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Seite 4. Nbend-Ausgabe, I. Blatt. MiesKsdeAer Dienstag, 3. März 1914. 7tr, 1V4.

— Die Zionistische Ortsgruppe Wiesbaden veranstaltete am Sonntag, den 1. März, im Festsaal der „Loge Plato" eine öffentliche Versammlung, die Stellung nehmen sollte zu dem bekannten Sprachenstreit Palästina und zu der scharfen Er­klärung einer Anzahl Juden gegen den Zionismus, die im Anzeigenteil einiger Tageszeitungen veröffentlicht war. Der erste Redner, Herr Dr. A. Goldberg (Berlin) beschäftigte sich mit dem Sprachenstreit. Der Hilfsverein der deutschen Juden hatte in seinen Schulen Hebräisch als Unterrichtssprache eingeführt, in der letzten Zeit aber wurde das Hebräische in den Schulen des Hilfsvepeins immer mehr verdrängt. Darauf begann in Palästina ein Verlassen der Schulen des Hilfsver­eins durch Schüler und Lehrer und die zionistische Organi­sation mutzte selbst Schulen in Palästina mit hebräischer Un­terrichtssprache einrichten. Der Redner betonte besonders, datz auch in den neuen Schulen der Zionisten Deutsch die Hauptfremdsprache im Lehrplan sei, und datz das Auswärtige Amt in Berlin und der deutsche Generalkonsul in Jerusalem mit diesem Modus vollständig einverstanden seien. Der ganze Kampf hat mit dem vollen Sieg der Zionisten geendet. Der zweite Redner, Herr Dr. I. Prager (Kassel) beschäftigte sich mit der „Erklärung" gegen den Zionismus und behandelte das Verhältnis der Zionisten zum Deutschtum. Zum Schluß nahm die gut besuchte Versammlung folgende Resolution ein­stimmig an: „Die von der Zionistischen Ortsgruppe Wies­baden einberufene stark besuchte öffentliche Versammlung vom 1. März 1914 weist die jüngst im Inseratenteil politischer Tageszeitungen veröffentlichte Erklärung des antizionistischen Komitees als in der Form unwürdig, dem Inhalt nach un­berechtigt aufs entschiedenste zurück."

— Alpha Wiesbaden. Der Arbeitsausschuß der Allge­meinen photographischen Ausstellung hat in seiner dritten Sitzung, die gestern im „Hotel Prinz Nikolas" abgehalten wurde, festgesetzt, datz die Alpha vom 6. September bis zum 4. Oktober im „Paulinenschlötzchen" ftattfinden werde. Die endgültigen Bestimmungen wurden angenommen und als Termine für die Meldungen zur Beteiligung der 39. Juni, für die Einsendung der Ausstellungsobjekte der IS. August bestimmt.

— Aus dem Sommerfahrplan 1914. Nach dem vorläufi­gen Entwurf des vom 1. Mai ab geltenden Sommerfahrplans treten folgende wichtigere Änderungen auf den Hauptstrecken des Direktionsbezirks Frankfurt ein: Frankfurt-Wies- baden-Köln: O-Zug 172a: Wiesbaden ab 1.08 nachm.,

Frankfurt (Hauptbahnhof) an 1.69, ab 2.06, in Aschaffenburg 2.48. Der Zug führt durchgehende Wagen von Holland nach München und Triest. Eilzüge 263/262: Frankfurt ab 9.42 vorm., Rüdesheim ab 9.30, Frankfurt an 11.04 abends. — Frankfurt-Limburg: Personenzug 595 ab Frankfurt 7.22 nachm., seither bis Eppstein gehend, wird bis Niedern­hausen durchgeführt. Der Gegenzug wird ebenfalls ab da gefahren; ab Niedernhausen 8.40 nachm. Zug 586, Frankfurt- Niedernhausen, ab Frankfurt 2.09 nachm, wird bis Idstein durchgeführt. An 3.40. Zug 588, seither Eppstein-Frankfurt, wird von Idstein aus gefahren, ab 5.25 nachm., an 6.32. Zug 587, ab Frankfurt 4.02 wird bis Niedernhausen durchgeführt. Sonntagszüge Frankfurt ab 6.58 nachm., an Eppstein 7.45, Eppstein ab 8.10 nachm., Frankfurt an 8.57. — Frankfurt- Cronberg: Ab Frankfurt 7.08, 8.27, 9.30, 10.51, 12.30, 1.28, 2.25, 3.29, 5.12, 6.10, 6.45, 7.25, 8.15, 9.43, 10.44, 11.57.

