Verlag Langgaffe 21
„Lagblatt-Haus".
5chalter-HaÜe geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends
wöchentlich
Sczuas.Preis sur beide Ausgaben: 70 Psg. monailich, W. 2— vl-rtell-hrkch durch den Verlag Langgasie 21 ohne Bringerlohn. M. 3 vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld. - Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgezen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bls- warckrmg SS. sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten nnd im Rheingau die betreffenden Tagdlatt-Träger,
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatt-Haus" Nr. 8650-58.
Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer EonntagS,
Anzeigen-Prcis für die Zeile: IS Pfg, für lokale Anzeigen im „Arbestsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzsorm; 20 Psg, in davon abweichender SatzauSsnhrnng, sowie für alle übrigen lokalen Anzeigen: 30 Psg, für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Wk. sur lokale Reklamen: 2 Mk, für auswärtige Reklamen, Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung, — Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Rabatt.
Esttagz^sür^dst Morg'-n-Ausg,^bis"s m>r^nachmittags^ Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf, Güntzelst r. 66, Fernspr.: Amt Uhland 450 u. 451. Tagen und Plätzen wird Mn- Gewähr ubemwmmen.
Mittwoch, 18. Februar 1914.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 81. » 62. Jahrgang.
Zum Zchutze der Jugend!
„ Der vom Bundesrat angenommene Gesetzentwurf über den Schutz der Jugend gegen sittliche Gefährdung durch Wort und Bild will, um die Kunstsammlungen Und die öffentlichen Standbilder nicht zu treffen, das verbot der „sittlich gefährdenden Zurschaustellung don Schriften, Bildern und Darstellungen" in die Gewerbeordnung einstellen. Man erinnere. sich des viel- urnstrittenen Schaufenster-Paragraphen der Lex Heinze, wie er seinerzeit vom Reichstag in dritter Lesung besitz angenommen war: „Mit Gefängnis usw. wird
bestraft, wer Schriften, Abbildungen oder Darstellun- 8en, die, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröb- uch verletzen, zu geschäftlichen Zwecken an öffentlichen «traßen, Plätzen oder an anderen Orten, die dem öffentlichen Verkehr dienen, in Ärgernis erregender ^Seife aus stellt oder anschlägt." Das war von Haufe aus keine Schutzvorschrift für die Jugend, sondern aus- Afprochenermaßen eine Vorschrift zur „Wahrung des öffentlichen Schamgefühls und des öffentlichen Anstandes"; damit konnte man sich nicht befreunden, und fs ist gut, daß jene Bestimmung nicht Gesetz geworden Der juristisch-technische Fortschritt ist
Ul der jetzigen neuen Gesetzesvorlage unverkennbar. Sie
operiert nicht mehr mit dem Begriffe der gröblichen Verletzung des Schamgefühls, der in unserem 8 184a StGB, immer noch soviel Kopfzerbrechen macht, sondern sie zielt gegen die sittliche Gefährdung der Jugend, und damit wird in der Rechtsprechung und in der Verwaltungstätigkeit der Polizei schon eher etwas anzu- fangen sein.
Die sittliche Gefahr, die durch das neue Gesetz, dessen Wortlaut dem Reichstag demnächst in der Bundesratsfassung zugehen soll, zu bekämpfen wäre, liegt xn der öffentlichen Zurschaustellung von Abbildungen und Büchern, dre durch vorsorgliche Vermeidung des absolut Obscönen das Gesetz zu umgehen suchen, aber trotzdem durchaus Schmutz sind und deren Vertrieb lediglich auf das Erwecken der erotischen Neugier berechnet ist Welche Berechtigung haben dre „Kleinen Witzblätter", „Sekt", „Satyr", Ä' «K dre Intimen Geschichten, Chaiselongue-Geschichten, Geheimnisvolle Bibliothek, Feine Havanna, Was nmn nicht laut erzählt, Feigenblatt, Liebesabenteuer, Airs dem Sunipfe der Großstadt usw. mit ihren unreife Gemüter aufreizenden Titeln und Titelbildern, J®eiut irgend etwas die Jugend vergiftet, so sind. es diese Bändchen, die 10 Pfennig, antiquarisch am Bücherwagen gar nur 3 bis 5 Pfennig kosten und die von den Kindern, Knaben und Mädchen, gelesen, verschlungen werden. Es besteht kein Zweifel, daß das neue Gesetz diesen Machwerken, die absolut n i ch t d i e g e r i n g st e E x r st e n z- berechtiqung haben, den Garaus bereitet. ^ Wer sollte sich für ihr Weiterbestehen einsetzen und was ^vermöchte man für ihr jämmerliches Dasein für Grunde anzuführen? Tragen diese Literaturerzeugnisse auch nur das Geringste zur Hebung des Geschmackes, der Bildung, der Erkenntnis bei?
