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Msnlag. 23 . Februar 1914 .
Kbend-Kusgabe.
Nr. 96 . » 62 . Jahrgang.
Wilhelm von Albanien.
Ich hab's gewagt! So mag der Prinz zu Wied ge- daM haben, als ihm die Deputation unter Führung EstR-Paschas am Samstag die Krone des „freren und unabhängigen Albaniens" anbot, als rhm Mrttrades Salvarie das symbolische Kästchen mrt Erde und Wasser uns Albanien überreichte, und der Prrnz zu Wred, der damit zum M b r e t v o n A l bau r e n ttbancterte, seierlich erklärte, „daß ich den Thron ^res Landes annehme". Es war gewiß kem leichter Schritt und der am 26. März 1876 geborene Prrnz, der also schon beinahe das Schwabenalter erreicht hat, _ hat rhu, wre Man weiß, erst nach langer, reiflicher 11 b erleg u n q getan. Er hat das auch in serner von uns schon mitgeteilten Ansprache an die Deputation hervor- gehoben, indem er offen bekannte, daß er erst nach monatelanger Überlegung sich dazu bereit erklärt habe und daß die g r o ß e n S ch W r e r r g k e 1 * e n und V e r- anttoOrtung ihn geschreckt haben. Diese Schwierigkeiten waren in der Tat von Anfang an groß, und Ire sind erst zum Teil gehoben. Sie haben eigentlich schon wieder neu mit der jetzt erfolgten Proklamierung zum Fürsten begonnen, denn nach der ofstzieUen deutschen Übersetzung der Ansprache Essad-Paschas, dm im Schlosse zu Wied redigiert wurde, endete diese mü den Worten' Es lebe Seine Maiestat, der König von Albanien! Man weiß M auch, daß die Albanier auf diesen Känigstitel großen Wert legen,
Vf! r l f5,f sJm internationalen Übereinkommen der^Großmächte ist Albanien, welches mit seinen 32 000 Quadratkilometern und rund 800 000 Einwohnern unter den Balkanstaaten an vorletzter „Stelle, nämlich vor Montenegro, rangiert, nur em Fürstentum
getooibjn^ ^ 6ergen fi(J) 6er . eit§ die Keime neuer
Schwierigkeiten, wenn auch der Mbret von Albanien, Unter dem die Mächte einen Fürsten, die Albamer aber einen König verstehen, selbstverständlich unter Eindämmung albanischer Begehrlichkeiten befWen ern wir , sich durchaus nach dem rhm von den Machten borg schriebenen Programm ^ ruhten wie er 1 ° auch rn
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ptQlf)tC, bGtGtt CjiittCJCt „ . fö{r\.r\\ frGtbClTtfC ihn
seine Entstehung als unabhängiger ^ '
zum Herrscher desselben designierten Jer. neue Fur^ von Albanien, dem man, wie wrr -ms Pans meweren infolge seiner Rundreisen zu den Oberhaupern Großmächte den Namen „Wilhelm der CMg g 0 hatte' hat gerade durch diese Reise gezeigt, d ß seine'Mission mit diplomatischer Vorsicht hch in Berlin, Wien und Rom befriedigende Zusiche-
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und' er hat sich zugleich nicht etwa einseitig aus Dreibundmächte b-Ichr-i«, ,!-ndern gegenüber dem Dreiverbände ^wayrt
F'n London, wo man der o st e r r e UD m ! i t a I i i s ck) e n Grünbung — denn das f j
das neueste europäische Staatswesen - von vornher
wohlwollend gegenuberstand, "ll"
