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Lttte 4« _ Mbe«d-A«Sgabe, 1 . Blatt. WiesLadeirer TagblM.

Kur dem vereinsleben.

Vorberichte, veretnsoerjammlungen.

„Entweder intellektuelle Erziehung oder Volksuntergang", über dreies Thema wird auf Bevcmlassung der „Wies­badener Gesellschaft für ethische Kultur" Schriftsteller S Morseus aus München am Freitagabend 8% Uhr im Saale der Stadtvewridneten sprechen. Der Redner will mir Hilfe von Demonstrationen den Itachweis führen, wie man durch besondere Pflege des Intellekts bei der Er­ziehung eine gesunde Generation heranbilden kann, und wie wertvoll diese Art der Eichung für Wissenschaft uird Kunst, für Handel, Industrie und Handwerk, kurz, für den gesamten Staat, ist.

Freitagabend 9 Uhr wird Dr. W. Bergmann ur Sonnenberg (Kaisersaal. Köhler) einen Lichtbildervortrag über den Naturschutzpark in der Lüneburger Heide und den neuen Tauernpark des Vereins Naturschutzpark halten. Besonderer Wert wird bei dem Vortrage auf die Vogelschutz­bestrebungen sowohl des „Vereins Naturschutzpark" als auch des Sonnenberger Geflügelzucht- und Tierfchutzvereins gelegt werden. Der Eintritt ist frei.

Sport und Spiel«

* Die Kämpfe um die Europameisterschaft im Eis­hockey 1914 begannen gestern abend ipi Berliner Eispalast mit einem Kampf Belgien gegen Böhmen. Böhmen ging mit 9:1 als Sieger aus dem Spiel hervor. — Der für gestern abend geplante Kampf zwischen der Schweiz und Deutschland mutzte ausfallen, da die Schweizer Mannschaft infolge eines Irrtums nicht rechtzeitig in Berlin eingetroffen war. Statt dessen spielte eine kombinierte deutsche Mannschaft gegen eine Mann­schaft des Berliner Schlittschuhklubs, wobei die kombinierte Mannschaft mit 6:1 siegte.

Heues ans aller wett.

Ausschreitungen beim Kölner Karneval. Köln. 2ö. Febr. Bei dem Freindenandrana des Kölner Karnevals kam es zu starken Ausschreitungen, bei denen die Polizei stark in An­spruch genommen wurde.

Zwei Todesopfer des Unglücks aus der Zeche „Viktoria". Kupfer dreh, 25. Febr. Von den gestern vormittag auf Zeche „Viktoria" verunglückten acht Bergleuten ist in der ver­gangenen Nacht noch ein zweiter gestorben. Die Verletzungen der übrigen fünf Bergleute, die sich im Krankenhause Berg­mannsheil befinden, sind ernster, als man zunächst vermutete, da es sich um schwere Verletzungen des Rückgrats und anderer innerer Organe bandelt.

Das Femgericht der Münchener Haberseldtreibrinnnen.

München, 25. Febr. Me der Münchener Polizeibericht be­kannt gibt, zogen 300 Münchener Frauen vor ein Haus, um dort einen verirrten Ehemann zur Raison zu bringen. Dieser Ehemann, ein Ve-sichernngsinspektor, hatte ein Verhältnis mit einem Zimmermädchen, das er auf seinen Reisen in die Pro- oinz kennen gelernt hatte, begonnen und sie in der Nähe seiner, Wohnung einqnartiert. Als seine Frau, empört über sein Be- nehrneri, zu ihren Verwandten nach, Landshut zurückkehrte, nahm er das Mädchen ganz in das eheliche Haus auf. und nun beschlossen die Frauen des Bezirks ein reguläres Haberfeld- treiben gegen den Ungetreuen. In einer kriegsmäßigen Stärke von dreihundert rückten sie vor das Hans des Inspektors und verlangren zunächst nur. alleroings mit großem Geschrei und Lärm, das Mädchen zu sehen. Als man sich in der Wohnung aber nichk zu mucksen traute, stürmten sie den Hanseingang, hoben d.e Tür aus den Angeln und übten das Femgericht an cem Mädchen, übergossen es mit schmutzigem Wasser und vrüaelten es Vor dem Abzug stellten sie strikte Bedingungen: Der Wann mutzte das Mädchen sofort auS der Wohnung geben und der Frau telegraphieren: „Wohnung wieder rein, kehre zurück!" Tatsächlich erreichten sie ihren Willen; der Ehemann beugte sich diesen wütenden Verteidigerinnen der Frauenehre. Diese hielten aber nicht Wort, sondern blieben bis zum Ein­treffen der Gattin. Ms diese gegen Mitternacht aus Landshut zurückkam.' wurde sie im TrinmpWUge in das Hans geführt. Dem nun folgenden Freudenfeste machte die Polizei ein Ende.

