Einzelbild herunterladen
 

Nr. 118. Mtttk-Vch, ii. LMrz i*5i4. Wiesbadener Tagblalt.

dortigen deutschen Brauerei geladen waren. Bei einem Früh­stück an Bord des Kreuzers „Strahburg", zu dem viele argen­tinische Marineoffiziere Einladungen erhielten, sprach Konter­admiral v. Rebeur-Paschwitz auf Argentinien, die argentinische Marine und die deutschen Landsleute, während der Marineminister einen sehr herzlichen Trinkspruch auf Deutschland und die deutsche Marine ausbrachte. Zu dem Empfang, der sich dem Frühstück anschloß, fanden sich besonders viele argentinische Familien ein. Gestern abend waren der Konteradmiral und die deutschen Offiziere Gäste des öster­reichisch-ungarischen Gesandten. Heute sollte die „Stratzburg" mit dem deutschen Admiral nach Montevideo gehen; da jedoch v. Rebeur-Paschwitz leicht erkrankt ist, wurde die Abreise auf­geschoben.

post tmft

Auch der Leiter des holländischen Postwesens zur In­formation in Deutschland. Zum Studium der deutschen Post­einrichtungen ist, nachdem erst vor einigen Tagen der eng­lische Gcneralpostmeister in der Reichshauptstadt anwesend war, nunmehr der Generaldirektor des holländischen Postivesens in Berlin eingetroffen.

Ein neuer Eisenbahnverein. Wie in verschiedenen anderen Direktionsbezirken haben sich jetzt auch im Bezirk der Eisen­bahndirektion Essen die Beamten 1. Klasse. des mittleren Eisenbahndienstes zur besseren Vertretung ihrer Interessen zu einem Verein zusammengeschlossen.

Deutsche Schutzgebiete.

Der Bischof von Kamerun. Am Montag hat der apostoli­sche Vikar von Kamerun Bischof Bieter, der ein Jahr zur Erholung in Deutschland weilte, die Rückreise nach Kamerun angetreten. Dort wird er nach Ostern dem zu seinem Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge ernannten Pater Hennemann die bischöfliche Weihe erteilen.

KuZlaud.

Ksterveich-llngarn.

Turkhan-Pascha in Wien. Wien, 10. März. Turkhan- Pascha frühstückte heute beim Grafen Berchtold und hatte dann mit dem italienischen Botschafter Herzog von Avarna eine Besprechung, später machte er beim rum ä» nischen Gesandten einen Gegenbesuch und konferierte mit dem türkischen Botschafter. Abends reiste Turkhan- Pascha nach Durazzo ad. — Das „Frenidenblatt" ver­öffentlicht eine Unterredung mit Turkhan-Pascha. Turkhan erklärte als sein Programm, den Fürsten in jeder Hvnstcht zu u n t e r st ü tz e n. Er wevde bestrebt sein, auf dem wirt­schaftlichen Gebiete und auf dem Gebiete des Unterrichts- Wesens eine rege Tätigkeit zu enthalten.

Eine Studentenbemonstration in Wien. Wien, 10. Marz Die Hörer der Wiener Tierärztlichen Hoch,chule welche irrt langem fordern, daß dieselbe von der militärischen Kompetenz abgetrennt und gleich anderen Hochschulen dem Unterrichtsministerium unterstellt werde, sowie eine bauliche Umgestaltung des Instituts im modernen Sinne verlangen, demonstrierten vor der Schule. Sie durchbrachen dre Flügel, versperrten die Tore und drangen in die Aula ein, um dort eine Versammlung abzwhalten. Da die Hörer die Aula nicht freiwillig räumen wollten, wurde der mili. t ä r i s ch e n Bereitschaft der Befehl erteilt, sie zu -'äubern. Angesichts des energischen Vorgehens des Militärs verließen nun die Studenten die Aula in der Absicht, einen Demonstrationszug zum Kriegsministerium zu unternehmen, doch scheiterte dieser an dem energischen, den Studentin b^anntgegebenen Entsihlutz der Polizei emen

solchen Zug auf jeden Fall zu verhindern Bei der Räumung der Aula wurden 12 V e r h a f t u n g e n von der Polizei vor­genommen. Gegen 12 Uhr mittags trat völlige Ruhe ein. Die Tierärztliche Hochschule wurde durch e-ne V-rrugung

des Rektors gesperrt. ,

Schwere Verurteilung eines Spions. W r e n, "-Marz. Das hiesige Garnisonger'cht verurteilte gestern den Oberleut, nant Jakob vom 4. Husaren-Rogiment wsge-n Spionage zu 171/2 Jahren schweren Kerkers und zum Verlust der Charge.

