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Serie A4. _ Morgen-Au sgabe, 3. Blatt

— Di« Schankkonzessions st euer, die 1910 noch mit 78 000 M. eingestellt werden konnte, kommt infolge der wie­derholten Änderungen jetzt bloß mit 20 000 M. in Betracht. Sie hat bis 28. Februar 1914 nur 16 600 M. ergeben, wie dies gelegentlich der letzten Änderung bereits vorhergesagt Worden war. — Bloß

die direkten Steuern

zeigen ungeachtet unserer niedrigen Sätze eine gesunde stetige Zunahme und empfehlen damit die Beibehaltung der seit langen Jahren befolgten Steuerpolitik. Trotz der geübten vernünftigen Sparsamkeit ist Wiesbaden dabei eine der schönsten, angenehmsten und gesündesten Städte Deutschlands geworden. Ermöglicht wurde dieses Resultat aber auch mit dadurch, daß Wiesbaden in seinen industriellen Werken, dem städtischen Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerk, werbende An­lagen hat, die der Stadtkasse bedeutende Überschüsse zur Ver­fügung stellen konnten, zum Teil freilich nur unter Heran­ziehung von Überschüssen aus früheren Jahren. Die letzteren erscheinen in dem vorliegenden Budget zum letztenmal. Sollen diese Werke weiter die Finanzen Wiesbadens kräftig unter­stützen können, so müssen dieselben aber auch produktiv er­halten bleiben und es darf ihnen nicht durch Herabdrückung ihrer Preife die Lebenskraft beschränkt werden. Wir sind darin bereits etwas weitergegangen, wie manchen richtig er­schien, als wir den

Preis für unser vortreffliches Wasser von 30 auf 25 Pf. den Kubikmeter ermäßigt haben. Es ge­schah dies, um solchen notleidenden Hausvermietern zu helfen, welche in Ermangelung von besonderen Wassermessern in den eii^elnen von ihnen vermieteten Wohnungen das Wasser für ihre Mieter mitbezahlen mußten und dies in der gegenwärtig gedrückten Lage vieler Vermieter als eine Härte empfanden. Eine als Kompensation gedachte mäßige Wasser­anschlußgebühr, die von den Mietern getragen werden sollte, fand in der borgeschlagenen Form keinen Beifall, und so gehen dem Wasserwerk bereits 170 000 M. jedes. Jahr verloren. Weiter in dieser Richtung darf aber nicht gegangen werden, wenn unsere Finanzen gesunde bleiben sollen.

Die größte Steigerung der Ausgaben tritt wieder bei der Schulverwaltung ein:

100 000 M. mehr als im Vorjahr. Abgesehen von jeder Ver­zinsung und Tilgung der Gebäude erfordern sie dieses Jahr einen Zuschuß von 1 856 746 M., bedeutend mehr als die Halste der ganzen Einkommensteuer von 2 950 000 M. Davon ent­fallen auf die höheren Schulen rund 336 000 M., die Volks­schulen rund 836 000 M., die Mittelschulen 254 000 M., der Rest auf die gemeinsame Schulverwaltung.

Die Ausgaben für Verzinsung und Tilgung dagegen haben sich angenehmerweise gegen das Vorjahr um 110 000 Di. verringert; der dem Ordinarium zur Last fallende Betrag sogar um 134 000 M. Zu danken ist dies der im letzten Jahr erfolgten Abtragung des Restes der 1879er An­leihe. Eine ähnliche Ersparnis wird aber in den nächsten Jahren nicht folgen, da keine größere Anleihe vor dem Jahre 1924 ganz abgetragen sein wird.

Der Etat der ordentlichen Verwaltung für 1914 schließt ab in Einnahme und Ausgabe gleichlautend mit 13 052 133 M a r k 9 3 P f., so ziemlich dem gleichen Betrage wie im Vorjahr.

Der Antrag des Finanzausschusses geht dementsprechend dahin: Die Stadtverordneten-Ver- sammlung wolle der Festsetzung des Haushaltsplanes der ordentlichen Verwaltung für das Rechnungsjahr 1914 in Einnahmen und Ausgaben auf 13 052 133 M. 93 Pf. zu­stimmen und genehmigen, daß für das Rechnungsjahr an Steuern erhoben werden: 1. eine Gemeindeein­

kommensteuer von 100 Prozent der Staatssteuer;

2. ^ eine Gewerbe- und Betriebs st euer von je 180 Prozent der staatlich veranlagten Gewerbe- und Be­triebssteuer, und 3. 2°/ 00 deS gemeinen Wertes der Gebäude und Grundstücke, gleich 139,96 Prozent der vom Staate veranlagten Grund- und Gebäudesteuer. Die Durchschnittsbelastung der Realsteuern beträgt damit 146,92 Prozent.

