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Sette 2 . Morgen-Ausgabe, 1 . Blatt,

leicht kann ich es so einrichten, auch etwas von Ihrer Oper zu sehen. Erschrecken Sie also nicht, wenn Sie am Donnerstag nächster Woche ein Telegramm erhalten! Mit der Bitte, mich Ihrer Frau Gemahlin zu empfehlen, grüßt Sie Ihr Ihnen sehr ergebener Wolf-Dohrn." Danach erscheint es um so beklagenswerter, daß ein jäher Tod den tatkräftigen Mann mitten aus seinem Planen und Schaffen herausgerissen hat.

* Der Zentralverein für deutsche Binnenschiffahrt hält arst 25. Februar im Festsaal der Handelskammer zu Berlin seine diesjährige Hauptversammlung ab. Neben den üblichen geschäftlichen Angelegenheiten steht auf der Tagesordnung ein Lichtbildervortrag des Herrn Oberbaurat Hermann-Essen über den Rhein-Weser-Kanal.

* Das Pfandrecht bei den Privatangestellten. Die Ältesten der Berliner Kaufmannschaft haben den Reichskanzler in einer Eingabe gebeten, dahin zu wirken, daß ebenso wie bei Beamten auch bei Privatangestellten nur ein Drittel des 1500 M. übersteigenden Einkommens gepfändet werden darf. Freilich müsse dann dafür gesorgt werden, daß dieses Drittel, ebenso wie beim Beamten, den Gläubigern verbleibe und ihnen nicht durch die 1500-Mark-Verträge entzogen werden könne.

* Statistik der ansteckenden Krankheiten. Nach den Ver­

öffentlichungen imMinisterialblatte für Medizinalangelegen­heiten" sind im preußischen Staate in der Zeit vom 80. Nov. bis zum 31. Dezember 1013 nachstehende Erkrankungen (Todesfälle) an übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Aussatz (1), Diphtherie 9432 (645), Fleckfieber 1 (), übertragbare Genickstarre 9 (3), Kindbettfieber 454 (124), Spinale Kinderlähmung 37 (4), Körnerkrankheit 1137,

Lungen- und Kehlkopftuberkulose 3134, Milzbrand 11 (3), Pocken 1 (), übertragbare Ruhr 17 (1), Rotz (1), Schar­lachfieber 7535 (355), Unterleibstyphus 769 (82), Bißver- letzunoen durch tolle oder tollwutverdächtige Tiere 13 (). Bon den Erkrankungen (Todesfällen) an Genickstarre ent­fielen 4 (2) auf Westfalen, 2 () auf die Rheinprovinz und 3 (1) auf die übrigen Provinzen.

* Die Bankbeamten und der Organisationsgedanke. Unter diesem Titel ist dieser Tage im Verl« des Deutschen Bank- beamten-Vereins. Berlin, eine von K. Decker-Frankfurt a. M. verfaßte Broschüre erschienen, welche an Interessenten kostenlos abgegeben wird. In diesem Merkchen wird die Entwicklung de§ Organisationsgebankens unter den Bankbeamten Deutsch­lands von den ersten Anfängen an bis zur Gegenwart ein­gehend geschildert. Trotz der vielfachen Hindernisse ist heute schon über die Hälfte der deutschen Bankbeamten in eigenen Berufsverbänden organisiert. Drei Organisationen suchen sich gegenwärtig den Rang abzulausen, der nach gewerkschaftlichen Grundsätzen arbeitende Deutsche Bankbeamten-Verein. der auf paritätischem Boden stehende Verein der Bankbeamten in Berlin und der Allgemeine Verband der Deutschen Bank­beamten, der nach radikal-gewerkschaftlichen Richtlinien seine Arbeit eingestellt hat und als Mittel auch den Streik propa­giert. Der größte unter diesen Verbänden ist der Deutsche Bankbeamten-Verein mit 80 000 Mitgliedern. Die Erfolge dieses Vereins gewinnen, wie der Verfasser sagt, um so mehr an Bedeutung, als sie in friedlicher Verständigung mit den Arbeitgebern errungen wurden. Dem Wirken des Deutschen Bankbeämten-Vereins verdanken die Bankangestellten die neutrale Bankbeamten-Vensionskasse. an 221 Orten den Sams-- tagfrühschlutz, an 249 Orten die völlige Sonntagsruhe.

