(gelte 4. Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Missbadimer Tagb!a1t. _ Donnerstag, 19. Marz 1914. Nr. ISS.
aus dem vereinslebsn.
Vorberichte, Veretnsverjammlungen.
* Der „Deutsche Verein für Bolkshygi en c", Ortsoruppe Wiesbaden und Umgebung, veraustaitet heute,
Uhr abends, im Gewerkschaftshaus einen VmtragAcwenL, Dr. med. Luaenbühl spricht über: „Was kann der einzelne und die Allgemeinheit zur Verminderung der Krankheiten und der Sterblicykeit im Säugjlinasatter tun?" Eintritr frei.
^ Am Freitag, abensts 8V» Uhr, findet in Ma:nz, vom „Verein für Ras säuische Altertumskunde und Geschichtsforschung" veranstcvitet, im Bankettfaal. der „Liedertafel" (Große Bleiche 56), ein Vortrag des Geh. Rar Prost Dr. Loescheke-Bertin über das Thema: „Kretrsch, Mhre- nisch, Itordisch" statt, zu dem die Mitglieder des Vereins von der Direktion des Zentralmuseums eingeladen worden sind.
* Die Generalversammlung des „N a k s a u i s,ch e n Vereins für Raturkunde" fand kürzlich auf besonderen Wunsch getrennt von dem Jahresfefte im Zivilkafirm statt. Geh. Regierunrsvat Professor Dr. Q. Fresenius erstattete den Jaluesbecicht und widmete dem verstorbenen Bereinsdirektor Geh. Sanitätsvat Dr. Arnold» Pagenstecher einen warmen Ltachrus: „Was der Verstorbene uns gewesen, was er für den Verein, das naturhistonsche Museum und den Mufeumsumtbau gewirkt und geleistet hat. wissen wir alle. An seiner Bahre hat im Namen und Aufträge unseres Vereins einer der äüesten Freunde Pagenstechers. Herr Dr. L. Dreher, einen Kranz Niedergeleet und warme Worte ehrenden Gedenkens gesprochen Auf unserem demnächst stattsindeiiden Jaihresfeste wird noch eine Gedächtnisrede auf den Verstorbenen gehalten werden. • Weiter verlor der Verein von Ehren- und korreipondierenden Mitgliedern die Herren Professor Dr. F. Kintelln in Frant- furt am Main, Professor Dr. H. Lenz, ^ Direktor des Naturhistorifchen Museums zu Lübeck, Geh. Regierungsrat Professor Dr. H. Ludwig in Bonn a. Rh., von ordentlichen Mitgliedern die Herren Rentner A. Cuntz, Stadtverordneten Alfred Esch Archivrat Dr. A. Hagemann. Rentner C. Hensel Kommerzienrat H. Koch. SanitätSrat Dr Ernst Pagenstecher, Cherniker A. Pellens und Rentner H, SchnabÄ. Aus dem Verein ausgetreten sind 9 Mitglieder. Trotzdem hat sich die Milgliederzahl erhöht, da 21 Herren und 4 Damen als ordeni- liche Mitglieder neu eingetreten sind. Der Druck des 6o Bandes der „Jahrbücher" ist nahezu vollendet, so daß der Band sicher bis zum JahreSfest. am 28. März d, I. fertig wrliegr. Autzer einer Anznhl wissen s-chaftlicher Abdankungen und o«en Veieinsnachrichten bringt das Jahrbuch einen Nekrolog _ auf Ar-wld Pagenstecher von Herrn Dr. L. Dreher nebst einem Bildnis des Verstorbenen. — Der Neubau des Museums gehl immer mehr seiner Vollendung entgegel:. so daß die Übersiedelung in, Jahre 1915 erfolgen bürste. Inzwischen ha: der Verein einen Teil der früher von der LandesbÄisthek benutzten Räume zugeteilt erhalten und dieselben in Benutzung genommen. Der Bereinsvorftand hat der Mufeums-Deputatron einen Plan zur Neuorganisarivn der Verwaltung des Naturhistorischen Museums vovgelest. Danach ^ wird das Natur- historische Museum