Einzelbild herunterladen
 

i «t. ISS.

Mittwoch, 18. März 1914,

MresvadeKrr E«gVi«»r.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.

Seite 3.

Häuptling eritgegenzutreten, die Lehrer hätten seinerzeit eine Verringerung ihrer Stundenzahl auf Kosten der Lehrerinnen erreicht. Daß Wiesbaden vor 10 Jahren die Höchststundenzahl der Lehrer von 32 auf 30 herabsetzte, ist, wie es nach der „Be­richtigung" scheinen möchte, durchaus keine besondere Ver­günstigung für die hiesigen Lehrer; geht doch die Zahl der Pflichtstunden in keiner preußischen Großstadt, ja selbst nicht rn den meisten Kleinstädten, über 30 hinaus. Wohl können wir aber eine ganze Reihe von Städten aufzählen, wo die Höchstzahl der Pflichtstunden nur 28 beträgt, z. B. in Frank­furt, Berlin, Magdeburg, Breslau, Posen usw. Die Lehre­rinnen beließ man vor 10 Jahren bei den 28 Pflichtstunden ohne jegliches Verschulden der Lehrer, die sicher nichts da­gegen gehabt hätten, wenn den Kolleginnen damals schon die jetzt gewährte Erleichterung, 20 Pflichtstunden, gelungen wäre. Der Satz: „Die Lehrerinnen wurden 10 Jahre lang mit den Stunden belastet, die den Lehrern abgezogen waren", müßte also gerechterweise lauten: „Die Stadt ließ 10 Jahre lang die Lehrerinnen je 2 Wochenstunden mehr halten in der Absicht, Lehrkräfte zu sparen". Die „Erwiderung" weiß sodann noch von einer zweiten „Vergünstigung" der Lehrer, zu berichten, „die bisher vielfach nicht bis zu ihrem Maximum beschäftigt waren". Dre Tatsache trifft zu, daß die Rektoren hier und da dem vorgerückten Alter oder der angegriffenen Gesundheit mancher Kollegen Rechnung trugen und ihnen 1 oder 2, in seltenen Fällen 3 Stunden erließen. Wir könnten aber auch mit Fällen dienen, wo ältere und leidende Lehrer 29 Stunden in der Woche zu halten hatten. Die „Berichtiger" hätten doch bedenken sollen, daß diese Stundenermäßigung bei zunehmen­dem Alter, die hier gewissermaßen als Gnadengeschenk ge­währt wird, in den meisten Städten in viel höherem Maße als eine feststehende Norm den Lehrern rechtlich zugestanden ist. In Frankfurt, Erfurt, Magdeburg, Breslau, Königsberg, Danzig, Dortmund, Elberfeld, Dresden, Chemnitz, Berlin geht die Stundenzahl in Staffeln, je nach dem Lebensalter, ab­wärts bis 24 in der Woche. In Kassel, Augsburg, Schwerin vermindert sich dieselbe gar bis 22. In Wiesbaden dagegen bleibt die Pflichtstundenzahl für jedes Lebensalter auf 30 stehen. Die „Berichtigung" gibt der Stadtverwaltung mit nicht mißverstehender Deutlichkeit den Wink, die Lehrer mehr als seither bis zu diesem Maximum heranzuziehen, um auf diese Weise Überstunden (über 30) und somit Extrabezahlungen zu vermeiden. Hoffentlich ist die Schulverwaltung der Stadt den Lehrern, besonders den alten und kränklichen, gegenüber, wohlwollender gesinnt und wird bald eine Regelung der Pflichtstunden nach dem Muster vieler anderer Städte ein- treten lassen; sind doch hierin sogar Homburg und Höchst, wo die Stundenzahl bis 24, bezw. 26 herabgeht, .Wiesbaden vor­aus. Die Stadt würde damit nicht nur dem Wohl der Lehrer und Lehrerinnen, sondern auch dem der Schule dienen, zu deren Gedeihen die Erhaltung der Gesundheit und Zufrieden­heit der Lehrkräfte eine wichtige Voraussetzung ist."

