Seite 2. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.
Dienste der Hansestädte übertrat. Im vergangenen Jahre wurde er Bundesratsbevollmächtigter für Elsaß- Lothringen. Gronau, der evangelisch ist, ist nach der „Frankfurter Zeitung" einer der tüchtigsten und beliebtesten Beamten der elsaß-lothringischen Verwaltung. Cronau ist ein enger Vertrauter Wedels.
Deutsches Reich.
* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser nahm Montagvormittag im Berliner Schlosse den Vortrag d-es Chefs des Zivilkabinetts v. Valentini entgegen.
* Die angebliche Afrikareise des Kronprinzen. Zur Aufklärung der widersprechenden Gerüchte über die Afrikareise der kronprinzlichen Herrschaften wird offiziös mitgeteilt, daß zwar Erwägungen schweben, im Laufe des Sommers eine Informationsreise nach Afrika zum Besuche aller deutschen Kolonien auszuführen, daß jedoch eine endgültige Entscheidung bis jetzt noch nicht gefallen ist.
* Der „Phönix" und die bayerische Regierung. Der Rechtsbeistand des AuSwanderungsuirternehmens -„Phönix" hat im Anschluß an die letzten Erklärungen des Ministers des Innern Herrn v. Soden an das bayerische Staatsministerium ein umfangreiches Schreiben gerichtet und sich über die Stellung der bayerischen Regierung zu dem Unternehmen geäußert. In dem Schreiben wird behauptet, der „Phönix" sei bereits zu der Zeit, als er mit einem Gesuch an die bayerische Regierung herantrat, eine Gesellschaft des holländischen Rechtes mit dem Sitz in Rotterdam gewesen. Auch die bayerische Regierung selbst habe am 3. Mai 1913 mit dem „Phönix' Verträge abgeschlossen. Um Zulassung zum Geschäftsbetrieb eines Auswanderungsunternehmens sei der „Phönix" niemals- eingekommen, namentlich nicht in dem Gesuch vom 23. Juni 1913, in dem er um Genehmigung einer Kontrollstation in Passau und von Registrierstationen in Bayern nachgesucht habe. Mit diesem Gesuche habe 'der „Phönix" nicht mehr und nicht weniger anstreben und -erreichen wollen, als er schon bei der Kontrollstation Marktredwitz ohne bundesstaatliche Genehmigung von seiten der bayerischen Regierung zugesprochen erhalten hatte. Die bayerische Regierung wird nicht umhin können, sich zu dieser Angelegenheit zu äußern.
* Das Straßburger Vortragsbcrbot. Der Auslandsredakteur des „Temps", Herr Tardie-u, dessen Vortrag über die Tripelentente in Straßburg verboten wurde, hat am letzten Donnerstag in Mülhausen vor etwa 799 Personen über die Balkankrise gesprochen. In Mülhausen sprach er in einer geschlossenen Gesellschaft. Die „Straßburger Post", die übrigens das Straßburger Verbot für berechtigt gehalten hatte, meint, das rechtfertige einen Unterschied in der Beurteilung nicht. Das Thema sei beide Male der auswärtigen Politik entnommen, die Herr Tardieu in seinem Blatt in bekannter Weise behandelt, und wenn er nun in Straßburg etwa durch eine geschloffene Veranstaltung das Verbot umgehen wollte, so hätte er ganz genau das gleiche Publikum aus den Kreisen der „Illustrierten elfässtschen Rundschau" gehabt, wie er es ohne Verbot gehabt hätte."
* Eine Ersatzwahl zum bayerischen Landtag. Für die durch die Ernennung des Abgeordneten L e r n o zum Generalstaatsanwalt notwendig gewordene Landtagsersatzwahl in Amberg stellte die Zentrumspartei den Fabrikbesitzer Dr. Winkler mit 78 gegen 14 Stimmen als Kandidaten auf. Der Kandidat ist erst 26 Jahre alt.
* Die Erneuerung des Mecklenbnrg-Schwerinsche» Kabinetts. Zum 1. April d. I. sind ferner ernannt zu Ministerialdirektoren im Justizministerium, im Ministerium des Innern bezw. im Finanzministerium: die Geh. Ministerialräte Dt. Mühlenbruch, B*r. Lübcke und v. Prollius.