_ Cronberg-Frankfurt: Ab Cronberg 4.44, 5.42,

6.31, 7.21, 8.22, 9.15, 10.24, 12.09, 1.20, 2.17, 3.18, 4.28. 6.56, 7.40, 9.10, 10.37.

— Eisenbahn-Assistentenverband. Der Bezirksverein Mainz (Sitz Darmstadt) des Eisenbahn-Assistentenverbands hielt am Sonntag, den 1. März, in Wiesbaden seinen 10. Be­zirkstag ab, welcher sehr stark besucht war.• Nach einem Hoch auf den Kaiser und den Großherzog von Hessen wurde zur Tagesordnung übergegangen, welche hauptsächlich in der Be­ratung der von den einzelnen Ortsvereinen gestellten Anträge zum diesjährigen Berbandstag in Hamburg bestand. Ein von dem Verbandsvorstand in Berlin eingegangenes Begrüßungs- telegramm fand lebhaften Beifall. Mit großer Genugtuung wurde es ausgenommen, datz die so lang ersehnte Gleich­stellung im Gehalt mit den Postassistenten endlich verwirklicht werden solle. Gleichzeitig wurde allgemein anerkannt, daß die Lage unserer Eisenbahndiätare keine beneidenswerte sei, und für Besserstellung dieser Beamtenkategorie soll voll und ganz eingetreten werden. Besondere Bedeutung erhielt dieser Bezirkstag durch zwei höchst interessante Vorträge des Ober­bahnassistenten Schiffers aus Köln über die kulturhistorische Entwicklung der Eisenbahnen sowie über das Verbandsleben im allgemeinen und die Leistungen des Verbands im beson­deren, wofür dem Vortragenden reicher Beifall zuteil wurde. Mit einem Hoch auf den Verbandsvorstand wurde der Bezirks­tag geschlossen.

— Zum Boykott gegen die Frau Ewers in Zabern wird uns geschrieben: Wie aus den anlätzlich der bekannten Vor­fälle in Zabern gegen den Obersten v. Reuter und den Leut­nant Schad geführten Prozessen noch allgemein bekannt sein dürfte, wn^de damals auch die Zigarrenhändlerin Frau Karl Ewers Wwe. aus Zabern, Hauptstraße, als Zeugin vor Ge­richt vernommen. Wegen ihrer wahrheitsgetreuen, für die angeklagten Offiziere günstigen Aussagen wurde Frau Ewers von der Zaberner Bevölkerung geschäftlich derart boy­kottiert, daß ihr vollkommener wirtschaftlicher Ruin zu befürchten war. Auf diese Tatsache wurde von verschiedenen Zeitungen hingewiesen, und es wurde mit Recht von jedem deutsch und vaterländisch denkenden Rancher verlangt, wenig­stens einen Teil seines'Bedarfs an Zigarren oder Zigaretten bei Frau Ewers zu decken. Wie wir hören, sind u. a. auch die Mitglieder des Kreisausschusses des Landkreises Wiesbaden dieser Anregung nachgekommen, indem sie 1000 Zigarren von Frau Ewers bezogen. Diese Sendung ist zu größter Zufriedenheit ausgefallen.

— Was nicht zur Konfirmandenausstattnng gehört. Nicht nur die Eltern, sondern auch die Verwandten pflegen vor der Konfirmation eines Kindes förmlich zu wetteifern, ihm an diesem Tage wieder einmal so recht eindringlich zu beweisen, wie lieb sie es haben. Da es nur wenigen gegeben ist, durch Worte ihrem ^Empfinden Ausdruck zu verleihen, so wählen sie meistens bie Form eines Geschenks, um zu zeigen, wie groß die Zuneigung ist- hie sie dem Heranwachsenden Kind ent­gegenbringen und wre viel ihnen daran liegt, bei ihm in guter Erinnerung zu bleiben. manchen Gegenden kommen zu Eltern und Verwandten auch noch die Paten, die ebenfalls durch verschiedenartige Geschenk die Konfirmanden erfreuen wollen, und so ist es denn leine Seltenheit, daß es sowohl Knaben wie Mädchen gibt, die sich buchstäblich mit Schmuck be­hängen könnten, wenn es der Ernst des Tages zuließe. Man sollte nun glauben, daß alle Konfirmanden, die als Konfir­mationsgeschenk Schmuckstücke erhielten, an diesem ernsten Tag keinen Gebrauch davon machten und ihn für die späteren

