Einzelbild herunterladen
 

WMs LMsrsemNttSk,«»«. t. Blatt.

ieutfö« SteilattälWii affen, Es handelt sich hierbei nicht um Entwürfe, welche bisM zur AuWhrunL bestimmt sind, son- dern um Vorbilder zur Förberung der kolonialen Bauweise. Der AMeferun>Mermin für die einheimischen Bewerber ist ier 1ö. Juni dieses Jahres, der Ablieferungstermin für die Werfeeischen Bewerber der IS. Juli dieses Jahres. Die Wett- iewevbsbeidingungen und die Programme find vom Sureau der Deutschen Kolonialgesellschaft, Berlin W. 35, Lfrikahaus, Am Karlsbad 10, kostenfrei zu beziehen.

Kurland.

Gfterreich-Ungnrn.

Verschiebungen im nationalen Grundbesitz in Südtirol.

Die Gesellschaft Burg Persen hat, wie wir soeben er­fahren, ihre abseits vom Schlotzlberg gelegenen Wiesen und Acker, die an der Reichsstraße nach L e v i e o liegen, zu einem sehr angemessenen Preis an das Land Tirol verkauft. Dadurch wurde es der Gssellschaft möglich, die evste Hypothek, die der frühere Besitzer, der Fürstbischof von Trient, noch auf der Burg stehen hatte, zurückzuzahlen und die Burg von der italienischen Beleihung zu befreien. Durch Wb- stoßung der landwirtschaftlichen Gründe ist die Burg-Gesell­schaft in die Lage versetzt, ihre ganze Kraft zum Ausbau der Burg und zur schöneren Ausgestaltung der Weganlagen, an dem herrlichen Burgberg verwenden zu können. In diesem Winter ist eine ganze Reihe neuer meist ebener Weganlagen geschaffen worden. Auch eine große Frühstückterraffe mir herrlicher Aussicht auf die Brenta ist im Bau. So ist zu hoffen, daß die Burg Persen, die sich mit Unterstützung fast aller nationalen Vereine, die bei ihr beteiligt find, immer mehr zum Treffpunkt aller nationalen Kreise in Süd­tirol entwickelt, auch in diesem Fahre ihre alte Zugkraft ent­faltet. Für die Osterferien ist Pensen ein herrlicher Aufent­halt. Nähere Auskunft erteilt die Burgverwaltung von Burg Persen im Suganertal (Linie Trient-Tezze).

„Deutsche und bentschfrcirndliche Gaststätten in Süd- Österreich" (Südkärnten, Untersteier, Krain, Adriagobiet). Dieses bekannte Heftchen erscheint in 8. Auflage und mii einer Stärke von 12 000 Stück Ende März, so daß es zur Osterreisezeit bereits für Fahrten nach dem Süden benutzt werden kann. Es liegt in allen Rei'sebureaus und vielen Hotels und Buchhandlungen der südlichen Alpengebiete auf und ist einzeln bei der Buchhandlung Joh. Heyn in Klagen, surt zu haben. Bei auswärtigen Bestellungen ist die Beilage einer Briefmarke oder Postkarte mit Antwort evwünischt.

Nordafrika.

Die Operationen in Tripolis. Rom, 17. März. Die „Agcncia Stefani" meldet aus Benghafi: Die Ab­teilung L a t i n i schlug die Rebellen, die sich ihrem Vormarsch widersetzten, und hißte die italienische Flagge auf dem Schlosse Gedabia. Die Italiener hatten keine Verluste. — Das sechste erythräische Bataillon gelangte am 14. März unter Major di Benedetto bis M a r a n a, 40 Kilometer westlich von Slonta. Dort zerstreute es den Feind, der schwere Verluste hatte und Waffen und Munition znrückließ. Auf italienischer Seite wurde ein Askari getötet und neun Mann der- wundst. General Cantorre besetzte am 16. Marz, nachdem er am vorhergehenden Tage 1000 Rebellen zurückgeschlagen hatte, K a r r u b a und hißte bte italie­nische 'Fahne. Der Feind hatte sehr schwere Verluste. Auf italienischer Seite wurden vier Askaris getötet und 10 Askaris und 1 Alpenjäger verwundet.

Brasilien.

