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Nr. 10a, _ Montag, S. März 1814.

dir sich aus Kaufleuten zusammensetzt, ist hier angekommen,

um mit der Regierung zu beraten. Man hofft, Latz sie darauf verzichten wird, die neuen Steuern ernzutreiben. Der Kon-, flitt kommt der Regierung um so ungelegener, als die Kam- merwaHen vor der Tür sichen.

Portugal.

Der Eisenbahnerstreik vertagt. Lissabon, 28. Febr. Das Syndikat der Eisenbahner hat die Streikbewegung ver­tagt. Aus allen Linien ist der Dienst normal.

Italien.

Neue Lärmszenen in der Kammer wegen Tripolis. Rom, 28. Febr. Zu Beginn der Sitzung sprachen Sacchi und Giolitti, um die Tatsachen klarzulegon, um die es sich bei dem gestrigen Zwischenfall handelte. L u z z a t t i nahm davon Kenntnis, die äußerste Linke war von der Lösung des Zwischenfalls nicht befriedigt. Mehrere Abgeordnete der äußersten Linken griffen die Regierung an und riefen Zwischenrufe und Gegenruse hervor. Der Lärm war schließ­lich so groß, daß der Präsident die Sitzung au sh eben mußte. Auf den Gängen wurden die Meinungen weiter in erregter Weise ausgetauscht. Ein sehr lebhafter Zwischenfall ereignete sich zwischen Balsano und Marchefano, wo­bei es zu Tätlichkeiten kam. Der Zusammenstoß wird voraussichtlich weitere Folgen haben. Darauf wurde die Sitzung in ruhiger St'mmung ausgenommen und die Tagesordnung über die Ausgaben für Libyen fortgesetzt.

Albanien.

Eine deutsch-offiziöse Schilderung der Lage. Berlin, s. März. Die „Novddeutfche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau: Fürst Wilhelm von Albanien

hat eine Rundreise bei den Staatsoberhäuptern und Regie­rungen der Großmächte unter Eindrücken durchgeführt, die eine wohlwollende Haltung Europas gegenüber der Organisierung des albanischen Staatswssens erwarten lassen. Der Versuch, südalbanisches Gebiet zur Bildung eines unab­hängigen Epirus zu ibeschlcvgnahmen, wird hoffentlich, nach dem bisherigen Verlauf, eine Übergangserscheinung blei­ben. Bei Griechenland finden solche Bestrebungen kei­nen Rückhalt. Es ist zu hoffen, daß dank der von der griechischen Regierung angeordneten Maßregeln der Beschluß der Großmächte auf Freigabe der Grenzen Südalbaniens Geltung erhalten wird.

Das unabhängige Nordepirus! Paris, 1. März. Nach einer Blättermeldung aus Balona teilte Zografos der albanesischen Kontrollkommission telegraphisch mit, daß die in Arghrokastro versammelten Vertreter der epirotischen Pro­vinzen die Unabhängigkeit von Nordepirus proklamiert haben und daß eine provisorische Regierung ein­gesetzt wurde, welche im Amte bleiben wende, bis die soeben einberufene konstituierende Versammlung eine endgül­tige Verfassung ausgearbeitet habe. Zografos fügte hinzu, daß die Epiroten jeden Versuch einer militärischen Be­setzung oder eines Vormarsches der Albanesen als Mt der Feindseligkeit anfehen würden. — Im Gegensatz hierzu steht eine Meldung aus Athen, wonach auf eine Anfrage Minister- Präsident Benizelos dem dortigen italienischen Gesandten über die Lage im Epirus die beruhigendsten Versiche­rungen gab.

Die Räumung Koritzas durch Griechenland. Athen, 28. Febr. Offiziell wird bekannt gegeben, daß die voll­ständige Räumung Koritzas seitens der griechischen Truppen morgen erfolgen wird. Gouverneur Oberst Ku- dulis wird die Stadt einer unter dem Kommando eines hol­ländischen Offiziers stehenden albanischen Gendarmerieabtei- lung offiziell übergeben, — Auch der Kommandant der Insel Chi mal« erhielt den Befehl, die Stadt zu verlassen und sie den albanesischen Gendarmen zu übergeben.

Die Petersburger Reise des Fürsten. Petersburg, 28. Febr. Der Fürst von Albanien stattete dem Ministerprä­sidenten und dem Präsidenten des Reichsrats Besuche ab und reiste heute abend 7 Uhr nach Berlin ab.

Russische Anerkennung des albanische« „Königreichs"?

