Bekanntmachung ernst- lich Quf, eine würdige Ruhe und friedliche Hal- tung zu bewahren. Wie die Nationalisten ankündigen, findet am Sonntag eine Parade über die nationa­listischen Freiwilligen in den Straßen L o n d an­der r y s statt, wo die politischen Leidenschaften stets beftig sind. Aus den Baracken von Newbridge sind

Wiesdaderrsr Tagdl att.

Waffen abhanden gekommen, infolgedessen sind Vor­sichtsmaßregeln ergriffen worden. Die Spannung in Dublin nimmt zu.

Italien.

Große Aussperrungen in der Handelsmarine. Genua, 21. März. Die Vereinigung, der unabhängi­gen Reeder hat eine allgemeine Aussperrung be­schlossen. 200 Schiffe, also mehr als die Hälfte der gesamten italienischen Handelsmarine, werden auf diese Weise in den italienischen Häsen festgehalten.

Bufilfluö.

Der Kriegsminister reist nach Paris. ** Peters­burg, 20. März. Kriegsminister General Suchom- I i n o w soll in diesen Tagen, wie der, „Djen" meldet, in einer wichtigen Mission über Berlin nach Paris reisen.

Schweden.

Ern neuer Warnruf Sven Hedins. Stockholm, 20. März. Die neue Verteidigungsbroschüre, die in der letzten Zeit von Sven Hedin unter dem Titel „Die zweite Warnung" ausgearbeitet wurde, wird in diesem Tagen in einer Million Exemplaren in, ganz Schweden verteilt. Sven Hedin sieht in der bisherigen Neu­tralität s p o l i t i k nach allen Seiten Gefahr und fordert zum Anschluß der schwedischen auswärtigen Politik an die Mächte des Dreibundes, hauptsächlich an Deutschland, auf.

China.

Fortschritt des „Weißen Wolf". Sianfu (Provinz Schensi), 20. März. Räuberbanden des „Weißen Wolf" sind in die Provinz Schensie eingedrungen, nachdem sie Kintzewana in Honan geplündert hatten. Es ist bekannt, daß frühere Revolutionsführer aus Schensi sich beim „Weißen Wolf" befinden. In Sianfu herrscht Ruhe.

Luftfahrt.

Todessturz eines russischen Militärflieger-Instrukteurs. Sebastopol, 20. März. Der Instrukteur der Militär­fliegerschule, Hauptmann Andreadi, stürzte bei einem Fluge ab und wurde sofort getötet.

Oer neue Haushaltsplan der Ltadt Wiesbaden.

— Wiesbaden, 20. März.

In die Beratung der Etats der Zweigverwal­tungen eintretend, erstattet zunächst Stadtverordneter Re ich wein den Bericht des Finanzausschusses zu dem Etat des Akziseamts.

Stadtverordneter D e m m e r macht darauf aufmerksam, daß trotz des erheblichen Rückgangs der Einnahmen die Gehälter der Beamten des Akziseamts immer noch in bie Höhe gehen. Vielleicht könne man auch hier an Beamten- material sparen. Fraglich sei es vor allem, ob der Akzise- direktor überhaupt noch notwendig sei; er sei der Meinung, daß dieser Posten überflüssig wäre. Man sollte den Akzisedirektor anderswo unterbringen. Der Herr werde sich allerdings seines Kasernenhoftons wegen anderen Verwaltungszweigen nicht gut einfügen, die Stadt könne ihn ja vielleicht als Gendarmerieosfizier dem Staat billig abgeben.

Beigeordneter Travers erwidert, es seien bereits 14 bis 16 Akzisebeamten in anderen Verwaltungen untergebracht worden. Daß die Gehälter trotzdem gestiegen sind, liege an der Normalsteigerung, die der Besoldungsplan vorsieht. Im Jahre 1915 werde die Bierakzise vermindert werden; die Akzisedeputation werde überlegen, in welcher Weise dann das Personal herabgesetzt werden kann. Daß der Akzisedirek- tor als solcher nicht vollständig beschäftigt sei, stehe fest, man habe sich bemüht, ihm noch andere Arbeiten zuzuweisen., Her- ausschmeißen könne man ihn nicht, da er auf Lebenszeit an­gestellt sei.

Stadtverordneter Hart mann stellt den Antrag: „Die Stadtverordneten-Versammlung gibt dem Magistrat an-

heim, eine Sachverständigen - Kommission ein- zusetzen und mit der Prüfung der Frage zu betrauen, in wel­cher Weise sich eine anderweitige Organisation der Verwaltung ermöglichen laßt, um eine Ein­schränkung des Schreibwerks und des Personals zu erzielen."

