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Morgen-AusgaLe, K. Blatt.

Wiesbadener TagblE.

Sonntag, 22. Februar 1914.

Nr. 89.

Gemchtssaal.

(8raf Mielzynski freigesprochen. rvd. Meseritz, 21. Febr. Im Prozeß gegen den Grafen Mielzynski wurde heute abend 7 Uhr das Ur­teil gefällt. Der Angeklagte wurde nach Mtimdiger Beratung der Geschworenen freigesprochen. Er wurde

sofort aus der Haft entlassen.

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- Der Generalpardvn. Trier, 19. Febr. In der Frage des Generalpardons sind bereits zwei richterliche Urteile ergangen, das eine Pom Landgericht Dresden, das einen An­geklagten freisprach, obwohl die Einleitung des Strafver­fahrens in der Zeit vor der Abgabe der Wehrsteuerdeklaration lag, das andere vom Landgericht Aachen, das in demselben Falle den Angeklagten verurteilte. Gestern hatte sich nun die hiesige Strafkammer mit der gleichen Sache zu befassen. An­geklagt war ein Kaufmann aus Merzig, der seine Einkommen- steuererklärung von 1906 bis 1911 falsch angegeben und statt 23 000 M. Einkommen nur 7000 M. deklariert hatte. Das Strafverfahren war schon vor der Abgabe der Deklaration ein­geleitet worden, trotzdem kam auch hier das Gericht zu einem Freispruch. Zur Begründung des Urteils führte das Ge­richt nach der „Franks. Ztg." aus: Wenn auch der Bundesrat in seinen Ausführungsbestimmungen zum Wehrsteuergesetz erklärt, daß der Generalpardon keinen Bezug auf solche Per­sonen habe, gegen die Var der Deklaration bereits ein Straf­verfahren eingeleitet war, so sei das Gericht der Ansicht, daß der Bundesrat sich damit nicht im Rahmen der Ausführung des Gesetzes gehalten habe. In der Frage des Generalpardons sei aber die Ansicht des Bundesrats irrig. Der Richter sei in solchen Fällen vor die Ausgabe gestellt, zu prüfen, ob das Ge­setz richtig ausgelegt ist, und das könnte von der Trierer Straf­kammer in der Frage der Anwendung des Generalpardons nicht zugegeben werden. Das letzte Wort in den drei richter­lichen Entscheidungen wird wohl das Reichsgericht zu sprechen haben.

Sport unb Spiel.

* Pferderennen zu Saint-Ouen, 21. Febr. Prix de l'Artois.

3000 Fr. 1.. Jean Lieux' Tante Liltz 2 (Lespinas), 2. Liolia, 8. Samarette. 33:10; 19. 21, 39:10. — Prix de la Scarpe. 4000 Fr 1. C. Blancs Sigismond (Wallon). 2. Zacharre, 3 Saint Nom. 67:10; 36, 23:10. — Prix du Cambresis.

3000 Fr 1. Jean Lieux' Choral (Lespinas). 2. Samt Leonard, 3. Francois Joseph 2. 21:10; 12. 21, 14:10. —

Prix de la Flandre. 6000 Fr. 1. C. Blancs Remue Menage (Thibault). 2. Satilla, 3. Urbino. 31:10; 14, 48^ 42^0. — Prix du Hainaut. 6000 Fr 1. T. Du«^ Le Pochche ( G. Hall), 2, Mambrino. 3. Tslemaque 2. 44.10, 17, A 19.10.

^ «Vrir ve l’Oiifc. 5000 Fr. 1. E. Duffoures Usurrer (F. Williams). 2. Ratin 2, 3. Malefice. 29:10; 13, 24. 18:10.