Luxemdura.

Verurteilung des Bischofs Koppes. Luxemburg. 10. März. Der Bi'chof von Luxemburg Koppes hatte m einem Hirtenschreiben den Katholiken das Lesen ein r Ä - z-hl von Zeitungen verboten. In einer von der »Reuen Zen angestrengten Verleumdungsklage wurde heute der jJ

einer Geldstrafe von 26 Franken mit Strafaufichub verurteilt.

Krankreich. ,

Doumergue zur auswärtigen Politik. Paris, 10. -vcarz. In der Kammersitzung erklärte bei der Beratung de-, U des Ministeriums, des Äußern der Ministerpräsident un Minister des Äußern Doumergue: Die Regierung Y nicht auf, in allen Fragen mit den Freunden und Verbunoeien in vollem Einvernehmen vorzugehen. sprechungen, die stattgefunden haben, um friedliche Loiungen für Schwierigkeiten zu linden, haben dies Einvernehmen Frankreichs mit dem v e r b ü n d e t e u R u tz I a u d und dem befreundeten England noch verstärk t, ein E n- vernehmen, das kostbar erscheint, um das europäische Gwicg- gewicbt aufrechtzuerhalten und den Frieden zu wahren. Dies Voraoben hat auch die anderen Großmächte beeinflußt, t-nei- fall.j In dem Teil feiner Rede, der sich auf die Scioff“” 6 Albaniens bezieht, sagte Doumergue: Die Konferenz

der Großmächte in London hatte sich von der Notwendigkeit überzeugt, längs der Küste des Adriatischen Meeres einen unabhängigen Staat zu gründen in den Gegenden, wo die albanische Rasse vorherrscht.. Die Großmächte hatten aner- kennen müssen, datz in dielen Gebieten, die in der barichaft von zwei Großmächten liegen, Italien einerseits und andererseits Österreich-Ungarn, dessen Geschicke Kaiser Franz Joseph mit so großer Weisheit und so grotzer Würde leitet, seit längst verschwundenen Zeiten eine tat­kräftige und kriegerische Raffe mit ausgesprochenem Botis» ckiarakter ihren Sitz hat. Zu dem Besuche des Prinzen zu Wied in den sechs Hauptstädten bemerkte der MinisterPrasl. dent, diese Besuche beweisen seinen Willen, Albanien un­abhängig zu erhalten. Die Mitwirkung Frankreichs ist ollen denjenigen sicher, die in diesem Lande ohne Gewaltsam­keit die Ruhe wiederherzustellen suchen. Weiter zollte der Ministerpräsident der Haltung Rumäniens Anerkennung, das ein wichtiger Faktor des Friedens auf dem Balkan bleibe. Ministerpräsident Doumergue wies darauf hin, daß sich Frankreich in friedlichem Sinne betätige, besonders auch

in der Türkei. Diese würde nicht auf eine finanzielle

Unterstützung Frankreichs rechnen können, wenn sie den Frie­

den stören wolle. (Lebhafter Beifall.) Sodann besprach der Ministerpräsident die syrische und die armenische Frage und den Anteil Frankreichs an der Lösung der verworrenen Lage in China und Mexiko. Be: der Besprechung der Marokko­frage sagte der Ministerpräsident: Die letzten Abkommen

mit Spanien haben die Meinungsverschiedenheiten besei­tigt, eine sehr glückliche Annäherung und eine vollständige Eintracht in der marokkanischen Verwaltung der Leiden Länder herbcigeführt. — Francois Seiende drückte seine Freude über die Erklärungen Doumergues aus und vertrat sodann die Notwendigkeit der Wiederaufnahme der Beziehungen zum Vatikan. Schließlich betonte der Red­ner, daß Frankreich seinen Einfluß im Orient aufrecht- erhalten müsse und wies auf die Bemühungen Italiens und Deutschlands hin. Darauf sprach er von der Vor­bereitung des nächsten Conclave von seiten Österreich- Ungarns, Italiens und Deutschlands. — Iau rtzs stellte die Forderung, daß die von der Türkei für die An­erkennung des Status guo verlangten Garantien von allen weiteren Mächten gefordert wenden sollten, bevor man ihnen finanzielle Hilfe gewähre. Er hoffe, die Regierung werde nicht ihre Zustimmung zu einer französischen Anleihe geben, um die Dikta turherrschafi zu stärken, die in China bestehe. Ministerpräsident Doumergue antwortete, daß die Regierung sich bezüglich Chinas nach der internatio- ,n a l e n Übereinkunft richten werde. — Darauf wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt.

