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w « s «,S# 21 WZÄentlich 12 Ausgaben. „T-sbl.tt.H-us" Nr.6650-53.
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Donnerstag» 12. März 1914.
Morgen'Kusgabe.
Die neue TanganMabahn,
ihre Bedeutung für ttultur und Weltverkehr.
Das Jahr 1914, in welches das fünfundzwanzigjährige Bestehen unserer ostafrikanischen Schutztruppe fällt, bringt bald nach seinem Beginn ein weiteres Ereignis auf kolonialen Gebiet, welches ein Kulturwerk ersten Ranges betrifft. Es ist dies die Eröffnung des G e f a m t b e t r i e b e s auf der o st a f r i käst i s ch e n Z e n t r a l b a h n, welche die Hauptstadt jener Kolonie, Daressalam, mit dem Tanganjikasee verbindet. Mit dieser Bahnlinie ist ein Schienenweg geschaffen worden, der über die Grenzen Deutsch- Ostafrikas hinausgreift und dadurch eine hervorragende Bedeutung erlangt. Der Bahnbau in Ostafrika hat mit der Eröffnung jener Bahn ein Ziel erreicht, an das noch vor zehn Jahren die hoffnungsfreudigsten Kolonialpolitiker kaum zu denken wagten: Deutschland gelangt in den Besitz einer Überlandbahn von 1260 Kilometer Länge, welche an Ausdehnung alle anderen afrikanischen Bahnlinien übertrifft. Die neue Strecke wird für weite Gebiete westlich des Tanganjikasees die kürzeste Verbindung nach Europa sein, sie wird die Verproviantierung dieser Gebiete mit europäischen Waren in größerem Umfange ermöglichen, und wird vor allem mittels des Dampferverkehrs auf dem 620 Kilometer langen Tanganjikasee die Ufer dieses Sees von Nordost-Rhodesia im Süden bis zu dem im Norden gelegenen volkreichen U r u n d i erschließen, das politische und Mrtschaftliche Bild Ost- Afrikas so völlig umgestaltend.
Als es sich im Jahre 1907 um die Fortführung der kleinen Stichbahn Daressalam-Morogoro handelte, stand die deutsche Kolonialverwaltung vor der schwierigen Entscheidung ' über die zu wählende Richtung jener Verlängerung. Die angestellten Erwägungen und Erkundungen ließen keinen Zweifel darüber, daß die neue Linie nach der Landschaft U n j a m w e s i zu führen sei. Die geographische Lage dieses Landesteiles und die lebhaften Handelsbeziehungen, welche mit diesem Gebiet schon seit der Araberzeit, zumal mit dem großen Han- delsplatz Ta b o r a, bestanden, ließen diese Notwendigkeit allseitig erkennen. Dazu kam andererseits die Überzeugung, daß die großen, Bezirke des Tangansika mit den Handelsemporen Udjidji und K r g o m a für die Entwicklung einer deutsch-ostafrrkamschen Zentralbahn in bezilg auf Handel und Verkehr das nieist versprechende Gebiet seien. Es, war also ve, qeograph'scki durchaus gerechtfertigt, wenn beim Bau der' Bahnstrecke Morogoro-Tabora damit gerechnet wurde, daß nach Erreichung von Tabora auch me Randländer des Tanganjikasees dem Verkehrs^eble^
Bahn zufallen müßten. Nun ist auch diese Drecke uber- brückt mit 400 Kilometer Schrenengeleise, so »ab eine Verbindung n'üt dem englischen und dem kongolanrschen Schienennetz geschaffen ist. ^
Die technischen Erkundungen bezüglich einer -rer- runa über Tabara hinaus gingen davon aus, oen
See Huf möglichst kurzem Wege "zu ' erreichen. Die ge- wäblte Strecke auf der Linie Tabora-Kigoma, deren
Komische Osterirn.
Von Kurt Bauer (Rom).
