Wiesbadener TagblM.
Seite L. Morgen-Ausgabe, 1. Matt.
habe, doch seien diese in erster Linie in der Anfangszeit vorgekommen, als man noch nicht so genau wie jetzt über die Dosis und die Methodik orientiert war. Gereinzelt kommen sogar jetzt noch Unglücksfälle vor. (Man vergleiche dazu die unten wiedergegebene Nachricht.) Neitzer stellt jedoch die Frage, ob man wegen solcher ganz vereinzelter , Fälle Tausenden und Abertausenden, dem ganzen Volke, die Wohltat, die das Salvarsan in der Syphilisbekämpfung mit sich bringt, entziehen solle, um eine winzige Minderheit zu schützen. In direkter Beziehung auf die Ausführungen Dr. Dreuws betont Geheimrat Reißer, daß kein Fall von Erblindung, die auf Salvarsan zurückzuführen wäre, bekannt sei, und daß man die durch Syphilis hervorgerufenen Fälle von Ertaubungen mit absoluter Sicherheit durch das Salvarsan selbst heilen könne. Lähmungsfälle sind auf falsche Dosierung zurückzuführen und werden daher längst vermieden. Reißer kommt zu dem Schluß, daß Salvarsan ein eminenter Fortschritt für die Behandlung der Syphilis und damit auch die Bekämpfung der Syphilis als Volkskrankheit sei, und daß man Ehrlich mit Recht einen Wohltäter der Menschheit nennen könne.
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Ein neuer Fall von Salvarsan-Tod. sh. Berlin, 22. Febr. Die medizinische Fachpresse berichtet wieder über einen typischen Todesfall infolge des Heilmittels Salvarsan. Es handelt sich danach um einen Fall, der im Allgemeinen Krankenhaus in Lübeck sich ereignete und in der Münchener „Medizinischen Wochenschrift" beschrieben ist. Der Patient war ein völlig gesunder, 26 Fahre alter Mann, der auf eine positive Wassermannsche Reaktion hin Salvarsan erhielt. Vier Tage darauf starb er unter den bekannten Arsenvergiftungserscheinungen: Erbrechen, Bewußtlosigkeit, epileptischen Krämpfen. Die Sektion ergab die bekannten Veränderungen im Gehirn, die bei Ärfenvergiftun- gen beobachtet werden.
Deutsches Reich.
* Hof- und Personal - Nachrichten. Das Befinden des Kronprinzen hat sich in den letzten Tagen soweit gebessert. dost er wieder ins Freie gehen konnte. Die Halsentzündung ist völlig geschwunden.
sh. Die Elektrisiernng der bayerischen Staatsbahnen. Von den deutschen Bundesstaaten ist bekanntlich Bayern der erste, der der Frage einer Elektrisierung der Staatsbahnen nähergetreten ist. Als erste Strecken sind die Linien MünchenGarmisch-Partenkirchen und München-Holzkirchen in Aussicht genommen, für die das Walchenseekraftwerk die nötige Betriebsenergie liefern soll. Die bayerische Staatsregierung hat zu der Frage, ob Dampfbetrieb oder elektrischer Betrieb billiger sei, eine Denkschrift ausarbeiten lassen, in der u. a. betont wird, daß der Kostenberechnung des elektrischen Betriebes noch viele Unsicherheiten anhaften. Die wirklichen Kosten des elektrischen Betriebes können kleiner, aber auch wesentlich kleiner sein als die errechnete Summe. Eine Gewähr dafür, daß der elektrische Betrieb nicht teurer sein wird als der Dampfbetrieb, besteht zurzeit nicht.
