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Nr. 115. Dienstag, 10. März 1V14

troffen, 250 Gewehre sind zur Bewaffnung der Ame­rikaner im FaLe eines Aufstandes nach der Haupt­stadt geschickt worden, die anderen wurden zur Ver­fügung des Admirals auf das Flaggschiff gebracht.

Ein Gefecht im Staate Nuevo Leon. Browns- v i l l e, 7. März. Nach einer Meldung der Konstitu- tionalisten sind in einem Gefecht im Staate Nuevo Leon am Dienstag 60 Soldaten der Bundestruppen, darunter 6 Offiziere, gefallen.

IKPan.

Eine lehrreiche Schulstatistik. Tokio, 9. März. Von 100 Kindern besuchen in Japan. 98,2 die Schule. Die Gesamtzahl der Schulen in Japan beträgt 16 091, die der Lehrer 186 776, die der Schüler 8,8 Millionen. Das Durchschnittsgehalt der Lehrer beträgt 17,5 Yen (35 M.) im Monat. Das Höchstgehalt ist 95 Yen, das niedrigste 9 Yen.

Bus Stadt und Land.

Wiesbadner Nachrichten,

Der Architekten- und Ingenieurverern und das Vahnhofsgelände.

In seiner zweiten diesjährigen Vereinsversammlung be­schäftigte sich der „Architekten- und Jngenieurverein Wies­baden" eingehend mit der Frage der Bebauung des Bahnhofs­geländes. Sein Organ, die „Technischen Mitteilungen aus Hessen und Nassau", berichtet darüber: „In längerem ein­

gehendem Vortrag erörterte Herr Regierungsbaumeister a. D. Heß an Hand des von Herrn Regierungsbaumeister a. D. W. Müller zur Verfügung gestellten Wettbewerbsentwurfs „Rhythmus" die Frage der Bebauung des Bahnhofgeländes. Der Vortragende sowohl wie nach ihm der Vorsitzende, Herr Regierungs- und Baurat Dr.-Jng. H e r ch e r, wollen keiner­lei Kritik an etwa vorhandenen Projekten üben, sondern lediglich allgemeine Anregungen geben und in die­sem Sinne ein Hauptgewicht auch auf die Frage gelegt wissen „Wie wird oer Hauptzugang zur Stadt während der un­berechenbar langen Bauzeit aussehen?" Auch ein nach seiner vollen Durchführung guter Bebauungsplan kann bei sofortiger Freigabe des ganzen Geländes auf Jahrzehnte hin­aus ein äußerst unschönes Bild geben, wenn Verkauf und Be­bauung der Grundstücke planlos erfolgen. Referent schlägt daher vor, durch vorläufige Annahme einer größeren Freifläche, wie diese etwa im Müllerschen Entwurf vor­gesehen, die Bebauung vorerst möglichst auf die Randblöcke zu beschränken, dadurch hier zunächst die Werte zu steigern, und erst dann, wenn später ein unzweifelhaftes Bedürfnis und da­mit große Wertsteigerung erreicht ist, auch die Blöcke an der Kaiserstraße selbst vollständig zu bebauen, jedenfalls aber dar­nach zu streben, daß die Bebauung m ö g l i ch st b l o ck w e i s«, einheitlich und lückenlos geschieht. An Hand eingehender Be­rechnungen wird nachgewiesen, daß bei Berücksichtigung der wirklich gegebenen Verhältnisse auch der Fiskus als Grund­eigentümer aus einem derartig planmäßigen Vorgehen nur Nutzen ziehen könnte.

Bei der Frage des Verkehrs wird die Notwendigkeit einer besseren Verbindung nach der später sehr bedeutungsvollen Kurfürftenstraße betont. In städtebaukünstlerischer Hinsicht sei auch für diesen Stadtteil der Grundzug des Wiesbadener Stadtplans, eine geradlinige Stratzenführung, beizubehalten. Nach längerer Aussprache wird beschlossen, in einer Eingabe an den Magistrat, die Regierung und die Eisen bahndirektion allgemeine, für den auf­zustellenden Bebauungsplan wichtige Gesichtspunkte niederzu­legen und die Angelegenheit dem Vorstand unter Zuziehung der Herren W. Müller, v. Heemskerck und..Hoppe sowie allen­falls noch weiterer Herren zu übertragen.

