Einzelbild herunterladen
 
  

Seite 4. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

kanische Bundessoldaten, die in Fort Blitz gefangen gehalten werden. Es sind dies Truppen, die nach der Schlacht von Ojinago im Januar über die amerikanische Grenze flüch­teten, dort angehalten und später nach einer Art Konzentra­tionslager gebracht wurden, wo man sie festhielt.

Luftfahrt.

Ein Flug Darmstadt-Mainz und zurück, d. Mainz, 18. März. Heute morgen um 10 Uhr flogen,zwei Unteroffi­zierflieger von der Fliegerkompagnie Darmstadt auf zwei Eulerapparaten nach dem Truppenübungsplatz „Großer Sand" bei Mainz, wo sie eine Zwischenlandung unternahmen. Um 11,15 Uhr flogen sie wieder nach Darmstadt zurück.

Ein neuer Flurrekord mit 7 Passagieren. Chartres, 17. März. Der Flieger Garaix hat den Höhenrekord mit sieben Passagieren geschlagen. Er erreichte trotz heftigen Windes eine Höhe von 650 Metern.

Ku§ Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

— Todesfall. Im Mer von 84 Jahren verstarb hier die Freiin Adele v. Quadt-Wykradt-Hüchsenbruck, wohnhaft auf Hof Drais bei Eltville, ehemalige Hofdame der verstorbenen Prinzessin Friedrich von Preußen.

— Kirchliches. Die größere Vertretung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde tagte gestern abend im Bürgersaal des Rathauses unter dem Vor­sitz des Dekans Bickel. Der Vorsitzende gedachte zunächst in Worten ehrenden Angedenkens der Tätigkeit verschiedener seit der letzten Sitzung verstorbener Mitglieder: des Kirchen­vorstandes Baurat Blume und des Rentners Cunz, sowie der Mitglieder der größeren Vertretung Horn, Koch und Kappus, zu deren Ehren sich die Versammelten von den Plätzen er­hoben. Dann berichtete Justizrat v. E ck für den Finanzaus­schuß über dem Rechnungsvoranschlag für 1914. Sämtliche Glieder der Gemeinde zahlen für 1913/14 an Staatssteuern 2 710 130,24 M. Der Ausfall an Kirchensteuer beläuft sich auf 25 785,88 M. Im einzelnen steht der Voranschlag vor: Ertrag von Gebäuden 5310 M., Zinsen von Aktivkapitalien 7936,95 Mark, Kollekten und freiwillige Gaben 2700 M., Kirchen­steuern 400 574 M. Der Armenfonds ist auf 14 512 M. ge­stiegen. Für die Beschaffung von theologischen Werken durch die Landesbibliothek sind 300 M. vorgesehen. Es handelt sich dabei um einen Vertragsabschluß mit der Landesbibliothek, wonach diese im Fahr 400 M. neben diesen 300 M. für die Ergänzung ihrer Sammlung theologischer Werke aufwendet und außerdem die Kosten des Einbindens der Werke aus sich nimmt. Von der Sammlung sollen in der Hauptsache die Geistlichen profitieren. Der Finanzausschuß hat die Streichung dieses Postens, in der Hauptsache aus formalen Gründen, beantragt. Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen dem Referenten und dem Rechtsanwalt Wolfs einer­und Archivrat Wagner, Pfarrer Lieber, Pfarrer Beckmann, Professor Wilhelm Fresenius, Pfarrer Philipp: und Forstrat Elze andererseits wird der Betrag bewilligt und der -Kirchen- vorstand zum Abschluß eines Vertrags wie des skizzierten be­vollmächtigt. Der Finanzausschuß schlägt vor, die Kirchen­steuer in der seitherigen Höhe von 20 Prozent der Staats­einkommensteuer beizubehalten. Auch diesem Antrag wurde entsprochen und zum Schluß der Rechnungsvoranschlag im ganzen gutgeheißen. Aus der Kirchensteuer werden gezahlt au. den Zentralkirchenfonds 109 701 M., an den landeskirch­lichen Hilfsfonds 9468 M., an die Ruhegehaltskasse 29 030 M., für die Bezirks- und Kreissynode 41200 M., insgesamt für nicht direkt der Gemeinde zugute kommende Zwecke 260 402 M.

— Die Missi«nsk«nferenz findet dieses Jahr am Mitt­woch nach Ostern, den 15. April, statt. Aus der Tagesordnung sei erwähnt: eine einleitende Andacht von Generalsuperinten­denten, Hof- und Domprediger a. D. Ohly; ein Vortrag von Professor D. Bornhäufer (Marburg) über: „Selbständige

Kirchen, das Ziel der Mission"; ein Vortrag von Missions­inspektor Oettli (Basel) über: „Unsere Auseinandersetzung

mit dem westafrikanischen Heidentum". Das genaue Pro­gramm wird noch bekanntgegeben.