Die militärische Ruhestiftung in Ceara. Rio de Janeiro, 17. März. .Der Oberst der Bundestruppen, SetemDrino, hat die Regierungsgewalt im Staate E e a r a ergriffen. Der Minister des Innern befahl telegraphisch, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die irregulären Truppen zu entwaffnen, die Verwaltung . und die Finanzen wieder einzurichten und baldmöglichst die Wahlen

Wiesbadener Tngblalr.

vornehmen zu lassen. Infolge des nahen Endes der Legis­

laturperiode legte eine Abordnung der ersten Handeltreiben­den und Industriellen Rio de Janeiros und die Gläubiger der Regierung es dem Präsidenten der Republik nahe, beim Staatsschätze zu intervenieren, um die Abrechnung herbeizu­führen. Der Präsident versprach, unter Beihilfe des Finanz­ministers die Mittel zu einer schnellen Lösung der Frage zu prüfen.

.. . . n im u i,um r l ' ,;oan , mi i wnwi i mw— —--

Luftfahrt.

Der „Schütte-Lanz 2 " Mannheim, 17. März. Nach­dem in der letzten Zeit durch die gesäurte deutsche Presse die widersprechendsten Gerüchte über „S. L. 2" gegangen find, teilt die Werft mit, daß das Luftschiff „S. L. 2" fahrtbereit in der Halle liegt. Wann der nächste Aufstieg stattfinden soll, hängt lediglich von dem Wetter ab. Uber den zukünftigen Standort des Luftschiffs und über den Zeitpunkt der Über­führung nach dort hat die Militärverwaltung endgültige Be­stimmungen noch nicht getroffen.

Ku§ Ltaöt und Land.

wiGLbadense Nachrichten.

konfessionell oder simultan?

I.

In etwa einer Woche tritt der 4 8. Kommunalland- t a g des Regierungsbezirks Wiesbaden zusammen. Wahr­scheinlich wird er sich auch diesmal wieder mit der Frage der Errichtung einer Lanüeserziehungsanstalt für schulentlassene männliche Fürsorgezöglinge zu beschäftigen haben, da die Bauplatzfrage noch nicht end­gültig geregelt ist. Der vorjährige Kommunallandtdg beschloß, die Anstalt bei Usingen zu errichten: eine katholische Anstalt auf protestantischem Boden. Das können wir zwar nicht als ein Unglück betrachten, aber das Zentrum, daS bisher in dieser Sache ein kräftiges Wort mitgerödet hat, denkt und fühlt anders. Es hat sich gegen die Errichtung der Anstalt bei Usingen gewandt, und da unseres Wissens eine Anzahl Usinger Grundstücksbesitzer der Erwerbung des Bau­geländes Schwierigkeiten bereiten, dürfte der Protest des Zen­trums von Erfolg begleitet sein. Seine Forderung ist übri­gens die einfache Konsequenz des Kommunallandtagsbe- schluffes, eine katholische Erziehungsanstalt zu errichten; wenn man schon bezüglich des religiösen Charakters den Wünschen des Zentrums nachgab, so ist die Errichtung der Anstalt in einer katholischen Gegend nichts weiter als eine logische Folge dieser Nachgiebigkeit.

Im Jahre 1912 beschloß der Kommunallandtag mit gro­ßer Mehrheit, die Erziehungsanstalt auf simultaner Grundlage zu errichten. Im Lande der Simultanschule war dieser Beschluß eine Selbstverständlichkeit. Die Genehmigung des Beschlusses wurde bei dem Minister des Innern be­antragt. Der Minister antwortete darauf in einem längeren Bescheid, er vermöge dem Antrag, daß die von dem Bezirks­verband Wiesbaden zu errichtende Fürsorge-Erziehungsanstalt simultanen Charakter trage und dementsprechend in dem demnächst zu genehmigenden Anstaltsregkement die Auf­nahme von Zöglingen ohne Rücksicht auf das religiöse Bekennt­nis zugelaffen werde, nicht zu entsprechen. Als mit­verantwortlich für diesen Bescheid zeichnete auch der Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten.

Der Bescheid fiel auf; er fiel auch dem Landesausschutz und nachher den Mitgliedern des Kommunallandtags auf. Den meisten sogar sehr unangenehm. Trotzdem beschloß der vorjährige Kommunallandtag mit 36 gegen 18 Stimmen, sich bei dem Bescheid des Ministers zu beruhigen, den Beschluß des Kommunallandtags 1912 aufzuheben und eine Er­ziehungsanstalt für katholische Fürsorgezöglinge zu errichten. Er tat das nicht ohne Protest gegen die Stellungnahme des Ministers, den er in folgender Resolution zum Ausdruck brachte:

Verschollen.

Von Hermann Kienzl (Berlin).

