Sette g t Morgen-Ausgabe. 1. Blatt. Wi-SSKsdeKSN TagÜItttt. Freitag, 13. Februar 1814. Nr. 78.
aus den Einkünften gebildeten Verbesserungs- und Versorgungsmassen nämlich sind seinem Zugriff entzogen. . Er kann seine Befriedigung nur durch Betreiben der Zwangsverwaltung erreichen. Die Zwangsverwaltung läßt aber die bisher erwachsenen Verbesserungs- und Versorgungsmassen unberührt. Nur bei der Verteilung der künftigen Früchte geht der Anspruch des Gläubigers den Ansprüchen dieser Massen vor.
Daß bei den hier in Betracht kommenden Familien die Bestimmungen des „bürgerlichen" Rechtes durchbrochen werden und für die Fideikommißberechtigungen uneheliche Kinder nicht zur Familie ihrer Mutter, für ehelich erklärte nicht zur Familie ihrer Eltern gehören, ist ja bei dem ganzen Geiste des Gesetzes nicht verwunderlich. Verwunderlich erscheint vielleicht das vom Gesetz neugebildete Wort „F i d e i k o m m i ß a n- maßer". Das ist jemand, der zn Unrecht etwas vom Fideikommiß besitzt.
Und die innere Kolonisation? Ihr will man dadurch gerecht werden, daß man für die Zukunft die M a x i m a I g r ö ß e des fideikommissarisch zu bindenden landwirtschaftlichen Besitzes auf 2 500 Hektar sestsetzt und daß man die Fideikommiß. bildung in Kreisen, wo bereits zehn vom Hundert der landwirtschaftlich genutzten Fläche gebunden sind, davon abhängig macht, daß sie „besonderen öffentlichen Zwecken" dient. Es soll ferner vor der Widmung oder Einverleibung von bäuerlichen Grundstücken zu Uder- kommissen der Bezirksausschuß gehört werden.
Diese Vorschriften sind aber doch nur dürftige Mäntelchen für die eminente Kolonisations f e i n d l i ch- k e i t des ganzen Fideikommißwesens. Will man wahrhaft innere Kolonisation treiben, so ist die Rückkehr zu dem alten Grundsatz: _ „Fideikommisse werden ausgehoben" unerläßlich, nicht aber ein Fideikommißgesetz wie dieses. Und der Aufhebung der Fideikommisse sollte man ein Gesetz über die allmähliche Aufteilung der Domänen folgen lassen.
.Deutsches- Reich.
* Bayerische Wünsche zum Zolltarif. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat Anträge zu der Erneuerung der Handelsverträge angenommen. Die bayerische Regierung soll im Bundesrat darauf hinwirken, daß für die Gerste ein einheitlicher Zoll von 4 M. zur Einführung gelangt und der Hopfcn- zoll erhöht wird. Angenommen wurden auch Anträge auf Vorlage eines Reichsgesetzes, betreffend den Schutz von Futter- und Düngemitteln.
* Warum Kardinal Kapp an Oppersdorfs schrieb. Die „Germania" veröffentlicht eine Zuschrift, welche die Gründe zu kennen vorgibt, die den Kardinal Kopp bewogen haben, den berühmten Brief an den Grafen Oppersdorfs zu schreiben. Kreise der christlichen Gewerkschaften hatten behauptet, der Kardinal habe aus Abneigung gegen die selbständige Arbeiterbewegung gehandelt. Dazu bemerkt die Zuschrift: „Sollte denn in diesen Kreisen nicht bekannt sein, daß die Enzyklika- Interpretation vom 24. November 1912 in Rom sehr befremdet hat, und daß man besonders infolge des fortgehenden Streites und des Kölner Prozesses sich dort veranlaßt ! fühlte, die Enzyklikafrage klarzustellen? Um das zu erreichen, hat, wie ich von zuverlässiger römischer Seite erfahre, das päpstliche Staatssekretariat dem Kardinal Kopp den Wunsch ausgedrückt, seinen längst vollzogenen Rücktritt von der Enzyklika-Interpretation auch öffentlich kundzugeben. Diesem Wunsch hat der Kardinal um so bereitwilliger Nachkommen können, als er diese Interpretation schon längst als wirkungslos und verwirrend erkannt hat. Das ist deS Rätsels ebenso einfache wie zweifellose Lösung." — Nach dieser Zuschrift geht also das Schreiben des Kardinals auf eine unmittelbare Weisung der Kurie zurück.