Anlegung des Aerzteverzerchnisses,

Bei jedem Versicherungsamt ist ein Arztregister zu ,ühren, in das sich jeder Arzt aus dem Bezirk des Vers,che- rungsarntZ, der Kassenpraxis betreiben wrll, erntragen lffsen kann, einerlei, ob er einer Organisation angehort oder nicht. Auch Ärzte aus dem Bezirk eines benachbarten Ver­sicherungsamts können sich eintragen lassen. Die Eintragung ist davon abhängig, daß der Arzt, der sich eintragen laßen will, in Deutschland approbiert ist und sich im Besitz der bürger­lichen Ehrenrechte befindet. Die Anträge auf Eintragung sollen die Personalien, die Wohnung, die Art und den Umfang der bestehenden oder beabsichtigten Praxis enthalten; es ist ferner anzugeben, ob die Bewerbung für eine bestimmte Kaffe oder einen bestimmten Bezirk oder nur für ein besUmmtes ärztliches Fach erfolgt. Spätere Änderungen sind schriftlich beim Bersicherungsamt zum Arztregister anzumelden. Die­jenigen Ärzte, welche bereits Kassenpraxis betreiben, werden

die unmittelbare Kriegsgefahr von seiten Frankreichs vorüber war, so konnte doch die deutsche Politik auf der Konferenz von Algeciras nur geringe Erfolge erzielen. Sie stand fast isoliert "da, auch Italien tanzte ja, gebunden durch die Aussicht auf Tripolis, seine Extratour, und die volle Aktionskrch. hat Deutschland (Holstein war damals für energischere Schritte) damals nicht eingesetzt. König Eduards Meisterwerk war dann der Vertrag von 1907 mit Rußland, der alle Kunden Stellen im englischen Interessengebiet zudeckte. Persiens Auf­teilung vorbereitete und zum Höhepunkt dieser Einkreisungs- poliiik hinführte. Überall zeigte sich der Widerstand gegen Deutschland, selbst der Dreibund begann sich innerlich zu lockern, die deutsche Position in der Türkei erschien er­schüttert, Englands Flotte bedrohte, im Kanal kon­zentriert, Deutschlands Küsten. Der ganze Apparat paSisisti- scker Phrasen wurde in Bewegung gesetzt, um Deutschlands Angriffsgelüste entrüstet zu brandmarken, auch wirtschaftliche Motive machten sich geltend: England kann ohne Gefahr gegen Deutschland kämpfen, jeder Engländer wird dann reicher wer­den. Sogar an Österreich versuchte man heranzukommen, das freilich solchen Zumutungen sich versagte und trotz größter Gefahren, trotz Italiens Unzuverlässigkeit und der vanftawr- stischen Wühlereien Rußlands die Annexion Bosniens und der Herzegowina durchführte. Hier endlich kam bic Nieder- fafjc jener Einkreisungspolitik, Deutschland erklärte in Petersburg mit ruhiger Entschiedenheit, daß es bereit fei, bis zum Äußersten zu gehen. König Eduard hat diesen Zusam­menbruch seiner Offenstvpolitik noch erlebt, damit konnte auch ihre Tendenz nicht mehr der Kern von Englands Politik bleiben, auch wenn sie noch einmal leidenschaftlich aufflam­men sollte. Der bedeutendste Staatsmann aus Bismarcks

Wiesbadener

von Amts wegen eingetragen. Die Ärzte, die neu zur Kassen­praxis zugelassen werden wollen, sind auf Antrag einzutragen. Mündliche oder schriftliche Bewerbungen von Ärzten bei den Vorständen der Krankenkassen oder der Kassenverbände oder ihren Mitgliedern oder bei Vertragskommissionen oder Ärzte- ausschüssen oder bei anderen Organen zur Regelung der Be­ziehungen zwischen Kassen und Ärzte sind untersagt. Das städtische Versicherungsamt bemerkt in einer an uns gerich­teten Zuschrift, daß für die erstmalige Eintragung bei der Anlage des Arztregisters eine F r i st von 8 Tagen be­stimmt ist, die vom Tage der ersten Veröffentlichung im „Amtsblatt" an läuft.