* Wie die Konservativen die Sozialdemokraten bekämpfen! Für die Stichwahl im 6. lippeschen Landtagswahlkreise zwischen -dem fortschrittlichen Kandidaten Störke und dem Sozialdemokraten Becker hat der konservative Landesvorstand Wahlenthaltu lij Proklamiert.
VarlKnienliMikscheZ.
Ein nationalliberaler Antrag für die Kleinbauern. Zur Schaffung von kleinen und mittleren bäuerlichen Betrieben beantragt die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses, der Staatsregierung einen Fonds von 109 Millionen zur Verfügung zu stellen, um Staatsdarlehen zu gewähren und zur Einrichtung von kleinen und mittleren bäuerlichen
Er lautet: „Wenn du den Kindern in der Schule lehrst: „ehret Vater und Mutter", so sag' auch den Eltern von der Kanzel, daß sie darnach sein sollen". Run, nach 36 Jahren, hat man dieses „unmoralische" Stück auf der Hofbühne aufgeführt, sogar das aufreizende Wort ließ man stehen! Und hatte seine Freude an den prächtigen, aus dem Vollen geschaffenen Figuren des Dichters. Bei dieser Gelegenheit mag an einen Mann gedacht werden, der Mitte Januar gestorben ist und Lessen Name auch für viele Fremde mit dem Begriff des Tegernseer Bauerntheaters verknüpft ist: Michgel Dengg, der echte Bauernspieler und der ernste Vertreter der Volkskunst. Vom Müllersburschen brachte er cs zum Charakterspieler an Konrad Drehers Schlierseer Bauerntheater —, aber er wollte mehr bieten und schuf sich eine eigene Truppe und ein eigenes Theater. Eine seiner Hauptaufgaben war, würdige Aufführungen der Anzengruberschen Stücke, an sie petzte er seinen ganzen Ehrgeiz und seine Kraft und wuchs dadurch weit über einen einfachen „Bauernkünstler" hinaus. Einen seiner letzten großen Erfolge holte er sich vor ca. 2 Jahren in der _ Uraufführung von Ludwig Thomas Komödie „Erster Klasse" —, seither war er krank. Auch materielle Röte quälten ihn; er ist nur SO Jahre alt geworden.
Einem fast Vergessenen und doch Großen eröffnete die Galerie Caspar; ihre Räume: Dem Maler Emil L u g o, der 1993 als Zweiundsechzigjähriger in München gestorben ist und neben seinem Freund Wilhelm Jensen, dessen Hausgenosse er auch manche Jahre tvar, auf dem schönen, stillen Kirchhof der Fraueninsel im Herrenchiemsee ruht. Die bei Caspari ausgestellten Bilder . entstammen zum größeren Teil dem Jensenschen Besitz; sie sind von einer wundervollen Ruhe und Klarheit, die Natur, seien es nun nordische Wälder oder italienische Landschaften, nrit unendlicher Liebe erfaßt und mit einer Technik wiedergegeben, die an die besten Werke Thomas, Marees und Köcklins erinnert. Sein Selbstportrait zeigt uns ein ernstes, seines Gesicht mit einem etloas herben, verbitterten Zug um Mund und'Augen. Auch ihm wird die volle Anerkennung erst jetzt —, wo der Ehrgeiz lange mit ihm schlafen gegangen ist. — Bei Thannhauser sieht man ca. 80 Werke Hoblers aus allen Epochen, von denen die älteren
Wiesbadener Tagdlatt.
Betrieben in den Landkreisen. Das Staatsdarlehen beträgt bei einem Stellenwert bis zu 10 900 M. neun Zehntel dieses Stellenwertes, übersteigt letzterer 19 009 M., so beträgt das Staatsdarlehen sechs Zehntel des Pachtbetrages. Der Antragsteller muß zur selbständigen Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes geeignet und im Besitz eines ausreichenden Barvermögens sein.
Heer und Flotte.
Am Jahrestag des Eintritts Kaiser Wilhelms in das 1. Garde-Regiment fand gestern im Regimentshause zu Potsdam eine Feierlichkeit statt. Der Kaiser traf um 7 Uhr im Regimentshause ein und nahm an einem Festmahl teil. Nach der Tafel wurde eine Theateraufführung von den jüngeren Mitgliedern des Osfizierkorps veranstaltet. Das Stück stammt aus der Feder eines Offiziers des 1. Garde- Regiments.
Post und Eisenbahn.
