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Sette 4« Morge«-R»8ga»e, 1. Blatt. MjeSÜmdenrr TaHkkE« Samstag, 28 . Februar 1914. Nr. 99.

schlick nicht, - Trotz heftigen Sträubens wart» die Wutz er­griffen und von Künstlerhanden am ganzen Körper rot und blau bemalt. Es war ein erhebender Anblick, als sich der Festzug in Bewegung setzte, um der staunenden Gemeinde den besiegten Eber vorzuführen. Stotz standen die Männer, in Rührung aufgelöst die Frauen, johlend vor Freude die Jugend. Ein anwesender Orgolmann wernte vor Freude und schwur, dies sei der schönste Tag seines Lebens. Ein großartises Trinkgelage beschtob den denkwürdigen Tag, und noch lange wird der Ruhm der bunten Sau im Liede leben. So geschehen im heimlichen Mittel im Jahre des Heils 1914.

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— Bad Soden, 27. Febr. Das von der Großherzogin von Luxemburg verliehene Ritterkreuz 1. Klasse mit der Krone des Rassauischen Militär- und Zivilverdienstordens Adolphs von Nassau hat Geheimer Sanitätsrat Dr. T h i l e n i u s und das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens Dr. med. Thilenius, beide hier, erhalten. Die Erlaubnis zur Anlegung ist ihnen bereits erteilt.

— Erbach t. Rhg. 27. Febr. Nächsten Sonntag, den 1. Mürz nachmittags 8% Uhr. hält die hiesige Ortsgruppe des Bundes für Vogelschutz. G. B. in Stuttgaxt, im „Hotel Engel" eine Versammlung ab. Im Interesse der Obst- züchter und Weinbergsbesitzer verdient die Sache besondere Üntelstützung, sind doch die Böget die natürlichsten Helfer im Kampfe gegen das immer größer werdende Heer des Unge­ziefers.

L. Dillenüurg, 27. Febr. Der bisherige kommissarische Kreisschulinspektor Pfarrer Ufer in Dillenburg wurde zum K r e i s s ch u l i n s p e k t o r daselbst ernannt.

KAL ber Umgebung.

Die Stadt Mainz als Kaufmann.

? Mainz, 26. Febr. Als kurz nach Beginn des neuen Jahres in der Presse mitgeteilt worden war. das im April 1913 im Preise herabgesetzte Gas sei um 12 Proz. schlechter ge­worden. wurde man am grünen Tisch sehr nervös. Man hielt den Stadtverordneten einen langen Vortrag über den volks­wirtschaftlichen Wert der werbenden städtischen Be­triebe. operierte mit Auszügen aus technischen Werken, als ob man vor einer Versammlung von Gasingenieuren stünde; überzeugt wurde jedoch niemaird durch diese Ausführungen, denn i« der Hauptsache wurde die Verschlechterung des Gases zugesianden. nur meinte man. früher sei es zu ®ut gewesen und als guter Kaufmann habe die Stadt usw. usw. Neuerdings scheint man wieder in der Eigenschaft als guter Kaufmann zu einer anderen, ebenfalls recht sonderbaren Transaktion geschritten zu sein: Die Stadt Mainz gehört als Koksproduzentin. wie zahlreiche andere Städte, einer Koksverkaufsvereinigung an. Mainzer Koks wurde, weil er von guter Qualität war. stets gern gekauft. War es nun, daß in der letzten Zeit die starke Itachfrage nicht mehr befnedigt werden konnte, oder sonstige Gründe, kurz, die Gas- Verwaltung bezog große Mengen minderwertigen Koks aus anderen Werken, der als Mainzer Produkt mtt- verkaufk wurde. Die Folge war. daß der Stadt von den Ab­nehmern 20 M. bis zu 40 M. pro Waggon abgezogen wurden und was noch unangenehmer ist. die Abnehmer von der Koks- vereintguna haben Mainzer Koks aus ihren Kaufverträgen ausgeschlossen. Dem lichtvollen Gasvortrag wird wohl demnächst ein ebenso gehaltvoller Vortrag über Koks- ber eitun a vor dem Forum der Stadtverordneten folgen, Mainz als tüchtiger Kaufmann gelobt und der Presse wieder tüchtig der Pelz gewaschen werden.