dem Fürsten Albaniens ebenfalls befriedigende Zustch ° nm«L « -b°" Zd fiarU frciM » matt * rufung eines deutsch em Prinzen aus den albanischen Thron recht mißvergnügt betrachtete aber zum ^Miv gute Miene zum bösen Spiel machte, scheint die w nehmeg-w-I-n m (ein Smm-rhm L s« Man aber mit, wenn man auch.vielleicht rm gehermen denkt- Nur Mut, die Sache wird schon schief geyen. stetü macht Wilhelm I. von Albanien auch noch dem sechsten Paten seines neuen Vaterlandes, dem Zaren Nikolaus, seine Visite, und damit hat er dann ferne Pflichtbesuche erledigt und kann nach Durazzo abrersen un?.' dem Schutz der sechs Großmächte. Dich, gewährleisten bekanntlich laut den Bedrn- giinn.n unter denen der Prinz die Krone übernom- mm lmt die I n t e g r i t ä t Albaniens, und sie ven iv!-ä?n ' bei der Organisation und Verwaltung des Sandes ihre kräftige f i n a n z.i e l l e U n t e r st ü.tz u n 6- »bönso wie die Frage der Z i v i l l i st e durch eine von den Mäübten verbürgte und kontrollierte albanische Anleihe?? ö? wird, die außerdem zur Deckung der drrn- aeiw'ioü Redürsnisse des neuen Staates dienen soll. Freil'?iü diese Anleihesrage ebenso wie das Statut der i kuen Staatsbank noch nicht .endgültig geregelt, wenn auch eine grundsätzliche Übereinstimmung bereits
o^Wa?di?Z n k u n ft dieses.neuen Staatswesens be-
iriitt w in bas Prophezeien rm allgemeinen und m bema aut die Balkanländer im besonderen ein iindank- bares Äschäft Jedenfalls wird.der Fürst kaum daraus re2n können, daß er die Einmütigkeit, Mit der hip ^evutation ihm ihr Rrof Skgyenie (hoch Albanien)"zuqerufen hat, auch im Lande selbst Vorhalten wird ^ Albanien ist fürs erste nur et« je* sraphischer Bsarisf. denn die Türken haben es
aus diplomatischer Berechnung niemals administrativ vereinigt. In dem sogenannten Albanien, d. h., den früheren türkischen Wilajets L-kutari (Nordatbanien), Janina (Südalbanien), Monastir (Westalbamen) und einem Teil von Kossowo (Nordwestalbanien) findet oer neue Herrscher zunächst keine geeinigte Nation., sondern eine Anzahl Stämme vor, die bisher ledensans in ständiger Fehde miteinander gelebt haben, dm verschiedene Dialekte sprechen und die. noch dazu durch religiöse Gegensätze — dm größere Hälfte der Bevölkerung ist mohammedanisch, die kleinere katholisch — getrennt sind. Diesem Debet steht allerdings als Kredit die glühende Vaterlandsliebe der Albanier und der gemeinsame Stolz auf die endlich erlangte Unabhängigkeit gegenüber, ^m übrigen wird natürlich sehr viel von der klugen Taktik des neuen Fürsten abhängen, dem es ja erfreulicherweise gelungen ist, sich die Unterstützung des mächtigen Essad-Paschas zu sichern. Alles in allem darf man wohl dem „albanischen Abenteuer" mit einigen Hofs nnngen entgegensehen.
Der Abschied von Neuwied.
-rvb. Neuwied, 23. Febr. Gestern abend haben der neiie Fürst und die Fürstin von Albanien Abschied von Neuwied genommen. Tausende harrten in den Straßen der Abreise des Fürsten und spalierbrldende Jugend und Kriegervereine hatten auf dem Wege zum Bahnhof Aufstellung genommen. Die Neuwieder Schützen stellten dem scheidenden Paare eine. Ehrenwache. Von ununterbrochenen Hochrufen begleitet, begaben sich Prinz Wilhelm und Gemahlin, von allen anderen Prinzen und Prinzessinnen mit Gefolge begleitet, im Wagen zum Bahnhof. Im Fürstenzimmer des Bahnhofs erwarteten Bürgermeister Dr. Geppert und die Stadtverordneten von Nonwied den scheidenden Fürsten. Nach der Ansprache des Bürgermeisters, für die der Prinz mit warmen Worten dankte, bestiegen der Fürst und seine Gemahlin den fahrplanmäßigen Zug, der sie nach dem Schloß Waldenburg bringen soll.
