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Wiesbs-kmr Tagblstt.

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Samstag? 114» Februar 1,914.

Dis Politik der Woche.

Der Reichskanzler v. B e t h in a n n -- H o I l w e g hat einer alten Gepflogenheit folgend sich auf dem Festmahl des deutschen Landwrrtschasts- rats über die gegenwärtigen Zeitläufte ausgelassen, wobei er begreiflicherweise die Fürsorge der Regierung für die Landwirtschaft in die erste Reihe stellte. Viel bemerkt wurde die entschiedeile Kampfansage an die Sozialdemokratie, deren Hochmut durch große Wahl­erfolge gesteigert sei; da gebe es kein Paktieren, son­dern nur Kampf! Die Sozialdemokraten des preußi­schen Abgeordnetenhauses haben übrigens just zur rech­ten Zeit dafür Sorge getragen, daß diese Kampfansage des Kanzlers besonders starken Widerhall findet, denn die unter dem Beifall der Genossen verübte Rede­obstruktion des Abgeordneten Hossmann hat in ollen bürgerlichen Kreisen bis zur äußersten Linken die schärfste Verurteilung gefunden und starke Erbitterung erregt. Im übrigen hat Herr v. Bethmann-Hollweg bei seiner Ansprache die Parität gewahrt, . indem er auch der äußersten Rechten eins versetzte. Seine Mahn­worte gegen die alte deutsche Nationalsünde des Parti­kularismus müssen notwendigerweise in erster Reihe auf die Begründung des Preußenbundes bezogen wer­den. wenn der Kanzler dabei auch in zweiter Linie an den elsässischen Partikularismus gedacht haben mag.

!grt der zweiten Kammer des elsaß-lothringi­schen Landtags hat unterdessen das Debüt des neuen Staatssekretärs Grafen v. Rödern stattgefun­den, der erklärte, ein Programm nicht vorlegen zu kön­nen, da zur Entwicklung eines neues Programms kein Anlaß sei. Die von dem Staatssekretär ausgesprochene Mahnung, daß der Kampf der Meinungen in den Reichslanden künftig getragen sein möge von der Überzeugung, daß auch der andere nur das Beste des Reiches und dieses Landes, wenn auch vielleicht auf verschiedenen Wegen, erstrebe, wird hoffentlich auf fruchtbaren Boden fallen, mag auch in den altelsässischen Kreisen zurzeit vielfach noch eine sehr ablehnende Stim-

muna herrschen. c

Es ist immerhin bemerkenswert, daß dieelsassr- schen Sensationen" in der französischen Presse kenne sonderliche jllolle mehr spielen, und daß man dort letzt ein arößeres Interesse den kurz vor dem Abschluß stehenden deutsch-französischen Verhand­lungen über Kleinasien und die Bagdadbahn zu- wendet. In dem gleichen günstigen Stadium befinden sich, wie aus der vom König Georg verlesenen Thron­rede zur Eröffnung des englischen Parlamentes hervor- aeht das englisch-türkische Abkommen über die Bagdad- bahn und den Persischen Golf sowie die entsprechenden deutsch-englischen Abmachungen, die wie­derum mit den deutsch-französischen in engem Zusam­menhang stehen.

^n'der inneren englischen Politik steht zurzeit dre i r?s ch e H o m e r u l e b i I l, die jetzt im Unterhause rur dritten Lesung gelangt, im Vordergründe des ^nter- estes und die durch die Gegenbewegung der Provinz Ulster und die Opposition der Konservativen geschaffene Lage erscheint um so kritischer, da zu diesen Memungs- Verschiedenheiten noch die keineswegs ganz gehobenen ifler die Fl ottenfrage treten. Wenn auch das Unter-

Himmelsrrscheinungen

im Februar 1914.

Wesentlich schneller als im' ersten Monat des Jahres steiat die Sonne im Februar nordwärts; während nämlich s; e Abnahme ihrer südlichen Deklination im Januar nur ru Made betrug, erreicht diese in dem obendrein ötel onwten Februar volle 9 Grade. Am 1. Februar ist die Ab- nimchuna der Sonne vom Äquator gleich 17° 16' 1,"0, und

2«. Februar ist si- gleich 8° 11' 13,"1. Daraus srndet man" folgende M ittagshöhen der Sonne: für den

Rnrallel von 84» (Norddeutichland) 18» 44' am 1. und 27» 49 1. oo für den Parallel von 81° (Mitteldeutschland) 21» 44 am 1 'und 30» 49' am_28 sowie für den Parallel von 48° ,'^.iiddniitfchlan'd und Österreich, etwa die Breite von Wien)