* Der Schnecbericht meldet aus allen Höhenlagen der Mittelgebirge Tauwetter. Nur im Schwarzwald herrscht Schneesturm. Die Schneedecke beträgt dort gegenwärtig 70 Zentimeter (Pulverschnee). Die Schneedecke ist geschlossen. Die Schneeschuhbahn ist in guter Verfassung, stellenweise jedoch vereist.

sr. Das Ergebnis der Automobil-Winterprüfungsfahrt. Das Preisgericht für die Antomobil-Winterprüfungsfahrt durch Schweden hat ihre Arbeiten beendet und den Kon­kurrenten vorläufige Mitteilung über das Ergebnis gemacht. Nach den vorliegenden Mitteilungen wurde in Klasse 1 der Winterpokal dem Minerva-Wagen Nr. 27 (Fahrer: Oster­mann) zugesprochen, der ohne jeden Strafpunkt über die Strecke gekommen ist. Zweiter in dieser Konkurrenz ist Raas auf Horch-Wagen Nr. 25, Dritter Direktor Paulmann auf Horch-Wagen Nr. 10. Der Gotenborg-Pokal m Klasse 2 siel an Carlssun auf einem deutschen R. A. G.-Darlrng--Wagen. Zweiter wurde Goeringer auf einem amerr.anrschen Stude-

sr. Für das Gordon-Bennet-Rennen der Freiballone, das in diesem Jahr im Oktober von Kansas-City aus stattfindet, hat die Freiballonabteilung des Deutschen Luftfahrerverbands die Herren Major v. Abercron, Ingenieur Berlrner und Hugo Kaulen als deutsche Delegierte bestimmt. Als Stellvertreter kommen in Frage die Herren Leimkugel, Mann und Thewaldt. Ein deutsches Ausscheidungsrennen wird also mcht stattfinden.

* Sportliteratur. Eine ulkige Fastnachtzeitung ist die so­eben im Verlag der Continental-Caoutchouc und Gut.a- Percha-Compagnie, Hannover, erschienene Faschingsnummer des „Echo Continental". Mit Illustrationen iu Vierfarben­druck ausgestattet, bietet sie mit ihrem aktuell-phantastischen, witzigen Inhalt für einige Stunden fesselnde KarnevalsMn- terhaltung. Mitarbeiter sind u. a. Fritz Schön, Schaberschul, Edmund Edel.

NeueZ aus aller Well.

Verhaftung des „Schloßherrn von Biensgenau". Ber- l i n, 20. Febr. Die Vermutung, bah sich der „>l^chloßherr von Biensgenau" bei Meran, der, wie berichtet, mit seiner in Bozen verhafteten Ehefrau große Krüditschwindeleien verübte, nach Berlin gewandt habe, hat sich rasch bestätigt. Der Flüch nge ist heute in Berlin ergriffen worden. Gleichzeitig könnt, die Persönlichkeit des Verhafteten in überraschender Weis,

jöiexi&genau uci »«tun, ver, wie oeriajsti, >

Bozen verhafteten Ehefrau große Krbditschivindeleien nach Berlin gewandt habe, hat sich rasch bestätigt. Di- tige ist heute in Berlin ergriffen worden. Gleichzeitig konnte die Persönlichkeit des Verhafteten in überraschender Weise aufgeklärt werden. Der Meraner Schlohherr Hans von Bes^ kow ist nicht der Sohn eines Berliner Mietskutschers, sondern der 1860 zu Potsdam geborene einzige Sohn des Gutsbesitzers von Beskow. Hans von Beskow war Offizier, nahm aber nach dem Tode seines Vaters den Abschied, um sein beträcht­liches Erbe anzutreten. Bald stellte sich jedoch heraus, daß der Gutsbesitzer einen Bermögensverwalter bestellt hatte und der Sohn nur die Nutznießung des Vermögens erhalt« sollte. Dies bedeutete für den flotten Grandseigneur eine arge Ent­täuschung. Er begab sich auf Reisen und erschien in Berlin nur zeitweilig, um beim Vermögens-Verwalter sein Depot ab­zuheben. . ^ ~ , c

Eine erfolgreiche Schadensersatzklage wegen Beleidigung.

