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„Tagblatt-Haus". wOCHClttltCtl Iä tTUSCJUV^n# „Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

Zchalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgenö bi8 8 Uhr abends. * * Mi-iofm Nnn « mir mnvA<ma ws « mi» A*w»«xa za:«-«»/.*»

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„Tagil-tt-H-us" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

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für^dteÄvrg-n-Aurg^bisd'Är^nachmtttag^ Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf. Günhelstr. 66, Fernspr.: Amt Uhland 456 ».451.

Donnerstag. 19. Februar 1914.

Kbenö-Kusgabe.

tlr. 84. ♦ 62. Iahrgang.

Das kranke Heer.

Im Reichstag ist von nationalliberaler Seite, wie gemeldet, eine Anfrage an den Reichskanzler gerichtet worden, worin unter Bezugnahme auf Mitteilungen französischer Blätter über den angeblich schlechten Ge­sundheitszustand im deutschen Heere um Auskunft über den Krankenstand des Heeres gebeten wird. Die An­frage bezieht sich auf unlängst veröffentliche sensatio­nelle Meldungen des Pariser „Journal", worin der Ge­sundheitszustand der deutschen Armee unter Angabe ganz positiver Ziffern grau in grau gemalt wurde. Jene Meldungen und Ziffern sind unterdessen bereits, wie wir schon mitteilten, von offiziöser Seite als durch­aus unzutreffend gekennzeichnet worden, und es wurde festgestellt, daß der Krankenbestand in der preußischen Armee sowie iin sächsischen und württembergischen Kon- nngent für Januar dieses Jahres 53,7 vom Tausend der Iststärke gegen 55,9 im Januar v. I. betrug und daß der Gesundheitszustand zurzeit besser sei als je zuvor.

Die Sensationsmache des Pariser Blattes verfolgte offensichtlich den Zweck, die Franzosen über die ganz ungewöhnlich schlechten Gesundheitszustände im eigenen Heere zu. trösten, worüber ja in den letzten Wochen Mehrfache Alarmmeldungen in die Öffentlichkeit ge­drungen sind. Daß es sich hierbei aber nicht etwa um sensationelle Erfindungen handelt, hat sich bereits ein­wandsfrei aus den Verhandlungen in der französi- schen Deputiertenkammer ergeben, in der so positive Angaben über die massenhaft auftretenden E r- krankungen im Heere gemacht wurden, daß sitz., suglrch nicht zu bezweifeln sind und auch von seiten der französischen Regierung nicht ernstlich bestritten wur­den. Stellte doch der Berichterstatter, der Deputierte und Arzt Dr. Lachaud, fest, daß im Januar in 76 Garnisonen die Masern und in 60 Garnisonen das «charlachfieber geherrscht hatten, und die in den letzten Tagen aus Frankreich gekommenen Nachrichten lassen erkennen, daß die Verhältnisse sich seitdem noch wesent­lich verschlimmert haben. Geradezu erschreckend war die von Dr. Lachaud aufgemachte Statistik, wonach man im Januar bei einem Mannschastsbestande von 717 415 Mann 194 052 Revierkranke, 44 192 Lazarett­kranke, 21 670 Hospitalkranke, ferner 280_ Todesfälle und 1489 zeitweilig wegen Dienstuntauglichkeit Ent­lassene verzeichnet habe. Das würde also besagen, daß zu dieser Zeit rund 38 Prozent des gesamten Mannschafts bc st andes dienstuntauglich waren, ein geradezu abenteuerlich hoher Prozentsatz!

In erfreulichem Gegensatz hierzu steht eine unlängst veröffentlichte Statistik, wonach die Zahl der Erkrankungen im deutschen Heeren in den letzten 20 Jahren annähernd um ein Viertel, die Zahl der Todes­fälle aber von 3 pro Tausend der Kopfstärke im Jahre 1893 auf 1,9 im Jahre 1913 zurückgegangen ist. Mit welchen Sorgen man diese ungeheuren Unter­schiede im Gesundheitszustand des deutschen und des l

Aus neuen Briefen Wagners über den Parsifal.

