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Montag, d. März 1914.
LNesbaSeM? TagNE.
Abend-Ausgabe, 1. Blätt.
Sette ».
CnglanS.
Ausreise Tom Maus nach Kapstadt. London,
1 . März. Der bekannte sozialistische Arbeiterführer Tom Man reiste heute vormittag vom hiesigen Waterloobahnhof mit dem Bootzuge nach Southampton ab, um sich mit deni Dampfer nach Kapstadt zu begeben, wo er die Führung der Arbeiterkampagne gegen General B o t h a in ganz Südafrika übernehmen will. Eine Anzahl sozialistischer Freunde brachte ihm bei der Abfahrt begeisterte Ovationen dar.
Sylvia Pankhurst wieder einmal verhaftet. London, 9. März. Hier wurde gestern Sylvia Pankhurst verhaftet, als sie sich zu einer Suffragetten-Versamm- lung nach dem Trafalgar Square begeben wollte. Als die Nachricht von ihrer Verhaftung bekannt wurde, bewaffneten sich die Frauenrechtlerinnen mit Knitteln und wollten durch die Downing Street marschieren, um gegen die Verhaftung ihrer Führerin Einspruch zu erheben. Dem Zuge stellten sich b e - ritte ne Schutzleute entgegen, welche die demonstrierenden Frauen auseinandertrieben. Wie der „B. L.-A." meldet, kam es hierbei zu einer erbitterten Schlacht, wobei viele Personen nicht unerheblich verletzt wurden. Ein Schutzmann wurde bewußtlos davongetragen und eine Anzahl Rädelsführer, darunter auch Miß Patterson, verhaftet.
Spanien.
Tie Generalratswahlen. Madrid, 9. März. Die Generalratswahlen in Spanien nahmen überall einen sehr lebhaften Verlauf. In Madrid sind vier Kandidaten der sozialistisch-republikanischen Vereinigung gewählt worden, darunter auch Pablo Jglesias, ebenso wurden vier Monarchisten, zwei Liberale und zwei Konservative gewählt. In einem Wahllokal in Bilbao kam es zu e r n st e n S t ö r u n g e n. Es wurden Schüsse gewechselt, wobei mehrere _ Wähler verletzt wurden. Auch bei Zusammenstößen in V a l e n z i a trugen mehrere Personen ernste Verletzungen davon. In V i t t o r i a wurde Ministerpräsident Dato gewählt.
Italien.
Der Rücktritt Giolittis wahrscheinlich. Rom, 8. März. Die radikale Parlamentsgruppe nahm eine Tagesordnung an, in der erklärt wird, daß mit Schluß der Diskussion über Libyen eine politische Periode beendet sei, rn der es der Erfahrung der Regierung, vervollständigt durch die wirksame Mitarbeit der radikalen Vertreter gelungen sei, nutzbringende demokratische und nationale Ideen zu verwirklichen. Gegenwärtig müsse die parlamentarische Lage schleunigst den immer deutlicher hervortretenden politischen Verschiedenheiten Rechnung tragen, damit das Parlament durchaus demokratische Reformen vorbereiteten und durchführen könne. Die Tagesordnung entscheidet, daß man nicht länger bei der gegenwärtigen parlamentarischen Gruppierung bleiben dürfe. Wie die „Tribuna" meldet, wurde dieser Beschluß der radikalen Gruppe mit 19 Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen angenommen, jedoch würden sich die Vertreter, welche sich der Stimme enthielten, aus Parteidisziplin der Entscheidung der Mehrheit fügen. Es bleibe nunmehr abzuwarten, welche Wirkung der Beschluß auf die radikalen Minister und die parlamentarische Lage im allgemeinen haben könne. Man glaubt, fügt die „Tribuna" hinzu, daß die wahrscheinliche De m i s s i o n der beiden radikalen Minister die Demission des gesamten Kabinetts zur Folge haben dürfte. — Rom, 9. März, über den Rücktritt des Kabinetts Giolitti wird am Dienstag ein Ministerrat entscheiden. Am Nachmittage wird dann Gicktti der Kammer die Entscheidung des Ministeriums Mitteilen.
Annahme der libyschen Ausgaben. Rom, 7. März. Die. Kammer hat die libyschen Ausgaben mit 237 gegen 47 Stimmen angenommen.