Essad-Pascha und das neue Kabinett, wb Berlin, 23. Febr. Über die künftige Gestaltung Albaniens herrscht noch völlige Unklarheit, namentlich darüber, aus welchen Männern dos erste Kabln?tt zusammengesetzt sein soll. Die Anfrage bei E s a d- P a s ch a, ob er Kriegsminister werden wolle, hat er dahin beantwortet, daß er zunächst eme Zeit der völligen Ruhe verleben wolle. Di« Thronbesteigung b.e§ Prinzen wird den europäischen Hosen wahrscheinlich durch Deputationen notifiziert werden.
Der Belagerungszustand über Valona wieder aufgehoben.
wb. Valona. 22. Febr. Die mternahonale Kontrollkommission hat nach vorheriger Verständigung mit de.n holländischen Gendarmerie-Ofsrzwven den über die Stadt verhängten Belagcrungszilstand wieder aufgehoben.
politische Übersicht.
Herr v.
0 . Berlin. 22. Februar., Nachdem der Kriegsminister am 3., Dezember jene leidenschaftliche Rede gehalten ber Reichstag
mit Kundgebungen einer ebenso lerdenichaftlichen Erbitterung beantwortete, verhielt er sich am Königsplatz schweigend. Nur einmal noch m den weiteren Verhandlungen über Zabern nahm er zu bmer kurzen sachlichen Bemerkung das Wort. Dres Schweigen darf als nicht belanglose Tatsache darum verzeichnet werden, weil Herr v. Falkenhayn in -den Zavern-Debatten sehr wohl auch späterhin die Gelegenheit zum Sprechen gehabt hätte. Aber er zog si-b auf die Rolle emes ruhigen Beobachters zurück. Um es ganz schstcht, jedoch bürnm erst recht zutreffenb ausZuorucDen so kann man sagen, seine Rede vom 3 . Dezember wird ihm leid- getan haben. Und darum schwmg er Das sprach für die Einsicht des Ministers, für stme Klugheit und Be- sonnenheit. Welchen Anlaß sollte ern KriegsmiNister auch haben, um sich fortgesetzt j™ $ flcgen einen Reichstag zu stellen, der die nahezu unverkürzte und kampflos bewilligte Heeresverinehrnng von 1913 als eine Ruhmestat für sich M Anspruch nehmen kann! Man muß an den Kriegsminister vorn 3. Dezember erinnern, um den Wandel Mischen- seinem damaligen Auftreten und der gewinnenden Art und Werse ganz zu würdigen, mit der er sich am Samstag gab. Er sprach den bürgerlichen Parteien den warmen Dank der Heeresverwaltung dafür aus, daß sie in solcher Einmütigkeit'dazu Mitwirken wollen- um die <Lrleichterun gen des Militärstrafgesetzbilchs baldmöglichst m Kraft treten zu lassen. Dieser Dank war und ist inhaltlich eine Selbstverständlichkeit, die sich aus der Verhand
lung ergeben mußte, aber darum berührt es doch nicht weniger sympathisch, daß Herr v. Falkenhayn sich veranlaßt fühlte, so zum Reichstag zu sprechen. Man weiß nun freilich wieder nicht, ob die Konservativen nicht ungehalten darüber sein werden, daß sogar der Knegs- minister ohne Selbstüberwindung imstande ist, sich zu diesem Reichstag angemessen zu stellen. Das Zensor- amt, das sich die Rechte dem Reichskanzler gegenüber herausnimmt, ist allerdings „Herrn v. Falkenhayn gegenüber nicht so leicht auszuüben.