— Die Stadtverordneten sind auf Freitag, den 20. März l. I., nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Rathauses zur Sitzung mit folgender Tagesordnung eingeladen: 1. Fort­setzung der Etatsberatung. 2. Bewilligung von 3000 M. für den Prinz-Heinrich-Flug 1914. Ber. Fin.-A. 3. Ankauf eines Grundstücks' im Distrikt „Weidenborn". Ber. Fin.-A. 4. Verkauf einer städtischen Grundfläche an der oberen Kapellen­straße. Ber. Fin.-A. 5. Desgl. städtischer Grundflächen an der Bierstadter Straße zwischen Fichte- und Kirchbachstraße. Ber. Fin.-A. 6. Bewilligung, von 4000 M. für den Umbau der Sonnenberger Straße vor dem Hotel Wilhelma. Ber. Bau-A. 7. Desgl. von 3650 M. für die Errichtung eines Doppelhäus­chens für den Verkauf von Zeitungen und biblischen Schriften in der oberen Wilhelmstraße. Ber. Bau-A. 8. Festsetzung der Normalcinheitspreise für Straßenbauten für das Rechnungs­jahr 1914. Ber. Bau-A. 9. Beschwerde gegen die Vergebung der Maurerarbeiten für den Neubau der Volksschule an der Lahnstraße. Ber. Org.-A. 10. Umwandlung einer Lehrer- stelle an der Schule in der Rheinstraße in eine Mittelschul­lehrerstelle. Ber. Org.-A. 11. Gesuch des Glasermeisters Karl Schwarz um Befreiung von dem Amte als stellver­tretendes Mitglied der Einkommensteuer - Boreinschahungs- kommission. Ber. Wahl-A. 12. Neuwahl eines stellvertreten­den Mitgliedes der Einkommensteuer-Voreinschätzungsrom-

mission. Ber. Wahl-Ä. 13. Antrag auf Erhöhung wes bis­herigen Zuschusses an den Verein für Speisung bedürftiger Schulkinder. 14. Gesamtabrechnung über die Hochbauten^und die Einrichtung der Leichenverbrennungsanlage auf dem «ud- friedhof. 15. Bewilligung von 5050 M. zur Vornahme bau­licher Verbesserungen auf dem Südfriedhof. 16. Desgl. von 2600 M. für die Errichtung einer Sprengwagenbaracke an der

— Beerdigung. Von seiner Wohnung Scharnhorststraße 22 aus wurde am Dieustagnachmittag 2i/ 2! Uhr der nach langem Leiden verstorbene langjährige frühere Oberzahlmeister oes hiesigen Füsilier-Regiments v. Wersdorfs (Kurhess.) Nr. »u, Rechnungsrat Mass i n g, auf dem hiesigen Nordfrledhos zur letzten Ruhe bestattet. Die Regimentskapelle der 80er erofsnete den langen Trauerkondukt, dem sich die Zahlmeister der hiesi­gen und benachbarten Garnisonen, eine Offiziersdeputanon des 80. Regiments, sowie zahlreiche Mitglieder der ,,^oge Plato" anschlossen. Pfarrer Philippi hielt die Gedächtnis­rede. Mit dem Verstorbenen ist einer der letzten Zahlmeister der deutschen Armee heimgegangen, welcher sich als junger Unteroffizier vor der Front das Eiserne Kreuz verdiente. .

— Reichshallen-Thcatcr. Das Engagement der zugkräfti­gen Kölner Bühne ist noch bis Ende dieses Monats verlängert worden. Wiederum ist es das Pickardt-Duo, welches mit am besten gefällt. Aber auch die anderen Solisten machen ihre Sache 'gut und heimsen reichlichen Beifall ein. Außerdem bietet das reichhaltige Programm noch sehenswerte akro­batische Darbietungen. Der Schlager des Abends ist natür­lich der „Tünnes", den Herr Goßmann in dem Zweiakter „Anton, der Stolz der 3. Kompagnie", wiederum vollauf zur Geltung bringt. Das übermütige Stück läßt besonders durch den Rekruten Anton Schmalz das Publikum dauernd xm Lachen.

