ßiksvsdkilkr TmM.
Verlag Langgaffe 21 „ _ , WA Z 3 ®/ Fernruf:
„Tagdl-N-Ha«---. tDOCbClUltCn ^4'% 12 Kusgaven. „r-,b,-tt.H-ur" Rr.sssoss.
Schalter-Haffe geöffnet von 8 Uhr morgens vrS 8 llyr abends. * ® M u^rs® j»n« c m.* m«««s q m.«- ^-...a.- s«««»**»
Bezugs «Preis für beide Ausgaben: 70 Pfg monatlich. M 2.— vierteljährlich durch den Verlag Langqasje 21. ohne Bringerlohn M 3.— vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten ausichrienlick Bestellgeld - Bezugs«Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- inarckrrng 89. wwie die Ausgabestellen in allen Teilen der -Stadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger
Anzeigen-Annahme: Für v«eAbend-Ausz brs i2Uhr mittags für die Morgen-Ausg biS 3 Ubr »achmittag^
„Tagblatt«HauS" Nr. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer SonntagS.
Anzeigen-Preis für die Zeile: 15 Pfg. für lokale Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform: 2o Pfg. in davon abweichender Satzausführuna, sowie für alle übrigen lokalen Anzeigen: 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Mk. für lokale Reklamen; 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, dritte! und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Rabatt.
•' Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf. Günhelstr. 66. Fernspr.: Amt Uhland 456 u. 151. und NNn
OonnsrsLag. 19. Mürz 1914.
Morgen »Ausgabe.
Oer 65. Geburtstag des Herrn L>. Tirpitz.
Der hochverdiente Staatssekretär des Reichsmarineamts. Großadmiral v. Tirpitz, begeht heute seinen 65. Geburtstag. Aus diesem Anlaß werden einige Daten aus dem Leben des bedeutenden, mit der Geschichte der deutschen Flotte für immer mit seinem Namen ehrenvoll verbundenen Staatsmanns willkommen sein:
Alfred v. Tirpitz wurde am 19. März 1849 in Küstrin als Sohn eines Appellationsrats geboren und trat am 84. April 3 S65 als Kadett in die damals preußische Marine ein. Seine Laufbahn gestaltete sich folgendermaßen: Seekadett 24. Juni 1866, Unterleutnant zur See 22. September 1869, Leutnant zur See 25. Mai 1872, Kapitänleutnant 18. November 1875, Korvettenkapitän 1.7. September 1881, Kapitän zur See 24. November 1888, Kontreadmiral 13. Mai 1895, Vizeadmiral 5. Dezember 1899, Admiral 14. November 1903 und Großadmiral 27. Januar 1911.
Bis 1876 war Tirpitz mit Unterbrechungen in den verschiedensten Stellungen kommandiert. Er gehörte von 1877 bis 1879 der Torpedo-Versuchs- und Prüfungskommission an, war von 1879 dis 1886 mit Unterbrechungen kommandiert zur Dienstleistung in der Admiralität, in den Jahren von 1878 bis 1884 Kommandant von „Zieten" und „Blücher" (Torpedo- versuchsschiff), in den Sommermonaten 1884. bis 1887 Chef der Torpedobootsflottille und in der Zwischenzeit, 1886 bis 1889, Inspekteur des Torpedowesens. Von 1889 bis 1890 war Tirpitz Kommandant von „Preußen" und-. „Württemberg", darnach bis 1892 Chef des Stabs der Ostseestation, von 1892 bis 1895 Chef des Stabs des Oberkommandos der Marine und 1896 bis 1897 Chef der Kreuzerdivision.
Am 15. Juni 1897 erfolgte seine Ernennung zum Staatssekretär des Reichsmarineamts und am 28 März 1898 die zum preußischen Staats- minister. Am 12. Juni 1900 wurde Tirpitz in den erblichen Adelsstand versetzt; er erhielt am 27. Januar 1907 den Schwarzen Adlerorden, 1912 die Brillanten zu diesem Orden. Im Jahre 1908 wurde er ins Herrenhaus berufen.