Ein Demonstrationsgeneralstrerk in Rom. Rom,
8. März. Die Aushebung mehrerer Spitäler aus Ersparnisgründen hat zur Folge gehabt, daß für morgen rn der Stadt der allgemeine Streik ungesagt ist. Alle Geschäfte sollen geschlossen bleiben. Der Droschken- und Trambahnverkehr wird ebenfalls aufgehoben. Nur die Bäckerläden werden geöffnet bleiben. Auf der Piazza Populo wird ein Meeting stattfinden, das jedoch von der Polizei untersagt ist. Die sozialistischen Vereine wollen gleichwohl jedem Verbot trotzen. Die Zeitungen geben bekannt, daß sie infolge des für morgen proklamierten Generalstreiks nicht erscheinen werden.
Nnstland.
Admrralstali.schef Fürst Lieben t* ^ n jLI a ”
9. März. Der Admiralstabschef der russischen . Marine, Fürst Alexander v. Lieven. der sich mit seiner Gemahlin auf der Fahrt von Nizza nach Wien befand, wurde gestern früh im Schnellzuge vom Herzschlag getroffen. Die Leiche des Fürsten ist auf dem Bahnhof zu Udine aufgebahrt.
Valkanstaaten.
Die bulgarischen Neuwahlen. Sofia, 9. März. Die gestern abgehaltenen Wahlen zur Sobranje sind o h n e jeden Z w i sch e n f a l l verlaufen. Sie dürften, wie der Ministerpräsident Radoslawow erklärte, mrt einem Regierungssiege enden. In Sofia haben die RegieriMgskandidaten 5164 gegen 5812 Stimmen der gesamten Opposition erhalten.
Tie Kolonisierung Ncuserbiens. Belgrad, 7. März. Der König Unterzeichnete das Statut, be treffend die Kolonisation in den neuen Gebieten. Da nach haben Anspruch auf Anstedlung in unbewohnten Gegenden der iieuen Gebiete serbische Bürger aus die sen Gebieten, sodann jene aus dem alten Staats- territorium, schließlich Serben und Slawen aus dem Auslande. Den einzelnen Kolonienfamilien wird Land von wenigstens 5. Hektar zugewiesen, außerdem jedem männlichen Famlllennntgliede je zwei Hektar.
Mexiko.
Ern neuer englisch-mexikanischer Zwischenfall. Washington, 9. März. Hier wird ein neuer eng lisch-mexrkanischer Zwischenfall bekannt. Infolge Vor stellungen des englischen Gesandten ist der amerikanische Konsul in Chihuahua vom Staatsdepartement
in Washington aufgefordert worden, eine Untersuchung über die Behandlung einzuleiten, die man einem englischen U n t e r t a n e n hat angedeihen lassen.. Man hatte diesen aus seinen Besitztümern verjagt, die arg verwüstet und geplündert wurden.
Huerta lehnt jede Vermittlung ab. N e w N o r k, 8. März. Einer Meldung des „New Dorf Herald" aus Mexiko zufolge erklärte General Huerta, daß er dre Vermittlung Argentiniens, Chiles und Perus nicht annehmen könne, üa die Beziehungen Mexikos zu diesen Ländern augenblicklich keineswegs freundschaftliche seien.
Mittelamerika.
Neue Unruhen auf Haiti. Washington, 7. März. In Haiti fanden neue revolutionäre Unruhen statt. Das Schlachtschiff „Southcarolina" wurde von Guantanamo nach Port-au-Prince beordert.
China.
Nuanschikai lebenslänglicher Präsident? Schan g h ai, 7. März. Nuanschikai überwies dem Minister des Innern einen Vorschlag der Kreisbeamten von Tschengtu in Szetschuan, bei der Revision der Verfassung Nuanschikai zum lebenslänglichen Präsidenten zu machen. Im Ministerium sollen große Veränderungen bevorstehen. Die Berufung des Gouverneurs von Kansu nach Peking gilt als erster Schritt der Abschaffung seines Postens. Die gleiche Maßregel für die Provinzen Schaust und Schensr dürfte baldigst folgen.__
Luftfahrt.
Ein englischer Fliegeroffizier vermißt. London, 8. März. Auf dem Flugplatz von Hendon ist man in großer Sorge um das Schicksal des englischen Fliegeroffiziers, eines Hauptmanns, der mit Passagier gestern früh um.8% Uhr tn Paris anfgestiegen war, um nach England zu fliegen, wo er gegen 1 Uhr mittags hätte eintreffen müssen. Bis jetzt liegt von den Fliegern keinerlei Nachricht vor und man befürchtet, daß ihnen ein Unfall zngestoßen ist.
Der Prozeß Dalmistro-Pegoud. Rom, 7. März. In dem bekannten Streitfall zwischen dem Aviatiker Pegoud und dem Italiener Dalmistro hat der italienische Sachverständige entschieden, daß die von Pegoud an dem Apparat Dal- mistros vorgenommenen Änderungen unbedingt zu einer Katastrophe hätten führen müssen.
