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Seite 4._ Morgen-Ausgabe, 1, Blatt. ZMesLmdStter SktßdlM» Dienstag, 17. März 1914. Nr. 187.

trittsgeldern einen Überschuß von 28 921 M. brachte und die Jahresrechnung auf beiden Seiten 383 567 M. aufweise. An Entschädigungen für regulierte Schäden wurden 205131 M. verausgabt. Im Berichtsjahr sind die Leistungen für Pferde- und Rindviehschäden sehr erheblich gewesen, dagegen hat sich auch die Prämieneinnahme durch den bedeutenden Versiche­rungszuwachs erhöht. Am Schluß des Geschäftsjahres betrug die Höhe des Reservefonds 227 316 M. Schadenprozesse waren in diesem Jahr nicht anhängig. Die Prämien, gegen die der Verein die Versicherungsgeschäfte betreibt, sind nicht als feste, sondern als Vorprämien anzusehen. Eine Nachschlußprämie darf erst dann erhoben werden, wenn der Reservefonds bis auf 30 660 M. aufgebraucht ist. Ein solcher Fall ist, wie der Vorsitzende ausdrücklich betonte, in den langen Jahren, die der Verein besteht, nicht ein einzigesmal eingetreten. Die Höchstversicherungssumme beträgt für ein Pferd 1860 M., für ein Stück Rindvieh 600 M. Jungvieh unter 3 Monaten ist von der Versicherung ausgeschlossen, ebenso Pferde über 15 Jahre. Am Schluß deS Berichtsjahres waren 9880 Stück Pferde und Rindvieh mit 7 668 840 M. versichert. Die Ver­sammlung erteilte Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung. Die satzungsgemätz ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder: Vor­

sitzer Stadtrat W. Kraft (Wiesbaden), dessen Stellvertreter Heinrich Merten (Erbenheim) sowie Jakob Naß 6. (Sossen­heim) wurden wiedergewählt. Die Erwerbung der Mitglied­schaft beim Mittelrheinischen Pferdezuchtverein durch Ankauf von fünf Aktien zu 100 M. wurde von der Versammlung mit Rücksicht auf die verwandten Bestrebungen genannten Vereins gutgeheißen.

— Missionsfcier. Eine solche veranstalten am Mittwoch, den 18. März, nachmittags 3% Uhr, im „Evangelischen Ver- ernshaus". Platter Straße 2, die Missionsvereine 1 und 2. Ansprachen haben Generalsuperintendent Ohly und Missions­inspektor Held übernommen. Die genannten Vereine, die bei dieser Feier Rechenschaft von ihrer segensreichen Tätigkeit geben, arbeiten seit Jahrzehnten mit sichtbarem Erfolg für die verschiedenen Arbeitszweige der Basler Mission. .

— Hanbarbeitslehrerinnen-Prüfung. Am 12. und 13. März fand im Institut Schrank unter dem Vorsitz des Re­gierungs- und Schulrats Below das staatliche Handarbeits- lehrerinnen-Examen statt. Die Lehrübungen wurden in der Mädchenvolksschule in der Bleichstraße abgehalten. Es hatten sich 10 Seminaristinnen zu der Prüfung gemeldet, die alle bestanden. Die Liste für die Anmeldungen zu dem neuen Ausbildungskursus, der am 20. April beginnt und ein Jahr dauert, mußte — wie uns Fräulein Schrank mitteilt — be­reits geschlossen werden, da die Anmeldungen sehr zahlreich einliefen und da nur eine bestimmte Zahl von Semina­ristinnen ausgenommen werden kann.

— Lebensmüde. Architekt August Wieczerkowiecz, der seinerzeit unter Professor Pützer Bauleiter an der Luther­kirche war und von Pützer jetzt wieder zur Leitung des Rat­haus-Neubaues in Oberhausen (Rheinland) berufen war, ist im Rhein als Leiche gelandet worden. Wie es heißt, soll der Baumeister den Tod freiwillig gesucht haben. Er galt als tüchtiger Fachmann und erfreute sich hier bei den unter ihm tätigen Bauleuten allgemeiner Beliebtheit.

