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Eette 4. Adend-Ausgabe, 1. Blatt WlsSZMdiMSx TKgbliM. Dienstag, 17. März 1911. Nr. 128.

31 tcni Landwert erlernt. Die Zunahme betrug während des Schuljahres (4. April 1913 bis 13. März 1914) 18 Schüler. — Der Storch ist hier eingetroffen und hat sein altes Nest auf dem Dallmannfchen Fabrikschornstein wieder aufgesucht. — Der Gesangverein „S ä n g e r l u st" feiert am 14. und 16. Juni d. I. sein lOjähriges Stiftungsfest. — Nachdem das Hochwasser des Rheins allmählich um nur rund 10 Zenti­meter zurückgegangen war. macht sich feit heute früh, wohl in- wlge der zahlreichen Niederschläge, wieder ein langsames Steigen bemerkbar. Am gestrigen Sonntag hatte das Hoch- waffer zahllose Fremde heibeigelockt. — Wegen der Leute und morgen stattfindenden Gemeindevertretorwahlen hatte der Bürgerverein eine Wählerversammlnng in den „Deutschen Kaiser" ernberufen. Wegen der dritten Klasse einigte man sich Ms die Kandidaten der Arbeiterschaft. Maschi­nist Schäfer und Maurer H. Birck. so daß diese bestimmt durch­kommen werden. Für die 2. Klasse wurden aufgestellt Betriebs­leiter Klein, Buchhalter Schönmeyer und Ingenieur Mohr. Diesen gegenüber stehen die von den Landwirten ausgestellten Kandidaten, so daß in der 2. Klasse der Ausgang der Wahl noch ungewiß ist. Bezüglich der ersten Klasse konnte eine Einigung nicht erzielt werden. — Die Vergebung der Erd-, Maurer-, Zimmer-, Schlaffer- und Klempnerarbeiten für das Strand­badgebäude wird soeben ausgeschrieben. Offerten sind bis zum Eröffnungstermin am Freitag, den 20. d. M., einzu­reichen.

Nassauischs NKchrichtsN.

Taubstummenfürsorge.

— Eamberg, 16. März. Auch an der hiesigen Taub­stummenanstalt zeigt es sich, daß es heutzutage sehr schwer ist, für Schulen eines Landstädtchens tüchtige Lehr­kräfte zu gewinnen und zu fesseln. Um eine vakante Hilfs­lehrerstelle Hierselbst soll nur ein Bewerber seine Meldung aufrecht erhalten haben, und eine ordentliche Lehrerstelle, die durch Weggang eines Lehrers an die Taubstummenanstalt zu Soest am 1. April frei wird, mutz wegen Mangel an ge­eigneten Bewerbern vorläufig unbesetzt bleiben. Bei dem herrschenden Mangel an geprüften Taubstummenlehrern finden diese günstigere Angebote von Anstalten in größeren Städten mit besseren Schulverhältnissen, günstigeren Lebens­bedingungen und vielen Annehmlich- und Bequemlichkeiten, die ihnen kleinere Orte nicht zu bieten vermögen. In der letzten Woche besuchte der Taubstummenanstaltsdirektor aus Hillesheim die hiesige Anstalt, um mit Bewerbern von hier um vakante Lehrerstellen in Hildesheim zu verhandeln. Dabei nimmt die Zahl der taubstummen Zöglinge an hiesiger An­stalt durch das Schulzwanggesetz auch in diesem Jahre wieder zu. Wie im letzten Schuljahr, müssen auch im neuen Unter­richtsjahr wieder zwei Aufnahmetlassen gebildet werden. Da die Anstaltsräume in Zukunft nicht ausreichend sind, sucht man vorläufig in der Stadt ein Unterrichtslokal zu mieten; späterhin soll ein weiteres Stockwerk auf das hiesige Anstalts­gebäude gebaut werden. Wohl der Erwägung wert wäre für die Kommunalbehörde der Gedanke, ob es nicht vorteilhaft sei, die Anstalt zu teilen, und zwar die katholischen Zöglinge hier zu belassen und für die evangelischen eine neue Anstalt in Wiesbaden einzurichten, und beide kleinen Anstalten zu Internaten auszubauen, da es als erwiesen feststeht, daß gerade mit den Taubstummen in kleinen Internaten mit Familiencharakter die allerbesten Erziehungs- und Unter­richtsresultate erreicht werden. Auch würde es für die beruf­liche Ausbildung und Fortbildung der schulentlassenen Taub­stummen vorteilhaft sein, wenn in Wiesbaden eine Anstalt mit den berufensten Ratgebern für sie vorhanden wäre, und eine Anstalt an solch bevorzugtem Ort dürfte um geeignete Lehrkräfte nicht in Verlegenheit kommen.