Nechtspftsge und ücresaltimg.

Wirtschaftliche Fortbildungskurse für Juristen. So­eben wird ein ausführlicher Bericht veröffentlicht über die Wirtschaftlichen Fortbildungskurse für Juristen", welche die Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin in Verbindung mit dem Deutschen Anwaltsverein in Leipzig, der Anwalts- kammer zu Berlin, dem Berliner Anwaltsverein und dem Verein fürRecht und Wirtschaft" in der Zeit vom 20. Okt. bis 14. November 1913 veranstaltet haben. Die Kurse haben einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Die Gesamtzahl der Teilnehmer betrug 1466, eine Zahl, die in Deutschland von ähnlichen Veranstaltungen wohl noch nie erreicht wurde. Mt besonderer Befriedigung wird in dem Bericht darauf hinge­wiesen, daß nicht nur Juristen, sondern auch Kaufleute den Kursen das regste Interesse entgegenbrachten und daß es als ein besonderer Gewinn der Kurse zu bezeichnen ist, daß sie nach Entstehung und Verlauf mitgewirkt haben, zlvei für unser staatliches, soziales und wirtschaftliches Leben so be­deutsame Berufsgruppen in ihrer Anschauungsweise-einander zu nähern.

Vorlaut «»«ini'flchsK.

X Der Rückgang der Rcichspartei. Im Jahre 1878 zählte die Fraktion der Rcichsvartei im Reichstag nicht weniger als 57 Mitglieder. Diese Zahl aber ging im Laufe der Jahre immer mehr zurück. Bei den Blockwahlen des Jahres 1907 vermochte die Reichspartei immerhin noch 25 Mandate zu be-

sachen der allgemein bestehenden Unzufriedenheit der neunzig Prozent der Bevölkerung ansmachenden Unwissenden und sich in Abhängigkeit von den Landbesitzern befindlichen großen Volksmasse wenigstens soweit beseitigen, daß er sich selbst halten könnte? ,

Die meisten in Mexiko ansässigen und mit der wirklichen Lage und mit dem mexikanischen Volkscharakter vertrauten Ausländer beantworten diese Fragen rundweg mit einem ganz entschiedenen Nein! Sie nehmen als selbstverständlich an, daß, sobald Carranza Präsident des Landes werden würde., sich sofort auch gegen ihn eine neue Revolution erheben würde, an deren Spitze sehr wahrscheinlich niemand anders stehen würde alsPanchos" Villa, der gegenwärtig erfolgreichste militärische Führer General Carranzas. Dieser Villa, der wahrscheinlich der größte aller Halunken ist, die jetzt in Mexiko etwas zu sagen haben, hat zweifellos die Absicht, sich selbst auf den Präsidentenstuhl zu setzen. Seit Jahren schon, noch zur Zeit, als er als anerkannter Führer einer Anzahl kleiner regelrechter Banditenbanden die Nordstaaten unsicher machte und tributheischend durch das Land zog, hat er eine Anzahl treuester Anhänger, die unerschütterlich zu ihm halten, weil es ihnen unter seiner Führung stets gut. gegangen ist. Villa hat stets für reichliche Beute gesorgt, und während er zuerst natürlich an sich selbst gedacht hat, so hat er auch genug für seine Getreuen üfirig gelassen. Diese Stammtruppe, die eine Art persönliche Leibwache des Rebellenführers bildet-und etwa 800 Mann stark ist, gibt einen vorzüglichen Kern für eine neue Revolution gegen irgendeinen Präsidenten, mit Villa an der Spitze.- Seit seinen Erfolgen im Norden des Landes hat Villa einen st starken Zulaus von Abenteuern, Gesindel aller Art und Soldaten der Bundesarmee gehabt, daß er seine Schar wohl auf a n die 20 000 Mann gebracht hat eine gewaltige Zahl für einen einzigen Rebellenführer, wenn man bedenkt, daß die gesagte Streitmacht des Präsi­denten Huerta im ganzem Lande höchstens sich auf das Dop­pelte beläuft, und daß auf Heiden Seiten, einschließlich aller

