Sette »< Morgen-Ausgabr, l, Blatt. Wiesbadener Tagblatt. Freitag, 37. Februar 1914.Nr. 97.
klage erhaben. Sechzehn Zeugen sind geladen. — 25. Föbr. Im Fortgang der heutigen Verhandlung gegen den Strerk- brecheragenten Paul Keiling, der bekannWch den ' MaschinenmePer Solinger bei einem Streikexzeß erschossen hatte, gab es heute eine lebhafte Kontroverse, da die Zeugen bekundeten, daß Keiling, ohne angegriffen worden zu sein, den verhängnisvollen Schutz auf Solinger abgegeben habe. Trotzdem blieb der Angeklagte dabei, Latz sich Per Revolver in einem Handgemenge, in das ihn Solinger verwickelte, plötzlich seNst entladen habe. Der ° Urteilsspruch wird im Laufe des morgigen Tages erwartet.
§port umö Spitt
Pferderennen-
* Autcuil, 26. Febr. Prix du Champs de Mars. 3000 Fr.
1. Comte P. du Berdiers Rosette (Maisonave), 2. Gay Centre, 3. Le Jaune. 69:10; 28, 48, 37:10. — Prix Saint-Priest. 5000 Fr. 1. E. Hardoruns La Topaze (Riolfo), 2. Le Shste- mier, 3. Siva 2. 30:10; 13, 14:10. — Prix Artur O'Connor. 10 000 Fr. 1. James Hennessys Le Mont St. Michel (Carter),
2. Pcrdigail, 3. Le Morvan. 34:10; 32, 44:10. — Prix
Luftgnan. 4000 Fr. 1. Mr. Joels Prince de Normandie (Powers), 2. Ocyroe, 3. Mozette. 23:10. — Prix de la Croix- Dauphine. 5000 Fr. 1. A. Henriquets Chatterbox (Berteaux), 2. Saint Marcel, 3. Tonelle 2. 17:10; 11, 12:10. — Prix des Anemones. 4000 Fr. 1. A. Veil-Picards Annibal 7 (Par- freinenth 2. PrGdendante, 3. Saint GuKnole. 18:10, 13, 15:10.
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* Auf der Erbcnheimer Rennbahn haben die Trainer jetzt wieder mit der regulären Canterarbeit ihrer Pferde begonnen.
sr. Berliner Remitieren:. Auf die Generalversammlung Ses Unionklubs folgte am Mittwoch im Hotel „Esplanade" die be§ Berliner Rennvereins, unter dessen Leitung die Grune- wald-Rennbahn steht. Den Vorsitz führte der Präsident Hans Heinrich Fürst v. Pleß. Aus dem Berwaltungsbericht geht hervor, daß der Abschluß des letzten Jahres wieder ein günstiger war, so daß sich ein Bild fortschreitender Entwicklung der Rennbahn ergibt. An Entrees wurden 964 193 M. gegen 836 153 M. im Vorjahre vereinnahmt, und der Totalisator- Überschuß ist von 768 259 M. auf 879 677 M. gestiegen. An Einsätzen und Neugeldern wurden 288 390 M. gegen 267 482. Mark eingenommen. Am Stadionbau ist der Berliner Rennverein mit 800 000 M. beteiligt. Die Ausgaben für Züchter- vrämien stiegen im Verhältnis zu den gegebenen Preisen (1 216 590 M. gegen 1 134 620 M. für 1912) auf 42 350 M. Trotz erheblicher Ausgaben bleibt ein Überschuß von 62 930 Mark, wodurch sich das Kapitalkonto auf 178 953,87 M. erhöht. Der Etat für 1914 sieht 1 275 000 M.- an Rennpreisen vor. Für Jnszenierungskosten der Rennen wurden 150 000 Mark, für Züchterprämien 45 000 M. und für Ehrenpreise 20 000 M. ausgeseht.
Neues aus aller Welt.
