Teile s»< Morffpn-Ansgabe, L. Man. lÜtÄiglllllH*
tourta hier in einer gestern obertd stattgefundenrn. gut besuchten Versammlung in die Wege geleitet. Das Referat hatte Herr Dr. Kahn vom „Sozialen Museum" von Frankfurt. Den Vorsitz führte Beigeordneter Dr. Harz. Da hier schon seit Jahren große Wohnungsnot herrscht, so wurde die Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft m. h. H. zur Errichtung von 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen empfohlen. Eine Kommimon ist mit der Ausarbeitung der Statuten betraut. Die konstttme- rende Versaimmlung wird in 8 Tagen stattfinden.
ii. Weilburg, 17. März. Zur Krankenversicheruna der städtischen Beamten usw. hatte der Magistrat folgendes beschlossen: Den endgültig angestellten Beamten wird rn Krankheitsfällen ihr Gehalt weiter gezahlt den einstweilen Angestellten, deren Gehalt 2600 M. nicht übersteizt, wird das iWache Krankengeld gewährt. Dieser Beschluß bezieht sich auch aus die zukünftig Anzustellenden und hat rückwirkende Kraft vom 1. Januar 1914 ab. Das gleiche gilt für die Lehrer und Lehrerinnen an der gehobenen Mädchenschule. Lehrern oder Lehrerinnen an der Volksschule wird wahlweise entweder Krankcnbeihilfe im Sinne der RVO. oder der 1s4fache Betrag des Krankengeldes bewilligt. Weiter übernimmt die Stadt für den Gemeindeförster die Gewährleistung nach 8 169 der RVO. und ist bereit, die Beiträge zur Krankenversicherung nach dem Anteil ihrer Waldsläche zu tragen. Die Stadtverordneten-Ver- sammlung beschloß entsprechend tont MagistratsantrM. — Der städtische Etat für 1914 balan-iert in ordentlichen Einnahmen und Ausgaben mit 318 600 M„ in außerordentlichen mit 19 230 Mark.
Z. Altenkirchen (Westerwald), 17. Marz. Das hier erstehende M ä d ch e n e r h o l u n g s h e i m ist so weit gefördert, daß seine Einweihung am 22. Juli erfolgen kann. — Die Stadt hat die Erbauung eines Hauses für die h o h er e Schule beschlossen. Als Bauplatz soll ein Grundstück au der Frankfurter Straße für 14 000 M. angekauft werden. — Die Stadt feiert in diesem Jatae ihr Jubiläum des 600- jährigen Bestehen^ Sie erhielt zusammen mit Hachenburg von Ludwig dem Bader 1314 Stadtrechte. Eine Denkschrift über die Stadt von Eger wird demnächst erscheinen.
8. Bom Westerwald, 17. März. Zur Bahn frage haben verschiedene Körperschaften des Westerwaldes Stellung genommen. So haben der Kreisausschuß vom Kreis Siegen und der Verkehrsausschutz der Siegener Handelskammer für den Bau der Linie Burbach-Rennerod mit Abzweigung über Hof nach Fehl-Ritzhausen sich ausgesprochen. Der Kreisausschuß von Altenkirchen befürwortete diw Linie Daaden-Feh! Ritzhausen. Der Kreis Altenkirchen hat übrigens auch den Ankauf der Kreisbahn Scheuernfeld-Nauroth beschlossen. Für die Fortführung dieser Strecke nach Martenberg wird in,letzterem Ort sehr angestrengt gewirkt. Doch kann das wNtig nützen, da diese Linie aller Wahrscheinlichkeit nach in Hachenburg Anschluß finden wird.
Rtis der UmyedMNg-
Versuchs- und Bergleichspflanznngen.
ö. Mainz, 13. März. Der Deutsche Pomologenvevein beabsichtigt, im Deutschen Reich Versuchs- und Vergleichspflanzungen anzulegen. Es sollen besonders Sauerkirschen, Stachelbeeren, Aprikosen, Zwetschen, Pflaumen und schwarze Johannisbeeren angelegt werden. Im Kreis Mainz sollen speziell wegen seiner günstigen klimatischen Lage Aprikosen und Stachelbeeren angelegt werden. Es wurde anläßlich der Landwirtschaftlichen Woche nun der definitive Beschluß gefaßt, mit den Versuchs- und Vergleichspflanzungen auch im Großherzogtum Hessen zu beginnen. Zu Abteilungsvorsitzenden in Hessen wurden gewählt die Kreisobstbauinspektoren Schäfer (Mainz) und Margarin (Worms).
