Nr. :»3 Mittwoch, 25. Februar 1914. Wiesbadener TagÜLM. _Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 5.
Mainz von je 60 Wagen mit 2 Lokomotiven gefahren werden mutzten. — == Der hiesige Bayern-Verein halt vom 20. bis 2a. Mai o. I. in den Räumen der Stadthalle das erste große »Deutsche Trachtenfest" ab. Aus allen Gauen Deutschlands sind bereits Anmeldungen erfolgt; namentlich werden sich die Thüringer, Tiroler und andere Trachten itark beteiligen. Es werden bäuerliche Sitten und Gebräuche zur Aufführung kommen, es wird getanzt, gesungen und ein großer Festzug abgehalten. Eine Rheinfahrt nach Wiesbaden und Rüdesbeim (Niederwald-Denkmal) wird am 22. Mai stattfinocn.
hi. Aus Rheinhessen, 23. Febr. Um 2 8 0 Prozent im Preise gestiegen ist die Jagd der Gemeinde Jugenheim. Wenn auch schon im allgemeinen eine ganz erhebliche Steigerung der Jagdpachtpreise eingetreten ist, io dürfte dieses Beispiel doch wohl einzig dastehen. Während die Jagd bisher für 865 Mark für das Jahr verpachtet wurde, mußten letzt schon 2400 Mark jährlich angelegt werden.
* Kassel, 23. Febr. Der Verein zur Bekämpfung der S ch w i n d s u ch t s g e f a h r in der Provinz Hessen- Nassau stellte in seiner Jahreshauptversammlung die Forderung auf, der Staat oder das Reich möchten sich in ganz anderer Weise als bisher der Fürsorge der Tuberkulosekranken und deren Familienmitglieder annehmen, weil sonst die Vereine trotz der aufgewandten bedeutenden Mittel eine wirkungsvolle Bekämpfung der Schlvindsuchtsgefahr nicht durchführen könnten. Der Verein hat auf seine Kosten im vergangenen Jahre 33 Personen in Heilstätten untergebracht, von denen ein erheblicher Prozentsatz als geheilt, der Rest als gebessert entlassen werden konnte. Es wurde bedauert, daß der, Staat wie auch das Reich für die eminent ivichtige F.age einer ganz energischen Bekämpfung der Tuberkulose so wenig Mittel aufwenden, daß alle Arbeit im Kampf gegen diese Volksseucke von den Vereinen aus Mitteln privater Wohltätigkeit geleistet werden müsse. Damit komme man nicht weiter; ohne Staatshitfe müsse auch die beste Arbeit der Vereine nichts anderes als eine kleine Hilfeleistung bleiben, die aus eine Bekämpfung dieser Volksseüche keinen Anspruch machen könnte.
Sport UNö Spiet
* Pferderennen zu Auteuil, 24. Febr. Prix de Passy. 2000 Fr, i. Comte P. du BeLdievs Le Bailafre 2 (Pa fre- menti, 2. Epidote, 8. Negre. 15:10; 10, 12:10. — Püx Valentina. 8000 Fr. 1. Ch. Liünarts Scoff 2 (Head), 2. La Canche, 3. Boston 4. 26:10; 16, 18:10. — Prix du Viaduc. 10000 Fr.
1. L. Olrh-Roederecs Conscrit (M. Barat), 2. Halbronette. 3. Los Beaux Avis. 35:10; 18, 26:10. — Prix Castiglione. 4000 .gr. 1. M. Descazeaux' Montagnard (Bartholomew),
2. Francois Joseph 3 Bon Jour 2. 43:10; 41, 47:10, —
Prix Bcaumanoir, 4000 Fr. 1. Linien Roberts Cob (Riolfol, 2 Ond-öe 2, 3. Clopotar. 66:10; 32, 34:10, — Prix de la Faisanderie. 4000 Fr, U H. Rigauds Sainte Freya (Head), 2, Tribun 2. 3. Oria. 10:10; 13. 17:10.