G> oßfeuer am Berliner Bahnhof Alexanderplatz. Berlin. 25 Febr. ©m Grotzfeuer, das mehrere Familien in Lebensgefahr brachte, kam heute nachmittag in der Panooamastratzr 2 am Bahnhof Alexanderplatz zum Ausbruch. Der Brand entstand . .in einem umfangreichen Lagerraum der Schal- und Tücherfabrik von Louis Fücstenthal (Inhaber Adolf Rosenwald) und dehnte sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit auf den ganzen ersten Stock des Querzebäudes aus. Gleichzeitig entwickelte sich so starker Rauch, daß tn wenigen Minuten der enge Hof mit erstickendem Qualm vollkommen angefüllt war. Noch ehe die Feuerwehr anrückte, waren auch schork die Treppen und einige Wohnungen stark verqualmt, so daß unter den Mietern eine große Aufregung entstand. Die Rauchentwickelung wurde von Minute zu Minute stärker. Im ganzen wurden zwölf Personen, Erwachsene und Kinder, von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Verletzt ist von d§n Geretteten niemand. Hand in Hand mit dieser Retungsaktion ging die Ablöfchung des gefährlichen Brandes. Das Lager der Firma Fürstenthal ist, soweit es hu Onergebäude untergebracht war. vollständia zerstört worden.
Die Pocken. Würz bürg, 26. Febr. Hier sind neue Pockenerkrankungen vorgekommen. Zuerst erkrankte ein Spanier, der sofort in das Krankenhaus übergeführt wurde, wo er eine Wärterin ansteckte. Daraufhin wurden sämtliche Wärterinnen der Schutzpocken-Jnipfung unterzogen. Inzwischen sind neue Pockenfälle festgestellt worden, und der Magistrat von Würzburg empfiehlt der ganzen Einwohnerschaft. sich impfen zu lassen. — München 26. Febr. Ein Deutsch-Amerikaner, der an de>t Pocken erkrankt ist, wurde in das Schwabinger Krankenhaus eingeliefert.. Er war in einem hiesigen Hotel abgestiegen, in dem vor einigen Tagen der Spanier übernachtet hatte, der nach Würzburg wetterreiste und dort an den Pocken erkrankte. Es wurden die strengsten Maß- nahmen getroffen, um eine epidemische Verbreitung der Krankheit zil verhindern. ^ ^ „
Vom Fastnachtsball in den Tod. Bochum. 2s. Febr. Der in der Rottstraße wohnende Friseur Johann ^«sel war heute früh von einem Fastnachtsball heimgekehrt und hatte sich mit einer brennenden Zigarre ins Bett gelegt, wodurch ein Zimmerbrand verursacht wurde. Ms nach mehreren Stunden Hausbewohner durch den starken Brandgeruch aufmerksam ge- macht wurden, die Feuerwehr holten und in das Zimmer em- drangen, war der Mann in dem verqualmten Zimmer erstickt.
Ein verhängnisvoller Sprengschuß. Olpe (Rhernl.) 26. Febr Bei dem Bahnbau Olpe-Meinerzhagen wurden durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschuß zwei Arbeiter getötet und ein dritter verlebt. Die Getöteten wurden durch die Gewalt der Explosion 60 Meter weit geschleudert und furchtbar zugerichtet. Bis jetzt hat der Bahnbau. der vor einem halben Jahr in Angriff genommen wurde, sechs Arbeitern das Leben gekostet.
Eine Fttmilicntragödie. Berlin, 26. Febr. Der 4s- jährige Werkmeister Nadepuhl gab vorgestern seinen borden Kindern Morphium und versuchte seine Frau und sich selbst auf die gleiche . Weise zu töten. Das Motiv der Tat ist unerfindlich. .Mari nimmt an, daß Nadepuhl plötzlich von Geistes- gestörthei; befallen wurde.
Todessturz eines Schornsteinfegerlehrlings. B e r l i u , 25. Febr. Heute vormittag stürzte der Sckornsteinfege'lebrling Wenderlund, ein junger Schwede, vom Dache eines Hauses m der Neuenburgerstraße auf den Hof und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf im Krankenhause verstarb.