Stadtverordneter Dr. Dreher referiert namens des Finanzausschusses auch über den

Etat Ser außerordentlichen Verwaltung für das Rechnungsjahr 1914.

Bei etwas Zurückhaltung ist es dem Magistrat möglich -gewesen, auch im laufenden Rechnungsjahr ohne Anleihe aus­zukommen, und zwar ist dies geschehen, ohne daß irgend etwas Wesentliches in der günstigen Weiterentwicklung Wiesbadens versäumt wurde. Unser herrliches Kaiser-Friedrich- B a d, das mit seinen praktischen modernen Einrichtungen auch den verwöhntesten Anforderungen gerecht wird, ist vollendet und schon reichlich van Kurgästen und Einheimischen benutzt worden. Ebenso das neue Gebäude der Landes- bibliothek mit feinem gut ventilierten großen Lefesaal. In den Erweiterungen des städtischen Krankenhauses sind weitere Fortschritte gemacht worden, so daß mit den im Jahre 1914 zu vollendenden Pavillons 3 und 4 die gesamten, nahezu 3^2 Millionen kostenden Erweiterungsbauten abge­schlossen sein werden. Auch

unser neues Museum

ist bereits unter Dach und wird, neben seinem Hauptzweck, der Aufnahme unserer reichen Natur- und Kunstschätze, eine wei­tere Zierde unserer Stadt werden. Dank seiner günstigen zentralen Lage am Kreuzungspunkt unserer wichtigsten Straßen (der Rheinstraße, Wilhelmstraße und Kaiserstraße) wird es sofort jedem Ankömmling zeigen, daß Wiesbaden, neben allen seinen sonstigen Vorzügen, auch die geistigen In­teressen hegt und pflegt. Dabei ist unsere finanzielle Lage eine recht günstige geblieben. Abgesehen von den Schülden unserer sich selbst tragenden Zweigverwaltungen, deren Ge­deihen uns ermöglicht hat, bei Weiterentwicklung aller An­nehmlichkeiten^ unsere seit Jahren festgehaltenen niedrigen Steuersätze beizubehalten,

betragen unsere Schulden am 1. April 1914 nur 34 368 270 M. Damit stehen sie bloß 400 000 M. höher als vor drei Jahren, wo sie mit 33 969 478 M. zu Buch standen, während unser Grundbesitz weiter stetig zugenommen hat.

Für das kommende Rechnungsjahr ist zwar ein An­leihebedarf von 3 197 400 M. vorgesehen, dem bloß eine Tilgung von 1 165 945 M- gegenübersteht, so daß rechnerisch eine Schuldenzunahme von 2 031 455 M. in Aussicht sieht. .! Davon ist aber eine Kalbe Million für den Grundstücksfonds'!

Wirslmdertt-x Taghlertt» Freitag, 20. Mürz 1914. Nr. 133.

bestimmt, dem im Jahre 1913 bereits eine Million zuge­wiesen war. Auch dürften die in den Etat der außerordent­lichen Verwaltung für 1914 eingestellten 1 600 000 M. Bau­kosten des neuen Museums folgerichtig den 2 000 000 M. Er­lös aus dem Grundstück des alten Museums entnommen werden, da uns dieses Grundstück zusammen mit den alten Gerichtsgebäuden gegeben wurde, um daraus' bie Kosten des Museumsneubaues zu decken

Außer den erwähnten 500 000 M. für den Grundstücks­fonds und den 1 500 000 M. für den Museumsneubau sollen aus der vorgesehenen Anleihe von größeren Beträgen zur Verfügung gestellt werden: 400 000 M. für den Neubau des Lyzeums 2 am Boseplatz; 250 000 M. für die Erweiterungs­bauten des Krankenhauses; 262 000 M. für Erweiterung der Kanalisation; 105 000 M. für Straßenbauten und 75 000 M. für Erweiterung der Dekorationsmagazine des Hoftheaters.