zahlreichen Gelegenheiten aufheben, wo es besser am Platze ist; doch dem ist leider nicht so. Das Luxusbedürfnis unserer Zeit verführt auch schon die Konfirmanden dazu, denselben zu frönen, und so haben wir dann die unerfreuliche Tatsache jedes Jahr von neuem zu verzeichnen, daß die Aufmerksam­keit der Kinder an Konfirmationstagen stark geteilt ist zwi­schen der Andacht und weihevollen Stimmung, in die sie die ernste Stunde verseht, und dem Wohlgefallen an neuem Be­sitz. So konnte es im Vorjahr kommen, daß eine Konfir­mandin mit der Uhr in der Hand auf den Stufen des Altars spielte und beim Gelöbnis und Handschlag diese erschreckt niederfallen ließ, wo sie klirrend zersprang. Nicht ihr selbst, dieser beglückten Besitzerin der Uhx, war ein Vorwurf für die­ses Vorkommnis zu machen, sondern den Eltern, die sie der­art zum Kirchgang schmückten. So weit mußten sie ihr Kind kennen, um zu wissen, ob diese Äußerlichkeit imstande war, seine Sinne abzuwenden. War das aber der Fall, dann mußten sie ihm für den Kirchgang das Anlegen dieses Schmuckes verweigern. Ist der angeführte auch nur ein Ein­zelsall, so könnte doch wohl mancher aus eigener Erfahrung minder unerquickliche Abarten desselben anführen. Grund genug, einmal ernstlich auf diesen Übelstand hinzuweisen. Nicht die Sitte des Beschenkens der jungen Konfirmanden, auch nicht die Freude derselben am neuen Besitz soll gerügt werden, sondern einzig und allein die unangebrachte Verwen­dung von Schmuck am Konfirmationstag. F. U.

— Die elektrische Notbeleuchtung in Warenhäusern. Die elektrische Notbeleuchtung in Warenhäusern bespricht Ober­ingenieur Schloß in Berlin in Heft 2, 1913, der „Feuerwehr- technischen Zeitschrift". Die Notbeleuchtung soll, falls die Hauptbeleuchtung versagt, die Haupteingänye im Gebäude und die aus diesem ins Freie führenden Wege so beleuchten, daß sie selbst bei Rauchentwicklung in diesen noch genügend erhellt sind. Dieser Bedingung entspricht aber nur die elek­trische Glühlampe, die aber auch von den Behörden für die Notbeleuchtung von Theatern, Konzertsälen, Warenhäusern usw. vorgeschrieben ist. Außerdem muß für die Versorgung der Notbeleuchtung eine von der Hauptbeleuchtung völlig un­abhängige Stromquelle angeordnet werden. Hieraus ergeben sich mehrere Lösungen für die Durchbildung der Notbeleuch­tung: Einzelstromquellen für jede Notlampe, mehrere ans einzelne Gebäudeteile verteilte Stromquellen für je eine Gruppe von Notlampen, und endlich eine für alle Notlampen gemeinsame Stromquelle. Verfasser behandelt die verschiede­nen Konstruktions- und Anordnungsmöglichkeiten eingehend und kommt zu dem Schluß, daß für die in Betracht kommen­den Gebäude die Notbeleuchtung mit zentraler Batterie am häufigsten zur Anwendung gelangt ist.

— Telegraphenlinie nach der Fasanerie. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Waldweg nach der Fasanerie, Distrikt „Klosterbruch", im hiesi­gen Stadtwald liegt bei dem Telegraphenamt in der Rhein­straße 4 Wochen aus.

vorberichte über ttunst, Vorträge und verwandtes.

* Königliche Schauspiele. Bei den Programmen der nächsten Sinfonie-Konzerte am 9. und 22. März muß insofern eine Änderung eintreten, als das Reguiem von Verdi, das für den 9. März vorgesehen war. auf den 22. Adärz ve-legt werden mutz, da wegen der Vorbereitungen zur „Parsifcrl"-Ausführung die zum Reguiem nötigen Chorproben nicht ftattfinden konnten. Dafür wird am 9. März das Programm des 22. März gegeben werden. Der Wechsel der Programme erforderte auch einen Wechsel der Solisten, weil Steffi Jung-Geyer (Violine), deren Mitwirkung ursprünglich für den 22.‘ März vorgesehen war, am 9. März nicht abkommen kann. Sie wird dafür im ersten Konzert der nächsten Spielzeit auftreten. Als Ersatz für Frau Jung-Geyer ist nun für den 9. März der erste Konzertmeister des Gewandhausorchesters in Leipzig, Edgard Wollgandt. ein geborener Wiesbadener, und als weitere Solistin Andrejewa v. Skilondz von der Königlichen Oper in Berlin verpflichtet worden.