* Altonaer Sportwoche. Die städtischen Kollegien in Altona haben beschlossen einen eventuellen Fehlbetrag in Höhe von 20000 M. für die vom 6. bis 14. Juni statlfindende ^uüiläums-Sportwoche zu übernehmen. Ein etwaiger Überschuß soll zur allgemeinen Förderung der Leibesübungen Verwendung finden.
D. S. V. Das deutsche Berbandsschwimmfest. das bedeutendste schwimmsportliche Ereignis Deutschlands, findet in diesern Jahre am 15. u-»L 16. August in Mainz statt. Außer den deutschen Meisterschaften in den verschiedenen Schwimmen gelangt auf diesem Fest das Vergleichsschwimmen der besten deutschen Millitä stafetten zum Aust mg. Das preußische Kriegsministerium hat für diesen Wettkampf bereits wertvolle Preise zur Verfügung gestellt.
sr. Das Bobsleigh-Derby von St. Moritz endete mit dem Sieg des englischen Bobs „Venire a terre" mit einer Gesamtzeit von 3 Min. 24 Sek. Der amerikanische Bob „Mecrurh" gebrauchte 3 Min. 25,2 Sek., gewann aber den Rickett-Pokal für den schnellsten Lauf. Dritter wurde der amerikanische Bob »Royal Flush". Der aussichtsreichste deutsche Bob „Noris" kenterte. Die beiden Bobs „Venire a terre" und „Mecrurh" waren von dem englischen Jockei Martin angekauft worden, dem damit die beiden ersten Preise in Höhe von 11 900 und 5961 Franken zufielen. Auf den dritten Bob entfielen 2380 Franken. — Das Skeleton-Rennen um den Grand-Naiional-Cup von St. Moritz wurde von neun Konkurrenten bestritten. Sieger blieb der englische Marineoffizier Gibbs, der für dreimaliges Abfahren der Bahn eine Gesamtzeit von 3 Min. 3 Sek. zu verzeichnen hatte. Der Jockei Martin belegte mit 3 Min. 4,7 Sek, den zweiten Platz. Tie Damen-Meisterschaft gewann Miß Whebble mit einer Gesamtzeit von 3:11,7.
MgeorönetenhauZ-
Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblaiis".
$ Berlin, 24. Februar.
Am Ministeriusch: v. Breitcnbach und Kommissare.
Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 11 15 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des
Etats dsr Vauverwcrltung.
Hierzu liegt eine Denkschrift über die Bauaus- sührung der natürlichen und künstlichen Wasserstraßen vor, über deren Regulierung und Herstellung dem Landtag besondere Vorlagen gemacht worden sind.
Abg. Briitt berichtet über die Verhandlungen der Budgct- kommission.
Abg. Schmcdding (Ztr.): Nachdem der Ausbau unseres
Kanalnetzes zu einem gewissen Abschluß gelangt ist, ist es erforderlich, eine Regelung der Tariffrage vorzunchmen, auch eine anderweite Organisation der Wasferstratzenbeiräte erwünscht.
Wbg. Hirsch-Essen srwll.ft Nachdem sich der Minister in der Kommission bereit erklärt hat, die Kompetenzen der Wasserstraßenbeiräte^ zu erweitern, erübrigt es sich, die Schwierigkeiten, die sich in der Beratung ergeben haben, hier nochmals näher zu erörtern. Die jetzige Organisation der Wasserstraßenbeiräte entspricht nicht dem Ansehen und der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Beiräte. Es müssen ihnen Finanzbeiräte zur Seite gestellt werden. Die Tarife müssen den Interessen der Industrie entsprechend geändert werden.
