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Verlag Langgafse S1 w?v 12 ftlJSCtClb<£1t.Tagb-ati-H-uL- Nr.ssso-sz.

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Verlag Langgaffe S1

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>^"ü?die'Morgeu'Äurg^Äs?U?nachmittag^ Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersd-rk. Güntzelstr. 68, «ernspr.: Amt Uhland 136 u. 451. Tage» und Plätzen wird kerne Bewahr uberu-i-omu

Montag, 16. Sehvuav 1914.

Der neue Nur§ in Rutzlanö«

Die geschäftigen Versicherungen von russischen Ossi- ziösen, daß es sich bei dem Rücktritt man darf außer­halb der Grenzen des Zarenreiches ruhig sagen bei dem Sturze Kokowzows und seiner provisorischen Er­setzung durch den 75jährigen Goremykin nur um eine Personalst,age handelt, sind selbstverständlich in keiner Weise ernst zu nehmen. Vielmehr erscheint cs für den Kenner der russischen Verhältnisse zweifellos, daß dieser Personalwechsel einen SYste m Wechsel bedeutet, und zwar darin liegt das Bedenkliche nicht nur auf dem Gebiete der i n n e r e n, sondern voraussichtlich auch auf dem der äußeren Politik. Wenn dieser Systemwechsel zunächst . als einigermaßen undurch­sichtig erscheint, so liegt das daran, daß man bisher nicht leicht von einem System Kokowzow sprechen konnte, denn das Programm des gestürzten Minister­präsidenten war das der Programmlosigkeit, und seine Taktik bestand darin, allen den zahlreichen Einflüssen, die auf ihn ausgeübt wurden, so weit nachzugeben, als ihm zur Erhaltung seiner Stellung notwendig schien. Auch den Einflüssen derecht, russischen Leute", der reaktionären Hospartei, gab er mit diplomatischer Bieg­samkeit, wenn auch widerstrebend und hemmend nach, zu weit, um sich die Srnpathien der fortgeschritteneren Elemente zu sichern, und nicht weit genug, um die reak-

tionär-panslawistische Partei zu versöhnen

^n dieser Beziehung wird der neue Ministerpräsi­dent Goremykin erheblich entschiedener nach rechts em- schwenken. Als Minister des Innern schwamm er nn ^sahre 1893 bis 1899 durchaus im Fahrwasser der echt russischen Leute, aber als er 1966 zur Zeit der ersten Duma Ministerpräsident wurde, war er zum Schluß der altrussischen Panslawistenpartei, doch nicht mehr reaktionär'genug oder wenigstens nicht energisch genug in der Vertretung der Reaktion, so daß er dem jünge­ren- Stolypin Platz machen muße. Schon daraus geht, hervor, daß, wenn er jetzt Kokowzows Nachfolger wurde, es sich dabei nur um die Rolle des Platzhalters handeln kann. Man weiß ,daß der Zar zuerst den Staatssekretär K r r w o 1 ch e r n, den Chef der Acker­bauverwaltung. der auch der Ver asser des Zaren- reikriptes an den neuen Fmanzrmmster Bark ist, aL Ministerpräsidenten in Aussicht genommen hatte, eme Absicht die nur an der Erkrankung und der dadurch be­dingten längeren Auslandsreise Kriwoscheins scheiterte. Sollte sich sein Gesundheitszustand bessern, so wird man in ihm den, kommenden Mann sehen müssen, wahrend Gras Witte, mag er sich auch selbst als Retter nn $tTttct( 3 tutTÖc galten iDoItcn, schwerlich ^och Nussich-

Der Name Kriwoschein würde jedenfalls ein Pro gramm bedeuten, denn er, der intime Gegner Kokow­zows ist der erklärte Liebling der ä u ß e r st e n R e ch- t e n ' der Nationalisten und Panslawisten, und deren Einfluß dürfte sich auf alle Fälle schon jetzt unter -<ct Platzhalterschaft Goremykins erheblich verstärken. Wenn

5 lbend- 5 lusgabe.

nicht einmal Kokowzow sich mit dieser doch gewiß z a h m e n Duma abzufinden verstand, auf welche par­lamentarischen Kämpfe und neuen Vorstöße gegen die noch in Kraft befindlichen schwachen Ü b e r r e st e der Oktober-Verfassung wird man sich da jetzt erst gefaßt machen müssen. Und wenn das auch innere Sorgen des Zarenreiches sind, so sind sie doch von der äußeren Politik nicht ganz zu trennen.

