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A* Dtorgen-Bnsgabe, !♦ Blakt.

WreSÄKderrer ©ßgbSütf« Donnerstag, 19. März 1911. Mr. 131.

ragende Bortraitaufnichmen. Genrebilder und besonders eine Reihe vortrefflicher Autochromanfnahmen, welche eine Mainzer Dame, Frau. Friedrich, ausgenommen hatte. Die gemein­samen Veranstaltungen mit dem Mainzer Verein tollen von jetzt an alljährlich wiederholt werden.

»ersinsvorträge«

In der Sektions-Versammlung des „Alpend er eins" am verflossenen Donnerstag hielt Konigl. Geh. Rat W. Elze einen Lichtbildervortrag über Jagdtouren im Hochgebirge, der sich auch für den Nichtjäger äußerst interessant gestaliete durch die lcbenssrische Vorführung der sölbsterlebten „Bilder" in den verschiedenen Jagdgebieten bei sehr oft mühsamen, anstrengen­den Wanderungen und Bergtouren: war es im Urwalds Nor­wegens, wo es galt den riesigen Elch aufzuspüren, in den Karpathen oder dem Kaukasus auf dem Wechsel stolzer Hirsche und grimmiger Bären, schließlich rn unseren Alpen aus dem Pfad der flüchtigen Gemse usw. Die vorgeführten Bilder, alles SeOstaufnahrnen. waren geradezu wundervoll und zeugten wie die Schilderungen von einer feinsinnigen Naturbeobach-: tung, einem tiefen Verständnis für die Schönheiten der Alpen und der Bewohner des Hochgebirges. Die zahl­reichen Zuhörer spendeten laute Beifallskundgebungen, denen auch der Vorsitzende Pfarrer Veesemneyer in warmen Worten Ausdruck verlieh. (Ohne Gewähr.)

vereinsseste. (AufiiahM frei bis zu 20 geilen.)

*. Der „Allgemeine Deuts che Sprachverein" veranstaltete am Montag seinen, letzten dieswinterlichen Familienabend, der einen lehr harmonischen Verlauf nahm. Trotz des schlechten Wetters tvar der große Saal feer Turn- gesellschaff ganz besetzt von den Mitgliedern und Freunden des Vereins. Die Märchen der Brüder Grimm waren der dankbare Gegenstand. Wer den Oberlehrer Dr. Keller rn form­vollendeter Art und mit gewinnender Liebe zur Sache sprach. Er zeigte, wie im 13. Jahrhundert. Goethe und Herder als erste das Märchen aus der Verachtung emporhoben und wie dann, angeregt durch die Romantik, die Brüder Grimm den hohen Werk des Märchens erkennen, seinen mythischen Gehalt fest- steller: und durch ihr Märchenbuch dem deutschen Volk ein Buch schenken, das der Lutherbibel an Volkstümlichkeit zur Seite ge­setzt werden kann. Nach dieser stimmungsvollen Vorbereitung fanden die drei Märchen, die Fvl. Friedländer in künstlerischer Vollendung und doch so natürlich erzählte, den geeigneten Boden in den Herzen der Zuhörer, die getviß alle noch gerne mehr Märchen von einer solchen Erzählerin gehört hätten. Aber auch die musikalischen Darbietungen des Spangenberg- ichen Konservatoriums unter Leitung von Prof Fahr und Hof­musikdirektor Kaiser bildeten einen stimmungsvollen Abschluß der wohlgelungenen Veranstaltung. Neben der. Orchesterklasse des Konservatoriums machten sich vor allem die Damen Fuchs, Schäfer. Jäger und Friedländer sowie die Herren Schneider und Növgaard durch ihren Gesang, ferner ter junge Herr Zeidler durch vielversprechendes Violinspiel und Frl. Zimmer durch ihr künstlerisch vollendetes Klavierspiel verdient. F481

Kus dem LsndÄesrs Wiesbaden.