— „Ein Fest im Gcbirgsdorf." Dem „Paulinenschlöß- chen" war am Samstagabend durch zweckmäßige Dekoration des großen Saales der stimmungsvolle Charakter eines länd­lichen Festplatzes gegeben worden, auf dem sich die fröhliche Schar der Dorfbewohner in abwechselungsreichen Kostümen tummelte. Der „Wiesbadener Gartenbauverein" hielt seine alljährliche Winterveranstaltung ab, und das sorgfältig durch­geführte Arrangement gewährleistete den zahlreichen Be­suchern angenehme Stunden. Reicher Tannenschmuck ver­mittelte den würzigen Duft des Hochwalds. Auf der Fest­wiese, wo allerhand Volksbelustigungen, von denen sich eine Rodelbahn besonders aufmerksamer Benutzung erfreute, zur Verfügung standen, leitete ein Umzug den Tanz ein, und bte Originalität der Veranstaltung erhielt kaum eine Beeinträch­tigung dadurch, daß der „Bua" mit seinem „Dirndl" vorzugs­weise Boston und Onestep tanzte. In der Mitte des Saales ragte ein Maibaum bis zur Decke, und wer den Kranz er­reichte, dem wurde seine Kletterkunst mit Fastenbrezeln ge­lohnt. Natürlich fehlte es nicht an allerhand heiteren Unter­brechungen, in denen mehrere ausübende Künstler — u. a. wurde ein in Freiheit dressierter Schimmel mit ganz hervor­ragenden Eigenschaften vorgeführt — sich betätigten. Auch künstlerische Genüsse fehlten nicht. Der Königl. Kammer­musiker Schulze spielte das Pistonsolo „Singvogel aus dem Thüringer Wald" von Hoch und gab auf stürmischen Wunsch noch „Zillertal, du bist mein Freud'" hinzu. In den Neben­räumen wurde echter Gebirgsschnaps und Ziehharmonika­musik verschenkt. Eine reich bedachte Tombola verhieß dem Glücklichen eine Fülle angenehmer Gewinne, die in besonders schönen Exemplaren der duftenden Kinder Floras bestanden. Die angeregte Stimmung, die das ganze Fest beherrschte, war noch festzustellen, als der allgemein bedauerte Schluß dem fröhlichen Treiben ein Ziel setzte. -ü-

— Handwerkskammer. Die Leitung der Dresdener Ausstellung wird in Wiesbaden, Limburg und Frankfurt Vorträge über die Bedeutung der Ausstellung halten lassen.

— Die Intendantur des 18. Armeekorps ist Anregungen der Kammer wegen Erleichterung der Lieferungsbe­dingungen für Zimmerarbeiten entgegengekommen, wenn auch nicht in dem erstrebten Umfang. — Das Vorgehen der Kammer wegen Vergebung der Unterhaltungsarbeiten an den Geräten der Bahnmeistereien hat den Erfolg gehabt, daß der Minister die Vergebung an die beteiligten Hand­werker angeordnet und die Herstellung in der Eisenbahnwerk­stätte abgestellt hat. — In den Wasserbeirat für die Provinz Hessen-Nassau wählte der Vorstand den Bauunter­nehmer Feger (Falkenstein) als stellvertretendes Mitglied.

— Bei der Plenarversammlung soll ein Zusatz zu 8 7 der Gesellenprüfungsordnung dahin beantragt wer­den, daß die Anfertigung des Gesellenstücks außer in der Werkstatt eines Handwerksmeisters auch an anderen geeig­neten Orten, z. B. bei der Fachschule, erfolgen kann. Einer Anregung, die Entschädigung bei Gesellenprüfungen für die Gesellenbeisitzer nach Stunden festzusehen, soll nicht ent­sprochen werden.