New York, 20. Febr. Miß Katharina Orourke hatte die Cunard-Linie wegen Beleidigung verklagt, weil man ein tot- geborenes Kind an Bord des Dampfers „Campagna" ihr zu- ge'choben hatte und der Schrffsarzt sie in einer beleidigenden Weise behandelt habe, bis die eigentliche Mutter entdeckt wor­den war. Das Gericht sprach ihr 36 000 Dollar Entschädigung zu. Indessen will die Cunabd-Linie gegen das Urteil Be­rufung einlegen.

Festnahme und Auslieferung des Mistionenschwinblers Bauder. Paris, 20. Febr. Aus Cherbourg wird gemeldet: Bei der Landung der mit dem deutschen Postdampfer

„Kaiserin Augusta Viktoria" eingetroffenen Reisenden wurde der ehemalige Baseler Bankier Johann Bauder, der sich nach Veruntreuung von mehreren Millionen nach Chicago geflüch­tet hatte und daselbst auf Ansuchen der schweizerischen Regie­rung verhaftet worden war, von der Polizei unter Mitwir­kung des Baseler Polizeidirektors Müller feftgenommen. Dem von der hiesigen schweizerischen Gesandtschaft gestellten Aus» lieferuugsansuchen wurde sofort entsprochen und Bauder unter polizeilicher Bewachung nach Basel befördert.

Eine Familientragödie. Mülhausen i. E., 21. Febr. Der Arbeiter Fahrenkrug. der schon längere Zeit von seiner Frau getrennt lebte,. kehrte gestern in die Wohnung ferner Frau zurück und schickte eine dort auf Besuch weilende Ver­wandte fort. Tann zog er seinen Revolver und schoß feiner Gattin eine Kugel ins Herz. Die Fmu ..war sofort totz Hierauf iagte er sich eine Kugel in die Schläfe und war nach wenigen Minuten ebenfalls tot. Das Ehepaar hinterlaßt zwei unerwachsene Kinder. _ ,

Dir schwarzen Pocken in Breslau. Breslau. 21. Febr. Nachdem am Samstagabend bei einem Handwerker im „Aller­heiligen Hospital" die schwarzen Pocken festgestellt worden srnd, wunden gestern in derselben Anstalt bei einem Mann, der um Aufnahme bat. ebenfalls schwarze Pocken festgestellt. Hospital sind sofort alle Maßnahmen getroffen worden, um der verheerenden Krankheit entgegenzutveten. Das gesamte Personal der Anstalt, etwa 300 Personen, mußten sich erner Schutzimpfung unterziehen, desgleichen alle Kranken, ca. 850, soweit ihr Gesundheitszustand dies erlaubte.

Internationale Bikderdiebc. Paris-, 21. Febr. Dre Polizei verhaftete den Tapezierer Nicolas, den Antiquitäten­händler Raimann und eine Frau Reuter als Mitschuldige. des vorgisitern auf dem Nordbahnhof festgenommenen Belgiers. Dieselben gehören einer internationalen Diebesbande an. die in England. Belgien und Frankreich zahlreiche Einbruchsdreb- stähle verübt hat. Mehrere auf dem Nordbahnhof von dieser Diebesbande aufgegebene Frachtstücke wurden, beschlagnahmt. Sie enthielten eine Anzahl >rus Galerien belgischer Sammler herrührende Bilder.

5lu§ dem Veremsleben.

vorberichte, Veretnsversammlunsen.

* Der „Wi esbadsnsr Männergesangverein, E. B.". hält sein diesjähriges Maskenfest heute Sonntag in Form einer Redonte ab. Eine künstlerische Kraft ist ge­wonnen. die während der Tanzpausen humoristische Vorträge zu Gehör bringen wird. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigen der Mitglieds- und Gastkarten und den Inhabern von Masken­sternen gestattet. Masken- oder Ballanz-ug ist, erwünscht, wenn auch mit Rücksicht auf die älteren Herren keine strenge Kontrolle geübt wird.

* Das morgen Montag im Kasino stattfindende „Masken- fest vor 100 Jahren", veranstaltet vom Mannergesangverein „Concordia". beginnt um 8 Ilhr abendA.