E:n entsetzliches Brandunglück. St. Gallen, 26. Febr. Ein entsetzliches Brandunglück bat sich gestern in dem schweizerischen Orte Ernetschwil im Kanton St. Gallen ereignet. Vier Söhne eines Bauern im Alter von 8 bis 15 Jahren kamen bort ! beim. Brande des väterlichen Hauses in den Flammen um.

Ein Familiendrama. Zürich, 26. Febr. Eine Familien­tragödie hat sich in Baden bei Zürich ereignet. Ein italienischer Arbeiter wurde dort von seiner Mutter mit einem Dolche ge­tötet. Die beiden lebten getrennt und die Frau behauptet, ihr Sohn habe sie nickt unterstützen wollen.

Groke Überschwemmungen in Mähren. Brünn, 25. Febr. Infolge einer Eisstopfung ist die Ma-ch bei Nedakonitz und Ungarisch-Bradisch über die Ufer getreten. 96 Häuser sind übe schwemmt 13 eingestürzt und 41 mehr oder weniger be­schädigt 171 Personen sind obdachlos, doch sind keine Menschen­leben zu beklagen. Der Schaden wird auf 160 000 Kronen

ge schalst- @hmn lm Mittelnrecr. Tanger. 26. Febr Der furchtbare Sturm im mittelländischen Meer halt an. In der Nähe von CatzManca sind zwei Dampfer, em osterrmckuscher und ein englischer, art die Küste geworfen worden und frefmben sich in gefährlicher Situation Die Namen der schrfre und noch unbekannt Hilfsdamvfer sind zur Unterstützung abgegangen.

Unwetter in Amerika. New Bork. 26. Febr. Im Süden der Vereinigten Staaten sind im, Laufe des gestrigen XcaeS abermals riesige Schneemassen niedergegangen. Der Schnee fiel in solchen Mengen, wie man es dort in den letzten 20 Jahren nicht mehr erlebt hat. In Savannah und Augusta ist der Verkeb" vollständig unterbunden Ähnliche Meldungen kommen aus den Staaten Georgia. Alabama und Lomßana. Man Befire&iet, datz besonders die Baumwollernte schw eren Schaden erlitten hat. Der Dampfer der Hamburg Amerika- Linie. „Präsident Lincoln", ist gestern mit drei Tagen Ver­spätung in dem Hafen von New Bork eingetroffen. Wahrend der ganzen überfahrt hatte das Schiff die schwersten Kampfe mit Sturm und Wellen zu bestehen.

Letzte Drahtberichte.

Das klägliche Ende der Zcrbsrnkommission.