— Das Jnfanteriekaserncngclände in Wiesbaden. Der „Architekten- und Jngenieurverein Wies­baden" hat die nachstehende Eingabe an den Magi­strat gerichtet: „Wir haben in mehreren früheren Eingaben auf die Bedeutung des ehemaligen I n f a n t e r i e k a s e r - nengel(indes für das Stadtbild Wiesbadens hingewiesen und zuletzt in einer Eingabe vom 25. Juni 1913 noch einmal den Wunsch ausgesprochen, daß bei der Aufteilung des Ge­ländes mehr, als es bis jetzt geschehen ist, städtebau­künstlerischen Gesichtspunkten Rechnung getra­gen werden möchte. Der „Architekten- und Jngenieurverein Wiesbaden" hat sich in seiner Versammlung vom 12. Februar erneut mit der Frage beschäftigt und ist an der Hand eines von Herrn Hercher vorgelegten Abänderungsvorschlags zu der Überzeugung gekommen, daß selbst schon bet geringfügigen Änderungen der jetzigen Straßen- und Fluchtlinien auch un­ter^ Beibehaltung des von der Bleichstratze zum Boseplatz füh­renden Kanals und schrägen Verkehrswegs und des daran be­reits errichteten Wohnhauses sich Lösungen finden ließen, die einen bestimmteren westlichen Abschluß des Boseplatzes und eine städtebaukünstlerische Ausbildung der Verbindung nach der Bleichstraße gewährleisten. Ein der Eingabe beige­fügter Plan nimmt das nun einmal schon bestehende Wohn-

S-chule, v. Kiderlen-Wächter, leitete nun die deutsche Politik. Er vertrat den Gedanken, die Maroftofrage aus der Welt zu schaffen, zugleich aber unsere allzu vielseitig engagierte Welt­politik durch starke Konzentrierung m Afrika zu vereinfachen. So war er schon vor Agadir Frankreich mit Kompensations- forderungen entgegengekommen, und als man dort harthörig wurde und im Glauben, Marokko umsonst za bekommen, den Marsch nach Fez uiiternahm, erfolgte die Sendung des „Panthers", eine Demonstration, die nicht etwa bezweckte, ein Stück von Süd-Marokko für Deutschland zu gewinnen. Nur, weil er die Resonanz der öffentlichen Meinung nötig hatte, ließ Kiderlen eine Zeit lang an solche Absichten glauben. Das feindliche Eingreifen Englands, das wirklich kriegerische Tendenzen in Deutschland vorausfttzte, hat das Endergebnis für uns verschlechtert, aber trotz der scharfen Kritik, die da­mals bei allen Parteien laut wurde, hatte man doch ein Zu­rückweichen Frankreichs erreicht und Kondensationen von gro­ßer Ausdehnung erlangt. Vor allem aber: es begann jetzt die Entspannung des Verhältnisses zu England, die sich so deutlich in den nun folgenden Balkanwirren kundgab. Gegen Ruß­lands Interessen traten nun Deutschland und England ge­meinsam für die Integrität der astatischen Türkei ein, der Vertrag über die Bagdadbahn wird abgeschlossen. Und ganz im Sinne von Kiderlens Politik der kolonialen Konzentration sind dre noch schwebenden Verhandlungen über Portugals afrikanischen Besitz geführt worden, die dem Abschluß nahe sind und hoffentlich abgeschlossen werden, so lange noch in England das liberale Ministerium am Ruder ist. Die impe­rialistische Tendenz Deutschlands, bisher so leidenschaftlich be­kämpft, wird damit von England offen anerkannt. Freilich drohen noch die Gefahren im Orient, wo Rußland lange schon

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 8»