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Ein Briefträger unter dem Verdacht des vierfachen Mordversuchs verhaftet. Berlin, 25. Febr. Unter dem schweren Verdacht, versucht zu haben, seine Frau und seine drei Kinder durch Leuchtgas zu vergiften, wurde gestern der Postbote Thiedtke in Schmargendorf verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis einssliefert.
Ter Tod im Ballsaal. Hirschberg. 26. Febr. Beim Maskenballtanz vom Tode ereilt wurde in Hirschberg her Gelbensande der 65 Jahre alte Kuhfütterer Karl Borowskr. Mitten im Tanz sank er zu Boden und blieb leblos liegen. Die übrigen Teilnehmer des Maskenballes glaubten anfangs an einen Scherz und trugen den Borowski im Saal herum. Schließlich wurde es ihnen aber doch unheimlich; sie entfernten die Maske und sahen nun eine Leiche vor sich. Der herbeige- rufene Arzt stellte fest, daß der Tänzer einem Herzschlag erlegen war.
Wüste Schlägerei. Groß-Woyeuvre, 26. Febr. der Nacht zum Mittwoch kam es hier zu einer wüsten Schlägerei zwischen Deutschen und Italienern. Dabei wurde ein Deutscher so schwer verletzt, daß er heute morgen gestorben ist. Ein anderer liegt schwer verletzt darnieder.
. Der „Banernschreck" auf Reisen. Graz. 26. Febr. Während vor etwa 10 Tagen der Bauernschreck noch in der Gegend von St. Paul in Kärnten gesichtet wurde, treffen jetzt aus der Gegend von Marburg Nachrichten ein, die das Vorhandensein des Raubtieres an den Abhängen des Poßruck schließen lassen. So wurden am 13. d. M. in der Gemeinde Heilkrouz bei Marburg 11 Schafs zerrissen. Tags darauf wurde das Tier bei einer Keusche gesehen, wo es am 15. d. M. ein Lamm und zwei Ziegen zerriß. Trotzdem sofort nach den ersten Meldungen auf das Raubtier Jagd gemacht wurde, verlief die Aktion vollständig ergebnislos, da das Tier sich wahrscheinlich in die wildzerklüfteten Teile des Poßruck zurückgezogen haben dürfte, wohin bei den herrschenden Schneeverhält- nissen ein Vordringen nicht leicht möglich war. Bei einer am 17. d. M. vom Graf Avernasfchen Güterdirektor Stolz vor- genommenen. Treibjagd konnte die frische Fährte des „Bauern- schreck" deutlich konstatiert werden. Auf Grund der ans der Umgebung von Marburg einqetroffenen Nachrichten hat sich dis Negierung veranlaßt gefühlt, den steierimärkischen Jagd- schutzverein mit der Einleitung einer Aktion zu betrauen, welche den Zweck hat. den „Bauernschreck" noch vor der Schneeschlmelze aufznsuchen und zu erlegen. Der Jagdschutzverein fordert nun in einem Rnndschrsiben die Jagdleitnngen mit dem Ersuchen auf, Jäger zu stellen. Er glaubt, mit etwa 40 Jägern sein Ziel erreichen zu können. In den vom „Bauernschreck" bedrohten Gebieten wurden starke Gendarmeriedetachements ans Graz und Umgebung abdetachiert und die Schulen gesperrt.
Ben albanischen Räubern verschleppt. Wien. 26. Febr. Aus Elbassan wird gemeldet: Zwei amerikanische Reisende, die Elbassan besuchten, wurden von Räubern ergriffen und verschleppt. Man glaubt, daß der überfall von Feinden des Gouverneurs Hakki Pascha ansestiftet wurde, um ihn bei der Grenzbestimmungskommission zu kompromittieren.