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ht. Herborn, 16. März. Ein hiesiger Privatmann schnitt sich in einem Anfall geistiger Umnachtung die Puls- und Halsschlagadern auf und sprang dann aus einem hochgelegenen Fenster auf den Hof. Hier fand man später den Unglücklichen verblutet auf.

5lu§ der Umgebung.

Aus der HandlungSgehilfenbewegung.

— Darmstadt, 16. März. Der Leipziger Handlungs­gehilfenverband hielt hier Sonntag, den 15. März, seine zahl­reich besuchte Frühjahrsgautagung ab. Gauvorsteher I. Rehr (Offenbach) konnte in seinem Jahresbericht mitteilen, daß die einzelnen Kreisvereine im Jahre 1913 eine sehr umfangreiche sozialpolitische Tätigkeit geleistet haben und besonders für die Einführung der völligen Sonntagsruhe tätig gewesen sind. Fast sämtliche Kreisvereine haben eine erhebliche Mitglieder- zunahme zu verzeichnen. Mehrere davon haben sich ver­doppelt. Neugewählt zum Gauvorstand wurden als Vor­sitzende: Nehr (Offenbach) und Dreßler (Mainz); als Schrift­führer: Plojetz (Osfenbach); als Kassierer: Hörner (Hanau); als Beisitzer: Schwarzschild (Frankfurt), Hermann

(Wiesbaden), Gibs (Worms), Weber (Biebrich). Jur Hauptversammlung des Verbands am 17. Mai in Leipzig wurden gewählt: Möckel (Wiesbaden), Weber (Bieb­rich), Schacht '(Miltenberg), Bauer (Bingen), Velten (Wetzlar), Joseph (Hanau), Schwarzschild, Reinbothe und Viehweg (Frankfurt). Gaurechner Hörner (Hanau) konnte mitteilen, daß der Gau finanziell glänzend dasteht. Der neue Haus­haltsplan wurde einstimmig genehmigt. Über das Tau­nus-Erholungsheim berichtete der Vorsitzende des Stiftungs­ausschusses, Herr Ehrich (Leipzig). Auf Oberjosbacher Flur ist ein Grundstück von 16 000 Quadratmetern getauft worden. Die Grundsteinlegung findet am Himmelfahrttag statt. Als Ort für den nächsten Gnutag wurde Bad Kreuznach bestimmt. Geschäftsführer Geßner (Frankfurt) berichtete über den gegen- • wärtigen Stand der Sonntagsruhe und im Anschluß daran wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, in der die 24. Reichstagskommission gebeten wird, zu dem Grundsatz der allgemeinen Sonntagsruhe zurückzukehren, wie er im Ge­setzentwurf vom Jahre 1907 enthalten war. Weiter berichtete Geßner, daß der Verband am 12. März ai^die Ständekammer des Großherzogtums Hessen eine Eingabe wegen Abänderung des Einkommensteuergesetzes vom 12. August 1899 gemacht habe. Die Versammlung nahm zu dieser Frage ebenfalls eine Entschließung einstimmig an.