S. Berlin, 26. Febr. (Erg. Dvah,Gericht) Die sogenannte Zabern-Kommission hat heute, wie nicht anders zu erwarten war, mit einem völligen Fiasko ihrer Aktion geendet. Gleich zu Beginn der Sitzung erklärte der Regievungsver- treter, das gewünschte Material hätte noch nicht be­schafft werden können. Die Beratungen über Vereinheit­lichung der Dienstvorschriften mit den Landesregierungen sei in der Schwebe. Ein Zentrumsmrtglieid beantragte Ver­tagung, da das Material für die weiteren Verhandlungen der Kommission notwendig sei. Ein Nationalliberaler hielt ebenfalls die Vertagung für erforderlich, weil der ©tanbpunf.t der Regierung, ,^^mheitlichung auf Grund des ge­meinsame« Lastdesrechts, erst bekannt sein müsse. Fort­schrittler und Sozialdemokraten erklärten sich gegen jede Vertagung, Konservativen, die

jede weitere Erörterung im Plenum ausschließen wollen. Der Vertagungsantrag wurde abgelehnt. Der erste Satz des von den Fortschrittlern eingebrachten Gesetzentwurfes lautend: „Die bewaffnete Macht kann zur Unterdrückung

innerer Unruhen nur aus Ersuchen .der zuständigen Zivilbe-

hörden verwendet werden", gelangte dann zur Beratung. Die Vertreter des Zentrums, der Nationalliberalen und Konser­vativen erklärten, daß sie eine sachliche Erörterung hierüber ab lehnten. Der Satz wurde mit 11 gegen 10 Stimmen gestrichen, worauf die Fortschrittler den Rest des Gesetzes zurückzogen. Ebenso wurde dann die von den Elsässern unid Polen eingebrachte Entschließung abgelehnt, den Reichskanzler um schleunige Vorlegung eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, der die Befugnisse der bewaffneten Macht zur Ausübung der staatlichen Zwangsgewalt einheitlich regelt und der Rechtsauffassung Geltung verschaffen soll, daß das Militär nur auf Requisition der Zivilbchörden zu Polizei­zwecken verwendet werden darf. Auch die übrigen Anträge wurden ab gelehnt, und zwar die sozialdemokratischen An­träge auf völlige Beseitigung der Militärgerichtsbarkeit mit 15 gegen 6, der fortschrittliche auf Einschränkung mit 11 gegen 10 Stimmen. Die Nationalliberalen stimmten gegen den sozialdemokratischen Antrag aus grundsätzlichen Bedenken, gegen den fortschrittlichen, weil sie den Zeitpunkt noch nicht für gekommen halten und mit Rücksicht auf die bevor­stehende Reform des Gesetzbuches. Auch die Elsässer stimmten gegen den sozialdemokratischen, aber für den fort­schrittlichen Antrag. Zentrum und Konservative stimmten gegen alle Anträge. Eine weitere Sitzung der Kom­mission findet nicht mehr statt.

Blutige Unruhen in Barcelona.

rvb. Madrids 26. Febr. Lebhafte Unruhen sind in verschiedenen Teilen Spaniens wegen der neuen städti­schen Steuern ausgebrochen. Besonders in Barce­lona ist die Situation sehr besorgniserregend. Hier hat sich die Bevölkerung zu schweren Ausschreitun­gen hinreißen lassen. Gestern früh waren in Barcelona die Märkte vollkommen verödet. Die Wagen, die Lebensmittel in die Stadt bringen sollten, wurden bei ihrer Einfahrt in die Stadt von den Bewohnern mitleidslos geplündert. Alle Geschäfte waren ge­schlossen und die Handwerker feierten. Die Fabriken und- großen Warenhäuser mußten gleichfalls schließen. Die Straßenbahnwagen wurden von der Menge mit Steinen beworfen, so daß schließlich der Straßenbahn- Verkehr ^vollkommen eingestellt werden mußte. Selbst Baumstämme wurden über die Schienen gelegt, wodurch ein Wagen entgleiste und umstürzte. Kein einziger Laternenpfahl steht noch aufrecht, so daß die Stadt am Abend in völliges Dunkel gehüllt war. Zwischen