* Der Aufruf an die Zentrumspartei. Die „Germania" veröffentlichi den Aufruf des Reichsausschusses der deutschen Zentrumspartei, in dem es u. a. heißt: „Das Zusammenwirken katholischer und nichtkatholischer Männer innerhalb der Zentrumspartei dient der Erhaltung des Friedens. unter den christlichen Konfessionen und der Förderung gemeinsamer Interessen. Das Zentrum ist eine grundsätzlich politische, nicht konfessionelle Partei. Unter Ablehnung jeder weiteren Definition erklären wir: „Das Zentrum soll bleiben, wie es war und ist. Vom politischen Standpunkt aus muß die Partei dauernden Wert darauf legen, daß ihre Anhänger in den sozialen und wirtschaftlichen Organisationen tatkräftig Mitarbeiten, um auch an ihrem Teile den wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg von Land und Volk zu fördern. Das gilt für die christlichen Bauernvereine, für die auf christlichem und vaterländischem Boden tätigen Organisationen des Handwerks, des kaufmännischen Mittelstandes, der Angestellten und Beamten, nicht zuletzt auch für die zahlreichen Kreise der gewerblichen Arbeiter, die in der christlich-natwnalen Arbeiter
bewegung das wirtschaftliche und geistige Wohl ihres Standes auf der Grundlage der bestehenden Gesellschaftsordnung und des vaterländischen Gedankens erstreben. Alle Mitglieder der Partei müssen von der Überzeugung durchdrungen sein, daß gegenüber der stetig wachsenden Macht der staats- und religionsfeindlichen Sozialdemokratie die christlich-nationale Arbeiterbewegung nur dann voll zur Geltung kommen kann, wenn alles hintangehalten wird, was ihre Einigkeit und ruhige Entwicklung gefährdet. Die segensreiche Tätigkeit der Partei und der Fraktionen, ihre Disziplin und Geschlossenheit sind fest verankert in dem unerschütterlichen Vertrauen der Zentrumswähler. Dieses Vertrauen wird seit längerer Zeit von einzelnen Personen und Prehorganen zu unterwühlen gesucht. Selbst die kirchliche Gesinnung altverdienter katholischer Mitglieder des Zentrums wird verdächtigt. So grundlose Angriffe weisen wir mit Entrüstung zurück. Sie führen zur Verwirrung der Geister und erschweren dem Zentrum die Erfüllung seiner großen Aufgaben, insbesondere auch den Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit der katholischen Kirche und die Gleichberechtigung des katholischen Volksteils. Die Träger dieser Verdächtigungen haben sich selbst außerhalb der Partei gestellt; sie sind als Feinde des Zentrums zu betrachten und zu behandeln. Mitglieder der Partei! wahrt dem Zentrum die alte Treue. Wehrt jede Zwietracht mit Kraft und Entschiedenheit ab. Die Stärke der Zentrumspartei ruht auf ihrer festgeschloffenen Einigkeit."
X. Die bessere Rentabilität des Kleinbesitzes. Wie glänzend die Domänenverwaltung abschneidet, wenn sie Domänen verkauft, dafür bietet die Denkschrift über die Nachweise der jüngsten Domänenveräußerungen verschiedene bezeichnende Beispiele. Die Domänenverwaltung hat z. B. das Vorwerk Eichwalde im Kreise Neustadt am Rübenberge in Hannover, das 177 Hektar groß ist, für 476 000 M. an die benachbarte Gemeinde Luthe zur inneren Kolonisation verkauft. Das gibt eine 4prozentige Verzinsung von 19 000 M. Der bisherige Pachtpreis betrug aber 9667 M., also ungefähr die Hälfte. Sodann ist die Domäne Lippoldsberg mit rund 187 Hektar für 392 000 M. zum gleichen Zweck überlassen worden. Auch hier betrug die bisherige Pachtsumme nur 8950 M., eine vierprozentige Verzinsung des Kaufpreises dagegen 15 680 M., ebenfalls fast das Doppelte mehr. Diese günstigen Verkäufe besagen, daß der kleine Mann viel mehr aus dem Lande herauswirtschaftet als der Grotzpächter — eine alte liberale Wahrheit. Deshalb die Forderung: Aufteilung des Grotzbesitzes! Das meiste ist herauszuholen, wenn der kleine Mann nicht nur Pächter, sondern Besitzer ist. In der Gemeinde Fallersleben in Hannover hatte z. B. der Fiskus die Domäne seit langem der Gemeinde zur Abverpachtung an kleine Leute überlassen. Jetzt hat er die Pächter zu Eigentümern gemacht. Diese geben nun statt 10 750 M. Pacht 26 058 M. Rente. Hieraus folgt: Bauerndorf an Bauerndorf statt der Grotzgüterwirtschaft.
ch- Handelstag und Handelsverträge. Jüngst wurde gemeldet: Der Ausschuß des Deutschen Handelstags habe sich dahin ausgesprochen, daß nunmehr die Zeit gekommen sei, die Wünsche für die neuen Handelsverträge zu ermitteln. Wie wir erfahren, ist diese Ermittlung schon seit geraumer Zeit im Gange. Eine gute Unterstützung dabei gewährt der deutsch-schwedische Handelsvertrag, bei dem die Wünsche deS Handels und der Industrie in weit umfassenderem Maße als früher durch Anhören der Beteiligten festgestellt wurden.