An wichtigen Aufgaben für die gesunde Fortentwicklung Wiesbadens fehlt es demnach noch nicht. Deshalb kann nur wiederholt empfohlen werden, der Verwaltung nicht mit un­nötigen Projekten zu kommen, wenn sie auch dem einen oder anderen von uns als wünschenswert erscheinen möchten. Gesunde Finanzen sind auch eine schöne Einrichtung für eine Stadt und gereichen noch mehr zu ihrem dauernden Vorteil als mancher überflüssige Prunkbau.

Der Finanzausschuß beantragt: „Die Stadtverordneten- Bersammlung wolle, unter Vorbehalt der besonderen Geneh­migung der verschiedenen Kostenanschläge, der Feststellung des Voranschlages der außerordentlichen Verwaltung für das Rechnungsjahr 1914 mit 3 895 825 M. 43 Pf. in Einnahmen und des gleichen Betrages in Ausgaben ihre Zustimmung erteilen/'

Auf die umfangreiche G e n e r a l d sO a t t e, die sich au die Rede des Oberbürgermeisters und die Berichte des Finanz­ausschusses anschloß, kommen wir in der heutigen Abend-Aus­gabe zurück.

KA§ ösm Vereinsleden«

vordertchts, vereinsversammlungen.

* Auf Vevanlassuna des hiesigen „Freid-enkerver- eins" spricht am Montag im Sa-ale der „Wartburg" Frau Dr. phil. Helene Stöcker aus Berlin über „Geburtenrückgang und freiheitliche Weltanschauung". Das Thema steh« bekannt­lich im Sammelpunkte des öffentlichen Interesses der Gegen­wart, wird aber leider zumeist nur vom national-politischen Standpunkte aus bewertet. Die erwähnte Rednerin ist nun be­kannt als energische Vertreterin des Reu-Dla-lthusmmsmuZ. Sie bietet deshalb wohl dafür Gewähr, daß die Geburtenfcage durch sie zur vollen wissenschaftlichen Würdigung kommen wird, vereirrsvortrcigs.

Der „Blaukreuzverein" veranstaltete am Sonntag im voll besetzten Saah des ..Evangel. Vereinshauses" einen Vortragsabend, der den ausklärenden und vorbeugenden Be­strebungen des Vereins dienen sollte und diese Aufgabe in mustergültiger Weise erfüllt bat. Nach einem einführenden Wort des 1. Vorsitzenden, Pfarrer Schüßler. beleuchtete der praktische Arzt Dr. med. Otto an der Hand eines reichen und zweckmäßig auSaewählten TabellenmateruÄS die Schäden des Alkohols vom hygienischen und sozialen Gesichtspunkte aus. Daß es ihm trefflich gelungen ist. seinen wissenschaftlich wohl- begründeten Ausführungen auch die rechte volkstümliche Form »u neben, das bewies die gespannte Aufmerksamkeit, mit der die Versammlung dem fast Ochstündigen Vortrag folgte. Rach einem Gesang des Maukreuzchors und einer packenden Dekla» ination eines Blaukreuzlers folgte dann eine Lichtbilderroihe: „Zwei Häuser, zwei Loben", welche die den Menschen herunter- zieheuden und die Familie verwüstenden Wirkungen des Trunks, in erschütternder Weise zur Anschauung brachte. — Zwei Sätze aus dem Vortrag Dr. Ottos seien besonders «iu- aekührt: einmal: „Die typische Folge der Trunksucht ist die Abkehr von der Familie" und dann: „Der Weg zur Rettung liegt allein in der völligen Abstinenz". Diese beiden Sätze be­leuchten. ein wie wertvolles Rettungswerk die Rettung eines einzigen Trinkers ist, da sie meist die Rettung einer ganzen Familie bedeutet, und daß der Weg, den das „Blaue Kreuz" dazu bescheitet, von allen, die das Wesen der zu bekämpfenden Not kennen, immer mehr als der richtige erkannt wird. (Ohne Gewähr?