Die hessische Bcsoldungsvorlage. wb. Darmstadt, 27. Febr. Die beiden Kammern tagten heute vormittag, um über die Besoldungsvorlage weiter zu beraten. In der Ersten Kammer machte der Be­richterstatter Fürst zu Jsenburg-Birstein namens des Aus­schusses den Vorschlag, die Dissense vorerst zurückzustellen bis zur Erledigung der Dissense bezüglich der Volksschul­lehrer. Hierzu machte der Ausschuß, in dem aufrichtigen Be­streben, einen Weg zu Hahnen und das Zustandekommen des Gesetzes endlich zu ermöglichen, den neuen Vorschlag, das Höchstgehalt der Volksschullehrer auf 3600 M. sestzusetzen und die Anrechnung für die Dienstwohnung von 400 M. auf 500 M. des pensionsfähigen Gehalts zu erhöhen. Dafür soll die von der Zweiten Kammer ausge­stellte neue Gehalts st affet fortfallen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. — Die Zweite Kammer faßte über diesen Vorschlag noch keinen Beschluß, La sich die Erste Kammer über die übrigen Dissense noch nicht geäußert habe, und vertagte sich auf Dienstag. — Die Erste Kammer hält heute abend 6 Uhr noch eine Sitzung ab, um sich dann über die weiteren Dissense zu äußern.

Die Nebenbahn Bensheim-Lindenfels. w. Darmstadt, 27. Febr. In der zweiten Kammer des Landtages erklärte auf eine Anfrage des Abgeordneten Auler und Genossen, betreffend den Bau einer Nebenbahn Ben sherm-Lindenfels. Staa-tsmlnister Dr. Braun: Nachdem die bisherigen Projekte an den zu hohen Forderungen der in Frage kommenden Gesellschaften als gescheitert gelten können, habe in der neuesten Zeit eine leistungsfähige Elektri­zitätsfirma den Vorschlag gemacht, die Bahn elektrisch zu betreiben und zwar nornialsourig. Dadurch könne am Bau- kapital gespart und die Sache schneller erledigt werden. Das neue Projekt habe den großen Vorteil der Normalspur, die die Bevölkerung allgemein wünsche. Damit eröffne sich eine erfreuliche Aussicht, da Lindenfels und Bensheim auch schon die notwendigen Elektrizitätswerke besäßen. Der neue Vor­schlag werde von der Regierung geprüft werden. Die Redner verschiedener Parteien sprachen den Wunsch aus, daß der Bau der Bahn beschleunigt werde.

Gerichtssaal.

sh. Folgen der Polizeiaufsicht. Göttin gen, 26. Febr. Bei der Frage der Revision des Strafvollzugs wird vor allem auf die Notwendigkeit einer Abänderung der Bestimmungen über die Polizeiaufsicht hingewiesen. Man sagt, daß sie gegen Verbrecher kein Schutz sei, dagegen Elementen, die wieder hochkommen wollten, die Rückkehr ins bürgerliche Leben un­möglich mache. Ein Schulbeispiel hierfür bot eine Verhand­lung vor der hiesigen Strafkammer, die gegen den Schrift­setzer Meißner wegen Diebstahls im Rückfall verhandelte. Der Angeklagte hatte sich in seinem früheren Leben ver­schiedene Straftaten zu schulden kommen lassen und insge­samt 16 ^ahre im Zuchthaus verbüßt. Später nahm er Woh­nung rn Kasiel, wo er auch ausreichenden Verdienst bekam. Durch die Besuche der Polrzei wurde aber der Hauswirt dar-

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über aufgeklärt, daß sein Mieter unter Polizeiaufsicht stand, und schließlich konnte er überhaupt keine Wohnung bekommen. Er zog nach einem kleinen Ort, hier konnte er aber seinen Beruf nicht ausüben und geriet in die größte Not. In die­sem Zustand sah er keinen anderen Ausweg, als wieder die Verbrecherlaufbahn zu beschreiten. Er verübte mehrere Ein­brüche, bis er schließlich wieder gefaßt wurde. Der Gerichts­hof verurteilte den 58 Fahre alten Mann zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Eine furchtbare Strafe, besonders furchtbar in diesem Fall!