Daß die Panslawisten, die einen neuen scharfen Kurs in der inneren wie in der äußeren Politik for­dern, bereits Morgenluft wittern, hat der Verlauf der unter denk Vorsitz des Professors Tschubinski abgehaltenen Versammlung von Reichs­räten, Abgeordneten und Professoren gezeigt, die be­merkenswerterweise im Hinblick auf die bevorstehen­den Handclsvertragsverhandlungen unt D e u°t s ch l a n dsofort eine Änderung des Kurses" forderte,damit man Rußland außerhalb seiner Grenzen wieder achten lernt". Also eine schärfere Tonart auch in der äußeren Politik, und über eine solche Wandlung könnte jedenfalls dann kein Zwei­fel bestehen, wenn sich die einstweilen freilich bestrittene Nachricht bestätigen sollte, daß die Umwälzungen im russischen Kabinett ihre Fortsetzung im Rücktritt des Ministers des Auswärtigen S s a s o n o w finden wer­den, natürlichaus Gesundheitsrücksichten".

Die auswärtige Politik des Zarenreiches hat sich rn der letzten Zeit durch eine bemerkenswerte Nervosität ausgezeichnet, deren Ursache _ Wohl in der chronischen Erfolglosigkeit seit dem Kriege mit Japan bis in die neueste Zeit man denke nur an den unter russischer Ägide verkrachten Balkanbund zu suchen ist. Jene Nervosität hat die neuerdings be­triebene Prestigepolitik verursacht, wie sie in den Be­strebungen einer Wiedergeburt des Balkanbundes, in der Nadelstichtaktik gegenüber der deutschen M ilsi t ä r- Mission in der Türkei und nicht zuletzt in den gegen Schweden gerichteten Rüstungen hervorgetreten ist, die dort zu einer so ernsten Regierungskrisis geführt haben. Daß diese P r e st i g e p o l i t i k durch den Ka-br- nettKwechscl in Rußland eine Verstärkung erfahrt, ist außer Zweifel, und die Diplomatie der anderen Staaten nicht in letzter Reihe Deutschlands, hat alle Ursache,' diese Umwälzungen im Zarenreiche mit Auf- merksamkeit zu verfolgen ltrtb ernstlich zu Prüfen, ab nicht dadurch ein Faktor ihrer bisherigen Rechnung unter Umständen eine wesentlich andere Bewertung erfahren wird. *

Der Bortrag des Generals Druchinin.

>vb Petersburg, 16. Febr. In einer Versammlung .von Reichsräten. Abgeordneten und Professoren wurde nach einem Vortrag des Generals Druck,rnin über Rußlands Krieasbereitlchaft eme bemerkens­werte Resolution ' zu den bevorstehenden Handels­vertragsverhandlungen Mit Deutschland

angenommen, die dem neuen Premier überreicht werden ' wird. In der Resplution heißt es: Die demonstrative

Hr. 73. » 62. Jahrgang.

Nachgiebigkeit und an Unfähigkeit grenzende Schwächr der russischen Diplomatie in einer ganzen Reihe von Fragen über Albanien.. Silistria, Skutari, Turtukar, Baltschik, Adrianopel, wie der Mission Lim an von Sand e r s, läßt sich weder durch die innere Lage Riiw lands noch durch die unvollständige Kriegsbereitschaft der russischen Armee rechtfertigen. Eine Fortsetzung der Politik muß unfehlbar zum Verfall jeden Prestiges Rußlands in Europa unb Asien führen und das An­sehen der Triple-Entente schädigen. Diese Politik untergräbt Rußlands Handel und wird zum Abschluß eines ungünstigen russischen Handelsvertrages führen. Es ist deshalb'sofort eine Änderung des Kursus und ein Ausgleich mit den vernünftigen Forderungen der öffentlichen Meinung vorzunehmen, damit man Ruß­land außerhalb seiner Grenzen wieder achten lernt,

Goremykin beim Zaren.

wb. Zarskojc Sselo, 15. Febr. Ministerpräsident Goremykin ist heute vom Kaiser in Audienz empfangen

worden. . .

Tenrission im Finanzministerium.

wb. Petersburg, 15. Febr, Die Demissionen itn Kabinett werden immer zahlreicher. Gestern demissio­nierten die Gehilfen des F i n a n z m r n i st e r s Poksowski, Peter, Kowizki, ebenso der Verwalter der Reichsbank Komschin. . .