Im „Hessen-Rassauischen Provinzialver- ein für Frauenstimmrecht" wurden gelegentlich eines Fünf-Uhr-Toes von zwei weiblichen Mitgliedern die Referate gehalten. Die erste Rednerin zeigte in ihren Ausführungen, welche Folgen die besteheirde Rechtlosigkeit hex Frau, besonders für die im Erwerb stehende Frau, nach sich zieht. Sie forderte dir Frauen auf, die noch nicht von der Notwendigkeit des Frauenstimmrechts überzeugt sind, im Gegensatz zu vielen Männern, die seine Berechtigung anerkennen. sich in die Be- strekwngen der Frauenbewegung zu vertiefen, dann würden auch sie für den Grundstein „das Stimmrecht" gewonnen werden. — Hierauf sprach me zweite Rednerin über den Ge­burtenrückgang. Einleitend nnt Fried. Naumanns Ausspruch: „Ein ganzes Volk wird fast., mwe Ausnahme von der Unlust am Nachwuchs ergriffen", führte sie aus, daß die Unlust zur Fortpflanzung ein soziales Proolem sei. Bei der Verteuerung aller Leberlsver-hältmsse seit dem Znkrafttreten des neuen Zoll­tarifs hätten es viele für eme sittliche Notwendigkeit, die Kinderzahl zu beschränken, da sie nicht die Möglichkeit besitzen, ihre Kinder ausreichend zu ernähren unb> ihnen eme ihrem Fortkommen dienliche Erziehung geben zu können. Ein außer­ordentlicher Einfluß auf vermehrte Kindererzeuguna ist bei den Arbeitern festgeftellt worden (König! Preuß. statist. Landes- amt), die eine Lebenshaltung iNit^tcmNrchem Zuschnitt führen. Eine Steuervergünstiguiig für Pater zahlreicher Kinder wäre zu bedenken, damit nicht durch nverlastung der Verheirateten geradezu eine Prämie auf das Zunggesell-entum ausgestellt wird. Die Pflicht des Staates, d. o der organisierten Gesell­schaft. ist es. solche Verhältnisse zu schaffen, daß möglichst viele Eheleute in die Lage versetzt werden auch möglichst viele Kmder erzeugen zu dürfen und ernähren zu können. Fm Daseinskampf der Völker bandelt es uch nicht so sehr um das Überzeugen als um das Hinaufzeugen, aber ohne Erweiterung »er Frauenreckte. ohne Einfluß « #mai auf die Gesetz. Mmg. zwei Forderungen der MMugkeit, kann nach dieser Richtung nichts Großzügiges geleistet werden. Das zahlreich erschienene PMikum dankte durch seinen Beifall den vorzüg­lichen Leistungen beider Rednennnen. (Ohne Gewähr,)

* Der „Verein zur P f4, e ß^ englischer Sprache und Literatur" trat am DleWtagabend mit einem Vor- ftag m englischer Sprache über WSW „Kaufmann von Venedig zum erstenmal an me öffentlichkelt. An der Hand von Lichtbildern bot Mr. Cusden zunächst den Inhalt des Lust-

und belebte die Erz.ählung. durch cmten Vortrag charakte­ristischer Stellen aus dem Stuck temt- ©er künstlerischen dramatischen Gestaltung des Sto-ftos durch Shakespeare tntu er wenig Rechnung, da d-ie ganze Darbietung^ m-hr auf Er­wecken der Anteilnahme am Handeln und Geschick der Personen und auf Genießen der dichterischen Schönheiten des Stückes angelegt ivar. Darum schenkte Mr. Cusden Szenen voller Poesie besondere Aufmerksamkeit, und in der Deklamation

hervorragend schöner Stellen sonnte der Zauber der Sbakespcareschen Sprache arif dre Zuyorer wirken, Die Aus­führungen über Shakespeares Quellen dw Zeit de- Abfassung pes Stückes, die nur aus einem Vergleich mit künstlerisch ge­ringeren und reiferen Werken gemuimaut werden kann, kenn- zeicknels Mr Cusden als outen Shakespeare-Kenner. Die Dichter Wordswortb und Browning sind die nächsten., über die benicötet werden soll. (Ohne Gelvahr.)

0ws unserem Leserkreise.

(Nicht verwendete Einiendungen können weder zurückaelandt. noch ausliewabrt werden!

* Täglich bringen die Zeitungen neue Berichte von großen Erfolgen des Generalpardons. und wenn man auch an- Nimmt, daß sich die bisherigen Steuerhinterziehungen nicht ganz so schlimm erweisen, als reilweise vorausgesetzt wird, so scheint es sich doch um ungeheure Summen zu handeln.. Straf­los geben diejenigen aus, für sie wir, die immer gewissen­haft auf Heller und Pfennig unsere Pflicht getan, bisher also die Staatsausgaben mit bestritten haben. Wir sind also jetzt buchstäblich die Gestraften! Wäre es da nicht Recht und Anstandspfticht, als kleineti Ausgleich uns Gewissenhaften wenigstens die dritte Steuerrate zur Wehr st euer zu erlasson und die anderen ruhig zahlen zu lassen? Der Steuerbehörde würde es ja leicht sein, diese von jenen zu unter­scheiden.. Wer nimmt sich unserer an, vertritt diesen Vorschlag an geeigneter Stelle? Gewiß würde dieser kleine Ausgleich vorzugsweise Leute mit nicht großem Einkommen treffen, denen es vielleicht oft bitter schwer wurde, die Steuern pünkt­lich zu zahlen.