-o- Biebrich, 17. März. Durch den Beschluß der Stadt- «rordnetenbersammlung auf Aufhebung der städtischen Steuer- yebrstelle Nr. 2 ist es der städtischen Steuerbehörde nicht mehr möglich, die Verwaltungsarbeiten für die Erhebung der K i r ch e n st e u e r der beiden christlichen Konfessionen durch- zuführen. Der evangelische Kirchenvorstand hat deshalb die Errichtung einer besonderen Krrchenrechnerstelle be­schließen nrüssen, die mit dem 1. Juli d. I. besetzt werden soll. Dem anzustellenden Beamten sollen auch die Obliegenheiten eines Gemeindesekretärs übertragen werden.

z. Bierstirdt, 18. März. Heute nachmittag vollzogen sich die Wahlen zur Gemeindevertretung für die zweite und erste Wählerklasse. Die Beteiligung in der zweiten Klasse war eine ziemlich rege. Es wählten nämlich ein gutes Drittel aller Wähler. Gewählt wurden die beiden Kandidaten der vereinigten Parteien. Schreinermeister Wilhelm Welken­bach erhielt 72. Landmann Paul Wilhelm seulberger 71 Stimmen. Zur ersten Klaffe, welche 57 Wahlberechtigte zählt, waren 31' Wähler erschienen. Gewählt wurde mit sämtlichen Stimmen als Ersatz für den verzogenen Rentner Semler Direktor Heinrich Müller, ferner Gärtnereibesitzer Hirsch und Landwirt Ludwig Vogel 2r.

Naffauische Nachrichten.

Der Etat eines Großdorfes.

# Griesheim, 17. März. Das größte Dorf im Nassaui- schen ist Griesheim, dessen Einwohnerzahl sich zurzeit aus !2 500 Seelen beläuft. Der enormen Bevölkerungszahl ent­spricht auch der Etat, der in diesem Jahre in Einnahmen und Ausgaben mit 1 240 000 M. balanciert. Als Haupteinnahmen erscheinen an Steuern etwa 400 000 Ml, 100 000 M. fordert ne Gemeinde an rückständigen Beiträgen zu den Schullasten von der Stadt Frankfurt seit dem Jahre 1907; aus dem Gas­werk erwariet man 214 000 M., aus dem Wasserwerk 105 000 Mark, aus Anleihen 325 000 M. Die Ausgaben erstrecken sich im wesentlichen auf die Schulen mit 234 000 M., für Polizei­verwaltung 49 000 M., allgemeine Verwaltung 50 000 M., Straßenbauten 57 000 M., Armenlasten 42 000 M., fürs Wasserwerk 75 000 M., fürs Gaswerk 185 000 M., Grund- stücksverwaltung 21000 M., Steuer- und Kassenverwaltung 63 000 Mt. Zur Balancierung des Etats ist eine Erhöhung der Zuschläge zur Einkommen- und zu den Realsteuern im Betrag von 10 Prozent in Aussicht genommen, so daß in Zu­kunft die Steuern 145, bezw. 175 Prozent betragen werden.

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— Feldberg-Observatorium, 18. März. Auf der von Reinachschen EiÄbebenwarte des Taunusobservatoriums auf dem Kleinen Foldberg wurde heute früh ein schwaches Erdbeben festgestellt. Erster Einsatz 4.32,8. Die Ent- fernung des Erdbebenherds beträgt etwa 8000 Km (Frkf. Ztg.)