Haus zum Ausgangspunkt für die einheitliche und zur Stra- tzenachse, ebenso wie zur Achse dieses Hauses symmetrische Ausbildung der Schrägstraße, die vielleicht durch vier gleich­mäßige Erkerbauten zu begrenzen wäre und die von der Bleichstrahe aus den Blick auf das am Boseplatz neu zu er­bauende Lyzeum lenkt. Er sorgt für einen ästhetisch sehr wünschenswerten und verkehrstechntsch unbedenklichen Ab­schluß der Helenenstraße und vermehrt die bebaubare Grund- stückssläche um rund 400 Quadratmeter im Wert von etwa 00 000 M. Die Eingabe schließt: „So würden sich durch das von uns seinerzeit empfohlene Preisausschreiben jedenfalls noch andere günstige Lösungen finden lassen. Wir bitten daher, doch nun recht bald, ehe weitere Bauten die städtebauliche Regelung erschweren, unserer Eingabe vom 25. Juni 1913 Rechnung zu tragen."

— Studentische Bolksuntcrrichtsknrse Wiesbaden. Am Donnerstag, den 12. März, beginnt der 9. Lehrgang der studentischen Volksunterrichtskurse; er dauert bis gegen Ende April. Der Unterricht findet, wie immer, abends von Sy 2 bis 10 Uhr in der Vlücherschule statt, und zwar sind diesmal fol­gende Lehrfächer in Aussicht genommen: Deutsch (Stufe 1: Rechtschreibung, Diktate; Stufe 2: Wort- und Satzlehre,

Satzzeichenlehre, schriftliche Arbeiten); Rechnen (Stufe 1: Ganze Zahlen, Dezimalbrüche, Aufgaben aus dem täglichen Leben; Stufe 2: Gemeine Brüche; Stufe 3: Schlußrechnung, Zins- und Rabrttrechnung); Schönschreiben (lateinische Schrift, im Bedarfsfall auch deutsche Schrift); Fragen des täg­lichen Lebens (Buchführung im Haushalt, Verkehr mit Post und Eisenbahn, Ausfüllen amtlicher Formulare); Vorträge aus der deutschen Literatur; Gesundheitslehre; ein Kurs, der wahrscheinlich lebhaftes Interesse beanspruchen würde, ist leider noch nicht sichergestellt; Endgültiges kann erst am An­meldeabend für den ganzen Lehrgang, Mittwoch, den 11. März, abends Si/ 2 Uhr, in der Blücherschule, bekanntge­geben werden. An den Unterrichtskursen können bekanntlich Arbeiter und kaufmännische Angestellte, Handwerker und Unterbeamte beiderlei Geschlechts und jeden Alters teilnehmen. Die zum Unterricht nötigen Hefte, Federn usw. werden unentgeltlich zur Verfügung ge­stellt; es erwachsen also den Teilnehmern keinerlei sonstige Unkosten. Außerhalb des Unterrichts, an Sonntagvormtttagen, finden Besichtigungen von Museen und industriellen Betrieben statt, an denen jeder Kursteilnehmer sich beteiligen kann. Eine kleine Bücherei steht jedem zur Benutzung offen. Die Anmel­dungen für den kommenden Lehrgang werden bis zum 18. März abends, in der Blücherschule entgegengenommen, schriftliche Anmeldungen und Anfragen jeder Art sind zu rich­ten an den derzeitigen Vorsitzenden der studentischen Bolks- unterrichtskurse, H. Deichsel, Cand. Phil., Bierstadt bei Wies­baden, Rathausstraße 36.

— Kirchlich-sozialer Kongreß. Die Festpredigt in der Lntherkirche am 21. April anläßlich des kirchlich-sozialen Kon­gresses hält nicht Generalsuperintendent Ohly, sondern Pro­fessor D. Dr. Pfennigsdorf (Bonn). Generalsuperinten­dent Ohly hält die Eröffnungsandacht am 22. April.

— Bund deutscher Bodcnreformer. Die hiesigen Mit­glieder des „Bundes deutscher Bodenreformer" gründeten hier eine Ortsgruppe. Dabei wurden vier neue Mitglieder für den Bund gewonnen. Es ist beabsichtigt, in Bälde einen Diskussionsabend für die Freunde der Bewegung zu veran- stalten. Die Geschäfte fuhrt vorläufig Herr F. A. Walter Mayer, Alexandrastraße 21, an welchen Anfragen, sowie Neu­anmeldungen gerichtet werden können.