Die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr ist im
Reichspostgebiet Ende Januar 1914 auf 87 632 gestiegen (Zugang im Monat Januar 1232). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Januar gebucht 1649 Millionen Mark Gutschriften und 1648 Millionen Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Januar durchschnittlich 194,1 Millionen Mark. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Püstsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der belgischen und luxemburgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbureaus wurden 9,2 Millionen Mark umgesetzt, und zwar auf 3660 Übertragungen in der Richtung nach und aus 17 929 Übertragungen in der Richtung aus dem Ausland.
Deutsche Schutzgebiete.
Die Postanstalt in Hasuur (Deutsch-Südwestafrika) ist nach dem etwa 20 Kilometer südwestlich von Hasuur gelegenen Platz Aroab verlegt worden und wird fortan die Bezeichnung Aroab (Deutsch-Südwestafrika) führen. In Hasuur bleibt eine Telegraphenanstalt bestehen.
KuZLand.
Frankreich.
Die Epidemien in den Garnisonen. Paris, 9. Febr. Rach einer Depesche aus Epinal sind im Laufe des gestrigen Tages in den östlichen-Garnisonen wieder sechs neue Todesfälle vorgekommen. Eine Bestätigung dieser Nachricht, die überall in Frankreich die größte Beunruhigung hervor-gerusen hat, war bisher an maßgebender Stelle nicht zu erlangen. — In der „Humanitö" wendet sich Jaurtzs in sehr scharfen Worten gegen die offiziöse Behauptung, daß die unter den Truppen aus-gebrochenen epidemischen Erkrankungen durch die vom Neujahrsurlaub -zurückgekehrten Soldaten eingeschleppt worden seien und schreibt u. a.: Wenn es Garnisonen gibt, wo sich 30 von 100 Mann krank melden, wo die Krankenhäuser überfüllt sind und die verschiedenen Epidemien in manchen Garnisonen beun. ruhigenden Umfcm-g annehmen, dann liegt die Schuld daran, daß in feuchten und gegen die Kälte ungenügend geschützten Kasernen die Soldaten ohne jede Vorsichtsmaßnahmen zusammengepfercht wurden, weil die L a g e r st ä t t e n, die Ernährung und die H e i zu n g unzureichend, das Schuhzeug schlecht war, weil alle diese Krankheitsursachen bei den massenhaft in -gewissenloser und unvernünftiger Weise eingestellten jungen Leuten unheilvoll -eiriwirken mußten. Die Urheber des Dreijahrsgesetzes haben denselben Zynismus und die Nachlässigkeit, welche sie bei der Herstellung des Gesetzes an den Ta-g gelegt und auch bei dessen Anwendung bewiesen.
Der neue Kommandant von Ostmarokko. Paris,
9. Febr. Der Brigadegeneral Baumgarten, der militärische Kommandant des Territoriums Taurirt, ist zum Kommandanten der Besatzungstruppen von Ostmarokko als Nachfolger des verstorbenen Generals Girardot ernannt worden.
Italien.
Weitere Ausdehnung des Advokatenstreiks. Rom,
10. Febr. Der AnwaltSstreik, der in verschiedenen Städten Italiens herrscht, wird sich voraussichtlich über ganz Italien ausbreiten. Die Vereinigung der Anwälte hat gestern in Florenz eine große Versammlung abgehalten und beschlossen, lalle Anwälte, die der Vereinigung angehören, aufz-üfordern.
immer wieder das Bedauern auslösen, daß der Künstler hartnäckig andere Wege wandelt, wie einst; — in Brakls Kunsthaus gibt es eine große Ausstellung des tapferen, aufrichtigen Schweizers Max B u r i, in seiner Derbheit eine rechte Erquickung nach der Maniriertheit. seines berühmten Landsmanns Hobler. Buri hat übrigens an der Münchener Akademie studiert. Eva Gräfin v. Baudissin.
Nus Kmrfl und Leben.
Theater und Literatur. Graf Seebach, Generaldirektor der Dresdener Hostheater, der heute seinen sechzigsten Geburtstag feiert, kann am 1. März auf eine zwanzigjährige Amtstätigkeit zurückblicken.
In H e r m a n n st a d t (Siebenbürgen) ist der sieben- bürgisch-sächsische Dichter Friedrich Wilhelm Schuster im Alter von. 90 Jahren gestorben.