Minister v. Breitenbach: Es ist außerordentlich schwer,
die Tarife den einzelnen Bedürfnissen der Industrie anzu- passen. Wir müssen zunächst die weitere Entwickelung ab- warten, bevor wir das Kanalne^ weiter ausbau-n und den Rhein-Wupperkanal in Angriff nehmen. (Beifall)
Abg. Dr. o. W-Vna (kons.): Das Wasserstraßengesetz ist auf Grund eines Kompromisses mühsam zustande gekommen. Ein weiterer Ausbau des Kanalnetzes würde jetzt eine Verschiebung der ganzen Situation zur Folge haben. Ich muß vor derartigen Plänen dringend warnen. Die vortreffliche Entwickelung der Wasserstraßen begrüßen wir mit Freude. Das Eisenbahnnetz war nicht mehr in der Lage, die Bedürfnisse unseres Wirtschaftslelbens zu befriedigen?
Abg. Lippmann-Siettin (Vpt.): Die Tarife müssen den
Bedürfnissen der Industrie entsprechend reformiert werden.
Man muß die Kanüle der Allgemeinheit so weit als möglich nutzbar machen.
Die Tarife müssen geändert werden. Die Verhältnisse sind im Osten der Monarchie auf. dem Grohschif'fcchrtswege genau so, wie im Westen. Es ist völlig unbegründet, daA auf dem Großschiffahrtswege höhere Tarife bestehen, als auf der. märkischen Wasserstraßen erster Ordnung. Die Oder muß mit der Weichsel verbunden werden. Die Weichsel wie auch die Mosel müssen reguliert werden, und die masurischen Seen müssen der Schiffahrt erschlossen werden.
Minister v. Breitenbach: Herr von Wohna hat zuge
geben, daß die Zustände auf der Elbe manches zu wünschen übrig lassen, namentlich unterhalb der Havelmündung. Dieser Frage können wir aber erst nähertreten, wenn es uns gelungen ist, die Schiffahrtsabgaben auf der Elbe durchzusctzen. Abg. Lippmann hat dann die Befahrungstarife auf den neuen Kanälen kritisiert. Die wirtschaftlichen Verhältnisse hätten sich seit 1905 wesentlich verschoben. Den Beweis dafür ist er aber schuldig geblieben. Es ist vielmehr zu konstatieren, daß die Wasserfrachten eine starke Neigung zum Sinken haben. In angemessener Zeit werden wir in eine Nachprüfung der Tarife eintreten. Die Frage der Kanalisierung der masurischen Seen wird geprüft werden. Zur Regulierung der Weichsel müßten zunächst Verhandlungen mit der russischen Regierung angeknüpft werden.
Für die übcrlandzcntralen haben wir bisher Aufwendungen von mehr als 100 Millionen gemacht.
Auf die Moselregulierung komme ich später zurück, wenn weitere Redner zu Wort gekommen sind.
Abg. Freiherr v. Moltzahn (kons.): Die Merlandzentrale muß mit Hilfe von Staatsverbänden geschaffen werden, damit nicht wie in Pommern die Aktiengesellschaften sich dieser Kraftlieferung bemächtigen. Die künstlichen Wasserstraßen wie auch die regulierten natürlichen Wasserläufe bringen eine sehr minimale Verzinsung. Die weitergehenden Forderungen nach Kanalbauten sind bedenklich. Die Kanaltarife wirken auf die Eisenbahnverwaltung ungünstig und gerade dieses Moment muß in den Vordergrund gerückt werden.
Abg. Schreiner (Ztr.): Der Mosel->Saar-Kanal muß
möglichst bald gebaut werden. Für die örtlichen Verhältnisse, insbesondere für die Eisenindustrie ist dieser Kanal eine Lebensfrage.
Abg. Dr. Röchling (natl.): Die Haltung des Ministers
in der Tariffrage ist nur zu bedauern. Die Kanalpolitik darf nicht als Pressionsmitiel anderen Staaten gegenüber gebraucht werden. Ein schnelleres Tempo wäre nötig.
Der Bau des Mittellandkanals ist eine unbedingte Notwendigkeit.
