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Skr. 113. ©swatisg, 8. ML§Z 1914.

feine Ausführungen nichts. Eine Perücke der ruhigen Ent­wicklung mutz mit allem Nachdruck gefordert werden. Richtig ist, daß der deutsche Markt in den Kolonien einen immer größeren Einfluß gewinnt. Das ist auch für den deutschen Handel und nicht zuletzt für die deutsche Arbeiterschaft von größter Bedeutung. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in den Kolonien kann nicht geleugnet werden. Die Erreichung des Tanganjikasees ist ein Meisterwerk deutscher Technik, auf die mit Stolz und Bewunderung zu sehen wir allen Anlaß haben. Hierin ist ein Ereignis zu sehen, das für die ganze Entwicklung Afrikas von größter Bedeutung ist.

Anzuerkcnncn ist die relativ günstise finanzielle Entwicklung der Kolonien.

Die Aufwendungen des Reiches sind jetzt nur noch gering. Unsere Kolonialverwaltung mutz auch der Wissenschaft weitest entgegenkommen und unsere Museen mit Material versorgen. Die Klagen über Arbeitermangel in den Plantagen werden immer lauter. Sie sind begleitet von Mitteilungen über schlechte Behandlung der schwarzen Arbeiter. Werden die schwarzen Arbeiter zurückgedrängt, so haben die Plantagen keine Existenzberechtigung. Die Eingeborenen sollen die Schutzbefohlenen des Reiches sein. (Sehr richtig!) Welche Garantien kann der Staatssekretär geben, welche Folgen seine Anordnungen in Afrika haben werden? Die Sterblichkeit in den Plantagen wächst erschreckend, teilweise ist der vierte Teil der ganzen Arbeiterschaft dahingestorben. Da müssen wir bestimmte Garantien fordern. Den Missionen sollte die zollfreie Einführung der Gegen­stände gewährt werden, die sie für den Unterhalt der Missionen und für den Unterricht gebrauchen. Auf die Beamten in den Kolonien kann man hier nicht Bezug nehmen, da sie aus­reichend bezahlt werden und daher den Zoll für die Lebens­mittel wohl bezahlen können. Den Missionen sollte auch mehr Land zur Kultivierung überwiesen werden. Von der toten Hand kann man dabei nicht sprechen, denn gerade die Musterplantagen sind zum größten Teil Werke der Missionen. Es mag wohl Anstrengung kosten, ein solches Kolonialpro­gramm durchzuführen, aber bei dem guten Willen des Staats­sekretärs und der Unterstützung des größten Teils des Reichs­tags wird es ihm möglich sein, diese nationale Kolonialpolitik durchzuführen. (Beifall im Zentrum.)

Abg. Keinath (natl.): Die Erfolge unserer Kolonialpolrtik sind in wirtschaftlicher Beziehung durchaus befriedigend. Dieses Ergebnis ist um so höher einzuschätzen, als stets nur von einer zehnjährigen deutschen Kokonialpolitik gesprochen werden kann. Die Handelsbilanz in den Kolonien, nament­lich an Kautschuk und Pflanzenölen, ist durchaus gut. Der deutsche Bedarf hierin wird von den Kolonien voll gedeckt. Wenn wir in dieser Entwicklung nicht gestört werden, sehen wir einer erfreulichen Zukunft entgegen.

Die überraschenden Einnahmen aus den südwestafrikanischen Diamanten müssen dem Schutzgebiet verbleiben.