Die Krise scheint auch auf das Handels m t n t st e- r t u m überzugreifen. Minister T i m a s ch e w will zurücktreten, weil in der Frage einer Naphthakonzession sein gegen die Einflüsse Außenstehender gerichteter Standpunkt nicht durchdring.

Die Nrisi§ in ZchWeöen.

Das neue Ministerium.

* Stockholm, 16. Febr. Es verlaute!, daß es H a m - marskjöld gelungen ist, ein Ministerium zustande zu bringen. Die Liste wird er 'heute dem König vorlegen. Schon zweimal vorher war Hammarskjöld Minister: 1901 bis 1902 gehörte er zum Ministerium von Otters und in dem bedeutungsvollen Jahre 19Q5 zu Lundenbergs Ministerium. Er war einer von den vier Unter-Händlern Schwedens im Ausgleich mit Norwegen. Im Jahr danach war er schwedischer Gesandter in Kopenhagen und wurde 1907 Regierungspräsident in Upsala. Seit 1904 ist er Mitglied des internationalen Schiedsgerichts im Haag, er ist Vorsitzender in der Kommission Schwedens für den neuen Handelsvertrag zwischen Schweden und Deutsch­land, er war Präsident des Schiedsgerichts zwischen Deutsch­land und Frankreich in der kritischen Sache von Casablanca.

Der Bürgermeister von Stockholm fordert die Absetzung des Königs!

* Stockholm, 15. Fe-br. Hier ist gestern die erste Nummer

der neuen ZeitungDie Republik" erschienen. Zu ihren Mitarbeitern gehören der Stockholmer Bürgermeister und der sozialdemokratische Abgeordnete der Zweiten Kammer Lindhagen. Der Leitartikel trägt die Überschrift:Kem

Ernst Haeckel.

Zu seinem 80. Geburtstag, 16. Februar.

Von Dt. Julius Schaxel,

Privatdozenten an der Universität Jena.

Ernst Haeckels Name gehört zu den volkstümlichsten unserer Zeit. Wer in aller Munde ist, über dessen Beurtei­lung aeben viele Meinungen um.

Vtf Haeckel zum ersten Male an die breitere .Offen.' )- feit tritt tut er es als Angreifer. Auf der Naturforschers - sammlung zu Stettin, 1868. bricht er durch sein Eintreten sur die Entwicklungslehre Darwins mit den damaligen ^raoi tionen seiner Wissenschaft. Von nun an steht er immer an erster Stelle in den Kämpfen um die Lehre, die durch >hn er, reckte Wucht und kühne Anwendung auf alle Fragen

die den Menschen in Verstand und Gemüt bewegen. S s

nM pv wieder vor, um neue Gebiete zu erobern und eroverre,

abwesend zu verteidigen. Er selbst führt eine scharfe Klinge

Man folgt ihm zögernd oder stürmisch, und er hat offene und

vcrstuktc Gegne^ Morphologie von 1866 ist die Grundseste, die m sich für alle Zeiten schafft. Hier legt er alles nieder, was m forschen und zu lehren sein wird, wie und zu welchem Zwecke ^ geschehen soll. Die an Darwins Theorie Haeckel ausgeaanaene Erkenntnis, datz wir jedes Ding dann «m besten verstehen wenn wir es in seinem Herkommen und Werden durcklckauen wird an den organischen Formen erprobt, sprengt aber sogleich den beschränkten Bereich der FackwisM- ckast um allgemeinste Anwendung zu finden. Das Zauber- wort Entwicklung" soll alle Rätsel der Welt und des Lebens

§£ ' Sri Schöpfungsgeschichte, 1868, und dre

Anth'rovoaenie (Entwicklungsgeschichte des Menschen), 18/4 fL S bie et auf diesem Gebiete ins Rollen bringt und die^Lawinen nach sich ziehen. Die Reden in München, 1877, .Über die heutige Entwicklungslehre im Verhältnis z-rr Ge. samtwifsenschaft" und in Altenburg. 1892. über denMonis­

mus als Band zwischen der Religion und Wissenschaft" sind große Schlachten, die Haeckel für seine Lehren liefert. Mn den ..Welträtseln", 1899, entfachte er den Brand aufs neue, der für und gegen ihn bis heute immer^wieder hell auslodert. 1908 spricht er noch einmal selbst rn Berun. DreLebens- Wunder" folgen denWelträtfem außer kleineren Schriften und den vielen Neuauflagen der alteren Werke.

