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9eUe 4. MLend-Nusgabe. 1 Blatt.

von 9380 M. wurde UN vorige» Jahr durch einige größere Spenden und durch das Fest im „Paulinenschlößchen" am Bermählungstag der Prinzessin Viktoria Luise gedeckt. Auch in diesem Jahr müssen außergewöhnliche Zuwendungen kom­men. um die etatsmätzigen Ausgaben decken zu können. Im Hinblick auf diese schwierige Finanzlage hat der Vorstand bis­her davon abgesehen, den 7. Hort, der. nach der Zahl der An­meldungen, als dringende Notwendigkeit erscheint, einzurich­ten. Auch von dem Vorschlag, dem Blücherhort eine dritte Abteilung zuzufügen, hat man Abstand genommen, da es an Mitteln fehlt. So sehr auch der Gedanke von der Wichtigkeit der Schutzpflege in Kinderhorten sich immer mehr befestigt, wie das Anwachsen dieser Einrichtung durch ganz Deutschland beweist, so sehr fehlt es hier an der Möglichkeit, vorerst an einen weiteren Ausbau heranzutreten. Der Verein ist dem Wiesbadener Stadtverband für Jugendfürsorge beigetreten, er gehört dem Deutschen Kinderhortverband und der Deut­schen Zentrale für Jugendfürsorge in Berlin an. In allen diesen Organisationen ist er durch seine Vorstandsmitglieder in der Verwaltung vertreten. Die Berichte der Kommissio­nen melden von erfolgreicher Tätigkeit. Die Kommission 1 zur Überwachung schul- und hortentlassener Zöglinge hat im Jahr 1918 Fürsorge für 110 Hortentlassene übernommen. Sie erteilt Rat bei der Berufswahl, sorgt für geeignete Lehr- und Dienststellen und gewährt nach Möglichkeit Beihilfe zur Aus­bildung oder zur Gesundheitspflege. Die Veranstaltung eines Elternabends zur Aussprache über die Berufswahl fand gro­ßen Anklang. Der Kommission wurde eine einmalige staat­liche Beihilfe von 75 M. aus dem für Jugendpflege ausge­setzten Fonds gewährt. Der Kommission 2, „Hortgärten", wurde durch verschiedene Spenden hochherziger Gönner die Möglichkeit gegeben, ihre so wertvolle Arbeit durchzuführen. Der Aufenthalt in den Gärten, die Beschäftigung mit der Gartenarbeit erweist sich vom erziehlichen und vom hygieni­schen Standpunkt als außerordentlich segensreich. — Der von Herrn Bankrat Purruck er erstattete Kassenbericht ergibt: Jährliche Beiträge 7807 M. 48 Pf., Zuschuß der Stadt Wies­baden 3900 M., einmalige' Beiträge 11124 M., Überschuß aus den Weihnachtseinnahmen 686 M. 70 Pf., Zinsenkonto 8868 M. 38 Pf., Stiftungskonto 3200 M., denen als Ausgaben in den 6 Horten, einschließlich Generalunkosten, die Summe von 22 579 M. 22 Pf. gegenübersteht. Mit den Abschreibungen auf Effektenkonto, Übertrag auf Stiftungskonto, Bermögens- konto balanciert die Jahresrechnung mit 30 488 M. 8 Pf. Die Abrechnung der Bestärde war . von den Herren A. Glaefer und Kommerzienrat Langenbach geprüft und richtig befunden und auf deren Antrag wurde von der Versammlung dem Vorstand Entlastung erteilt. Desgleichen für die Kassenfüh­rung der Kommissionen. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstands und Ausschusses wurden wieder­gewählt. In den engeren Ausschuß neugewählt wurden Fräulein v. Düngern, Frau Ernst und Fräulein Weinsheimer und die Herren Dr. Geister, Stadtschulrat Müller und Re­gierungsrat Zimmer. In den weiteren Ausschuß Fräulein Th. Ebenau, Fräulein v. Krauskopf und Frau E. Wernecke; als Kasfenreviforen für das Jahr 1914 die Herren A. Glaeser, Kommerzienrat Baum und Rentner Altgeld. Mit dem Dank an alle, die die weitverzweigte Arbeit stützen und fördern, schloß die Vorsitzende die Versammlung.