* Residenz-Theater. Morgen Mittwoch findet das letzte Gastsviel Agnes Sorma statt. Die Künstlerin verabschiedet sich in der Rolle der „Eva" in dem gleichnamigen Schauspiel von Richard Botz, das nach längerer Pause in vollständig neuer Einstudierung wieder in den Svielplan ausgenommen wird.

* Kurhaus. Ein interessanter Vortrag steht für Donners­tag dieser Woche bevor. Der preußische Oberleutnant und türkische .Hauptmann Walter Krey wird seine Erlebnisse im Balkankriege. den er als Flieasroffizier auf Seite der Türken mitumchte. schildern. Der Vortrag wird durch zahlreiche Licht­bilder illustriert.

* Stadttheater Mainz. Am kommenden Freitag findet die deutsche Uraufführung von „Zmeuner" statt. Musikdrama in 2 Akten von Ruqgero Leoncavallo. unter persönlicher Amvesen- heit des Komponisten. Vorher: „War einst eine Schäferin", Oper in einem Akt von Marcel Latte, ebenfalls als deutsche Uraufführung.

* Wiesbadener Künstler auswärts. Baron Walter Erd­

mann v Kalinowski veranstaltete in dieser Saison unter Mitwirkung der Hamburger Künstler Frida Hell-Achilles (Sopran) und Roland Hell i&enor) eine Tournee durch die gröberen deutschen Städte und wnze-tierte dabei auch in Leipzig. Dresden und Köln. Dre „Dresdner Elbtal-Abendpost" schreibt darüber: „Wir lernten ln Kalinowski einen Lieder-- komponisten kennen, der in seinen Tonschöpfnngen ganz eigen­artige. man könnte fast sagen, unmoderne Wege geht, während rnan sonst oft bei Liederkomponilten der Gegenwart die Melodie vermißt und eine himmelanitUrmende Beqleitung hört, so finden wir meist eine gesanglich aut erfundene Melodie. Das Publikum ließ es au aufmunterndem Beifall nicht fehlen." Das „Dresdner Journal" schreibt: „Wer es unternimmt, ein Konzert mit eigenen noch unbekannten Kompositionen zu geben, noch dazu aus dem beschränkten Gevrete der Lyrik, der muß ein wirklicher Könner sein eine kunsnerrsche Persönlichkeit. Die Begleitung am Flügel führte oer Komponist zuverlässig und gewandt aus." Die „Leipziger Rfueften Nachrichten" schreiben: „Kalinowski bat zu den mehr als 20 ruedern großen Teils sehr dankbar- Texte gewählt und führte me wohlklingenden Be- «leitungen entsvrochend aus. Der C'foiq war groß." Das „Kölner Taaelstatt" berichtet: «wmnierte wenigstens

immer die Melodie und Kalinowski bat den Mut der Melodie mehr als den der chavakte -liierenden Ktabimst»-,foitung. Wer em. angenehmes mslodisches Talent verfügt Kalinowski zweifelsohne"

Mitteilungen aus dem «sescyaftsleben.

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. Etwas über Heizung! Eine Hygienisch pollkommenc Heizung soll nicht nur heizen, sondern auch ventilieren. Aus- gsatmete Luft ist verdorben und n 5“ > neuen Forschungen

der Professoren Weichard und Stroede Ermudungsgifte Dü Luftverschlechterunq in nicht ventilierten Raumen geht schnell vor sich, wenn man bedenkt, daß der Ventilationsbedarf eines gesunden Menschen 140 Kubikmeter Luft tro Stunde ist (Rubener.) Schlechte Luft empfindet man als stagnierend und trocken Die Frischluft - Ventilatwns - Heizung der Fsima Schwarzhnuvt. Sviecker u. Co. Nacmnlger. G. m. b. H., Frank­furt a M.. schafft in den Räumen eine vorzügliche, nicht trockene Lust mit der zuträglichen Luftbewegung L-ie ist be­triebssicher. einfach uni billig, über 8000 Anlagen sind in ganz Mitteleuropa bereits in bewährtem Betrieb. Die Heizung rinnet sich vor allem für Einfamilienhäuser, groß und klein für Säle. Vereinshäuser usw. Der Einbau kann auch in alte Häiiser erfolgen. Die Firma stellt Drucksachen. Projekte und Voranschläge kostenlos zur Veriügung. big

aus dem Landkreis Wiesbaden.