— Griesheim, 17. März. Der Fall Geißenberger birdet noch immer das Tagesgespräch. 3)tan ist sich einig eauiber. daß die 153000 M.. die er der „Gemeinnützigen Bau« llewllsckaft" unterschlagen !>at. wohl von den beteiligten Ge- scliichaftern ersetzt werden müssen. Anders verhält es sich mit {M* Mwatschulden, die Geißsnbergcr aufgehäuft hat. Er soll ./.u Chemikern Tausende geborgt haben, Buveaubeamte hat er an gepumpt, dem Krmtinier des Fäbrikkasinos soll er 4000 M. schulden; er hat sich Davlehn und Bürgschaften geben lassen. fDO s. e m- ? baben konnte. Er hat Grundstücke in Schwanheim und Niedevrad gekauft, hat nichts darauf bezahlt, aber, wie Wn Hort, den Leuten Schuldscheine ausgestellt, die Grund- Namen, uberschreiben lassen, sie bann Der« h.potbekt unr das Geld eingesteckt Es ist ganz ungeheuerlich, was der Mann,getnsben hat. Allenthalben fragt man sich, Ww '«UN man emen Mann an die Spitze eines Unternehmens stellen, der 36 000 w Schulden gehabt haben soll als Büraer- mmster von schlettstadt dem man 20 000 M. vorgest'eckt haben soll, daß er seme Möbel bezahlen soll? Moralisch verpfUchtet für die erschrecklichen Summen, die Dr. Geißercherg beiseite ge­bracht hat. sind sicherlich die Herren, die ihn nach Griesheim berufen haben. — # Hier erhängte sich die Witwe' des Schuhmachers Pflerderer in einem Anfall von Ge ist es­st ö r tt n g.

# Schwanlicim, 17. März. Bei den gestrigen Ge­rn ein dewahlen oer a. Abteilung, für die nur die Sozial­demokraten und der, -ourgerverLin Kandidaten ausgestellt hatten, siegten die bürgerlichen Kandidaten, die beide Ein- gemeindiingSgegner sind.

kt. Oberursel, 17. März. Die Matorenfabrik Oberurse! hat die Herstellung von F l u g z eu z,n o t o r e n als jüngsten Fabrikationszweig ausgenommen. Sie errichtete zu diesem Zweck umfangreiche Neubauten und wird mehrere hundert Arvetter neu einstellen.

. ~ Niederlahustein. 17. März. Die Stadtverordneten be-

schloyen, die We r t zuwachs steu e r wieder aufzuheben.

w. Hansenmeilingen. 17. März. Die Sektion der Leiche des-in der Nacht zum Aschermittwoch in der Ortsstraße sterbend aufgefundenen Schreiners Jakob Borbonus hat Anhalts­punkte für eure gewaltsame Todesart gegeben. Gegen eiiuge hiesige Burschen wird Anklage auf Körperverletzung mit tödlichem Erfolg erhoben werden.

!>. Ems. • 17. März. Der städtische Haushalts­plan für 1914 sieht u. a. an Steuern vor: Zuschlag zur Staat Sernkommensteuer 160 Prozent, Zuschkrg zur Staats- gewerbesteuer 190 Prozent. Der Gssamtsteuerertrag wird mit 303 465 Nt. angenommen. Der gesamte Etat, balanzierend mit 465 635 M. in Einnahme und Ausgabe, wurde genehmigt. Die Steuern sind dieselben wie im Vorjahre.

bs. Weilburg, 17. März. Während der General- pardon in anderen Städten eine große Verschiebung der Steversummen nach oben ergeben hat. ist in Weilburg und im übrigen Oberlahnkreis von einer besonderen Wirkung nichts zu bemerken gewesen. Es hat allerdings auch eine Steigerung der Angaben stattgefunden, doch bewegt sich diese ziemlich in den Grenzen, wie sie alljährlich sich darbietet.

bs. Obertiefenbach (Oberlahnkreis), 17. März. In den letzten Tagen sind hier die beiden ä l t e st e n Einwohner unieres Dorfes. Johann Brühl im Mer von 91 und Hubert Noll im Alter von 93 Jahren, an Wtersschiväche gestorben.

