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Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entiprechender Raoatt.

Berliner Redaktion des Wiesbadener T-sblaM: Berlin-Wilmersdorf

Samstag, 14. Februar 1914.

.... . ... Für die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebeneu

f, Güntzelstr. 66, Fernspr.: Amt Uhland 450 u. 451. Tagen und Plätzen wird keine Gewähr üo-rnommen.

Kbend-Kusgabe.

Der wettbeWerb auf öem süöamerikamschen Markt.

. Von Nr. Paul Rohrbach.

Wer als Deutscher die wichtigeren Wirtschaftsländer Südamerikas besucht und sich über die dortigen Han- delsverhältnisse zu unterrichten beinübt ist, wird zu­nächst den Eindruck haben, als ob Deutschland eine her- vorragende Stellung einnimmt, namentlich in Ehrte, Bolivia, Peru, aber auch in Argentinien und den nbrr- gen Ländern spanischer Zunge. Dieser Eindruck rührt daher, daß an vielen Plätzen die deutsche Kolonie be­sonders zahlreich ist, deutsche Kausleute sich nicht nur in den großen Hafenstädten, sondern auch überall im Innern des Landes niedergelassen haben rrnd deutsche Geschäftsreisende mit Eifer und Erfolg selbst die klern- sten Städte aufsuchen. Hierbei sehen wir zunächst von den umfassenden deutschen Siedelungen tut Süden von Brasilien und in Süd-Chile ab. Diese Deutschen gehören in politischer Beziehung nicht mehr zum Mutterlandc, sondern sind Angehörige ihren neuen Heimat geworden. Geistig und wirtschaftlich bestehen gewisse Zusammenhänge mit Deutschland, aber nament­lich in letzterer Hinsicht sind sie geringer, als man den­ken sollte. Politisch spielen die brasilianischen und chilenischen Deutschen fast gar kerne Rolle. Sie bilden einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor innerhalb der Länder, wo sie sich niedergelassen haben, aber meistens sind es kleine Leute ohne höhere Interessen, und sie werden von den Südamerikanern, unter denen sie leben, gleichzeitig als Kulturmaterial ausgebeutet und mit unfreundlichem Mißtrauen über die Achsel angesehen.

Wer in Valparaiso oder Santiago, den beiden größ­ten Städten Chiles, durch die Hauptgeschäftsstraße geht, der liest überwiegend deutsche und englische Namen aus den Firmenschildern. In Valparaiso, dem wichtigstes Hafen an der ganzen Westküste von Südamerika, ge- hören die spanisch lautenden Geschäftsnamen förmlich zu den Ausnahmen. An beiden Platzen ist dw deutsche Kolonie se etwa 5000 Kopfe stark, starker als irgend ” ”nkt C Sen*», mit IjiÄ « »" ® päischen Spanier, die aber meistens untergeordnete Stellungen bis herab zum gewöhnlichen HaMv^er einnehnren. Dasselbe. Bild, nur m kleinerem Maßstabe, wiederholt sich in La Paz, in Lima und an anderen nördlichen Plätzen. Buenos-Aire» als Weltstadt hat m

'rstn sich der KmrdelsstMtik zu. so isi das Bild schon ziemlich anders. In Chile geht dre Halste der Ausfuhr nach England , und zwei Fünftel der Ein­fuhr kommen von dort: Deutschland ist mit emem

Viertel und einem Fünftel beteiligt. In Peru war da^ Verhältnis, soweit die letzten veröffentlichten Statistiken reicken für Deutlchland noch ungünstiger; m letzter pe't wird es von den ansässigen deutschen .Kaufleuten günstiger beurteilt. In Agentinien rangiert Deutsch­land in der Einfuhr mit einen: Siebentel, England stark mit einem Drittel; das Verhältnis der Ausfuhr- stffern ist schwer feststellbar, überall hat man das RNd daß die äußerlich hervortretende zahlenmäßige ^telluna des Deutschtums dem Anteil des deutschen

. Handel/nicht recht entspricht. Auch in Brasilien steht Deutschland handelspolitisch hinter England und Ame­rika zurück' aber dort macht sich das deutsche Element, oon bestimmten Plätzen abgesehen, auch äußerlich weni­ger geltend In allen südamerikanischen Staaten stst

wirtschaftliche Einfluß Amerikas im Vordrin- aen- der Englands ist von altersher bedeutend und ge- seMat Frankreich steht hinter Deutschland, aber erstens ist es immerhin merkwürdig, wie verhaltms- m L; a bedeutend sein Handel, namentlich sein Einfuhr-