* Der „Verein für Gemeindepflege der Marktkivche" blickt jetzt auf 5 Jahve gedeihlicher Arbeit zurück. Er betätigt sich in der Unterhaltung der Gemeinde- schwefternstation, im Ikahveretn und in der Mitarbeit in der kirchlichen Armenpflege. Die Schwesternstatton befindet sich Mauritiusstraße 7. im Hause der „Vereinsbank Wiesbaden". Ihren Dienst haben auch im vergangenen Jahre wieder viele von Krankheit heimgesuchte Familien und hilflose Allein­stehende. auch gerade solche, die nicht in das Gebiet der öffent­lichen Armenpflege gehören, als eine große Wohltat empfunden. Gelegenheit zu näherem Einblick in die Arbeit des Vereins bietet die am Montag, den 23. Februar, um 4 Uhr. im Rat­haus, Zimmer 36. stattfindende 5. ordentliche Mitgliederver­sammlung. zu der alle Gemeindeglieder Zutritt haben.

„Die Blutzeugen der französtsch-reformierten Kirche", so lautet das Thema, über welches Pfarrer Correvon aus Frank­furt a. M. mit Vorführung von Lichtbildern auf dem Familien- abend des „Christlichen Vereins junger Männer Wartburg, E. V.", am Fastnacht-Dienstag, abends 8% Uhr. im großen Saale des evangelischen Vereinshauses, Platter Straße 2, sprechen wird. Pfarrer Correvon steht seit vielen Jahren an der fvanzösisch-reformierten Kirche in Frank­furt a. M. und hat als solcher sich dem Studium der Ge­schichte der reformierten Kirche Frankreichs, insbesondere der Hugenotten-Berfolgungen (Pariser Bluthochzeit — Bartholo­mäusnacht) gewidmet.

* Der „Klub Edelweiß" hält am Fastnachtdienstag, von abends 7 Uhr ab. im Lokal „Zum deutschen Hof". Gold­gasse 2. als Nachfeier seiner Karnevalsitzungen einen „Karne­val-Rummel" mit Tanz ab.

Im „Verein für naf säuische Altertums, künde und Geschichtsforschung wird am nächsten Mittwoch (achter Vereinsabend)..Professor Dr. Adam über die homerischen Epen und die Anfänge der griechischen Tragödie sprechen. „ . .. .

Mittwoch, abends 814 Uhr, wird in der „Loge Plato" im Auftrag der „V or trags - V rrexnrg;un g" Privatdozent Dr. W. Obr Wer „Entstehung und Wesen der Frwuenfrage" sprechen. Der durch seine fozialpsUtlschen Vorträge im Real­gymnasium geschätzte Redner wird dre aus Unwissenheit so viel geschmähte Fvauenfrage :n da-, rechte Lrcht stellen.

Der deutsche Schrif^tst ellerverband Wies­baden-Mainz wird am. «annStas, den 28. Februar, im Brllardsaal des Kurhauses einen humoristischen Abend veran­stalten- Zum Vortrag werden dw^wh-lreßlich humoristische Schöpfungen gelangen. Gäste, dre durch Mitglieder eingeführt werden odsr beim Vorstand um eme Einladung nachsuchen, sind willkommen.

Entsprechend dem Ziel, KulturproMeme von geistig führen­den Persönlichckesten aus ih^V ^d^^Ar^fensgebiet im Zu­sammenhänge behandeln zu lasten, hat dre „Vereinigung sur Wiesbadener Hochswut-Vorlgs^^^^^,, P^s. O. Hermann Oncken, HcidsDerg, den Biographen von Rud. w Bennigsen, eingeladen, über die srotzLn Mächte und die aus­wärtige Politik des Reiches wn 1871 bis am Montag. Mittwoch, Freit«, Samst«, d^n 2., 4., 6. und 7. März, von 8 .bis 10 Uhr abends in der Ama des Ober-Lyzenms (höhere Töchterschule) Vorträge zu halten.