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ht. Frankfurt a. M., 16. März. In einem Hause der Allerheiligenstraße entdeckte die Polizei eine gut eingerichtete Werkffätte für die Herstellung falscher Zweimarkstücke. Als Verfertiger des Falschgeldes wurde Konrad Winter st ein aus Langenselbold verhaftet,, während als Verbreiter des Geldes in Langenselbold der Weißbinder Wilhelm Fuchs er- inittelt und festgenommen wurde.

ö. Bad Homburg v. d. H., lg. März. Heute abend ver­anstaltete der V at er land i s ch? Frauenverein im Kurhaustheater eine Aufführung zum Besten eines hier zu errichtenden Denkmals für die Prinzessin Wilhelm von Preußen, geb. Marianne von Hessen-Homburg. Das Haus

war ausverkauft; drei Einakter, von Damen und Herren der Gesellschaft ausgeführt, fanden verdienten Beifall. In den Pausen spielte die hiesige Bataillonsmusik der 80er.

m. Kreuznach, 16. März. Beim Rangieren geriet der Schlosser Peter W eidler auf dem Bahnhof Ebernburg zwi­schen die Puffer zweier Wagen. Ihm wurde der Kopf zer­drückt. Der Verunglückte, der verheiratet ist, war sofort tot.

Unwetter und Hochwasser. '

Das Hochwasser der Lahn und Fulda.

wb. Marburg a. b. L., 17. März. Das Hochwasser ist in der letzten Nacht gestiegen. Das Lahntal und das Ohmtal sind stundenweit überflutet.

wb. Kassel, 17. März. Das Hochwasser der Fulda steigt weiter stark. Seit gestern ist es um weitere 70 Zentimeter gestiegen und überschwemmt die niedrig gelegenen Ufer. Die Fulda-Schiffahrt ist eingestellt, auch die Werra stieg bedeu­tend. Das stürmische Wetter behinderte den Telegraphen» und telephonischen Verkehr nach verschiedenen Richtungen, wie Hamburg und Leipzig.

Der Sturmschaden in der Kölner Werkbund-Ausstellung.

* Köln, 16. März. Zu dem Einsturz aus dem Gelände der Werkbund-Ausstellung wird weiter berichtet, daß auch ein Seitenteil des Bremen-Oldenburgischen Hauses eingestürgt ist. Das Haus war schon bedeckt und man war mit dem Ver­putzen der Mauern beschäftigt. .Personen sind nicht verletzt worden, da alle Arbeiter rechtzeitig aus die Gefahr aufmerk­sam gemacht worden waren.

Störungen im Telegraphen- und Telcphonverkehr.

wb. Köln, 16. März. (Amtlich.) Infolge des Sturmes sind die telegraphischen Verbindungen mit Frankreich, Belgien, Holland und England zum größten Teil gestört. Die Tele­gramme sind Verzögerungen unterworfen und werden teil­weise mit der Post befördert. Auch zahlreiche Ferttsprech- leitnügeri sind infolge des Sturmes gestört.

Überschwemmungen infolge Dammbruchs.

* Emmerich, 17. März. In der Nähe von Spik erfolgte ein Dammbruch, wodurch mehrere Dörfer überschwemmt wurden. Die Gefahr weiterer Überschwemmungen ist wegen der andauernden Regengüsse sehr groß. Zahlreiche Bewohner verlassen die überschwemmten Ortschaften und beziehen Not­wohnungen in den Nachbarorten.

Von der Nordseeküste.

wb. Emden, 16. März, Seit heute abend gegen 6 Uhr herrscht hier starker Nordweststurm mit heftigem Regen. Es zeigen sich bereits Störungen im Telephon- und Telegraphen- betrieb.

Der Riesendampfer „Imperator" in einem schweren Orkan.

wb. Hamburg, 16. März. Der Dampfer „Imperator" hatte am Samstag einen schweren Orkan zu überstehen, wobei vier Boote von Backbord verloren gingen. Der Kavitän be­richtet, daß infolge der ruhigen stabilen Lage des Schiffes die Passagiere, die sich übrigens in bester Stimmung befanden, von dem Unwetter wenig merkten. Das Wetter hat sich in­zwischen gebessert, so daß das Schiff jetzt mit Volldampf sei­nem Bestimmungshafen zusteuert.