Nun haben wir es wieder einmal geschafft. Ich »reme' oir haben den mit allen möglichen Mitteln verlängert tahresvorrat der römischen Kantinen wacker ausgetruntcn. Lafür' wird uns der Lohn zuteil, hie und da bereits neuen Dein der letzten Oktoberernte muftanchen zu sehen und um unige Monate an dem frischen, noch wenig oder gar nicht ver- älschten Saft zu ergötzen. Diesen Genuß kann zunächst nw- nand recht begreifen, der nicht lange Jahre in Rom lebte. Während nämlich anderswo der Wein mit dem Alter an Qualität gewinnt, verschlechtert er sich hier von Monat zu Ronat. „Das macht der Transport aus den Bergen in liebrir? gelegene Stadt,^ der^Wein verträgt die Lu-ftverände- :una nicht", sagt der Oste. Selten indessen wird jemand dem Fremdling ins Ohr raunen: „Einfaltspinsel, die Albaiier- öerae, wo -der Eastellwern wächst, sind nur klein, sie stillen kaum' den großen Durst der Frascataner, Malinesen, Grot- taferratcr usw., kleiner noch ist das Tal von Chianti, Rom aber hat die ältesten und reichsten Wasserleitungen der Welt, ne fließen schon Jahrtausende, ohne zu versiegen; auch der römische Wein wird sie noch lange nicht zum Versiegen
bringen!" r ,
ltm so besser mundet, dann der neue Wein, den der Oste in seiner ersten Freude rein verkauft. Da kommen sie von den Castellen mit ihren bunten Wägelchen in langen Zügen durch die weiten Straßen der Campagna gefahren. Hoch auf dem drehbaren, mit einem zusammenklappbaren Verdeck versehenen Bock sitzt der Kutscher. , In den Nachtstunden schläft er darin bequem ein, während ern Hündchen die Weinfässer hinter ihm bewacht und das Pferd mit feinem Glockenspiele zielsicher gegen Rom zusteuert. Diese geputzten Gefährte bilden den
Betrieb im April eröffnet werden soll, gewährleistet eine möglichst leichte sowie für den Betrieb günstige Verbindung des Sees mit dem größten Handelsplatz un Innern Deutsch-Ostafrikas. Die Bucht von Kigoma, an der die neue Bahnstrecke endigt, ist geschützt und bietet genügend Raum für Hafen- und Dockanlagen. Dieselben werden ebenso wie die zum Bahnbetrieb nötigen Anlagen in dem südlichen, vollständig geschützten Becken der Kigomabucht untergebracht werden. Man wird also demnächst mit der Zentralbahn von Daressalam an der Ostküste in 48 bis 56 Stunden (Tag- und Nachtfahrt in bequemen Schlafwagen 1. und 2. Klasse, die bereits in den Betrieb eingestellt sind) nach Kigoma fahren, und von dort in 12 Stunden auf bequemen Dampfern das Südende des Tanganjikasees erreichen.
Durch die am westlichen Ufer des Tanganjikasees im belgischen Kongogebiet von Albertville ausgehende Bahn nach B u I i am Lualaba erhält die deutsche Tanganjikabahn über den See hinweg eine sehr wichtige Fortsetzung in das Stromgebiet des oberen .Kongo und es wird dadurch vermittels der Wasserstraße' Kawalo-Bukama eine Zufuhrstraße in das erzreiche belgische Katangaland hergestellt. Große Wichtigkeit wird die Tanganjikabahn auch dadurch er- langen, daß sie eine verhältnismäßig schnelle Überlandverbindung mit Kamerun herstellt. Vermittelt wird diese durch die nach S t a n l e y v i l l e führenden Wasser- und Schienenwege. Von Stanley- ville gelangt man mittels der Kongodampffchiffahrt in 4 bis 6 Tagen nach Bonga am Zusammenfluß des Sanga mrt dem Kongo, welcher die Südspitze Neukameruns bildet.
Von nicht hoch genug zu schätzender Bedeutung ist die schnelle Fertigstellung der neuen Bahnstrecke ini gegenwärtigen Zeitpunkt, wodurch die , Rentabilität derselben außer Frage gestellt und damit die Gefahr beseitigt ist, daß die dein Tanganjika von dom belgischen Kongo her zustrebendenVerkehrsadern deni deutschen Unternehmen den wirtschaftlichen Nutzen entziehen, mit dem naturgemäß beim Beginn des Unternehmens gerechnet werden mußte. Ferner bedeutet die Vollen- düng der Zentralbahn auch ein neues wichtiges Glied in der Kette der Bahnen überhaupt, die einmal den Verkehr von Meer zu Meer quer durch Afrika ermöglichen werden.