Verzweiflungstat eines ausgesperrten Buchdruckers. Prag. 26. Febr. Der nach schwerer Mühe beigelegte Buchdruckerstreik hat nachträglich ein Opfer gefordert. Der Setzer einer hiesigen Zeitung, namens Kappe, ein 54jähriger Mann, wurde nach Beendigung des Ausstandes in der Druckerei, in der er bisher beschäftigt war. nicht wieder angenommen. In einem Anfall von Verzweiflung hat er gestern in seiner Wohnung zuerst seine 19- jährige Tochter durch einen Schuß schwer verletzt und dann sich selbst getötet.
Ein Ordensschwindelgenie. Paris, 26. Febr. Einer ausgedehnten Ordensschwindelaffäre ist, wie der Vertreter der Telegraphennnion erfährt, die Polizei auf die Spur gekommen. In die Betrügereien sind mehrere bekannte Bp.'liner Persönlichkeiten verwickelt. Es handelt sich vor allem um einen gewissen Moser aus Berlin, der hier in Begleitung, einer Halbweltdame in der Rue d'Hauteville abgestiegen war. und zwar als Daro« Moser und Frau. ..Kammerherr des Papstes". In dieser fingierten Eigenschaft fand er eine Anzahl Leichtgläubige, denen er für schweres. Geld Ordens- und sonstige Auszeichnungen verkaufte. Er und keine Begleiterin wurden in aller Stille verhaftet, ebenso mit ihnen ein gewisser Branco, eine in Berliner Cafehauskreisen wohlbekannte Persönlichkeit, die unter dem Verdacht der Mittäterschaft steht. Es verlautet, daß noch eine große Reihe weiterer Verhaftungen bevorstehen. Die Schuld Bvancos sowie der Freundin Mosers ist noch nicht erwiesen. Die Untersuchung der Polizei wird mit großer Heimlichkeit durchgeführt und dürfte in den nächsten Tagen noch einige Überraschungen zeitigen. Moser ging täglich auf den Pariser Boulevards in goldstrotzender Phantasie-Uniform spazieren.
Ein schwerer Straßenbabnunfall. London, 26. Febr. Trog der strengen Vorschriften, die bezüglich des Befahrens des bei Kanalisationsarbeiten in Manchester gelegten provisorischen Schienenweges erlassen wurden, fuhr gestern der Führer eines Motorwagens in übermäßig schnellem Tempo du-ch eine Kurve des provisorischen Gleises. Der schwere Wagen sprang aus den Schienen, stürzte um und wurde vollständig zertrümmert. Es befanden sich in ihm etwa 30 Personen, die sämtlich durch Glassplitter verletzt wurden. Einige Passagiere kamen mit leichteren Verletzungen davon.
Deutscher Reichstag«
Neichseisenbahnamt untzKeichseisenbahn.
8- Berlin, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht) Die Besprechung des Reichselsenbahnamts füllte auch noch fast die ganze heutige Sitzung aus. Wiederum stand im Vordergrund die Schaffung einer Reichseisen- bahn gern ein schaft, die von den verschiedensten Seiten befürwortet wurde. Der nationalliberale Abgeordnete List hielt es wenigstens für nötig, neben der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft, die man ruhig bestehen lassen könnte, die süddeutschen Bahnen als Reichseisenbahnen auszugestalten. Im übrigen gab es auch heute dieselben Klagen, wie gestern. Namentlich auch über den Wagenmangel. Der Zentrumsabgeordnete Pfeiffer trat energisch für die Einführung von Schlafwagen dritter Klasse ein. Der bayerische Zentrumsmann Schirmer war eigentlich der einzige, der sich gegen Reichs-eisenbahnen aussprach. Er will sich und seinen Landsleuten nicht auch die Eiseubahnen noch "^erpreußen" lassen, chährend der konservative Herr Dr. O e r t e I sich ausnahmsweise gegen eine Verpreutzung ausspricht. Daß in Bayern das Rauchen erlaubt ist, findet er vorbildlich.