WrssbaZKNsr SsM-rtL.

haupieri. Die letzte Reichstagswahl aber warf die Reichs­partei arg zurück. Nur noch 13 Mandate konnte sie be­haupten. Durch den Zutritt des Abg. Warmuth stieg die Fraktionsziffer wohl vorübergehend aus 14. Die Zahl aber reichte nicht hin, der Fraktion eine Vertretung in den Kom­missionen zu sichern, da hierzu 15 Mitglieder erforderlich sind. In einem Zeiträume von eltoas mehr als einem Jahre kamen dann nicht weniger als 5 Mandate der Reichspartei zur Er­ledigung. Jnr Dezember 1912 legte v. Halem sein Mandat für Schweh infolge droheirder Ungültigkeitserklärung erstmals nieder und am 5. Februar 1914 zum zweiten Male. Das Mandat des Abg. v. Oertzen für Jüterbog wurde am 3. März 1913 für ungültig erklärt. In der Ersatzwahl siel es an die Sozialdemokratie. Das Mandat für Löbau-Rosenberg da­gegen wurde nach dem Tode des Abg. Zürn von der Reichs­partei behauptet. Das Mandat des Abg. v. Liebert, welches . dieser niederlegte, ist noch nicht erledigt. So zählt die Reichspartei jetzt nur noch 11 Abgeordnete.

Heer und Zlotre.

v. L. Der große Frühjahrsstellenwechsel. Binnen der nächsten zwei Monate sollen, wie in Heereskreisen verlautet, noch mindestens weitere zwölf Divisionen und Kavallerie­inspektionen neubesetzt werden. Auch ist, nach dem alljährlich um diese Zeit sich wiederholenden Brauch, an etwa vierzig Brigade- und Regimentskommandeure der Infanterie sowie fünfzehn der Kavallerie und Feldartillerie, zumeist schon im Januar, die Mitteilung ergangen, daß man höheren Orts über ihre Stellung anders zu verfügen gedenke, also der Ab­schluß ihrer militärischen Laufbahn bevorstehe. Da auch zahl­reiche Verabschiedungen bei den Bataillons- und Ab­teilungskommandeuren vorgenommen ^ werden sollen, so dürften durch diese Maßnahmen die Beförde­rungsverhältnisse der Armee für die Allgemeinheit auf der gleich günstigen Stufe gehalten bleiben, die sie durch die Vermehrungen der Wehrvorlage erreicht haben. Es wird voraussichtlich auch im militärischen Jahre 1914 der Leutnant nach 13%= bis 14jähriger Offizierdienstzeit den zweiten Stern des Hauptmanns erreichen, der Hauptmann nach 9% bis 10 Jahren die Kantillen des Stabsoffiziers er­halten. Die früher so gefürchtete M a j o r s e ck e, an der ein großer Teil der älteren Hauptleute scheiterte, gibt es in der Praxis schon lange nicht mehr. Sie wird in der früheren Form kaum wieder auftauchen. Dagegen werden Verab­schiedungen unter den Stabsoffizieren in weit größe­rer Zahl als bisher erfolgen und erfolgen müssen, sollte nicht das eben ctivas in Fluß gebrachte Avancement wieder bedenk­lich stocken.

SchiffsnechriÄten. Eingetroffen: S. M. S.Gnersenau" am 8. Febr. in Labuan (Nordborneo). S. M. S. Torocdoboot 8 90" am 9. Febr. in Nanking, S. M. S.München" am 8. Febr. in Kiel.

Deutsche Schutzgebiete.

HK. 30 Jahre in Kamerun. Der langjährige Leiter der Dibundschapflanzung, Herr Georg Waldau, feierte vor kurzem das Jubiläum seines 30jährigen Aufenthaltes in Kamerun. Damit dürfte wohl bewiesen sein, daß das als mörderisch verschriene Klima Kameruns besser ist als sein Ruf.