in 3 Abteilungen gesliedert: 1. die zoologische Sammlung unter Leitung des Herrn Kustos Lampe, 2. die mineralogische, geologische und paläontologische Sammlung. . Für deren Leitung ist Herr Geh. Bergvat Professor Dr. A. Leppla in Aussicht genommen, 8. die botanische Abteilung. Die Leitung dieser Abteilung hat sich der langjährige. bewährte Sektionär für Botanik. Herr A. Bisener. ehrenamtlich weiter- zuführen bereit erklärt. Der „Nassainsche Verein für Naturkunde" wird bei dieser Neuorganisation die allgemeine Verwaltung des Museums behalten und durch seinen Vorstand bezio. den Vereinsdirektor weiterführen. Für die Inneneinrichtung des Museumsneubaues sind der Mufoumsdeputation eingehend begründete Vorschläge unterbreitet worden. Die Nereingänge für das Naturhistorische Muleum waren im Be- richtsiahre besonders zahlreich. Namentlich ist hervorzuheben das Geschenk des Herrn Direktors Weiler in Hamburg: ein Gnaffeiibulle. von dem nicht nur die aussestopfte Haut, sondern auch das Skelett zur Aufstellung gelangen konnte. /Von hohem Werte sind auch die in den letzten Monaten vor seinem Tode vcm Herrn Geh. Sanitätsrat Dr. Arnold Pagenstecher dem Museum geschenkten Schmetterlinge. darunter eine große Anzahl von ihm wissenschaftlich beschriebener Exemplare, die gesondert ausgestellt wurden. Auch durch Kauf konnten in diesem Jahre einige wertvolle Stücke erworben werden. Im Sonrmer 1913 wurden an den Mittwoch-Nachmittagen unter der bewährten Leitung des - Herrn Apothekers Vigener die , botanischen Exkursionen unter reger Beteiligung von. Mitgliedern und Gästen durchgeführt. Auch eine Anzahl zoologischer Exkursionen unter Leitung des Herrn Dr. med. I. Vigener wurde borgenommen, sowie endlich unter Leitung des Herrn Geh. Bergrats Professor Dr. A. Leopla drei gut besuchte geologische Exkursionen. Die Vereinsbiliothek erfuhr eine Vermehrung um 380 Bävde. Besucht wurde das Museum im Sommer 1913 von rund 18 000 Personen, im Winter 1918/14 bis jetzt von ruud 8000 Personen. Die dem Museum angN-lied-erte. von Herrn Kustos Lampe geleitete meteorologische Station w-urde wie bisher weiter geführt. Auskünfte wurden in 52 Fällen erteilt. Die vom Vereinsvorstand vollzogene Wahl des Herrn Geb Regierungsrates Professm Dr. H. Fresenius zum Ver- einsdirektor und des Herrn Dr. L. Dreher zum stellvertretenden Direktor sowie des Herrn Sanitätsrates Dr. G. Böttcher zum Vorstandsmitglied wurde durch die Generalversammlung ge» nehniigt Ferner wurde auf Vorschlag des Vorstandes Herr Oberlehrer Dr. H. Scharsf zum Vorstandsmitglied gewählt. He-w Oberlehrer Dr Heineck brachte einige Wünsche bezüglich der wissenschaftlichen Abendunterh-Mun-Ten des, Vereins zum Ausdruck, die nach eingehender Besprechung auf Vorschlag des Herrn Beigeordneten Körner dem Vorstände zur Erwägung überwiesen wurden. Weiter empfahl Herr Oberlehrer Dr. Heineck. die Bestrebungen zur Gründung, eines Reform-Kinos zu unterstützen, was die Billigung der Versammlung fand. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlnng mit der Brite um reckst zahlreiche Beteiligung bei dem am 28. März, abends 6 Uhr. im Museumssaale stattfindenden Jahresfest.
KA8 dem LomdKreis WreZberden.