— Feuerbestattung. In den Monaten Januar und Februar wurden allein auf dem hiesigen Rathaus 168 münd­liche Erklärungen abgegeben, welche die Feuerbestattung der Beteiligten anordneten.

— Frühlingsboten. Sonntagnachmittag zwischen 6 und 6 Uhr überflog ein großer Zug K r a n i ch e in nördlicher Rich­tung das Nerotal. Obgleich die Tiere sich in sehr beträcht­licher Höhe hielten, wurden die Spaziergänger doch durch ihr lautes Geschrei auf sie aufmerksam. Gerade über dem Nero­tal konnte man die Flugordnung, die diesen Wandervögeln eigen ist, ganz geradlinige Keile (Dreiecke), gut beobachten. Der Kranich verbringt als „vornehmer Vogel" den Winter im Süden, in Indien und Nordafrika, und im Sommer be­wohnt er die alte Welt vom östlichen Mittelfibirien bis Skandinavien und von der Tundra bis Mitteleuropa. In Deutschland nistet er eigentlich nur östlich von der Elbe.

— Der erste Storch wurde in diesen Tagen auf den Mainwiesen bei Hochheim bemerkt, doch hat er scheinbar nur die alte Wohnstätte besichtigt; er ist wieder verschwunden, um wahrscheinlich in einigen Tagen mit der Störchin das vorjäh­rige Nest zu beziehen. Als Frühlingsbote wird der Storch mit lautem Hurra begrüßt. Mit dem Eintreffen des Storches sind mancherlei volkstümliche Anschauungen verknüpft: der erste Storch bringt Glück, wenn er fliegt, Unglück, wenn er sitzt. Erblickt z. B. ein Mädchen den ersten Storch hoch in den Lüften, so wird sie in diesem Jahre noch den Brautkranz tragen. Hat man beim erstmaligen Erblicken des Storches

in Serbien ein neues Piemont des Balkans zum Angriff gegen Österreich-Ungarn zu schaffen sucht. Und durch Säbel­rasseln sucht nun Rußland die rechte Stimmung für seinen künftigen Handelsvertrag mit Deutschland zu schaffen, wie die Vorgänge der jüngsten Tage zeigten. So sind die Zeiten noch ernst, weil immer noch die großen Schwierigkeiten der deut­schen Politik bestehen bleiben, die gefährdete zentrale Lage Deutschlands, die französischen Revanchegelüste, aber wenn wir auch hart kämpfen müssen um unsere Zukunft, so sollten wir uns doch den gesunden Optimismus bewahren, der die Amerikaner auszeichnet. Mit Goethes Wort: „Nur der ver­dient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß", schloß der Redner seine große historisch-politische Übersicht.

Was Herr Pfarrer Beckmann zu Beginn des Abends in Dankesworten aussprach, können auch wir uns aneignen. Seine ganze pädagogische Dozentenkunst hat Professor Oncken in unseren Dienst gestellt, er hat uns jenseits des Tages­streits, unberührt von der Parteien Gunst und Haß, ein ob­jektives Wissen von diesen großen Dingen vermittelt. Er hat uns zugleich gezeigt, daß die großen Güter unseres Gesamt­lebens sich nur behaupten lassen im mühseligen Kampf ringen­der Kraft, nicht in Hurrastimmung und Enthusiasmus.

Mehr noch als im vorigen Jahre haben aus allen Kreisen unserer Bevölkerung, die an solchen großen Lebens- und Bil­dungsfragen Interesse nehmen, die Hörer ein dankbares Ver­ständnis diesen Vorträgen entgegengebracht. Akademische Be­rufe aller Art waren hier vertreten, Mitglieder des Ofsizier- korps, Lehrer, Beamte, Kaufleute. Und es ist bestimmt zu erwarten, daß im nächsten Jahre, für das wieder ein ähn­licher Hochschulkursus in Aussicht genommen ist, dieser Höver­kreis sich noch vergrößern wird.