Vereinsvorträge.

„Die stenographischeu FevtiskeitsprüfungLn, die Prüfungs- amter bei den Stenogr-aphenvervanoen den großstädtischen Behörden und den Handelskammern .über, dieses Thema hielt Sind. W. Paul in der , Plenograpchx-s^^ „Stolze- Schrey" (Gewerbeschulgebände) einen Vortrag. Wir ent­nehmen den Ansführnngen ÜW M rendeS: Dienststellen, die die Stenographie benötigen, wunimen, pcrß Bewerber auch den Anfordernnsen genügt. .Ist stnyt der Fall, so wird die Dienststelle dadurch geschadM. me Stenographie kann in Mißkredit kommen, selbst das von dem Stelleninhäber schlecht gehar:dhabte System. Daher werden von den Stenosvaphen- vMbänden Fertigkeitsprüfunsen avgehatten. wodurch der Be­werber den Nachweis erbringen kann, eine bestimmte stenogra­phische Fertigkeit erlangt zu WM*-. Dre neuzeitlichen Ver­hältnisse in Handel. Verkehr. Industrie und auch bei Behörden fordern tüchtige Stenosvapheru. „ haben großstädtische

Behörden — namentlich in «usseutlchlaud —, in Preußen meistens die Magistrate in Verbindung tnil den Handels­kammern stenographische Prufungsamter errichtet. In der Regel beginnt die prüfungssmWe rterUgkeit mit 150 Sllben in der Minute. Durch die ausgestellten.Zeugnisse ist die Sicher­heit geboten, daß ein Bewerber auch.me angegebene Fertigkeit besitzt. Das Ansehen der Stenographie des Stenographen und des von ihm beherrschten Systems wird g,eh^n. Die'Steno- qvavhieschule stellt ebenfalls. Fertigkeltszeiugnifse aus. Diese Prüfungen haben aber auch eine volkSwirtschHUtche Bedeutung. Der gute Stenograph wird nicht vom gering befähigen unter­boten. er wird bet hervorragender Leistung auch besser bezahlt. Der Chef, die Firma, die Behörde, sie alle haben Vorteil da­

von, indem der Stenograph felne-r DienftMe üpldty ertiss Arbeit leistet. Die Stellennachweise betonen, daß sich uumm: noch ein Mangel an flotten StenoKaphen und' MafchrnNl- schreibern bemerkbar mache. Die PrmzipÄL beimrzugLN Be­werber, die gute Stenographen und Dtaschlnenschrelber sind, auch wenn sie diese Tätigkeit nur ab und zu vsüverteu Gute Stenographen bekommen daher kurz nach ihrer Bewerbun» meist Stellung, während Bewerber ohne stenographische Kenntmste Wochen- und monatelang auf einen Evsolg ihrer Bewerbung warten müssen. (Ohne Gelvähr.)