Grcnzhausen, 17. März. Gestern verunglückte der Fi.hrknecht L. von hier, indem ihn ein Pferd :m Stalle zu Boden warf und mit Zähnen und Hufen bearbeitete, so daß es den herzueilenden Personen nur mit großer Mühe gelang, den Verunglückten dem äußerst bissigen Tiere zu entreißen. Der Bedeuernswerte ist so schwer verletzt, daß seine Überführung in ein Krankenhaus nötig wird. Das Pferd, ein sonst wertvolles Tier, hat am Freitag auch dem Fuhrhalter eine schwere Bißwunde am Arnr beigebracht.

8. Marienberg, 17. März. Die Kreiswegewärter, die zur Unterhaltung der Vizinalwege zuerst in unserem Kreis durch Landrat Büchting angestellt wurden, sollen sicherem Ver­nehmen nach nach und nach vom Kommunalverband über- nommen werden.

S. Hachenburg, 17. März. Das Hotel „Nassauer Hof" hier ist in den Besitz von P. Fröhlich, Inhaber des Berliner Kaufhauses übergegangen. Der neue Besitzer will das Hotel in ein Warenhaus umbauen. Das bisherige Berliner Kaufhaus ist an Gebr. Klaßmann verkauft, die eine Fabrik einrichten wollen.

Hiss der Umgebung.

Automobil-Explosion.

ht. Frankfurt a. M., 17. März. Während einer Geschäfts- fahrt explodierte bei Wissenbach das Automobil der hiesigen Zweigstelle der Siemens-Schuckert-Werke. Der Führer, Ingenieur H offmann aus Wetzlar, konnte sich im letz­ten Augenblick durch einen Sprung aus dem brennenden Wagen retten.

Die Homburgcr Kasernenfrage.

— Homburg v. d. H., 18. März. Dem Vollzugsausschuß der gestrigen, Bürserversammlung ging auf das Gesuch an den deutschen Kaiser wegen des Kasernenneubaues gestern folgendes Schreiben zu: „Kriegsministerium Berlin, den 14. März. Die Jmmediatvorstellung des Vollzugausschusses der Bürgerver- sammlung vom 7. Februar ist auf Allerhöchsten Befehl an das KriLgsministerium gegeben worden. Nachdem dies stattgefunden hat. wird Ihnen mitgetedlt, daß die Wahl eines Banvlatzes noch nicht endgültig getroffen ist. Weitere Nachrichten werden Ihnen nach Klärung der Vorfragen zugetzen."

Eisenüahnunfall.

m. Bingerbrück. 18. März. Auf dem hiesigen Bahnhofe in der Nähe der Eisenbahnbrücke ereignete sich gestern abend ein Eisenbahnunfall, der besonders für den Verkehr Bingen-Saarbrücken größere Verspätungen zur Folge hatte. Es entgleiste eine schwere, von Bingen kommende GLterzugs- lokomotive Das Gleis Bingerbrück-Bingen und das Anschluß­gleis von der Rhein- zur illaheseite waren gesperrt. Der Ver­kehr zwischen Bingerbrück und Bingen mußte auf dem einen Gleis Bingen-Bingerbrück aufrecht erhalten werden, so daß gröbere Verspätungen nicht zu vermeiden waren. Die von Bingen nach .Kreuznach und weiter bestimmter! Personenzüge wurden über die Rheinseite geleitet und durch Umsetzen weiter- befördert. Die sofort in Angriff genommenen Aufgleisungs­arbeiten an der mit sämtlichen Rädern entgleisten Maschine dauerten mehrere Stunden.

Der Brand auf Schloß Adolfseck.

hi. Fulda, 17. März. Unter großen Anstrengungen ge­lang es gestern nachmittag, das Großfeuer auf Schloß Adolfseck, dem prächtigen Sommersitz der Landgräfin Anna von Hessen, zu bewältigen und das schwer bedrohte Schloß vor der Einäscherung zu bewahren. Wenn der Sturm aus der entgegengesetzten Richtung gekommen wäre, dann wäre eine Rettung des Schlosses unmöglich gewesen. Neben den Wirtschaftsgebäuden brannten auch die Hofreiten des Gastwirts Engel und eines Landwirts teilweise nieder. Das der Brandstiftung verdächtige Dienstmädchen wurde verhaftet, es bestreitet aber die Tat.