_Der Wiesbadener Stadtverband für Jugendfürsorge,

d«r durch die Verbindung der ihm angeschlossenen 2t Vereine sowie durch die Beziehungen und die gemeinsame Arbeit mit den Behörden die Gelegenheit hat, Ermittlungen durch geeig­nete zuverlässige Persönlichkeiten anzustellen, glaubt diese Zusammenfassung auch dahin ausbauen zu sollen, daß sie der gesamten privaten Wohltätigkeit zu Nutzen kommt. Das durch die dielverzweigten Ermittlungen angesammelte Material ver­bindet so viele' Fäden, daß es fast selbstverständlich erscheint, das ursprüngliche Arbeitsgebiet zu erweitern und eine Zen­tralstelle für^Auskunftserteilung für Wohltätigkeit, auch wenn sie sich nicht nur auf Jugendfürsorge beschränkt, zu schaffen.

Gerade in Wiesbaden mit dem lebhaften Zuzug vermögender Persönlichkeiten von auswärts, die den hiesigen Verhältnissen fremd gegenüberstehen, ist die Gefahr der Ausbeutung durch Unwürdige besonders groß, und es ist daher freudig zu be­grüßen, daß der Stadtverband für Jugendfürsorge sich dieses Mißstandes annehmen wird. Daß es eine von sozialen Ge­sichtspunkten geleitete Stelle ist, welche die Ermittlungen macht und die Auskunft erteilt, gibt der Einrichtung das ganz besondere Gepräge. Der Stadtverband verteilt auf Wunsch Formulare, durch welche die Auskunft eingeholt werden kann.

— Apollo-Theater. Am Sonntag ist das Variete an der Dotzheimer Straße wieder mit einem recht guten neuen Pro­gramm hervorgetreten. Wera Bogorska, vom letzten Pro­gramm übernommen, leitet wiederum mit guten Gesängen den Abend ein. Darauf folgt ein komisch-seriöser Luftakt von Mister Resiak, der berechtigten Beifall erntet. Mit guten Couplets dient Thea v. Sylt dem Humor; Neues bringen Terras Bros, als Steilläufer. S. Werner als Charakteristiker und Verwandlungshumorist zeigt zahlreiche Männer- und Frauenkarikaturen. Mme. Gilton findet mit einem hübschen Taubendressurakt allgemeines Gefallen; besonders ihre rech­nende Taube wird bewundert. Auch die Gesang- und Tanz- vorführungen des ebenfalls aus dem letzten Programm über­nommenen Borussia-Sextetts nimmt man gerne nochmals auf. Als vorzügliche Salonakrobaten produzieren sich Seymour und Alva. Das Washington-Trio erwirbt sich mit seinen amerikanischen Gesängen und Tänzen schnell die Gunst aller. Einen nervenkitzelnden Schluß bilden die 3 Dämons auf dem Teufelsrad. Sie zeigen sich erst als vorzügliche Kunstradfahrer, um sodann den Höhepunkt der Waghalsigkeit vorzuführen, indem sie auf einer sich drehenden und hebenden Scheibe eine rasende Fahrt mit großer Sicherheit ausführen.