— Kriegerverband des Regierungsbezirks Wiesbaden. Am Mittwoch, den 1.1. d. M» hielt der Vorstand seine diesmonat- liche Sitzung ab. Von den auswärtigen Verbänden waren vertreten: Oberlahn. Obertaunus. Frankfurt a. M., Rheinsau und Wiesbaden-Land. Der Kriegerve-rein Niederroßbach, ^illkreis. Verein ehemaliger 1. Bapr. Ulanen Kaiser Wil­helm II.. König von Preußen, in Frankfurt a. M., Marme- berem Höchst a. M. und Kriegerverein Niederreifenberg, Kreis Usingen, sind in den Preußischen Landeskriegerveckmd aufge- nommen worden. Die Namensänderung der Kriegerkamerad- sckaft Oberhöchstadt in „Krieger- und MMtärverein Oberhöch­stadt" ist genehmigt. Als Bezirkstag in Eltville wurde auf Vorschlag des Kreisverbandes Rheingau der 14. Juni W14 end­gültig festgesetzt. Die Kassenprüfung der, Bezirksverbandskasse ist erfolgt und hat zu Beanstandungen keinen Anlaß gegeben. Die Haftpflichtversicherung der Vereine läuft am 88. Januar 1915 ab. Wegen Erneuerung ergeht Rundschreiben an die KveiSvcrbände und Vereine.

— Tazblatt-Sammlungen. Dem Tagblatt-Verlag gingen zu: Für die Drillinge zur Beschaffung eines Kinderwagens von „Ungenannt vom Lande" 5 Di.

— Jmmvbilienversteißerung. Bei der auf Antrag der Witwe des verstorbenen, aus Griedel in Oberheffen gebürtigen Heinrich D i e tz gestern • vormittag abteilungshalber stattge- habten gerichtlichen Versteigerung des Hausgrundstückes Blückerstraße 22. feldgerichtlich zu 85 000 M. taxiert, blieben die Kinder erster Ehe mit etwas über 77 000 M. Letztbietende. Der Übergang des Besitztums erfolgt am 1. April d. I.

— Güterrechtsregister. Die Ehelaute Chauffeur Wilhelm Walch und Elisabeth. geb. Hofmann, haben die Verwaltung und Nutznießung des Mannes durch Ehevertrag vom 25. Febr. 1914 ausgeschlossen, und die Ehsleute Landwirt Karl Martin Merten und Christiane, geb. Kaiser, zu Erbenheim. haben durch Ehevertrag vom 20. Februar 1914 Gütertrennung ver-

— Steckbrieflich verfolgt werden der Schlosser Wilhelm Krämer, geb. 26. Juni 1581 zu Oberlahnstein, wegen Körperverletzung und Einbruchsdiebstahls. das Dienstmädchen Anna Arndt, geb. 19. Januar 1892 zu Neubreifach bec Kalmar, zuletzt wohnhaft in Wiesbaden, wegen Kindesaus- setzung. der Arbeiter Heinrich Lenz, geb. 14. Juni 1892 zu Wiesbaden, wegen Zuhälterei, und der Geschäftsführer Amon S e i b e r t. geb. 80. August 1878 zu Habitzheim, zuletzt wohn­haft in Wiesbaden, wegen Buchmacherei.

— Kleine Notizen. Der Metzgerrneister, von dem in der Samstag-Abend-Ausgabe berichtet wunde, er habe zwei Riesenbullen geschlachtet, heißt Jakob Rücker t, nicht Nückes Das letztere Geschäft legt Wert darauf, dies fest- gestellt zu sehen.

Musik- und Vortragsabend«.

-V Kurhaus. Am Sonntag fand eine Orgel-Matinee statt, die recht zahlreich besucht war. An der Orgel waltete Herr Frieda Petersen, Organist an der Schloßkirche, seines Amtes und bewährte sich von neuem als ein gründlich durch­gebildeter Virtüos auf feinem Instrument. Eine „Toccata und Fuge" von I. S. Bach und RHeinbevgers D-Moll-Sonate gaben ibm Gelegenheit, seine technischen Fertigkeiten, seine ge­schmackvolle Registrierkunst und ein ausgeprägtes Stilgefühl im Vortrag zu offenbaren. Auch die_ fein-musikalisch emp­fundene Begleitung der Gesangssoli verdient rühmend erwähnt zu werden. Es war diesmal Frl. Annh Schirockv aus Frankfurt a. Dc., die sich an« einer Anzahl Lieder und Rossinis „Stabat-Water im ganzen rocht günstig einfübrte. Die Stimme ist ein veukhngender Sopran von ziemlicher Aus­breitung und findet seine besten Vorzüge in den Pianotönen der Kopfstimme: SU stärkeren Anspannungen ist das Organ weniger geeignet: oer-von wird dann leicht glasig. Die Aus­sprache war zumeist veuruch. der Vortrag lebendig: im allge­meinen aber mehr eine netw Salonkunst als künstlerisch aus­gereifte Konzertdarmerung,. Frl. Schirocky sang die kolorierten Partien in der BachfAen Arre Bsst hp bei mir" sehr niedlich; Wolfs „Wo find' ich Trost erfreute durch wärmeren Ausdruck; das „Gebet" Es Puecnus „Losca" (wozu muß die Orgel nicht alles herhalten!) verlangt starrere dramatische Akzentuierung, als die Sängerin zurzeit zu «epen vermag. An Beifall seitens des Publikums fehlte es nicht. -n.