LndL nach Südamerika ist und zweitens ist ferne SNllnna tut geistigen und allgemeinen kulturellen Leben der südamerikanischen Völker von unvergleich-

lichen Bedeutung^^t^schieü zunächst zwischen Deutsch­land Ena and' und den Vereinigten Staaten als Wett­bewerber nerhalb der südamerikanischen Welt ist der, daü Enaland und die Union Nicht nur mit ihrem Nndkl sonTrn vor allen Dingen mit bedeutenden Kav/tal sau lagen in dem Erdteil festsitzen, Deutschland aber hauptsächlich auf den gewöhnlichen Wandel Ervort und Import, angewiesen ist. Fast das araentinstche Eisenbahnsvstem ist mit englischem Ä 2? ? wird von London ans verwaltet; Äs?Beriön chkeiUn in leitender und viele in mittlerer f bÄbUer Stellung sind Engländer. In Peru wielt das Amerikanische Kapital neben dem englischen Eisenbahnwesen, sondern auch in den Bergwerken die herrschende Rolle. Dadurch kommt es, dast nicht mw der allgemeine Einfluß Englands und

Amerikas- bedeutend ist, sondern auch, daß die Lieferun­

gen großen Stils, Eisenbahnbaumaterial, Maschinen aller Art für Bergwerks- und landwirtschaftliche Be- tirebe fast ausschließlich nach Amerika oder allenfalls England gehen. Die Amerikaner und Engländer sind im südamerikanischen Geschäft sicherer als wir, und ste sind außerdem in der Lage, durch ihre im Lande investierte Kapitals m a ch t stets einen gewissen Druck auf die -Regierung und die einheimische Handets- welt aüszuüben. Die deutschen Kausleute exportieren Landesprodukte und führen Jndustriewaren aller Art ein, aber sie können aus dem Geschäft hinausgedrängt werden, sobald ein anderer kommt,, der höhere Preise bieten oder billigere Preise berechnen kann. Darauf gehen jetzt die Amerikaner aus, denn die nordamerika­nischen Trusts sind in der Lage, dein ausländischen Konsum in den Bereinigten Staaten -hohe, Preise zu diktieren und dafür ihre Fabrikate billig ins A u s- land zu verschleudern. In Südamerika bekommt man überall Proben dieses Systeins zu sehen, für dessen Wirkung die großen amerikanischen Kapitalien tm Lande die Handhabe bieten.

Es ist ja etn-e' bekannte Tatsache, deren Grunde hier nicht weiter erörtert werden sollen, daß in Deutschland wenig Kapital zur Anlage im Ausland gefunden wer- den kann. In Bolivia gab es während der letzten Jahre eine deutsche Militärmission, die Vortreffliches geleistet hat. Daraufhin wollte die bolivianische Regierung tu Deutschland eine, übrigens nicht bedeutende, Anleihe aufnehmen, um ihr Eisenbahnnetz an das argentinische anzuschließen. Die Bemühungen waren vergeblich, Bolivia mußte sich nach Paris wenden. Dort bekam es das gewünschte Kapital, aber selbstverständlich ustt der Auflage, die deutsche M i l i t ä r m i s s i o n bald­möglichst abznbauen. In diesem Jahre sind nur noch zwei deutsche Offiziere, in La Poz; ..im nächsten wird wahrscheinlich niemand mehr dort sein.