Sc. Schierstein, 18. März. Die jetzt beendigten Wahlen zur Gemeindevertretung geben Anlaß zu einem vergleichenden Rückblick aus die WaMbeteiligung ,bei den wer Wahlen der letzten sechs Jahre. Es wurden Stimmen abgegeben: 1908: 1. Klaffe 23. 2. Klaffe 71. 3. Klasse 200. 1910:
1. Klaffe 33, 2. Klaffe 67, 3 Kaffe 197, 1912: 1. Klasse 30,
2. Klaffe 87. 3. Klaffe 224, 1914: 1. Klaffe 18. 2. Klaffe 3p,
3. Klaffe 179. Bezüglich der 3. Klaffe sei erwähnt, daß nr diesem Jahre bürgerliche Gegenkandidaten nicht aufgestell. waren. In der 1. Klaffe wurde bei der letzten Wahl von dam Vertreter der „Rhemaold"-A.-G. Söhnlein u. Ca. Protest ansemeldet, da die Wahlhandlung angeblich einige Minuten z« früh geschlossen worden sei. Demgegenüber wird behauptet, der Schluß der Wahlhandlung habe genau nach der Zeitangabe der auf dem Wahltisch offengelegten Taschenuhr stattgesunden, riach welcher auch dre Wahlzeit der vorhergehenden 2. Klasse bemessen wurde. Das Gesamtwahlergebnis ist insofern interessant als nunmehr noch mehrere neue Gemeindleverordnete in das Rathaus emz,ehen, die unter allen Umständen für die industrielle Entwickelung des Ortes erntreten. Will man nun noch das gesamte Gemeindekollegrum vom konfessionellen Gesichtspunkt betrachten so sei erwähnt, daß auf etwa % evangelische Einwohner 15 Gemeindeverordnete, auf etwa % katholische Einwohner 2 Gemeindetzerordnete und aus 60 Israeliten 1 Gemeindeverordneter konraren. — Eme recht unglaublich klingende Nachricht macht hier und anderswo die Runde. Es wird nämlich behauptet, zwischen den Oberbürgermeistern von Wiesbaden und Biebrlw und dem Bürgermeister von Schierstein seien die grundlegenden ^tngemeindungsbeding- ungen. vorbehaltlich der Genehmigung der städtischen und Gemcindekörperschaften. vereinbart und bei der Wiesbadener Regierung zwecks Prüfung atedergelegt worden. Da man ait zuständiger Stelle hiervon Nichts wissen will, so darf man wohl an einen verfrühten Aprilscherz gua-uben. — Gerüchtweise verlautet daß in der hiesigen Gemarkung Zwischen Schierstem ilnd Niederwalluf eine größere oaorrt errichtet werden soll.
Das Unternehmen wird mit den in der Söhnleinschen Bagn- kellerei seit einiger Zeit vovgenommenen techirischen Versuchen in Zusammenhang gebracht.
— Sonnenbcrg, 18. März. Der Männergesang-Verein „C o n c o r d i a" begeht am kommenden Samstag bei Mitglied Botz im Kreise seiner Mitglieder sein 3 9. Stiftungsfest durch Abhaltung eines Familienabends.
z. Bierstabt, 18. März. In der Sitzung des Gemeind e- r a t s wurde beschlossen, dem Gesuch des Wilhelm Sauer um Anlage eines Kanals vor dem projektierten Neubau an der Hainerstratze nicht stattzugeben. Dem Bäckermeister Ludwig Emil Mayer wurde gestattet, das Oberwasser von seinem Hausgrundstück Ecke Ellenbogengasse und Schulgasse in den Kanal der Schulgasse zu führen gegen Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr. Die Seitenstratze an der Ecke der Warthestratze am Neubau Welkenbach erhält den Namen „Hainerstratze".
z. Kloppenhcim, 18. März. Die Wahlen zur Gemeindevertretung finden am Samstagnachmittag statt. Die dritte Abteilung wählt von 3 Uhr ab.
Uh. Eddersheim, 19. März. Ein mit zwei Soldaten besetzter Doppeldecker aus der Koblenzer Fliegerschule st ü r z t e heute vormittag infolge des schlechten Windganges aus beträchtlicher Höhe ab und wurde vollständig zertrümmert. Der Führer, ein Unteroffizier, sprang aus einer Höhe von 20 Meter ab und blieb unverletzt. Auch sein Begleiter erlitt nicht die geringsten Verletzungen.
r?aft«ursche Nachrichten.