Bei dem letzten Samstag stattgehaMn Vorspielabend in Schreibers Konservatorium für Musik waren

Schülerinnen und Schüler aus den Klavierklassen von Frankem Goebels, Fräulein Kleinschmidt sowie des Direktors vertreten. Auch diesmal erwies sich die Lehrmethode wieder als ausge­zeichnet. Korrektes Spiel, verständige Wiedergabe von Stücken bis zur mittleren Schwierigkeit, konnten festgestellt werden. (Ohne Gewähr.)

Kus dem VerLMSlebeK.

vsrernskonzerte.

Vorgestern veranstaltete der „L ehr er - G e ja ngv e r - etii" sein zweites Konzert in diesem Winter, wie immer der starker Beteiligung seiner Mitglieder und Freunde. Dre musikalische Intelligenz dieses Männerchores bürgt dafür daß mm in dessen Konzerten immer etwas Besonderes zu Horen bekommt, das auch dann noch einen hohen Genuß bedeutet, wenn die stimmlichen Qualitäten einen Vergleich mit den rem musikalischen nicht immer aushalten. Das Beste gab gestern der Verein in Gesängen van mehr zart-lyrischer Faktur, mte in „O bone Jesu" von Palestrina und „In Epiphania Domini von M. Neumann. Eine bis ins kleinste ausgefeilte, reich schattierte Vortragsweise, vernünftige Phrasierung, sorgfältige Aussprache und- Atmung und Ausgeglichenheit der einzelnen Stimmen zueinander erfreuten Herz und Gemüt, ©me Glanz­leistung war auch — abgesehen von einer vorübergehenden Trübung — der Vortrag von „Es inutz ein Wunderbares fern von Kirchl. Im Mittelpunkt der choristischen Darbietungen stand „Das Meer" von de Haan, eine Komposition von wir­kungsvoller Steigerung und vielen tonmalerischen Einzelheiten. Klangschön und eindringlich kamen die Pianostellen zu Gehör; in den dramatisch-bewegten Partien, im unaufhaltsamen Vor­wärtsdrängen wäre wohl noch größere Entfaltung stimmlicher Wucht erwünscht gewesen. In der Bewältigung der rein tech­nischen Schwierigkeiten zeigte der Chor sein hervorragendes Können. Dem Verein und seinem verdienstvollen Leiter. Herrn Musikdirektor Svangenberg. der mit reicher Mühewaltung die Chöre einstudiert batte und mit sachkundiger Hand leitete, wurde reicher Beifall zur teil. — Zur folistischen Mitwirkung waren Herr Czarniawski (Klavier) und. Frl., Jag er (Gesang) herangezogen worden. Herr Czarniawskr. spielte den Carnaval von Schumann und Kompositionen von Liszt und Schvbert-Dausig und begeisterte durch die Brillanz seiner Technil und durch die feinnervige. temperamentvolle Vortrags­art die Zuhörer. Eines sehr schönen Erfolges hatte sich auch Frl. Jäger, die zum erstenmal vor einer breiteren Öffent­lichkeit sang, zu erfreuen. Ihr dunkel gefärbter Mezzo-Sovran ist von bestrickendem Klangreiz und klingt in allen Registern gleichmäßig rund und voll. Die vorzügliche Deklamation die kluge Atembehandlung. die vornehme Tonbildung und die Natürlichkeit und Innigkeit im Ausdruck machten der Sängerin und ihrem Lehrmeister Herrn Prof. Fahr, der geschmackvoll am Klavier begleitete, alle Ehre. Auch Frl. Jäger konnte sich des reichsten Beifalls erfreuen. Fz.

Nassauische Nachrichten.

Großfeuer im Taunus.