Das große Verdienst des Herrn v. Tirpitz an der Entwicklung der deutschen Flotte in den letzten 16 Jahren ist unbestritten. Durch die F l o t t e n n o v e l l e von 1897 schuf er die Grundlage zu dem Ausbau der Flotte nach einem auf eine Reihe von Jahren festgesetzten Bauplan, das Flottengesetz vom 14. Juni 1900 hat dann diesen Bauplan erweitert und ein Programm für den Ausbau der Flotte bis zum ^zahre 1917 festgesetzt; ergänzt wurde es inzwischen durch die N o v e l l e von 1907, in der die Lebensdauer der Linienschiffe und Kreuzer auf 20 Jahre herabgesetzt wurde, und me von 1912, in der die Bildung eines dritten aktiven Geschwaders vorgesehen wurde, ferner eine Vermehrung der Unterseeboote und die Anschaffung einiger Luftschiffe.
Unter Kaiser Wilhelm II. ist es keinem Minister oder Staatssekretär möglich gewesen, so lange im Amt zu bleiben wie Herr v. Tirpitz, der sich des Vertrauens des Monarchen im hohen Maße seit langen Jahren erfreut, den letzten Jahren hatte er auch eine sehr große Me h r Y er r rat Parlament für sich, wo er stets mit großer Klugheit zu operieren verstand. Er wußte sich allenthalben, auw auf der Liiiken. Freunde zu erwerben, und selbst mit der Opposition sich auf guten Fuß zu stellen. So ging es jahraus, l ah rein, und man entsinnt sich noch des einzig dastehenden Moments, wie in einem Jahr, wo auf dem Gebiet der Außenpolitik die Dinge auf des Messers Schneide standen, der Marineetat glatt und ohne jede Debatte genehmigt wurde. Man mutz auch
„Figaros" Tod.
sigaro" — Bartholo. — Gefährliche Briefe. — Das n Wfeenb crnf der italienischen Botschaft. - Dre politischen Folgen.
Parts, 17. "Iwä -
„Figaro" war Bartholo geworden, „Figaro" wurde as pfer von Frauenhand, „Figaro" ist tot. Schwarzumra o t Meint das Blatt, das storz die Devise Beaumarchais rat itei au tragen pflegt: „Von den einen gelobt, von
-deren getadelt, der Dummen spottend, der Bösen wcht ach- nd lacke ich schnell über alles aus Furcht, drüber tvernen zu üsien." Die Zeitung des Boulevards ist vom Lachen bei den ränen angelangt. In Frankreich tobt der Sturm der Leiden- iatten wie an den schlimmsten Tagen der Dveyfus-Assare. nd wieder spielt die Frau ihre Rolle, die tragischste; keine rschleierte Dame, die Gattin eines Ministers, die ihre Rache it dem Browning übt, wie draußen in den Vorstadtgasten vre pachenkönigin ihre Vendetta. Gewiß, auch die antike Gesichte kannte das heroische Weib, das des Mannes C.-re ichte. Doch von Heroismus kann man hier nur mit Bvr- ht roden; niederster Skandal steigt bis zu den höchsten Ge- llichaftsschichten empor, beschämt ein ganzes Land. v -ne epublik, die schon so viele Stürme und Skandale erwvte td doch fortdauerte, erhält abermals einen rauhen Stoß — e Wahlkampagne beginnt, wie der „Rädical" klagt, „in Brat ad Schmutz". Die Propheten de- „Beschwichtigung und epulblikanischen Aussöhnung", die Briandiften, fanden rn ne»! Teil ihrer Presse so leidenschaftliche Advokaten, oaß mte die politischen Wogen hoher gehen denn zuvor «nd les zu zerstören drohen.