Petcrsburg, 1. März. Bon sonst gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß der Zar bereits seine Zustimmung zur Proklamierung Albaniens zum Königreich gegeben hat.

Die Rückkehr Essad-PaschaS. Wien, 1. März. Die albanische Abordnung unter Führung Essad-Paschas ist heute vormittag nach T r i e st a-bgereist, wo sie sich nach D u r a z z o c inschifft.

Die Reise des Fürsten von Trieft nach Albanien. Wren, 28. Febr. Der Prinz zu Wied wird sich am Donnerstag in Triest nach Albanien einschissen.

Türkei

Said-Pascha t* .Konstantinopel, 2. März, ^er Senatspräsident Said-Pascha ist gestern im Alter.von - "7 Jahren gestorben. Er hatte eine große Rolle im politischen Leben gespielt. Er war achtmal Großwesir, fünfmal Unter der Herrschaft Wd ul Hamids und dreimal unter jung- türkischem Regime.

Der Nachfolger Said-Paschas. K o n st a n t i n o p e l,

2. März. Wie hier verlautet, soll der Großwefir als Nachfolger des verstorbenen Said-Pascha Vorsitzender des Senats werden. In diesem Falle wird H a l i l - B e i das Grotzwesirat übernehmen.

Die Ankunft der neueil deutschen Offiziere in Konstanti-

«opel. Konstantinopel, 1. März. Die neuen deutschen

Offiziere der deutschen Militärmifsion sind soeben hier ange­nommen. Es sind dies: drei Obersten, von denen der eine das Kommando der Besesttgungsiwerke in Adria- nopel übernimmt, der zweite das der Artillerie- schule und der dritte die I n s p e k t i o n der F e lda r t i 5- teric. Außerdem, sind.vier Majore eingetroffen. Der erste von ihnen wird die Leitung der schweren Belage­rn n g s a r t i l.l c r i c. übernehmen, der zweite die Leitung der Feldartillerieschule, der dritte erhält daS Kom­mando der ersten Kavallerie- Eskadron und der vierte endlich ist zum Lehrer an der General st absfchule ausersehen.

Die Kammerwahlen. Konstantinopel, 28. Febr. Heute fanden die Kammerwahlen statt. Die Liste 2 der Komiteekandidaten ^ vereinigte beinahe sämt- i ch e Stimmen der 453 Wähler aus sich. Die unabhängigen Kandidaten erhielten nur 6 bis 8 Stimmen. Bis jetzt sind 53 Abgeordnete gewählt, die sämtlich Anhänger des Komitees Und. Der gewesene Minister D schab id wurde in den Dar­danellen, der Unterrichtsminister <schükri-Bei in Kajta- wuni gewählt. Wan erwartet, daß >bis Mitte Mürz die Mehr- 8«hl der Abgeordneten gewählt ist. Die Eröffnung des Par­laments wind zu Anfang April .erwartet. '

WieskmLmröx. TagblkkL.

Eine Bersuchsmsbilisatim dreier Armeekorps. L o n - ü o n, 28. Febr. Aus Konstantinopel wird dem „Daily Chroniole" über Constanza gemeldet, daß Kriegsminrfter Enver-Pascha eine Ve r s u ch s m o b i l if a t i o n der drei Armeekorps von Aid in, Erzingian und Damaskus angeordnet Hube. Beim Zusammentritt deS Parlaments im März wolle er die europäische Entscheidung über die ä g ä i s ch e n Inseln angreifen. In Koustantinopel habe (Bereits die Requisition von Pferden lbegonnen.

NoröafriLa.

Ein nener italienischer Sieg in Tripolis. R o m, 1. März. Die Truppen in der Zone Beug h a s i griffen nach dem Plan des Generals Am egt io, der die Leitung der Opera­tionen übernommen hat, am 28. Februar das Lager des Fein­des bei Es Sleidima, das von 2500 Mann besetzt war, an. Zwei Kolonnen, nämlich die gemischte Kolonne Meomartini, die durch die Ebene vorrückte, und eine Kolonne Askaris unter Latini, die über die Höhenzüge marschierte, griffen an. Die feindliche Artillerie, die bei Es Sleidima ausgestellt war, konnte nur wenig Schüsse abfeuern. Obwohl der Feind sich auf den Höhen zur Verteidigung eingerichtet hatte, hatte er einen Angriff von zwei Fronten nicht erwartet. Daher waren der Angriff der Kolonne Latini und der glänzende Vovstoß der gemischten Kolonne sehr wirksam und erzeugten eine allgemeine Flucht beim Gegner. Die Italiener verloren zwei Askaris und vierzehn Verwundete. Der Feind hatte 235 Tote und mehrere hundert Verwundete. Zwei Lager wurden nieder gebrannt und zahlreiche Waffen er­beutet.