k. Höchst o. M., 18. März. Mit 39 von 65 Stimmen wurde der Gewerkschastssekretär Lampert zum Ausschutzvorsitzenden der Allgemeinen Ortskrankenkasse gewählt. Bei der Abstimmung über die neue Dienstordnung der Kassen- beamten stimmten die Arbeitnehmer für und die Arbeitgeber gegen die Erhöhung des Anfangsgehalts der dritten Beamtenklasse. Das Oberversicherungsamt hat nun über diese Streitfrage zu entscheiden. Mit dem Ärzteverband ist wegen der Familienversicherung immer noch keine Einigung erzielt worden.
k. Unterliederbach, 18. März. Die Gemeindevertreterwahl der dritten Klasse, in welcher die Sozialdemokraten einen knappen Sieg errungen hatten, ist ungültig erklärt worden. Es durfte nur ein Nichtbesitzender gewählt werden. Zwei der Gewählten hatten sich zwar kürzlich Häuser gekauft, doch war die gerichtliche Auflassung erst am Tage nach der Wahl erfolgt. Die Neuwahl findet am Donnerstag, den 26. d. M„ statt.
k. Nied a. M., 18. März. Bei den Gemeindevertreterwahlen wurden in der ersten Klasse Bauunternehmer Gg. Flick 2., Schmiedemeister A. Welcher und Bäckermeister Wilh. Simon 4., in der zweiten Klasse Schreinermeister Joh. Engelhardt und Konsulatskanzler I. Gg. Stüp und in der dritten Klasse Zimmerer G. Bender und Schlosser H. Kallenbach gewählt. In der zweiten Klasse findet weiter noch eine Stichwahl zwischen dem Privatier G. Battenberg und dem Schlosser L. Bender statt.
In. Usingen, 17. März. Tpr Pferde versichern» gs- verein für den Kreis Usingen feierte sein 25jährises Bestehen. In diesen 25 Jahren zahlte er an. Entschädigungen rund 76000 M. aus und steigerte die Zahl seiner Mitglieder von 14 im Gründungsjahve auf 884 im gegenwärtigen Jubiläumsjaihr.
nr. Rüdesheim, 17. März. Die Einnahmen des hiesigen Verkehrsvereins betrugen im abgelaufenen Geschäfts- jahr 1373 M. und die Ausgaben 1265 M. Der Überschuß stellte sich demnach aus 118 M. In den Vorstand des Vereins wurden die Herren August Beiderlinden und Karl Meier gewählt. Beschlossen wurde, den Beitrag am den Bund deutscher Ver- kehrsvereine auf 20 M. zu erhöhen.
— Diez, 19. März. Der Inspektor M i ck l e y bei der Strafanstalt Diez ist vom 1. April 1914 ab an das Gefängnis in Anrath verseht.
S. Gehlert, 17. März. Die hiesige Gemeinde will die Überschüsse aus dem Erlös des Holzes aus dem Gemeindewald zur Errichtung einer Holzschneiderei und einer Drescher e i verwenden, die den Ortsbürgern zur allgemeinen Benutzung überlassen werden sollen. Die Kraft wird ktS Gemeindeelektrizitätswerk stellen.
Hus der Umgebung.
Auslieferung eines Gattenmörders aus Amerika.
w. Frankfurt a. M., 18. März. Die Eröffnungskammer der Strafkammer hat heute beschlossen, den unter der Beschuldigung, seine Frau in Philadelphia ermordet zu haben, in Haft befindlichen Italiener Pall.antrini auf Ersuchen der Behörde in Philadelphia nach Amerika auSzu- liefern. Ein amerikanischer Beamter ist bereits in Frankfurt eingetroffen, um den Transport Pallantrinis nach Philadelphia zu übernehmen.