„Sommerfest."

Der Singchor des König!. Theaters veranstal­tet alljährlich um diese Zeit im Theatersaal der „Walhalla" ein Fest, dessen Reinertrag einem guten Zweck zugeführt wird: der Peusionskasse der Veranstalter. Seiner Gewohn­heit ist der Chor auch diesmal nicht untreu geworden, und der Erfolg ist ihm ebenso treu geblieben wie er seiner Ge­wohnheit. Der Saal war zum platzen voll; die Stimmung des Publikums war ausgezeichnet, und kein Mensch hat offen­bar irgendwie Anstoß daran genommen, daß die Veranstal­tung eigentlich unter einer falschen Flagge segelte. Nämlich: „Sommerfest" war sie genannt, aber der Sommer fehlte eben­so wie jedes äußere Zeichen des Sommers, man müßte denn hierzu die weißen Mützen rechnen, die den Herren verkauft wurden, oder die Kränze, die neben den Fähnchen den Saal schmückten. Jedoch: zu den Kränzen hatten — täuschen wir uns nicht — nordische Tannen das Grün geliefert. „Ein wah­res Glück", sagte mein befrackter Freund, „daß ich meinen hellen Anzug nicht angezogen habe, ich würde ja direkt auf­sallen!" Einer hatte einen strohernen Hut auf; er erregte mit seiner sommerlichen Kopfbedeckung begreifliches Aufsehen. Heiß wurde es freilich bald, und zwar ordentlich! Ich bin natürlich überzeugt, daß das alles einer wohldnrchdachten Ab­sicht entsprach; denn ein bißchen Täuschung mußte auf einem Fest sein, das gewissermaßen den Karnevals-Kehraus bildete. Die Täuschung wurde, wie gesagt, mindestens von keinem unangenehm empfunden, und auch die C n t t ä u - s ch u n g, die der Ausfall einiger Nummern des dreizehnstelli­gen Programms verursachte, hielt nicht lange stand: der Ball ließ alles vergessen, und wer Glück bei der gut besetzten Tom­bola hatte, den wurmte es schließlich nicht mehr gm: so sehr, daß Fräulein Haas nicht „Ich liebe dich" (wem würde das wider den Strich gegangen sein?) gesungen hatte, daß er um die „Frühlingsstimmen" der Frau Friedfel dt und um das „Frühlingshoffen" der Frau Krämer gekommen war. Bei Nummer 11 standen auf dem Zettel acht Fragezeichen. Ich weiß nicht, was das bedeuten sollte, wahrscheinlich aber war es ein sachter Hinweis auf den karnevalistischen Paragraphen 11, der auch für das „Sommerfest" Geltung hatte. Bon den Mitgliedern unserer Hofbühne hatten die Damen Fräulein E i ch e l s h e i m, Frau Balzer-Lichtenstein, Fräulein Sommer sowie die Herren Licht enstein, Scherer, Rehkopf, v. Schenck und Herr mann ihre Kraft in den Dienst der guten Sache, und — in erster Linie — des Humors gestellt. Der „nichtendenwollende" Beifall zeigte am besten, in welch rosiger Stimmung sich die Zuhörer befanden und wie sehr man sich freute, die Helden und Heldinnen der Bühne wieder einmal ganz solo auf den Brettern zu sehen. Das Ballett, bestehend aus den Damen A. Gläser, S. Gläser, Mondorf, Nefferdorf, Jnttner, Vohwinkel, Weikerth und W i tz e l, tanzte einen Herzklopfenpolka (wenn's schon zum Herzklopfen beim Ballett kommt!) und eine Tarantella, daß es eine Art hatte. 2B i e man nachher, nach der Nummgr 13, getanzt hat, wissen wir nicht, das wo ist bei der außerordentlich starken .Inanspruchnahme des Platzes sicher ein nicht leicht lösbares Problem gewesen. ____ -fl’.

— Regierungspräsident Dr. v. Meister ist gestern abend von Berlin zurückgekehrt und hat die Dienstgeschäfte heute wieder übernommen.

— Todesfälle. Upeute verstarb das Mitglied des Magi­strats, Baumeister Heinrich Blume, geboren am 1, Juli

MiesIrKderrer TsMatt.

