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Smmtag, 1 , MLrz 1914 .

Wirsdkr-Mrr TagNM» Morgen-Ausgabe, 1. Matt. _ Sette S.

Staate ausgeschriebenen Arbeiten nicht rechtzeitig fertiMellen konnten. Es sollen bereits mit bedeueNden ausländischen Firmen Verhandlungen begonnen worden fein, welche die vertraglichen Lieferzeiten eiichalten und sogar zu bil- "Seren Preisen liefern können als die russischen Werke.

Valkanftaaten.

Griechenland und die Jnselfrage. Berlin, 28. Febr. Äie das „Berliner Tageblatt" aus diplomatischen Kreisen er- sahrt, hat die griechische Regierung den ihr vor einigen Tagen vffiziell von der türkischen Regierung unterbreiteten Vor- chlag, C h i o s und M y t i! e n e gegen andere Inseln umzu- ^auschen, abg e l eh n t. Die griechische Regierung hat in Konstantinopel erklären lassen, daß sie sich in dieser Frage an w Beschlüsse der Großmächte und eine türkische Herrschaft auf den beiden Inseln nicht zulassen könne.

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Türkei

Deutsche und französische Offiziere beim Sultan. ^ ° u st a n t i n o p e l, 27. Febr. Neun Offiziere der deut­schen Mission und vier französische Offiziere, die sich Mr die Gendarmerie verpflichtet haben, sind heute ge- 'egentlich des Selamliks dem Sultan vorgestellt worden.

OSman-Nisami-Pascha Botschafter in Washington. ^ o n st a n t i n o p e l, 28. Febr. Der frühere Botschafter in Merlin Osman-Risami-Pascha ist zum Botschafter in Washington ernannt worden. Die Ernennung erregt allige- mein^ große Überraschung, da man annshm, daß Osman einen wichtigen europäischen Botschafterposten erhalten würde.

Ein merkwürdiges Ansinnen Englands. Konstanti­ns p el, 27. Febr. Dem „Jeune Turc" zufolge verlangt ^rotzbritanni-en als Entschädigung -für seine von Italien beanspruchten Zugeständnisse im Wilajet Adalia

Abtretung der Bucht von Bengafi an Ägypten. Erst nach dw;em Austausch wird Italien die Erlaubnis zu-m Bau nner Eisenbahn Adalia-Burdia erhalten und die Räumuna v?r zwölf Inseln erfolgen.

Kkien.

Dre Räubcrfchlacht in Persien. L Teheran, 27. Febr. -oas Gosecht bei Kazerun zwischen Ganidcwmen und Räubern oauert an Die Gendarmen, deren Zahl amtlich auf angsgeben wird, sollen unter dem Befehl eines persischen Offvers tapfer die Baracken verierdigen. Die Gattin des 9f?f e «l^ eit Majors Ohl-son befindet sich bei ihnen, -ußer Ohlson wurden ein eingeborener Offizier und drei Äendannen getötet und mchrere verwundet. Die feind­en Vermste sind unSekannt. Die heute früh aus Schiras ^gegangene Verstärkung wird am Sonntagftich erwartet. Wertere Verstärkungen eilen aus Busfchir herbei. Die Gendarmen sollen sich in starker Stellung befinden.

Mexiko-

General Billa und die Ausländer. Ciudad Juarez .8. Febr. Ein von General Villa hier eingetroffener Be fehl ordnet an, daß die Konstitutionslisten von jetzt an den amerikanischen Konsul sofort von der Verhaftung irgend welcher Ausländer Mitteilung zu machen halben. ES wird beabsichtigt, dem General Caranza, der in der nächsten Tagen hier erwartet wird, die Untersuchung bezüaliä der Ausländer zu übergeben.

Der ermordete Busch amerikanischer Bürger. Köln d'Mr. Gegenüber den Presseäußerungen über die ®r «orbung eines Deutschen nt Mexiko wiederholt ein Berlinet «-l-gramm oer ..Kölnischen Zeitung", daß der Emnordet. ...Usch, nicht Bauch, heißt, amerikanischer Staatsan-ae Mrrger ist und Deutschland in diesem Falle also u n S e- r e i l i g t ist.

Luftfahrt.