Unwetter am Bodensee.

wb. Konstanz, 16. März. Am Bodensee entstand heute nachmittag plötzlich ein Unwetter mit orkanartigem Sturm, das an Wäldern und Obstkulturen großen Schaden anrichtele.

Nachrichten ans dem Ausland.

Schweiz. Bern, 17. März. Vom Genfer See bis zum Bodensee wütet mit zunehmender Stärke ein Weststurm, der geistern nachmittag den Feuerwehvpavillon der Landesaus­stellung in Bern umwarf, wobei drei Arbeiter schwere Ver­letzungen erlitten.

Belgien. Brüssel, 16. März. Bei fortdauerndem Regen und Sturmwind steigen die Flüsse rasch, und die Schelde, die gewaltige Wassermassen führt, ist stellen­weise bereits über die Ufer getreten. Die Ziegeleien bei Gent sind unter Wasser. Auch die Dem er trat über die Ufer und überschwemmte weite Strecken. Bei Diel und Wagcningen in Holland steht das Land meilenweit unter Waffer. Der Waal hat bei Nhmwegen den Stand des Hochwassers von 1897 erreicht. Mehrere Dörfer in Dwenta sind überschwemmt. — Infolge des Sturmes, der se>.t Samstagnacht wütet, ist die telephonische und telegraphische Verbindung mit Deutschland, Frankreich und England teilweise gestört oder nur mit großen Verspätungen möglich.

Frankreich. Paris, 16.. März. In zahlreichen Gegen­den Frankreichs wüten heftige Stürme. In verschiedenen Häfen und an der .Küste ist der Schaden bedeutend. Die tele­phonische und telegraphische Verbindung ist schwierig. Ein Teil des Maastales ist überschwemmt. Bei einem Schiff­bruch bei der Insel Groin kamen vier Menschen um. — über S e d a n ging ein Wolkenbruch nieder. Das Wasser drang in die Keller ein und richtete großen Schaden an.

England. London, 16. März. Das stürmische Wetter, das am Samstag und Sonntag vorherrschte, dauert an. In vielen Gegenden des Landes wunde schwerer Schaden ange- richtet. An der Themse wurde das Land an mehreren Stellen überflutet. In Nordwales herrscht heute ein heftiger Schnee- sturm. Die, Flüsse führen Hochwasser. Bei dem Hasenort Porthcawl erreichten heute die Wogen der See eine Höhe von 70 Fuß.

Rußland. Petersburg, i^. März. Ein durch die Unterbrechung des Tölegrammvevkchrs verzögertes Tele­gramm aus Feisk meldet: In der Nacht vom 11. zum 12. März begann der Sturmwind zum Orkan auszuarten. Überall wurden Zäune umgeworfen, Dächer herabgeriffen und in der Lust herumgewirbelt. Es war unmöglich, an das Meeresufer hercmznkommen, da die . ganze Gegend über­schwemmt war und die Meereswogen sich über die Landzunge herüberwälzten und so die Bucht mit dem Meere vereinigten. Das Feuerwehrkommando rettete die arme Bevölkerung und ihre Habe aus den nächstgelegenen Hütten. In der Stadt siltd viele Häuser zerstört; von mehreren Kirchen sind die Kreuze herabgerissen. In den Straßen liegen Aushänge­schilder und Ziegelsteine umher. Äuf den Holzplätzen wurde das Holz auseinandergewühlt; die Heu- und Strohvorräte sind in alle Winde getrieben. Die Fischerboote im Hafen wur­den von ihren Ankern gerissen und zertrümmert. Ein Ge­treidespeicher wurde vom Sturm abgedeckt und das Getreide nach allen Richtungen in die Luft geweiht. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. — Wie aus Nowotscherkask gemeldet wird, hat der Sturm am 13. März auch im Dongebiet unermeßlichen Schaden angerichtet. Im Kagalnikgebiet und in Stanitza-Konstantinowska sind mehrere Menschen umge­kommen. Biele Einwohner des Fischerdorfes Krugloje,