Auf einem der belebtesten Plätze Berlins stand ich vor *xnn Litfaßsäule. Rings brüllte die Weltstadt des zwan- ngsten Jahrhunderts ihre Tobsucht aus Die Gedanken allen gerade in der stillen Heimat senseits der Berge ge­eilt, da war mein Blick auf einen Namen gefallen, der an >er Litfaßsäule klebte. Der ihn einst zusammen mtt dem Loden rock und dem grünen Steirerhut getragen hat, erhob sich am hellen Tage aus dem Grabe — in dreier lauten Stadt, sie er schwerlich je betreten. Ein Theaterzettel kündigte die Aufführung von Katt Morres noch kmur« m zwei Hemisphären oft gespieltem VolkSstück ,, s Nullerl an. Guter Morre! Hat es dir, dem Schnaiderhupflsanger tm traulichen Bierstüvl, geträumt, daß du, fast. Zwanzig Jahre nach deinem Tode, in Berlin und New Vor! fremde Menschen lachen und weinen machen wirst?

Manchmal zahlt jeder Deutsche der Sentrmentatttat den schuldigen Tribut; und so studierte ich den Theaterzettel, der mir nichts Neues verriet. „Musik, nach steirischen -»otts- liedern zusammengestellt, von Vingeng Bertl." Der auch in Berlin, alter Bertl, du auch?! Das ist wirklich gum Lamein. Er war, vor vielen, vielen Jahren, Dirigent des Zwischen- aktsorchesters im Grazer Stadttheater, war ein bescheidenes, dünnhaariges Männchen, zu dem der altmodische Frack eines biedermeierischen Schullehrers gut gepaßt haben würde. Auf unseren Studenten-Kommersen besorgte er das musikalische Hochgefühl. Noch weiß ich's, wie ich vor dreißig Fahren seine Dachkammer in der Vorstadt erkletterte und seine Polyhymma für eine vansa bibendi bestellte. Noch sind mir die alt­modischen Reverenzen des kleinen, hageren alten Mannes in Erinnerung, die den jungen Studio in Verlegenheit setzten. Und nun — Anno 1914 — prangt der Name des Schmucklosen an allen Ecken von Berlin!

! Ho! Ho! Der leichte Spritzschaum von UnfterNlichkeit berührt keinen von den Tausenden, die da vorüberhasten, und nur ein heimatliebes Auge entdeckt den schlichten Namen. ES gehen Größere,. es gehen Lebendige unter in der Flut der Großstadt, die eine rechte Letheflut ist. Mancher, der vor Jahr und Tag noch die Geister erregte, die Parteien im CafZ und Salon erhitzte, ist i u *^ e Welt ein stiller Mann geworden, obwohl er Buch ans Bücher schreibt; die Mode hatte ihn ein- mal emporgerissen und dann zur Seite gestellt. Wer kind- lichen Nachruhmsträumen nachhgugt, für den ist's heilsam, den Berliner Tagcsrulhm zu studieren,

Wer an jenem Tage, dort vor der Litfaßsäule, war es mir bcfchieden, Totenausgräber zu sein. Rein! Meister Rossini und der „Barbier von Sevrlla" brauchten meine Schaufel nicht. Die werden hellklingend noch nach tausend Jahren leben, wenn manche Große unserer Zeit im Ehrengrcch der Kunstgeschichte modert. Mich reizte auf dem Theaterzettel der Hofoper ein Satz, über den jeder andere Leser hinweghuschte: „Für die deutsche Bühne bearbeitet von Ignaz Kollmann." Was gilt die Wette, daß von den vierthalb Millionen Men- schen in Berlin kaum einer, nicht einmal ein Musikhistoriker, weiß, wer Ignaz Kollmann gewesen ist? In meinem Bücher­schränke stehen seine Werke. Stehen die kleinen, dickbäuchi­gen Bände des „Grätzer (Grazer) Aufmerksamen" von 1819 bis 1837, der höchst bescheidenen Zeitung, die Ignaz Kollmann geleitet und zum größten Teil geschrieben hat. Noch weiter zurück reicht die Tätigkeit des Mannes, der 1776 zu Graz ge­boren war und von 1811 ab fast vier Jahrzehnte lang in der damals weltabgelegenen Alpenstadt die schöne Literatur rcprä- sentierte. Der „Aufmerksame". strotzt von Kollmannschen Bal­laden, Liedern, Kritiken, Aufsätzen und Dramen. Auf dem Büchermarkt sind nur wenige seiner Dichtungen erschienen, nicht einmal das dereinst vielgegebene Ritterstück mit dem fa­mosen Titel: „Die Drachenhöhle zu Röthelstein", oder „Der

Hammer um Mitternacht". 8"• Sollmanns Lebzeiten ist auch seine „ B a rb i er" - üb e rfetz u n g nicht gedruckt worden, diese noch heute nicht vergangene Spur von seinen Erdentagen.