Der Bundesrat scheint sich dieser Wirkung bereits bewußt zu sein. Denn in den offiziösen Vorankunm-
Michelangelo im Spiegel der Jahrhunderte.
Zu seinem 350. Todestag, 18. Februar, von Dr. Paul Landau.
Michelangelo ist heute mit Rembrandt der gefeiertste und berühmteste Meister der Kunstgeschichte. Mit keinem beschäftigt sich die Forschung so eingehend und in so enthusiastischer Weise wie mit ihm. Vier große biographische Werke, darunter die reife und tiefsinnige Altersarbeit des genialen Karl Justi und das sechsbändige Standard-Work von Henry Thode, sind ihm im letzten Jahrzehnt gewidmet worden; eine prachtvolle kostbare Ausgabe seiner Handzeichnungen legte den Schlüssel zu den Rätseln seiner Kunst in viele Hände, und eine ganze Michelangelo-Philologie ist entstanden, die jedes Detail 'Nr Leben des Einzigen aufzudecken unternimmt. Diese Verherrlichung die den großen Florentiner über alle anderen Genies erhöht und bei der 850. Wiederkehr seines Todestags >n vollster Blüte steht, ist verhältnismäßig jungen Ursprungs. Sie beginnt mit der Feier seines 400. Geburtstags im Jahre 1875, als endlich seine Briefe und andere Dokumente seines Lebens hervortraten und ein genaues Studium seinen Per- sbvlichk'it erst ermöglichten, uno steigert sich, als in der Modernen Kunst ein Nachfahr des Meisters, Rodin, seine Triumphe feiert und die Heroenverehrung Nietzsches m "tragischen Übermenschen" wie Beethoven und Michelangelo bas höchste Wunder des Genies erblickt. Vorher hatte jedoch auch dxx arater der modernen Kunst", wie ihn Delacroix gebannt hat den Wankelmut des allgemeinen Urteils und die ^echselfälle des Ruhms reichlich erfahren müssen.
Michelangelo blieb es freilich erspart, bei Lebzeiten so bekannt zu werden wie sein holländischer Geistesbruder. Der Kroße Sinn der Renaissance, deren stolzer Ausdruck er war,
gungen, von denen wir in der Dienstag-Abendausgabe Notiz nahmen, wird als natürliche Folge des Verbots der Zurschaustellung von anstößigen Druckschriften, Abbildungen und Darstellungen vorausgesagt: eine Verminderung der Kauf- und Schaulust der Jugend und damit ein Rückgang in der Herstellung, im Vertrieb und in der sonstigen Darbietung, so daß die Erwartung gerechtfertigt erscheine, daß die Vorlage auch in der vorgesehenen Beschränkung jedoch im Verein mit strenger Überwachung des Hausierhandels, der Ortskolportage und des Straßenhandels, wofür ein entsprechendes Verbot nach 8 66 Nr. 2 und 8 42a der Reichsgewerbeordnung besteht — zu dem gewollten Ziele, dem Schutze der Jugend vor literarischem und bildnerischem Schund, führt. Der Kamps, der mit dem neuen Gesetz gegen den Schmutz in Wort und Bild geführt werden soll, wird sicherlich Bundesgenossen in allen Lagern der Weltanschauung, der Kunst und der Politik finden, wenn es dem Reichstag gelingt, den Gesetzestext so, ab- zusassen, daß der Protest und das Mißtrauen der Künstlerwelt fernbleibt. Worauf es ankommt hat einer unserer größten Künstler, der greise Karlsruher Maler Hans T h o m a, einmal in einem Briefe an den Münchener Staaatsanwalt vr. Ludwig Kemmer sehr fein dargelegt: „Möge einer die Naturkraft, welcher der Mensch willenlos unterworfen ist, heilig oder lüstern oder gemein betrachten oder nennen, er hat die Verpflichtung, dies Allerpersönlichste oder vielleicht richtiger dies Allergemeinschaftlichste als sein Geheimnis zu bewahren; jeder anständige Mensch tut dies auch. Deshalb ist zynische Veröffentlichung erotischer Vorkommnisse in Wort und Bild nicht existenzberechtigt, und wo sie in unserer Zeit so leicht durch Photographie herzu- stellen und zu verbreiten ist und dadurch ohne jeden künstlerischen Wert in die Hände unserer Jugend gelangt, als volksverderbend. zu bekämpfen." Die anonymen Urheber und Verbreiter der Schundbilder und Schundliteratur mit erotischer Färbung zu Schundpreisen sind weder Künstler noch Schriftsteller, sondern Spekulanten auf die niedrigsten Instinkte der Menschen Wenn der Gesetzgeber diesem Schmutze endlich einmal das Handwerk legt, ohne die Kunst zu stören, hat er eines der wichtigsten sittlichen Probleme unserer Zeit gelöst. ^_.