§port und Spitt

„ * Rhein- »nd Taunusklub Wiesbaden, E. B. In der außerordentlichen Mitgliederversammlung (Jahres-Hauptver- sammlung), welche der 1. Vorsitzende Herr Gustav Victor leitete, erstatt^e der Schriftführer Georg Hoos den Jahres­bericht. An Wanderungen wurden ausgeführt: 10 Haupt­

wanderungen, 13 kleine Wanderungen, zum erstenmal eine Nachiwanderung auf den Feldüerg und eine mehrtägige Wande- rung nach dem Schwarzwald. Die Hauptwanderungen waren durchschnittlich von 122, die kleinen Wanderungen von 40 Teil­nehmern besucht. Durch eine Reibe sehr interessanter Licht- bitdcrvortrage auf diesem und jenem Wandergebiet wurde den Wünschen der Mitglieder Rechnung getragen. Auch die Neu- emfuhrung,, die Wanderborschläge durch Lichtbilder zu er­läutern, hat sich großer Beliebtheit zu erfreuen und zur Be­lebung des Klublebens beigetragen. Rach dem von Rechner Ludwig Becker erstatteten Kassenbericht betrug der Mitglieder­bestand Ende 1913 1284 Mitglieder. Den Gesamteinnahmen von 81011.37 M. stehen die Gesamtausgaben von 20 690.76 M. gegenüber. Der Armenkasse des Klubs konnte wieder ein ganz ansehnlicher Betrag überwiesen werden. Das Geld dient zur Unterstützung von plötzlich in Not geratenen Bewohnern (auch^Gemeinden) im westlichen Taunus und Rheinzaugebirge. Dre Wegekommission mit ihrem Obmann hat das ausgedehnte Wege-Markierungsnetz tadellos instand gehalten. 22 Wander- strecken wurden mit neuen Farbenzeichen versehen, allenthalben die Markierung gründlich ausgebessert. Wegeweiser angebracht, Jt a - an der Dampferhältesielle Ästrich eine Zentral-Mar- kievungstafel ausgestellt usw. Für Instandhaltung der Turm­bauten und Schutzhüllen. fite Wegeverbesserungen und An­pflanzungen in der Nähe dieser Gebäude wurde Sarge ge- tragen. Das Dekoricrungsfest war von etwa 1000 Personen besucht. Der Jahres-Voranschlag wurde angenommen. Von den Anteilscheinen Hallgarter-Zangenturm wurden 100 Stück auSgelost. die Nummern werden demnächst bekannt gegeben.

* Der Reichstagszuschuß für die Olympischen Spiele. Das Plenum des Deutschen Reichstages hat. wie gemeldet, die von der, Negierung erforderten 200 000 M. für die Olympischen Spiele bewilligt. Nachdem der Streit um diesen Etatsposten damit sein Ende gefunden hat. sei die Feststellung erlaubt, wem diese Summe zugute kommt. Dabei ist vorauszuschicken, daß der Eta, der Olympischen Spiele einen weit größeren Umfang bat. Em Teil der Ausgaben ist für die Organisierung der Spiele, für die Repräsentation, für die den anderen Staaten zu erwidernde Gastfreundschaft und dergleichen bereit gestellt. Der Hauptkerl der Aussabeposten ist jedoch für die Vorbe- rertimgsarbelt des, deutschen Sports (einschließlich des Turnens) selbst bestimmt. Diese Ausgaben wevden die Summe von rund einer halben Million Mark erreichen. Der auf drei Jahre verteilte Reichszuschuß von 200 000 M. wird nämlich noch ergänzt durch Spenden der Bundesstaaten, der Städte sowie anderer Behörden und Privatleute. Me diese Summen kommen ungekürzt den deutschen Turn- und Sportverbänden direkt zustatten. Für dieses Geld können vor allem aus­reichende Sportlehrer angestellt werden, die in ihrem Fach genau so unentbehrlich sind wie die Turnlehrer. Diese Soortlebrer sorgen überall für Anleitung und sportlichen Be­trieb. bilden neue Hilfsk-äste aus und helfen die Gedanken der leitenden BerwaltunlKbehörden des Sports in die Tat um- setzen. Ein anderer Teil der Summen steht für die Durch­führung der Verteilung von Koiser-Wilhelm-Plaketten bereit. Diese Plaketten sollen für die vorbereitenden Prüfungskämpfe an den Schulen, Seminaren und in den Regimentern bis 1916 zur Verteilung kommen, und zwar in einer jährlichen Zahl von rund 25 000 Stück. Solche einfachen Andenken stiften er­fahrungsgemäß viel Nutzen, da sie überall zu ernstem Streben anfeuern und die deutsche Jugend im Kampf um ein hohes Ziel vereinen Wieder ein anderer Teil des Geldes wird ver­wandt für Gewährung von Reise- und AufentLaltsbeihilfen an aussichtsreiche Olymviakamvfer. die Gelegenheit haben sollen, ihr Können zu verbessern und an dem anderer zu messen. Hier kommt nicht etwa bloß eine Neine Schar Auserlesener sondern die Mehrzahl der „svorttuchtigen Jugend in Betracht, die wenigstens auf den nächsten Bezirkskämpfen ihr Können zeigen soll, daw't die große werbende Bedeutung der Spiele überall zutage tritt.