Sie dürfen nicht zu Reichszwecken verwendet werden. (Sehr richtig') Die Entwicklung Südwestafrikas schemt sich recht günstig zu gestalten. Der deutschen Intelligenz und Tüchtig­keit wird es schon gelingen, im Laufe der Zeit auch aus dresem Lande etwas zu schaffen. Das europäische Kapital kann in den Kolonien nicht entbehrt werden. Bisher hat dieses Kapital keine besonders glänzenden Geschäfte gemacht. In der Be­amtenschaft draußen muß größere Stabilität eintreten. Die kleinlichen Händel in der Beamtenschaft selbst, sodann mit Pflanzern und Missionaren, sind für uns niederschmetternd. Die Missionen haben eine große Bedeutung für die Einge- borenenkultur. Leider machen sich die Missionen beider Kon­fessionen untereinander den Rang streitig. Den Vorteil da- von hat der Islam. Die b e i d e n K o n f e s s r ° n e n sollten ihre Zuständigkeitssphäre selber abgrenzen Wenn be, den katholischen Missionen auch dogmatrsche Grunde entgegen- stehen, so verlangen diese aber die praktischen Rücksichten. Dxe » e ch t s v e r h ä l t n i s s e in den Kolvmen muffen ausgebaut verden. Das deutsche Kapital wird unter den ^tzrgen Ber- iältniffen nicht ermutigt, in die Kolonien zu gehen. Die § i s e n b a h n p o l i t i k des Staatssekretärs unte rstütze ich wll und ganz. Die Kolonien kommen dadurch wirsichaftsich mrwärts und der Reichszuschuß vermindert sich. Es ist em systematischer Ausbau des Eisenbahnnetzes notwendig. Dm rutsche Kolonialpolitik wird letzten Endes zu emer kulturellen und sittlichen Hebung der Eingeborenen fuhren. Immerhin ist das Deutsche Reich berechtigt, die Kolonialpolrtik zu treiben im Interesse der heimischen Volkswirtschaft. Hmstchtsichder Schntztruppen müflen wir anerkennen, daß sie Mit ai^er- ordentlich geringen Mitteln Großes geleistet haben (Sehr wahr!), unter weitgehender Schonung der Eingeborenen. Für die Entwicklung unserer Kolonien ist unbedingte Stetigkeit zu verlangen. (Bravo! bei den Nationalliberalen.)

Abg. Gothein (Vpt.): Für die Kolonien mutz möglichst das System der Selbstverwaltung geschaffen werden. D'.e Gesetzgebung mutz sich aber das Reich Vorbehalten, sonst fuhrt die Entwicklung ohne weiteres zu einer Unterdrückung der Eingeborenen. Trotzdem wünschen wir, daß die Verrate, Landräte und Gouvernementsräte nicht ausfchlietzlrch aus Natabeln zusammengesetzt werden, sondern baß weitere Kreise bei der Vorbereitung von Gesetzen mit- zusprochen haben.

Wenn darüber geklagt worden ist, daß unsere Kolonien ihre Baumwollwaren in erster Linie aus England beziehen, so liegt das daran, daß unsere Textilausfuhr überhaupt zuruck- gegangen ist. Das ist die W i r k u n g u n s e r e r L e b e n s - Mittelteuerung unsrer heimischen Wirtschaftspolitik. Aul die wachsende Handelsbilanz unserer Kolonien können wir mit Befriedigung zurückblicken. Die Sozialdemokraten sind prinzipielle Gegner der Kolonialpolitik, so daß, wenn es nach ihnen gegangen wäre, noch heute Amerika und Kanada ausschließlich von Indianern bewohnt wären (Sehr gut! und Heiterkeit.) Das ist die einfache Konsequenz. Die erste Bedingung für die Erschließung unserer Kolonien ist der Bmi von Eisenbahnen. Der Trager- dienst hat viel mehr Opfer verlangt wie der Eisenbahnbau. E^en raschen Bau des Plantagenwesens wollen auch wir nicht Die Kautschukplantagen haben sich aber durchaus be­währ' Es müssen auch schwarze Bauern angesiedelt werden Die Missionen müssen regional sich so einfchränken, daß sie sinander nicht ins Gehege kommen. Für eine wesentliche Ver­stärkung der ärztlichen Hilfe in den Kolonien muß gesorgt

Abg. Dr. Arendt (Rpt.): Ich freue mich in Erinnerung an Ate Zeiten, zuw größten Teil mit den Ausführungen des Abgeordneten Gothein mich einverstanden erklären zü können. Der ruhige Verlauf unserer Debatte ist ein gutes Zeugnis

MASbKdmreV TagbLKtt» _ Mor gen-Ausgabe, 1. Matt. Seite 5.

für die Entwicklung unserer Kolonialwirtschafi. Die Haus­sklaverei, die gegenwärtig noch 180 000 Sklaven zählt, ist in ständiger Verminderung und dürfte in wenigen Jahren ganz verschwunden sein. Besondere Vorsicht ist den sogenannten afrikanischen Sachverständigen entgegenzu­bringen. (Sehr gut! — Zurufe: Sie selber. —■ Heiterkeit.) Reichstagsabgeordnete sind natürlich ausgeschlossen. Jeden­falls dürften die vorgebrachten Beschwerden vielfach auf Über­treibungen beruhen. Die Überschüsse aus den Diamanten- einnahmen sollten namentlich für den Eisenbahnbau in Süd­westafrika verwendet werden.

Die Entwicklung unserer Kolonien kann nur allmählich vor sich gehen.