Einführung allgemeiner Wahlen auf Samoa. Auf der Dezember-Tagung des Gouvernementsrates von Samoa kün­digte der den Vorsitz führende Gouverneur Dr. Schultz den Erlaß einer Verordnung an. durch welche die Mitglieder zum Gauvernementsrat in Zukunft aus allgmeinen Wah­len der weißen Bevölkerung des Schutzgebietes berufen werden sollen, während sie bisher vom Gouverneur ernannt wurden.

Eine Samoa-Gebenkfeicr in Kiel. Am 16. März 1914 sind 25 Jahre verflossen, daß der verheerende Orkan in Apia der deutschen Marine schwere Verluste an Menschenleben und Schiffen brachte. Dem Gedenken der in jenem Orkan er. trunkenen Kameraden sowie derer, die in dem blutigen Ge­fecht bei Veilele am 18. Dezember 1888 den Heldentod starben, soll eine hierauf bezügliche Feier gelten, die am 16. März in Kiel stattfinden soll. In einem Aufrufe werden nun alle Kameraden der ehemaligen Besatzung S. M. S.Olga",Adler" undEber", welche in den Jahren 1888 bis 1889 auf diesen Schiffen dienten, aufgefordert, sich an dieser Gedenkfeier zu beteiligen. Es ist Vorsorge getroffen, daß allen unbemittelten Teilnehmern kostenlose Be­förderung, Logis und Verpflegung zuteil wird. Um möglichst umgchende Anmeldung, spätestens jedoch bis zum 1. März, wird von dem VeranstaltungZausfchuß gebeten. Alle Mitteilungen nimmt im Aufträge des damaligen Komman­danten S. M. S.Olga", des Kapitäns zur See Freihcrrn von Erhardt, für die sämtlichen Beteiligten Telsgraphensekretär A. Vosgerau in Hamburg, Goßlerstratze 82, entgegen.

kleiner Rebellengruppen, noch keine hunderttausend Mann unter Waffen stehen. So bedeutet Villa eine Macht, die unter Umständen seinem jetzigen Freunde und Vorgesetzten Car- ranza sehr gefährlich werden mag, was der letztere schon jetzt mehr als alles andere fürchten soll. _

Die Beruhigung des Landes würde für Carranza, wenn er Präsident werden sollte, noch besonders dadurch erschwert, daß viele jetzige Rebellen, die siÄ wenigstens dem Namen nach unter seine Führung gestellt haben, dann sehr bald wieder zu ihrem früheren einträglichen Banditenberufe zurückkehren würden. Jeder Staat fast in Mexiko hat seine eigenen Ban­ditenbanden, die sich jetzt aber stolz Rebellen oder Konstitutio- nalisten nennen, aber sich kaum je dazu entschließen werden, über das Gebiet ihres oder ihres Nachbarstaates hinaus etwas für Carranza zu tun. Daß diese Banden dann plötzlich zu friedlichen und ordnungsliebenden Bürgern werden sollten, ist ausgeschlossen, ebenso wie auch gar nicht daran zu denken ist, daß der ständige Revolutionär und Generalbandit Zapata -n den mexikanischen Südstaaten je Ruhe geben wird, ehe er nicht gefangen und auf,gehängt worden ist.

Ms Porsirio Diaz unbeschränkter Machthaber von Mexiko war^ da wurde er als Tyrann, Diktator, Gewaltherrscher und alles mögliche andere verschrien. Und doch sight man jetzt in der praktischen Wirklichkeit, daß Diaz seine Landsleute gut genug gekannt hat, um ihnen eine Regierung zu geben, bei der er zwar selbst nicht zu kurz kam, die aber das Land einer wirtschaftlichen Erstarkung und friedlichen Entwickelung ent- geigensührte. Er pfiff auf die Landesverfassung und richtete sofort eine vollständig zentralisierte Autokratie-Regierung ein. Er und sein allmächtiger Minister für Gobernacion suchten sich die Männer aus, die ihnen als Gouverneure für die Ein. zelstaaten genehm waren und auf die sie sich verlassen zu können glaubten. Diesen Leuten wurde dann unter der Hand mitgeteilt, wie viel sie jeden Monat für jhr Amt zu zahlen hätten, und wenn sie damit einverstanden waren, wurden sie ohne weiteres ernannt und blieben auch im Amte, solange sie

Donnerstag, 12. Februar 1814. Nr. 71.