Es sei nun noch auf den Wert und den Emfluß der neuen Strecke ans das deutsche Gebkethmge- wiesen. Zu dem von ihr unmittelbar durchschnittenen Land gehört der westliche Teil des Verwaltungsbezirkes Tabora, an den sich in der Richtung ans den See das Sultanat U h a anschließt. , Obschon dessen Nordhälfte dem Viktoriasee näher liegt, darf Uha doch in seiner Gesamtheit als zum Verkehrsgebret, der Mittellandbahn gehörig gerechnet werden, denn nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich geport das Land zu Udiidji, da es noch nickst durch Handelswege mit dem Viktoriasee verbunden ist. Während ^.abora in früheren Zeiten als Haupthandelsplatz der Araber für Elfenbein und Sklavenhandel geworden war,
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einzigen Schmuck der römischen Campagna. Sie künden in der wüsten Ebene vom Reichtum der nahen Weinberge, freudig von jedermann begrüßt, besonders wenn sie mit neuem Wein eintreffen. In Rom stellt sich ein ohrenzerreißendes Musikquartett an die Spitze eines solchen Zuges, dem alles neugierig nachblickt, um zu erfahren, an welcher Osteria er ab- laden wird. Oft künden dies bereits große Plakate, die mit BlumengirllaNden emporgehalten werden. Mittlerweile öffnen sich die Pforten der Osteria, die Wägelchen davor ziehen ihre hohen Verdecke, blau und rot mit weißen Sternen und Bildern bemalt, gleich Regenschirmen empor als Symbol des fließenden Men Ratz. Drinnen setzt die Musikkapelle ihren Lärm fort, was jedoch die Herbeikommenden nicht abhält, einzutreten und die ersten Tropfen zu erhaschen. Unter den verschiedenen Weinen der Awanerlberge beginnt der von Velletri immer mehr den Vorzug zu * ©r hat nicht die feurige aromatische Qualität Frasc^a rs, Grottoferratas, Avbanos, Arriccias und Genzanos, oamr ,edoch ist er "insermo", unschuldig, ungemischt, und hat, dieser Eigen. 1'chaften wegen seit zwei Jahren tn den meisten römischen Osterien dem eigentlichen „Castellwem den Rang abge- lausen. Jenen findet man während der eri.cn Monate in- dessen sehr gut außerhalb der städtischen Zollgrenze und zwar besonders vor den zu den Castellen führenden Toren: Porta S. Sebastiano, Porta S. Giovanni, also an der Via Appia Antica und Via Appia Nuava. Neben dem Wein von Velletri ist im römischen Volke neuerdings stark der von den Marken und von Apulien eingebürgert wovden. Sie sind die billigsten, und vornehmlich der apulische nutzt dem Oste der geringen Kosten sowie des starken Alkoholgehaltes wegen zur Mischung des Castellweines. Auch unser guter deuffcher Vater Rhein soll sich seiner, wie die Italiener behaupten, 1m ausgedehntesten Umfange zur Stärkung bedienen. „
Der in Rom lebende oder Rom besuchende Deutsche in-
rir. 119. * 62. Iahrgang.
Stapelplatz für andere Produkte werden. , Diesem Um- stand ist auch Rechnung getragen, durch die Errichtung von Bahn hofsan lagen in bedeutendem Umfang; muß doch damit gerechnet werden, daß tn nicht ferner Zeit von Tabora aus weitere wichtige Gebiete durch Zweigbahnen erschlossen werden.
Die Bewohner der Landschaft Unjamwesi sind die Wa n j a m w e s i (wie denn überhaupt die Neger Ostafrikas mit der Vorsilbe „Wa" den Stamm, mit der Vorsilbe „U" das Land bezeichnen, z. B. Wagogo m Ugogo, Wahehe in Uhehe usw.), deren großer Stamm sich über ein weites Gebiet von der Ostgrenze Ug o g os bis zum Tanganjikasee ausbreitet. Die Wanjamwesi sind durch ihren kräftigen Körperbau zu, anstrengenden Erdarbeiten geeignet, auch treiben sie in größerem Maße Viehzucht. Als Arbeiter, namentlich auch als Lastträger sind die Wanjamwesi besonders verwendbar.