AErkennvnknriscbes.
71 Petitionen zum Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe
sind beim Reichstag, wie das amtliche Petitionsverzeichnis vom 16. d. M. ergibt, eingegangen. Die Mehrzahl von ihnen ist von Handlungsgehilfen- und ähnlichen Verbänden eingereicht worden, die zum Teil um Einführung völliger Sonntagsruhe im Kontor und Laden mit Ausnahme der Bedürfnisgewerbe bitten. Zehn Petitionen ersuchen um Beseitigung der jüdischen Vorrechte bei Regelung der Sonntagsruhe.
post und Eisenbahn.
Einnahmen der Post und Eisenbahn. Die Post- und Telegraphenverwaltung hak bis Ende Januar 698 973 161 M., die Retchseisenbahnperwaltung 132 075000 M. vereinnahmt.
Schnellbahnverbindung Köln-Düffeldorf. Die Verhandlungen zwecks Ausführung des Schnellbahnprojektes Köln- Düsseldorf sind, nachdem sie infolge des Widerstandes der Stadt Düsseldorf lange Zeit geruht haben, jetzt aufs neue ausgenommen worden. Es schweben zurzeit Verhandlungen
Dienstag, 24. Februar 1914. _ Nr. Als
zwischen der Stadt Köln und den beteiligten Gemeinden zum Zweck der Grunderwerbung. Der Eisenbahnminister hat die von der Stadt Köln geplante Erbauung emer linksrheinischen Gürtelbahn um die Stadt Köln genehmigt. Die Kosten sollen etwa 8 Millionen Mark betragen.
Deutsche Schutzgebiete.
— Der Postverkchr nach dem Tanganjikasee nach Eröffnung der Mittellandbahn. Von der Ende Februar zu erwartenden Vollendung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika ab wird eine Postanstalt in K i g o m a, dem Endpunkt der Bahn am See, in Betrieb treten. Diese Postanstalt sowie diejenigen in Usumbura und Bismarckburg, vom 1. April ab auch diejenige in U d j i d j i, nehmen alsdann am Paketverkehr,mit Deutschland teil, so daß die Pakete dahin künftig mit der Post bis zum Bestimmungsort befördert werden, während bisher der Empfänger für die Weiterbeförderung von der Küste nach dem Innern zu sorgen hatte. Ebenso können dann bei diesen Postanstalten Pakete nach Deutschland aufgeliefert werden. Vom 1. April ab ist es möglich, die Pakete nach diesen vier Postanstalten am Tanganjikasee bei der Auflieferung bis zum Bestimmungsort zu frankieren, bis zum 1. April werden die Kosten für die Beförderung von der Küste ab noch vom Empfänger erhoben.
Die Hafenverhältniffe in Daressalam. Die eben fertig werdende Tanganjika-Bahn bedarf dringend besserer Hafenverhältnisse in Daressalam, sonst würde das portugiesische Beira, wo eine englische Gesellschaft mit einem Aufwand von 12y 2 Millionen Franken einen vorzüglichen Hafen geschaffen hat, der neuen Bahn eine empfindliche Konkurrenz machen, besonders im Verkehr mit dem oberen Katanga.
Der neue Pfarrer für Windhuk. Bromberg, 21. Febr. Der seit 22 Jahren an der evangelischen Kirche in dem Bromberger Vorort Schleusenau amtierende Pfarrer Kriele ist als erster Geistlicher nach Windhuk berufen worden. Außer der Verwaltung der dortigen ersten Pfarrstelle wird ihm auch der Ausbau und die Einrichtung der deutschen evangelischen Landeskirche in dem gesamten Schutzgebiete, die zurzeit acht über das ganze Gebiet verteilte Pfarrstellen mit neun Geistlichen umfaßt, obliegen. Da es sich also um einen besonders verantwortungsvollen Posten handelt, hat die Kirchenbehörde in diesem Falle einen älteren Pfarrer gewählt, während sonst in der Regel nur junge Geistliche in die Kolonien gesandt werden. Pfarrer Kriele wird am 26. März die Ausreise nach Afrika antreten.