Hunderte, nein Tausende und Dausende von einst wohl­bekannten Dichtern teilen das Los absoluter Verschollenheit. Unter ihnen sind solche, die _ einst mächtige Herrscher der Bühne oder Stars der Leipziger BuchhänMrrnesse waren Nur die Literaturgeschichte erzählt roch von den Räuber- somanen des Vulpius, von den Ritter- und Gespensterge­schichten des Spieß. Doch auch edle Geister wie der Verfasser des „Alkibiades" und der iw 18. Jahrhundert weltberühmten „Skizzen", August Gottlieb Meißner (Alfred MeißnerS Großvater), sind versunken und vergessen, sjßrt die vor kffrzom erschienene Statistik des Burgtheaters durchblättert, stößt dort auf AufführungsMf ertl , von Theaterstücken, die große Berühmtheit und Erfolge in längst. entschwundenen Zeiten verbürgen. Schauspieke und Lustspiele, die durch dreißig, vierzig, fünfzig Jahre das Entzücken unserer Ur­großväter waren, sind samt den Namen der Verfasser dem Gedächtnis der Enkel verloren gegangen. Oder wer, außer dem Theaterhistorikcr, weiß heute noch von den Dramatikern Bergopzoom, Jünger, Steigentesch, Franül von Weißenihurn, Stephanie, Bretzner?

Mittwoch, 18. März 1814. Skr. ISS

„Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wies-

baden spricht sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß der Herr Minister des Innern auf die Wünsche des Landtags bezüglich der simultanen Gestaltung der zu er­bauenden Fürsorge-Erziehungsanstalt nicht eingegangen ist. Er ist nach wie vor der Ansicht, daß der Wortlaut des Gesetzes zu dieser Stellungnahme nicht zwingt und daß bei einigem Wohlwollen gegenüber den Eigen­tümlichkeiten des Regierungsbezirks Wiesbaden der simultane Charakter der Anstalt hätte genehmigt wer­den können."

Wir sind dieser Ansicht heute noch, und deshalb ergreifen wir vor dem Zusammentritt des 48. Kommunallandtags das Wort. Warum, so fragt man sich, hat der vorjährige Kommu- nallandtag, dessen Mehrheit sich auf den Standpunkt der zitierten Resolution stellte, nicht die Konsequenz aus der darrn niedergelegten Anschauung gezogen und sich nicht bei dem Bescheid des Ministers b e r u h i g t, den sie für keinen guten, und nichr durch daS Gesetz erzwungenen hielt? Er war, wie aus den Ausführungen einiger Redner hervorging, inkonse­quent, weil die Beschaffung einer llnterkunftsmöglichkeit für katholische schulentlassene Fürsorgezöglinge als außerordent­lich dringlich bezeichnet und die Ansicht vertreten wurde, der Minister lasse sich doch nicht umstimmen; die Aufrechterhal- tung des früheren Beschlusses habe also gar keinen Zweck. Der bedauerliche Beschluß des letzten Kommunallandtags gab später zu einer bemerkenswerten Auseinandersetzung im „Allgemeinen Schulblatt" Veranlassung. Auch der Landes­hauptmann ergriff dort das Wort. Er führte u. a. aus, es sei unrichrig, daß jetzt in Nassau zum erstenmal eine kon­fessionelle Erziehungsanstalt gegründet werden solle, denn sämtliche Erziehungsanstalten für verwahrloste Kinder, ins­besondere für Fürsorgezöglinge, im Regierungsbezirk Wies­baden seien von jeher konfessionell. Er fügte eine Liste die­ser konfessionellen Erziehungsanstalten bei, übersah dabei aber, was in dem vorliegenden Fall von ausschlaggebender Bedeutung ist, daß es sich hier lediglich um Privatan­stalten handelt, während die Landeserziehungsanstalt des Bezirksverbands aus öffentlichen Mitteln errichtet wer­den soll. Kein vernünftiger Mensch würde auch nur ein Wort dagegen sagen, wenn das naffauische Zentrum eine katholische Erziehungsanstalt errichten wollte; aber die Errichtung einer konfessionellen Erziehungsanstalt aus öffentlichen Mitteln darf zu allerletzt rn Nassau stillschweigend hingenommen werden.