* Kleinsiedelungen für Industrie- und Landwirtschaftsarbeiter. Vorbildliche Kleinsiedelungen für Arbeiter der Industrie und Landwirtschaft schafft der Verein für soziale innere Kolonisation Deutschlands, E. B., Zehlendorf, auf seinen Kulturarbeitsstätten in R e p p e n und B e e s k o w, und in nächster Zeit werden ebenfalls Kleinsiedelungen vom
Verein in Beelitz und W r i e z e n sowie in mehreren westdeutschen Gegenden geschaffen werden. Dem Verein ist es durch Bewilligung von Betriebsdarlehen seitens verschiedener Großstädte möglich gemacht worden, seine Arbeit in großem Maße aufzunehmen und auf diese Weise ordentlichen Familien, die sich nach einem eigenen Hause und nach einem eigenen Garten sehnen, diese Sehnsucht zu erfüllen. Statt hoher Miete zahlen die Ansiedler einen kleinen Jcrhreözins, von dem noch ein beträchtlicher Teil ihnen als Spargeld mit Zins und Zinseszinsen gutgeschrieben wird. Da jetzt die Verträge abgeschlossen werden müssen und die Stellen vergeben werden, empfehlen wir allen, die eine solche günstige und wirtschaftliche Ansiedlung übernehmen wollen, sich recht bald an die Geschäftsstelle des Vereins für soziale innere Kolonisation Deutschlands, E. V., Zehlendorf, Gartenstrahe 23, zu wenden.
* Der Deutsche Känferbunb zum Gesetz über die Sonntagsruhe. Der Deutsche Käuferbund hat der Kommission des Reichstags zur Beratung des Gesetzentwurfs über die Sonniagsarbeit folgende Resolution mitgeteilt: „Der Deutsche Käuferbund richtet an den hohen Reichstag das ergebene Ersuchen, den vorliegenden Gesetzentwurf über die Regelung der Sonntagsruhe so umzuändern, daß als Regel die volle Sonntagsruhe angenommen wird und Ausnahmen nur in möglichst geringen! Matze für die Lebensmittelbranche zugelassen werden."
* Bei der Königlichen GLrtnerlehranstalt in Berlin- Dahlem finden im Jahre 1914 neun Sondcrlehrgänge für Obst- und Gemüsebau sowie für Blumenbinderei und wissenschaftliche Bienenzucht statt.
* Ein großer deutscher Pilgerzug nach Lourdes wird auch in diesem Jahre wieder stattfinden. Führer ist der Pfarrer Scheidtweiler in Berlin-Reinickendorf, der auch in früheren Jahren die Lourdes-Pilgerzüge organisiert und geleitet hat.
Heer und K!«Me.
Der Auslandsdienst der Flotte. Im kommenden Etatsjahr werden nach amtlicher Angabe 2 große Kreuzer, 8 kleine Kreuzer, 6 Kanonenboote, 2 Torpedoboote, 3 Flußkanonen- boote, 2 Vermessungsschiffe, 2 Peilboote, 1 Stationsschiff und
1 Begleitdampfer ständig den Auslandsdienst ausüben. Das sind 27 Kriegsschiffe und Kriegsfahrzeuge. Bisher waren 25 tätig: 2 große Kreuzer, 6 kleine Kreuzer, 8 Kanonenboote,
2 Torpedoboote, 3 Flußkanonenboote, 2 Vermessungsschiffe, 1. Stationsschiff und 1 Begleitdampser.. Das Mehr machen die Peilboote 3 und 4 aus, die auf der australischen Station Verwendung finden und das Vermessungsschiff „Planet" in der für unseren Handel wichtigen Vermessung der dortigen Gewässer unterstützen werden. An Stelle zweier 'Kanonenboote treten 2 kleine Kreuzer. Es ist bereits angeordnet worden, daß das Kanonenboot „Kondor" heimkehren soll. Veraltet ist außerdem das Kanonenboot „Kormoran". Der kleine Kreuzer „Königsberg" geht im Frühjahr als Stationär nach Ostafrika.
Busland.
Frankreich.