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w Frankfurt a. M . 19. März. Im April findet eine vom Frankfurter Verband für Säuglingsfursorae tut Titelt Senckenberqischen Museum veranstaltete Ausstellung Mutter und Säugling" statt. Der Verband bittet.uns ^ entgegen anderen Mitteilungen festzustellen, daß mkolgsdessen an einen Abbruch des alten Gebäudes vor Mar nicht zu
denken ^ M.. 19. März. Im Alter von 62 Jahren
starb Musikdirektor August Glück, der Dirigent des Sänger- chors des Turnvereins in Offenbach. Bekannt machte er sich namentlich als Männerchordiriaent, dem es gelang, den rhm anvertrauten Turnverein zu mehrfach, zuletzt anläßlich des vorjährigen Wettstreits um den Kaiserpreis allsertrg ruhmlrchst anerkannter Leistungsfähigkeit heranzubikden. .
Spott und Spiel
* Pferderennen zu Auteuil. 19. März. Prix Reveuge.
3000 Fr. 1. A. Veil-Picards Raton 2 (Parfrement). 2. Continental. 3. Mont Boram. 29:10: 15 . 23. 25:10. — Prix de Madrid. 8000 Fr. 1. CH. Lienarts Scoff 2 (Send), 2 Valeria 2. 3. Saint Nom. 14:10. — Pr« de Porcheson- taine. 10 000 Fr. 1. LepetitZ Lvne Eyed (Powers) 2. Ex Abupto 8. Mantnrpe. 36:10 : 21, 30:10. — Pnx Grandmaster. 4000 Fr — Comte Tb.'s Serpenteau (Lancaster) 2. La Billetetre. 3. Hocke. 81:10: 19. 20. 21:10. — Pr« Ranville. 4000 Fr. 1. Hennefstzs Clopotar (HawkrnS). 2 Epsilon, 6. Sivall. 79:10 : 29, 23:10, — Prrx AuMve. 4000 Fr,
1, Thornes Pretendante (Berad), 2. Cendre de» Chens, 3. Montfratz. 18:10; 10. 12:10.
* Turnerisches. Der diesjährige (76.) Kreisturntag des 9. (Mittelrhein.) Kreiies wird am Sonntag, 22. März, in der Festhalle in Bingen abgehaltcn; eine Kreisansschuß- sitzung findet am Samstag ebendaselbst statt.
ht. Feldbergfest-Turntag. In der Turnhalle ideS Bocken, heimer Turnvereins „Vorwärts" fand in Gegenwart der Vereine des Mittelrheinkreises der deutschen Turner)chaft der vovberatende Turntag für das diesjährige FeGbevgfest )tatt. Oberturnwart Münch (Hachenburg) wurde für seine 25- jährigen Dienste im Interesse des Festes mit einer Ehrengabe ausgezeichnet. Der Antrag der Turngesellschaft Obcrur>el um Einführung deS Jugendturnens bei den Feldbergfesten wurde aibgelehnt, ebenso der Antrag Hanau (Turngemeinde- auf Gewährung des Mitbestimmungsrechts deS Turntags be: der Auswahl der Übungen. Das diesjährige Feldbergfest findet am 2g. Juli statt; das Fest 1915 soll am letzten Julisonntage abgehalten werden, vorausgeisetzt, daß an diesem Tage nicht das Kreisfest gefeiert wird. In diesem Falle wird der Termin um 14 Tage früher gelegt. Für das diesjährige Wetturnen bestimmte man folgende Übungen: Fünfkampf,
Weithochsprung, Stabhochsprung, Steinstoßen, 100-Meterlauf und eine Kürfreiübuntz. Als Mindestzcchl beim Preiswettibr- weüb gelten 56 Punkte. Der Völsungenikamps um den Völ- sungenpreis soll mit dem für das Einzelwetturnen vorgesehenen Fünfkampf verbunden werden. Insgesamt müssen mindestens 240 Punkte bei diesem Turnen erreicht werden. Der vom Obertaunuskreis gestiftete Jahnschild kommt in einem Eilbotenlauf zum Austrag. In den diesjährigen Feld- bevgfest-AuIschutz wurden gewählt: Philipp Röbig (Rödelheim) als Vorsitzender, Theo Kleber (Biebrich) als Obmann, Adolf Münch (Hachenburg) als Oberturnwart, Wilhelm Baumann (Oberursel) als Schriftwart und . Fritz Engel (Wiesbaden) als Beisitzer.