f olizei und Publikum kam es wiederholt zu blutigen usammenstößen. Die Wohnung des Bürgermeisters mußte durch Soldaten vor der Wut der Menge geschützt werden. Überall auf der Straße tönten dem Bürger­meister, der von berittenen Gendarmen begleitet war, Rufe wie „Nieder mit ihm! Hängt ihn!" entgegen. Wahrscheinlich wird der Belagerungszustand über die Stadt verhängt werden, wenn die Ruhe nicht bald wie­der einkehrt. Von einem weiteren Zusammenstoß zwi­schen Polizisten und der Bevölkerung wird berichtet: Ein Karnevalszug, der eine Beerdigung

darstellte, bewegte sich durch die Straßen der Stadt. An der Spitze befand sicki ein maskierter Priester, ein großes Krusifir in der Hand haltend. Als der Zug an einer katholischen Kirche vorbeikam, protestierten die dort versammelten Gläubigen gegen eine derartige Ver­höhnung der Religion. Zwischen ihnen und den Mas­kierten kam es zu einem Handgemenge, wobei das Kruzifix zertrümmert und der Sarg auf die Straße ge­schleudert wurde. Nun griff die Polizei mit solcher Brutalität ein, daß sich die streitenden Parteien vereint gegen die Polizei wandten. Man machte von Revolvern Gebrauch und die Polizei griff mit blanker Waffe ein. Über 30 Personen wurden verwundet. Eine große Anzahl Personen wurde verkästet. Die Erregung in der Stadt ist allgemein. Gestern abend durchzogen Scharen von Manifestanten die Stadt und nahmen gegen die Polizisten eine drohende Haltung ein.

Die wirren in Mexiko.

* London, 26. Febr. Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus New Dort steht es jetzt fest, daß auch der Deut­sche Gustav Bauch in der vergangenen Woche vom General Villa erschossen worden ist, trotzdem die Rebellen dies bisher äbgeleugnet haben. Auch die Ermordung eines angesehenen amerikanischen Bürgers unterliegt keinem Zweifel mehr. Villa weigert sich nach wie vor, die Leiche des Eng­länders Benton herausgugeben. Die englische Presse ist über die zögernde Haltung der Bereinigten Staaten aufs äußerste erregt. Mehrere Blätter verlangen heute eine euer, gische Aktion Englands. Am gemäßigsten zeigt sich noch die „Times", die in einem längeren Artikel die Forde­rung an die Regierung stellt, eine sofortige Untersuchung der Angelegenheit vorzunehmen und Garantien für die Be­strafung der Schuldigen zu verlangen. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, datz die deutsche Regierung die Haltung der Vereinigten Staaten durchaus nicht billige. Darnach soll auch die Berliner Regierung die Regierung in Washington in keinem Zweifel darüber gelassen hüben, daß sie einen schweren Fehler begeht, wenn sie weiterhin Huerta die Anerkennung verweigert.

Beschuldigungen Villas gegen Benton.

XX London, 26. Febr. (Eig. Drckhtbericht) General Billa bezichtigte in einer Unterredung nM foem Berichter­statter eines New Uorker Blattes seinen erschossenen Wider­sacher Benton s ch w ttet Verbr echen. Benton soll an- geblich einen vierfachen Mord in Chihuahua «begangen haben, und wird auch des Mordes und des Viehdiebstahls in Juarez beschuldigt. Es verlautet, Villa habe die Leiche Bentons aus­scharren und verbrennen lassen.

Ein großes ExpIosionsunaliiEr irr einer Berliner Fabrik.

s - Berlin, 26. Febr. (Eia. Drahtbericht) In der Fabrik der „Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation" in der Haupt­straße m Rummelsburg ereignete sich f, eu t e &esen Mittag unter furchtbarem Getöse eine Explosion, der eine erd- b e b e n a r t r g c Erschütterung folgte. Die Wirkungen sind augenblicklich noch nicht abzusehen. Die ganze Gegend ist in dicken Qualm gehüllt, die Fabrrkhöfe sind voll giftiger Gase, so daß die Feuerwehr um 11M Uhr noch nicht bis an die Explosionsstelle Vordringen kannte und es sich um diese Zeit nicht seststellen ließ, in welchem Teile des ausgedehnten

Donnerstag, 36. Februar 1914. Nr. 96.