Die Vorgeschichte ist bekannt. Alsbald nachdem Caillaux
-.. —== 1 - . -
sagen, der Staatssekretär hat dieses Vertrauen niemals mißbraucht, er ist ruhig seines Wegs geschritten, stets sein Ziel im Auge, obwohl es nicht an Stürmern und Drängern fehlte, die weit über das hinaus wollten, als er selber verantworten zu können meinte. In allen politischen Lagern wird man daher der Verdienste des heute 65jährigen — dessen organisatorisches Werk am besten für ihn spricht — mit warmer Anerkennung gedenken.
politische Übersicht.
Der Vischof von Paderborn als Nachfolger des Kardinals Nopp.
Unter den voraussichtlichen Nachfolgern des Kardinals Kopp ist auch der Bischof von Paderborn, Dr. Schulte, genannt worden, gerade derjenige Bischof, mit dem Kardinal Kopp kurz vor seinem Tode in Differenzen geriet. Offiziös wird diese Kandidatur anscheinend lebhaft begrüßt, denn dem „Neuen Politischen Tagesdienst" wird geschrieben: „Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die Regierung einer Kandidatur des Paderborner Bischofs gern ihre Zustimmung erteilen würde. Schon die Wahl Dr. Schultes zum Bischof von Paderborn war in dieser Beziehung von Bedeutung wegen des großen Wohlwollens, das der Kaiser seinem Vorgänger, dem Bischof Dr. Schneider, entgegenbrachte. Die persönlichen Eigenschaften Bischof Schultes bieten jede Gewähr für dauernde gute Beziehungen zwischen der Staatsregierung und der Kirche. Ihm wird mit Recht trotz seiner Jugend eine milde, versöhnliche Stimmung nachgerühmt, die er als Priester wie als Mann der Wissenschaft stets bekundete. Seine Auffassung über die Beziehungen der Kirche zu Kaiser und Reich geht wohl am besten aus den Worten hervor, mit denen er sein erstes Kolleg nach der vollzogenen Wahl einleitete und die man als programmatisch für seine Haltung als Bischof ausfassen darf: „Kämpfen und streiten wir, damit in allem und von allen gegeben werde dem Kaiser, was des Kaisers .ist, und Gott, was Gottes ist. Was an dem hochragenden Giebel dieses alten ehrwürdigen Hauses in großen goldenen Lettern geschrieben steht: Deo et Patria — Für Gott und Vaterland, das sei unser Losungswort für alle Lebenszeit." Dr. Schulte steht gegenwärtig im 42. Lebensjahre, er gelangte mit 88 Jahren zur Bischofswürde, in einem Alter, in dem seit mehr als hundert Jahren kein Priester zum Bischof gewählt wurde."
Zur pariser Bluttat.
O Berlin, 17. März.
Von dem menschlichen Interesse, das die Tat der Frau Caillaux überall erregen muß, braucht hier als von einer Selbstverständlichkeit nicht gesprochen zu werden. Das Interesse gilt der unglücklichen Frau ebenso wie ihrem bedauernswerten Opfer. Für uns und von unserem Standpunkt aus ist es in diesem Augenblick ebenso wichtig, vielleicht noch wichtiger, uns der Frage zuzuwenden, welche Wirk u n gen die rasche Tat auf die innere Politik in Frankreich und somit unter Umständen auch auf die auswärtige Politik haben wird. Kein französischer Staatsmann unserer Tage hat so heftige und erbitterte Feinde wre Caillaux, die reaktionären Parteien, denen besonders seine Einkommensteuerpläne ein Greuel sind, werden i^tzt ihren Feldzug gegen das Ministerium Doumergue, ohne Rücksicht darauf, daß Caillaux inzwischen ausgeschieden ist, mit verdoppelten Kräften fortsetzen, und man kann gewiß nicht sagen, daß das radikale