— Samariterkurse im ^ Vaterländischen Frauenverein. Der Frühjahrskursus der Samariterabteilung des „Vater­ländischen Zweig-Frauenvereins Wiesbaden" beginnt Freitag, den 20. März. In dieser Abteilung werden Damen mit höhe­rer Schulbildung aus gebildeten Kreisen unentgeltlich in Leistung der ersten Hilfe bei Unglücksfällen und, nach Wunsch, weiter als freiwillige Kriegshelferinnen ausgebildet. Letztere haben außer dem Samariterkursus der Abteilung, der von zwei Ärzten geleitet wird, einen Kursus von sechswöchiger Dauer im städtischen Krankenhaus mitzumachen. Rach be­standener Prüfung sind die Helferinnen befähigt, im Kriegs­fall zur Pflege der Verwundeten verwendet zu werden. In dem am Freitag beginnenden Kursus der Samäriterabteilung werden Verbände aller Art, künstliche Atmung, erste Hilfe bei Unglücksfällen usw. gelehrt und die einschlägigen medizini­schen Fragen besprochen.

— Jungdeutschland. Am Sonntag, den 15. März, hielt die Jungdeutschland-Jugendwehr und die Jugendwacht „Wart­burg" ein größeres Geländespiel zwischen Dotzheim, Frauen- stein und Schierstein ab. Die Oberleitung lag in Händen des Leutnants d. R. Böning; die rote Abteilung führte Dr. med. A. Schmidt, die blaue Abteilung stand unter der Leitung des Herrn Hoppe; Schiedsrichter war Hauptmann a. D. Schimpfs aus Marburg. Es war eine Freude, zu sehen, mit welchem Eifer die Jugendlichen im Sturmschritt voraneilten und un­ter geschickter Ausnutzung des Geländes sich gegenseitig den Sieg streitig machten. Nach der Übung besprach Leutnant Böning eingehend den Verlaus des Spiels; Hauptmann Schimpfs, ein alter Herr voll jugendlicher Frische, sprach sich sehr anerkennend über die Leistungen aus, und Herr Dr. med. A. Schmidt hielt eine vaterländisch angelegte Gedächtnisrede auf den Freiheitshelden Friedrich Friesen, der vor hundert Jahren dem Vaterland außerordentlich große Dienste ge­leistet hatte und dessen Andenken der deutschen Jugend nie verloren gehen sollte. Nachdem den Jugendlichen Gelegenheit geboten wurde-, das Hochwasser des Rheins zu sehen, erfolgte der Heimmorsch geschlossen über Schierstein, Biebrich, Adolfs­höhe nach Wiesbaden.

— Korrespondenzcinlagcn. Um der Geschäftswelt und der Bürgerschaft bei ihrem brieflichen Verkehr mit auswärts eine Mitwirkung in der Propagandaarbeit für unsere Welt­kurstadt zu erleichtern, hat das städtische Verkehrsbureau kurze Beschreibungen mit Illustrationen als Korrespondenzeinlagen mit dazu gehöriger adressierter Anfragepostkarte heraus­gegeben. Diese Korrespondenzeinlagen nebst Karten sind im Verkehrsbureau in der'Theaterkolonnade erhältlich. Sie wer­den in der Folge noch in englischer, französischer, russischer und spanischer Sprache herausgegeben.

— Eine mutvolle Tat vollbrachte gestern nachmittag gegen 3 Uhr ein junger Mann in der Wielandstraße. Dort raste das. Pferd eines Kohlenwagens in voller Fahrt ohne Leiter dahin und auf der Straße spielende Kinder gerieten in große Gefahr. Noch zur rechten Zeit fiel indessen ein unbekannter junger Mann dem scheuen Tier in die Zügel und brachte es zum Stehen. Der Kutscher hatte das Fuhrwerk ohne jede Vorsichtsmaßregel sich selbst überlassen, eine Nachlässigkeit, die sich schwer hätte rächen können.

— Jmmobilien-Versteigerung- Das hiesige Amtsgericht erteilte den Zuschlag für einen an der Dotzheimer Straße be- legenen Acker, nachdem der mit 500 M. Höchstbietender ge­bliebene „Vorschußverein Wiesbaden" sein einschlägiges Recht abgetreten hat, der Witwe deS Fuhrmanns August Wink, Phllippine, geb. Wahl. Das Immobil war feldgerichtlich ae- schätzt zu 48 032 M. und mit Hypotheken m Höhe von 56 000 Mark belastet. Rechte bleiben nicht bestehen.