Judith Gautier, die bekannte französische Freundin und Verehrerin Wagners, veröffentlicht im „Temps" interessante briefliche Äußerungen des Meisters, die sie als Übersetzerin des Parsifal von ihm empfangen hat. Während der ersten Aufführungen des. Rings in Bayreuth hatte sie Wagner ge­fragt, ob er noch immer an ein indisches Drama dächte, für das sie ihm verschiedene indische Epen geschickt hatte, und ob die Zeit, dies Werk sin Musik zu setzen, nun da wäre. »Das wäre viel eher Parsifal , hatte er geantwortet, und ein Jahr darauf schrieb er ihr: »Ja, es handelt sich um die Musik des Parsifal. Ich könnte nicht mehr existieren, ohne mich in die­ses Unternehmen zu stürzen. Mein Gedicht, hoffe ich, wird Ihnen Vergnügen, machen/^ Mme. Gautier beschloß sofort, die neue Dichtung . in-, französische zu übersetzen. Ihr Wunsch aber schien in Wagner, die Erinnerung an recht pein­liche Eindrücke zu erwecken, die er gerade bei der Übersetzung seiner Dramen ins Französische gehabt hatte. „O! Wenn Sie wüßten", schrieb er ihr, »wie ganz unmöglich es ist, den ge­ringsten Sinn solcher Poesie in Ihrer so konventionellen Sprache wiederzugeben!" jedoch erklärte er sich bereit, ihr die Druckbogen seines Gedichts zu schicken, sobald sie fertig wären: „Sie sollen die Druckbogen des deutschen Parsifal in einigen Tagen haben. Ich habe augenblicklich keine anderen als das Manuskript, das mir bei der Komposition der Musik dient. Sie werden sehen, und wir werden sehen." Er schickte ihr nach einigen Tagen den ersten Akt und zeigte sich zugleich mit dem Druck sehr wenig zufrieden: „Sie werden sie emp­fangen haben, d-ese unglücklichen Bogen des gedruckten Parsifal. O, was für eine schlechte Druckerei! Ich hatte den Schmutz aus meinem Schreibpult. Ich war wütend und ich

frairzösischen Heeres in Frankreich verfolgt, geht aus einer soeben aus Paris übermittelten telegraphischen Meldung hervor, wonach die „Humanitä" eine am 15. August v. I. von der Sanitätsabteilung des K r i e g s m i n i st e r i u m s an den General­stab gerichtete Note veröffentlicht, in der erklärt wird, daß die Zahl der Krankheits- und Ster,befalle in der französischen Armee weitaus größer sei als in der deut­schen und vielleicht sogar größer als in allen Armeen der Welt. Diese sehr wider den Wunsch und Willen der französischen Regierung veröffentlichte Note stützt sich offenbar auf das seinerzeit von Dr. Binet, einem hervorragenden französischen Militärarzt, sehr sorg­fältig zusammengetragene Material, aus dem hervor­ging, daß von allen Heeren der größeren europäischen Staaten die französische Armee den ungünstigsten, die deutsche den günstigsten Gesundheitszustand habe.

In dem Urteil über die Ursachen dieser Er­scheinung stimmen Binet und Lachaud freilich nicht uberein; jener führt sie auf die schlechteren hygieni- schen Zustande in Frankreich, dieser aus die plötz­liche Heeresvermehrung zurück, durch die man gezwungen gewesen sei, die Rekruten in unzureichenden und . hygienisch unzulänglichen Kasernenräumen unter- zubrmgen. Gegen die Theorie Binets ist einzuwenden, daß der Prozentsatz der Sterbefälle in der Bevölkerung Frankreichs nur unwesentlich größer ist als in der Deutschlands. Die Erklärung Dr. Lachauds aber be- erne schwere Anklage gegen die französische Militärverwaltung, deren mangelnde Vor- und Fürsorge allerdings seit dem Kriege von 1870/71 wo sie zur Katastrophe führte, dieselbe geblieben zu sein scheint. Im übrigen ist aber die Hauptursache der trostlosen Zustände im französischen Heere noch aus einem ganz anderen Gebiete zu suchen. Durch die letzte Heeresverstärkung ist man gezwungen, die R e - krutierung bis zum äußersten zu treiben, denn Frankreich, das ja an Bevölkerung weit hinter Deutsch­land zurückgeblieben ist, muß einen viel stärkeren Prozentsatz in das Heer einstellen, also zum nicht geringen Teil untaugliches Material, welches den Anstrengungen des Dienstes nicht gewachsen ist und nur zu leicht die Beute von Krankheiten, von Epidemien wird. Woraus sich ergibt, daß ein Teil der französischen Armee sich nur auf dem Papier, in den Listen der Krankenhäuser, befindet und Jaurds sich noch als ein Optimist von reinstem Wasser erweist, wenn er sorgen­voll ausruft: „Wenn jetzt eine internationale Krisis ausbräche, so wäre ein Achtel unserer Truppen durchaus unbrauchbar."