— Jubiläum. Der Maschinensetzer Reinhard Gros feiert heute das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in der L. Schellenbergschen Hofbuchdruckerei, dem Verlag des „Wies­badener Tagblatts". Dem Jubilar wurde aus diesem Anlaß heute vormittag in seiner Wohnung im Auftrag des Chefs des Hauses Schellenberg mit anerkennenden Worten ein wert­volles Geschenk überreicht. Den Glückwünschen der Angestell­ten des Hauses Schellenberg wurde ebenfalls durch ein Ge­schenk erweiterter Ausdruck gegeben.

— Bezirksausschuß. Der heutigen Sitzung des Bezirks­ausschusses wohnte das neuernannte Mitglied Regierungsrat Baurmeister aus Schleswig als Gast an. Es wurde ver­handelt auf eine Klage, welche der Gastwirt A. M e u ch n e r in Biebrich wider den Magistrat zu Wiesbaden angestrengt hat und bei der seine Heranziehung zur Umsatzsteuer in Frage kam. Der Kläger hat unlängst im Zwangsversteigerungs­termin das Haus Gerichtsstratze 5 erworben. Er behauptet, Hypothekurgläubiger gewesen zu sein und seine Hypothek um die kritische Zeit lediglich verpfändet zu haben, und bean­sprucht daher seine Freilassung von der Umsatzsteuer, die ihm in Höhe von 1500 M. angefordert worden ist. Ein Vorbe­scheid des Bezirksausschusses hat seinen Anspruch als unbe­gründet abgewiesen. Wider diesen Entscheid ist von ihm die mündliche Verhandlung beantragt worden, auch das Plenum des Bezirksausschusses jedoch stellte sich auf den Standpunkt des beklagten Magistrats und wies Meuchner mit seiner Klage ab.

— Erholungsstätte für Heimarbeiterinnen. Die Kaiserin übersandte zu der am 15. April stattfindenden Verlosung zum Besten der Erholungsstätte für Heimarbeiterinnen als Ge­schenk ein großes eingerahmtes Bildnis des Kaisers.

— Unfall. Durch einen Sturz auf der Bühne gelegent­lich der am Sonntag stattgehabten Vorstellung des „Parsifal" im Hoftheater zog sich Kammersänger Schütz, der den Klingsor gab, eine erhebliche Verletzung zu. Es war dies bei der Verwandlungsszene rm zweiten Akt, bei der die Bühne plötzlich in dichtes Dunkel gehüllt wird. Herr Schütz dürfte durch den bedauerlichen Unfall gezwungen sein, längere Zeit der Bühne fernzubleiben,

— Altftadtverein. In der heute abend 8% Uhr im „Frank­furter Hof" stattstndenden Astuptdersmnmlung des Altstadt- Vereins kommt auch die künftige Linienführung unserer elek-

Wiesbadener Vagnarr. Mttwoch, is. März isi4. Nr. is».

irischen Straßenbahnen zur Besprechung. Es dürste sich b« dom hohen Interesse, das diese Angelegenheit für die Geschäfts­welt der Altstadt hat, empfehlen, daß die Mitglieder vorge­nannten Vereins sich recht zahlreich an dieser Beratung be­teiligen.

Vorbrrichle über Kunft, Vorträge und verwandtes.

* Residenz-Theater. In dem Programm des Residenz- Theaters in der heutigen Morgen-Ausgabe des „Wiesbadener Taablatts" heißt es irrtümlich, daß zu der heutigen Abend­vorstellung „Die spanische Fliege" Dutzendkarten ungültig sind. Dutzendkarten haben ihre Gültigkeit. — Das Hanauer Operetten-Ensemble bringt morgen Donnerstag -nochmals den musikalischen Schwank ..Filmzauber" zur Aufführung, mit den Damen Trauner. Schönberger. Wald und mit den Herren Hiertel, Meyers, Wanczycki usw.. in den Hauptpartien. Am Freitag wird der 5. Kammerspielabend mit Laowig Thomas neuem Schauspiel „Die Sippe" wiederholt.

Mitteilungen aus dem Geschäftsleben.

(Für Redaktion wie Verlag unverantwortlich.)

Erkundigen Sie sich i. d. Drogerie Machenheimer, Ecke Bismarckr. u. Dotzh. Str.. Tel. 820, n. d. neuen Parkettreinigungsmrttel.