sr. Weltrekord für Motorboote. Auf der Seine bei Paris stellte der bekannte französische Motorboot-Konstrukteur Des- pujols mit einenr neuen für Monaco bestimmten Gleitboot einen neuen Weltrekord auf, indem er über eine mehrmals
abgefahrene Strecke von 500 Meter eine durchschnittliche Stundengeschwindigkeit von annähernd 117 Kilometer erzielte. Der Weltrekord stand auf 94 Kilometer und wurde gleichfalls von einem Despujols-Boot gehalten.
* Kegeln. Bei dem im Mai.d. I. stattfindenden Frühfahr s - Preistegeln der Keglervereinigung in Frankfurt a. M. wird zum erstenmal das sogenannte Gruppenkegeln eingeführt. Zu diesem Zweck werden die Mitglieder in zwei Gruppen eingeteilt. Die in diesem Jahre erfolgreichen Kegler beider Gruppen bilden im nächsten Jahre Gruppe 1. Die Nichterfolgreichen treffen sich dann in Gruppe 2. — Ende vorigen Monats starb in New Dort der speziell in Keglerkreiscu sehr bekannte Herr H. Feld mann, ein geborener Butzbacher, im Alter von 72 Jahren.
* Friihjahrsgautag des Gau 9 D. R.-B. Der Gau g des Deutschen Radfahrerüundes hielt in Offenbach unter dem Arrangement des Offenbacher Bichcleklub seinen Früh- jahrsgantag ab. Um 10 Uhr fand tm „Hotel Degenhavdt" die Delegiertenversammlnng statt. Der 1. Gauvorsitzende Äug. Siifft erstattete den Geschäftsbericht. Die Mitgkiederzahl mit 2038 ist etwa die gleiche wie voriges Jahr. Die Zahl der Vereine beträgt 50. Gcmfahrwart Georg Schmitt berichtet über die genehmigten Meisterschaften für das Kartell süddeutscher Gaue 5—9, über die vom Gau 6 zu veranstaltende Vereins- stvfettcnfahrt Fvankfurt-Straßburg und über die Beteiligung der Bundesmitgkieder bei der Olympiade 1916 Die tarnt Bunde neug>eschaffene 500-Kilometer-Bundeswand erfahrt soll in Verbindung mit der Gau-Jugend-Ferienfahrt 21. bis 28. Juli unter Leitung des Gaufahrwartes O. Krause-Hanau nach den Metzer Schlachtfeldern führen. Der frühere langjährige Gau- fahrwart Karl Sckmitt-Dcwmstadt würde in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied des Gaues ernannt.
Neues aus aller Welt.
Zur Affäre des Grundstücksspekulanten Schifsmann.
Berlin. 19. März. Die Beschwerde der Frau Staatsanwalt Ahrens gegen ihre Verhaftung infolge der Affäre des Grundstücksspekulanten Schiffmann ist jetzt vom Strafsenat des Kcmimergerichts als unbegründet zurückgewiefen worden. Auch das Liammevgericht hat in seiner Entscheidung über die Haftbeschwerde zum Ausdruck gebracht, daß bet der Verhafteten drlNWnder Tatverdacht und gleichzeitig Fluchtverdacht voüliegi.
Eine »'kau unter Raubmordverdacht. Saarbrücken, 19. März. Unter dem Verdacht der Beteiligung an deni Otten- hatii ene.r Raubmord wurde die Ehefrau Heinrich Müller in Gerswester, eine Tochter des Ermordeten Peter Marx, verhärtet.
Die schwarzen Packen. Hameln. 19. März. Auf der Domäne Schied>er bei Blomberg in Lippe sind unter den val- Nscheri Arbeitern die schwarzen Pocken ausgebvochen. Sin Arbeiter, der gestern gestorben ist. tvurde sofort beerdigt. Gin anderer Erkrankter, der pockenverdächtig ist. fand im Krankerlbause von Detmold Unterkunft. Die Domäne ist polizeilich gesperrt worden.