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Verschiebung der Einberufung der französischen Reservisten.

rvb. Paris, 19. Febr. Die „France Militaire" mel­det, das Kriegsministerium habe im Hinblick auf die m verschiedenen Garnisonen herrschenden Epidemien beschlossen, die Einberufung dor Reservisten jener ^ruppenkörper, die von Krankheiten heimgesucht sind bis zum Sommer zu verschieben.

Deutsches Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser ist gestern abend mit Gefolge vom Potsdamer Bahnhof zur Beisetzung der Prinzessin Wilhelm von Baden inrch Karlsruhe abgereist.

— Eine Kaiserreise nach Konopischt. Wie die „N. pol. Korresp." schreibt, soll Kaiser Wilhelm bei seinem letzten Be­such in Konopischt den Wunsch geäußert haben, die wunder­baren Gartenanlagen des Erzherzogs Franz Ferdinand ein­mal in voller Blüte besuchen zu können. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß der Kaiser im Juni d. I. einer Ein­ladung nach Konopischt folgen könnte. In diesem Falle wird wohl auch ein Wiedersehen des Kaisers mit Kaiser Franz Joseph in Schönbrunn erfolgen.

* Wechsel in wichtigen hohen Verwaltungsstellen. Da bisher noch kein Nachfolger für den vor einigen Wochen ver­storbenen Präsidenten des König!. Oberverwaltungsgerichts, Wirkl. Geh. Rat v. Bitter, ernannt worden ist und nunmehr auch der Präsident des Rechnungshofes des Deutschen Reiches, Wirkl. Geh. Rat v. Magdeburg, die Absicht kundgegeben, in den Ruhestand zu treten, warten zwei hohe Posten der inneren Verwaltung auf Neubesetzung. Daß der Schwager des Herrn v. Bitter, der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Dr. von H e g e I, für einen der beiden Posten in Frage kommen dürfte, ist bereits früher gemeldet worden. Neuerdings verlautet nach der »Rhein.-Westf. Ztg." in unterrichteten Kreisen, Herr von Hegel werde der Nachfolger des Herrn v. Magdeburg werden und zum Nachfolger des Herrn b. Bitter sei der Wirkl. Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Ministerium des Innern v. Falken Hahn, ein älterer Bruder des Krieas- ministers, in Aussicht genommen. Als künftigen Oberprasi- denten der Provinz Sachsen nennt man in diesen Kreisen den Präsidenten der Regierung in Wiesbaden, Dr. von Meister, der, wie man weiß, beim Kaiser in hoher Gunst steht. Man spricht ferner davon, daß der Präsident der Regie­rung in Breslau, Frhr. v. Tschammer und Quaritz, der sich seit längerer Zeit seiner, Gesundheit wegen in Ägypten aufhält, Rücktrittsgedanken hege und möglicherweise den Prä­sidenten der Negierung in Königsberg, Dr. Graf v. Keyser­lings, zum Nachfolger erhalten werde.

* Zur preußischen Besoldungsnovelle. Die Frage, aus welchen Gründen die in der gestrigen Abendausgabe mitge- teilte Novelle weitere B e a m t e nk l a ss e n nicht auf­bessern kann, wird in der Begründung folgendermaßen er­läutert. Zu einer Erstreckung der BLsoldungsverLefferungcn aus die Klassen über 5 hinaus, die durchweg den Höchstsatz von 3800 M. übersteigen, besteht weder ein Anlaß durch die Reichsgesetzgebung noch eine sachliche Notwendigkeit, noch auch die Möglich! ei t der Durchführung in finanzieller Hinsicht. Grundsätzlich darf an einer Besoldungsordnung, die für längere Zeit die unveränderlichen Grundlagen darstellen soll, bis zur erschöpfenden Neuregelung im allgemeinen nicht gerüttelt werden, wenn anders nicht eine schwere und uner­trägliche Beunruhigung der Beamtenschaft und bedenkliche Erschütterungen der S t a a t s f i n a n - zen wie der allgemeinen Volkswirtschaft eintreten sollen. Zu einer umfassenderen Abänderung der Besoldungsregelung von 1909, die unter schweren Opfern des Staates den Beamten fast ohne Ausnahme erhebliche Vergünstigungen ge- bracht hat, ist nach Verlaus der wenigen seitdem ver­flossenen Fahre der Zeitpunkt noch nicht gekommen. Abge­sehen von der Mehrbelastung würde eine wiederholte Neu­

halte darauf, daß alles von neuem angefangen wird" An der Arbeit der Mme. Gautier nahm Wagner den größt'en An­ten und ließ unter seinen eigenen Augen eine wörtliche Wer- -6Ung ins Französische unfertigen. Dabei kam ihm die Un- mognchkeit dieser Aufgabe so recht zum Bewußtsein: kein