1840, nach kurzem Kranksein. Er war 1890 zum Stadtver­ordneten gewählt und 1906 Stadtrat an Stelle des verstorbe­nen Herrn Brötz geworden. 1912 wurde er wiedergewählt. Stadtrat Blume war Vorsitzender der Hochbaudeputation. Während seiner Amtsdauer sind verschiedene größere städti­sche Bauten errichtet worden, so das Kaiser-Friedrich-Bad, die Landesbibliothek und mehrere Schulbauten (Manteuffelschule und Lorcherschule); auch wurde der Museumsneubau be­gonnen. Aus Anlaß der Erbauung des Kaiser-Friedrich-Bads erhielt Stadtrat Blume den Roten Adlerorden 4. Klasse. — Gestern morgen entschlief der Königl. Postdirektor a. D. Daniel Bartsch im 70. Lebensjahre. Er stand zuletzt in Neiße und wohnte seit Jahren in hiesiger Stadt.

— Ein abgesagter Gesangwettstreit. Der Gesangwett­streitsmüdigkeit, von der in diesem Jahr schon aus verschiede­nen Orten berichtet wurde und die ihre Ursache einesteils in der starken Konkurrenz der erstklassigen Stadtvereine, zum anderen aber in den ungünstigen Wirtschaftsver­hältnissen ist nun auch der vom Männergesang-Verein „U n i o n" aus Anlaß seines 60jährigen Gründungsjubi­läums zu Pfingsten vorbereitete nationale Gesang­wettstreit zum Opfer gefallen. Ein gut besuchter'''Dele­giertentag, der gestern nachmittag in der Turnhalle in der Hellmündstraße stattfand, hat nach mehrstündigen Beratungen den Beschluß gefaßt, den Wettstreit nicht abzuhalten. Das Ergebnis der Ausschreibungen, das der Vorsitzende des ge- schäftsführrnden Ausschusses Bureauvorsteher C. Bender mitteilte, ist in Anbetracht der aufgewandten Mühe geradezu kläglich. ES war beabsichtigt, einen Wettstreit zu arrangieren, welcher der Bedeutung Wiesbadens in jeder Beziehung Rech­nung tragen sollte. In zweimal 3000 Rundschreiben waren die namhaftesten Vereine zur Teilnahme aufgefordert wor­den. Außer zahlreichen Ehrenpreisen, deren Stiftung von hochstehenden Persönlichkeiten in Aussicht gestellt war, stan­den 6000 M. an Geldpreisen zur Verfügung. Auch ein Kaiser­preis war zu erwarten. Der Regierungspräsident hätte das Protektorat übernommen und für den Ehrenausschuß waren eine Reihe glanzvoller Namen gewonnen. Und das Ergebnis? 12 Vereine hatten für die 6 Klassen ihre Zusage gegeben, und zwar 8 in den drei Stadtklassen und 4 in den drei Landklassen. Die Dispositionen mußten darnach natürlich geändert werden. Der Ausschuß schlug vor, den Wettstreit tu zwei Abteilungen abzuhalten: die drei Vereine der ersten Stadtklasse für sich in der ersten und die übrigen 9 Vereine in der zweiten Abtei­lung. Die kleineren Vereine der Landklassen fühlten sich da­durch in ihrer Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigt. Nach län­geren Beratungen machte ein Mainzer Delegierter den Vor­schlag, den Wettstreit aufzugeben, ein Antrag, der schließlich auch angenommen wurde. Der Männergefang-Verein „Union" wird sein Jubiläum nunmehr ohne Wettstreit im Rahmen eines Lokalereignisses feiern. -ü-