Denis Cochiu zur deutsch-russischen Differenz. Paris,

10. März. In der heutigen Debatte über das Budget des Ministeriums des Äußern beschäftigte sich der konservative Deputierte Deuts Cochiu mit der zwischen der deut­schen und der r u s s i ff ch e n Presse entstandenen Fehde. Die Ursache bilde offenbar die zunehmende Macht Rußlands. Die Beunruhigung der Deutschen fei viel­leicht darauf zurü^uführen, daß sie Zweifel inbetreff der Erneuerung des Handelsvertrages mit Rußland hegen, der in zwei Jahren ablaufe. Der Redner schloß: Wir brauchen nur zu warten; wir sind mit einem sehr großen Lande verbündet und können laut sprechen. Wir brauchen nur zu bleiben, was wir sind, nicht aus kriegerischer Gesin­nung, sondern in dem Gefühle der Sicherheit. Die Phase, die wir gegenwärtig durchmachen, wird nicht von langer Dauer sein.

Der Gründer des „Matin" gestorben. Paris, 10. März. Heute nachmittag starb hier der Journalist Alfred Ed­wards, der durch die Gründung des „Matin" auf die gegen­wärtige Gestaltung der französischen Presse einen beträcht­lichen Einfluß gewonnen hat. Edwards hat ein Alter von 87 Jahren erreicht.

<£naT<m&.

Der Kriegsininister über die Stärke des Landheeres.

London, 10. März. (Unterhaus.) Bei der Einbringung des Militäretats erklärte Kriegsminiisier Seely: Wir

hatten außerhalb Englands 117 000 Mann völlig mobili­siert; im Heimatlande selbst waren 121000 sowie 146 000 Reservisten sofort zum Dienst verwendbar. Im Falle einer Mobilisierung würden wir in sehr kurzer Zeit eine Expeditionsmacht von 162000 Mann haben, alles voll ausgerüstet, Leute, Pferde, Geschütze und Munition. Im Falle einer plötzlichen Notlage in Frie'denAzeiten würden wir, allgemein gesprochen, 80 000 Mann aller Waffengattungen in einigen Stunden bereit haben, um sie irgendwohin zu senden.

Zur Verhaftung der Frau Pankhurst. London,

11. März. Die in Glasgow verhaftete Frau Pankhurst traf gestern abend im Eilzuge unter polizeilicher Bedeckung in London ein und wurde nach dem Holloway-Gsfängnis überge- fühvt. In Glasgow mußte sie auf einer Tragbahre in den Zug gebracht werden. In London wartete eine große Anzahl von Suffragetten auf der Endstation auf sie, um eine Demonstration zu veranstalten und ihre Führerin zu betreten. Die Polizei führte die Suffragetten hinters Licht, indem sie die Verhaftete auf dem Rotton Road-Bahn- hof in einen Gefängniswagen übersührte, der sie nach Hollo- wah brachte.

Eine neue scheußliche Suffragettenschandtat. London.

10. März. Heute vormittag wurde in der Nationalgalerie die Venus von Velasquez durch einen Schnitt mit einem kleinen Beil oder einem Messer schwer beschädigt. Die Täterin wurde verhaftet; es ist eine sehr bekannte An. hängerin des Frauenstimmrechts namens Mary Richardson. Vor dem Polizeigericht in der Bowstreet erklärte sie: „Ich

versuchte das Bild der schönsten Frau der M v t h 0 - iogie zu zerstören, um gegen die Regierung zu protestieren, die Mrs. Pankhurst zerstört, die der s ch ö n st e Charak. ter in der modernen Geschichte ist." Die Angeklagte wurde in der Haft behalten. Die Freilassung gegen Bürg­schaft wurde abgelehnt. DaS beschädigte Gemälde (das von Wellington aus dem Besitz der Herzöge von $tl&a nach Eng­land gebracht ist) hat einen Wert von 10 000 Pfund.

Das Ende beS Generalstreiks in Rom. Rom, 10. März. Bei den Zusammenstößen heute früh wurden neun Manifestanten und eine Anzahl Polizeibeamte leicht verletzt. Nachmittags trat völlige R u h e ein. Die Ar­beit wurde wieder ausgenommen und ine Läden geöffnet. Die Wagen der Straßenbahn verkehren wieder.

Mexiko.