— Personal-Nachrichten. Dem Konsul von Bolivien in Wiesbaden, Wilhelm O v f e v m a n n , ist namens des Reiches das Exeauatur erteilt worden.

„ „ — Kleine Notizen. Auf Wunsch s« festgestellt, daß der Kellner Johann Müller. Nerostmße 11,, 2, mit dem Buch­macher Johann Müller nicht identisch rst.

Vsrberichte Uder Aunst, vsrträge und Öeri»cm&tes.

ot Königliche Schauspiele. Sn „Mignon"-

Auffuhrung mit Frau Hans-Zoepsfol rn der Titelrolle singt Herr Eckaro zum erstenmal die Partie des „Lothamo". Die weitere Besetzung bleibt unverändert bn> aus beu „Jarno", welcher diesmal Herrn Becker übertragen wurde,

_ * Kurthcatcr. Bis inklusive Samstag llloibt der burleske

Schwank „Das Fliegerliebchen" auf oem Svietplan. Am Sonntag, nachmittags 8Vi Uhr, wird der übermütige Er- osfnungsschwank „Der Millionenrekrul nochmals aufgeführt (halbe Preise), Abends 8 Uhr geht „Per Dovvelmensch" (Der Lumpenbäll), Schwank in 3 9wf ei Lif. n T .Wilhelm Jacobi, dem bekannten einheimischen Schwankdichter, in Szene.

Montag und folgende Tage: „Der Doppelmensch" (Der Li'meenball). ..

* Wiesbadener Künstler auswärts. Die einheimische

Pianistin und Müsikpädagogin Iran . Goldschmidt-Metzger spielte letzten Dienstag mit großem Erfolg im Gesellschasts- konzert des Palmengarten-Orchesters in Frankfurt. Der „Frankfurter Generalanzeiger" berichtet hierüber: „Frau

Goldschmidt-Metzger erntete durch die brillante Wiedergabe

der „Ungarischen Phantasie" von Liszts reichsten Beifall. In 2 Impromptus von Schubert erwies sie sich als Pianistin von seiner musikalischer Auffassung, die über einen modu­lationsfähigen Anschlag verfügt." — Am 7. d. M. war die Künstlerin zu einem Konzert nach Biedenkopf berufen, wo das Publikum enthusiasmiert war. Das dortige „Amtliche Kreisblait" schließt seine Besprechung mit dem Bemerken, Latz in Biedenkopf eine Künstlerin von solch hervorragender Quali­tät noch nicht gehört worden sei. — Am letzten Samstag war Frau Goldschmidt-Metzger zu einem Konzert nach Hanau engagiert und löste durch ihr Spiel auch dort reichsten Bei­fall aus.

Clus dem Vereinsleven.

Vorberichte, vereinsversammlungsn.

* Der „FürsorgeverLin Johann rsstist,

E. V.", ladet zu seiner ordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 19. März, ein. Nachdem der Verein während der 7 Jahre seines Bestehens meistens in der Stute gewirkt hat, ist er im verflossenen Jahre, gelegentlich der öffentlichen Mitgliederversammlung des Gösamtberetns im Landeshaus und eines Wohltätigkertsfestes, etwas mehr in die Lffentlichkeit getreten.

* Am kommenden Sonntag findet der letzte Vortrag des „Jugendvereins 1 der Ringkirche" über das, Thema „Das Weltall" statt.

* Die Vorbereitungen zur 50jährrgen Jubelfeier des „M äunerturnvereins" sind in vollem Gang^ Zu­nächst tritt die Fincmzkommiffron durch eine Sammlung bei den Mitbürgern in Tätigkeit. Es hat sich zu diesem Zweck ein Damcnkomitee zur Verfügung gestellt, welches in den nächster Tagen vorsprechen wird, hoffentlich mit bestem Erfolg, vereinsoorträge.