Die Wasserfrachttarife müssen auch im Westen herabgesetzt werden. Die Kanalisierung der Masel und Saar i-st vollständig unabhängig von dem Bau strategischer Bahnen in jenen Bezirken.
Minister v. Breitenbach: Es wäre richtiger, bei Fest
setzung der Tarife diese zunächst höher einzusetzen als zu niedrig. Bei dem Schiffahrtsabgabengeseh handelt es sich um ein auf preußischer Initiative beruhendes Reichsgesetz. Preußen hat dabei nur loyal gehandelt. Den Standpunkt des Abg. Schreiner, die technischen und finanziellen Vorfragen für den Mosel-Saar-Kanal seien gelöst, habe auch ich zunächst geteilt, eine Nachprüfung ergibt aber, daß die Kosten erheblich größer sein würden, als früher angenommen worden ist. Von den Frachten an diesem Kanal würden 80 Prozent auf Erze und Koks entfallen. Es würde eine wesentliche Verschiebung der Verhältnisse eintreten, und die Folge wäre, wenn man die Frachttarife zu niedrig einsetzt, daß man sie alsbald wieder erhöhen müßte, und damit würden die Hoffnungen Lothringens zu nichte werden. Die Bedenken gegen die Kanalisierung beider Flüsse bestehen bei der Regierung nach wie vor. Freuen würde es mich, wenn ich aus den Kreisen der rheinisch-westfälischen Industrie Unterstützung fände. Die Abneigung dieser Kreise ist aber immer noch sehr groß, weil eine große und plötzliche Abwanderung dort eintreten würde.
Die Behauptung, ich besorgte nur die Geschäfte der Jndustrie- barone, trifft nicht zu.
Die strategische Bedeutung dos Kanals wird überschätzt. Auf die zunehmende Bevölkerungszahl nehmen wir die nötige Rücksicht. Eine Konkurrenz des französischen Nordostseekanals ist nicht zu befürchten, denn einmal ist dieser noch gar nicht vorhanden, und dann ist nicht anzunehmen, daß er Anschluß an das belgische Kanalnctz bekommen wird. Dieser Kanal wird auch nur für ganz kleine Fahrzeuge fahrbar sein.
Abg. Dr. Glattfelter (Zentr.):
Durch einen vermehrten Kanalvcrkehr wird der Gesamtverkehr sich heben und auch die Eisenbahn wird ihren Borteil davon haben.
So optimistisch tote der Minister bin ich nicht. ich befürchte, daß die Versorgung der Bevölkerung im Kriegsfälle nicht derart sichergestellt ist, wie sie der Minister darstellte.
Abg. Dr. Herwig (natl.): Wir glauben nicht, daß für das Ruhrgebiet durch die Mosel-Saar-Kanalrsation irgendwelcher Schaden entsteht. Nur diejenigen Werke könnten abwandern, die sich schon jetzt den Besitz von Erzfeldern in Lothringen gesichert haben. Eine Rentabilität des Mosel-Saar-Kcmals wäre ohne weiteres gegeben.
Abg. Frhr. v. Steinhecker (Zentr.): Für die Mobilisierung ist das Kanalnetz Van erheblicher Bedeutung, namentlich hinsichtlich der Volksernährung. Das hat auch der Kriegsminister nicht bestritten. Luxemburg wird infolge der schlechten Verbindung mit Deutschland immer imter französischem Einfluß bleiben. Ich hoffe, daß der Minister sich erweichen läßt, so daß ich es noch erleben werde, daß Mosel und Saar kanalisiert werden.
Darauf wird die Weiterberatung aus Donnerstag 10 Uhr vertagt. — Schluß 4 % Uhr.
Letzte DrahtderichtS.