— Festfeier der Wiesbadener Kindergottesdienste. Zum erstenmal seit der Einfichrung der Kindergottesdienste in Wiesbaden veranstalteten die Leitungen der Kindergottes­dienste sämtlicher evangelischer Gemeinden Wiesbadens ein Kindergottesdienstfest. Dasselbe begann am Samstagabend mit einer Feier für die Lehrer und Lehrerinnen im Vereins- Haus, Platter Straße, die bei gedeckten Tischen statffand und sehr zahlreich besucht war. Als Hauptredner des Abends war der durch die Förderung der kirchlichen Kinderpflege weit über die Grenzen Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Schweiz bekannte Bremer Geistliche Pfarrer Dr. theol. Zauleck gewonnen. Der greise Geistliche konnte aus einer mehr denn 40jährigen Praxis auf d«sem Gebiet sehr wert­volle Anregungen und Beispiele geben. Außer ihm sprachen noch Pfarrer Schützler und Dr. theol. Schlaffer. — Am Sonn­tagmorgen fand sodann in der Ringkirche der Festgottesdienst statt. An diesem Festkindergottesdienst nahmen neben den ge­ladenen Gästen, unter denen wir Prinzessin Elisabeth von Schaumburg-Lippe, Geh. Konfistorialrat Jäger (Bierstadt), Stadtschulrat Müller, sowie eine Reihe Vertreter kirchlicher Körperschaften und der hiesigen Schulen wahrnahmen, 1800 Kinder teil. Den Altardienst mit Liturgie und Wechselge- sängeu der gesamten Kinderschar leitete Pfarrer Veidt. Dar­auf hielt Pfarrer Dr. theol. Zauleck (Bremen) eine Muster­katechese mit sämtlichen Kindern ab, die allgemeines Inter­esse erweckte. — Am Abend fand dann im Luthersaal der Lutherkirche ein allgemeiner Elternabend statt. Der weite Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Pfarrer Kortheuer leitete die Veranstaltung und begrüßte die Er­schienenen, betonend, daß dies die erste derartige Veranstal­tung sei. Ein Violinenquartett trug Schuberts herrliches „Andante aus dem D-Moll-Quartett" vor, Pfarrer Dr. Zauleck (Bremen) sprach als Hauptredner des Abends über das Thema: „Kindergottesdienst — Familie und Gemeinde". Zwei Soli der Konzertsängerin Fräulein Chelius, die mit Wärme vorgetragen wurden und lebhaften Beifall fanden, so­wie mehrere Chöre, vorgeiragen von dem gemischten Chor des „Christlichen Vereins junger Männer" unter der Leitung des Mittelschullehrers Loh, trugen zur Verschönerung des Abends bei. Die Schlußansprache hielt Pfarrer Dr. Schlosser.

— Feuer im Wald. Dir Königl. Regierung gibt bekannt, daß nach einer Mitteilung der Forstbehörde es in letzter Zeit wiederholt vorgekommen sei, daß Wandervögel zum Zweck des Abkochens im Wald ein offenes Feuer angezündet haben, ohne die Erlaubnis der Forstbehörde zu besitzen. Die Regierung warnt ernstlich davor, da sich alle die Personen, die Feuer im Wald. anzünden, strafbar machen und außerdem für den Schaden haften müssen.

— Ein schwerer Stratzenunfall ereignete sich gestern abend auf der Erbenheimer Chaussee in der Nähe der Ge­markungsgrenze. Ein Automobil, das mit verschiedenen Höchster Herren von Wiesbaden kam, wollte einem Fuhrwerk der Wiesbadener Teppichreinigunzsanstalt ausweichen, streifte jedoch dabei, da im selben Augenvlrck auch eine elektrische Straßenbahn vorüberfuhr, das eine Hinterrad des Wagens. Der Wagen wurde herumgeschleudert und umgeworfen. Der Inhaber des Reinigungsinstituts, der den Wagen selbst lenkte, der frühere Polizeiwachtmeister Patzer, wurde herunterge­schleudert, kam jedoch mit leichten Hautabschürfungen davon. Gerne Frau dagegen, die ebenfalls herausgeschleudert wurde, brach beide Arme. Das Automobil wurde so schwer beschädigt, daß es die Fahrt nicht fortsetzen konnte.

— Erheblich verlebt hat sich gestern morgen ein in voller Fahrt von der Schwalbacber Straße in die Wellritzstraße fah­render Bäckerbursche dadurch, daß er anscheinend durch zu rasches Fahren einem Biersuhrwerk nicht mehr ausweichen konnte und mit demselben züsammenstietz. Der Bursche wurde am Gesicht und Arm verletzt und mußte sich ins Krankenhaus begeben.