Wer Haeckel nur nach den allgemeinen Sckriften und Reden dieses halben Jahrhunderts des Kampfes beurteilt, er­hält kaum ein treffendes Bild von seinem Wesen. Die große Kühniheit, mir der er die Probleme angreift und meist m einem Zuge alle Schwierigkeiten zu überwinden sucht, findet nicht leicht das rechte Verständnis. Die Freude an der Klar- heit des Schemas wird für Dogmatismus geholten und der wiederholte und nachdrückliche Hinweis aus das für wahr Er-

achtete fanatisch genannt.

Einen andern Eindruck gewinnt schon der, welcher Haeckels Tätigkeit als Naturforscher nachgeht. So wenig sein Leben bei der bewegten öffentlichen Tätigkeit das eines stillen Ge­lehrten zu sein scheint, hat er doch eme Arbeit von ungewohn. lichem Umfang geleistet. Seine Untersuchungen über d,e ein­zelligen .Tiere! besonders die Radwlauen, und über den Bau und die Entwicklung der Schwamme und der Medusen,^ ferne Studien über die Lebewelt des Meeres. ,e,ne Analyse der Abstammungsverhältnisse im ganzen Organismenrerche setzen Kenntnisse von Objekten und Literatur voraus, wre sie die Geschichte der Biologie wohl zum letztenmal in einer Person vereinigt sieht. Das Untersuchungsmaterial sammelt Haeckel meist selbst auf weiten Reisen, und mit einfachen Arbeits­mitteln weiß er sich zu behelfen. Zu solcher Leistung gehört nicht nur eine nimmermüde Kraft und glückliche Veranlagung, nicht nur Fleiß und Ausdauer, sondern auch Liebe und Gute, die bei der forschenden Untersuchung der einzelnen Sache hinaeben'de Anteilnahme widmet. So enthalten Haeckels fach- wissenschaftliche Werke kaum trockene Beschreibungen und langweilige Auszählungen, sondern überall kommt der Natur­freund und der warmherzige Künstler zu Worte. Wo andere

nur Repräsentanten eines klassisikatorischen Systems, tote Museumsstücke, sehen, da offenbart sich ihm Schönheit in Form und Farbe. Aus den Zeilen, die Artmerkmale auf- zählen, leuchten dunkle Korallenriffe, ferne Küsten, schimmert das unendliche Meer und spricht ein Mensch.

Haeckels machtvolle Persönlichkeit entfaltet ihre nach­haltigste Wirkung dem, der ihn durch längere Zeit als Univer­sitätsdozent lehren sieht. Auch wo sich keine engeren Be­ziehungen anbahnen, wirkt das Beispiel des ganz von seiner Sache erfüllten Mannes vorbildlich. Haeckel trägt nicht ein­fach eine Summe erprobten Wissenstoffes vor, die man au? Büchern mindestens ebenso bequem haben könnte, sondern er lehrt seine tiefste Merzeugung.- Es ist zu merken: hier gibt einer sein Heiligstes, giöi sich selbst. Mehr fast, wie er lehrt, als was er lehrt, bedingt den tiefen Eindruck aus alle, die ihm empfänglich entgegenkommen.

Nicht rednerische Künste oder blendende Demonstrationen fesseln den Schüler. Einfache, meist selbst angesertigte Prä­parate und selbst gezeichnete oder nach eigenen Entwürfen her­

gestellte Wandtafeln werden durch rasch hingeworsene skizzen erläutert und in schlichter Sprechweise bie den Stoff beherrschenden Ideen vorgetragen. Was auch immer der^ Gegenstand der Vorlesung oder der Demonstration sein sinaax Haeckel spricht im Geiste seiner auS der genetischen Betrach­tungsweise der Lebewesen stammenden Philosophie, die er auf alle Erscheinungen der Natur und unseres Lebens Wenn er dazu kommt, daß ein Gebäude van Gedanken m « schließende Krönung erhält, zittert die hohe Stimme ' °

haltener Erregung, die Augen strahlen, und von dem r U geht ein Leuchten aus.

Besondere Sorgfalt wendet Haeckel den Schülern zu, dw mit der ausgesprochenen Absicht zu ihm g ' '«5 J e Wissenickaft zu widmen. Die liebevolle Anleitung und dre Fürsorge sogar in bezug auf Die Dinge des -Slichen Lebens gestaltet das Vevhältms zwischen Schul» und Lehrer^ bald berzlick. Im Laboratorrum wie um prrbaten Geipräch blerbl Haeckel immer derselbe ruhrge und heitere Beantworter aller