Bildende Kunst und Musik- Leo Fall wird gelegentlich der Uraufführung seiner Operette „Iung England" in Montis Operettentheater in Berlin am 14. Februar sein Werk -persönlich dirigieren.
»Der Gefangene der Zarin", eine zweiaktige Oper von Karl v. K a s k e l, errang bei ihrer Erstaufführung im Düsseldorfer Stadttheater freundliche Aufnahme.
In Posen ist am 6. Februar der königliche Musikdirek- tor, Professor an der dortigen Akademie, Karl H e n n i g, im Alter von 69 Jahren gestorben.
In Hellerau findet am Mittwoch, abends 5%' Uhr, eine Trauerfeier für den dahingesch^px^en Dy". ” Wolf D o h r n im großen Sale der Dalcrozeschule statt. Die Einäscherung wurde im -engsten Kreise am Montag in Lausanne vorgenommen.
In Paris steht die Wiedereröffnung der Oper der Ch a mp s - E ly sKe s bevor: ein en-glifch-amerika.
uisches Syndikat, bestehend aus den Direktoren und Hauptaktionären der Metropolitan-Opera in New Jork, der Boston Opem-Company und der Londoner Opera Covent Garden, wird für ein Jahr das prächtige, von Astruc gebaute Theater
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von Freitag ab zu streiken. Der Grund des Beschlusses liegt in dem Protest der Anwälte gegen das langsame Arbeite n -der G e r i ch t s b e h ö r d e n. Die letzten Reformen int Gerichtsverfahren wurden von der ganzen Versammlung für völlig überflüssig und ungenügend erklärt.
Humämen.
Zum Besuch des serbischen und deS griechischen Ministerpräsidenten. Bukarest, 9. Febr. Das offiziöse Watt „Victorul" schreibt: Der serbische Ministerpräsident Paschitsch und der -griechische Ministerpräsident Venizelos kommen, um unseren ruhmgekrönten Herrscher, unter deffen Auspizien der Balkanfriede geschlossen wurde, zu begrüßen. Rumänien wurde durch die militärische Aktion des letzten Sommers ein entscheidender Faktor und Bukarest ein p o l i. tisch-es Zentrum von großer Bedeutung. Die Regierungschefs der durch edle Mitarbeit mit Rumänien verknüpften Länder kommen auch, um Fühlung zu nehmen mit ' der neuen Regierung des Landes, welches die Festigung des Kräftegleichgewichts auf dem Balkan leitete.
Serbien.
Verlolmngsgerüchte über den Kronprinzen. Belgrad, ^
10. Febr. Die Petersburger Reise des serbischen Kronprinzen wird mit Heiratsprojekten in Verbindung gebracht. Während . bisher das Gerücht umging, daß sich der Kronprinz mit einer Tochter des russischen Zaren verleben werde, wird nunmehr an gut unterrichteter Stelle erklärt, daß sich der Prinz mit der zurzeit in.Petersburg weilenden Prinzessin Maria Antonia von Mecklenburg, einer Nichte der Großfürstin Maria Pawlowna, zu verloben gedenke.
Griechenland.
Eine türkische Forderung auf Rückgabe von Chios und Mytilene. London, 9. Febr. Der Athener Korrespondent der „Times" will aus bester Quelle erfahren haben, daß der türkische Geschäftsträger in Athen am Samstag die griechische Regierung nochmals aufgeforderi habe, die Inseln Chios und M y t i l e n e an die Pforte zurückzugeben, falls Griechenland in Frieden mit der Türkei leben wolle. Die Türkei werde nicht davor zurückschrecken, sich -gegebenenfalls die Inseln zurückzuholen, da dieselben im griechischen Besitz als eine Gefahr für Anatolien angesehen werden müssen.
Eine Verlobung des Kronprinzen mit einer Prinzessin von Rumänien. Athen, 10. Febr. In hiesigen gut infor- mierten Kreisen verlautet, daß die Verlobung des -griechischen Kronprinzen mit der Prinzessin Elisabeth von Rumänien um, mittelbar bevorst-ehe.
Albanien.
Der Prinz zu Wied in Rom. Rom, 10. Febr. Gestern . abend 11 Uhr ist der neue König von Albanien, der Prinz zu Wied, mit dem Expretzzug aus Berlin hier angekommen. Er befand sich in Begleitung eines höheren Offiziers der Cara- binieri. Er wurde am Bahnhof Termini von dem Unterstaatssekretär des Auswärtigen, dem Prinzen Di Scalia, und ( verschiedenen offiziellen Persönlichkeiten empfangen. Der Prinz wurde mit dem Ruf „Hoch Albanien" begrüßt. (Vergl. Letzte Drahtberichte.)