•— Fremdenverkehr. Im „Hotel Quisisarm" ist Ritter­gutsbesitzer Landvat <r. D. Graf v. Königsmark ange- kommen.

Montag, 2. März 1914. Nr. 102.

vorberichre über Ktmft, Vorträge und öernmnötes.

* Kurhaus. Die' Solistin im 11. Zyklus-Konzert ist Eva Plaschke-von der Osten, das vislgefsierte Mitglied der Dresdener Hofoper. Ferner wirkt rn diesem Konzert der Leip­ziger Orgelvirtuose Professor Kavl Staube mit.

* Die Profeffor H. Onckenschen Vorlesungen Wer „Die großen Mächte und die auswärtige Politik des Reiches i von 38/1 bis 1911" beginnen heute Montag, abends 8 Uhr. und werden Mittwoch, Freitag und Samstag in der Aula des Ober- Lyzeums (höhere Töchterschule) fortgesetzt.

* Die Orgelkonzerte am Mittwoch in der Markt- kirche werden vom 26. März ab wieder allwöchentlich bei freiem Eintritt stattftnden.

ZTMcmischZ Nacheichten.

Die Winzer und die Rebschädlinge.

F. 0 Braubach a. Rh., 1. März. Dre verheerenden Wir­kungen der Rebschädlinge, insbesondere des Heu- und Sauer­wurms, machen ein gemeinsames Vorgehen der Winzer gegen die Feinde des Weinstockes immer notwendiger. Aus dieser Erkenntnis heraus hatte heute der Landrat des Kreises St. K Goarshausen, Geheimer Rcgierungsrat B e r g, alle Winzer und Weinbautreibenden des Kreises St. Goarshausen zu einer Versammlung in das hiesige Rathaus einberufen, um über eine zweckmäßige allgemeine Organisation zur Be­kämpfung der Rebschädlinge zu beraten. Die Versammlung war stark besucht. Kreisobst- und Weinbaulchrer B i e r - mann (St. Goarshausen) besprach die Bekämpfung der Reb- ? schädlinge Oidium, Peronospera und Heu- und Sauerwurm in bekannter Weise, gab aber der mechanischen Bekämpfung — Winter- und Sommerbekämpfung — des Heu- und Sauer­wurms den Vorzug vor den chemischen Bekämpfungsmitielri wie vor allem mit Nikotin. Es steihe noch nicht unumstößlich fest, ob mit Nikotin in heißen Sommern so günstige Erfolge wie in dem regnerischen des Jahres 1913 in der Gemeinde Hochheim a. M. erzielt wurden und ob die aus den mit Nikotin behandelten Trauben erzeugte Kreszenz nicht einen Tabakge­schmack annehme. Der Redner wies auf eine allgemeine Be­kämpfung der Schädlinge hin. Sämtliche Gemeinden deS Kreises St. Goarshausen müßten sich zu diesem Behufe zu- ^ sammenschließen, jede Gemeinde im Bezirke von je 40 Morgen Größe eingeteilt und diese unter die Aufsicht je eines er­fahrenen Winzers gestellt werden, der die Bekämpfungsarbei- ten leite. Geheimer Regierungsrat Czeh (Wiesbaden) gab ebenfalls den mechanischen Bekämpfungsmitteln, denen die Zukunft gehöre, dan Vorzug vor den chemischen. Die Königl. Domäne habe geradezu mit den mechanischen Mitteln, wie Ab büvstsn der Rebischenkel, Umwandlung der Weinbergspfaihlan- lagen in Drahtanlagen, Mottensangen, Ausbürsten der Ge­scheine Z. 1a Beiderlinden, Eintüten, glänzende Erfolge er­zielt. Die Kostem der Bekämpfung des Heu- und Sauer- wurms in den Domänialweingütern des Regierungsbezirks Wiesbaden von 1901 bis 1913 hätten 150 202,18 M. ausge­macht, dafür sei aber von 1901 bis 1910 ein Reingewinn von 1 148 895,51 M. erzielt worden. In der sich anschließenden ausgedehnten Debatte trat Geheimer Regiernngsrat Berg für eine allgemeine Organisation wie vorgeschlagen ein und teilte mit, daß er bei dem Ressortminister dahin vorstellig ge-, worden, daß die Gelder aus dem Versuchsfonds nicht allein zur Bekämpfung des Heu- und Säuerwurms, sondern auch zu der des Oidiums und der Peronospera gezahlt werden. Bürger­meister Roth (Braubach), Bürgermeister Herpell (St. Goars- / hausen), Winzer Gras (Braubach), Bürgermeister Schütz (Oberlahnstein) schloffen sich den Vorrednern an. Besonders wies Bürgermeister Herpell darauf hin, daß jede Gemeinde danach streben solle, in ihren Weinbergen Drahtcmlagen ein­zurichten, die nach dem heute Gehörten ein Hauptbe- kämpfungsmiEtel des Wurmes seien. Rentamtmann Schweitzer (Osterspai) brach für das Nikotin vergeblich eine Lange. Die Versammlung erklärte sich schließlich damit einverstanden, eine allgemeine Organisation im Kreise St. Goarshausen zur Rebenschädlingshekämpfung durchzusühren und sandte dem Cheif der Rheinstrombauver- waltung, dem Oberpräsidenten v. Rheinbaben (Koblenz), ein Telegramm, in dem die Winzer des Kreises St. Goarshausen den Dank aussprechen für die Schritte, die von Rheinbaben > eingeleitet, um eine Verminderung der Rauchplage auf dem Rhein he.vbeizuführen.