Die Schlacht bei Torreon. N e w A 0 r k. 10. März. Nach einem Bericht der „New Nork World" aus EI Nasa hat eine Schlacht bei Torreon stattgefunden. Die Rebellen, die angegriffen batten, wurden ge­schlagen. Die Gesamtzahl der Getöteten soll 1000 Mann betragen. Die Truppen des Generals Huerta bewegen sich in vier getrennten Abteilungen vor­wärts und daneben besteht noch eine Kolonne von 5000 Mann. — In B e l e n haben sich 900 Mann, die in das Gefängnis geworfen worden waren, frei­willig in die Armee einreihen lassen.

Japan.

Die Kaiserkrönung. Tokio, 10. März, 55^1 Ubgeord- netenhause wurde heute die Forderung für die Krönung des Kaisers, die vorläufig auf den 3. November feistgesetzt ist, ein­gebracht. Die Kosten belaufen sich auf 8 327 442 Den.

Luftfahrt.

Fliegerunfall. London, 10. März. Auf schreckliche Art verunglückte gestern der Militärflieger Hauptmann D 0 r n e r vom Northampton-Regiment. Als er über Upavon

Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 3.

auf einem Zweidecker 2000 Fuß hoch flog, explodierte der Motor, worauf der Unglückliche zur Erde herabstürzte und in furchtbar verstümmeltem Zustand tot aufgesunden wurde.

üm Stadt H'iiö Land.

Wiesbadener Nachrichten.

— Die Wiesbadener Thermalquellen. In der Thermal- quellenangelegenheil haben die Besitzer der privaten Thermal­quellen vor einigen Monaten erneuten Antrag auf Schließung der städtischen Wassergewinnungsanlägen und auf Entfernung des Herrn Oberingenieurs Frensch aus der Kommission zum Schutz der Thermalquellen bei dem Herrn Polizeipräsidenten gestellt. Unsere Leser werden sich erinnern, datz die Thermal- quellenbesitzer den Standpunkt ^vertreten, daß durch „ die Wassergewinnungsanlagen der Stadt ihre Quellen geschädigt werden, und daß die Entfernung dieser WassergewinNungs- anlagen, auch abgesehen hiervon, im Interesse der Allgemein­heit gefordert werden muß. Die Angelegenheit zieht sich jetzt ungefähr 18 Jahre lang hin. Die Schließung der städtischen Wassergewinnungsanlagen ist bereits einmal im Jahre 1908 von dem Herrn Polizeipräsidenten angeordnet worden,^ und der Herr Regierungspräsident hat diese Verfügung bestätigt. Dem Magistrat ist es aber damals gelungen, bei dem Herrn Oberpräsidenten die Aufhebung dieser polizeilichen Verfügung zu erreichen. Es ist dann während der folgenden Jahre ver­sucht worden, die Beseitigung der Anlagen in Güte durch Ver­handlungen zwischen dem Magistrat und den Quellenbesitzern zu erledigen, was wohl im Interesse unserer Kurstadt und des Badebetrrebs gelegen hätte. Die Verhandlungen aber haben sich aus nicht bekannt gewordenen Gründen zerschlagen. Die Quellenbesitzer haben sich, da sie beabsichtigen, auch abgesehen von dem Verwaltungsweg, gegen die Stadtverwaltung vorzu­gehen, bei dem Herrn Polizeipräsidenten Ende Februar er­kundigt, wann eine Entscheidung auf ihre Anträge zu erwar­ten sei, aber den Bescheid erhalten, daß sich der Zeitpunkt, wann auf die Anträge entschieden werden könne, noch nicht be­stimmen lasse.

— „Deutschland und Großbritannien im Wettkampf".