Türkei
Das Einvernehmen über Reformen in Ostanatolien.
WOB. K o n st a n t i n o pe I, 9. Febr. Das endgültige Ein- - vernehmen über die ostanatolischen Reformen ist dadurch zu- > stände gekommen, daß der russische Geschäftsträger der Pforte mitterlte, die russische Regierung stimme in den Grundsätzen mit der Pforte vollständig überein. Die Pforte benachrichtigte die Botschafter, daß sie sich an die Mächte mit dem Ersuchen wenden werde, ihr eine Kandidatenliste für die Posten der beiden Generalinspektoren vorzuileg-en. Die Kandidaten seien aus neutralen Staaten zu nehmen. Nach Empfang der Liste, aus welcher die Pforte die Auswahl treffen werde, werde die Pforte den Großmächten offiziell das -ganze Reformprogramm mitteilen und wahrscheinlich gleichzeitig die Ernennung der Generalinspektoren zur Kenntnis bringen.
Japan.
- Die kritische Lage infolge des Flottenfkandals. Tokio,
9. Febr. Der Marineminister erklärte in der heutigen Sitzung der BudgetkoMmission des Landtages, -er werde sich der beschlossenen Budgetherabschung nicht widersetzen. Die Untersuchung des FlottenflandalS schreite fort und er hoffe bald in der Lage zu sein, bie gegenwärtige Ungewißheit aufzuklären.
— Eine von ungefähr 28 000 Personen besuchte Versammlung im Amphitheater nahm mehrere Anträge an, in denen gegen
mieten, zunächst, um im April, Mai und Juni eine „ssuson" ' deutscher und italienischer Opern mit den größten Stars, Caruso, Geraldine Farrar, Amato usw. zu veranstalten. Ur« fprünglich wollte das Syndikat die Oper nur für die genannten drei Monate haben; aber da die Jmmobiliengesell- schaft, der das Grundstück und der Theaterbau jetzt gehören, nur Jahresverträge eingehen wollte, wurde beschlossen, auf -, die Qpernsaison eine ebenfalls dreimonatige Saison von Wiener Operetten folgen zu lassen. Das letzte Halbjahr wird eine Kientopsaison mit den sensationellsten Films werden.
Wissenschaft und Technik. Der erste Bibliothekar dev Königlichen Bibliothek in Dresden Professor Dr- Artur Hermann L ier ist crm Sonntag nach achttägiger Krankheit
gestorben.
Der Professor an der Handelshochschule zu Leipzig W. G. D e t t l o f f - M u e l l e r ist am Sonnta-gvormittag nach langem, schwerem Leiden in Halle gestorben.
Die Wiener Geographische Gesellschaft hat der Witwe Scotts die Ehrenmedaille für den Toten übersenden lassen, deren Träger -unter anderen Amundsen und Peary sind.
In Ost i a, dev alten römischen Hafenstadt, wurde ein großer Teil der Nekropole freigelegt, die in der Nähe des Amphitheaters und der Thermen liegt. Zahlreiche lateinische Inschriften, Marmorfragmente und Gebrauchsgegen- st-änd-c kamen dabei zum Vorschein. Besonders i-st der Kopf einer Matrone aus -der Zeit der Antoninen bemerkenswert.
Die Ausgrabung eines altrömischen Hauses in Spole t o, ^ das unter dem Palazzo Comunalc lag und der Vespasia Polla gehörte, hat Professor Giuseppe Sordini, der Inspektor der Kunstderrkmäler der Stadt, nahezu zu Ende geführt. Dabei wurden neuerdings, wie der „Cicerone" b er ich- '
tet, auf dem linken Flügel des Hauses drei Räume mit Pracht» t vollem Mosaikfußboden und ein Peristhl freigelegt, das sich entgegen den Baugewohnheiten der alten Römer auf der linken Seite des Hauses befindet. Ferner wurden HauSge- räte verschiedenster Art und Stuckdekorationen entdeckt. Äe Gegenstände sollen an ihrer Fundstätte bleiben und bald all» t, gemein zugänglich gemacht werden.
Dienstag, 10. Februar 1911-,