Fabrikgebäudes die Explosion geschehen ist und ob und wie viel Menschenleben ihr zum Opfer gefallen sind. In der Fabrik befanden sich zur Zeit der Explosion über 400 Arbeiter. Alle stürzten auf die Straße. Mehrere Arbeiter, die sich im Kessel- raum befanden, wo die Explosion wahrscheinlich erfolgte, wer­den vermißt. Ein in der Nähe wohnender Arzt wurde an die Unglücksstelle gerufen, wo eine große Anzahl Schwerverletzter liegen soll. — Bis 12 Uhr mittags waren 6 Tote und 4 Schwer­verletzte festgestellt. Das Gebäude, in dem die Explosion statt­fand, ist völlig zertrümmert.

wb. Berlin, 26. Febr. Bei dem heute mittag tz^12 Uhr erfolgten Unglück scheint es sich um eine Kessel- explosion zu handeln. Bis mittags kurz nach 1 Uhr waren bereits 12 Tote aus den Trümmern des zusammengestürzten Gebäudes geborgen worden. Doch muß noch immer mit einer größeren Zaht Verunglückter gerechnet werden. Die Trümmer des Fabrikgebäudes gerieten sofort nach der Explosion in Brand, so daß sich die Bergungsarbeiten äußerst schwierig gestalten.

Der Konkurrenzklaiiselcntwurf. s - Berlin, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht) Die Be­schlüsse der 12. Kommission des Reichstags zur Vorbe- reitung des Konkurrenzklauselentwurfes wurden viel­fach als ein Kompromiß aufgefaßt, dem die Regierung zustimmen werde. Wie die „Tägl. Rundschau" hört, dürfte diese Auffassung nicht zutreffend sein. Sowohl die letzte Fassung des 8 74a wie die von der Regierung gewünschte Abänderung des § 76 des Handelsgesetz­buches hätten nicht die Zustimmung der Reichsregierung gefunden, die unter allen Umständen der Annahme der neuen Kommissionsbestimmungen und Plänen ein „Nein" entgegensetzen werde.

Die Llfunde in Neu-Gnmea.

8. Berlin, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht) In der Budget­kommission des Reichstags wurde heute die Beratung des Kolonialetats fortgesetzt. Bergassessor Pasel berichtete über das Ölvorkommen in Neu-Guinea. Das Vorkommen liegt im nordwestlichen Schutzgebiete bei Eitape. Nach den Unter­suchungen ist es wahrscheinlich, daß man es mit einem Öl zu tun hat ähnlich dem Niederländisch-Indischen. Nachdem der Ölfund festgestellt war, bewarben sich vier große Konzerne um das Monopol. Die Gesellschaften ersuchten auch über die Bergkonzession hinaus ein gewisses Landmonopol, auch ein Telegraphenmonopol sowie Steuerfreiheit auf 10 bis 15 Jahre zu erlangen. Die Verwaltung sollte die Vergebung in mehreren Teilen vornehmen, aber jede Gesellschaft wollte die Fundstelle in ihrem Gebiet haben. Die Verwaltung muß also zunächst von sich aus Vorgehen. Es handelt sich um Fest­stellung des Schichtbaues in jener Gegend. Die Bohrungen haben nicht den Zweck, das Öl zu erschließen, sondern lediglich die Gesteinsbildung zu erforschen. — Ein Zentrumsmitglied machte demgegenüber auf das große Risiko von Erdölnuter- nehmungen aufmerksam. Es sei möglich, daß trotz erheblicher Mittel, die man aufwende, ein völliger Mißerfolg eintrete, selbst wenn in der Nähe der untersuchten Schichten tatsächlich Öl gefunden werde. — Der Regierungsvertreter betont wieder­holt, daß es sich um Flachbohrungen handeln solle und daß sich voraussichtlich ein Geologe gewinnen lassen werve, der die Erdöllager in Niederlündisch-Jndien kenne. — Der Staats­sekretär sagte die Prüfung der Frage zu, ob das ganze Ge­biet von Neu-Gninea gesperrt werden soll. Auch das Marine­amt habe ein lebhaftes Interesse an der ganzen Sache. Schließ­lich sagte er zu, sofort eine Sperre des ganzen Gebietes vor­zunehmen und erklärte, er hoffe dafür die Zustimmung des Bundesrates zu finden; bezüglich der Erhöhung der Summe könne er aber eine bestimmte Zusage noch nicht machen. — Es wurde darauf vom Berichterstatter und von Vertretern der Volkspartei der Antrag gestellt, die für die Untersuchung aus- gesetzte Summe auf 500 000 M. zu erhöhen.