das Kabinett Bardhou gestürzt hatte, begann im „Figaro" eine sehr auffällige Kampagne gegen den Frnanzminister, geführt vom Chesröüakteur Gaston Calmette, der als Intimus des Präsidenten Poincarä und Barthous^galt. Tie Angriffe gegen Caillaux verblieben nicht auf politischem Gebiet. Man denunzierte ihn täglich als Finanzbriganten-großen Stils. Er sollte Hunderte von Millionen den kleinen Sparern geraubt und in südamerikanischen Spekulationen vergraben haben. Er sollte ErpressungSverisuche bei den großen Bankra^tituten zugunsten der radikalen Wahlkasse vorgenommen haben. Dementis regneten — Calmette ließ sich nicht stören, kam sofort mit einer steuen, größeren Beschuldigung. ,® r -grub die alte Affäre Röchelte wieder aus: aus Betreiben des Finanzministers
sollte unter dem Kabinett Monis dem Cxkellner und Bankier Rochette ein ungesetzlicher Prozeßaufschub gewährt worden sein, weil er sich durch höhe Subventionierung eines ministeriellen Blattes verdient gemacht habe. Eine parlamentarische, von dem Sozialisten Jaurös prastdrerte Untersuchungskommission war eingesetzt worden, hatte unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen. Marß faselte damals schon von einem kompromittierenden Briese des Generalstaatsanwalts Fabre an den Justizminister. Der Staatsanwalt sollte sich darin bitter über den Zwang beschwert hüben, der ihm angetan wurde: „Nie habe ich eine größere Demütigung erlitten." Bei einer royalistischen Interpellation über Calmettes neue Anklagen ergriff auch Jaurtzs das Wort und erinnerte daran, daß die.Kommission den damaligen Justizminister Briand um Herausgabe des Geheimdoffiers ersuchte, daß Briand aber mit zum Himmel erhobenen Händen rief: kann doch
nicht meine Vorgänger verklagen!" Also deckte der Chef der heutigen Opposition zu dieser Zeit Machenschaften, die ungesetzlich gewesen sein sollten. Ministerpräsident Doumergue
Nr. 131. ♦ 62. Jahrgang.
Ministerium diesen Kampf leicht zu nehmen hat. Das offenbar geschickt organisierte Treiben der Pariser Royalisten braucht zwar nicht vorbildlich für die Stimmung in den Provinzen zu sein, aber das Beispiel kann ansteckend wirken, und jedenfalls geht das Ministerium kritischen Tagen entgegen. Nun könnte man sagen, uns Deutschen dürfe es verhältnismäßig gleichgültig sein, wer in Paris am Ruder sitze; denn alle Parteien ständen uns gegenüber auf demselben Boden der unbekehrbaren Abneigung, sie alle ersehnten den Tag der Abrechnung mit uns, was schon die Beharrlichkeit beweise, mit der die sich ablösenden Negierungen die dreijährige Dienstzeit verlangt und durchgesetzt haben. Man könnte so sagen, aber ganz richtig -st es doch nicht. Je weiter das Pendel der politischen Grundstimmung in Frankreich nach rechts ausschlägt, desto schlimmer für den Weltfrieden. Ein Ministerium, von nichtradikaler Färbung, das seine Stützpunkte im Nationalismus, Rohalismus und Klerikalismus suchen müßte, geriete um so eher in die Gefahr, sich zur Erhaltung seiner Macht in Abenteuer zu stürzen, wobei ehrgeizige und taten- lüsterne Generäle die bereitwilligsten Helfer wären. Es ist ja noch nickt so weit, daß solche Möglichkeiten als unmittelbar drohend behandelt werden müßten, aber die Entwicklung könnte diesen Weg nehmen, wenn es den jetzigen Machthabern nicht gelingt, sich der Wirkungen zu erwehren, die von der verhängnisvoll unklugen Tat der Frau Caillaux zu erwarten sind und die sich bereits in der Parteinahme der hauptstädtischen Massen für den konservativen „Figaro" und seinen bisherigen Chefredakteur anzeigen. Für den Berus des werblichen Geschlechts zur praktischen Politik hat Frau Caillaux gerade kein rühmliches Zeugnis abgelegt, sie hat ihr eigenes Schicksal und die Lauflahn ihres Mannes vernichtet, sie hat der Demokratie Schaden zugefügt und vielleicht sogar der Republik einen Stoß verseht. Sie hat von alledem das Gegenteil gewollt, sie ist gewiß ein gefühlvolles Wesen, aber ihre stärkste, nur freilich negative Eigenschaft bleibt doch ihr Mangel an Einsicht, Voraussicht und elementarster Klugheit.