über das Thema „Beruf und Gesundheit der Frau", sprach am vergangenen Donnerstag Frl. Dr. med. Paula Selig aus Wiesbaden im „Kaufmännischen Verband für weibliche Angestellte" (Sitz Berlin), Ortsgruppe Wiesbaden, im „Nonnenhof". Eine große Anzahl Mitglieder und Gäste hatten sich zu dem Vortrag eingefunden. Fräu­lein Dr„ Selig schilderte in anschaulicher Weise die Stellung der Frau im Hause in früheren Jahrhunderten,, wie sie aber durch die wirtschaftliche und technische Entwicklung ihres Arbeitsfeldes beraubt, aus dem Hause verdrängt und m das Berufsleben gestellt würde. Im engen Zusammenhang, mit dem Beruf steht die Gesundheit. Daß zur Beruistuchtigkeit eine gute -Gesundheit ein Hauptersovdernis sei., betonte dre Rcdnerin ganz besonders, gab eine Übersicht über die am \ meisten vorkommenden Berufskrankheiten aller Berufe, , ihre Entstehung, Verhütung und Heilung. Besonders „wichtig sei aber, daß Menschen, die --ine gewisse Disposition für eine Berufskrankheit haben, gut daran tat, einen Beruf zu er­greifen, der ihren gesundheitlichen Anlagen die größte , Rech­nung trägt. Dies sei ein Punkt, der bei der Berufswahl junger Menschen noch gar nicht genug erwogen wird. Gute körper­liche und geistige Pflege und Hygiene in allen Dingen, Arbeit und Vergnügen ist eine Vorbedingung zur Erhaltung der Ge­sundheit, Arbeitssreudigkeit und Leistungsfähigkeit. Die An­wesenden folgten mit Interesse den Ausführungen und, Be­lehrungen und spendeten der liebenswürdigen Red-nerin reichen Beifall, (Ohne Gewähr.) ^

Am vergangenen Freitag, abends 8 Uhr. hielt Herr Faber, Direktor der Auskunftsstelle für Zementverarbeitung Heidel­berg, im Saale der „Wartburg" vor der „Zweigverwal- tuug Wiesbaden des deutschen Techniker- Verbandes" einen Bortraa über die „Internationale Bau­fachausstellung zu Leipzig", welcher außer von den Verbands­milgliedern auch noch von einer großen Anzahl Gästen besucht war. Der Referent erörterte einleitend kurz die Gründe der Mißerfolge großer, allgemeiner Weltausstellungen und hob im Gegensatz dazu die mannigfachen Vorteile hervor, die kleinere spezialisierte Ausstellungen für unsere heutige Zeit besitzen. In 1i4stüudiaem Vortrag führte der Redner durch, die Aus­stellung an Hand zahlreicher guter, zum Teil farbiger Licht­bilder, Me Ausstellung ist nach den Plänen zweier Leipziger Architekten mustergültig und übersichtlich angeordnet. Eine Eisenbetonhalle zählt mit ihrer Kuvpel von 80 Meter Spann­weite zu den Hauptsehenswürdigkeiten. Sie soll der Stadt Leipzig zu Ausstellungszwecken erhallten bleiben und birgt in ihrem Innern die Spezialausstellungen des Vereins deutscher Portlandzementfabrikaiiten und des deutschenBetonvereins. Des weiteren verdienen besondere Beachtung das wuchtige, vielleicht etwas zu massige. Monument des EisenA, die Turnhalle aus Holz, die Maschinenhalle und die Halle für Raumkunst. Für Brückenbauer besonders interessant gestalten sich, die beiden Eiseubahnüberführungen über den die Ausstellung in zwei Teile trennenden Eisenbahneinschnitt. Insbesondere trifft dies für die sogenannte Schwarzenberg- oder Emperger Brücke zu, da hier durch Verwendung von umschnürtem Gußeisen zur Ärnrierung neue Probleme eine glückliche Lösung gefunden haben. Auch das österreichische Haus bringt glückliche An­regungen durch Benützung von Betonwinkelsteinen, die ein schnelleres und überdies billigeres Bauen ermöglichen. Ganz hervorragende Wirkungen erzielte die Ausstellungsleitung mit dem Bau des alten Leipzig zur Zeit der. Befreiungskriege, das eine ganze Abteilung für sich bildet. Me.Paulinenkirche und die Pleißenburg, alte Wahrzeichen der Stadt Leipzig, erstehen in überwältigender Natürlichkeit. Daneben eine trauliche Dorsanlage mit Schulhaus, Kirche und Dorfschenke, einfach und anheimelnd Für körperliche und geistige Erholung sorgen alle die künstlerischen und gärtnerischen Anlagen, die Leuchtfontäne und die Masse der Vergnügungsrestaurants, die sich großen­teils jenseits des Bahneinschnittes befinden. (Ohne Gewähr.)