Hits Stadt und tanh.

LVissbKdener. Nachrichten.

Allgemeine OrtSkrankenkaffe. Der Kassenvorstand, der demnächst über die Anträge auf Befreiung der Dienstboten von der Krankenversicherungspflicht zu entscheiden hat, macht nochmals darauf aufmerksam, daß derartige Anträge jetzt noch zurückgenommen werden können, da es, wie die Erfahrung in der kurzen Zeit schon gelehrt hat, für die Arbeitgeber, ab­gesehen von der finanziellen Frage, erhebliche Umstände mit sich bringt, bei jedem Dienstbotenwechsel den Antrag zu er­neuern. Der Kassenvorstand hat schon früher darauf hinge- wiesen, daß er hinsichtlich der Belastung beider Teile keines­wegs gesonnen ist, die Abwicklung dieser Geschäfte zu erleich­tern, er hält sich im Gegenteil streng an dem Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 4. Dezember 1913, in welchem darauf hingewiesen wird, daß bei Prüfung der Befreiungsanträge die Leistungsfähigkeit des Arbeit­gebers im Interesse der Krankenkasse einer sorgfältigen Prü­fung zu unterziehen ist, weil die Kasse dem Befreiten auf An­trag die satzungSmätzigen Leistungen gewähren muß, wenn der Arbeitgeber die Krankenunterstützung nicht im vollen Umfang leistet. ES ist auch schon bekannt gegeben, welche Unterstützungen der Diensibote zu fordern hat, und es bedarf deswegen nur des nochmaligen Hinweises, daß im Fall einer stattgegeoenen Befreiung der Arbeitgeber vollständig an Stelle der Kaffe tritt, ohne daß er dazu berechtigt wäre, seinen Dienstboten hierfür zu irgend einer Gegenleistung heranzu­ziehen. Es ist selbstverständlich, daß ein Dienstbote auch noch dann Ansprüche stellen kann, wenn er lange nicht mehr im Dienst des Antragstellers steht, ebenso selbstverständlich ist es, daß nach dem Wortlaut des Gesetzes der Antrag für sämtliche Dienstboten gilt und daß diesen auch die Unterstützung für ihre erkrankten Familienangehörigen von der Herrschaft zu­teil werden muß, so weit es die Satzung derAllgemeinen Ortskrankenkasse" vorsieht.

Gewerbegericht. Nach dem eben ausgegebenen Be­richt über die Tätigkeit des Gewerbegerichts im Jahre 1913 hielt dasselbe 62 Sitzungen ab, betrug die Zahl der Streit­sachen 452 und kamen hinzu aus dem Vorjahr 16. Erledigt wurden davon durch den Vorsitzenden allein durch Vergleich 100, durch Zurücknahme der Klage 18, durch Anerkenntnis 7, durch Versäumnisurteil 38, auf andere Weise 254, zusammen 417; vor besetztem Gericht durch Vergleich 5, durch Endurteil 14, auf andere Weise 9, zusammen 22; unerledigt blieben am Jahresschluß 7 Fälle. Von den anhängig gewordenen Sachen betrafen Rechtsstreitigkeiten von Arbeitgebern gegen Arbeiter 20, von Arbeitern gegen Arbeitgeber 448. Die Rechts- streitigkeiten betrafen Wiederaufnahme der Arbeit, Schadens­ersatz wegen Verlassens der Arbeit und Nichtantritts der Ar­beit, Zahlung rückständigen Lohns, Ausstellung oder Zurück­gabe von Zeugnissen usw. Am stärksten vertreten waren bei den Klagen das Gast- und Schankgewerbe, das Nahrungs­und Genntzmittelgewerbe, das Baugewerbe, das Fuhrgewerbe und die Bekleidungsindustrie. Von den anhängig gemachten Klagen entfallen die meisten auf den Monat September, die wenigsten auf den Monat Dezember. Nach dem Wertgegen­stand berechnet entfielen ans bis 20 M. einschließlich 188, "von 20 bis 50 M. 137, von 50 bis 100 M. 80, von mehr als 100 M. 44. Die überwiegende Zahl der Fälle wurde in 1 bis

2 Wochen, der allergrößte Teil der übrigen Fälle in 1 bis

3 Monaten erledigt. Berufungen wurden im Berichtsjahr in keiner Sache eingelegt. Im abgelaufenen Jahr wurde das Gewerbegericht fünfmal als Einigungsamt in Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Maschinenbau-, Tiefbau- und Malergewerbe angerufen. Die Einnahmen be­trugen 135 M. 45 Pf., die Ausgaben 295 M. 31 Pf., die Mehr­ausgaben 159 M. 86 Pf.