44' am 1 und 33» 49' am 28, Februar. Die Tages- wlnae wächst demgemäß im nördlichen und mittleren Ge­biete von 9 auf 102/3 Stunden und !m südlichen Gebiet, ähn­lich auch in der deutschen «chweiz, von 914 auf 11 Stunden, i-j,...* }; e Dämmerungen erfährt die Tagesdauer morgens und abends "noch eine Verlän gerung von jfc 34 Stunden.

llnfer. Mond zeigt tm Februar folgenden Phasen-

Wechsel: «te- ***"* » BL >' » « ft5

rrrrt '£ 0 ., um A " . - - Uiuttö-g^. a/w

steht in Erdnähe am 12. Februar, um 2 Uhr nachmittags, und in Erdferne am 28. Februar um 10 Uhr vormittags.

m on kelleren Sternen werden im Februar zwei be­deckt: am 3 . der Stern Epsylon (Größe 4 . 6 ) desWidders". Eintritt für Berlin um 6 Uhr 22.1 Min. nachmittags und

Morgen'Ausgabe.

haus den Antrag Longs, der vor der Weiterberatung der Homerulebill eine erneute Befragung der Wähler forderte, mit 333 gegen 226 Stimmen ablehnte, so scheint das Kabinett Asquith angesichts her wachsen­den Opposition auch in den eigenen Reihen keineswegs mehr so sattelfest zu sein.

In R u ß l a n d ist der Ministerpräsident Kokowzow der doppelten Opposition von rechts und von links ge­wichen, aber in erster Reihe waren es natürlich dre Parteien der Rechten, welche, verstärkt durch den Vor­stoß seines Vorgängers Witte, die Stellung des Ministerpräsidenten so erschüttert hatten, daß er trotz der ihm wiederholt bewiesenen Gunst des Zaren nicht mehr mitspielen wollte. Sein Nachfolger Goremykm, der schon zur Zeit der ersten Duma an der Spitze des Kabinetts gestanden hat, wird dem Verband der echt- russischen Leute und den Hofkreisen jedenfalls wert willkommener sein, aber in der Duma wird man sich angesichts der jetzt zu erwartenden schärferen Tonart auf Kampf und Sturm gefaßt machen können.

Auch der schwedische Ministerpräsident Staats hat sich infolge des offenen Konflikts zwi­schen der Regierung und dem König in der Rüstungs­frage zur Demission genötigt gesehen, obwohl er im Parlament über die Majorität verfügte. Aber die zahl­reichen Kundgebungen aus dem Lande haben doch ge­zeigt, daß dessen Mehrheit in der Frage des Ausbaus der nationaleir Verteidigung auf seiten des Königs steht, und mit dieser Stimmung wird der neue Minister­präsident rechnen müssen.

Einigermaßen entgegengesetzt sind die Ursachen, die zu der K r i s i § in Iapa n geführt haben. Dort macht sich in weiten Volkskreisen eine Protestbewegung gegen die wachsenden Rüstungen bemerkbar, die, verstärkt durch die Bestechungsafsären in der Marineverwaltung, sogar zu einem, freilich siegreich abgeschlagenen Sturm auf die japanische Kammer geführt haben. Eine starke Spannung macht sich in letzter Zeit zwischen Japan und der Nordamerikanischen-- Union fühlbar, wo man die Tokioter Regierung der heimlichen Unterstützung Huertas bezichtigt, während Wilson und Bryan jetzt offen den Gegenpräsidenten General Villa unter­stützen So arbeitet in Mexiko der rollende Dollar gegen den Pen. . . . Haust du meinen Villa, hau ich deinen Huerta!

Eine Runögebung gegen öen ViertSN lveg".

Der Gesamtverein Fraucnblldung - Frauenstudmm hat eine von allen preußischen Mterlimgen des Vereins Unter­zeichnete, sehr ausführlich begründete Eingabe an das preußische Kultusministerium und an das Abgeordnetenhaus eingereicht. Die Eingabe beschäftigt sich mit dem Erlaß vom 11. Oktober 1913, der die Erweiterung der Studienberech- tigung der Oberlyzeen brachte und sch tetzt mit der Bitte,das Königl. Ministerium wolle den m dem Erlaß ibezeichneten Weg zur Universität nur als U b e r g a ng s m a ß n ah m e ansehen und tunlichst bald die ver K n ab e nb il d u n g gleichwertige Vorbildung durch die -studienanstalt auch für die Mädchen verlangen". Zur Begründung dieser Forde­rung heißt es u. a.:Wir wissen, daß weder den Frauen