Oberbürgermeister G l ä s s r n g beendet sich gegen die An­nahme des Antrags, den er als „zwecklos „bezeichnet, da die Fragen, welche von der Kommission geprüft werden sollten, lediglich von den Dezernenten der Verwaltungszweige beurteilt werden könnten. Er habe schon verschiedEnemal aus­einandergesetzt, daß sich die Verwaltung mit der Neuorganisation der Beamten

beschäftige; erst im letzten Jahre seien infolge dieser Orga- nisationsbestrebungen bei der Bauverwaltung 22 000 M. Er­sparnisse erzielt worden. Außerdem wurden Ersparnisse er­zielt durch die Umorganisation der © > t euerkasse und der H a u p t k a s s e. In den letzten Zähren sei kein neuer Beamter mehr angestellt worden, darin möge man den festen Willen des Magistrats erblicken, nicht zu viel Be­amte anzustellen. Der Magistrat könne nur das eine Prinzip verfolgen, freiwerdende und nicht unbedingt notwendige Stellen nicht mehr zu besetzen; für die Beamten sei das frei­lich schmerzlich; es verhindere das Avancement, er könne ihnen aber leider nicht helfen.

Stadtverordneter H a r t m a n n macht noch darauf auf­merksam, daß er nicht die Stadtverordneten-Versammlung, sondern den Magistrat mit der Zu>ammensehung der Kom­mission beauftragen wolle, .Nnwauf Oberbürgermeister G l ä s s i n g erwidert, wenn ein polcher Antrag angenommen werde, so heißt das — und die Öffentlichkeit, faßt xZ nicht an­ders auf —, daß. der Magistiwt auf diesem Gebiet nicht genug getan hat. Das mutz entschieden bestritten werden. — Stadtverordneter Hartmann besteht nicht auf der Ab­stimmung über seinen Antrag. Der Etat der Akziseverwal­tung wird darauf genehmigt.

Stadtverordneter P u r r u ck e r berichtet zn dem Etat der

Bachmeherschen Nachlaßverwaltung, der glatt genehmigt wird.

Den Bericht zu dem

Etat der Bädervcrwaltung

trägt Stadtverordneter Häffner vor. Der Ausschuß emp­fiehlt die Genehmigung des Etats, er empfiehlt a’6et irrtet dem Magistrat, den Rabatt aufzuheben, der den Inhabern von

Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 3.

Knrtaxkarten im Kaiser - Friedrich - Bad gewährt wird, zum mindesten aber, wenn eS sich um Thermalbäder handelt. Die Bäderpreise seien in diesem vornehmen Hause im Vergleich zu den städtischen Badehäusern anderer Kurorte erstaunlich niedrig. Zudem werde den Ein­wohnern der Stadt auch kein Rabatt gewährt, und was diesen recht sei, müsse den Kurgästen billig sein.

Stadtverordneter v. D r e i s i n g spricht sich für Beseiti­gung des Bedienungsgeldes aus. Las lieber auf die Badekarten geschlagen werden solle. — Stadtrat Kraft teilt mit, diesem Wunsche sei bereits Rechnung getragen worden, indem die B e d i e n u n g s g e l d e r in der letzten Zeit gestrichen worden seien. — Stadtverordneter D e m m e r wundert sich darüber, daß trotzdem 22 000 M. Bedienungsgelder im, Etat stehen. Vom M a g i st r a t wird erwidert, daß die Streichung der Bedienungsgelder nachträglich geschehen sei. — Stadtverord­neter D c m mer bemerkt, das hätte derStadtverordneten-Ver- sammlung mitgeteilt werden müssen. Weiter führt er aus, die Zuschüsse zu den Volksbrausebädern seien von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Vielleicht sei es möglich, die Bolksbrausebäder Samstagnachmittags von 4 Uhr an für Schulkinder zu sperren, um sie für den gerade in den Samstagnachmittagsstunden besonders starken Andrang der Arbeiterschaft sreiznhalten. — Stadtrat Kraft erklärt, eine Tariferhöhung sei für einzelne Bäder des Kaiser-Friedrich- Bads bereits eingetreten. — Oberbürgermeister G l ä s s i n g sagt Erwägung der Anregung des Stadtverordneten Demmer zu. Er gebe zu, daß die Bäderpreise des Kaiser-Friedrich- Bads außerordentlich billig seien, aber gerade diejenigen, die diese Preise für zu niedrig halten, nehmen noch niedrigere Preise. Der Magistrat steht auf dem Standpunkt, daß es wünschenswert sei, wenn eine Reihe von Hotels niedrige Bäderpreise habe, und zwar mit Rücksicht darauf, daß, auch Kurgäste nach Wiesbaden kommen, die nicht die höchsten Preise vezahlen können. Die Stadt dürfe ihre Preise nie­mals so hoch stellen, daß ihr die guten Hotels, die sehr gute Badeeinrichtungen haben, zu scharfe Konkurrenz machen. Kaufmännisch richtig wäre es gewiß nicht, höhere Preise zu nehmen als die guten Hotels, da das Kaiser-Friedrich-Bad als gewerblicher Betrieb eine Rente bringen muß. — Stadtverordneter Warner fragt, ob der Entwurf des Voranschlags noch mehr P o st e n enthalte, die nicht zu­treffend seien. — Oberbürgermeister Glä ssing er­widert, man sei nicht berechtigt, von dem einen Fall all­gemeine Schlüsse zu ziehen. — Stadtverordneter Zorn führt aus, die billigen Bäderpreise kämen von, den, Bade­häusern her, die sehr wohl in der Lage seien, sie in die Höhe zu setzen, was sehr wünschenswert wäre. Die Fremden, die in großen Hotels wohnten, besuchten das Kaiser-Friedrich-Bad doch nicht. Das Publikum sei heute so verwöhnt, daß es die Bäder am liebsten neben dem Schlafzimmer habe. Der Red­ner ist überhaupt der Ansicht, daß