Ermordung eines Deutschen in Kamerun. Aus Rigerien kommt dm Nachricht, daß ein Angestellter namens Baum er der deutschen Kamerun-Gesellschaft auf deren Faktorei zu Oroan nahe bei Calabar ermordet worden ist. Während der Weihnachtstage hatten mehrere Angestellte dieser Faktorei einer afrikanischen Königin einen Besuch abgestattet, wobei sie von den Eingeborenen angegriffen wurden. Bei dem sich entspinnenden Kampfe wurde dem Herrn Baumer von einem Schwarzen mit einem Holzscheit der Schädel eingeschlagen. Der Angreifer wurde verhaftet und wird dem Gericht zugeführt.
Buslcm&.
Österreich-Ungarn.
Die großen Generalkriegsspiele. Wien, 22. Febr. Am 26. Februar beginnen hier die Generalkriegsspiele. Es wird sich um kriegerische Operationen im Nordosten und im Süd osten der Monarchie handeln. Für den Umschwung der Beziehungen zu Rumänien ist bezeichnend, daß bei diesen Übungen eine Kooperation der rumänischen Armee nicht in Rechnung gezogen wind. Die Oberleitung der Kriegsspiele, an denen etwa fünfzig Generale teilnchmen, hat Erzherzog §*<*"3 Ferdinand mit einem Stabe, wie er dem Generalissimus in Kriegszeiten zugeteilt werden würde. Auch die Ausgestaltung der Befestigungen im Nord, osten und im Süden wird bei diesen Übungen erörtert werden. Man erwartet, wie verlautet, von den Ergebnissen der Übungen wichtige Änderungen in organisatorischer Hinsicht und in P e r s o n a l f r a g e n.
Belgien.
Drahtlose Regulierung der amtlichen Uhren vom Eiffelturm aus. Brüssel, 22. Febr. Der belgische Minister der Posten und Telegraphen hat bestimmt, daß die offiziellen
„Da ist ja der verdammte Kerl!" Mit diesen groben lorten stand plötzlich ein nicht mehr ganz nüchterner leischermeister in Landsknechtskostüm breit hingepflanzt vor m Eingang der Laube. ,
„Herr, Ihre Maske, das ist eine Gemeuchelt!
„Gar nichts erlaube ich. Bis heute abend hatte ich Zahn. Merzen; hier auf dem Maskenball hatte ich sie glücklich ver- ssen, und nun müssen Sie mit Ihrer dummen Visage mich
ieder daran erinnern." . «■
Anton lachte bitter auf; das nahm der andere aber !-yr umm, und ehe er sich versah, hatte Anton eine kräftige taulschelle auf der kranken Seite weg. Die Griechin h itsetzt auf ihren Begleiter und wollte sich schützend vor ryn ellen; der aber murmelte nur undeutlich: „Ich komme gElo)
isder", und stürzte eilends hinaus. Die Umstehenden glaumen, : wolle die Saalpolizei holen, und brachten, um einen Sian- al zu vermeiden, den Metzger mit sanfter Gewalt hinaus, engele aber dachte gar nicht daran; denn was sein Freuno, er Dentist, nicht vermochte, hatte die Schelle bewirkt: er war clöit, als er wieder in die Laube kam, war die Kloßbacke auf ie Hälfte zusammengesunken. Selig ries er: „Paula!"
„Anton!"
Weiter sagten sie nichts, aber die Blicke führten eine um , beredtere Sprache. Uber noch einmal wurden sie gestört, sn Tusch erscholl und eine Kommission führte Anton im riumph auf das Podium, wo er unter allgemeinem Beifall -n für die originellste Maske ausgesetzten Preis erhielt, 'neu Riesenorden, bestehend aus einem Zehn-, Fünf- und weimarkstück mit dem Bildnis Kaiser Friedrichs in ge- illigem Arrangement. Mit Musik wurde er wieder an seinen llatz geführt. Man gratulierte ihm allerseits, auch Rest kam unmehr mit süßem Lächeln zu ihm- Ehe sie aber noch den Yund auftun konnte, sagte er mit höflicher Verbeugung:
„Mein Fräulein, wenn Sie den Troubadour suchen, der tzt "im Nebensaale." ; Spracht und wich den Abend über icht mchr von der Seite seiner Griechin.
Als er am nächsten Morgen erwachte, brachte ihm seine Lirtin außer dom Kaffee eine etwa meterlange Wurst und
ein höfliches Entschuldigungsschreiben des Metzgers, den man inzwischen zur Vernunft gebracht hatte. Während der Frühstückspause im Bureau nahm er aus einem Geheimfach sein Tagebuch und notierte unter Soll und Haben:
Sonntag, den 14. Februar 1809: Maskenball gewesen.