Frankreich ist für die romanischen Völker Sud- amerikas in allen Kulturdingen das Ideal und das maßgebende Vorbild für den Geschmack. Wer die französischen Hcmdelsgifsern der letzten anderthalb Jahrzehnte untersucht, wird sich einigermaßen darüber wundern, daß Frankreich trotz seiner stillstehenden Be­völkerung und trotz der verhältnismäßig geringen Ini­tiative welche die private französische Geschäftswelt nach auswärts entfaltet, doch eine so große Zu­nahme seines Handels zu verzeichnen hat. Es kann mit Deutschland und England nicht Schritt halten, aber es kommt doch stark voran. Der Grund ist der, daß die Franzosen seit altersher tu der überseeischen Welt, vor allen Dingen bei den ihnen stammverwandten Mol­kern, als das Vorbild aller-höheren Kultur gelten, und mit dem Wachstum des Wohlstandes bet den Bewun­derern und kaufenden Kunden Frankreichs „steigt auch die Nachfrage nach den besonderen , französischen Er­zeugnissen. Frankreich exportiert viele ^uxuswaren, wie Seidenstoffe, Kleidung, Wasche, Möbel, sogenannte Pariser Artikel. Kunstgegenstande und dergleichen. Je mehr die Wohlhabenheit der überseeischen Lander sich vermehrt, desto sicherer vermehrt sim, auch, vermöge her dort herrschenden Bewunderung flir die französische Kultur, der Export Frankreichs. Daher rührt auch die verhältnismäßig bedeutende Stellung, dre der französi­sche Handelfln Südamerika emmm-mt.

Es mag nicht sehr erfreulich lein, sich die schwachen Seiten der eigenen Stellung und dre starke der Kon kurrenten auf diesem oder jenem Stuck , des Welt Marktes Vorhalten zu lassen, aber cs ist nützlich, wenn man sich über solche Dinge klar wird. Die Befriedi­gung über die äußerlich mM zahlenmäßig scheinbar bedeutende Stellung Deutschlands rn Siudamerika darf uns nicht darüber hinwegtäuschem . daß ber den Eng­ländern und Amerikanern, und Ww wir eben sahen, teilweise sogar bei den Franzosen, l uw er e re Grund­lagen für den Einfluß im wirt'chansvolitischen Leben Südamerikas vorhan den sind als oei uns. _

politische Übersicht.

Das neue Opernhaus.

0 Berlin, 13. Februar.

Der Kaiser unterhielt sich heute, (wie wir in der Morgenausgabe schon meldeten, schrrm.) während der Feuerwehrparade mit dem Oberbürgermeister Mermuth und dem Stadtverordnetenvorsteher wcichelet über den Hofflnannschen O V e r n h a u s V l a n, den er mit dem Bemerken lobte, daß er sich um andere Entwürfe n ich t kümmere. Er stu der Bauherr, er bezahle den Bau aus seiner Tasche, und deshalb brauch^ er andere Leute nicht nach ihren Ansichten zu fragen. So wenigstens be­richtet das „Tageblatt". Ob sich, der Kaiser aber auch w i rk l i ch so geäußert hat? Es tst hinlänglich bekannt, daß der S t a a t den g r ö ß t e n T e l I der Kosten a.uf- zubringen hat; sonst würde sich ict der Landtag nicht mit der Opernhausfrage beschäftigen müssen. Sicher

Nr. 76. - 62. Jahrgang.

aber ist, daß dem Kaiser die Pläne des Berliner Stadt­baurats gut gefallen, und dessen kann, man sich nur freue n. Hoffmann ist von einem Teil der Berliner Architektenschaft in sehr unschöner Weise angegriffen worden. Sachliche Ausstellungen sind selbstverständlich berechtigt, und Stadtüaurat Hoffmann selber weiß ge­nau, was seinen Plänen noch an Ausreifung und D n r ch b i l d u n g fehlt. Er wird gewiß noch viel ändern, aber ein anderer würde has nicht besser machen, und es wäre das Schlimmste, was geschehen könnte, wenn nach den Vorschlägen der Feinde und Neider Hofsmanns wohl gar ein neuer Wett­bewerb ausgeschrieben würde. Wie freundlich der Kaiser zu den Plänen steht, konnte man bereits mer­ken, als vor einigen Tagen in der Bud.g.et- k o m m i s s i o n des Abgeordnetenhauses der Minister d-er öffentlichen Bauten klug, gewandt und verbindlich nur die Zustimmung zu dem Entwürfe warb. Nachdem das Ministerium früher die Sache sozusagen iur eigenen Betriebe hatte inachen wollen (an den betreffenden Grubeschen Entwurf denkt man noch mit Beklemmung zurück), war die veränderte Stellungnahme eine Über­raschung, aber, wie man hinzufügen darf, eine ange- neh mc.

Der Gesundheitszustand der französischen Truppen.