Das Budget für 1915. Paris, 12. Febr. Der
von dem mdikalenDeputierten und ehemaligen Minister C l e m e n t e l astgefaßte Generalbericht über das Budget für 1915, der in der heutigen Kammersitzung zur Verteilung gelangen wird, beziffert die Gesamtausgaben auf 5091 Millionen, doch sind darin weder die Ausgaben für Marokko im Betrage von 232695000 Franken, noch die außerordentlichen Ausgaben für Heer und Flotte einbegriffen, die in besonderer Rechnung geführt und durch besondere Anleihen gedeckt werden sollen. Die normalen Einnahmen werden auf 4789 000000 Franken veranschlagt, so daß sich ein Fehlbetrag von 302 Millionen ergibt, der teils ans den zu erwartenden Überschüssen, teils durch Ausgabe kurzfristiger Schatzscheine gedeckt werden soll. Der Bericht Clementels stellt fest, daß die Staatsausgaben seit 10 Jahren um 1500 Millionen gestiegen sind, wovon für die Vermehrung der militärischen Ausgaben 663 Millionen und auf die sozialpolitischen Ausgaben 234 Millionen entfallen. Außerdem wurde die Ver
mehrung der Ausgaben um 297 Millionen durch die '< Verteuerung der Lebensmittel, um 65 Millionen durch , die Verstaatlichung der Westbahn und um 373 Millionen j durch die Ausgestaltung der verschiedenen Dienstzweige i verursacht.
Gehaltsforderuugeri der Kost- und Steuerbeamte«. Paris, 12. Febr. An 8000 Postbeamte und Auge- ^ stellte der Verwaltung der indirekten Steuern faßten « in einer heute nacht abgehaltenen Versammlung einen « B e s ch l u ß a n t r a g, in dem sie verlangten, daß ihnen j eine Erhöhung ihrer Bezüge und zwar zu dem- 0 selben Zeitpunkt wie den Offizieren gewährt werde. |
England.
Lloyd George über Homerule. London, 12. Febr.
Im weiteren Verlaufe der Debatte im Unterhause verteidigte Lloyd George die Politik der Regierung, , die Mitteilungen der beabsichtigten Änderungen zur , Homerulebill zu verschieben und erklärte, daß die Veröffentlichung der einzelnen Vorschläge im gegenwärtigen Stadium den Frieden nicht fördern, sondern hindern würde. Die Regierung werde in ge- ! ziemender Reihenfolge die Vorschläge unterbreiten. Sie , werde die Verantwortung für dieselben übernehmen, ! aber eine Ve r a n t w o r t u n g für eine Annahme ober eine Ablehnung werde auf die Opposition fallen. > (Gelächter bei der Opposition, Beifall bei den Ministeriellen.) Die Regierung werde das äußerste \ Zugeständnis machen, das sich mit dem Hauptzweck der , Bill noch vertrage, aber sie werde die Majorität der Iren nicht verraten, die auf die Regierung vertrauten. Wenn die Regierung, nachdem sie alles getan hat, was in ihrer Macht sei, um die berechtigten ' Besorgnisse Ulsters zu beseitigen, vor Drohungen mit , Gewalt zittern sollte, wäre sie unwürdig dieses Ver- , trauens. Bonar Law betonte die ernste Lage und erklärte, daß die Opposition sich vollkommen ihrer Verantwortung bewußt sei, die sie übernommen habe.
Von der Homerulcvorlage habe man erklärt/ daß sie eine Einrichtung förderalistischen Systems sei. Als einzig gangbarer Weg erschiene ihm, Ulster aus ' deni Spiel zu lassen, bis der ganze förderalisti- sche Entwurf vollendet sei und dann Ulster zu fragen, ob es sich diesem Entwurf anschließe. Der Regierung ständen nur zwei Wege offen. Entweder Vorschläge zu machen, um den Widerstand Ulsters zu s beseitigen, oder sich selbst dem Urteil des Volkes zu / unterwerfen.
NutzlanS».
Die Ansichten über die armenischen Reformen. Petersburg, 11. Febr. Der Abschluß der Reformen für Armenien wird hier ohne übermäßige Be- j friedigung ausgenommen. Die russische Diplomatie , verhehlt sich nicht, daß das Erreichte nur als ein Anfang betrachtet werden könne. Die „Börsenzeitung" schreibt, man wisse nicht, was eigentlich abgemacht sei. ^denfalls sei es infolge der deutschen Mitwirkungzuwenig. Rußland bestehe jetzt auf der Durchführung der Reformen. ,1
Schweden.
Weitere Demonstrationen. Stockholm, 12. Febr.