das Kaiser-Friedrich-Bad seinen Höhepunkt erreicht hat, wenigstens was die T h e r m a,,l b ä d e r angeht. Bei den medizinischen Bädern möge später vielleicht eine bessere Rentabilität herauskommen. — Stadtverord­neter Sanitätsrat Friedländer meint, wer die Entwick­lung des Kaiser-Friedrich-Dads während des ersten Jahres verfolgte, wird konstatiert haben, paß in der Zeit vom Mar bis Juni das Maximum erreicht worden ist, während in den anderen Monaten eine Steigung entsprechend der Zunahme der Fremdenfrequenz möglich sei. Das Bonheft werde von den Kurgästen sehr geschätzt. — Nachdem Stadtverordneter Häffner noch darauf hingewiesen hat, daß die Hotels alle höhere Preise berechnen, als das Kaiser-Friedrich-Bad, wird der Etat der Bäderverwaltung ebenfalls genehmigt.

Die Berichte zu den Etats der Kurfondsverwal­tung und der Kurverwaltung trägt ebenfalls Stadt­verordneter P u r r u ck e r vor. Beide Etats werden geneh­migt. — Die Berichterstattung zu den Etats des Verkehrs­bureaus, des Kurtaxbureaus und des „Bade- b l a t t s" hat wieder Stadtverordneter H ä f f n e r übernom­men. Der Referent teilt mit, Verkehrsdirektor Kessel- r r n g habe im Finanzausschuß vorgeschlagen, eine Verlängerung der Knrtaxkarten um 5 Tage einzuführen, da die Fremden sehr oft ver- ärgert "weggingen, wenn sie einige Tage über die bezahlte Zeit hinaus hierbleiben wollen, das aber nicht können, ohne eine neue Karte zu lösen. Der Finanzausschuß sei der Ansicht, daß es nicht im Interesse der Stadt liege, wenn die Fremden ungünstig über Wiesbaden urteilten, er empfehle daher den Vorschlag. — Beigeordneter Borgmann bezeichnet es als ungewöhnlich, daß in dem Bericht des Finanzausschusses der Antrag eines Dezernenten zum Ausdruck komme. Der Magistrat habe beschlossen, den Antrag abzulehnen. — Stadtverordneter v. Dreising fragt, ob der Magistrat von den 73 000 M„ die für das Verkehrsbureau eingestellt seien, nicht 5000 M. für die Bewirtung von Ärzten reservie­ren könne. Das sei doch die beste Reklame. — Beigeordneter Borgmann entgegnet, gerade wissenschaftliche Kongresse ständen auf dem Standpunkt, derartige Be­wirtungen durch die Städte seien nicht erwünscht. — Oberbürgermeister Glässing fügt ergänzend hinzu, daß der preußische Städtetag direkt aufgefordert hat, die Be­wirtung von Kongressen und ausländischen Reisegesellschaften zu unterlassen. Im vorigen, Jahr sei es hier vorgekommen, daß der Maneger einer Gesellschaft, die Gott weiß woher kam, bei der Bewirkung im Kurhaus meinte:

„Da draußen stehen noch ein paar Ladies, können die nicht vielleicht auch mitessen?"

Die Ladies waren Damen aus Wiesbaden! (Große Heiter­keit.) Zur, Frage der Verlängerung der Kurtaxkarten meint der Oberbürgermeister, in demselben Moment, wo man die Fünftagekarten einführe, werde sich ein Ausfall von eint­en tausend Mark ergeben. — Stadtverordneter Zorn hält eine Änderung in,der Erhebung der Kurtaxe wenigstens ange­bracht, so weit die stille Winterzeit in Betracht komme. — Stadtverordneter Dr. Dreher erklärt, es sei eine Pflicht des Finanzausschusses, auf Verbesserungen hinzuweisen, auf die er aufmerksam ge­macht werde. Das habe er auch in diesem Fall getan, indem er dem Magistrat die Sache zur nochmaligen Erwägung an­heimgab. — Beigeordneter Borgmann stellt fest, daß ihm nichts ferner gelegen habe, als dem Finanzausschuß einen Vorwurf zu machen. Er habe sich nur dagegen gewendet, daß in dem Bericht die Meinung eines städtischen Beamten zum Ausdruck komme. Seines Erachtens durfte der Verkehrsdirek­tor seinen Vorschlag dem Finanzausschuß nicht mehr unter­breiten; der Beschluß des Magistrats hatte ihm dte Richtschnur für sein Verhalten im Finanzausschuß gegeben. — Stadtver­ordneter b. ©reiftnß erklärt, er habe bei seinem Vorschlag natürlich nicht daran gedacht, daß Amerikaner und Australier bewirtet werden sollten. — Stadtverordneter Haffner nimmt den Verkehrsdirektor in Schutz, der lediglich auf die