Deutsches Reich.
LC. Das Fideikommiß und das Rittergut sind die schlimm st en Gegner jeder gesunden Bevölkerungsentwicklung — das geht aus Ziffern hervor, die das Statistische Landesamt über Schlesien veröffentlicht. In den 20 schlesischen Kreisen, in denen durch Fideikommiß mehr als 20 Prozent der Fläche gebunden sind, hat sich die Zahl der in den Gutsbezirken wohnenden Ausländer in 20 Jahren von 6339 auf 23 330 Köpfe vermehrt. Mehr als 16 000 Einheimische sind von der heimatlichen Scholle dieser Fidei- kommiß- und Gutsbezirke durch das ausländische Element verdrängt worden. Im Kreise Waldenburg betrug die Zunahme der Ausländer 282 Prozent, im Kreise Habelschwerdt 105 Prozent, im Kreise Hirschberg 96 Prozent. Das Fidei- kommiß hat bekanntlich die Tendenz, den eingeborenen Deutschen von seiner Scholle zu verjagen und dafür Russen, Galizier und Ruthenen als Saisonarbeiter ins Land zu ziehen — auch ein Erfolg der „nationalen Wirtschaftspolitik"!
* Die Gefährdung der Jugend. Gegen den Gesetzentwurf gegen die Gefährdung der Jugend durch Zurschaustellung von Schriften, Abbildungen und Darstellungen erläßt der Goethe-Bund in Bremen in Verbindung mit den anderen deutschen Goethe-Bunden eine Erklärung, in der eS heißt:
hatte am Freitag nicht viel Mühe, die Interpellation abzu- weisen: er brauchte nur mit entrüsteter Stimme auf die täg- lichen Verleumdungen hinzuweisen, denen Caillaux ausgesctzt sei, und die Kammer nahm -die einfache Tagesordnung an. Aber man munkelte, daß Barthou das Original des Fabre- Briefes an sich gebracht habe und entschlossen sei, es zum Sturze des von ihm gehaßten Caillaux' zu verwenden! Es sollte nicht dazu kommen.
Gaston Calmette hatte sich soweit Herabgelaffen, einen alten Liebesbrief des ^ „demagogischen Plutokraten" zu publizieren! Während Caillaux mit dem Aufgebot aller Kräfte im Senat sein Einkommensteuerprojekt verteidigte, las man ein autographisch abgebildeies Schreiben von seiner Hand, mit dem Kosenamen „Jo" (Joseph) unterzeichnet, in dem es hieß: „Ich habe die Einkommensteuer zermalmt, indem ich sie zu verteidigen schien." Diese Zeile hatte er 1909 auf der Ministerbank gekritzelt, als er, der Sohn eines napoleonischen Ministers und Großkapitalisten, schon aus der Zentrumspartei eine leichte Schwenkung nach links vorgenommen hatte. Calmette forderte, daß man endlich diesen Heuchler „hinaus- kehren" möge. Nachdem er schou seit Wochen darauf verzichtet hatte, aus die Angriffe des „Figaro" zu anworten, ließ sich Caillaux wieder herbei, eine Aufklärung zu geben: er gestand, damals noch kein so überzeugter Anhänger der Steuerreform gewesen zu sein wie heute, und wies daraufhin, daß eS sich damals um den' gleichzeitigen Ersatz der vier indirekten Steuern durch direkte gehandelt habe, während er auch jetzt noch vorsichtig nur für einen teikweisen Ersah eintrete. Der „Figaro" kündigte mit großem Trara an. er werde auf eigene Kosten den Brief an allen Mauern Frankreichs anschlagen lassen, damit das Volk endlich den Verräter kennen lerne. Aber in den Parlamenten machte die Enthüllung