Die Verhandlung in der Kammer, wb. Paris, 13. Febr. Die Kammer verhandelte über die Interpellationen, betreffend den Gesundheitszustand der Truppen im Osten. De. Lach and suchte an Hand des statistischen Materials nachzmveisen, daß nach Einführung des neuen Militärgesetzes st e t s bei der Armee Epidemien vorge- kommen seien, namentlich bei den Soldaten des ersten Jahr­gangs. Lachaud erinnerte daran, daß im Januar die Masern in 76 Garnisonen herrschten, besonders in Epinal, Nancy und Staie, und Scharlachfieber in 69 Garnisonen. An den Masern seien 31, am Scharlach sieb er 34, an der Genick­st a r r e 20 und an anderen Krankheiten auch eine Anzahl Soldaten gestorben; übrigens sei der Winter außergewöhnlich hart gewesen. Als Lachaud fortfuhr, unterbrach ihn der Sozia­list Rouanet durch Zwischenrufe, indem er dem früheren Kriegsminister E t i e n n e vorwarf, er sei für den gegenwär­tigen Zustand verantwortlich. Heftig erwidernd nahm Etienna die Verantwortlichkeit voll auf sich. Lachaud erklärte weiter, die meisten Kasernen seien zu stark belegt. Rouanet und nach ihm Thomas warfen dem Kriegsminister Etienne vor, er habe den Abänderungsantrag zu den Militärgesetzen, durch welchen auf einmal 45 000 Mann mehr eingestellt worden seien, angenommen. Er hätte erklären müssen, daß es un­möglich sei, sie alle unterzubringen. Die äußerste slinka beteiligte sich lebhaft an den Zwischenrufen gegen Etienne. so daß der Präsident energisch einschreiten mußte. Lachaud verlangte verschiedene Verbesserungen hinsichtlich des Schuh- zeugs, der Bekleidung und der Beköstigung der Soldaten, und forderte eine größere Zahl von Militärärzten. Am Schluß verlangte er, die Regierung sollte einen Gesetzentwurf, be­treffend die Ausbesserung der alten Kasernen, einbringen. —- Cochery, der Vorsitzende der Budgetkommistion, verwahrte sich gegen den Vorwurf Lachauds, die Kommission habe einen Teil der notwendigen Kredite verweigert. — DoumerguS erklärte, die Regierung habe nicht gezögert, die Maßregeln für die Gesundheit "der Soldaten zu ergreifen, die die Lage er­forderte. Seit Monaten beschäftige sich die Regierung damit, der zu starken Belegung der Kasernen vorzubeugen und dis Gebäude gesunder zu gestalten, sowie besondere Kohlenvor­räte zu verteilen und für Bekleidung und Schuhzeug der Mannschaften zu sorgen. Überall, wo Fehler geniacht worden seien, habe die Regierung bereits Gegenmaßregeln ergriffen, die sie fortsetzen werde. Die Regierung werde sich jedoch nicht auf Manöver einlassen, die darin beständen, sich der Soldaten zu politischen Zwecken zu bedienen und die Abstim­mung über das Budget hinauszuschieben. Doumergue ver­langte, die Kammer solle am Montag in der Abstimmung über pas Budget fortfahren und der Regierung ihr Vertrauen aussprechen. — Ein Antrag Reinach, am Montag die Be­ratung der Interpellation über den Gesundheitszustand der Soldaten fortzusetzen, wurde mit 353 gegen 189 Stimmen nach lebhafter Diskussion abgelehnt. Sie wird am nächsten Frei­tag fortgesetzt werden. Die Sitzung wurde aufgehoben, Montagnachmittag: Beratung des Marineetats.

Das Echo in der Presse.

vb. Paris, 14. Febr. Die konservativen Blätter erklären, der Verlauf der gestrigen Debatte über den Ge- sundheitszustand der Armee habe deutlich gezeigt, daß dre a Frage lediglich ein Vorwand zu einem neuen Ansturm gegen das Dreijahrgesetz bilden sollte. — Die *

listische Presse macht übrigens kein Hehl daraus, oag sts au s schli e ßli ch das Dreij ahr g e s etz für denMechten Gesundheitszustand in der Armee verantwortlich maqe. — Die „France Militaire", das offizielle Blatt des Kriegsminifteriums, gibt heute zum erstenmal SU, daß die Situation tatsächlich außerordentlich drei zu wünschen übrig lasse. Man erklärt, daß eine Anzahl dusthv"ftender Maß­nahmen bevorstehe. (Vergl. „Letzte Drahtverichte.)