Für die einheimische Bevölkerung aber ist es von Nutzen, daß die Weißen mit ihrer Kultur dort Eingang gefunden haben und Fortschritte machen. Für uns sind indessen die Kolonien eine wachsende Quelle des Wohlstandes des Reiches.

Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.): Wir dürfen uns freuen

über das, was unsere Kolonialverwaltung und was die Schutz­truppe geleistet haben. Kolonisieren heißt missionieren. Be­sonders stolz können wir auf unser Institut für ärztliche Mission sein. Unser Kolonialbesitz ist eine vorzügliche Kapital­anlage. Die Sterblichkeit in den Schutzgebieten von 40 bis 50 Prozent ist jedoch höchst bedenklich. Es sollten uns zuverlässige statistische Zählen darüber unterbreitet werden. Die Haussklaverei in Ostafrika müssen wir unter allen Um­ständen schnellstens beseitigen, damit unsere Kolonialpvlitik zum Segen des Vaterlandes und der Kolonien ausschlagen kann.

Darauf wird die Weiterberatung auf Montag 2 Uhr ver­tagt; vorher Wahlprüfungen. — Schluß 5 Uhr.

Abgeordnetenhaus.

Eigener Dvahtbericht des „Wiesbadener Tagblatts".

$ Berlin, 7. März.

Am Ministertisch: Handelsminister Dr. Sydow.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 18 Minuten.

Die Beratung zum Etat der

Handels- und Gewerbeverwaltung

wird fortgesetzt.

Zunächst wird die Abstimmung über den Antrag Aron­sohn (Fort'schr. Vpt.), betreffend Schutz der elektrischen Aleinindustrie wiederholt. Der Antrag wird gegen die Ssimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten ab ge­

lehnt.

In der Spezialberatung über den Etat begrüßt Abg. Frhr. v. Maltzahn (kons.) die Regelung der Anstellungsver- HLltniffe der Lotsen.

Dbg. Graes (kons.): Die Gewerbeaufficht wird bei uns

in ausreichendem Maße ausgeübt. Die Gewerbeinspektoren sollen in erster Linie für die Befolgung der Arbeiterbestim­mungen eintreten. Es ist aber nicht ihre Ausgabe, eine be­sondere Fruchtbarkeit in bezug auf neue sozialpolitische Maß­nahmen zu entwickeln. Die G ewerb eauf sicht sb e> amten sollen bei Ausübung ihres Amtes den Mittelstand nicht schikanieren, sondern pfleglich behandeln. Gegen die den Gewerbeauffichtsbeamten gegebene Befugnis, polizeiliche Verfügungen zu erlassen, haben wir Bedenken.

Handelsminister Dr. Sydow: Nach der Gewerbeordnung

ist es zulässig, daß Gewerbeauffichtsbeamten diese Befugnis erteilt wird Die Durchführung dieser Maßnahme hat deren Zweckmäßigkeit ergeben, da doch die Gewerbein,spektoren viel mehr praktische Erfahrungen haben als die Polizeibeamten. Dem Abg. Dr. Beumer danke ich für die goldenen Worte, die er über den Wert der Arbeit gesprochen hat. Ich bin auch mit dem Abg. Beumer darin einverstanden, daß wir in der Großeffenindustrie den Achfftundenarbeitstag nicht einführen können,

das würde eine solche Kostensteigerung 'für die Industrie zur Folge haben, daß ihre Konkurrenz gegenüber dem Auslände geschwächt würde. Doch soll dafür gelsorgt werden, dre Zahl der Überstunden in maßvoller Weise zu beschranien. Bezüg­lich der B ä ck e r e i v e r o r d n u n g wrrd Wohl ern Mittel­weg gefunden werden, der geeignet ist, den Beschwerden ab- zuHEen.

Mg. Giesberts (Ztr.): Wir .. wünschen, daß die milde

Praxis bei der Handhabung der Bäckereiverordnung noch mil­der wird. Bei neuen Gesetzcsvoffchlagen sollten die Gewerbe- irffpektoren möglichst herangeMen werden Dre Sonn­tagsruhe sollte im Gewerbebetrieb möglichst gewährleistet sein. Die Überstunden außerhalb der zwolsstündigen Schicht müssen eingeschränkt werden. Die Gesundheit der Arbeiter in der Eilsenindustrie bedarf eines LffstS 'besonderen Schuhes; deshalb ist es notwendig, daß die Arbeiter,chuhbestimwnngen in diesen Betrieben in weiterqehendem Maße angewendet werden, als die Regierung beabsicht'gt.