Mexiko-

General Billas Pläne. Paris, 1. März. General Billa telegraphierte ans Chihuahua einem hiesigen Blatte, daß er sich anschicke, mit seinen Truppen gegen Espe- rando vorzurücken. Bei T o r r e o n, wo General Huerta zahlreiche Streitkräste versammelt habe, werde es zweifel­los zu einem Zusammen st o ß konrmen. Dieser würde im Falle eines Erfolges den Konstitutionalisten den Marsch nach der Hauptstadt erleichtern. Die Konstitutionalisten, welche demnächst eine Staatsbank mit einem Kapital von 10 Millionen Pesos errichten würden, verhandelten eben jetzt über den Einkauf von 3 Millionen Silber, um die Ausgabe von P a p i e r g e l d zu garantieren.

Der Fall Benton und der Fall Bergara. Mexiko,

1. März. In einer Massenversammlung bri­tischer Staatsangehöriger ist gestern ein Telegramm an Sir. Edward Grey gesandt worden, in der er aufgesordert wird, bei der britischen Regierung dahin zu wirken, daß der Fall Benton genau untersucht werde. — Zwei erfahrene Armeewundärzte in El Paso sind beauftragt worden, die Leiche Bentons zu untersuchen. — General Guarjardo, der Befehlshaber der Bundestruppen in Piedras Negras berich­tete dem mexikanischen Kriegsdepartement, daß der amerika­nische Bürger Vergara nicht erhängt wurde, sondern ge­flohen ist. — New York, 2. März. Die Angelegenheit des erschossenen Engländers Benton ist gestern einen Schritt vorwärts gekommen, da sich die Angaben des Generals Billa als unwahr erwiesen haben. Benton ist nicht von einem Kriegsgericht verurteilt und standrechtlich erschossen worden. Er wurde vielmehr im Arbeitszimmer Billas von diesem durch eineu Schuß in den Unterleib getötet. Später feuerte man noch mehrere Schüsse gegen die Brust Bentons ab, um den Anschein zu Eiecken, als sei dieser tat­sächlich hingerichtet worden.

China.

Die Kämpfe gegen den „Weißen Wslf". London,

2. März. Wie die „Times" aus Peking meldet, haben die Regierungstruppen einen entscheidenden Sieg Wer die Bande >des „Weißen Wolfes" davongetragen. Der Sieg ist hauptsächlich der Mitwirkung von Aeroplanen zuzu- schreiben, die die StelluiMn der Räuberbanden auskund­schafteten und ihnen durch Bombenwerfen panischem Schrecken einjagten. Aus beiden Seiten sollen mehr als 4000 Mann ge­fallen sein. — Der „Weiße Wolf", das Haupt der berüchtigten Räuberbande, ist mit 1000 Mann seiner Bande den ihn um­zingelnden Regierungstruppen entkommen und 'befindet sich auf der Flucht nach dem Honan-Geb irge. Seine Verfolger machen die größten Anstrengungen, ihn einzuholen bevor er das re t te n d e G e b i rg e erreicht hat.

Luftfahrt.

Der Prinz-Heinrich-Flug 1914 . Mainz, i. März. Bei erner heute hier von vormittags 10 Uhr bis abends 6 Uhr unter Vorsitz des Generalleutnants Gäde (Freiburg i. Br.s stattgefundenen Vertreterversammlung der Südwestaruppe