* Ter Schachwettkamvf, Spielmann-Teichmann in Leipzig

endete mit einem Siege Teichmanns. Bon 6 Partien gewann Teichmann 5 und Spielnmnn 1.

* Die Holmenkol-Rennen nahmen gestern bei bestem Wetter ihren Anfang Der Langssauf über 50 Kilometer winde von 60 Konkurrenten bestellten. Erster wurde der Nor­weger Rönäs T> vsil in 4 Stunden 3 Minuten 12 Sekunden, zweiter der bekannte finnische Lanaläufer Bränkär 4:26 Bl, dritter Cbristoffersen-Norweaen 4 27'57. Von den deutschen Teilnehmern kam Oliver Perry Smith-Dresden in 4:33:31 als dreizehnter an.

Neues ans aller Welt.

Zur Explosion in Rummelsburg.

Neue Darstellung eines Augenzeugen, wb. Berlin-Lichtenberg, 2T Febr. . Die Explosion in der Aktien-Gesellschaft für Anilinfabrikation soll nach Bekun­dungen von einem Augenzeugen, der sich ^rst später meldete, sich folgendermaßen zugetragen haben: Der Ingenieur

Boesch und eine Anzahl Arbeiter befanden sich in dem Ge­bäude, als plötzlich auf dem N i trierapp g x^j. ge Üb­liche Dämpfe entwichen. Das war für alle das Zeichen, daß Gefahr im Verzüge sei und das Signal ins Freie zu flüchten. Es soll auch allen geliungen fein, herauszukom­men, doch konnten sie ihrem Schicksal nicht mehr entrinnen. In dem Augenblick, als sie sich erst„wentge Schritte von dem Gebäude entfernt hatten, erschütterte eine furchtbare Ex­plosion die Luft. Das massive G^bclude stürzte zusammen wie ein Kartenhaus und bedeckte dre Flüchtenden mit seinen Trümmern.

Die Teilnahme der Kaiserin, wb. Berlin, 27. Febr. Die Kaiserin ließ an b cn Oberbürgermeister von Berlin und Lichtenberg folgendes Telegramm richten: „Ihre Majestät hat mit großem Be-

dauern von der furchtbaren Explosionskatastrophe in Lichten- bevg gehört, der so viele blühende Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Ihre Majestät läßt Sie ersuchen, über die Famrlrenverhältnisse der Verunglückten zu berichten, um ^a, wo die Not groß ist, sofort helfend eingreifen zu können. Im allerhöchsten Auftrag v. Winterfeld, Kammerherr."

Eine Anfrage über die Explosiunskakastrophe in Rummelsburg.