Nsssamsche Nachrichten.

— Lohrheim bei Zollhaus. 17. März. Vergangene Woche starb hier im 95. Lebensjahr der Bürgermeister a. D. O h l. Im Jahre 1899 feierte der Verstorbene sein 50jähriges Jubr- läum als Bürgermeister der Gemeinde Lohrheim.

k. Nied a. M., 17. März. Bei den gestern vollzogenen Ä er« ein dev er tr et erwahl e n der 33. Abteilung wur­den die beiden sozialdemokratischen Kandidaten ohne Gegenkandidaten gewählt.

Nus der Umgebung.

Damen mit dem Revolver.

— Mainz, 17. März. In einem Haufe der Frauenlob- stratzc hat eine Privatlehrerin am Samstag mit einem ge­ladenen R e v o lv e r hantiert. Hierbei ging ein Schuß los und die Kugel drang einer anderen jungen Dame, die zu Be­such bei der Lehrerin weilte, in den Kopf, wo die Kugel stecken blieb. Die Verletzte wurde ins Aliceheim gebracht.

Der Fortbestand des Rbein-Mainischen Vcrbandstheaters gesichert.

bt. Frankfurt a. M.. 17. März. Eine Sonderausführung von Shaws „Teufelsschüler" durch das Rhein-Mainische Ver­bandstheater brachte heute eine Reineinnahme von 2700 M.; hiervon waren 1200 M. durch freiwillige Zeichnungen aufge­bracht. Damit ist der Fehlbetrag für das neue Geschäftsjahr gedeckt und der Fortbestand des Verbandstheaters, dem 250 Organisationen mit volkshildveriscken Tendenzen im Rhein- Maingebiet angehören, bis aus weiteres gesichert.

Sport unö Spiel.

* Neuschnee am Feldberg. Wie uns vom Feldberg im Schwarzwald berichtet wird, haben die reichlichen Niederschläge der letzten. Tage reichlichen Neuschnee und sehr gute Skifähre gebracht. Gestern früh wurden 50 Zentimeter Neuschnee und 4 Grad Kälte bei anhaltendem Schneefall festgestellt. Der Skisport kann wieder sehr gut ausgcübt werden. Es ist Aus­sicht auf Anhalten der kalten Witterung vorhanden.

Anwetter und Hochwasser.

Bon der Lahn.

— Dirz, 17. März. Lahn und Aar sind seit einigen Tagen aus den Ufern getreten. Seit gestern, Montag, ist die Lahn nun nochmals angewachsen. Der Hafenpegel zu Diez, der gestern früh 3,90 stand, zeigt heute eine Höhe von 4,80 Meter; ein weiteres, wenn auch langsames Steigen ist zu er­warten. Die Keller der Wohnhäuser in der Nähe stehen un­ter Wasser. Auch das Stauwasser der Aar dringt in die Be­sitztümer ein.

— Limburg, 17. März. Das Hochwasser der Lahn hatte heute früh einen Stand von 4,55 Meter erreicht. Seit gestern vormittag ist das Wasser um 90 Zentimeter gestiegen; es steht zurzeit 3,15 Meter über dem normalen Stand von 1,40 Meter. Weiteres Steigen ist zu erwarten.

Steigendes Hochwasser im Niddatal.

bt. Frankfurt a. M.» 17. März. Durch die Regengüsse der letzten Tage werden der Nidda von den benachbarten Ge­birgen ungeheure Wassermengen zugeführt, die das ohnehin schon schwer bedrohte Tal zwischen Vilbel und Nied weiterhin in gefährlicher Weise überschwemmen. Seit heute früh ist das Wasser abermals um 10 Zentimeter gestiegen und überflutet die nach Hausen führende Landstraße in einer Höhe von 60 Zentimeter und einer Strombreite von mehr als 300 Meter. Bei weiterem Steigen wird die Straße auch un­mittelbar vor Hausen unter Wasser gesetzt sein. Bei Bocken- heim drängen die Fluten bereits in die Gärten hinein. Die großen Rödelheimer Schrebergärtenanlagen stehen weithin unter Wasser. Für Mittwoch erwartet man die Hochwelle des Flusses.

Überschwemmung im Fuldagebiet.

wb. Kassel, 17. März. Das Hochwasser der Fulda steigt stark weiter. Es stieg seit gestern mittag um weitere 70 Zenti­meter und überschwemmte die niedriggelegenen Ufer. Die Fuldaschiffahrt ist eingestellt. Auch die Werra steigt unab­lässig. Das stürmische Wetter behindert den telegraphischen und telephonischen Verkehr nach mehreren Richtungen, wie nach Hamburg und Leipzig.