Im „Hessen-Ras saut scheu Provinzial der. band fürFrauen stimm recht" sprach vorigen Donners­tag gelegentlich eines Fünf-Uhr-Tees Rektor W. B r e l d e n ° stein über die „Deutsche Netch-verfassung". Ausgehend von dem Gedanken, daß alle staatlichen Institutionen dem Cstst" Wicklungsgedanken unterstellt bleiben müßten, wurden zunächst die Grundzüge der Reichsverfassung dargelegt und' dann die Richtung eines weiteren Ausbaues angedeutet. Das DeutsiM Reich ist als Bundesstaat mit eignem Staatsrecht wesenMch verschieden von dem alten Deutschen Bunde, der nur bolker- vechtlichen Beziehungen seinen Zusammenhang. verdankte. Ais Vertreter des Reiches erscheint der deutsche Kaiser, über dessen Erbfolge die Bestimmungen der preußischen Verfassung maß­gebend sind. Ihm obliegt außerdem die Ernennung der Reichsbeamten, die Berufung, Schließung bezw. Vertagung und Auflösung des Reichstags sowie die. Berufung des Bundes- rarrs. Letzterer ist der eigentliche Träger der Staatsgewalt; so stellt sich das Deutsche Reich, richtig gesehen, als eine konstitutionelle Avistokratie dar. Nach den Darlegungen über die Zusammensetzung und die Aufgaben des Bundesrates wandte sich der Redner zum Reichstag und. hob besonders hervor, daß wir im Deutschen Reiche ein Einkammersystem haben und daß es verkehrt lei. den Bundesrat als eine Art Oberhaus zu betrachten. In launiger Weise schilderte er dann, wie die Frauen sich später bei Reichsiaigswahlen als stiMMk- berechtigte deutsche Bürgerinnen beteiligen werden.. Der Auf­gaben des Reichstages, seiner gesetzgebenden. Tätigkeit. . wie seines Budgetrechtes wurde kurz ged^acht sowie der Tätigkeit der Reichsämter. Bewies der starke Beifall, welches, lebhafte Interesse die Ausführungen gefunden hatten, so zeigte die ausgedehnte Diskussion das ernste Streben der .zahlreich an­wesenden Frauen nach gründlicher politischer Bildung. Eine Fülle neuer Fragen aus dem Gebiete des Staatswesens und der Kommunalverwaltung drängte zur Beantwortung und die Vorsitzende Frau Dr. Alexander konnte zum Schluffe die Mit­teilung machen, daß demnächst ähnliche Gegenstände zur Ver­handlung kämen, was mit lebhafter Befriedigung ausge­nommen wurde. (Ohne Gewähr.)

Ku§ unserem Leserkreise.

(Nicht verwendete Einsendungen können weder zurückgesandt, noch ansbewahrt werden.)

* FörfterverhLltnisse. Eine Reihe von Artikeln, die im letzten Sommer und Herbst über die Verhältnisse der Gemeindefärster im Regierungsbezirk Wiesbaden in ver­schiedenen Tageszeitungen erschienen sind, haben größeres Interesse für die Lage dieser Beamten erweckt. Als laus- jähriger Jäger viel mit naffauischen Förstern in Berührung kommend, hörte ich manche Klage Wer die schlechte Besoldung, denen ich nicht viel Glcmben schenkte, in der Annahme, daß es damit mehr oder weniger auf den Geldbeutel der Jagdpächter abgesehen fei. Auch standen diese Klagen vielfach im großen Gegensatz zu dem äußeren Menschen. Jetzt, wo die Not in der Öffentlichkeit viel erörtert wird, nahm ich jede Gelegenheit wahr, Einblick in die häuslichen Verhältnisse zu bekommen, die tatsächlich vielfach direkt trostlos sind. Nach außen hin hat der Beamlcnstolz bisher die Not noch verbergen können, lange kann es nicht mehr dauern, bis sie auch hier mit Macht zum Durch­bruch kommt. Ein Höchstgehalt von 1800 M. kann unter den heutigen .Teuevungsverhältnissen einem Beamten. de;c ge­zwungen ist. für Uniformen ufw. wefentltche Aufwendunsen zu machen, kaum zum nötigsten Lebensunterhalt ausreichen. Ausnahmen von dieser Regel sind sehr selten. Woher sollen also die Mittel zur Kindererziehung und sonstigen Anforde- ' rungen genommen worden? Mancher junge Acann, der mit großen Idealen stolz und strebsam den Förstorberuf erwählte, rst. heute verbittert, dem wirtschaftlichen Elend preisgieg'eben. Die Motze Gehaltsreform, die andere Schwieickgkeiten aus- L'urde glatt durchgeführt. Weshalb allein der naffau- ische Gemsindeforster als schlecht bezahlter Beamteir leer aus-