Die erste Werkstättcnfahrt beS „S. L. 2". Mannheim, ^8. Febr. Das Militärluftschiff ..S. L. 2", das, wie erwähnt, Heute seine erste Werkstättenfahrt unternahm, ist in seinen Dimensionen größer als das erste Modell. Es hat vier Maschinengondeln mit vier Propellern und vorne eine Führer­gondel, während das alte nur zwei Propeller hatte. Um l l,20 Uhr kreuzte das Luftschiff in guter Fahrt und beträcht­licher Höhe über Mannheim.

Pegonds Rechtfertigung. Der Flieger Pegoud, der sich Zurzeit in Wien aufhält, bezeichnete italienischen Pressever-

. . ...... . . ..

Kopfschüttelnd kehrte sie in ihre Stube zurück und Erachte zwei Tage über neuen Grübeleien zu. Sie konnte und konnte sich nicht entschließen! Wie oft hatte He schon ihr Geld gezählt, es reichte nicht! Und außer­dem — war es nicht entsetzlich, so viel Geld verlieren \ Su sollen?

. Es ließ ihr keine Ruhe, was wohl mit dem Tier ge­schähe, wenn sie es nicht einlöste? Was hieß das über­haupt: der Hund „würde eingezogen?" Am andern Morgen fragte sie den Schneider darum. „Na", lachte der, „Hundefett macht man daraus!"

Von dem Augenblick an stand es fest in ihr, daß sie den Hund einlösen ließ.

Oben in ihrer Kommode bewahrte, sie ein paar k-wldsachen von ihrem verstorbenen Manne auf, eine dünne Goldkette und seinen Ehering.

, Wtznn sie die aufs Versatzamt trüge! Sie setzte sich >n ihren Lehnstuhl, schob ihre Zunge hin und her und dachte darüber nach. Endlich entschloß sie sich, streifte shren alten verblichenen Regenmantel über, knüpfte Hch die Hutbänder unter dem Kinn zusammen, griff s >wch ihrem Schirm und huschelte die Pickbalge hin' unter, die Goldsächelchen in einem Schächtelchen unter hrem Mantel tragend!

Aber der Pfandleiher wollte nicht viel dafür geben. r?ür den Ring nicht mehr als zwei Mark und für die ► Kette höchstens acht.

, Das langte nicht, und diesmal sagte sie wirklich kaut vernehmbar: „Oh! Oh!"

Kovffchüttelnd zog sie wieder ab, verzweifelt und Unglücklich. Bis zi-m Abend saß sie in ihrer Stube und Grübelte von neuem. Sie sah ihren Purzel schon ge- ' schlachtet und in der Pfanne schmoren, in der der Schinder das Hundefett ausbriet!

Sie wollte noch einen Versuch machen!

Vielleicht, daß ein Goldschmied mehr für die Sache gab?

. Nachdem die Dunkelheit angebrochen war, zog sie j ' ivs und versuchte es in dem nächsten Laden.

Lee Goldschmied prüfte die Sachen mit aetumdtct

treten gegenüber die Beschuldigungen seines Mechanikers Freimut als sinnlose Verleumdung. Er widerlegte die An­klagen in einwandfreier Weise und wies darauf hin, daß der italienische Flieger d'Almistro mit dem verkauften Apparat mehrere Aufstiege unternommen habe, bei denen dieser tadel­los funktionierte. Pegoud zeigte Freimut telegraphisch bei der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung an. ■■—. ..■

Hus Stadt und tanh.

LMeZLKtzener Nachrichten«

Die Woche.

Warum sollte es nicht möglich sein, die völlige Sonn­tagsruhe sofort einzusühren? Es unterliegt keinem Zweifel, daß die kaufmännischen Angestellten nahezu aus­nahmslos und die Ladenbesitzer in der großen Mehrzahl für die Einführung der völligen Sonntagsruhe sind. Allerdings gibt es unter ihnen noch ängstliche Leute, die eine schwere ge­schäftliche Schädigung befürchten, wenn sie Sonntags nicht wenigstens ein paar Stunden lang ihre Läden offen halten dürfen. Es gab eine Zeit — sie liegt noch gar nicht lange zu­rück —, da wandte man sich mit denselben Gründen, die man heute gegen den vollständigen Ladenschluß am Sonntag an- sührt, gegen jegliche Verkürzung der Sonntagsarbeit im Han­delsgewerbe; was man befürchtet hat, ist nicht eingetroffen, nicht einmal zum Teil. Und was man hier und da noch von der Einführung der völligen Sonntagsruhe befürchtet, wird ebensowenig eintreffen.