1. Zahnschmerzen gehabt, , dafür Preis bekommen. 2. Ohrfeige gekriegt, dafür Klotzbacke losgewovden und große Zervelatwurst geerntet. 3. Rest losgeworden, dafür Bessere eingetauscht. O Paula! — Ich bin sehr glücklich.
Ans Kunst und Leben.
Theater und Literatur. Am Freitag feierte in Weimar ihren 90. Geburtstag Fräulein Eharlotte K r a ck o w, eine allen Bewohnern der Jlmstadt und auch manchem Fremden wohlbekannte Erscheinung, die einzige überlebende aus der Zeit des nachklassischen Weimar, die noch Goethe gekannt und die mit Liszt und Wagner freundschaftlich verkehrt hat. Im Besitze der Greisin befinden sich noch Briefe von Goethe und einer sogar von Friedrich dem Großen. Ein intimer Freund der Charlotte Krackow war Eckermann, der häufiger Gast in dem trauten Heim der Familie war.
Walter von Molos groß angelegter Schiller- Roman-Zyklus, von dem die beiden ersten Bände „Ums Menschentum" und „Im Titanenkampf" bereits in 10. Auflage vorliegen, erfährt durch den in wenigen Tagen erscheinenden dritten Band, betitelt „Die Freiheit", seine Fortsetzung. Dieser schließt sich in Umfang, Format und Ausstattung sowie hinsichtlich des Preises den beiden ersten Bänden an und erscheint bei Schuster u. Loeffler, Berlin.
Als Antwort auf einen Einspruch, den die Vereinigung Pariser Autoren gegen die in Aussicht genommene Ausführung einer Reche italienischer Stücke in Frankreich erhoben hatte, hat die Vereinigung der italienischen Autoren beschlossen, den Boykott aller französischen Werke in Italien zu betreiben. Jnfolfgedessen hast jetzt schon der Vorstand eines der bedeutendsten Musikinstitute Mailands angekündigt, daß er das Aufführungsrecht der in seinem Ver
lage befindlichen Opern jedem Theaterdirekior verweigere, ,ber auch französische Opern geben will.
Die letzte Arbeit des in Wien verstorbenen Philosophen Friedrich Jodl: „Vom wahren und vom falschen Idealismus" erscheint demnächst seinem Wunsche zufolge im Verlag von Alfred Kröner in Leipzig. Die Abhandlung enthält in kurzer Fassung das Ergebnis einer Lebensarbeit und unablässigen Strebens nach voller Klarheit, Widerspruchslosig- keit und innerer Befreiung; sie wendet sich an die weitesten Kreise.
Wissenschaft und Technik. Dem bekannten Forscher Dr. H ä u s l e in Feldkirch ist es gelungen, einen neuen Träger der Radioaktivität in der Wurzel des Farnkrautes zu entdecken. Er erklärt, daß in dieser Wurzel 10,2 Plus 82,6 Macheeinheiten auftreten. Immerhin ist diese Nachricht mit Vorsicht aufzunehmen.
P e a r y, der Entdecker des Nordpols, betreibt eifrige Vorbereitungen zur weiteren Erforschung der Südpol a r,g e g e n d e n. Er führte einem Interviewer gegenüber aus, daß noch fast das ganze unter englischem Einfluß stehende Gebiet in der Gegend des Wedelßlandes unerforscht sei, und daß eine Expedition überraschende Resultate ergeben würde.
In Petersburg ist im Marineministerium ein Plan für weitere Forschungen im nördlichen Eismeer ausgearbeitet worden. Im Juni begibt sich eine Expedition von Fachgelehrten unter Führung des Kapitäns B. A. Wilkitzki nach der Notvaja Semlja und nach verschiedenen Gegenden des Eismeeres westlich vom Kap Tscheljuskin.
Die Röntgen-Gesellschaft feiert in den Tagen vom 19. bis 21. April d. I. ihr zehnjähriges Bestehen durch einen Jubiläumskongreß in Berlin. Mit dem Kongreß wird eine die röntgenologischen Gebiete umfassende Ausstellung verbunden sein. In der medizinischen Haupt- sttzung am 2g. April wird Professor Krause ein Referat über die biologischen Wirkungen der Röntgenstrahlen auf tierisches und menschliches Gewebe erstatten. Am 21. April findet die physikalisch-technische Hauptsitzung statt.