Entwurf eines Grundteilungsgesetzes, wb. Berlin, 24. Febr. Die „Nordix Allg. Mg." veröffentlicht einen Auszug aus dem Entwurf des Grundteilungs- gesetzeS, das dazu bestimmt ist, der p lanlosen Z e r - 1 ch l a g u n g der land- und forstwirtschaftlichen Besitzungen entgegenzutreten, und andererseits eine der ° Allgemeinheit nützliche Verteilung solcher Besitzungen, die" zur Vermehrung der bäuerlichen Kleinbetriebe auf dem Weg der inneren Kolonisation führt, zu fördern.
Der bereits von der Thronrede angekündigte Entwurf geht dem Landtag in der nächsten Zeit zu. Die Hauptbestimmung des ersten Abschnitts besteht darin, daß die Zerschlagung, die von gewerbsmäßigen Grundstückshändlern und -Vermittlern vorgenommen wird, künftighin der Genehmigung der Regierungspräsidenten unterliegen soll. Außerdem wird unter gewissen Bedingungen dem Käufer das Recht eingeräumt, von dem Vertrag zurückzutreten. Der zweite Abschnitt schlägt zur unmittelbaren Förderung der Kolonisation verschiedene Maßnahmen vor, besonders ein gesetzliches Vorkaufsrecht ftir den Staat, um die Beschaffung von Land für Ansiedlerstellen zu erleichtern. Ferner enthält er Vorschriften, die die Regelung der Hypothekenverhältnisse bei dem Verkauf von Grundstücksteilen erleichtern soll, endlich zur Förderung der Bildung von Rentengütern, die Erhöhung der staatlichen Rentenbankkredite auf neun Zehntel des Taxwerts und die Bereitstellung von 75 Millionen zur Gewährung von Zwischenkrediten.
Zur Aushebung der HauSsklaverei in Dcutsch-Ostafrika.
4ß Berlin, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht) Eine Denkschrift des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika über Haussklaverei ist seitens des Reichskolonialamts dem Reichstag zur Kenntnisnahme vorgelegt worden. Der Reichstag hatte im Vorjahr beschlossen, die Haussklaverei in Deutsch-Ostafrika zum 1. Januar 1920 aufzuheben. Das Kolonialamt hatte das Gouvernement beauftragt, Erhebungen darüber anzustellen, ob eine solche Maßnahme nötig und zweckmäßig sei. Rach einer im Schutzgebiet ausgestellten Enquete beträgt die Gesamtzahl der Hörigen schätzungsweise 185 000. Nach Ansicht des Gouverneurs wird sich eine gänzliche Beseitigung der Hörigkeit im Schutzgebiete bis zum 1. Januar 1920 nicht ermöglichen lassen; es müßte damit gerechnet werden, daß die gewaltsame Beseitigung der Hörigkeit zu Aufständen führen kann. Aus diesen und ähnlichen Gründen schlägt das Gouvernement vor, eine Beseitigung des Hörigenverhältnisses zu einem bestimmten Termin nicht vorzunehmen.
Die Rcichseinnahmcn.
G Berlin, 24. Febr. (Eig. Drahtbereicht) Wie verschiedene Wendblätter Mitteilen, werden die Reichs- emnabmen des abgelaufenen Jahres hinter dem Voranschlag nicht unerheblich z u r ü ck b l e i b e n, und zwar um etwa 10 bis 20 Millionen Mark.
Die Novelle zur Besoldungsordming.
# Berlin, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht) Die Novelle zur Besoldungsordnung für Reichsbeamte, deren wesentlichen Inhalt wir schon Mitteilen konnten, wird dem Reichstag vermutlich am 2. März zugehen.
Die angekündigten Ausnahmegesetze für Elsas;
Lothringen.
Berlin, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht) Die „Süddeutsche konservative Korrespondenz" bringt einen Artikel aus Straßburg, der zum Schluß die geplante Ausnahmegesetzgebung ankündigt. Es heißt in dem Artikel: Dem Bundesrat werden zwei Vorlagen zu
gehen, welche die einzelnen Bundesstaaten ermächtigen sollen, deutschfeindliche Vereine auszuheben und deutschfeindliche fremdsprachliche Druckschriften zu verbieten. Der Kaiser legt den allergrößten Wert darauf, daß diese beiden Vorlagen Gesetz werden und wird eventuell auch nicht vor einer Auflösung des Reichstags zurückschrecken.