Als der frühere Ministerpräsident Staaff gestern nachmittag das Reichstagsgebäude verließ, wo er zur Lage Erklärungen abgegeben hatte, die aber nichts Neues enthielten, begleiteten ihn mehrere hundert Personen, meistens junge Leute nach der Wohnung, wo sie Hochrufe auf ihn ausbrachten. Die Menge zag darauf nach der Wohnung des Sazialistenführers B r a n t i n g und dann unter den Rusen: „E s l e b e die Republik!" durch die Straßen. Die Polizei zerstreute die Menge und verhinderte eisten Zusammenstoß mit Studenten, welche Hochrufe auf den König ausbrachten, die mit erneuten Hochrufen auf die Republik beantwortet wurden. Abends sammelte sich eine große Volksmenge vor dem Schlosse, um den . I Königspaar eine Huldigung darzubringen. Das Königspaar, umgeben von der übrigen Königs-
schaft und der mit der Hand zu erreichenden unverfälschten Urwaldnatur ist einer der reizvollsten und stärksten Eindrücke, die man sich denken kann. Gagry ist aber nur eine Etappe; ihre höchsten Schönheiten entwickelt die Riviera weiter irr> Süden. Wer Komfort nicht missen mag, wird natürlich auf gebahnten Wogen bleiben, und er wird auf vieles verzichten müssen, waS sich dem bietet, der eine kleine, übrigens völlig gefahrlose Expedition landeinwärts ausrüstet und sich damit zu begnügen imstande ist, waS auf dem Packsattel mitgeführt werden kann. Nur wenige Kilometer von dem kultivierten Küstenstrich gibt es weder Weg noch Steg, geschweige denn Gästhöfe. Man känn tagelang zu Pferde in der Wildnis umherstreifen, ohne einem Menschen zu begegnen. Man wird aber in der Einsamkeit des BergwaldeS die Abwefekheit von Menschen kaum schmerzlich empfinden, denn die Natur ist hier so bezaubernd reich, Tier- und Pflanzenwelt sind von so interessanter Mannigfaltigkeit, daß man bald in einen Zustand des Entzückens gerät, der nahe an Ekstase grenzt. Die seltensten Pflanzen, die sonst mühselig in unseren Gärten gezogen werden, gedeihen hier in verschwenderischer Wildheit; man mutz sich durch ganze Gestrüppe von Graslilien kämpfen oder sich durch das unübersehbare Blütenmeer der Rhododen- dronhaine arbeiten und Dschungeln von Bambus überwinden. Bäume von ungeheueren Abmessungen bedecken die Berglehnen; man findet hier herrliche kergenschlanke Nußbäume, Ahorn, Eichen. 'Palmen und Eschen von einer Höhe und Umfang, tvie man das in Europa überhaupt nicht kennt. Wild- rebrn, Efeu und verschiedene Lianenarten schwingen sich in pitoresken Festons von einem Baumriesen zum andern.
Das Hochgebirge ist e i n Dorado für den Weidmann; in den bewaldeten, oft ganz unzugänglichen Bcrgschluchtcn hausen Wildschweine, Bären, Hirsche und selbst der Urrecke, der gewaltige Auerochs, der sonst überall vom Erdboden verschwunden ist, während er hier noch in großen Rudeln im Hochgebirge zu finden ist. A^f den Graten sieht man in einer Stunde mehr Gemsen und Stein'böcke, als in den bestbesetzten Tiroler Revieren in einer Woche; der Reichtum und die Mannigfaltigkeit der Tierwelt ist verblüffend.