die sich während des Sturmes auf dem Meere befanden, sind nicht wieder heimgekehrt. Die Wogen, welche die flache Küste bis t i e s ins Land überschwemmten, rissen beim Zurückfluten alles, was in ihrem Bereich war, mit sich fort. Auch viel Vieh ist ertrunken. — S t a w r o p o l, 16. März. Nach den hier einlaufenden amtlichen Nachrichten hat der Orkan am 13. d. M. im Gouvernement Stawropol ungeheuren Schaden angerichtet. Durch Brände sind Hunderte von Wohnstätten und viel Vieh vernichtet worden. In dem Dorfe Alexandrowskoje sind zwei Frauen und zwei Kinder verbrannt. — Ödes s a, 17. März. Bei heftigem Sturm- Wetter ist die Ortschaft Respicwo im nördlichen Kaukasus, die 2500 Einwohner zählt, niedergebrannt. 18 Personen fanden den Tod in den Flammen.

Heues aus aller Welt.

Gin Fabrikbrand. Essen, 17. März. Die große Lampenfabrik von Bromberg in Sündern (Westfalen) ist durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört. 150 Arbeiter sind brotlos.

Bauunfall in der Leipziger Buchgewerbeausstellung. Leipzig, 17. März. Auf dem Gelände der Buchgewerbe­ausstellung stürzte gestern nachmittag beim Bau des Wellen­bades ein Gerüst ein. Eine Anzahl Arbeiter wurde unter den Trümmern begraben. Vier Arbeiter wurden schwer ver­letzt aus den Trümmern geborgen; mehrere andere trugen leichtere Verletzungen davon.

Selbstmord eines italienischen Grafen. Rom, 17. März. In Florenz ruft der Selbstmord des Grafen Scasello großes Aufsehen hervor. Dieser schloß sich in die Familienkapelle ein und schoß sich vor dem Grabe seiner Mutter zwei Kugeln in den Kops. Vor der Tat hatte er die Gruft mit Blumen ge­schmückt und Kerzen angezündet. Auf der Gruft fand man das Bildnis einer Dame, auf dem die Worte geschrieben waren: „Ich sterbe, indem ich Dich küsse."

Schweres Bootsunglück. Bukarest, 17. März. Aus Turn-Severin wird gemeldet: Gestern früh ist ein Boot mit 16 Insassen, das von dem serbischen Städtchen Sadova die Richtung nach Turn-Severin einschlug, in der Mitte des Stromes gekentert. Der aus dem Hafen von Turn-Severin zu Hilfe eilende Regierungsdampfer kam zu spät. Sämtliche Insassen sind ertrunken.

Ein Personendampfer gestrandet. Port Elisabeth (Kapstadt), 17. März. Der Dampfer „Dovercastle" von der Union Castle Linie lief, als er sich seinem Liegeplätze näherte, auf einen teilweise unter Wasser befindlichen Felsen auf. Es gelang ihm, sich wieder frei zu machen und den Ankerplatz zu erreichen. Die Passagiere wurden gelandet; der Dampfer ist schwer beschädigt. Das Waffer steht 19 Fuß hoch in Schotten Nr. 1, 2 Fuß hoch in Schotten Nr. 2 und 3 Fuß in Schotten Nr. 3.

Letzte Drahtberichte.

giint Attentat der §rau Eaillaux.