— Biebrich, 3. März. Der nach nur zweitägigem Kranken­lager im Alter von 79 Jahren hier verstorbene Major a. D. 6. Sud war ein alter Kriegsveteran; er hat im Rheinischen Ulanen-Regiment Nr. 7 als Oberleutnant den Feldzug 1806 in Böhmen gegen Österreich und als Rittmeister und ESka- dronchef den Feldzug 1870/71 gegen Frankreich mitgemacht. Zu sechs Brüdern waren sie gegen den Feind ausgerückt, von denen zwei nicht zurückkehrten und einer schwer verwundet wurde. Die 7. Ulanen standen, wie heute noch, in Saar­brücken, nur 3 Kilometer von der damaligen französischen Grenze entfernt, und bildeten bei Ausbruch des Krieges mit dem 2. Bataillon der 40er Füsiliere unter dem Kommando des bekannten Reiterführers, des damaligen Majors, späteren Generals v. Pestei, der nach seiner Verabschiedung in Wies­baden gelebt hat, die Grenzwacht gegen den Feind. Am Tage der Kriegserklärung, dem 19. Juli 1870, ritten die 7. Ulanen unter dem Kommando v. Lucks eine siegreich« Attacke gegen französische Chasseurs zu Pferd. Es war dies das erste Ge­fecht in dem glorreichen Krieg. Vierzehn Tage lang hielt sich das kleine Detachement v. Pestel gegen den an der Grenze sich sammelnden übermächtigen Feind. Major v. Luck besaß neben dem Eisernen Kreuz auch den Badischen Karl-Friedrichs-Ber- dienstorden; mit beiden geschmückt, kehrte er aus dem Feld­zug zurück.-o- Dem Beispiel der Firma Kalle u. Co. fol­

gend, beabsichtigt auch die Firma Dyckerhoff u. Söhne für ihre rund 1200 Beamten und Arbeiter ein Kaufhaus zu errichten. — Ein Arbeitsjubiläum konnte in die­sen Tagen Herr Portier Heinrich Moser bei der Firma Kalle u. Co. begehen. Er stand am 24. Februar d. I. 40 Jahre in den Diensten der Firma.

-o- Biebrich, 3. März. Eine interessante Statt- stik: Was liest man und wer liest? Interessante Ziffern bringt der vom Volkbildungsveretn jetzt veröffentlichte Bericht über die Benutzung seiner Bücherei und der angescksiossenen Lesehalle. Die ab 1. Juli v. I. besonnene Statistik weist nach, daß im 2. Halbjahr 1913 16 664 Bücher ausgesebm wurden. Davon entstrllen auf unterhaltende Literatur und Jugendschriften 95 Proz.. während sich die belehrende Literatur, die mit trefflichen Werken ausgestattet ist, in den Rest von 6 Pros, teilen muß. Die Zahl der eingeschr-ieb-nen Leser nebst deren Angehörigen betrug 611. Davon entfallen aus. 1. Selbständige Kauileute und Hmrdwerker 61 Leser = 10 Proz., 2 nichtselbständige Handwe ker 91 Leser — 14 9 Proz,, 3. Chemiker, technische und kaufmännische Beamte 128 Leser — 21 Proz., 4. Staats- und Gemeindebeamte. Lehrer 101 Leser — 16.6 Proz , 5. Arbeiter 109 Leser — 17 8 P oz..

6. Ökonomen, landwirtschaftliche Arbeiter 6 Leser —• 1 Proz.,

7. weibliche Leser 102 Leser = 16 7 Proz.. 8. Personen ohne Beruf lRentner) 13 Leser — 2.1 Proz.