Nachdem man den Etat des Reichseisenbahn a m t s dann glücklich verabschiedet hatte, begann man die Debatte über die Reichs e i s e n b a h n e n, deren Chef bekanntlich der preußische Eisenbahnmrnrster v. Breitenbach ist. Er hatte kaum Platz genommen, als er auch schon das Ziel heftiger Angriffe des sozialdemokratischen Abgeordneten Fuchs wurde, der die p e r s ö n- liche Union zwischen den Preußischen und den reichsländischen Eisenbahnen grundsätzlich verwirft und den preußischen Geist, den er überall und überall auch in der reichsländischeu Eisenbahnverwaltung findet, so grimmig befehdete, daß er sich selbst bei dieser nüchternen Materie einen -Ordnungsruf zuzog. Ebenso ausführlich ließ sich dann der nationalliberale Abgeordnete Schwabach aus über Arbeiterverbältnisse und Ar-
beiterrechte. Gegenüber dem sozialdemokratischen Redner, dem offenbar für Elsaß-Lothringen Landeseisenbahnen lieber wären als Reichseisenbahnen,, führte Minister v. Breitenbach aus, daß das Reichsland auch wirtschaftlich mit der jetzigen Verwaltung sehr gut fahre. ^
, Sitzungsbericht.
Eiaenrr Drabtbcricht des „Wiesbadener TagblattS".
Berlin, 26. Februar.
Am Bundesratstisch: Präsident des Reichsersenbahnamts
Wackerzapp.
Vizepräsident Dr. Paajche eröffnet die Sitzung um 1.17 Uhr.
Die zweite Beratung zum
Etat für das ReichseisenbQhnamt
wird fortgesetzt beim Titel „Gehalt des Präsidenten".
Mg. Stolle (Soz.): Ich bitte den Herrn Präsidenten des Röichseisenbahnamts, uns über die Erfolge der Konferenz Mitteilung zu machen, die sich mit dem internationalen Güter- und Personenverkehr beschäftigt hast. Durch den preußisch-sächsischen Eisenbahn krieg werden nicht nur die Interessen von Handel und Industrie in Sachsen geschädigt, sondern auch die dort beschäftigten Arbeiter. Deutschland hat viel zu wenig Wagen, als daß es seinen Güterverkehr derartig rentabel machen könnte, wie es in England der Fall ist. Um den nötigen Druck auf die einzelnen Eisenbähnverwaltungen ausüben zu können, müssen die Bedürfnisse des Reichseisenbahnamts ganz anders ausgestaltet werden, als sie jetzt sind. Die Behandlung der Eisenbahn- beamten läßt viel zu wünschen übrig.
Die Arbeitszeit mutz einheitlich geregelt werden und fische Sparsamkeit »nutz unter allen Umständen verhindert werden.
Das Reichseisenbahnami sollte alles tun, um die Sicherheit t-es Betriebes zu erhöhen. Die Eisenbahnarbeiter haben alles Recht, auch für sich die Koalitionsfreiheit in Anspruch zu nehmen, um Drangsalierung und schlechte Bezahlung zu beseitigen. Wenn eine Partei für sich in Anspruch nehmen kann, in dieser Hinsicht die Arbeiterintevessen vertreten zu haben, so ist es die sozialdemokratische. (Widerspruch.)
Abg. List-Eßlingen (natl.): Der Gedanke einer Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens gewinnt immer mehr an Boden.
Eine Betriebsgemeinschaft mutz die Folge des Staatsbahnwagenverbandes sein.