Br. 75. » 62. IKhrgKNg.

noch der Allgemeinheit damit gedient ist, -wenn nervöse, über­arbeitete Frauen in die höheren Berufe eintreten, deren Aus­übung gesunde Nerven und leistungsfähige Persönlichkeiten verlangt; wir wissen, daß wir den Universitäten nicht An­muten dürfen, sich mit einem zahlreichen Material geistig oder körperlich unzureichender Studentinnen -zu belasten. DeAhalb sind !vir von jeher dafür eing-etreten, daß nur die Be st begabten unter den Frauen studieren sollen und daß die Vorbereitung die denkbar zweckmäßigste sem soll." Beiden Prinzipien aber, so heißt es in der Eingabe weiter, entspricht die neue Verordnung nicht. Sie bietet

1. keine Gewähr, daß nur die Bestbcgabten zum Studium zuigelassen werden. Die Reifeprüfung.des Obcrlyzeums muß sich mit -einem Fsststellen des erforderlichen Mindestmaßes an Kenntnissen begnügen; sie kann nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt vorgenommen werden, ob die Abiturientinnen zu wissenschaftlicher Weiterarbeit befähigt sind oder nicht. Wird die Prüfung einseitig auf die Bedürf­nisse -der Studierenden zugeschnitten, so werden dem Lehrerinnenstande wertvolle Kräfte entzogen. Geschieht dies aber nicht, so werden den Universitäten von den 124 Ob-er- lyzeen sehr viele Elemente zuströmen, die nicht dahin gehören. Ebensowenig ist

2. der Weg durch das Oberlyzeum dre denkbar zweck­mäßigste Vorbereitung sür das Studium. Denn die Schülerinnen der Herlyzeen werden immer, welches Fach sie auch wählen mögen, noch vorbereitender Studien während des eigentlichen Studiums bedürfen. Ferner ist trotz unverhält­nismäßig großem Zeitaufwand für die Vorbereitung nicht einmal die Gefahr der Überarbeitung durch die hastige Vor­bereitung zu den Nachexamrna ausgeschlossen. Vor allem aber ist ^ der Fortfall jeglicher Ergänzungsprüfung für die weiblichen Studierenden des höheren Lehramts den Anforde­rungen sowohl ihres Studiums wie ihres Berufes durchaus zuwider. Es scheint jetzt an der Zeit, alle besonderen Erleich­terungen für die Frauen aufzugeben.

Der Eingabe ist eine Erklärung besgelegt, die von mehr als 300 preußischen U n i v e r s i t ä t s p r o f e s s o r e tv unterzeichnet ist. In dieser Erklärung heißt es: Dre Unter­

zeichneten können in der seminaristischen Vorbildung ker­nen gleichwertigen Ersah für -einen der drei seither geltenden Vorbildungswege erkennen. Die Nachexamina können nur in einzelnen Fällen als Notbehelf gelten. Die große Verschiedenheit in der Vorbildung der Studenten macht sich jetzt schon unangenehm bemerkbar. Die Schülerinnen des OberlhzeumS würden diesen verschiedenen Borbildun-gsarten noch -eine neue hinzufügen, die für keines der Studienfächer als ausreichend angesehen werden kann. Es liegt keinerlei Bedürfnis vor, eine große Anzahl von weniger gut vorgebil- deten Studentinnen heranzuziehen. Bei der großen über- füllung aller Berufe mit akademischer Vorbildung wäre es eher berechtigt, die Zulassungsbedingungen zur Universität zu erschweren, als sie zu erleichtern. Am Schlüsse der Erklä­rung wird die in der Eingabe ausgesprochene Bitte, den vierten Weg" nur als Wergangsmaßnahme anzusehen, wie­derholt.

Unter der Erklärung sichen die Namen der bedeutendsten Universitätslehrer Deutschlands; so u. a.: Anschütz, Born-

bak, Brand!, Delbrück, Enlenburg, Erdmann, Gierke, Harnack, Schmoller, Riehl, Gering, Wagner, Wilamowitz, Dietzel, Zorn, Ritschl, Schnitze (Bonn), Haischek, Hufferl, Oldenberg, Rieche, v. Hippel, Fester, Baihinger, Wissowa, Baumgarten, Deussen, Stepmann, Niemeyer, Natorp und noch viele mehr. Alle Fakultäten und alle Fächer der philosopbischen Fakultät sind vertreten. Die Vertreter der Wissenschaft haben sich also gegen denvierten Weg" ausgesprochen.