Oie deutsch-nationale Bedeutung der Missionsarbeit.
Von Missionsinspektor Witte, Berlin.
Die höchsten Aufgaben der Missionsarbeit sind religiöse: es gilt, den fremden Völkern aus ihren Nöten herauszuhelfen durch die Segnungen des Christentums. Auch die großen Völker Ostasiens, China und Japan, erkennen heute den großen Segen der Missionsarbeit offen an, ihre Regierungen sehen die Arbeit der Mission gern. Die deutsch-evangelischen Missionsgesellschaften haben Missionare in vielen Ländern der Erde und bieten viel Gutes zur Hebung der nichtchristlichen Völker.
Die deutschen Missionare bleiben natürlich auch in der Ferne sich ihres Deutschtums bewußt und sind Pioniere
verlieh feinest besten Söhnen fast gotfstche Ehren. Wenn 1 Aretino von ihm schrieb: „Er ist der Fürst der Bildhauerei und Malerei. Die Welt hat viele Könige, aber nur einen Michelangelo. Es ist ein Geschenk, in seinen Tagen geboren zu sein", so drückte er, trotzdem es ein Schmeichel- und Bettelbrief war, nur die Anschauung seiner Zeit machtvoll aus. Cellini nannte sein Werk „die Schule der Welt", und wirklich wurde die ganze Kunst nach ihm in seinen Bann gezogen. Nie vorher und nachher ist ein einzelner Künstler so zum „Schicksal der späteren Zeit" geworden. Der Barockstil ist sein Werk, und in der Wertung der Nachwelt hat er dann für seine Schule büßen müssen, indem man ihn für alle ihre Entartungen verantwortlich machte. Die Zeitgenossen gaben dem Meister den seltenen Beinamen „Michelangelo der Große"; noch häufiger aber begegnen wir einem anderen Epitheton: „il tevrihile", das ihm zuerst Papst Leo X. 1520 beigelegt hat. Wir dürfen dies Wort, das man seit Vasari und Lommazzo immer wieder auf die Kunst Michelangelos angewandt hat, nicht etwa mit „schrecklich übersetzen. Es ist viel eher ein Ausdruck der Bewunderung und soll den ungeheuren, überwältigenden, dämonisch grandiosen Eindruck seiner Werke bezeichnen. Doch lag in dieser „Terribilita" immerhin ein Keim des Tadels, der sich zu den merkwürdigsten Verdächtigungen des Künstlers entwickeln sollte. Ruhte bas Auge eines kongenialen Geistes auf den Gestalten der Medicikapelle, dann konnten so herrliche Gedichte entstehen, wie Milions „Allegro" und „Pensieroso . Der gewöhnliche Reisende aber erzählte die tollsten Geschichten von dem Schöpfer dieser fremdartig gewaltigen, ganz unirdisch anmutenden Figuren. Der Reisende Joh. G. Kehßler, der um 1740 die Sehenswürdigkeiten Italiens dem gebildeten Publikum schilderte, und dessen Geschmacksurteil für die Zeit bezeichnend ist, erzählt von Michelangelo, der „durch die Peterskuppel am berühmtesten" und „dem großen Raphael keines-
des Deutschtums schon durch ihr bloßes Dortsein. Man fragt sie nach ihrer Heimat, sie rühmen sie. Sie haben in ihren Häusern deutsche Kaufmannsware, eine Nähmaschine, ein Fahrrad, Kochgeschirre und andere Dinge. So lernen die fremden Völker deutsche Waren und deutsche Firmen kennen und sie bestellen sich dann oft genug auch Waren von diesen deutschen Firmen. Gern vermittelt der Missionar die Bestellung.
Aber er tut noch mehr als das. Unter den fremden Völkern herrscht heute ein großes Verlangen nach Bildung, nach europäischem Wissen. Schulen sind sehr begehrt, auch Unterrichtskurse für Erwachsene. Besonders in China und Japan ist das Verlangen sehr stark. Die Mission kommt diesem Verlangen gern entgegen. So unterhält der Allgemeine evangelisch-protestantische Missionsverein in Tsingtau große höhere Lehranstalten für chinesische Knaben und Mädchen. In Japan hat er seit 30 Jahren Abendschulen in Tokio und Kioto, in denen zahlreiche Professoren, Ingenieure, Ärzte, Lehrer und Studenten die deutsche Sprache lernen. Die Mission hat von diesen Schulen auch für ihre religiösen Aufgaben Gewinn. Denn sie kommt dadurch mit vielen Menschen in freundschaftlichen Verkehr und kann ihnen dann auch das Christentum nahe bringen.