Ku§ Ltttdt UAd Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Dachdecksr-verbandstag.
Vorgestern und gestern war der 24. VerbanLstag des Südwestdeutschen Dachdeckermeisterverbands in den Wart- burgräumlichkeiten dahier unter zahlreicher Beteiligung der Berussgenossen versammelt. Den Verhandlungen wohnten als Gäste an Stadtrat Meier für die Stadt, Zimmermeister Carstens für die Handwerkskammer, Sekretär Ehrhardt für den Lokal-Gewerbeverein, Stadtverordneter Fink und als Vertreter der Hessen-Nassanischen Bauberufsgenossenschaft Maurermeister Schweitzer und Dormann. Der Verbands- Vorsitzende Heinr. Müller (Neuwied) leitete dre Verhandlungen. Das Vereinsvermögen hat um ein Geringes zuge- nommen und beläuft sich heute auf 8849 M. 41 Pf. Der Haushaltsvoranschlag balanciert mit 2400 M. Zum nächstjährigen Tagungsort wurde Karlsruhe bestimmt. Für die Dachdeckerfachschule in Erlangen, welche allein als Fachschule anerkannt wurde, steuert der Verband IOCi SK. bei Für eine würdige Vertretung des deutschen Dachdeckergewerbes bei der Ausstellung in Dresden erfolgte die Bewilligung von 500 M. Die ausscheidenden Vorstandsmitglreder (Kaisel), Muff
(Frankfurt), Roth (Mannheim) und Vcheng (Hanau) wurden wiedergewählt. Unter den Vertretern ^ der Einzelmitglieder befinden sich Barthel (Idstein) und Lober (Biebrich). Der Deutsche Zentralverband, welcher rund 1800 Mitglieder umfaßt, hat recht Erfreuliches geleistet. Der Jnnungsverband ist ansgeschieden, 13 von den 18 ihn umfassenden Bereinigungen jedoch haben einzeln die Mitgliedschaft des Bundes erworben, und zurzeit schweben Verhandlungen, welche den geschlossenen Wiedereintritt des Jnnungsverbands zum Ziel haben. Der nächste Zentralverbandstag wird in Elberfeld am 10. Mai, der folgende gelegentlich der Ausstellung sisi Dresden abgehalten. Dörfler (Mainz) erstattete ein ausführliches Referat über: „Kalkulationen und deren Bedeutung für das Dachdeckergewerbe." Klage wurde dabei besonders . geführt, daß bei öffentlichen Ausschreibungen vielfach Preise abgegeben würden, die zeitweilig um fast 50 Prozent hinter den Selbstkosten zurückbleiben. Als Mindestaufschmö aus die Selbstkostenpreise werden 10 Prozent verlangt, Eine Änderung der heutigen durchaus mißlichen Verhältnisse erwartet der Referent lediglich von der Selbsterziehung des Handwerks. Der Stadtverordnete Fink (Wiesbaden) teilte mrt, daß hier in Wiesbaden bei städtischen Vergebungen grundiatzuch nicht dem Mindest- sordernven der Zuschlag erteilt wird. Von einer Seite wird verlangt, daß das Handwerk durch die Wahlen mehr Einfluß in den städtischen Körperschaften au gewinnen suche. Sekretär Gros (Neuwied) spricht über „Die Entwicklung der Tarifverträge." Das Baugewerbe steht m't 37 Prozent Tarifverträgen an erster Stelle. Seit 1904 belauft sich die Steigerung der Löhne, abgesehen von der Verku^ung der Arbeitszeit, im Dachdeckergewerbe auf 33 Prozent, --er Verband hat ein einheitliches Tarifverzeichnis ausgestellt, welches den örtlichen Vereinigungen als Norm dienen sollte. Der Erfolg war kein guter. Neue Verträge sollten Nicht über den 31. März 1916 hinaus abgeschlossen werden. Ein ^arrsbruch ist nur in Trier vorgekommen. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden werden zurzeit im Reichsbund des Baugewerbes 690 Millionen Mark an Löhnen bezahlt. Zimmermeister Carstens gibt andere Zahlen bezüglich der Steigerung der Löhne. Er warnt vor Tarifbrüchen der Unternehmer^ weil man sonst den Arbeitern das Recht gebe, ein gleiches zu tun. über die Verhandlungen mit dem Verband der Deutschen Baugewerks- berufsgenossenschaften über die Aufstellung der neuen
Normal-Unfallverhütungsvorschriften läßt sich des eingehenden der Vorsitzende aus. Dem Verband ist es im ganzen gelungen, seine Ansichten zur Geltung zu bringen. Die Be- ruftsgenossenschaft will ihre Beschlüsse nur als Richtschnur an