Die Orkankalastrophe in Rußland.

O Odessa, 18. März. (Eig. Drahtbericht) Auf mehreren zur Hilfeleistung nach dem Assowischen und Schwarzen Meer ausgesandten Schiffen treffen Hunderte von Geretteten der Orkankatästropihe ein. An den Usern sind viele Leichen und Schiffstrümmer angeschwemmt worden. Der Rostow ab­gefahrene Dampfer „Larissa" mit 4 2 0 P a s s a g j e t c n wird v e r m i ß t. Die Hungersnot in der kaukasischen. Bevölkerung ist furchtbar.

«4>. Nowotscherkask, 18. März. Nach den letzten Mel­dungen sind während des Orkans in der vorigen Woche in den Dörfern Gossu und Darewo sechs Personen, in Kagalnik 18 und in Nachltschewantschik über 20 Personen umgekommen. Die genaue Anzahl der in anderen Orten Umgekommenen ist noch nicht festgestellt. Viele Dörfer waren buchstäblick, unter Wasser gesetzt. Hunderte von Kosakendorsern an der Donau­mündung sind vollkommen zerstört.

-— --— .um H — ..—:_

Heues aus aller weit.

Angriff auf den Militärposten vor dem Berliner Schloß. Berlin. 18. März. In der vorvergangenen Nacht wurde auf den Militärposten am Portal 1 des Königlichen Schlosses von einem anscheinend trunkenen jungen Mann ein „Attentat" verübt. Gegen 10% Uhr trat der 20 Jahre alte Zahntechniker Edgar S. aus Tegel an den Militärposten heran, faßte ihn

um die Hüften und rief: „Hände hoch!" Der Posten wehrte seinen Angreifer ab und schlug ihm mit dem Gewehr über den Kopf. S. taumelte zurück und wurde von einem Schutz­mann nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht, wo man eine ungefährliche Wunde oberhalb der linken Schläfe seststellte und Verbände anlegte. Nach ferner Vernehmung auf der Wache des 2. Polizeireviers wurde S. wieder ent­lassen. Der junge Mann hat den „Scherz" nach einer Zecherei anscheinend tm Übermut begangen.

Ein ungetreuer Anwalt. Berlin, 18. März. Unter dein Ber,dacht der Untreue und des Betrugs ist der Rechts­anwalt Dr. K„ der in Hatensee wohnt und . sein Bureau in Moabit hat, gestern verhaftet worden. Es soll sich um Unter­schlagungen von etwa 20 000 M. Mündelgelder und Beträge, die für Mandanten eingegangen waren, handeln. K. hatte sich selbst der Staatsanwaltschaft gestellt.

Panik bei einem Fabrikbrand. Liegnitz, 17. März. In einer hiesigen Wollwarenfabrik brach Feuer ans, das einen er­heblichen Schaden anrichtete Ein Buchhalter wurde bewußtlos im Keller ausgesunden. Unter den Arbeitern war eine Panik entstanden: einige sind aus den Fenstern gesprungen.

Nach dem Siavellauk gestrandet. Flensburg. 17. März. Auf der, Flensburger Schiffswerft lief beute der für die Kosmoslinre bestimmte Dampfer „Amasts", der ein Deplace- menr von 12 000 Tonnen bat, vom Stapel. Als der Dampfer nach der neuen Werft geschleppt wurde, geriet er infolge des heftigen Westwindes auf Grund, wurde aber nachmittags mit Hilfe von Schleppern wieder flott gemacht.

Schiffbruch. New Nork, 17 März. Nach einer Mel­dungans H<Äsiax.(Neuschottlanh) ifo herauf der Fahr: van New Nork nach St. Johns (Neufundland) begriffene Dampfer „City of Stdney" ausgelaufen. Er führte ungefähr 25 Passagiere und 40 Düann Besatzung an Bord. Mehrere Schiffe sind zur Hilfsleistung «bgegangen. Elf Passagiere und ein Teil der Be­satzung sind Von einem anderen Schiffe ausgenommen worden. Der gestrandete Dampfer scheint vollkommen wrack zu sein.

Letzte Drahtberichte.