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hl. Frankfurt a. M., 17. März. Die Staatsanwaltschaft bat das Verfahren gegen den „Türmer" wegen der Angriffe auf btc erfolglosen Behandlungen Syphiliskranker nttt Salvarsan im hiesigen städtischen Krankenhaus eingestellt.

— Frankfurt a. M.. 17. Marz. Gegen den Direktor Löhnert von der Mitteldeutschen Kranken­kasse wurden aus den Kreisen der Versicherten Beschwerden erhoben, die zu vielen Zivilprozessen geführt haben. Das Kaiserliche Aufsichtsamt für Prrvatverstchennngen hat einen vorläufigen Bermögiensverwalter dMgesetzt. Am 15. März ist nunmehr Direktor Löhnert aus der Mitteldeutschen Kranken­laste aus g e s ch i e d e n. Ern Auslo, ungsbeschlnß ist vor einiger Zeit vom Aufsichtsamt ergangen doch hat damals Direktor Löhnert Rekurs eingelegt, der demnächst zur Ent­scheidung kommen wird.

Ist. Frankfurt a. M.. 18. März. Wegen Diebstahls und Erpressung verhaftete dre Polizei den 68jährigen Kaufmann Karl August Menz auf Wiesbaden. ©r hatte feiner Loaiswirtin eine Uhr gestohlen und ihr unter der An- <,*£ 0, sie zu erschießen, nach und nach 80 M. bares GÄd emrockt.

m. Bingerbrück. 17. März. Wie die Untersuchung ergeben bat. ist dm r>icr im Hafen gelandet eLeichr die des oSiahrugen Matrosen Jakob Grreb aus Derseke in Holland und nicht, wie anfänglich vermutet wurde die des von einem bei Bingen vor Anker liegenden Schiffes, verschwundenen AkZers. Am 6. Februar wollten bei Frer-Weinheim drei Ratrpsen rn einem Nachen trotz des starken Nebels vom Lande an ihr dort vor Anker liegendes Schrft ^bren. Der Nachen um und die drei fieilen ins Wnsi er. wobei Grieb ertrank , Darmstadt. 17. März. Fm naben Griesheim ist das 5 Fahre alte Kind des Metzaermeisters Bausch in Uh- wejcnheit, der Mutter in der Durstküche an das Feuer geraten wo ihm m Folge des herrschenden starken Sturmes die aus dem Herd zurückschlagende Flamme rn das Gefickt und Men die Kleider s ck l u g, so daß diese Feuer fingen Obwohl das schwer verbrannte Wesen sehr bald in ein Kuanken- haus^gebracht wurde, ist es nach kurzer Zeit seinen Berlehungen

wb Worms, j8, März. In den Chemischen Fabriken und Asphmtwerken ist heute früh V 2 9 Uhr wiederum Grotzfeuer ausgcbrochen. das einen großen Umfang anzunehmcn droht da d:r dort lagernden Erzeugnisse durchweg brennbar sind.

X Marburg. 17, März. Der Kirchenbistoriker Professor Dr. tbeol- et phst. Heinrich Böhmer, her kürzlich einen

Ruf an die Universität Erlangen erhielt, wird diesem keine Folge leisten. Der Gelehrte kam vor 2 Jahren von Bonn hierher als Nachfolger des nach Güttingen berufenen Geh. Konsistorialrats Professor Dr. theol. Mrbt.

Biedenkopf. 17. März. Auf der Grube „Bautenbevg" im Siegeuland wurde gestern der Bergmann W. Roth aus Wilgersdorf durch abstürzendes Gestein getötet.