über Zuckerkrankheit sprach Dr. med. Bachem aus Frankfurt im „Verein für v ol k sv er st ä n d l i ch e Ge­sundheitspflege. E. V.", und führte dabei folgendes aus' Me Zuckerkrankheit ist keine einzigartige, sondern eine in vielfacher Weise auftretende Krankheit, deren Sitz in der L-'ber im Gehirn in der Bauchhöhle sein kann. Wenn im Ge­hirn bestimmte Partien zerstört werden, dann tritt als Folge­erscheinung Diabetes aus. Die Symptome sind Abniagerung des Patienten, Durstgefühl, Abmattung, Nervenschwäche und Abnahme des Gefchlechtstriebes. Das Blut wird klebrig und zähflüssig, infolge dessen die .Haut schlecht ernährt und welk wirb. Wunden heilen schwer und deshalb hüten sich die Chirurgen auch vor dem Operieren Zuckerkranker. Infolge dieser Zustände treten Furunkeln und dergleichen ein. Der erfahrene Arzt rorgt zunächst dafür. daß die Gewebsflüssigkeit wieder alkalisch wird. Die Heilung der Krankheit ist davon abhängig, ob der Vatrent genug Kohlehydrate verträgt. Auch ist das Alter vo« maßgebendem Einfluß, und zwar derart, daß jüngere Leute mehr als altere gefährdet sind. Man versucht setzt durch Sauerstoffzufuhr den Zucker zu oxydieren und so unschädlich M nm-chen, gibt Magnesium und Hefe welch letztere den Zucker fallt. Svernnn soll sich gut bewährt haben. Redner empfahl besonders eine intensive Näbrsalzkur, den Genuß von Kartoffeln und Hafer, speziell aber eine vegetarische Diät. Der Besuch von Neuenahr sei denen zu empfehlen, die sich zu Hause nicht aussvannen könnten, denn Sorgen und Kummer seren Förderer der Krankheit, Mejenigen aber, denen der. Be­such eures Bades unmöglich sei, böten Luft- und Sonnenbäder, Atemgymnastik, intensive Körpern und Hautpflege durch Massage, Bader und Duschen wirksame Heilsaktorcn. , Bei Kranken, deren Glieder Neigung zu Entzündungen zeigten, wären twhmanwendungen von großem Nutzen. Selbstredend sei der Patient in ärztliche Behandlung zu geben darmt der Arzt fortgesetzt die Kontrolle ausüb>e und die Diät nach Be­darf andere. Die überaus zahlreichen Besucher nahmen die Darbietungen mit Beifall entgegen-und die vielen gn.drrr.Por- trwgenden gerichteten Fragen zeigten, daß er Verständnis zu erwecken verstand, (Ohne Gewähr.)

Am vergangenen Sonntag hielt der „Jugendverern 1 der 8Ji Italic ch e" seinen zweiten Lichtbildervortaa ab über das Thema „Das Weltall". Der Redner, Schriftführer des Vereins G-,Christian, verstand es vortrefflich, den Anwesenden einen Einblick in unteren großen Weltenraum zu geben. (Ohne Gewähr.)