Ausdruck in der fremden Sprache schien rhm den Sinn seiner Worte wiederzugeben. So schreibt er z. B.: „Ein furchtbar ichones Weib; uns kenrme terriblswent belle. Rein, das geht nicht. Also: d'une (pourguoi pas de deux?) beaute terrible.

r "terrible" ist lächerlich. Also . . . beaute fatale. „Fatale verwerfe ich. Also sagen wrr für furchtbar schöne „ternfiante". Falsch! Man sagt „terrikie". Ach, Das ist logisch, vielleicht sogar ein wenig zu logisch für eine Sprache, E ein Erzeugnis der ganzen Volksnatur ist, während eine Akademie sehr national, logisch, und, was Sie wollen, ist, aber nichts erzeugt; sie ordnet und bestimmt das Konventionelle. Und die Konvention hat zwei Jahrhunderte geherrscht, den Ruhm der modernen Franzosen gemacht und wird nur durch me Barbarei vernichtet werden (ich spreche nicht von Hugo)". Als die wörtliche Übersetzung aus Bayreuth ankam, bereitete sie der Französin eine große Enttäuschung, der sie auch Aus­druck gab. „Es scheint", schrieb ihr der Meister, „daß Sie beim Lesen dieser Seiten furchtbar gelitten haben. Glauben Sie nicht, daß man wörtlich übersetzt hat, man hat nur Aus­drücke gesucht, zum Sterben trockene, für naive Dinge, deren Sinn sogar in Frankreich, unbekannt ist: daher diese Unbehol- fenheit.) Das müßte natürlich, wie man wohl annehmen darf, ganz anders gemacht werden, um von den Franzosen als Dich­tung empfunden zu werden." Außer mit der Übersetzung des Parsifal wurde Mme. Gautier von Bayreuth auch noch mit anderen Aufträgen beschäftigt. Sie mußte Stoffe für die Einrichtung von Wahnfried auswählen und Wagner mit Parfüm versorgen, „denn", schrieb er, „wir leben in einer Einöde, die von jeder Annehmlichkeit entblößt ist." „Seien

w-v» t-iti+tit*«. (Vt.iyt.vty / t;ti[)t vv tu, lUUw

Menge der Badeessenzen anbetrifft. Die Badestube liegt un­ter meinem Arbeitszimmer, und ich habe es gern, wenn ich Düfte heraufsteigen fühle. Denken Sie deswegen nicht schlecht von mir; ich bin alt genug, um mir diese Kindereien erlauben zu können. Ich habe drei Jahre Parsifal vor mir, und nichts soll mich aus einem süßen Frieden schöpferischer Abgeschlossen­heit herausreißen." Ein andermal spricht er sein Mißfallen über einen gesandten Seidenstoff aus und fährt fort' „Parsifal schreitet rüstig vorwärts. Mit anderen Proben schicke ich Ihnen auch eine von meiner Musik." Eine große Rolle spsflt. m den Briefen der Name Parsifal. „Dieser Name ist arabisch , Merbt der Meister. „Die alten Troubadours haben ihn nicht mehr verstanden. Parsifal bedeutet Parsi (denken Sie an bte persischen Feueranbeter); fal heißt: ein­fältig, rn einem erhabenen Sinn, d. h. ein Mann ohne Bil- dung, aber mit Genie. Sie verstehen, warum dieser naive Menich diesen arabischen Namen trug." Die Übersetzerin wendet sich darauf an die namhaftesten Orientalisten, aber keiner kennt dieses arabische Wort „fal". Wagner beruft sich auf Gvrre-,, bei dem er diese Etymologie gefunden, und bittet, werter zu suchen. Nach weiteren vergeblichen Forschun­gen enthüllt er aber, daß der arabische Dialekt seine Er- findung wäre. „Ich wollte dieses Wort irgend einem Teufel auflaüen, weil es mir in den Kram paßt. Im übrigen küm­mert mich das nichts; ich lache über die wirkliche Bedeutung der arabischen Worte, und ich denke, daß es in meinem Zu- kunftspublikum nicht allzu viele Orientalisten geben wird." Von Akt zu Akt erhält so die Übersetzerin den rasch entstehen­den Parsifal, und auch sie hält mit ihrer Arbeit gleichen Schritt. Als sie die Vollendung Wagner mitteilt, antwortet er: „Gebe Gott, daß endlich diese Übersetzungsklagen um den armen Parsifal vorbei sind. Glauben Sie mir, all das ist gar nicht so viel Mühe wert."