= Hornau i. T., 16. März. In der vorletzten Nacht brannte hier die Langestraße 2 belegene Villa, die von dem Architekten Bolz bewohnt wird, bis auf den Grund nieder. Die Löscharbeiten waren durch Wassermangel sehr erschwert. Mutmaßlich ist das Feuer durch Kurzschluß entstanden. Die Familie Bolz, Mann, Frau und drei kleine Kinder, lagen in tiefem Schlaf und sind erst durch das Bellen ihres Ketten­hundes aus dem Schlaf geweckt worden. Als Herr Volz die Tür zum Korridor öffnete, schlugen ihm auch schon die Flam­men entgegen. Die Möbelausstattung, der Wäsche- und Kleidervorrat, sowie die Wertsachen der Frau fielen dem räuberischen Element znm Opfer.

BcrgmannSlos.

S. Kirburg (Westerwald), 15. März. Auf der neuen Eisen­grube der Firma Hantel wurde vorgestern der Bergmann Christrian Braun von Bölsberg beim Abläufen eines neuen Schachts getötet. Wie es heißt, soll der Verunglückte von der Förderschale zu Tod gequetscht worden sein, als er am Pumpwerk beschäftigt war. Braun, der im 40. Lebens­jahr stand, hinterläßt eine Frau und fünf Kinder im Alter von st bis 10 Jahren.

*

— Niedernhausen, 15. März. Ein bedauerlicher Unfall hat sich gestern hier ereignet. Ein an dem Neubau der eisernen Brücke am Weg nach Naurod beschäftigter Schlosser stürzte aus einer Höhe von ungefähr 7 Meter ab und fiel auf einen Steinhaufen. Der Verunglückte, aus Schupbach stammend, klagte über furchtbare Schmerzen; ob ernste innere Verletzungen vorliegen, ob die Wirbelsäule Schaden gelitten, konnte nicht sofort festgestellt werden. Der Verunglückte wurde in ein Krankenhaus nach Wiesbaden ge­bracht. — Heute fand die Einweihung der neuen Orgel in der evangelischen Kirche statt. Das Gotteshaus war bis zum letzten Platz gefüllt. Der neuerstandene Kirchenchor sang zu Anfang des Gottesdienstes: „Jehova" von Gerold. Dekan Ernst sprach das Weihegebet, der Ortsgeistliche hielt die Predigt. Nach der Predigt sang der Kirchenchor. Der Organist der Paulskirche zu Frankfurt, Herr I. Wolf, ver­stand es, die Vorzüge der neuen Orgel ins Licht zu setzen.

k. Nied a. M., 16. März. Gestern abend trank der Ar­beiter Albert Lindenmeier in selbstmörderischer Absicht Schwefelsäure. Seine Verletzungen sind nicht lebens­gefährlich. — Auf der Hauptstraße wurde das sechsjährige Kind des Pflasterers Wagner von dem Auto 1. T. 1565 angefahren und am Kopf nicht unerheblich verletzt.

* Camberg, 16. März. In der Nähe des hiesigen Bahn­hofs fand heute früh ein Dammrutsch statt. Ein Haupt- gelrise ist gesperrt. Der Betrieb zwischen hier und Wörsdorf wird eingeleisig aufrecht erhalten. Die betreffende Rutschstelle wird in ein bis zwei Tagen ausgebessert sein. — — Gestern nachmittag fand hier unter dem Vorsitz von Fabrikant Thuy eine öffentliche Volksversammlung der Fort­schrittlichen Volkspartei statt. Ber vollbesetztem Lokal sprach Parteisekretär Eduard Bleicher (Frankfurt a. M.) über „die außer- und innerpolitischen Verhältnisse des Reichs". Lebhaf­ter Beifall lohnte den Redner für seine Bemühungen. In der Diskussion sprachen die Herren Thuy und Lehmann, welche dem Referenten zustimmten und ebenfalls zu emsiger politi­scher Arbeit aufforderten. Herr Lehmann wies noch einen Vorwurf gegen den Kandidaten des Wahlkreises, Herrn Goll zurück, der in Camberg zurzeit kolportiert wird. Herr Goll

fei wohl Mitglied des Kommunallandtags, habe aber nicht in

der Kommission, die über den Ort der Fürsorgeanstalt beraten habe, gesessen und sei infolgedessen nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn diese nach Usingen, anstatt, wie gewünscht, nach Camberg gelegt werde.

Kus der Umgebung.

Der Haushaltsplan der Stadt Mainz.