Alle diese Glieder der fremden Völker, die durch die Mission die deutsche Sprache kennen gelernt haben, lesen natürlich gern weiter deutsche Bücher, gewinnen Hochachtung vor Deutschland, werden Freunde Deutschlands und fühlen, wenn sie nach Deutschland kommen und unsere Sprache kennen, sich auch bei uns wohl. Viele Japaner und mehr und mehr auch Chinesen kommen in unserer Zeit nach Deutschland, aber viele von ihnen können, wenn sie in Deutschland ankommen, nicht ein einziges Wort Deutsch. Da können sie natürlich bei uns nicht viel lernen, sie fühlen sich unbehaglich, und oft reisen sie dann nach kurzer Zeit weiter'nach England. Denn Englisch verstehen und sprechen sie. Denn die englische Sprache wird auf der ganzen Welt gelehrt, gelernt und gesprochen. Genau wie die deutschen Missionare die deutsche Sprache, verbreiten die englischen und amerikanischen Missionare die englische Sprache. Und da ss viel mehr englische und amerikanische Missionare gibt als deutsche, so wird die englische Sprache eben viel weiter bekannt. In China arbeiten z. B. rund 5000 englische und amerikanische Missionare und nur 234 deutsche. In den Schulen der elfteren werden rund 100 000 chinesische Schüler unterrichtet, in den deutschen Missionsschulen nur 5000. Die angesehenen und reichen Kreise Englands und Amerikas haben die hohe Bedeutung der Mission für die Ausbreitung ihrer Sprache und Kultur längst erkannt und unterstützen ihre Missionsgesellschaften mit reichen Geldmitteln. Die deutsche Mission würde gern mehr Schulen gründen und noch mehr für das Deutschtum tun, aber ihr fehlen die Mittel dazu. Es ist höchste Zeit, daß auch in Deutschland die weiten großen Volkskreise erkennen, welche hohe Bedeutung die deutsche Mission in den fernen Ländern für die Verbreitung des Deutschtums hat. Es ist hohe Zeit, daß man der deutschen Mission größere Mittel spendet, damit sie ihre großen Ausgaben großzügig und wirkungsvoll erfüllen kann.
Die bisherigen Leistungen der deutschen Mission für das Deutschtum rechtfertigen diese Bitte durchaus. In unseren afrikanischen Kolonien ist die weitaus überwiegende Anzahl der bestehenden Schulen Missionsschulen. In Kiautschou gab es bis vor drei Jahren nur eine höhere Lehranstalt für chinesische Knaben, das war das noch heute blühende deutsch
wegs an die Seite zu setzen" sei, er habe, „um den gekreuzigten Christus desto besser auszudrücken, einen armen Kerl mit großer Unbarmherzigkeit gekreuzigt» und in solcher Marter, nachdem er ihm etliche Schläge an den Kopf gegeben/sterben lassen". So war dieser Geist voll edelster Menschlichkeit, an den sich freilich schon zu seinen Lebzeiten die Verleumdung heftete, in der allgemeinen Vorstellung zum grausamen Verbrecher herabgesunken, und in seiner Kunst sah man „etwas Wüstes und Wildes, so dem schlechten Geschmack sehr Vorschub geleistet".
Das verzierlichte, der Natur entfremdete und nur die elegante Grazie liebende Empfinden des Rokoko war der urtümlichen Höhenkunst des Meisters weltenfern. Das zeigen die Urteile der maßgebenden Ästhetiker und Künstler. Die französische Enchclopädie findet sehr viele Fehler in seiner Zeichnung und Unwahrheit in seinen Formen; der Bildhauer Falconnet nennt ihn eintönig und geschmacklos; wenn man ein Werk von ihm kenne, kenne man alle. Der Maler Raphael Mengs, der auch in seiner Kunst seinen Namensvetter über alles stellt, tadelt die Muskeln von Michelangelos Figuren wegen ihrer zu starken Spannung, sieht in den späteren Werken „nicht einwandfreie" Formen und „Abnormitäten". Hier ist es schon eine neue Anschauung von der Antike, die mit Staunen und Mißfallen einen Gegensatz zwilchen Michelangelo und dem Griechentum aufstellt. Wie er selbst die Alten als seine einzigen Lehrer, sich selbst als ihren „ewigen Schüler" betrachtete, so hatte man auch bis zch Mitte des 18. Jahrhunderts nichts Trennendes zwischen beiden gesehen. Nun entstand jener Glaube an die „edle Einfalt und stille Grütze" des Altertums, und da erschien Michelangelo „zu stürmisch, wild und feurig". Winckelwanns Abneigung gegen ihn, die auf lange hin nachgewirkt hat, ist aus diesem instinktiven Gefühl des Andersartigen zu erklären. Seine Wut über die „dunkle Barbarei" und die „unanständige Ge-