GerichLssaal.

we. Betrug. Die Strafkammer in Wiesbaden hatte gestern den Kaufmann Adolf Schmidt aus Wiesbaden unter der Anklage des teils vollendeten, teils versuchten Betrugs vor ihr Forum gezogen. Schmidt ist im September v. I. verhaf­tet worden. Was ihm vorgeworfen wird, ist, daß er im Jahre 1910 in Wiesbaden den Freiherrn v. Heeremann um 20 000 M., ferner später in Berlin den Grafen Dohna- S ch l 0 d i e n um 2b 000 M. betrogen und ihn tveiter um den­selben Betrag zu betrügen versucht habe. Schmidt wohnte, bevor er nach Wiesbaden überstedelte, in G 0 d e s b e r g. Er lebte dort auf großem Fuß, nannte eine Billa sein eigen, hielt sich sein^Auto usw. Die Herrlichkeit jedoch dauerte nicht allzu lange, cschon im Jahre 1907 kam es zum Vermögenszusam­menbruch. Seitdem suchte Schmidt durch den Verkauf von Konzessionen transatlantischer Unternehmun­gen wieder auf die Strümpfe zu kommen. Auch dabei jedoch war ihm, dem Anschein nach, der Erfolg nicht allzu günstig. Er sah sich im Jahre 1913 gezwungen, in Berlin zu manifestieren. Bei den Konzessionen, deren Verwertung ihm übertragen war, handelte es sich um die Ausbeutung großer Gummiwaldungen, um die Gewinnung von Trauben zur Verarbeitung zu Rosinen, und zuletzt um die Verwertung einer bereits sertiggestellten oder noch der Ausführung war­tenden Bahn in der südamerikanischen Republik Ecuador. 50 000 M., welche Graf v. Dohna ihm zur Verfügung zu stellen versprach und zur Hälfte auch zur Verfügung stellte, sollten der Besitzung dienen, die Regierung von Ecuador zn einer Änderung der Trace für eine bereits konzessionierte Eisenbahn gefügig zu machen. Die „Rubber-Company" war auf der Grundlage gebildet, daß Schmidt von dem Finanzie­rungskapital von 4 Millionen allein 3 Millionen zu bean­spruchen hatte. Die von Schmidt gemachten falschen Vor­spiegelungen sollen sich in der Hauptsache darauf bezogen haben, daß das Unternehmen bereits finanziert sei, daß es sich um erstklassige, unmittelbar vor der Realisierung stehende Objekte handle, daß die bei dem Bahnbau beteiligten Gesell­schaften bereits in Südamerika Bahnen gebaut hätten, daß 28 Prozent Dividende bei der „Rubber-Gesellschaft" bereits be­zahlt werden könnten, daß bei dem neuen Bahnbau auch Gold gefunden werde, daß eine Expedition ins Innere des Landes geplant sei, daß zur Sicherheit für die Gläubiger 1 Million Mark bei der City-Bank in London niedergelegt seien, daß der gleiche Betrag als Betriebskapital zur Verfügung stehe, daß der in den Konzessionen gewonnene Gummi im Gegensatz zu dem sonst gewonnenen sehr wasserarm sei, daß eine Schiffs­ladung bereits in Hamburg cingetroffen sei usw. usw. Schmidt stellt alle ihm ungünstigen Behauptungen der Zeugen in W- rede. Er behauptet, nur Zusicherungen gegeben zu haben, von deren Richtigkeit er fest überzeugt gewesen sei.