Schwindeleien einer falschen Krankenschwester. Hirsch- -berg r. Riesengebirge: Die Frau eines Österreichers. namens Zeichko. wurde verhaftet, welche es verstanden hatte, als angeb- tiche Krankenschwester tan einem Berliner Rentier während 1/4 Zähren ca. 21 000 M. zu erschwindeln. Gleic^eitig wurde chr Man» unter dem Verdacht der Beihilfe verhaftet. Das Paar wohnte letzt in Rochlitz in Sachsen mit vier Kindern, wahrend der Betrügereien hatte es feinen Wohnsitz in Lichten- rade bei Berlin.
- »Bauernschrecks" Ende. Graz. 17. März. Der am
Ek Marz tat Waldenstein - Wolfstavg in Kärnten erlegte Bauernschveck. etn mächtiger Wolf, hat nun endgültig die Steiermark verlassen und ist wieder nach Wolfsberg in das Graf Henckelsche Jagdschlotz zurücktransporttert worden. Der Zudrang zu dem in Graz ausgestellten Raubtier war enorm; an einzelnen Tagen betrug die Bssuchsziffer über 20 0M. Die Herkunft des seltsamen Wolfes ist noch nicht ganz aufgeklärt. Die Jsemaitum, er sei bei einem Mermgerie-Tvansport auf der Station Knittelfeld bei Seckau ans einem Waggon ausge- sprungen. ist noch nicht bewiesen. Mehr Wahrscheinlichkeit hat me Ansicht, es handle sich um einen Balkanwolf, der die Kriegs- ,Unruhen auf dem Balkan bei. schmaler Kost nicht mehr länger Mitmachen wollte und nach dem friedliebenden Österreich hrnuberwechselte. Nach der Größe und dem ganzen Körperbau zu urterlen. durfte das Untrer etwa 6 Jahre alt sein. Da es im. Kerbst so viele Rinder und Schafe „ang'rissen" und im Winter Rehe und Hirsche erbeutet bat. so ist es sehr gut genährt Der Biehschaden beträgt nach vorläufiaer Schätzung erwa 18 000 bis 20000 Kronen, der Verlust an Wild durch Zer- reißait und Verletzeii dürfte noch bedeutender sein Die vom MiNlstenum,ausgefetzte Schußprämie tan 3000^Kronen fallt dem Jager Paul Stembauer zu, nachdem FähTikdirektor Diamant, der. dem Untier den Fangschuß aeaeben aus ieden Anspruch verzichtet bat. Auch Gtaf HenckÄ als RtLrundbisttzer batte für ferne Jager ein -schußgeld von 1000 Kronen bestimmt. die dem tüchtigen Weidmann Merkannt wurden
Unfall des Luxuszuges Ostende-Berlin. Brüssel 19. März. Nach der Meldung eines Lütticher Maates ist der Luxuszug Ostende-Berlin auf dem Bahnhof Dolhain auf einen Gutcrzug gefahren. Ein Passagier wurde getötet und einer schwer verletzt. Der Verkehr .st heute nachmit^a wieder ausgenommen worden.
Schiffbruch. London. 19. Map;. Die Abendblätter melden: Die englische Schonertark „Balder" von Cuxhaven nach Pools unteavegs ist hecite ,ruh. als sie sich im Schlepptau des deutfchen Schleppschiffes „Vuckan befand, auf der Höbe von Needles untergLgangeu. Das deutsche Schleppboot bat die R»- satzung des „Balder" gerettet und ist mit ihr in Pools eina»- korfen. Die Besatzung des „Ba^er bestand meistens aus Deutschen, wahrend der „Balder selbst unter englischer.Flagge
Die Epidemie in Trentiu. R o.m. 19, März. Die Eoi- demie in der Provinz Trentin hat, wre der „Messaa'evo" meldet IfJ-p I 7 Todesopfer gefordert. Dw Ursache des Auftretens der Seuche ist noch nicht ermittelt, tim die verseuchten Gearn- den ist ein MMtärkordon «ezogen worden, nm die weitere Ausbreitittig der Epidemie zu verhindern.