Ein treuer Staatsbürger und ehrlicher Steuerzahler.

* Im „Tagblatt", Abend-Ausgabe vom 17. d. M.. steht in dem Artikel über Linienführung der Straßenbahn folgender Passus: „Nach 10 Uhr abends könnte der abwechselnde Betrieb nach Nerotal und Sonnenberg durch d-ie Wilhelm- straße geleitet werden, da die Kurinteressen einer Verlängerung des Betriebes durch die Langgasse nach 10 Uhr abends ent­gegenstehen." Also die Kurinteresseii beschränken sich auf die Langgasse, für die Wilhelmstraße bestehen solche Inter­essen scheinbar nicht, und man scheint cs in der Ordnung, zu finden, daß bie Kurinteressen am Kranzplatz entlastet und hier­für die in der Wilhelmstraße doppelt belastet werden. Eine höchst wunderliche Anschauung und Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. I. N. (Wenn alle 7 Minuten abwechselnd ein Wagen nach Nerotal und Sonnen-bevg durch die Wilhelmstraße verkehrt, so wird in dem bisherigen Verkehr in der Wsthelm- stratze nichts geändert, während für die Langgasse eine beträcht­liche Verlängerung des Verkehrs vorgenommen werden müßte, was bei der engen Langgasse entschieden eine Schädi­gung der Kurinteressen bedeutend würde.)

*DieSonntagsruhe. In Nr. 101 des „TagWa-tts" findet sich unter der Überschrift „Die Woche" ein warmherziger Artikel zugunsten der vollen Sonntagsruhe. Die Förderung, jedem einen freien Tag in der Woche einzuräumen, ist sicher berechtigt. Daß aber gerade der Sonntag frei sein muß. kann gar mancher nicht einsehen. Der Sonntag ist. wie die Erfahrung beweist, durchaus nicht so gesegnet, daß es er°- wünscht wäre, die Bestimmungen über die Sonntagsruhe auf­recht zu erhalten oder gar noch zu verschärfen. Er ist, soweit sich der Einsender zu erinnern vermag, nach der Statistik der an Verbrechen reichste Ta«. Der Verfasser des Artikels in Nr. 101 der Zeitung wendet sich nun zum Schluß an die positiven Christen mit der Begründung, wer daran glaube, .daß Gott in 6 Tagen die Weilt erschaffen und am 7. Tage Göttesruhe gehalten hat, dem müsse es Glaubenssache sein, den Sonntag allgemein als Ruhetag zur Geltung zu bringeil. Dies mag gut gemeint sein, ist aber verfehlt. Wenn die We-ltschöpfung hier mitbestimmend sein soll, dann kann der Sonntag als Feiertag überhaupt nrcht in Frage kommen, denn er ist — wie auch die Kalender zeigen — nicht der 7.. sondern der 1. Tag der Woche. Vielmehr müßte der von Gott bei der Schöpfung besonders gesegnete und geheiligte, d. h. zum heiligen Gebrauch abgesonderte Sabbat gewählt werden, wie ihn schon die Menschen im Paradiese und ihre Nachfahren, spärer die Juden. Jesus Christus die Avostel und anderen Urchristen sowie ein Teil ihrer Nachfolger bis auf die Jetztzeit hielten und noch halten. H.

* Laut Mitteilung im „Tagblatt" betrug die Frequenz der Volkslesehalle im Monat Februar 3829 Leser und 473 Leserinnen, Was wollen diese Ziffern besagen, wenn darin die regelmäßigen Besucher enthalten sind-, die also täglich immer wieder gezählt werden? Ferner sei daran erinnert, daß der mittägliche Schluß auf 1 Uhr festgesetzt ist Es sollte genügen, wenn der Aufseher mit dem Glockenschlage Schluß «ebieie und dann aufräume. Zurzeit geschieht letzteres viel früher, schon von %1 Uhr ab. und um % beginnt ein derart nervöses Hin- und Hergehen des Mannes und Schlüssel­gerassel, daß es direkt störend ist. Unter diesem Zwang ver­lassen meist die Leser schon 10 Minuten vor 1 Uhr fluchtartig das Lokal, zugleich mit dem Aufseher, der es offenbar eilig hat. Setze man also ihm zuliebe entweder den offiziellen Schluß auf %1 Ubr fest oder aber, der Beamte richte sich besser nach der jetzigen Bestimmung, Ein Leser für mehrere.