Von Tabora fährt die Bahn über den M a l a- garassr durch das nach diesem Fluß benannte Mala- garassital. Wegen der reißenden Strömung des Flusses mußte hier zum Brückenbau ein ganz besonders starkes Baumaterial beschafft werden. Auf insgesamt 21 Brückerpfeilern mit schwerem eisernen Unterbau, von denen der größte eine Stützweite von 61 Meter hat, wird der Strom in einer Breite von 265 Meter überschritten. Es stellt diese Brücke eine hervorragende Leistung deut- scher Baukunst dar. Einen großen natürlichen Reichtum der dortigen Gegend bilden die zahlreichen Solquellen des Malagarassislusses, deren eine, die Saline G o t t o r p, schon seit Jahren ausgebeutet wird. Die Saline Gcttorp gewinnt das Salz durch Verdunstung in großen Sicdepsannen. Es werden dort jetzt täglich etwa 5 Tonnen reines Koch- und Tafelsalz hergestellt. Das Salz geht meist nach dem belgischen Kongo und nach dem Süden des Tanganjikasees. Außer dieser einen Salzquelle befinden sich dort aber noch andere Vorkommen von Sole und auch von Steinsalzen. Bei dem Mangel an Salz im ganzen Schutzgebiet ist mit Sicherheit anMnehmen, daß biese Salz schätze verschiedenen Unternehmungen eine nutzbringende Aus- Heute gewährleisten werden.
Anschließend an Uha nach Norden wird durch die Schiffahrt auf, dem Tanganjikasee auch das Sultanat Urnndi sowie der südwestliche Teil des Sultanats Ruanda von der neuen Bahn in den Verkehr gezogen werden. Das Beispiel der Entwicklung am Viktoriasee durch die englische Ugandabahn und die Schiffahrt lehrt, daß der ständige Verkehr moderner Dampfer in derselben Weise erschließend wirken kann, wie eine Eisenbahn. Die Bedeutung der beiden großen Sultanate Urnndi und Ruanda liegt in der großen Bevölkerungsdichte und in dem außerordentlichen Reichtum an V i e h. Die mittleren Schätzungen ergeben für sedes der beiden Länder eine Bevölkernngs- zahl von etwa 2 Millionen Seelen. Die große Masse der Bewohner wird von einem, der Zahl nach weit geringeren, intelligenten Stamme, den Watussi, beherrscht.
Der Hauptverkehrspunkt des nördlichen Tanganjikagebietes ist der Hafenort U s u m b u r a. Von hier aus geht eine alte Handelsstraße der Araber nach dem
dessen erweist sich in Bezug aufgden Wein immer noch als der Idealist van einst. Neben dem klangvollen Namen der Castelle, die seine Einbildungskraft verführen, locken ihn hauptsächlich die historischen Stätten an. Er sitzt unermüdlich in seinem Fedelinaro, nur weil das Wasser der Fontana Trevi da gegenüber bereits Fcuerbach und seine Zechgenoflen» umrauschte, ohne zu ahnen, viewiel davon seit jener Zeit in den vor ihm stehenden teuren Wein floß. Cr trinkt seinen Est-Est-Est auch in Rom, an, der Piazza Vaccaro oder in der Via Palombella, nur weil Jetn Landsmann Fugger sich daran zu Tode getrunken Hatz ohne zu bedenken, daß dieser Wem hier nicht einmal berauscht, geschweige tötet, sondern bei richtigem Genuß höchstens die recht prosaische „Wassersucht" zur Folge haben, könnte. Oft ist der große Saal der „Göld- kneipen" völlig mit Nordländern überfüllt, die hier ebenfalls nur generationenlange Gewohnheit zusammenführt. Im „Piccolo Romo" versammelt sich abends die künstlerische Jugend. Ist Essen und Wein quch schlecht, so gewährt doch per dicke Oste unbegrenzten Kredit und hat wohl manch tüchtigen Künstler vor dem Hungertode bewahrt. Die Dankbarkeit der Deutschen rührt sich jedesmal, wenn ich ^ wässerigen Maccheroni und den bedenklichen Wein herunter- würge, was aber dem „Piccolo Romo" nur wenig von seinem alten Ruhm zu nehmen vermochte, dönn auch heute,geht wohl jeder Deutsche einmal des Abends in jenen malerischen, Garten, um mit den Künstlern froh zu sein. Nur der S0jahr:ge Senior der deutsch-römischen Künstlerschaft, Pmfcsior Gerhardt, der früher dort allabendlich Hof hielt, streikt neuerdings. Er zog sich in eine kleine Osteria an dem Tiber zuruck, eine wahre Spelunke mit schiverem Wein und Anarchisten aus dem berüchtigsten Castell Marino sViale di Ripetto)., ,N,cqt ohne Rührung vermag ich den alten Veteranen des einstigen Deutschtums einsam und verloren im Höllenlärm -cs römischen schmutzigen Volkes zu erblicken, lesend oder schreibend.