Austritt um 7 Uhr 42,3 Min. nachmtttags, feraet: am 11. der Stern Alpha (Regulus, Größe l.o) desLöwen", Eintritt für Berlin um 6 Uhr 51.7 Win. vormtttags und Austritt um 7 Uhr 41.9 Min. vormittags. ,

In der Nach? vom 24. zum 2o. /xeoruar ereignet sich e'ne in Europa unsichtbare ringfvmige Sonnenfinster. n i s. Diese beginnt am 24. Februar, um 10 46 Min.

nachmittags, und endigt am 25. Februar, um 3 Uhr 41 Min. vormittags. Sichtbar ist die Fmsterms an der Südspitz« Südamerikas, in der südlichen Hälfte «es stillen Ozeans, in der südlichen Hälfte Neuseelands und in den Südpolar­gegenden. ' , ,

Bon den großen Planeten beherrsche^ noch weiter Mars und Saturn den nächtlichen Hunmel. Merkur, der am 22. Februar, um 7 Uhr nachm'.tags seine größte Aus- toeichnng von der Sonne, 18» 6', erreicht, ist im Bilde des Wassermannes" von Monatsmitte an etwa y 4 Stunde lang am Abendhimmel sichtbar. Am 21- ty cöru «' um 6 Uhr nach­mittags, gelangt Merkur in sein Perthel und ist dann nur 0.8076 Erdbah nh alb me sser von der >L>onne entfernt, sein Aphel erreicht der Planet bereits am 6. April, und zwar bet einem Sonnenabstande von 0.4667 Erdbahnrädien, Merrur besitzt bekanntlich von allen großen Planeten die größte Exzentrizität der Bahn: 0.2056. Venus, die am

11. Februar, um 9 Uhr nachmittags, ihre obere Saynenkon- junktion durchläuft, hält sich für da? bloße Auge verborgen. Sie steht am 4, Februar, um 8 Uhr vormittags, im Aphel, dock, ist ihr Sonneucnbstand wegen der geringen Bahnexzentri- zität, der kleinsten von allen Planetenbahnen, nur wenig von ihrem Sonnenabstan.de im Perihel verschieden, ihre Ab­stände schwanken nur zwischen 0.7283 und 0.7184- Erdbahn- halbmeffern. Von der Erde ist Venus am 16. Februar am

weitosteu entfernt: 1.711 Erdbahnradien oder Einheiten

st 149.48 Millionen Kilometer. Mars bleibt noch nahezu die ganze Nacht -hindurch sichtbar; er steht bei Dunkelwerden schon hoch im Osten und kulminiert anfangs gegen 10, zuletzt bald nach 8 Uhr äbends. Man sieht ihn im Bilde der Zwillinge" infolge seiner rückläufigen Bewegung schon recht weit von Pollux nach Westen (rechts) «bgerückt, doch wird der Planet am 13. Februar wted-er rechtläufig. Mars entfernt sich jetzt wieder von der Erde, sein Abstand nimmt von 0.725 auf 0.933 Einheiten zu, wodurch sein scheinbarer Durchmesser von 13" bis aus 11" herabgeht. Am 7. Februar hat der Mond mit Mars Konjunktion, und zwar bewegt sich der Mond nörd­lich an dem Planeten vorüber.Jupiter, der erst am 20. Januar in Sonnenkonjunktion gestanden hat, bleibt im Fgbruar und auch im März noch dem unbewaffneten Auge verborgen. Dem Jupiter nähert sich die Erde im Februar von 6.086 bis auf 5.937 Einheiten. S-aturn weilt im Bilde desStiers" bei Eintritt der Dunkelheit schon hoch am südlichen Himmel; er kulminiert zu. Anfang um 8 Ubr- am Monatsschiuss-e um 6!4 U5r abends und geht erst bald nach 4 Uhr, schließlich bald nach 2 Uhr morgens unter. . Am 1-. Februar verwandelt sich seine rückläufige wieder in re-ch-- läufige Bewegung. Sein Erdabstand beträgt am 1- 8.50, am 28. Februar 8.98 Einheiten. Die scheinbare ^Grotze des Saturnsystems erfäh-rt im FcHruar folgende Abitayme: der Äquatorialdurchmesser von 1g."6 bis 18."6, ö« 'pPar-

durchmeffer von 18."l> bis 17."1, die große der Rmg- -elliy.se van 44."0 bis 42."v. die kleine Achse der Rmgempse von 19."6 bis 18."7; -das Ringsystem erscheint also noch breiter als der Saturnkörper. Am 6. Februar hat der Mond mir Sa­turn Konjunktion, der Mond zieht dabei nord-Itch an dem Planeten vorüber. U r a n u s, der sich orä am -8. Zanngr