gesehen wissen. Den Behörden steht das Recht zu, über sie hinauszugehen. Innerhalb der Hessen-Nassanischen Berufs- genossenschäft beläuft sich der Gesahrenzuschuß auf 24 M. für 1000 M. gezahlten Lohnes. Der Satz kann nur dadurch hernntergedrückt werden, daß alles geschieht, um Unfälle zu verhindern. Eine Anfrage, ob man verpflichtet sei, Unterkunftsräume für die Arbeiter zu schaffen, wird dahin beantwortet, daß es sich dabei lediglich um kommunalpolizeiliche Vorschriften handle. — Ein Antrag der Frankfurter Zwangsinnung betrifft die Stellungnahme gegenüber den Dach- s ch ü d e n r e p a r a t u r - Gesellschaften. Der Verband hat früher beschlossen, daß gegen diese entschieden Front zu machen sei. Nun bestehen aber, besonders in Frankfurt, Meinungsverschiedenheiten darüber, was unter diesen zu bekämpfenden „Dachschädenreparatnr-Jnstituten" zu verstehen sei. Verschiedene Jnnungsmitglieder sind als Inhaber derartiger Institute ausgeschlossen worden, die Aufsichtsbehörde jedoch hat diese Beschlüsse beanstandet. Nach einer langen, zeitweilig mit großer Leidenschaft geführten Debatte wurde beschlossen, in dieser Angelegenheit eine Sitzung des Vorstandes mit dem Frankfurter Jnnnngsvorstand in nächster Zeit in Frankfurt stattfinden zu lassen. — Der Siegener Verband ist ausgeschieden und hat einen neuen Verband gegründet mit außerordentlich rigorosen Satzungen. 11. a. verlangt er, daß Arbeiten nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des VerhandeS übernommen werden. Jede Erörterung von Arbeiterfragen schließt er grundsätzlich aus, und jede Zuwiderhandlung gegen die Satzungen wird mit 1000 M. Geldstrafe geahndet. Der Verband macht zur Bedingung für seinen Wiedereintritt die entsprechende Umänderung der Satzungen. Die Versammlung lehnte es ab, sich dieser Bedingung zu fügen. — Zum Schluß machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß es nach der Erklärung des Handelsministers vom 5. März d. I. wenig Zweck habe, auf Aushebung des tz 100 q der Gewerbeordnung, welcher den Zwangsinnungen die Durchführung von vereinbarten Preisen ermöglicht, zu hoffen. Damit schloß der Verbandstag.
— Todesfall. In seiner Wohnung Moritzstratze 62 verstarb gestern der Garnison-Verwaltungsdirektor a. D. Rechnungsrat Adolf Borrmann im Alter von 82 Jahren.
— Steigen des Rheines. Die anhaltenden Regengüsse der letzten Zeit haben wiederum ein rapides Steigen des Rheines veranlaßt. Unterhalb Biebrichs sind die Ufer bereits überflutet, und so bietet der majestätische Strom ein außerordentlich schönes und interessantes Landschaftsbild.
— Unfälle. Am Samstagabend wurde auf dem Kaiser- Friedrich-Platz, während dort durch Autos und Wagen sehr starker Verkehr herrschte, ein Zeitungsträger in dem Augenblick überfahren, als er einem Kraftwagen ausweichen wollte. Der Mann lief in eine Droschke, wurde überfahren und blieb bewußtlos liegen. Der Kutscher brachte den Verletzten ins städtische Krankenhaus, wo eine erhebliche Kopfverletzung festgestellt wurde. Nach Anlegung eines Verbandes konnte er wieder entlassen worden. — Heute vormittag stürzte der 14 Jahre alte Schlosserlehrling Willy Schäfer von einem an dem Hause Einser Straße 67 angebrachten Tünchergerüst herab und erlitt eine Gehirnerschütterung. Die Sanitätswache brachte den Verunglückten in das städtische Krankenhaus.
— Diebstahl. Vom Treppenpodest einer Villa am Hainer- weg wurden zwei rotlackierte Gartenstühle zum Zusammenklappen gestohlen. Wenige Tage vorher ist ein ähnlicher Diebstahl in einer anderen Straße verübt worden. Es besteht der Verdacht, daß die Diebstähle von einem Menschen ausgeführt wurden, der als Bettler von Hans zu Haus zieht, und d,e Gelegenheit zum Diebstahl dabei erkundet.