FC. Ein Odysseus. Der jetzt 30 Jahre alte Ludwig Schmidt aus Langenschw alb ach sollte Geistlicher werden. Drei Jahre bereitete er sich darauf vor. sattelte dar­auf um. ging zur Post in Wiesbaden als Postqehilfe. Mit seinen 65 M. Monatsgehalt kam er bei seinem flotten Leben nicht aus. Er trat in die französische Fremdenlegion ein. Da ihm der Dienst zu hart war, sann er auf Flucht, die ihm auch auf einem Schiff gelang. Im Suezkanal sprang er über Bord, wurde aufgefischt und vom deutschen Dampfer „Moltke" ausgenommen. Als er der deutschen Behörde zugefiihrt wer­den sollte, rückte er wieder nach Frankreich ab, unternahm zwei Reisen als Steward nach Alexandrien. Auf der zweiten Reise strandete das Schiff bei Sardinien. Schmidt kam wieder auf ein deutsches Schiff, wurde nach Gnesen verbracht und dort wegen Fahnenflucht verurteilt. Auch diesmal gelang ihm die Flucht. Schließlich finden wir ihn in einer psychiatrischen Klinik in Freiburg wieder. Aber auch dort war er einzig in seiner Art. Er litt an vollständiger Apathie (Starrsucht), selbst die Ärzte standen dieser Krankheit ratlos gegenüber. Vor dem Wiesbadener Schöffengericht stand er jetzt, weil er eine auf Abzahlung erstandene Schreibmaschine und einen Ver­vielfältigungsapparat vor völliger Bezahlung weiter veräußert hat. Unter Berücksichtigung seiner eigenartigen Verhältnisse iourde er zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.

FC Gefährlicher Gifthandel. Der Drogist Kasimir R 0 g 0 w i tz aus Wiesbaden hatte die schwersten Gifte in zum Teil recht großen Mengen unverschlossen, unbezeichnet, bunt durcheinander herumliegen. So z. B. 100 Gramm Arsenik, Dygalen, Belladonna, Opiumtinktur, Morphium, Mutterkorn usw. „Mit einem in Tablettenform gebrachten und unbezeich- neten Gift, daS Rogowih führte, konnte man Tausende Men­schen vergiften', so äußerte sich der Sachverständige Apotheker Dr. Stephan. Kreisarzt Dr. Pils verbreitete sich eingehend über die Geineingefahrlichkeit eines derartigen Handels mit Giften, durch dre eine Unzahl von unaufgeklärten Todesfällen herbeigeführt wurden. Das Wiesbadener Schöffengericht er­kannte ans 310 M. G e l d st r a f e.

Spott mb Spiel.

. . TremMah, 18, Marz. Pmx de Polangis. 3000 Franken. 1-3 D. SoHns EndEee (Lemmel). 2. Lig Wade, 3. Sylvia II. 11*1,1 l^L? ^ Prix du Verrou. 8000 Franken.

1. A. Cutlers Monbines (L. Barra). 2. Naville, 3. Solell Avant II; - ™ -10; 28. 19 :10. — Prix Ile de Beautö. 4000 Franken. WMargurs de Garnehs Jrminsul (Ch. Childs),

2. Goldma. 0. Mignon Brö. 28:10; 15. 15 :10. — Prix de

la Maltournse 4ygg Franken. 1. A. Aumonts Darlings Dam 2. Jurum, 3 Rubia. 67:10; 26, 63. 198:10.

— Prrr de Bms-Boudran. 10 000 Franken. 1. Mme. S ■&' MnmS Aigle Blanc (Legroux). 2. Le Ritto, 3. SachckaroffL

- Brix Le Chamv Brrste. 400a Franken. 1. D. Kelekmns Vetiver (Charper). 2. ©ebne, 3. Le Simdar. 135 :10: ^ : 10.

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* Allgemeiner Deutscher Jagdschutzverein. Der Bezirks­verein Wieslbaden hielt am Samstag im Hotel »Europäischer Hof" ^me Vierteljahrsversammlung ab. Kunstmaler Günther-schwerin trug den von dem bekannten Jagdschrift- IteHer Fr« Bley verfaßten Vortrag „Der Hirsch als Problem des Liebestevenz^ j, er ncbst Lichtbildern von der optischen Firma Emu Busch in Rathenow dem Bezirksverein zur Bor. fiigung gestellt war. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß der Bezirksverein Wiesbaden-Stadt Ende des Jahres 1912 167 Mitglieder, der ihm angegliederte Bezirk 17h des Allge.