Wenn man auch in Bayern nicht entzückt von diesem S t a a >t s b a h n w a g e n v e r b a n d . ist, weil er der dortigen Staatseisenbahn für Neuanschaffungen eine Ausgabe von 17 Millionen bereitet hat, so können wir doch nicht auf die Vorlegung einer Denkschrift Wer diese Frage verzichten. Das Protokoll des SonderauNschusses des Deutschen HandolStages, der sich a-nch niit dieser Frage beschäftigt, wird ein wertvolles Material darüber beibringen, wie mangelhaft es bei uns noch mit, der Einheitlichkeit im Eisenbahnwesen ausstcht. Die Württemberg! sche Kammer hat den Wunsch ausgesprochen, daß eine Betriebs- und Finanzge- m ein schuft der deutschen Eis«nbahnp,rwal- tungen geschaffen werde, insSesvirdere wurde gewünscht, daß Umleitungen im Güterverkehr als dem Wortlaut der Rcichsverfassumg widersprechend nicht zugeiaffen würden, und Württembergs Anteil gewinnt an brät Durchgangsverkehr. Tatsächlich besteht trotz aller Ableugnung doch ein preußisch-sächsischer Eisenbahnkrieg. So werden Güter aus Görlitz nach Plauen über Halle geleitet und nicht über Dresden. Da heißt es dann: Die besten Züge alle, fahren über Halle! (Heiterkeit.) Die Schaffung der sogenannten Fehmarn-Linie liegt im lebhaftesten Interesse Süd- und Westdeutschlands. Die wichtigsten ^deutschen Handelskammern haben sich für diese Linie eingesetzt. Die Ausdehnung der Ansnahmetarife hat zu einem Kampf zwischen deir preußischen Eisenbahnverwaltung und den süddeutschen Eisenbähnverwaltungen geführt. Die Uneinigkeit zwischen den einzelnen deutschen Eisenbahnverwaltungen macht sich leider auch dem Ausland gegenüber in bedenklicher Werse bemerkbar.
Dem Projekt der Einführnng einer Reichseisenbahnge- meinschaft stehen die meisten Staaten sehr skeptisch gegenüber, da sie dann ein Übergewicht des Einflnsses Preußens fürchten.
Vielleicht ließe es sich aber so machen, das preußisch-hessische Eisenbahnnetz als solches bestehen zu lassen und alle anderen Verwaltungen, st die sächsische, würibembergische, bayerische, badische und elsaß-lothringische und die anderen zu einer Reichseisenbahngemeinschatt zusammen- zufchlietzen. Dadurch würde auch der R e i ch s g e d a n k e gewinnen. (Beifall.)
Abg. Siebenbürger (kons.): Die jetzigen Bestimmungen über den V r eh tran spo r t sind, soweit es die Schweine angeht, geradezu, tierquälerisch. Hier sollten die landwirtschaftlichen Vereine ein ernstes Wort mitreden.
Mg. Dr.^ Pfeiffer (Ztr.): Den wiederholt geäußerten
Wünschen auf Einrichtung von Schlafwagen dritter Klasse sollte sich ReichseisTubahnamt nicht ablehnend gegenüber
verhalten.
Mg. Koch (Vpt.): Es ist ein Übelstand, daß der hinter Eisleben liegende Tunnel, der von den Zügen Berlin-Erfurt- Wittenüerg und Haile-Kassel benutzt wird, durch den also täglich etwa 25 Züge fahren, nur auf einem Gleis befahren werden kann. Im Falle einer Mobilmachung könnte dies zu schweren Folgen führen. Der Ausbau der Strecke würde sich sehr gut rentieren.
Abg. Dr. Arendt (Rpt.): Seit vielen Jahren bin ich im Abgeordnetenhause, wohin die Sache ja eigentlich gehört (Sehr richtig! rechts.), für Beseitigung des Riestätter Tunnels eingetreten. Nach Auskunft des Generalstabs, der sicherlich für strategische Dinge maßgebender ist als wir, ist der Tunnel unbedenklich. Trotzdem wünsche ich die Beseitigung des unglücklichen Tunnels. Ich verstehe nur nicht, daß die Umleitung gerade durch den Wahlkreis des Herrn Koch gehen soll, es wäre doch besser, sie zur anderen Seite zu führen, durch meinen Wahlkreis. (Große Heiterkeit.)
Abg. Fischer-Hannover (natl.): Erst die Reichseisenbahngemeinschaft wird endlich alle berechtigten Klagen beseitigen können. Bei etwas mehr Energie könnte auch heute schon das Reichseisenbahnamt viele Verbesserungen und Reformen einführen. Warnen möchte ich davor, die Fahrkartensteuer für die 1. und 2. Klaffe zu beseitigen, dagegen