Neues zur Neichskanzlerkrife.

s - Berlin, 18. März. (Eig. Drahtbericht) Die Ge­rüchte von einer in naher Frist bevorstehenden Reichs­kanzlerkrise nehmen seit einigen Tagen wieder festere Gestalt an. Herr v. Bethmann-Hollweg soll sich nun­mehr endgültig entschieden haben, noch vor dem Sommer seine Entlassung zu geben, zugleich aber überhaupt auf jede weitere amtliche Tätigkeit zu ver­zichten. Der Kaiser, so wird weiter versichert, sei durch­aus nicht leichten Herzens entschlossen, den Kanzler gehen zu lassen, Herr v. Bethmann habe aber seinen Entschluß als unwiderruflich feststehend bezeichnet. Auch der Name des künftigen Kanzlers wird in diesem Zu­sammenhang mit großer Bestimmtheit genannt: Nach der Meinung unterrichteter Kreise kommt heute nur noch ein Kandidat ernstlich in Betracht, der jetzige Bot­schafter in London Fürst Lichnwwsky.

Der Etat für Kamerun in der Vudgetkommission.

# Berlin, 18. März. (Eig. Drahtbericht) Die Budgetkommission des Reichstags setzte heute die Etats­beratung für Kamerun fort. Gegen die Sanie­rung von D u a I l a, die mit einer Zwangs- entergnung von Eingcborenenland verbunden ist und für die 2,23 Millionen Mark gefordert werden, sind Bittschriften der Dualla eingegangen. Der Bericht­erstatter wendet sich scharf gegen Einzelheiten des Vor­gehens gegen die Dualla, ohne zunächst die Enteignung selbst zu beanstanden. Die Verwaltung müsse Auf­klärung geben über eine Reihe geradezu gesetz­widriger Vorgänge, über Bruch des Post­geheimnisses und Ähnliches. Die Schwarzen müßten vor allem Achtung haben können vor der Gerechtigkeit der Weißen Beamten. Andernfalls beschwöre man leicht die größten Unruhen herauf. Staatssekretär Dr. Sols bedauert das inkorrekte Verhalten des Bezirksamtmanns bezüglich der bekannten Eingeborenendepeschs an den Reichstag. Die Post habe keine Schuld an dem Vor­gang, das Telegramm sei durch den Bezirksamtmann aus Grund eines Gerichtsurteils beschlagnahmt worden. Die weiteren Verhandlungen brachten eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen Kommissions­mitgliedern und dem Regierungsvertreter, da auch die sachlichen Mitteilungen der Regierung als völlig un­genügend bezeichnet wurden. Der Staatssekretär bestritt, daß der Bezirksamtmann absichtlich das Petitionsrecht der Leute verletzt habe. Ein Fort­schrittler bezeichnet, das Auswanderungs- Verbot geradezu als einen Sklavereibefehl; es möch­ten alle Aktenstücke vorgelegt werden. Der inzwischen herbeigerufene Staatssekretär des Reichspostamts er­klärt, daß das Postamt korrekt gehandelt habe, als es auf Grund des formellen Gerichtsbeschlusses das Tele­gramm ausgeliefert habe. Eine Mitteilung an den Bezirksamtmann sei nicht erstattet worden. In einem Zuruf wurde gefragt, warum das Telegramm sechs Stunden nicht expediert worden sei. Hierauf erfolgte keine Antwort. E,s wurde beantragt, die Verhandlun­gen a u s z u s e tz e n, bis die Regierung brauchbares Material beigebracht habe. Es wurde insbesondere ge­fordert, den ganzen Briefwechsel zwischen dem Gouver­nementsamt und Kolonialamt vorzulegen. Die Kom­mission beschloß, die Entscheidung über die einschlägigen Mittel auszusetzen, im übrigen in der Beratung des Kameruner Etats fortzufahren.

Die Eröffnung des deutschen Hcmdslslags.

^ Berlin, 18. März. (Eig. Drahtbericht) Heute früh 10 Uhr wurde die 39. Vollversammlung des Deutschen Han­delstags eröffnet Präsident Dr. Kaempf begrüßte die Er­schienenen und führte u. a. aus: Seitdem wir das letztemal getagt haben, ist die aufsteigende Bewegung in Handel und Industrie zum Stillstand gekommen, ja, es macht sich auf diesem Gebiet ein merkbarer Rück- s ch ritt geltend. Wir hoffen aber, daß die veränderte Lage des Geldmarktes, unter der im letzten Jahr das Wirt­schaftsleben stark gelitten hat, die rückläufige Bewegung gemildert wird. Andererseits. hoffen wir auch, daß die Schädi­gungen dadurch gemildert werden, daß der Zeit der politischxn Beunruhigung eine ruhige Auffassung der politi­schen Lage Platz machen wird. Die Bewilligung des Wehrbeitrags habe uns das Bewußtsein ruhiger Stärke verschafft.

Hierauf ergriff Handelsminister Dr. Sydotv das Wort,