K. Berlin, 27. Febr. (Eig. Drahtbericht) Der sozial­demokratische Abgeordnete Brey hat im Reichstag folgende Anfrage eingebracht: Kann der Herr Reichskanzler Auskunft darüber geben, welches die Ursachen der Explosion in der

Anilinfabrik Lichtenberg-Rummelsbuvg sind, und werden Maßnahmen getroffen, die den Arbeitern und Angestellten vor einer Wiederholung solcher Katastrophen ausreichende Sicher­heit gewähren?

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Ungetreuer Rechtsanwalt. Bonn, 27. Febr. Infolge eines Gerichtsbeschlusses ist der Rechtsanwalt Linden ver­haftet worden, weil er ihm anvertraute Gelder veruntreut haben soll.

Die älteste Frau Schleswig-Holsteins gestorben. F l e n s - bürg, 27. Febr. Ein Privattelegramm meldet aus Flens­burg: In der Nacht zu Mittwoch ist hier die älteste Frau Schleswig-Holsteins,, die Witwe Marie Engelke, gestorben Sie wäre am 27. April 103 Jahre alt geworden.

Den Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze! Eise- n a ch. 27. Febr. Mit einem Kunstgenuß eigener Art ist das Stadtcken Ruhla beglückt woroen. Die „Eisenacher Zeitung" berichret darüber: Ruhla batte gestern auch seinen „Theater- skandal". Das mit großer Reklame angekündigte Gastspiel des „Sächsisch-Thüringischen Städtebund-Tbeaters" hat mit der Operettenposse „Filmzauber" einen kräftigen Reinfall er­litten. Es war aber auch wirklich zu viel, was dem Publikum zugemutet wurde. Schon beim 1. Akt ließen Darstellung und Ausstattung derart zu wünschen übrig, daß das Publikum zum Teil wegging. Die im weiteren Verläufe des Spiels zutage tretende Unruhe im Publikum artete zuletzt geradezu in Em- vmung aus und es hätte nicht viel gefehlt, so wäre die Bühne gesturm! und die Darsteller mit echten Ruhler Prügeln nach Hause geschickt worden. Die Bühne war mit Bieruntersätzen und alten Bockbierkränzen besät. Solche „Künstler" dürfen sich ein zweitesmal nicht wieder in Ruhla sehen lassen

Kmdermord durch Brandstiftung. Köln, 27. Febr. Die Kriminalpolizei verhaftete drei Personen, denen zur Last gelegt wird. Brandstiftung verübt zu haben, um sich eines fünfjährigen Knaben zu entledigen. Die Mutter des Kindes ist die ledige Schauspielerin Katharina Thelen. die angeblich den Unterbalt für das Kind nicht mehr bestreiten konnte. Sie brachte, den Knaben zu dem Kaufmann L. In dessen Wohnung wurde das Kind von dem Kaufmann und einer F-eundin der Schauspielerin, der Witwe Christmann. und der Mutter ins Bett gelegt- Dann wurde das Bett in Brand gesteckt und die Tür verriegelt, worauf die drei Personen das Haus verließen. Als nach Ausbruch des Brandes die Tür von Nachbarn gesprengt wurde fand man das Kind erstickt vor.

Eine Frau und zwei Kinder erstickt. Schwerin, 27. Febr. Dmch einen Zimmerbrand in Selmsdorf bei Schönberg erstickten die Fvail und zwei Kinder des Arbeiters Oldoerv. ^Der Mann und das dritte Kind wurden schwerkrank in das Lübecker Krankenhaus gebracht.

?er Tango als Totentanz. G e n f. 27. Febr. Auf einem Maskenbälle m einem BergnüaungSlokal der kleinen Stadt Oltzerv stürzte plötzlich ein deutscher Kaufmann namens Fecker zu Boden in dem Augenblicke, als er mit einer Dame Tango tanzte. Er war auf der Stelle tot. Ein Herzschlag hatte seinen! Leben ein Ende gemacht.

Ein Bergsturz. Paris. 27. Febr. Infolge der an­dauernden Regengüsse ist bei Le Teil im Departement Ardeche ein Bergsturz erfolgt, durch den ein Gehöft verschüttet und eine Brücke zerstört wurde. Man befürchtet, daß Menschen verunglückt sind.