U. Frankfurt a. M., 18. März. Gegen eine Anzahl B e - amte der Sittenpolizei schwebt gegenwärtig ein Disziplinarverfahren^ das die Beamten gegen sich selbst beantragten. Es war nämlich wiederholt das Gerücht verbreitet, daß Beamte durch Annahme hoher Geldgeschenke die Kuppelei begünstigt hätten. Als der Staatsanwaltschaft ein anonymes Schreiben zuging, in der die gleichen Behauptungen aufgestellt waren, drang die Behörde auf gerichtliche Klarstellung, und es fanden umfangreiche eidliche Vernehmungen aller in Frage kommenden Personen und Zeugen statt. Das Verfahren ist noch nicht völlig abgeschlossen, aber so weit sich schon jetzt überblicken läßt, hat sich keiner der Beamten weder strafrechtlich noch disziplinär etwas zuschulden kommen lassen. Jüngst erfolgte Veränderungen bei der Sittenpolizei und in anderen Abteilungen der Kriminalpolizei haben ihren Ursprung lediglich in der Verlegung des Polizeipräsidiums, die demnächst erfolgt. — Die Voruntersuchung gegen den Herausgeber des „Freigeist" Watzmann in der S a l- varsanaffäre ist noch nicht abgeschlossen, und es ist die Blättermeldung unzutreffend, daß eine Einstellung des Verfahrens erfolgt sei und die Beleidigten auf den Weg des Privattlageverfahrens verwiesen worden wären. Das Verfahren gegen den Redakteur des „Türmer ist bei der Staats- aNwaltschaft in Stuttgart anhängig und ruht, bis die Frankfurter Staatsanwaltschaft hinsichl^ch Watzmanns zu einer Entscheidung gelangt ist.
Unwetter und Hschwaffev.
Die schädlichen Folgen des Rheinhochwasscrs. wb. Duisburg, 18. März. Der Rhein ist von gestern früh bis heute mittag weiter gestiegen^ Der^Ruhrorter Pegel zeigte heute -um 10 Uhr vormittags einen Stand von 6,72 Meter, also 5 Meter -üiber dem normalen .Skand. Das Wasser steigt
noch weiter. Die Schwierngkeiten sür den Umschlagverkehr werden immer größer, da Sie Schiffahrt fast ganz eingestellt ist. Da die Eisenloahngleise der Hafenbahn zum Teil unter Wasser sichen, vermögen die noch tätigen Kipper nur unter großen Schwierigkeiten zu arbeiten. Zcchlvetche Zechen müssen Feierschichten einlegen, da die geförderten Kohlen nicht versandt werden können. Die Ruhr, die seWst hoch angeschwollen ist, staut sich an der Mündung und überflutet kilometcnbreit das Gelände an den Ufern. Infolge der erneuten Einstellung der Rheinschfffahrt ist den Duisburger Schiffahrtskreisen biL jetzt ein Schaden von Mer 200 000 M. erwachsen.
wb. Wesel, 18. März. Das Rheinhochwasser verursachte hier großen Schaden. Im Hasen stehen sämtliche Lagerhäuser bis zum Dach unter Wasser, einiAe wurden fortge- rissen. In der Hafenstratze reichen die Fluten bis dicht unter die Fenster der Woihnhänser. Der Rhein bildet mit der hochgeschwollenen Lippe erneu meileniverten See. Mehrere Wohnhäuser sind durch das Wasser vom Lande abgeschnitten.
Hochwasser der Weser und Warthe, wb- Bremen, 18. März. Jäsolge der abermaligen starken Niederschläge der letzten Tage ist die Weser erneut stark im Steigen begriffen. Die Deichpromenade und die Deichvor» ländereien sind weithin überschwemmt. Es ist ein Hochwasserstand eingetreten, wie er lange nicht verzeichnet wurde. Die OberwefeüschisfalhÄ, die schon in letzter Zeit stark unter dem Hochwasser gelitten hatte, mußte heute wieder eingestellt werden, da eine Anzahl Brücken- nicht m«hr passierbar sind. Das Fahrwasser ist wegen der ausgebreiteten Überschwemmungen nicht mehr zu sichten. Die Strömung ist außerordentlich stark. Auch die Allerschiffährt wird voraussichtlich eingestellt werden müssen.
Landsbrrg a. d. W., 18. März. Die Warthe führt Hochwasser. Weite Gebiete sind nbenschwemmt.
Gewitter und Tchneeststrme in Nordböhmen.
Tetschen (Elbe), 18. März. Aus Nordböhmen, darunter Warnsdovf, Nixdorf und Rumburg, werden Wintergewitter und Schneestürme gemeldet.