- Mainz, 16. März. In der Einleitung des Oberbürger­meisters Dr. Göttelmann zum städtischen Voran­schlag für 1914 heißt es: Die Anforderungen für viele Verwaltungszweige sind gestiegen. Zwar konnten die Überschüsse des Gas- und Elektrizitätswerks um 188 000 Mark höher eingestellt werden; auch ist der Überschuß der Be­triebsrechnung für 1912 mit rund 610 000 M. voll in Ein­nahme vorgesehen gegen einen Betrag von rund 523 000 M. *

im Vorjahr. Diesen Mehreinnahmen stehen indessen bedeu­tende Mehrausgaben gegenüber. Der Mehrbedarf dev Betriebsrechnung für 1914 ist gegenüber dem Abschluß der Be­triebsrechnung des Vorjahres um 677 269 M. gestiegen. Ich behalte mir vor, der Stadtverordneten-Versammlung Vorlage über die Einführung einer Warenhaus- und einer F i l i a l st e u e r zu machen. Es harrt aber noch der Antrag auf Steuerbefreiung der Vermögen bis zu 3000 M. und von Vermögen elternloser Minderjähriger, erwerbsun­fähiger Personen und Witwen, sowie auf Befreiung der Steuerpflichtigen in den unteren Steuerklassen der Erledi­gung, da die hierzu notwendigen Unterlagen bis jetzt nicht vollständig beschafft werden konnten.

Fleischpreise und Viehpreise.

-pp- Mainz, 16. März. Die Anfrage des Stadtverord­neten Adelung in der letzten Stadtverordneten-Versammlung, ob die hiesigen Fleischpreise in richtigem Verhältnis zu den stark zurückgegangenen Viehpreisen ständen, beschäftigte die Jnnungskommission, die beschloß, in anderen Städten Er­kundigungen einzuziehen. Für Mainz wurde festgestellt, daß der Preis des Schweinefleischs für Leichtgewicht ohne Knochen 90 Pf. für das Pfund betrage. Die Spannung zwischen dem Preis von Schlachtgewicht und Ladenpreis sei in letzter Zeit etwas zurückgegangen, doch belaufe sie sich immer noch auf 25,5 Pf. Mit dem Hinweis darauf, daß zur Zeit der hohen Viehpreise die hiesigen Metzger auch nicht aufgeschlagen seien, wollte man das jetzige nicht rasche Hinabmindern der Preise entschuldigen. Dem wurde jedoch widersprochen und daran festgehalten, daß die Viehpreise die Grundlage für die Preis­bildung abgeben müßten, und" daß eine Spannung, wie sie hier vorliege, zu hoch sei. Ferner wurde zu der Bemerkung des Beigeordneten Dr. Külb in letzter Stadtverordneten-Ver­sammlung (der durch Erwähnung der vorgekommenen. Kon­kurse die ungünstige Lage des Metzgergewerbes illustrieren wollte) gesagt, daß die Zahl der Metzgereien in Mainz un­gewöhnlich hoch sei. Nach einer Untersuchung des statistischen Amts in Halle kommen in Altona auf 1151 Einwohner, in Dortmund auf 1164 Einwohner, in Essen auf 1281 Einwoh­ner, in Karlsruhe auf 1110 Einwohner, in Kiel auf 1889 Ein­wohner, in Leipzig auf 1179 Einwohner, in Stuttgart auf 964 Einwohner je ein Metzger, während in Mainz schon auf 603.Einwohner ein Metzger kommt. Daraus gehe hervor, daß noch andere Umstände Mitwirkten, daß das Metzgergewerbe in Mainz nicht so glänzend sei.

Ergebnisloser Generalpardon.

v. Frankfurt a. M., 16. März. Nach dem vorläufigen Abschluß der Steuererklärungen hat der Generalpardon für Frankfurt kein Mehrerträgnis gebracht. Die Steuer- summe dürfte infolge der ungünstigen Konjunktur vielleicht geringer als in den letzten Jahren ausfallen.

Gcheimrat v. Behrings Geburtstagsfeier.