Es ist möglich und mutz möglich sein, wie jedem Hand­werker, so auch jedem Kaufmann einen arbeitsfreien Sonn­tag zu geben. In erster Linie ist es Sache des Reichs, für einen Sonntag zu sorgen, an dem niemand arbeiten muß, an dem aber auch niemand öffentlich bemerkbare Arbeiten ver­richten darf, abgesehen von den verhältnismäßig wenigen Fällen, in denen ein Notstand die Sonntagsarbeit unvermeid­lich macht. Versagt hier die Reichsgesetzgebung •— und es sieht aus, als wolle sie zurzeit noch versagen —, so ist es Auf­gabe der sozial fühlenden Kommunen, den Kaufleuten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Es ist klar, daß die Städte nicht im Handumdrehen be­stimmen können: An Sonn- und Feiertagen darf kein Laden geöffnet werden! Liegt, wie das beispielsweise bei Wiesbaden der FM ist, eine größere Stadt in der Nähe, so ist die Frage mindestens der Erörterung wert, ob bei der Einführung der völligen Sonntagsruhe nicht möglicherweise der einheimischen Geschäftswelt in den Ladenbesitzern der Nachbarstadt eine un­bequeme Konkurrenz entsteht. Den Fall gesetzt, in Wiesbaden sind Sonntags alle Läden geschloffen, in Mainz aber dürfen auch an Sonn- und Feiertagen die Läden ein paar Stunden geöffnet sein: es ist möglich, daß dann manche Wiesbadenerin einen Sonntagausflug nach Mainz macht und sich dort noch das leistet, was sie hier der völligen Sonntagsruhe wegen nicht erhalten kann. Es ist möglich, daß das geschieht, aber wir würden uns durch diese Möglichkeit nicht bestimmen lassen, gegen die Einführung des arbeitsfreien Sonntags zu stimmen.

Wir wissen, daß von den Gegnern der ortsstatutarischen Einführung der völligen Sonntagsruhe vor allem auf die Landkundschaft hingewiesen wird, zu deren Gepflogen­heiten es angeblich gehört, Sonntags einzukaufen. Nun, zu den Gepflogenheiten der Landleutc gehört der Sonntagsein­kauf heute nicht mehr, wenn er überhaupt jemals dazu gehört hat. Die Landleute halten es genau so wie die Städter: so lange Sonntags einzekauft werden kann, tun sie es aus­nahmsweise, mit Vorliebe aber besorgen sie keineswegs ihre Einkäufe an Sonn- und Feiertagen. Und wenn Sonn­tags die Läden ein- für allemal geschlossen sind, dann wird das wenige, was heute an Sonntageii gekauft wird, einfach Werktags besorgt, ohne daß sich deshalb jemand beschwert fühlt. So viel soziales Verständnis hat^heute jeder Mensch, daß er das Recht auf den arbeitsfteien Sonntag im Prinzip wenigstens jedem, also auch dem Kaufmann, zugesteht; wird der freie Sonntag Wirklichkeit, dann wird das von dem Volke ohne Unterschied sicher durchaus verstanden und ganz bald als ein wesentlicher Fortschritt empfunden.

Für^ die völlige Sonntagsruhe^ in jedem Gewerbe und überall, in der Großstadt, in der Kleinstadt und auf dem Land,

sollten vor allem die sogenannten positiven Ehrt st en jeden Bekenntnisses eintreten. Denn wer daran glaubt, daß Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen und am siebenten Tag Gottesruhe gehalren hat, dem muß es Glaubenssache sein, den Sonntag allgemein als Ruhetag zur Geltung zu bringen, -a.

Kommunaler Betriedsvervand.

Wir haben in unserer gestrigen Stellungnahme zu dem von Biebrich ausgegangenen Artikel: „Die Lösung der Ein- gemeindungsfrage — ein großer kommunaler Betriebsver­band" keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir den „weit­ausschauenden Plan" mit ziemlich großem Mißtrauen betrach­ten. Wie sehr dieses Mißtrauen berechtigt ist, geht daraus hervor, daß uns der Magistrat der Stadt Biebrich um die Feststellung ersucht,

„daß er als Kollegium ebenso wie seine einzelnen Mit­glieder, insbesondere der Oberbürgermeister, dem in Frage kommenden Artikel durchaus fernsteht."