Die Orkankatastrsphe am Arsswfchen Meer. Petersburg, 18. März. Erst jetzt gelangen hier Einzelheiten der Kiataistrophe an die Öffentlichkeit, die einen großen Teil des Küstengebietes am Afowschen Meer betroffen hat. Die Zahl der Töten beträgt mindestens 2000, nach anderen Angaben 3000. Das Meer spült Hunderte von Leichen ans User. Die Überschwemmung des von einer Springskut zurückgedrängten Don war so, daß ein großer Flußdampfer über das Ufer getrieben wurde und in einem Bauerngehöft eines Kosakendorfes liegen blieb.
Sturm an der französischen Küste, wb. Dünkirchen, 19. März. Das Unwetter wütet nach wie vor mit großer Gewalt und richtet überall großen Schaden an. Die Schiffahrt ist vollkommen unterbrochen. Füns- zchn Dampfer liegen im Hasen und können nicht aussahren. Ein Segler, dessen Herkunft unbekannt ist, ist in der Nähe der Küste gescheitert und gesunken. Man hat bei Ebbe den oberen Teil des F»hrzeug-cs aus dem Wasser herausragen sehen.
letzte DvcrhMevichte.
Besoldungsfragen in der Budgetkommiffisn.
8 Berlin. 19. März. (Eia. Drahtbericht) In der Budgetkommission des Reichstags gab heute Schatzsekretär Kühn vor der Weiterberatung über die Anträge der Kommissionsmehrheit, betr. die h ö heren Postbeamten, me Erklärung ab, daß die Regierungen es a b l e h n e n müßten,wesentlichen materiellen Änderungen des Entwurfs Mzustimmcn. Das gelte von dem gestrigen Beschluß über die gehobenen Unterbeamten, aber in noch größerem Maße würde der Kompromißantrag über die höheren Beamten unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Im Interesse des Zustandekommens der Vorlage bitte er, von so weitgehenden Anträgen abzusehen und sich mit Verbesserungen zu begüngen, die durch die Stellen Vermehrung im Etat vorgesehen seien. Der Staatssekretär des Reichspostamts schloß sich dem an. Kvmmissivnsmit- glreder aus allen bürgerlichen Parteien traten den Regiernngsvertretern entgegen. Bon den Regierungsvertretern wurde der Antrag nochmals unter Hinweis auf den ganzen Aufbau des Besoldungsgesetzes bekämpft. Einer Durchsetzung des Antrags auf dem Wege von Etatsanderungen würden sich die Regierungen niemals fügen. In der Abstimmung wurde der Antrag gegen die Sozialdemokraten angenommen. — über die Aufbesserung, der Deckoffiziere äußerte sich Admiral von Gapelle, sie betrage 31 bis 33 o/o, sei also nicht unerheblich. Bon den Ber- tretern der verschiedenen Fraktionen wurde die möglichst rasche Erfüllung der Forderungen für die Sanitätsoffiziere erbeten. Die Forderungen für die Deckoffiziere wurden angenommen.
Der Kaiser bei Großadmiral v. Tirpitz.
wb. Berlin, 19. März. Der Kaiser besuchte heute Vormittag den Großadmiral v. Tirpitz, der heute feinen Geburtstag hat.
Das Ergebnis der „Roten Woche".
-p Berlin, 19. März. (Eig. Drahtbericht) Nach einer Meldung des „Vorwärts" ist die Sozialdemokratie mit dem Ergebnis der „Roten Woche" sehr zufrieden. In Berlin sind bis Mittwochabend 10986 Neuanmcl- dungen angemeldet und rund 8000 „Vorwärts"- Abonnenten gewonnen worden.
Der Konflikt an der Technischen Hochschule in Dresden.
□ Dresden. 19. März. (Eig. Drahtbericht) Bei der gestrigen Beratung des Kultusetats in der zweiten Kammer kam der fortschrittliche Abgeordnete Günther auf den Konflikt in der Technischen 5s>och- fchule in Dresden zwischen der freien Stu dentenschaft und den Korporationen zurück. Der Redner bezeichnete das Verfahren, das mit Wegweisnng des freien Studenten Grafen Wedel endete, als eine Vergewaltigung der akademischen Freiheit. Hier hätten anscheinend politische Gründe hineingespielt. Der Abgeordnete Günther teilte einen Brief des Gesandten Gxasen Botho v. Wedel an feinen gfi*