Man mutz lange reiten, ehe man an ein aus Steinblöcken roh geschichtetes Haus oder gar in ein Dorf kommt. Die
freien Söhne dieser freien Berge werden eS sich nicht nehmen lassen, den Fremdling mit großer Gastfreundschaft zu bewirten. Viel vermögen sie allerdings nicht zu bieten, -diese Prachtvollen, schlanken, geschmeidigen, bildschönen und unbändig stolzen Kerle in den männlichen und überaus malerischen Trachten, der gewaltigen Pelzmütze, dem eleganten langen Tscherkessenrock und dem Schmucke oft uralter und überaus kosöbarer Waffen, die sie allenfalls nur in der Nacht ablegen. Sie haben nicht viel mehr zu bieten, als ein Stück steinharten Brotes, den ebenso harten Ziegenkäse „Bryndsa" und den öligen und feurigen Kachetinerwein. Kehrt man zu längerer Rast ein, so wird unweigerlich ein Hammel geschlachtet uiid der Gast wird mit der Nationalspeise, dem köstlichen „Schaschlyk", bewirtet. Diese Götterspeise, die aus wechseln- den Schnitten Hammelfleisch und Speck besteht, wird am spieße über einem Kohlenfeuer geröstet und sie schmeckt, wenn ste mit einer scharfen roten Tunke übergossen, ganz ausgezeichnet. Man schmaust Schaschlyk und die silberbeschlagenen Horner des Auerochsen oder des ritterlichen Steinbocks kreisen danu wird eine „Surna" herüeigetragen, und «bald -ir n ^ die jungen Männer auf der Berghalde in den Ver- Ichlingungen der Bhesginka oder sie lassen beim Scheine prasselnder Scheiterhaufen ihre wilden Kriegslieder ertönen. . . . Die Frauen sind fast nie sichtbar, sie bleiben den unreinen Blicken fremder Männer verborgen; nur ein Zufall kann es fügen, daß man eine der überaus anmutigen jungen m ’* ; den sanften Gazellenaugen und den feinen Ge- stustszügen erblickt. Leider verblühen diese entzückenden Geschöpfe nur gar zu bald, denn auf ihren zarten Schultern ruht alle Arbeit, während die Männer hoch zu Roß und bis an die Zahne bewaffnet Besuche machen, geheimnisvolle Expeditionen unternehmen, von denen so mancher mit ein paar Kugeln oder KinshalhiKon am Leibe, oft aber auch mit schönen neuen Waffen, einem guten Gaul oder einigen Hammeln zurück- kehrt; oder sie jagen, kneipen und üben sich im Schießen und Fechten; sie sind zu allem bereit, nur die Arbeit lehnen sie ganz entschieden ab. So verwegen, skrup-Äos und grausam die meisten Kaukasier auch sind, so halten sie doch das Gastrecht unverbrüchlich heilig. Diese Leute, die einen Feind seelenruhig aus dem Hinterhalte niederknallen oder ihn mit
dem Kinshal niedermeheln, werden dem Fremden kein Haar krümmen. In der Nähe der Städte haben freilich die alten, sehr rauhen, aber auch sehr ritterlichen Sitten starke Einbuße ' erlitten; die eindringende Kultur gereicht diesen Naturkindern nicht zum Heile.
Ru« Kunst und Leben.
Theater und Literatur. „M a d a m e", ein dreiaktiges \ Konversationsstück von Abel H e r m a n t und Alfred Savoir, fand am 9. Februar in Paris in der Porte- Saint-Martin _ verständnisvolles Gehör bei Feinschmeckern, pariserischer Dralogküuste.
Helene O d i I o u trat vor einigen Tagen seit längerer Zeit wiederum im großen Musikvereinssaale in W i e n vor !. das Publikum und hatte bei einem ausverkaufien Saale einen sensationellen Erfolg.
Im Freibuegex Stadttheater fand d'Annunzios „Francesca da Ri mini" bei ihrer deutschen Uraufführung in Lollmöllers Übersetzung trotz lobenswerter Darstellung nur mäßigen Erfolg.
Wissenschaft u«rb Technik. Eine interessante Expedi- - t i o n nach dem Norden Chinas verläßt in diesen Tagerl London, um dort das Wesen eines winzigen Parasiten näher zu untersuchen, frei e ; nc gefährliche Krankheit hervorruft.
An dieser Studienreise beteiligen sich einige Mitglieder der [ jüngsten antarktischen Expeditionen; ihr Führer ist der Arzt , E. L. Atkrnson, welcher der Parasitologe der Scottschen Expedition war. Man nimmt an, daß dieser unheimliche Krank- heitsexreger, über den bisher nichts Genaues «bekannt geworden ist, auf den Schalen- und Muscheltieren im Dangtse Kian« und anderen Flüssen haust; jedenfalls findet er sich im Wasser, und die unheilvolle Wirkung, die von diesem Parasiten ausgeht, haben alle die zu spüren, die auf dem Wasser ' oder in der Nähe des Wassers leben. Der Parasit dringt dann / in die Haut ein, und die Krankheit, die er hervorruft, ist manchmal so schwer, daß sie zum Tode führt. Ein genaues Studium »er Lebensbedingungen dieses gefährlichen Gesellen ! dürfte auch zugleich zu einer Entdeckung der besten Heil- | methods der von ihm hervorgerufenen Krankheit führen, " >