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— Griesheim 28. Febr. Gestern nachmittag wurde hier eine Frauenleiche gelandet. Die Leiche, die fcbon stark in Verwesung übergegangen war, muß schon längere Zeit im Wasser gelegen haben. Sie wurde auf den hiesigen Fried- 7 Hof gebracht. ht. Eine recht interessante Feststellung wurde hier gemacht, nämlich, daß die hierorts „geschäftlich" verkehrenden Bettler durchschnittlich 60 Pf. die Stunde verdienen, also mehr als ehrliche Handarbeit einbringt. Da kann man sich nicht wundern, wenn die Zahl dieser „Gewerbe­treibenden" immer mehr anschwillt.

Kus der UmgEbrrntz. -

Ein Fabrikbrand in Worms.

wb. Worms, 2. März. Grotzfeuer zerstörte heute nacht gegen Uhr einen Teil der chemischen Fabriken und Afphaltwerke Worms a. Rh.. A.-G. Explosionen machten die Löscharbeiten schwierig. Alle Wormser Wehren waren zur Stelle. Gegen 5 Uhr morgens ist es gelungen, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Betrieb ist nicht gestört.

Ein schweres Automobilunglück.

wb. Worms, 1. März. Bei Rhein-Dürkheim verunglückte heute abend gegen 9 Uhr das Automobil des Möbelfabrikanten Me ff er t mit fünf Insassen. Der Besitzer des Autos und das älteste Kind wurden sofort getötet, die Frau, der Chauffeur und das jüngere Kind wurden schwer verletzt in das hiesige Krankenhaus gebracht. Das Unglück ist auf einen Zusammenstoß mit einem Zug der Kleinbahn Osthofen-Rhein- '' Dürkhmm zurückzuführen.

ht- Frankfurt a. M., 28. Febr. Die bei der E x p l o s i o n im städtischen Elektrizitätswerk schwer verunglückten beiden Männer befinden sich nunmehr außerhalb aller Lebensgefahr. Leider sind sie, besonders Ingenieur Schneider, zu völligen K r ü P P e In geworden. Die Stadt übernahm jede weitere Fürsorge für die Armen. — wb. Rach einem Beschluß des Magistrats sollen die städtischen Arbeitslosenunterstützungen zum 1- März eingestellt werden. Nach der wöchentlichen Statistik der Arbeitslosen wurden in der letzten Woche nur nockl 600 Arbeitslose in Frankfurt a. M. gezählt.

F. Weidenau (Sieg), 27. Febr. Auf dem Ladegleis deS hiesigen Bahnhofs explodierten 8 Sauerstofflaschen beim Verladen. Dabei traf die Stichflamme den Arbeiter Wurm, so daß der Tod sofort eintrat. Die beiden anderen Arbeiter konnten sich retten. Wurm ist Vater dreier unmündiger Kinder. ,