Der Biebricher Magistrat drückt sich zwar etwas diplo­matisch aus; man könnte zwischen seinen Zeilen lesen, daß der Plan zur Gründung eines kommunalen Betriebsver- batrds, eventuell unter Ausschluß Wiesbadens, zwar im Biebricher Rathaus erwogen worden ist, daß der Magistrat dagegen die Öffentlichkeit zurzeit nicht von dem Plan in Kenntnis setzen wollte. Wir sagen, das könnte man zwi­schen den Zeilen der vorstehenden Erklärung lesen, der wir allerdings eine andere, weitergehende Deutung geben. Wir nehmen an, daß der Biebricher Magistrat überhaupt die Rich­tigkeit des Artikels bestreitet; lediglich die Höflichkeit veran- laßte uns, gestern schon rund und deutlich herauszusagen, daß wir bei näherer Prüfung an dem „weitausschauenden", an­geblich im Biebricher Rathaus ausgeheckten Plan so große Mängel entdeckten, daß er alles eher als ein kommunal- politisches Meisterstück genannt werden kann. -jr.

StaMoertöaKung und presse.

Der neue Kasseler Obeübürgermeistsr Koch hat im dortigen Stadtparlament vorgestern seine erste Etatsrede ge­halten. Darin kam er auch aus das Thema Stadtverwaltung und Presse zu sprechen. Dabei führte er nach einem Bericht des „Kasseler Tagblatts und Anzeigers^ aus:

„Für alle diese Arbeiten, die wir miteinander zu lösen habeii, wird auch in Zukunft ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Magistrat und Stadt­verordneten sowie zwischen den städtischen Kollegien und der Öffentlichkeit erforderlich sein. Ich glaube, daß es diesem Zwecke dienen wird, wenn wir uns entschließen würden, in Zukunft in größerem Maße als bisher zur Vorbereitung Ihrer Beschlußfassungen gedruckte oder hektographierte Vorlagen an Sie gelangen zu lassen. In den Akten, die wir Ihnen zur Orientierung übersandten und natürlich auch immer übersenden werden, befinden sich häufig nur die Meinungsäußerungen der vorbereitenden Organe, über die Gründe und weiterschauenden Ziele des Magistrats selbst findet sich in den Men nur wenig vor, da die Akten über die Erörterungen tm Magistrat nichts enthalten. Ich glaube, es wird unserer gemeinsamen Arbeit dienen, wenn wir Ihnen in allen wichtigen Fällen, wie das auch in allen anderen Städten üblich ist, durch begründete Vorlagen unsere Ziele darlegen. Nur so werden wir ein auf Vertrauen und gegenseitiges Verständnis begründetes Verhältnis zwischen den Kollegien erhalten können. (Sehr richtig!) Ich glaube, daß cs auch unserem Verhältnisse zur Öffentlichkeit dienen würde, wenn man sich in geeigneten Fällen entschließen würde, solche Vorlagen auch der öffentlichen Kritik auszusetzen. So fest, daß sie eine solche Kritik aushalten können, müssen unsere Vorlagen sein; anderseits pflegt die Kritik viel unangenehmer und heftiger einzusetzen, wenn sie sich anstatt gegen besttmmte Vorlagen gegen unkontrollierbare Gerüchte richtet. Ich hoffe, daß die städtischen Kollegien bereit sind, den von mir angedeuteten Weg, wenn auch in vorsichtiger Weise, zu beschreiten."

In Wiesbaden hat man in der letzten Zeit wieder­holt der Presse von wichtigen Vorlagen Mitteilung gemacht, bevor sie in das Stadtparlament gelangten. Und das hat sich durchaus bewährt. Der Kasseler Oberbürgermeister hat ganz recht, wenn er meint, die Kritik, die von der Öffentlichkeit an

Stirn, wog sie auf einer kleinen Wage und bot ihr 13,„0 Mark für die beiden Teile.

Heimlich zitternd rechnete die Alte. 6,90 hatte sie noch nt bar. Das waren über zwanzig Mark zu- sammen! Das würde für alle Fälle reichen.