Aus der Petitionskommission des Abgeordnetenhauses.

sitz Berlin, . 26. Febr. (Eig. Drahtbericht) Die Petitionskommission des Abgeordnstenhauses hat gestern abend eine Petition des neuen preußischen Lehrervereins „Nkr-Preußen" um Erhöhung der Lehrergehälter auf 4200 M. unter Fortfall der Ortszulagen und um Beschaffung einer Besoldungs­kasse vertagt. Eine Petition des Magistrats zu Breslau um Änderung der gesetzlichen Bestimmungen über die religiöse Erziehung der Kinder in Mischehen entfacht eine längere Debatte, die schließ­lich zur Annahme des folgenden Antrags führte: Die Petition der Königlichen Staatsregierung in dem Sinn-e zur Erwägung zu überweisen, daß bei Vorlegen der Einigung der Eltern über den ihren Kindern zu er­teilenden Religionsunterricht diese Einigung durch den Tod des Vaters nicht erlischt.

Ein Zwischenfall im reichsländischen Parlament.

* Straschurg, 26. Febr. Heftige Zusammenstöße zwischen dem neuen Unterstaatssekretär Freiherrn von Stein urid Mitgliedern des elsaß-lothringischen Landtages ereigneten sich in der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer. Bei der Beratung des Etats der Wasserbanverwaltung kam die Rede auf die Verunreinigung der Jll in Straßburg durch die welt­bekannte Lederfabrik Adler und Oppenheimer. Während der Fortschrittler Georg Wolf und der Zentrums- übgeordnete Martz lebhaft für die Firma eintraten, kritisierte der sozialdemokratische Abgeordnete Jmbs die in der Fabrik herrschenden Mißstände. Im Verlaufe der Debatte rügte der Mg. Wolf das Verhalten der früheren Regierung, deren Handlungsweise er als schikanös bezeichnete. Scharf und entschieden sprach Freiherr von Stein für die vorige Regie­rung, wobei er die Redewendung gebrauchte, daß sich der Äbg. Wolf durch Beschimpfung der alten Regierung das Wohl­wollen der neuen gewinnen wolle, eine Äußerung, die allseitig p ei n l i che s A u f seh e n hervorrief. Der Abg. Wolf ver­bat sich in entschiedenem Tone eine solche Einmischung in die Redefreiheit der Abgeordneten. Als der Unterstaatssekretär scharf erwiderte, stellte sich der Abgeordnete Martz im Namen seiner Parier auf die Seite Wolfs. Die Kritik, die Wolf ge­übt habe, sei scharf, aber durchaus gerecht gewesen. Der Zwischenfall, der im Parlament großes Aussehen erregt, wird hier lebhaft kommentiert.

Ein Duell mit tödlichem Ausgang, wb- Metz, 26. Febr. Heute morgen fand im Walde von Orly bei Metz zwischen dem Leutnant Lavalette- St. George vom Metzer Infanterie-Regiment Nr. 98 und