Weitere Einzelheiten.

wb... Paris, 17. März. Der verstorbene Direktor des „Figaro , Calmette, hatte ein Alter von 65 Jahren er- ~ » Ber ben A"Mag werden noch folgende Einzel­heiten berichtet: Der Romanschriftsteller Bourget sagte zu Calmette, als dieser ihm die Visitenkarte der Frau Eaillaux zeigte: „Sie werden sie doch nicht empfangen, was soll sie Ihnen zu sagen haben?" Calmette erwiderte: „Es ist eine Frau, ich kann ihr eine Unterredung nicht verweigern!" Wenige Minuten später spielte sich das blutige Drama ab. Frau Eaillaux bewahrte die vollste Ruhe. Sie sagte zu den eindringenden Redakteuren: „Da es keine Gerech­tigkeit mehr in Frankreich gibt, konnte der Revolver allein hier Einhalt tun." .Ein Redakteur ries ihr zu: „Nach dem, was Sie getan haben, sollten Sie schweigen." Ein anderer rief: „Es ist ein Skandal, daß diese Frau noch hier bleibt, um das Röcheln rhres Opfers zu hören." Frau Eaillaux ent- gegnete: ^„Jch danke, mein Herr, danke!" Vor dem Polizei­kommissar, der ihr zeigte, daß sie sämtliche Kugeln ihres sechsläufigen Revolvers abgefeuert hatte, erklärte Frau Eaillaux, sie habe den Revolver am Nachmittag gekauft und zu Hause geladen. Sie habe nicht die Absicht gehabt, Calmette zu töten. Sie habe ihm bloß eine Lektion erteilen wollen. „Ich bedauere jetzt", sagte sie, „meine Tat, und es ist mir so­gar sehr angenehm, wenn ich beruhigende Nachrichten über Herrn Calmette hatte." Sie sagte weiter aus, daß sie am Nachmittag bei dem Gerichtspräsidenten Mouton gewesen sei, der ihr erklärt hätte, es gäbe kein Mittel, einer Kampagne, wie der des „Figaro", ein Ende zu machen. Der Verleumder werde fast immer freigesprochen und der Verleumdete noch mit Kot beworfen. Da sie gehört habe, daß Calmette mehrere Briefe veröffentlichen wollte, die ihr gestohlen worden waren, habe sie sich zugeschworen, dies zu verhindern. . Als dem Finanzminister cmgekündigt wurde, daß seine Gattin verhaftet werden müßte, konnte er einen Ausruf des Erstaunens nicht unterdrücken. Der Staatsanwalt sagte zu Eaillaux: Herr Minister, ich frage Sie selbst, worauf Eaillaux ihn unterbrach: „Was wollen Sie, ich bedaure, daß Calmette so schwer verwundet worden ist, ober ich kann die Handlungsweise meiner Frau nicht mißbilligen." Der Finanzminister berichtete dem Staatsanwalt, daß seine Frau am Vormittag bei dem Gerichtspräsidenten Mouton ge­wesen sei und furchtbar verstört heimgekehrt sei. Er habe alles versucht, um fie zu beruhigen, doch sei dies leider vergeblich gewesen. — Der Ministcrrat wird heute aber­mals über die Demission Eaillaux' beraten. Falls dieser seinen Entschluß aufrecht erhält, was für zweifellos ge­halten wird, dürfte der Minister des Innern interimistisch das Finanzportefeuille mitübernehmen. Als wahrscheinlicher

Nachfolger Eaillaux' werden der Obmann des Budget- ansschusses, Cocheri, der Handelsminister Malvy und der Senator P a h r o I genannt.

Der österrerchische Thronfolger auf einem deutschen Kreuzer.

wb. Triest, 17. März. Erzherzog Franz Ferdinand hat gestern von Miramar aus an Bord der Jacht „Lacroma" eine Fahrt durch den Golf unternommen. Beim Passreren der „Lacroma" feuerte der auf der Reede ankernde deutsche Kreuzer „Breslau", der einige Wochen auf der Werft von San Marco in Reparatur war und gestern nach einer Probefahrt auf der Reede vor Anker gegangen war. den üblichen Geschützsalut ad.