Generalleutnant v- Lindenau f*
Einer der befähigtsten Offiziere der Armee, der Generalleutnant v. Lindenau, zuletzt Kommandeur der 16. Division in Trier, ist unter tragischen Uni- ständen gestorben. Vor acht Tagen etwa war er zum Gouverneur von Metz befördert worden, vermochte aber diese Stellung überhaupt nicht anzutreten, denn zu der gleichen Zeit kam die Nachricht von seiner Erkrankung, der heute schon diejenige von seinem Tode folgte. Eine schwere Ohrenentzündung, die eine Operation erforderte, von der es aber hieß, daß sie gut verlaufen sei, hat dem Leben des sonst kräftigen und gesunden Mannes unerwartet ein vorzeitiges Ziel gesetzt. Der verstorbene General war auch in Wiesbaden besonders dadurch bekannt, daß er vor einigen Jahren gelegentlich des Manövers mit seinem Regiment, den 116ern rn Gießen, mehrere Wochen hier im Quartier lag. — Kurt v. Lindenau entstammt einem Geschlecht des Meißnischen Uradels, das 1181 zuerst urkundlich erwähnt wird. Er ist am 30. Mar 1866 in Gotha geboren. Sein Vater starb 1890 als Hauptmann a. D. Seine Mutter war Sophie Uhden. Offizier wurde er im Jahre 1874 im Jnf.-Regt. Nr. 25, damals in Straßburg. In den Jahren 1881 bis 83 besuchte er die Kriegsakademie, war dann Regimentsadjutant und wurde 1884 Premrer- leutnant. Als solcher war er 1886 Adjutant bei der 39. Jnf.-Brrgade rn Hannover. Im Jahre 1888 wurde er zum Großen Generalstab kommandiert und 1889 als Hauptmann in diesen versetzt. Als Generalstabsosfizier war er beim 7. und 14. Armeekorps sowie bei der 29. Division tätig. Unterdessen wurde er 1894 Major. Im Jahre 1899 kommandierte er ein Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 27 in Halberstadt, wurde dann aber im Jahre 1900 in den Großen Generalstab zurückversetzt und 1901 zum Oberstleutnant befördert. Gleichzeitig wurde er mit Wahrnehmung der Geschäfte eines Abterlungschefs beauftragt, des Chefs der 1. Abteilung, deren Chef er dann mehrere Jahre war. Zum Oberst rm März 1903 befördert, kommandierte er im Jahre 1905 das Jnf.-Regt Nr. 116 in Gießen, bis er im September 1907 Generalmajor und Kommandeur der 76. Jnf.-Brigade in Erfurt wurde. Am 27. Januar 1911 erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant und Kommandeur der 16. Division rn Trier. General von Lindenau ist seit 1,881 mit Margarete Ranniger verheiratet. Er hat eine Tochter und 4 Söhne, von denen zwei als Offiziere in der Armee stehen. Er tft auch schriftstellerisch hervorgetreten mit folgenden Schriften: Der Beresina-Übergang Napoleons", „Die Schlacht von Kesselsdorf", „Was lehrt uns der Burenkrreg für unseren Jnfanterreangrrff?"
wermuth über Berlin.
L. Berlin, 22. Februar.
Die „Berliner Morgenpost" begeht heute ein unge- wöhnliches Jubiläum: sie hat die in der deutschen
üeitungswelt bisher unerhörte Abonnenten- ?iffer von 400 000 erreicht. Aus diesem Anlaß hat das Blatt eine Festnummer herausgegeben, an der Männer wie Professor Werner Sombart, Professor Dr. Joseph Köhler und andere namhafte Persönlichkeiten mitgewrrkt haben. Die Zierde der Nummer aber ist ein Beitrag des Oberbürgermeisters W'ernruth, und man tvird einigermaßen neugierig daraus sein können, ob und wie die früheren Amtskollegen in den Reichsbehörden und sodann die Konservativen darauf reagieren werden, daß der ehemalige Staatssekretär im Reichsschatzamt seine Feder in den Dienst eines weit linksstehenden Blattes gestellt hat. Der Aufsatz des Berliner Oberbürgermeisters ist von besonderem Interesse, weil er (und auch das wird die Konservativen ver- nrutlich kränken) den außerordentlichen Anteil Hauptstadt an den Ziffern der Staats ern- kommensteuer stark betont. Im Jahre l-M brachte von der preußischen Einkommensteuer von 329,5 Millionen Mark Berlin alle- - „
Millionen, also 13,4 Prozent ans. Der Ante I von Groß-Berlin (die Stadt und 61 Dororte des Zweckverbandes) betrug 81,4 Millionen ^
Dagegen betrugen die Anteile der Bevölkerung für Berlin nur 5,05 Prozent, für Groß-Berlrm nur 9,30 Prozent In betonter Werse stM Oberbürgermeister Kernruth fest, daß die Provinzen st Preußen. Westv re ußen, Pommern. Branden-