§§ Erbenheim, 3. März. Bei den heute vormittag statt- gefundenen Gemeinde Vertreterwahlen erhielten die meisten Stimmen und zugleich die absolute Mehrheit in der dritten Klasse Maurer Reinh. Splitters, Packer August S t ä g e r, Fabrikarbeiter Wilh. Staustenberg und als Ersatz Lagerhalter Philipp Schäfer. In der ersten Klasse wurden gewählt die Landwirte Adolf Born und Karl Ulrich. Für die zweite Klasse findet Stich­wahl am Donnerstagvormittag 11 Uhr statt zwischen dem Landwirt Fr. Lerpel und dem Sattler Karl Stoll.

fltis Um^efeumct.

Zur Bekämpfung der Rebenschädlinge, m. Bingen, 2. März. Zum Schauplatz einer eigenartigen Vorführung war heute die Burg Klopp geworden. Um den Winzern und Obstbauern die Vorzüge und Nachteile der ein­zelnen, für die Bekämpfung der Schädlinge zur Verwendung gelangenden Apparate zu zeigen, wurden die verschiedenen Gegenstände in Tätigkeit vorgeführt. Zu dieser in ihrer Eigen­art bis jetzt wohl einzigen Veranstaltung hatte sich natürlich eine ganze Reihe von Interessenten eingefunden. Neben Fachleuten aus Bingen und der näheren Umgebung waren solche aus Rheinhessen, von der Nahe, vom Mittelrhein, aus dem Rheingau und aus der Rheinpfalz anwesend. Begrüß! wurden die Erschienenen vom Kreisrat des Kreises Bingen, Geheimrat Dr. Steeg, während die Veranstaltung von Wein­bautechniker Willig (Bingens geleitet wurde. Vertreten waren ferner der Rheinhessische Weinbauverein und die rheinhessisch« Weinbaüdomäne. Von der Preußischen Weinbaudomäne war Geheimrat Czeh (Wiesbaden) mit mehreren Beamten an­wesend. Dte Vorführungen erstreckten sich über den ganzen Vormittag und fanden noch am Nachmittag statt. So weit die Apparate für den Weinbau in Frage kamen, wurden die nöti­gen allgemeinen Erklärungen vom Weinbautechniker Willig gegeben, während die. Erläuterungen für den Obstbau der Kreisobstbaumwart Hüneborn (Ockenheim) gab.

In die Fremdenlegion verschleppt, wb. Gießen, 3. März. Der aus Frankfurt a. M. stam­mende Ingenieur Conrad, der Vertreter der hiesigen Filiale der A.-E.-G., wird seit Donnerstag voriger Woche von seinen WirtZleuten vermißt. Jetzt ist das erste Lebens­zeichen von ihm^ eingetroffen. Er hat nämlich einem mit ihm befreundeten Pfarrer aus Frankreich geschrieben, daß er in die Fremdenlegion verschleppt worden sei. Conrad wollte in kurzer Zeit eine junge Dame aus Schotten heiraten. Man nimmt an, daß er hier betrunken gemacht und dann über die Grenze gebracht worden ist.

Die Kaisermanöver.

vb. Gießen, 3. März. Ende voriger Woche weilte ein General st absoffizier im Vogelsberg, der unter Führung eines Forstureisters von Schotten aus das Oberland besuchte, um sich über die in den Generalstabskarten noch nicht eingetragenen Änderungen zu vergewissern. Dgxaus dürfte mit Sicherheit hervorgehen, daß der wesen t N che Teil der Kaisermanöver im Vogelsberg stattfindet.

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ht. Frankfurt a. M., 3. März. Der Hausmeister S ch r o t h aus Sgelsbach, der sich wegen Blutschande seit Sonntag im hiesigen Untersuchungsgefängnis befand, hat sich gestern erhängt. — Ein Friseurgehilfe aus Mainz sollte gestern von der hiesigen Kriminalpolizei wegen eines in Mainz be­gangenen Brillantendieb st ahls verhaftet werden. Als die Schutzleute das Friseurgeschäft, in dem er gegenwärtig tätig ist- betraten, richtete der junge Mann einen Revolver gegen sich und tötete sich durch einen Schutz in die Schläfe.

letzte Drahtberrchte.

Mus der MMtLrstrafoesetzkmchkommMon.

8. Berlin, 3. März. (Eig. Drahtbericht) Die Reichstags­kommission zur Änderung des Militärstrafgesetzbuches trat heute ohne eine allgemeine Besprechung in die Beratung der einzelnen vorgeschlagenen Änderungen ein. Die Vorschläge der Regierung, betreffend die Einführung von mildern-