In der Aula der Gewerbeschule hielt gestern abend der Bres­lauer Dozent der Staatswissenschaften Dr. v. Gerhardt im Auftrag des „Lokal-Gewerbevereins Wiesbaden" einen Vortrag über den deutsch-englischen Wettkampf auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet. Ausgehend von den politischen Ereignissen des Vorjahres, hob der Redner den auffallenden Einfluß Englands auf die Geschicke der kontinentalen Völker hervor. London sei gewissermaßen die Zentralstelle, von der aus die Weltereigniffe dirigiert werden. Wir haben ganz be­sondere Veranlassung, unser Augenmerk auf diese Tatsache zu richten, da die Entwicklung der deuffchen Weltwirtschaft für England eine unliebsame Konkurrenz bedeutete und jene Spannung zwischen den beiden Völkern herbeiführte, die durch die Furcht vor einer deutschen Invasion auf der einen Seite und die allgemeine Anschauung von der Überlegenheit der englischen Flotte auf der anderen Seite noch verstärkt wird, ohne datz bisher der auf beiden Seiten vorherrschende Wunsch nach einer Klärung der Situation in die Tat umgesetzt wor­den sei. Die Entwicklungsgeschichte der deutsch-englischen Be­ziehungen beginnt mit der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Erzeugnisse. England, das früher den Weltmarkt unbehindert beherrschte und es verstanden hatte, seine dominierende Stellung durch geschickte politische Schachzüge zu festigen, sah mit wachsender Unruhe die Umwandlung Deutschlands aus einem reinen Agrar- in einen Industriestaat. Bahnbrechende Erfindungen in der Eisenindustrie und auf anderen Gebieten förderten die Produktion, und als das bekannte „Made in Germany" eine ganz andere als die beabsichtigte Wirkung hatte, setzte die Nervosität jenseits des Kanals ein. Dazu kommt, daß die Konkurrenzfähigkeit der englischen Kohle im Abnehmen begriffen ist, eine Tatsache, die den Engländer mit banger Sorge in die Zukunft blicken läßt. Aus diesen Ursachen rekrutieren die Bemühungen unserer englischen Vettern, Deutschland durch allerhand Störungen in seiner Entwicklung zu behindern. Man will einen offenen Zusammenstoß gern vermeiden, aber man arbeitet im stillen; die Wirkung dieser Wühlarbeit sei auch an den jüngsten russischen Grenz­befestigungen zu erkennen. Waren die Ausführungen des Red­ners über die historische Entwicklung der deutsch-englischen Beziehungen, wenn sie auch eine gewisse Einseitigkeit nicht verkennen ließen, außerordentlich interessant und beachtens­wert, so überraschte doch der etwas bequeme Schluß. Herr v. Gerhardt empfahl nämlich als einziges Mittel zur Besse­rung der Verhältnisse die bekannte Schraube ohne Ende: ,,D» wir es kaum in der Hand haben, einen ftiedlichen Wettbewerb herbeizuführen, ist es unsere Aufgabe, unsere Rüstungen fort­zusetzen". Damit hatte das Thema einen Abschluß gefunden, der kaum dazu angetan war, allgemeine Befriedigung aus­zulösen. g.

— Kirchliches. Die größere Vertretung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde ist auf Dienstag, den 17. März, nach­mittags 8 Uhr. in den Bürgersaal des Rathauses zur Sitzung mit folgender Tagesordnung eingeladen: 1. Rechnungsvoran­schlag für 1914; 2. Prüfung der Rechnung für 1912/13; 8. Weiteres. — In dem morgen Donnerstag, abends 8 Uhr, in der Ringkirche stattfindenden Passionsgottes« dienst predigt nicht Pfarrer Veidt, wie im KirchenzeNA steht, sondern Pfarrer D. S ch l 0 s s e r.

— Amtsentsetzung eines sozialdemokratischen Gemeinbe- schöffcn. Das O b e r v e r w a l t u n g s g e r i ch t hatte sich als höchste richterliche Instanz soeben mit einem Disziplinar­verfahren zu beschäftigen, das gegen den Gemeindeschöffen Lielng zu B i e r st a d t mit dem Ziel der Amisentsetzung ein­geleitet worden war. Es wurde ihm zur Last gelegt, daß er als Schöffe bei der letzten Landtagswahl sich von der sozial­demokratischen Partei als Wahlmann habe aufstellen lassen und sozialdemokratisch gewählt habe. Der Kreisaus-- schuß gab dem Antrag des Anklägers statt und erkannte gegen L. auf Entlassung aus dem Amt. Zur Begründung des Urteils wurde u. a. etwa ausgeführt: Schöffen seieH mittelbare Staatsbeamte, und diese Eigenschaft sehe auch ihrer außeramtlichen Tätigkeit Grenzen, die sie nicht überschreiten dürften, ohne sich eines Dienstvergehens schuldig zu machen. Die Sozialdemokratie sei eine Partei, deren Mit­glieder sich zu Anschauungen bekennten, welche mit den Grundlagen der bestehenden Ordnung in Staat und Gesell­schaft nicht vereinbar seien. Wenn ein Beamter dieser Partei zugehöre und seine Zugehörigkeit zu ihr durch sein Verhalten nach außen bekunde, so mache er sich des Vertrauens unwür­dig, das sein Amt von ihm erfordere. Das habe L. getan, in­dem er sich von sozialdemokratischer Seite als Wahlmann bei