^Deutschen Luftfahrer-Verbandes wurde die Mitteilung gemacht, daß zum Prinz-Heinrich-Flug 1914 heute am ersten Nennungstage, bereits die Höchstzahl der Teilnehmer von den Zivilfliegern überschritten ist, indem 24 Nennungen Flugzeugen in Privatbesitz abgegeben wurden. Für den Flug, zu dem der Nennungsbeginn der I.März und Nennunas- schluß der 16. März ist, werden höchstens 20 Offiziere und -7 Zlvilflieger zugelassen. Verschiedene Firmen haben zwei oder drei Flugzeuge gemeldet. Von jedem Flugzeuabesitzcr wird zunächst in der Reihenfolge des Eingangs der Anmel­dungen ein Flugzeug zugelassen und, wenn hiermit die Zabl der 2g Flugzeuge nicht erreicht ist, ein zweites oder drittes Flugzeug usw. In der heutigen Versammlung waren ver­treten die Städte Koblenz, Darmstadt, Frankfurt a. M. Frei­burg i. Br., Gießen, Karlsruhe i. B„ Kassel, Konstanz, Mainz, Mannheim, Marburg, Pforzheim, Saarbrücken, Straß­burg i. E., Speier, Wiesbaden und Worms. Bei dem Prinz- Heinrich-Flug 1914 haben die Bundesfürsten und die Bürger­meister der Freien Städte, so weit ihr Gebiet vom Fluge be- richrt wird, das Protektorat übernommen, der König von Bayern für die bayerische Pfalz, die Großherzöge von Baden, Hessen und Oldenburg, der Herzog von Braunschweig, der Fürst von Schaumburg-Lippe, der Kaiserliche Statthalter von Elsaß-Lothringen und die Bürgermeister von Hambura und Bremen.

Die zweite Probefahrt des neuen Militürluftschifses "Schütte-Lanz". Mannheim, 1- März. Das Militär­lustschiff „Schütte-Lanz 2" ist heute früh 10,15 Uhr zu einer zweiten Probefahrt aufgestiegen. An Bord befanden (sich 26 Personen, darunter die militärische Abnahmekommission. Nach H/zstündiger Fahrt in die Umgebung von Mannheim, wobei die Orte Schwetzingen, Heidelberg und Speier Wer­flogen wurden, ist das Luftschiff um 11,45 Uhr wieder glatt

Abend-Ausgaüe, 1. Blatt. Seite 3 .

vor der Halle gelandet. Das Luftschiff hat die silbergraue Farbe der Zcppelinluftschiffe und ist mit 5 Gondeln und mit 4 Propellern ausgestattet.

Ein Itberlanbflug des französischen Geschwaders. Paris, 1. Marz. Wie aus Tunis gemeldet wird, sollen die Flieger des dortigen Militärflugzeug-Geschwaders demnächst einen gemeinsamen Flug über Algier, Oran, Udschda und Fez nach Casablanca unternehmen.

Fliegertod. Paris, 2. März. Ans dem Flugfeld Am- berieur stürzten gestern nachmittag, wie aus Lyon gemeldet. wird, zwei Flieger aus einer Höhe von 500 Meter ab. Beide waren sofort tot. Sie hatten den Aufstieg mit einem neu­artigen, ganz aus Metall hergestellten Apparat gemacht. Der Sturz wurde durch Bruch des linken Flügels herbeigesührt. Die beiden verunglückten Flieger stammen aus Rußland und heißen mit ihren richtigen Namen Gabriel und Peter Wrombleskt. Das von ihnen erfundene Flugzeug, mit dem sie den Flugversuch machten, war ein gepanzerter Ein­decker.

Die Affäre Pegoud. Mailand, 1. März. Die lang­atmigen Erörterungen der hiesigen Presse haben noch keine Klarheit in die widerspruchsvolle Affäre Pegoud-Freimuth gebracht. Die Behauptungen der beiden stehen sich schroff gegenüber. Inzwischen hat die Behörde die gerichtliche Be­schlagnahme des Flugzeuges verfügt. Weiteren Nachrichten zufolge ist Pegoud in Mailand eingetroffen und heute vor­mittag in der Angelegenheit der Sabotage an dem Apparat des italienischen Aviatikers Dalmistro vom Untersuchungs­richter vernommen worden. Nachmittags wird Pegoud einem Sachverständigen, dem gerichtlich beeidigten Ingenieur Galli, die notwendigen technischen Erllärungen über den Apparat selbst geben. Sodann werden die Siegel entfernt werden und Pegoud wird nachmittags oder Dienstagfrüh mit dem Flug­zeug einige Flüge ausführen. Die Klage Pegouds gegen den deutschen Techniker Freimuth wird voraussichtlich wieder zu­rückgezogen werden, da Freimuth seine Behauptungen nur ge­sprächsweise getan hat, ohne Pegoud direkt beschuldigen zu wollen. Freimuth soll heute noch einmal vom Staatsanwalt verrrommen werden. Sollte er auch heute seine Anschuldigung wiederholen, so wird der Prozeß gegen ihn seinen Fortgang nehmen.

Sturzflügc mit Passagier. Rom, 1. März. Der Flieger Chevillard veranstaltete heute hier Schauflüge und vollführte zum erstenmal mit Passagier Sturzflüge mit dem Kopf nach unten.

aus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten«

Kreiere Gestaltung des Unterrichts in der prima der höheren Schulen.