MpsteriSser Tod eines deutschen Schiffsperjreters in Kmvul«. Saloniki. 19. März, ^ean Schlerf der'Vertreter der Deutschen Levantslinie in Kawak«. wurde bei Da>a- Tbasbe in der Kajüte eines an den Strand getrieben-n Motorbootes tot. wie es beißt erstickt, aufgefunden und ebenso der tos Boot führende Mechaniker. Das, Motorboot war von dem Dampfer der Deutschen Levantelmte. „Varnassos" auf der «abrt nach Konstantinoyel. wre es gewünscht worden' war misgesetzt worden. Eine Untersuchung ist von der griechischen Beyo-de eingeleitet worden. .
Ki'Awre Füße. New Nork..19..März Nach einem Telegramm aus St. Louis bat sich d,e berühmt« russische Tanzen-., Pawlowna gestern abend beim Tanze den
Knöchel gebrochen. Die Ärzte hoffen, den Fuß wieder gänzlich Mark' vcrs'ck^E"- Friß der ^anzewn ist mit 500 000
Deutscher Neichstag,
^lus unseren afrikanischen Kolonien.
Berlin, 19. März. (Eig. Drahtbericht) N^,Z, den kurzen Vorferien, die sich das Hohe Haus am .Königsstlatz gegönnt hat, waren die Herren heute nicht sonderlich zahlreich, aber niunter und redelustig wieder vereinigt. Zuvörderst gab es eine kleine Demonstration. Ais der Präsident der Geburt des jüngsten Kaiserenkels in Braunschweig Worte des
Freitag, AU. NiSrz l»u. Nr. 133.
Glückwunsches widmete, bekundeten die S 0 z i a l - Demokraten wieder einmal ihre „revolutionäre" Gesinnung dadurch, daß sie zwar im Saale, aber krampfhaft, sitzen blieben. Beim Etat für Ostafrika gab es eine längere Debatte über Schulen und Lehrer und über die Abschaffung der Haussklaverei. Der Abgeordnete Erzberger interpellierte den Staatssekretär über den G r u ß e r l a ß, den der vom Preußenbund her so unrühmlich bekanntgewordene Generalleutnant von W r 0 ch e m seinerzeit in Daressalam ausgegeben. Dr. S 0 1f schüttelte den General und . seinen Erlaß höflich, aber entschieden ab. Dies hielt Herrn Noske nicht ab, Herrn^ y. Wrochem, den „lebenden Leichnam", noch einmal tot zu reden. Beim Etat für S ü d w e st leitete Herr H 0 ch, der, Diamantenspezialist des Zukunstsstaates, prompt die unerfreuliche Debatte über die Diamantenregie ein. Der Kolonialverwaltung warf er dabei nicht mehr und nicht weniger vor, als daß sie sich von der Großbankengruppe vollkommen habe leiten lassen und betrügerische Manipulationen geduldet habe. Aus den groben Klotz setzte der Staatssekretär in ersichtlich starker Erregung einen fast noch gröberen Keil. Die versöhnliche Note brachten erst der Zentrumsabgeordnete Erzberger und der Volksparteiler W a l d st e i n in die Debatte. Beide waren bereit, schon um die geschäftlichen Kreise der Mmantenregie nicht zu stören, über manche Vorgänge des letzten Jahres den Schleier der Milde und des Vergessens zu breiten. Herr Waldstein nannte sehr hübsch die südafrikanischen Diamanten den Nrbelun- genschatz unserer Kolonien. Nur daß wir nun auch etwas von der N i b e l u n g e n n 0 t zu fühlen bekämen. Herr Hoch erklärte zum Schluß noch, daß er die schweren Angriffe, die man aus seiner Rede heraushörte, gar nicht habe erheben wollen. Darauf vertagte man sich.
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Sitzungsbericht.
Eigener Drabtbericki des „Wiesbadener Tagbkatts".
stf Berlin, 19. März.
Am Bundesratstisch: Staatssekretär Dr. Sols, braunschweigischer Bundesratsbevollmächtigter Geheimrat Boden.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2,23 Uhr mit folgenden Worten: Wie Ihnen allen, bekannt ist, ist die einzige Tochter unseres Kaiserpaares, die Frau Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, gestern von einem Prinzen entbunden worden. (Die Abgeordneten, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, haben sich von ihren Plätzen erhoben.) Ich bitte um die Ermächtigung, Seiner Majestät dem Kaiser und Ihrer Majestät der Kaiserin sowie dem Herzogspaare von Braunschweig die Glückwünsche des Reichstags aussprechen zu dürfen. (Lebhafter Beifall.)