\euie zur -oerieiotßttng von Mjatz-rwthrrngen
+ + Straßburg, 24. Febr. Am nächsten Donnerstag soll hier auf Anregung des elsaß-lothringischen Reichs- und Landtagsaögeordneten Hauß die Gründung eurer Liga zur Verteidigung Elsaß-Lothringens statt- frnden, der dre Abgeordneten aller Parteien beitreten. Auch die übrige Bürgerschaft kann ausgenommen werde».. Die Lrga bezweckt, so heißt es, einen schützenden ^chirin über Elsaß-Lothringen zu breiten und den Widersachern, auch innerhalb des Parlaments, energisch entgegenzutreten. Auf jeden Fall sollen alle falschen Gerüchte, die über Elsaß-Lothringen verbreitet werden, vor den Strafrichter gebracht werden. Vor allem richtet sich die Liga gegen tendenziöse Entstellungen im einzelnen, ferner natürlich auch gegen Lügen, die lediglich dazu erfunden sind, das Ansehen Elsaß-Lothringens und seiner Bewohner in den Augen der Altdeutschen Mitglieder herabznwürdigen.
Konservative Mehrheitswünsche.
G Berlin, 24. Febr. (Eig. Drohtbericht) Wie die meisten anderen Blätter beschäftigt sich heute auch die „Deutsche Tageszeitung" mit der Frage der Mehrheit im Reichstag. Sie rechnet heraus, daß auf beiden Seiten des Hauses je 198 Mitglieder sitzen, daß also bei vollbesetztem Hause niemand anders ausschlaggebend wäre als der Präsident selber. Vor allen Dingen aber bereitet Herrn O e r t e l offenbar die, Frage schlaflose Nächte, ob es jetzt schon an der Zeit sei, eine Kraftprobe gegen die Linksmehrhett zu veranstalten, etwa dadurch, daß, wie er wörtlich sagt: „Die Rechte mit dem Zentrum den Versuch machen sollte, das höchst mangelhafte Präsidium durch ein anderes zu ersetzen." Die „Deutsche Tagesztg." bezeichnet selbst diesen Gedanken als unglücklich, fügt dann aber boshaft hinzu: „Das könnte erst geschehen, wenn eine genügend zahlreiche und vollständig sichere Mehrheit für das künftige Präsidium vorhanden wäre, und diese Mehrheit wurde nur. geschaffen werden können, wenn die nationalliberale Partei sich von der Linken löse und an die rechtsstehenden Parteien anschlteßen wollte." Ob diese Neigung wtzt schon vorhanden sei, möchten wirstark bezweifeln.
Die Krone von Albanien.
# Berlin, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht) In den Kreisen der albanischen Throndeputation ist man der Meinung, daß der Fürst von Albanien am Jahrestage der Thronbesteigung am 21. Februar 1913, sich offiziell zum König von Albanien proklamieren, und den schon jetzt kundgegebenen Wunsch des albanischen Volkes, auf dem Thron einen König zu sehen, erfüllen werde. Die Beis von Alb-anten hüben dem Fürsten und der Fürstin zwei Kronen gestiftet, und diese Kronen, deren Entwurf von dem Berliner Professor Doebler stammt, tragen weder den Charakter der üblicki-n Fürsten, noch der üblichen Königskronen. Es sind geschaffene, oben mit einem Stern, statt eines Kreuzes geschmückte Kronen, deren Entwürfen alte albanische Ornamente zugrunde liegen. Oie Kronen sollen in .Berlin hergestellt werden; sie werden aus Gold verfertigt und mit Türkisen von seltener Schönheit geziert sein-