®i e willigte ein, steckte die Geldstücke in ihr altes Portemonnaie, das vom langen Gebrauch braun und settrg wie eine kalte Frikandelle war, und machte sich sogleich auf Len Weg zum nächsten Polizeibureau.

So einen Weg hatte sie ihr.Lebtag noch nicht ge- macht. Schon der Name „Polizer machte ihr Herz rtopfen.

Sie^ mußte sich zusammennehmen, ehe sie es ris-

"Erte,.in das große rote Gebäude emzutreten.

.^rippelnd ging sie über den Flur, an gleichgültig oreinichaucnden Schutzleuten vorüber, und trat schlicß- ™ Qlt f gut Glück in ein Zimmer, an dessen Tür "Meldeamt" stand.

Hinter einer Schranke saßen im Schein der Gas­lumpen ein paar Schreiber mit müden, gelangweilten Gepchtern über ihre Pulte gebeugt und schrieben.

„Ist keine Meldesache, Zimmer 237!" rief einer ihr öu, als sie ihr Anliegen vorgebracht hatte.

Enttäuscht verließ die Alte das Zimmer wieder. Sw hatte geglaubt, ihren Purzel gleich begrüßen zu können.

..Auf Zimmer 237 erfuhr sie dann, daß sie icib-er zu komme, der Hund sei am Nachmittag bereits der städtischen Tierklinik zur Tötung überwiesen worden. ^ „Mein Gott!" sagte die Alte zitternd. So kam sie doch schon zu spät? Das war die Strafe dafür, daß sie nch nicht hatte entscheiden können! dachte sie und lchüttelte in stummer Verzweiflung den Kops.

Man erkundigte sich nach ihrem Namen und ihrer Wohnung, notierte alles genau und fragte sie dann, ob sie bereit sei, die fällige Strafe gleich Zu bezahlen?

Die Alte war wie versteinert, daß sie nun auch noch die Strafe zahlen sollte!

Wie das Geld auf der Zahlbank klirrte! Das

Hundchalsband mit dem Namen „Purzel" darauf be­

kam sie zurück. Dann griff sie nach ihrem Schirm und verließ das Bureau. In der Tür wendete sie sich noch einmal um. „Sie — Sie — sind ja'n Unmensch!" preßte sie heraus.

„Wie?" sagte der Schreiber, der nicht recht gehört hatte, was die Alte wollte.

„Meinen Purzel zu schlachten und auszub raten! So'n Hund wie mein Purzel!"

Damit schlug sie die Tür hinter sich zu und huschelte, ohne aufzublicken, stumm und unaufhörlich vor sich hin­murmelnd davon.

In der Pickbalge spielten die Kinder noch unter der Laterne, die an der Straßenecke stand.

„Dat Kramcrwiew — mit dat Surkohlliew!" sangen sie ihr nach.

Sie hörte cs nicht.

Die ganze Nacht saß sie still in ihrem Stuhl, ohne zu Bett zu gehen. Mit ihren welken Fingern fuhr sie immerfort wreder lerse über das Halsband des Hundes, schob ihre Zunge hm und her und seufzte zuweilen leise auf.

Dort drüben stand Purzels Freßnapf, und die Matte lag da, auf der er immer seinen Platz gehabt hatte. . Zum erstenmal fühlte sie wieder die ganze Last der Einsamkeit und Freudlosigkeit ihrer alten Tage. Ihr war, als hätte man den letzten Rest von Wärme aus ihrem Leben genommen.

Am schwersten aber trug sie daran, daß chr Purzel auf io grausame Weise gestorben war, denn es war niemand, der sie über den Irrtum aufgeklärt hätte, den der Schneider mit grausamer Freude in ihr her­vorgerufen hatte. Es wäre ihr ein Trost gewesen, wenn sie gewußt hätte, daß ihr Purzel schinerzlos durch Gift getötet worden tvar. wie es mit allen herrenlosen Hunden geschab, die von der Polizei „eingezogen" wurden.

Der Schneider aber höhnte noch am nächsten Tage: „Na, der Purzel wird gut gebrutzelt haben, Mutter Kramer. Er war sa ordentlich fett geworden, so siatt-n Sie ihn herausgesüttertl"