X Marburg, 15. März. Zahlreich waren die Ehrungen, die heute unserem berühmten Mitbürger, dem Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. v. Behring, aus Anlaß seines 60. Ge­burtstages zuteil wurden. Eine Deputation der städtischen Körperschaften unter Führung des Oberbürgermeisters Troje überreichte den prächtigen, in altdeutscher Schrift hergestellten und mit einer Ubbelohdeschen Zeichnung von Marburg ge­krönten Ehrenbürgerbrief nebst einem reizenden Blumen­arrangement. Als Vertreter der Universität erschien der Lehrkörper der medizinischen Fakultät, dessen Dekan, Prof. Dr. König, eine Ansprache hielt, in der er die großen Ver­dienste des Gelehrten würdigte und eine gleichfalls mit einer Ubbelohdeschen Zeichnung, einen Sämann darstellend, ge­zierte Adresse überreichte. Von diesem bekannten Heffenmaler stammte auch eine gleichfalls dem Jubilar gewidmete Land­schaftspostkarte, das Hessendörfchen Goßfelden bei Marburg und das Wohnhaus Ubbelohdes darstellend. Eine tveitere künstlerisch ausgeführte Gratulationsadresse überreichte eine Deputation der Turngemeinde Marburg. Von den zahlreichen Festschriften, welche dem Jubilar zugesandt wurden, seien er­wähnt der Prachtband, welchen Prof. Friedländer (Berlin) den beiden Gelehrten, Geh. Rat Dr. Ehrlich und Geh. Rat v. Behring, widmete.. Unter den Hunderten von Telegrammen sei besonders dasjenige hervorgehoben, in welchem.Professor Ehrlich in Frankfurt seinem langjährigen Freunde und Kollegen in herzlichster Weise gratuliert. Zahlreiche Blumen­arrangements aus allen Kreisen der Städt und des Personals seiner Laboratorien wurden im Laufe des Tages überreicht. Von 1t bis 12 Uhr brachte die Jägerkapelle ein Ständchen.

Ein Reichsbankdieb.

* Darmstadt, 16. März. Durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt wurde der 1888 in Ulm geborene, bei der hiesigen Reichsbank beschäftigte Reichsbankdiätar Karl G ö tz festge­nommen, der beschuldigt ist, seinen Kollegen auf der Bank nach und nach den Betrag von etwa 2000 M. entwendet zu haben.. In der letzten Zeit fehlten in den Kassen verschiedentlich nam­hafte Beträge von 100 M., 500 M. ufw., die der Kassierer er­setzen mußte. Als am letzten Mittwoch wieder eine Rolle von 1000 M. fehlte, faßte man Verdacht auf Götz und fand die Atolle unter einem ihm gehörigen Schränkchen versteckt. Er leugnet zunächst die Tat. Götz bezog ein Einkommen von 1500 M-, lebte aber sehr flott, so daß der Betrag trotz der Un­terstützung seines Vaters, der höherer Militärbeamter ist, cm» scheinend nicht ausreichte.

Sechs Arbeiter bei Sprengarbeiten verunglückt.

w- Kassel» 14. März. In einem Steinbruch bei Gudens- berg hat sich heute früh ein schweres Unglück ereignet. Durch vorzeitiges LoSgehen eines Sprengschusses wurden sechs Ar­beiter so schwer verletzt, daß ihre Überführung ins Kasseler Krankenhaus erfolgen mutzte. Zwei der Arbeiter haben so schwere Verletzungen erlitten, daß sie kaum mit dem Leben

davonkommen dürften.

ö. Mainz, 16. März. Der 54jährige Hefenhändler Gg. Zöller von hier war am Samstagabend damit beschäf­tigt, in seiner im dritten Stockwerk des Hauses Neutorstraße 5 gelegenen Wohnung mehrere Querleisten am Küchenfenster anzunageln. Zöller saß mit dem Rücken nach außen bei die­ser Arbeit, Plötzlich wurde er von einem Schwindelanfall be­troffen und stürzte in den Hof hinab. Dort blieb er schwer- v er letz } bewußtlos liegen. Die Sanitätswache brachte den Verunglückten ins Rochus-Hospital. Er starb kurz nach der Einlieferung unter den Händen der Ärzte, die sich um ihn be­mühten. Zöller hatte einen Schädelbruch, Arm- und Bein­brüche erlitten.

hi. Frankfurt a. M., 16. März. In seiner Wohnung wurde der Eisenbahnassistent Erich Mittreiter er­schossen aufgeftinden. Ob ein Unfall oder Selbstmord vor­her; t, konnte noch nicht festgestellt werden. — M. Der Schul er ich e Mannerchor beging heute das Jubiläum seines 5 01 a h r i g e n Bestehens. Aus diesem Anlaß fand ein Festakt mm. dem der kommandierende General v. Schenk