Am Donnerstagabend fand in der Turnhalle der Spiesschen höheren Lehranstalt unter dem Vorsitz des Professors Dr. Roßmann eine Sitzung des Wiesbade­ner Zweigvereins des Allgemeinen deutschen Realschul- männervereins, Vereins für Schulreform, statt, die über eine freiere Gestaltung des Unterrichts in der Prima, insbeson­dere über die Gabelung der Prima in mehrere Gruppen mit verschiedenen Lehrplänen beriet. Die Diskussion wurde von dem Realgymnasialdirektor Professor Dr. Walther einge­leitet, der in längeren Ausführungen die Hauptgründe dar­legte, die zu den Reformvorschlägen geführt haben. Entschei­dend für jede Bildung sei nicht so sehr der Stoff, sondern die Art, wie er übermittelt und vom Schüler zur. Entwicklung seiner geistigen und sittlichen Persönlichkeit verarbeitet werde. Daher litte der Wert der Bildung noch nicht, wenn Lehrstoff oder ganze Lehrfächer ausgeschieden würden. Eine überfülle deS Stoffes und eine Zersplitterung der Schüler durch über­große Zumutungen, die an ihre Zeit und an ihre Aufnahme­fähigkeit gestellt würden, bestehe aber unzweifelhaft. Um ihr zu begegnen, müsse man einige Fächer im Unterricht zurück­treten lassen und bei der Auswahl der bevorzugten Fächer die Neigung und die Begabung der Schüler berücksichtigen. Freu­dig und ffeiwillig geleistete Arbeit könne sich höhere Ziele setzen und trage höheren sittlichen Wert in sich als jede an­dere. Ein allmählicher Übergang vom Arbeitszwang znr Arbeitsfrecheit, zur Selbstbestimmung des Schülers in der Prima sei im Hinblick auf die Forderungen des Studiums und des späteren Lebens notwendig. Er empfahl deswegen, die Versuche mit der Gabelung, die seit einigen Jahren an mehreren preußischen und sächsischen Anstalten gemacht wer­den, weiter auszudehnen, warnte jedoch davor, von ihnen allein die Heilung aller Schäden im höheren Unterricht zu er- warten.^ Neben einer solchen Maßregel, die einen tiefen Ein­griff in die Organisation darstelle, seien noch Änderungen im Lehrverfahren und eine andere Wwägung der Fächer bei der Reifeprüfung ernstlich ins Auge zu fassen. Die Gabelung selbst sei trotz ihrer unleugbaren Vorzüge mit einigen bedenk­lichen Mißständen verbunden, über die wohl erst eine längere Erfahrung hinweghelfen würde. Er verlas zum Schluß eine Abänderung der Thesen über die Gabelung, die einer ihrer wärmsten Vertreter, der Direktor W e ck vom Realgymnasium in Reichenbach, auf der letzten Hauptversammlung des oben­genannten Vereins ausgestellt hat. In der Diskussion traten die Herren Direktor Dr. Maurer und Direktor Dr. Höf er, Professor Dr. Bauer und Professor Altendorf (Mainz) warm für die Zerlegung der Prima ein und den von anderen Herren geäußerten Bedenken entgegen, letzterer unter starker Betonung der Forderung, die Arbeitslast des Schülers nicht nur geschickter zu verteilen, sondern sie über­haupt zu verringern.

Oie Wiesbadener Kinderhorte.

Am Freitag fand im Bürgersaal des Rathauses unter Vorsitzvon Fräulein A. Merttens die sehr zahlreich be­suchte 15. Mitgliederversammlung des „Vereins für Kinder­horte' statt. Dem von der Schriftführerin Frau A. Reben erstatteten Jahresbericht entnehmen wir die folgenden Einzel­heiten: In hen statistischen Aufstellungen über das gesamte deutsche Kinderhortwesen, die 1245 Horte mit 84 241 Kindern verzeichnen, nimmt Wiesbaden mit der stattlichen Zahl von 514 Pfleglingen eine hervorragende Stelle ein. Die 6 Horte repräsentieren, da sic je aus 2 Abteilungen bestehen, im Ver­gleich mit anderen Städten, die in einem Hort nirgends mehr als 40 bis 50 KiWer vereinigen, eigentlich 12 Horte. Nur durch besonders sparsame Wirtschaftsführung und vielfach ehrenamtlich geleistete Arbeit ist es möglich, den umfang­reichen Betrieb durchzuführen. Das Defizit im Voranschlag