, uiiverftändlich. Die Gemeinden weigern sich beareif- llcherweise, ohne Zwang eine Gehältsaufbesserung bezw. Rege- ^55 Forstergehailter vorzunehmen, suchen vielmehr eine blntertrechen trotz'dein es ihnen ein leichtes wäre, s -.Mehrbelastung, die eine dwvchsveifende Reform

b« gocftep eri&aftec verursachte, zu tragen. Hier ist alsbaldiges utttftteTfett fret yte&temrtg dringend geboten. Sie Etz b<afitr loraeit, daß dre Gemerndefürster ebenso entsprechend aufgie- oetzert werden, wre dies ber allen übrigen Beamten schon seit ^at)ren -geschehen rst. Nur die Regierung hat es in der Hand, dre berufenen Heger und Pfleger von Waid und Witd^ finan- Krell so zu stellen, datz sie nicht dem wirtschaftlichen Ruin oder gar der Korruptron verfallen. Gin Jagdpächter.

Vriefkcrstsrr«

SchnstleUung des Wiesbrdener TagbkattS beantwortet nur (christliSe Anfrage» im Brieftasten, und zwar ohne Rechtsverbindlichkcit. B-st-rechuna-n können ni-bt aewäLrt werde»--

WUhelm G. Nach dom Wintorsolstitium (Winteranfang) werden die Tage niemals kürzer, sondern stets länger, und zwar sofort, nachdem die Sonne den Solstitialpunkt durch­schritten hat. Wenn Lies also im Jahre 1913 am 22. Dezember um 11 Uhr 36 Win. vormittags geschah, so war beveits der 23. Dezember (Lürzerlich) um ein Geringes (Teil einer Minute) länger als der 22. D^smbe>r.. Wegen der auf volle Minuten abgerundeten ungenauen Zeitangaben dgr Auf- und Untergänge der Sonne in denHauska>lendern scheint es indessen so, als ob die Tage auch nach dem SoLstitium noch eine Zeitlan>a äbnäbmen. Morgens geht die Zunahme jedoch erst fvAer vor

sich..die Sonne orscheiut zunächst noch imm7r spÄer W« dmn Hortzont; nachmittags dagegen, erfolgt die Zunahme um so ,ch»Eer. dem um io späteren Sounenuntergauge

'—■ ist die R eulÜ \\ geeuu-g des Dm pivn/is

Morgen ist eine WiLng wfls in Ilmer eNMtE, ungleichforMigLii Bewegung der den oZahresbahn. Die Sonne geht näm-

feil?S; E um 12 Uhr durch den Meridian.

verschieden vom mllfke^ n Ä er - fcer w-abw- Diittag ist daher rechnet Mittleren Mittag, nach dem man allgemein

Engel", Bierstadt. Die ReichÄbank ist SS”,' Kapital begründete Aktiengesellschaft.

die Bomlfstchtraung und Leitung zu. doch {W!?* ^ ugicht für die Verbindlichkeiten der Bank. Tie Beauf- fi-cyttMng Wind durch ein Kuratorium von fünf Mitgliedern unter dem Reichskanzler ausgeübt.

„ifJr"'?*' AlvreKtstrastc. Der zur Dienstleistuug Ver- Mchlete geht des Anspruchs auf Lohn nicht dadurch verlustig, oan er für eine berhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen m seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden ^ »E Dienstleistung verhindert wird.

T. Das Gesuch wegen NamenSändsvwM »st «m die Königs. Regierung zu richteri. ... .

.1877. Me militärischen Arreststrafen werden mcht in die Zibilakten eingetragen, brmichen auch nicht als Strafen an- aegeberi zu werden. Deir Gnadenerlaß bezog m der

Verbüßung begriffene bezw. noch nicht verbüßte Strafen

H. M. Wir em-pfehlen Ihnen, gegen diese Pfändung bei dem Amtsgericht Einspruch zu erheben. „ .

B. Sch. Die nächsten größeren Orts bei Stemheim sind Paderborn und Höxter. Ob dort MPpenkbmEn sind, ist uns nicht bekannt.

Sophie. In Betracht kommt bior die Flick- und Nähschule des Bolisbildungsvereins. deren Unterricht in der Schule an der Lehrstraße erteilt wird.

W. S. 318. Dafür halten die Drogerien Mittel bereit.