* Eines jeden Naturfreundes Auge wird wohl durch den

Viadukt bei der Beausite gestört. Nun wurde in der letzten Sitzung des Südvereins von Herrn Oberingenieur Max Fischer ein Projekt über eine Ringbahn über Beausite- Ei ch e ri vorgelegt. für die ein Viadukt im hinteren Nerotal vorgesehen ist. Gott behüte uns vor einem zweiten Viadukt in diesem herrlichen Fleckchen Erde! Liegt es nicht viel näher, wenn die - Ringbahn von der jetzigen Endstation Beausite über die obere Wilhelm-inenstraße. obere Platter Straße nach den Eichen geführt würde, In jeder Beziehung dürft-,' diesem Projekt der Vorzug zu geben fern. H. K.

Briefkasten.

(Die Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts beantwortet nur schriftliche Anfragen im Briefkasten- und zwar ohne Necktsverbindlichkeit. Besprechungen tonnen nicht aewüdrt werden »

K. K. Ob der eine der Brüder den Verstorbenen bis an sein Lebensende verpflegt und- bedient hat, ist eine tatsächliche Frage. Ob die 'pflege und Bedienung lange oder kurz ge­dauert hat, wird nach dem Wortlaut des Testaments nicht in Betracht kommen. zzst die Frage zu bejahen, so ist der Erbe bestimmt bezeichnet. Da das Testament in seiner Form nicht antastbar ist, wird der Erbschein erteilt werden. Sonst müßte das Testament angefochten werdeii von denjenigen, welche einen Anteil aris der Aufhebung erhoffen,

P. K. Wenn kein Ehevertrag besteht und die Eheleute in gesetzlicher Veiwaltungsgeineinschaft leben, hat der Ehemann nur die Verwaltung und Nutznießung des Frauengutes. Nach dem bekannten Spruch „Frauengut soll lveder tvachsen noch schwinden hat der Ehemann bei der Auflösung der Ehe alles das zurückzugewahren, was er zur Verwaltung und Nutznießung erhalten bat. Es muß also imch Auflösung der Ehe Aus­einandersetzung erfolgen.

R. T.. Rieder;,hausen. 1. Wenn dir Bestimmungen des Bürgerlichen Geietzbuches nicht beobachtet find- und der Hypo- ihekargläubiger den Schu-ldiier persönlich nicht entlassen hat, so haftet dieser persönlich für einen eventuellen Ausfall. § 416 deS BGB. sagt: übernimmt der Erwerber eines Grund­stücks durch Vertrag mit Sem Veräußerer eine Schuld des Ver­äußerers. >ur dw eine Hypmhek an dem Grundstück besteht, so kann der Maubiger die Schuldüb-ernahme nur genehmigen, wenn der Veräußerer sie ihm milteilt. Sind seit dem Enrp- farm der Mitteilung sechs Monate verstrichen, so gilt die Ge- nehmigung als erteilt, wenn nicht der Gläubiger sie dem Ver- äilßerer «egenuber vorher verweigert hat, D-er Veräußerer bat auf Verlangen des Erwerbers dem Gläubiger die Schittdüber- nahme Mitzutesten. 2. Es gibt verschiedene Wechfelverpflich- tunqen, Akzept. Indossament. Die Verjährungsfristen sind verschieden; sie sind in der Wechselordnung bestimmt,

W. H-. ipo. A65 bezieht sich auf die Blutadern und A44 bedeutet nicht auffallende Schiefheit des Halses, Erhöhung einer Schulter »der Hüfte ohne Beeinträchtigung der Beweglichkeit des betreffenden Körperteils.- geringe Fehler, welche die Taua-- lichkeit -ru«l Dienste mit der Waffe nicht ausschließen.

190. K- Sir selbst können das Scheibenschießen nicht ver­bieten- Die müssen sich deshalb mit der Gemeinde als Ja-gd-- verpäckte'nn m Verbindung setzen.

Dltrkcnfreund. Die Flagge der Türkei ist rot mit weißem Halbm-onr und Stern.

A. H- Ihre Frau har kein Erbrecht an dem Vermögen Ihrer Ettem, sobald Sie vor Ihrer Frau sterben.