Kaufmannsgericht. Die Gerichtsschreiberei des Kauf­mannsgerichts ist mit der des Gewerbegerichts verbunden. Das Kaufmannsgericht hielt im abgelaufenen Jahr 44 Sitzun­gen ohne Zuziehung von Beisitzern, 10 mit Zuziehung von solchen, im ganzen also 54 Sitzungen, ab. Die Zahl der Streitigkeiten betrug 109, dazu aus dem Vorjahr noch 10 im Berichtsjahr erledigte Sachen, macht zusammen 119 'Streit­sachen. Davon wurden erledigt durch den Vorsitzenden allein durch Vergleich 18, durch Zurücknahme der Klage 6, durch Ber- sänmnisurteile 13, auf andere Weise 43, zusammen 79; vor besetztem Gericht durch Vergleich 6, durch Endurteil 13, auf andere Weise 5, zusammen 23; unerledigt blieben 7 Fälle. Von den anhängig gewordenen Sachen betrafen Rechtsstreitig­keiten von Kaufleuten gegen Handlungsgehilfen oder Lehr­lingen 7, desgleichen von Handlungsgehilfen und Lehrlingen

ihre Abgaben treulich entrichteten und sich den Anweisungen aus der Hauptstadt. ohne zu mucken fügten. Die Einzel­staaten wurden m einzelne Kantone oder Distrikte eingeteilt, die je unter der Leitung und Aussicht einesJefe politico" standen. Die Gouverneure undJefe politicos" unter Diaz sind jetzig dre großen und kleinen Rcibellenf-ührer geworden, die unter Diaz ruhig waren und treue Stützen für seine Regie­rung waren, weil sie auf dieser Weise weit bester auf ihre Kosten kamen, als wenn sie sich gegen den damaligen Präfi- denten empört hätten. Und später werden sie, wenn Carranza etwa auf andere, idealistischereWeise versuchen sollte, Ordnung in Mexiko zu schaffen, zu regelrechten Banditensühreru wer­den, denn sie betrachten die Jagd nach unrechtmäßiger Beute, Erpressung und Brandschatzung nicht nur als einzige Mittel zum fröhlichen Lebensunterhalt, sondern auch als ihr gutes angestammtes Recht infolge höherer Bildung und höherer Intelligenz.

Der große Fehler der Diazschen Verwaltung bestand darin, daß er den legitimen Erpressern schließlich zu freie Hand ließ, so daß sich die unterdrückte Bevölkerung dagegen empörte und auflehnte. Aber mit all ihrer Brutalität und Unchrlichkest war die Dmz-Regierung bie einzige, die st Mexiko eine längere Friedensperiode und die Möglichkeit zur Entwickelung der reichen natürlichen Hilfsauellen des Landes gegeben hat. Madero hatte den besten Willen von der Welt, aber er war zu schwach, seinem Willen Nachdruck zu verleihen. Und da er den unlauteren Absichten und Passionen seiner Ratgckber nicht nachgeben wollte, so stürzten sie ihn. Und Carranza dürfte trotz größerer Intelligenz auch nicht viel stärker sein, als Madero war. Mexiko braucht einen ganzen Mann voller rücksichtsloser Energie und Tatkraft, der zunächst einmal erst friedlichere Zustände herberfnhrt und dann der Bevölkerung Erleichterung bringt von ihren Lasten. Einen solchen Mann, der es ehrlich und aufrichtig mit seinem Lande meint, jetzt in Mexiko zu finden, dürfte allerdings nahezu ein Ding der Unmöglichkeit sein.