Darauf wird die zweite Beratung zum
rrolonialetal
(Ostafrika) fortgesetzt.
Abg. Erzberger (Zentr.): Die in afrikanischen Kreisen gegen mich erhobene Beschuldigung wegen meiner Ausführungen über
die Eingeborenenbehandlung
ist völlig ungerechtfertigt. Ich stelle fest, daß ich von allen meinen Behauptungen, die ich über die Behandlung der Ein- geborenen im Plenum gemacht habe, kein Jota zurücknehme. Die Beschäftigung der Eingeborenen erfolgt in den allerwenigsten Fällen ordnungsmäßig. Ordnungsmäßige Lohnbücher sind so gut wie gar nicht vorhanden. Was ich über die Verhältnisse gesagt habe, hat schon 1908 Staatssekretär Dern- burg bestätigt, als er sich dahin äußerte, daß die Situation der Behörden in Ostaftika durch die fortgesetzten Forderungen der Ansiedler und Farmer erschwert würde. Die Eingeborenen bekämen nur einmal zu essen und hätten bei der wechselnden Temperatur ungünstige Lebensbedingungen. Fast wörtlich bringt die Regierung jetzt, im Jahre 1914, die gleichen Klagen vor. In diesem Zusammenhang sind die Proteste der Ost- afrikaner, als hätte ich unwahre Behauptungen ausgestellt, überhaupt nicht zu verstehen. Wie steht es mit dem Gruß- erlatz des stellvertretenden Gouverneurs, Major v. Wrochem, vom Jahre 1893, des jetzigen Generalleutnants, der den Reichstag als gemischte Gesellschaft und Rotte bezeichnete? Ist dieser Erlaß noch in Geltung? Herr v. Wrochem hat die Eingeborenen und Fremden, die ihn nicht kannten, in unerhörter Weise angefahren. Er hat verlangt, daß sie aufstehen und eine stramme Haltustg annähmen. Es fehlte nur noch, daß sie noch die Hand an die Hosennaht legen sollten. (Zuruf und Heiterkeit.) Zuwiderhandelnde wurden bestraft. Dieser Erlaß hat damals zu internationalen Verwicklungen geführt und arrch diplomatische Verhandlungen in Berlin ergeben. Bezeichnend ist, daß schließlich Herr v. Wrochem die Verantwortung für diesen Erlaß von sich ab und Unbeteiligten zugeschoben hat. (Lebhaftes Hört! Hört!)
Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf: Der
Erlaß des Herrn v. Wrochem ist nicht mehr in Geltung. Er ist nicht in die Sammlung der Verordnungen ausgenommen worden. (Bravo!) Was die Schule in Wilhelmsthal anbelangt, deren Gründung Herr Dr. Arendt verlangt hat, so kommen 27 Kinder in Frage, für die nicht nur Schulgebäude, sondern auch eine Pension errichtet werden müßte. Das würde pro Kopf einen Zuschuß von 500 M. ausmachen, und diese Kosten kann die Regierung nicht übernehmen, über den Hafen von Daressalam wird gegenwärtig ein zweites Projekt ausgearbeitet, das alsbald als Vorlage an den ReichAag kommen dürfte. Die Dienstperiode in den Schutzgebieten können wir nicht allgemein verlängern. Für Südwestafrika wird es vielleicht allmählich dazu kommen können. Nun das schwierige Gebiet der Haussklavcrei.
Die Anklagen und Schlüsse des Abgeordneten Noske, daß ein grausamer Sklavenhandel in Ostaftika bestünde, sind nicht zutreffend. Als wir Ostafrika erwarben, bestand dort der scheußlichste Sklavenraub und Sklavenhandel. Dies ist vollständig von uns beseitigt worden. Kommt noch Sklavenraub und Sklavenhandel vor, so stehen schwere Strafen darauf, eventuell die Todesstrafe. Es bestehen viele Verordnungen zugunsten der Sklaven bei Übergang eines Sklaven aus dem Besitz eines Herrn in den eines anderen. Ich werde nicht unterlassen, dem Gouverneur weitere Vorschläge zugunsten der Sklaven zu machen. (Beifall rechts.)
Abg. Kcinnth (natl.): Ein plötzliches Verbot der Haus- sklaverei läßt sich njchj dekretieren. Die Bedingungen müssen