Mg. von Kessel (kons.): Ichwarnen vor Über­

spannung der sozialpolitischen Gesetzgebung. Die Erweite­rung der Machtbefugnisse der Gswerbeausstchtsbeamten wird zu einer dauernden Belästigung der Arbeitgeber führen. Wenn auch die Resiernngspräsidenten sich stimmend erklärt haben, so sind die Landräte überhaupt Nicht darüber gefragt worden.

Abg. Dr. Cremer (natl.): Bon einer körperlichen D e g e n e r i e r u n g der Arbeiter rn den Großeisen- werken kann keine Rede sein. Dre Überstunden sind nicht ein geführt, um die Industrie zu bereichern, sondern die Ar­beiter drängen sich vielfach dazu.

Auch wir haben Bedenken dagegen, daß Gewerbeinspek­toren Polizeiverfügungen erlassen können, weil, diese Beamten in der Mehrzahl rme zu geringe Kennt- nis der wirtschaftlichen' Verhältnisse haben. Unsere Industrie sollte nicht immer weiter mit Lasten bepackt werden, die sie nicht tragen kann. Die Behauptung der Sozialdemokraten, daß durch unsere^Wirtschafts- und . Zollpolitik die Lage der Arbeiter sich verschlechtert habe, ist In der Unfallver­

hütung haben wir dank der Gewerbeaufficht und dank der Qpfer, welche die Industrie für die Arvenerychutzeinrichtungen gebracht hat, wesentliche Fortschritte gemacht. Die Frage der Sonntaasruhe muß so geregelt werden, daß die wirtschaft­lichen Interessen von Gewerbe und ^noustne nicht zu kurz kommen. m „

Handelsminister Dr. Sydow: Fine Vorlage zur Rege- lung der Sonntagsruhe liegt dem Reichstag vor, und wenn der Vorredner gegen eine Beschränkung der Arbeit an Sonn­tagen eintritt, so" mag er. sich nicht an die Regierung, son­dern an seine Freunde im Reichstag wenden, die für eine j weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe eintreten,

Abg. Hue (Soz.): Wir begrüßen es, daß der Minister

den Gew erb e a u ffs ich t s b e a mt e n mehr Exeku­tive geben will. Wir sind für Anstellung auch weiblicher Geüoerbeaussichts'beamten. Das Kinderschutzgesetz hat bisher nur wenig praktische Bedeutung gehabt. Die Gewerbeaufficht ist jetzt!sehr mangelhaft.

Dir fordern daher eine erhebliche Vermehrung der Ge­werbeaufsichtsbeamten.

Da die Zahl der Unfälle in vielen Gewerben zugenommen hat, müssen die Arbeiterschutzbestimmungen verschärft werden. Wenn bei Unglücksfällen in gewerblichen Betrieben, beispiels­weise bei Explosionen ein Materialschaden in der Umgebung eintritt, so muß auch eine Entschädigung dafür gewährt werden.

Ein Regiernngsrommiffar: Über die Explosion der Am-. linfabrik in RummÄsburg ist sofort eine Untersuchung einge­leitet worden, diese hat aber bisher eine Klarheit über die Ursache des Unglücks nicht gebracht.^ Die Apparate sind ein­wandsfrei gewesen. Die Untersuchung wird noch weiterge­führt. Es wird alles geschehen, was möglich ist, um derartige Vorkommnisse zu vermeiden. Die Frage einer Entschädigung für die Schäden, die die Anlieger etwa in solchen Fällen er­leiden, wird erwogen werden.

Abg. Rvsenow (Vpt.): Die Unternehmer klagen über zu hohe soziale Belastung; sie sollten aber bedenken, daß ein großer Teil dieser Kosten durch die Leistungen der Arbeiter den Arbeitgebern zufließen. In den Betrieben, in denen vor­zugsweise Arbeiterinnen beschäfttgi sind, sollten auch Frauen zur Fabrikinspektion herangezogen werden. Wir verlangen, daß in den Bäckereien für Gesundheit und für die nötigen hygienischen Einrichtungen gesorgt wird.

Die Debatte wird geschlossen. Inzwischen ist 'ein Antrag Braun (Soz.) und Genossen eingegangen ans Vor­legung eines Gesetzentwurfes, durch welchen die Unternehmer verpflichtet werden sollen, Ersatz für Schäden zu leisten, die durch Explosionen in Betrieben enfftehen. — Der Antrag wird abgelehnt.

Die Abgg. Heckenrvth (kons.) und Marx (Ztr.) führen so­dann Klage darüber, daß die Maß- und Gewichtsord­nung noch nicht in allen Punkten durchgeführt sei. — Ein Regierungskommlssar erwidert, es sei ein Erlaß auf Durch­führung der Maß- und Gewichtsordnung ergangen.