Ein fürchterlicher Unhold. Paris. 27. Febr In Cumiöres bei Evernah wurde der 17iähvige Tischleraebilfe Martin festgenommen, der am 27. Dezember v I seine Elte'-n im Schlafe ermordet und deren Leichen in einem Gelasse des Sauses versteckt hatte. Martin, welcher gestand, das entsekfich^ Verbrechen begangen zu haben, um in den Besitz des G'eldes seiner Gliern m gelangen hatte seit dem Mo^de jede Nacht mit fernen Kameraden in dem Zimmer, in welchem die Er- roorbeten «raert. Orgien aba^haliterr

Sech? Bonernhänser durch ein Meteor zerstiirt Beiers- hsi r a . ^7. Febr. Fn der Nahe des Dorfes Shendkowize im Gouvernement Kielee fiel ein gewaltiger aliidende- sr^itb U Boden und zertrümmerte sechs Bemernbntten. Panischer Schrecken entstand unter den Bauern, die schnell die Flucht er­griffen und die brennenden Häiifer ihrem Schicksal überließen Die ganze Umaegend war nach dem Fall des Meteors mit scinrfem Schwefelgeruch erfüllt. Der tief in die Erde hinein­gefahren? Aeralith ist von grauer Farbe und hat viele Neu­gierige angelockt.

Deutscher Rerchstag.

Die elsaß-lothringischen Eisenbahnen.

r r 27 ‘ Drahtbericht) über

sechs Stunden lang beschäftigte sich der Reichstag heute noch mit den elsaß-lothringischen Eisenbahnen, ohne daß auch heute der Etat der Reichseisenbahnen verab­schiedet und Herr v. Breitenbach wieder nach Preußen entlassen werden konnte. Die Redner des Tages natürlich in ihrer großen Mehrzahl Elsässer und Lothringer, beschäftigten sich mit Verkehrs- und anderen lokalen Wünschen, mit der Dienst­zeit, dem L o h n und der Rechtslage der Eisen- bahnarbe 1 1 er, vielfach auch — trotzdem die Besol­dungen ausdrücklich mit Rücksicht auf die große, morgen an den Reichstag kommende Besoldungsnovelle aus der Debatte ausgeschleden worden war — mit Beamten­wünschen. Herr v. Breitenbach nahm dreimal im Laufe der Sitzung das Wort, aber er sprach alle drei­mal nur — um zu versagen. Den von dem fort­schrittlichen Abgeordneten R ö s e r angeregten Ausbau der Arbeiterausschüsse lehnte er ebenso ab, wie die baldige Schaffung eines Staatsarbeiterrechtes, die heute übrigens auch vom Zentrum und den Nationallibe­ralen gewünscht wurde. Die Regelung der Arbeiter- ordnung und Ruhezeit der Arbeiter läßt sich nach der Meinung des Ministers nur im Verwaltungswege er­reichen, wahrend die Regelung der Bezüge der Ar­beiter durch die am 1. April v. I. in Kraft getretene neue Lohnordnung bereits ausreichend erfolgt sei. Der sozialdemokratischE Abgeordnete P e i r o t e s war im Lause der Sitzung auch noch ans die finanziellen Ver­hältnisse der Reichseisenbahnen zurückgekommen: Im Gegensatz zu der Auffassung des Ministers fand er, daß das Reich mit den elsaß-lothringischen Eisenbahnen ein ganz gutes Geschäft macht. Morgen soll es noch eine große Debatte über die Mosel- und Saar-Kanalisation geben.

Sitzungsbericht.

Eiaenrr Drahtbericbt des „Wi-sbadener TagblatjS".

G Berlin, 27. Februar.

Am Bundesratstifch: Minister v. Brertenbach.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1.06 Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst folgende kurze Anfrage

des Mg-, Keil (Soz.): PrcssemitteÄungen zufolge sind bei

dem Trainbataillon Nr. 13 in Ludwtgsburg eine größere An­zahl von Mannschaften infolge Genusses gesunÄheikschädlicher Wurst erkrankt. Kann der Herr Reichskanzler Auskunft geben über Ursache, Zahl und Art der Erkrankungen?