— Schadenfeuer. Gestern mittag geriet in dem Hause Taunusstraße 55 die Holzbekleidnng eines Aufzuges in Brand. Die Feuerwehr konnte in kurzer Zeit jede Gefahr beseitigen.
— Kleine Notizen. Städtischer Seefisch verkauf findet in bisheriger Weise am ßbienstag, den 10. März auf dem hiesigen Wochenmarkte statt. — Ein Haupttreffer von 10000 M. fiel bei der Ziehung der Roten-Kreuz-Lotterie ans dre Nr. 118165 in die Glückskollekte Karl Cassel Hierselbst.
Musik- und Vortragsabend«.
So oft auch Herr Direktor Ad. Steffi er mit seinem Hanauer Operetten-Ensemble im Kurhaus seinen Einzug hält, er darf immer eines frohen Empfanges sicher fern. Auch am SamStag war der große Saal ansehnlich gefüllt und der Beifall sehr lebhaft. Die verschiedenen theatralischen Szenen und Einzel-Austritte waren von Herrn Steffter mit vornehmem und zugleich pikantem Geschmack arrangiert: Alles klappte da vorzüglich. Die Sänger und Sängerinnen sind zwar nicht streng „nach Garcia" gebildet, aber sie besitzen große musikalische Gewandtheit und Geschicklichkeit und zumeist hübsche srilche Stimmittel. Der Stern des Ensembles ist und bleibt die blonde Else Trauner: sie gibt alles so natürlich, echt und durchtrieben, daß sie ihres Sieges stets sicher sem darf.. In ihren beiden Hauptschlagern: „Untern Linden und „Kind, ich schlafe so schlecht" wurde sie vonLwrrn I. Hretel bestens unterstützt: dieser Darsteller und Sänger besitzt Mel Humor und liebenswürdige Spielmanieren unp erfreute besonders auch in dem Kolloschen „Menuett", das er mit seiner Partnerin sehr elegant tanzte. In mehr derb-lustrger Weise wirkt der Buffo Herr Wanczvcki. Freundlich ausgenommen wurden: die schlanke Lilli Schönberger. _ die in einigen Solo- nnmmern ansprechendes Talent vernet; und die ebenfalls schon von früher ber bekannte Karla Kraus, die besonders mit dem unverwüstlichen „BAia-Lied" Erfolg hatte Das K u r - orchester steuerte einige Marsche und Tanzweisen zum Programm bei und Herr .Kapellmeister W e i tz k o p f f bezeigte sich als umsichtiger Dirigent. -n.
Das dritte V o lkskonz ert, zu dem der ..V o lks- bil d ungs ber e in Wiesbaden. E. V." (Abteilung für Volksuntorhaltung) aus Sonntagnachmittag 4 Uhr in den Saal des „Turnvereins . Hellmundstraße 25. eingeiladen hatte, zeugte durch seinen außergewöhnlich lebhaften Besuch wiederum von der Beliebtheit dieser gemeinnützigen Veranstaltungen Alle verfügbaren Plätze erschienen besetzt, wenn auch in der Mehrzahl wiederum nicht gerade von denen, für die diese Konzerte eigentlich bestimmt sind. Von den Mitwirkenden sprach am meisten an Fr!. Hedwig Schäfer (Sopran), mit Liedern von Grieg, Hildach und Taubert. Dabei mußte des letzteren Komponisten „Der Vogel im Walde" auf stürmisches.Verlangen wiederholt werden. Die Begleitung hatte Frl. Ellsiweth Schilkowski übernommen und bestens dnrchg.eführt. Dieselbe Künstlerin machte sich weiter um den hübschen Nachmittag verdient, und zwar in Gemeinschaft mit Frl. Herta urndt (Violine) und Hedwig Hertel (Cello) in Trios von Haydn und von Beethoven. Die Damen fanden mit,'hxen anziehenden Darbietungen ein reges Interesse und reEichvn Beifall. Die Chorvorträge, sechs an der Zahl, führte derA^uUAAesimg- verein „Hilda" unter Leitung seines Chorwoisters Hermann S ti llg er aus, und zwar mit der von di ewr. vortrefflich geleiteten Sängerschar gewohnten Reinheit. ..B-aziston und Frische. Auch ihr fehlte der Erfolg nicht: die Hörer zollten den gediegenen Leistungen lebhafteste Anerkennung. Hinterließ so das ganze Arrangement den besten Eindruck. io darf her veranstaltende Verein selbst auch auf dies dritte seiner dieswinter- lichcn Konzerte mit berechtigter Befvledigung zuruckschaue». A