In dem Bescheid des Ministers wird dem Satz km Z 9 des Gesetzes über die Fürsorgeerziehung Minderjähri­ger "vom 2. Juli 1900: „Im Falle der Anstaltserziehung ist der Zögling, so weit möglich, in einer Anstalt seines Be­kenntnisses unterzubringen", und dem entsprechenden Passus in den Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz:. „Es e m p f i e h l t s i ch, nur solche Anstalten zu benutzen, die auf konfessioneller Grundlage stehen", eine Auslegung gegeben, die unhaltbar ist. ES wrrd gesagt, die Worte „so weit mög­lich" hätten den Kommunalverbänden nicht die Wahl gestellt, ob sie den Zögling in einer Anstalt seines Bekenntnisses un- terbringen wollen oder nicht, sie sorgten vielmehr nur für den Fall vor, daß ein Zögling einem Bekenntnis angehöre, für welches Anstalten nicht vorhanden seien und für das auch wegen der geringen Zahl der Anhänger die Errichtung einer besonderen Anstalt nicht gefordert werden könne. Hätte der Gesetzgeber sagen wollen: es dürfen keine Erziehungsanstal­ten auf paritätischer Grundlage errichtet werden, so würde er das ganz sicher klar und deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Die Worte „so weit möglich" oder „es empfiehlt sich" ge­braucht kein Mensch, der ein striktes Verbot aussprechen will.

Noch einmal Schul,rachrichten.

Aus den Kreisen des „Wiesbadener Volksschullehrerver­eins" wird uns geschrieben: „Die von der Ortsgruppe des hiesigen „Lehrsrinnenvereins" veröffentlichte „Berichtigung", Pflichtstundenzahl betreffend, bestätigt, daß die in Nr. 108 des „Tagblatts" vom 6. März enthaltene Notiz voll und ganz den Tatsachen entspricht. Wenn wir trotzdem dazu noch ein­mal das Wort nehmen, so geschieht dies in der Absicht, der Be-

Lafontaine! Wenn einer vor hundert Jahren prophezeit hätte, daß «ine Zeit kommen werde, in der man Lafontaine nicht mehr lesen, nichts mehr von ihm wissen werde, er wäre bei allen zartbesaiteten Frauen, bei allen schmachtenden Jünglingen nur mitleidigen Blicken begegnet. Lafontaine! Wer ich spreche keineswegs von Jean de La­fontaine, dem unsterblichen Fabeldichter Frankreichs, sondern von August Heinrich Julius, der zu Halle an der Saale lebte (1758—1831), dort seine tugendhaften und rührenden „Ge­mälde des menschlichen HerzenS in Erzählungen" schrieb und, während er schrieb, seinen künftigen Lesern mit reichlichem Tränenerguß voranging. In jedem deutschen Heim sozusagen standen August Lafontaines Werke neiben der Hausposiille! Und heute? Wer da waren noch andere, von denen noch immer unsere Gymnasiasten im Literatur-Unterricht hören, und deren Bücher nur mehr in großen Bibliotheken als wurmige Scharteken modern. Da war vor allem Johann Martin Miller, der mit seinem herzbrechenden „Siegwart" (1774) die Siegwartseuche hervorrief — und nicht bloß in Deutschland; sondern der Roman wurde in alle Sprachen Europas übersetzt und jahrzehntelang vom großen Publikum wie der „Weriher" verschlungen.

Man könnte schier inS Endlose einen toten Namen neben den anderen reihen, Oui bono? Name ist Schall und Rauch! Wir halten das Rad nicht auf, das Staub zermalmt, waS dereinst die Herzen bewegt hat. Auf dem Gottesacker ver­schollener Berühmtheiten stehen nicht bloß jahrhundertalte Grabsteine. Wir finden dort manchen bestattet, der noch in unserer eigenen Jugend ein Liebling der Leser gewesen. Schon lagert sich dichter Staub auf den ägyptischen Romanen von Georg Ebers.

Pietät und Sentimentalität sollen uns nicht die Erkennt­nis trüben, daß die Literatur ein lebendiger, stets sich er­neuernder Organismus und nicht ein naturhistorisches Mu­seum mit Leichen in Spiritus ist. Die Losenden haben eine wichtigere Aufgabe am Dasein der Menschheit zu erfüllen, als den Ruhm der vielen zu konservieren, die ihrer Zeit ge­nug-getan haben. Das, was dauernswert ist, dauert; erhebt sich auch aus unverdientem Schutt. Nicht Undank geht an den zahllosen gestorbenen Geistern vorüber. Sind sie, die vor Zeiten von allen genannt wurden, namentos geworden, einen: jeden von ihnen, der im kleinen oder großen gewirkt hat, blerbt doch das, was redlicher ist als Erfolg und Ruhm! sein Teil an der allgemeinen Entwicklung. Kein Wort, das je ein Menschcnherz bewegte, geht verloren im ewigen Haushalt,