Hierauf wird die Weiterberatung auf Montag 11 Uhr vertagt. Außerdem Bergwerksetat. — Schluß %5 Uhr.

Letzte DrahLDerichte.

Die Äußerung des Generals v. Kracht auf dem Preußentag.

s - Berlin, 7. März. (Erg. Drahtbericht) Soeben ist der stenographische Bericht über die Verhandlungen des ersten Preußentags erschienen. Interessant ist, was der Bericht über die bekannte Äußerung des Generals v. Kracht mitteilt. Der General hatte danach die Äußerung eines Bayern bei der Schilderung einer Episode in der Schlacht bei Longvy erwähnt: „Na, da kriegen wir wieder Courage." Und sodann heißt es in dem stenographischen Bericht weiter: „Sehen Sie,

meine Damen und Herren, so fasse ich als Soldat die Hegemonie auf." (Beifall.) In dem lauten Beifall sagte einer der Herren Zuhörer: „Natürlich, wenn die Preußen kommen, so bekommen alle Courage." Me lachten über den Witz, ich auch, und sagte von der Tri­büne steigend: „Natürlich." Hiernach hat also urplötz­lich der General v. Kracht, wie der stenographische Bericht mitteilt, die vielbefchdete Äußerung über­haupt gar nicht gemacht, sondern „einer der Herren Zuhörer".

Die Nachfolge des Kardinals Kopp.

wb. Köln, 7. März. Die in verschiedenen Blättern aufgetauchten Namen für die Nachfolgeschaft des Kardi­nals Kopp sind Kombinationen. Insbesondere kommt der Bischof von Trier wegen seines hohen Alters nicht in Betracht, ebensowenig der von Hildesheim, der wegen seiner Kölner Richtung der Kurie nicht genehm ist. Auch der Benedikttnerprior Freiherr v. Stötzingen, der bekanntlich am Berliner Hofe persona grata ist, ist für den Posten nicht auserschen.

Der zweite Fall v»n Kroitprinzenbcleidigung. wb. Berlin, 7. März. In dem Prozeß gegen den Redak­teur des „B o r w ä r t s", Dr. Ernst Meyer, wegen Beleidi­gung des Kronprinzen beantragte der Staatsanwalt 4 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf 3 Monate. In der Begründung wurde u. a. ausgeführt, daß der zur Anklage stehende Artikel „Parodie auf den Regimentsbefehl an das Husaren-Regiment in Langfuhr" in hämischer Weise geschrie­ben worden sei. Er bedeute eine arge Ehrverletzung des Kronprinzen. Obwohl der Angeklagte noch nicht vorbestraft, konnte das Gericht ihm wegen schwerer Beleidigung mildernde Umstände nicht zuerkcnnen.

Die Ersatzwahl in Samter-Birnbaum.

XX Pvstn, 7-Wrz. (Eig. Drahtbericht) Das polnische

Provinzialwahlkomitee für den Wahlkreis Samter-Birnbanm- Obornik, der durch die Mandatsniederlegung des Grafen Mielzynski vor einer Reichstagswahl steht, proklamierte den Prälaten Klotz als Kandidaten. Deutscher Kandidat fft bekanntlich Herr v. Haca-Radlitz. Die Wahl findet am 17. März statt.

Die Erfolge deS Generalpsrdons im Regierungsbezirk Kassel.

wb. Kassel, 7. März. In der heutigen Sitzung deS Kom­munallandtags machte der Abgeordnete Landrat und Kam­merherr v. Keudell aus Eschwege die Mitteilung, daß in­folge des Generalpardons im Regierungsbezirk Kassel an Einkommen und Vermögen nach der bis jetzt aus den "einzel­nen Stadt- und Landkreisen vorliegenden vorläufigen Schätzung über 100 Millionen mehr deklariert worden seien.

Die Ankunft des Fürsten Wilhelm in Durazzo.

wb. Durazzo, 7. März. Die Königsjacht „Taurus" mit dem Fürstenpaar von Albanien an Bord ist, be­gleitet von den Kriegsschiffen „Quarto", „Gloucester" und „Bruis". um 2 Uhr 16 Min. hier eingetroffen und mit Artilleriesalven und Hochrufen seitens der Bevölke­rung begrüßt worden. Das Fürstenpaar begab sich um 3 Uhr unter erneuten Ehrensalven und dem Jubel der Bevölkerung an Land.