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Verlag Langgaffe 21.

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Tagen und Plätzen wird keine Bewähr ubernoulmen.

Dienstag» 10. Zebruar 1914.

5lbend-Ausgabe.

Nr. 68. » 62. Jahrgang.

politische Übersicht.

vom Zentrum.

Gegenüber den Vorgängen im klerikalen Lager wird Nch andauernd größte Zurückhaltung empfehlen. Der streit der Bischöfe brennt in Hellen Flammen, die west- üentichen katholischen Arbeiter haben, wie wir meldeten, eine Entschließung angenommen, die eine Kriegs cnlarnnt, an bic Berliner Richtung bedeutet. Gleich- ^lltig hat der Reichsausschuß der Zentrumspartei einen Ausruf beschlossen, von dein manche Beurteiler glauben er wende sich mit seinen schärfsten Spitzen rücksichtslos gegen den Kardinal Kopp. Vor solchen Auslegungen wird aber doch Wohl zu warnen sein. Es ist sehr nierk- wnrdig. daß di? „Germ.", die bis dahin als Blatt der ^erliner Nicht,,na gelten konnte, ohne Bedenken auf oen Boden der vom Reichsausschuß ergehenden Kund- geoung tritt. Das Berliner Zentrumsblatt freut sich oe^ Latzes, daß sich die Träger der Verdächtigungen, me Quertreiber außerhalb der Partei gestellt haben w ? et ^ e ^ Zentrums zu betrachten und zu - äo erfordere es die Parteidisziplin, orüb? bieier oofe aber ist von Beurteilern außerhalb des Zentrums als versteckte oder vielmehr offene Par- temahme gegen die Berliner Richtlrng verstanden wor­den. Kann diele Auffassung nun wohl au rechterhEen werden, wenn die Berliner „Germ." ihre Gennatnuna über den Latz ausspricht? Davon darf doch keine Rede sein und wenn der Aufruf deS Reichsausschusses der Zentrstmspartei somit zum mindesten den Sinn nicht

M" "wst haben soll, den ihm eine etwas voreilige bestegt, so wird es doppelt geraten sein, brfihnrLJ Te ^organge .im katholischen Lager ruhig zu oder und sich durch eigene Wünsche, daß sie so

2 ,, °. .berioufen mögen, nicht zu der falschen An- ^Kw,brangen zu lassen, daß diese Wünsche nun auch nnrriich Ichon der Erfüllung entgegenreifen. Man bat neuerdings so den Eindruck, als werde die Kölner Richtung den Sieg davontragen, das ist gewiß er- treulich, insofern bei der Wahl zwischen zwei Übelst das kleinere Übel sedenfalls den Vorzug verdient. Aber die Befriedigung wird immer nur relativ sein können und sowohl dos Zentrum wie der deutsche Klerikalis­mus werden stets bleiben, was sie sind und sein müssen, Organisationen zur Verwirklichung und Förderung des konfessionellen Geistes. Die Milderung eines überstarken und unerträglichen Drucks, wie ihn die Berliner Richtung darstellt, be­deute noch lange nicht eine Abschüttelnng des Jochs stlber. Wenn das Zentrum jetzt so lebhaft betont, daß es eine politische und keine konfessionelle Partei sei, 'o kann das ganz ehrlich gemeint sein und ist es wohl auch, aber alle diese Dinge vollziehen sich in einen: begrenzten Rahmen, der seine Wesensart eben dom angeborenen Konfessionalismus der Partei erbält.^ Ans alle Fälle ist Vorsicht geboten. Es scheint uns ziemlich überflüssig, vorwegnehmende Urteile zu äußern, der Anblick der Zwistigkeiten zwischen Berliner

und Kölner Richtung ist ja auch an sich schon gerade interessant genug, um einen stärkeren Anteil ohne irgendwelche Parteinahme zu rechtfertigen.

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Aus der Reichsausschußsitzung.

Die Verhandlungen des Reichsausschusses des Zen­trums, die am Sonntag in der Gewerkschafts­frage stattfanden, _ haben, wie uns dazu noch aus Berlin geschrieben wird, ungewöhnlich lange, über acht Ltunden, gedauert. Die Ursachen dieser langen Dauer waren, wie wir hören, tiefgehende Meinung s- verschiede n h eiten zwischen dem Hauptteil der adeligen Mitglieder des Zentrums und den übrigen Mitgliedern. Die Adeligen, besonders der westfälische Adel und einige Mitglieder des süddeutschen Adels, waren Gegner eines zu lebhaften Eintretens für die Gewerkschaften, deren Mitglieder ihnen zu demokratisch, um nicht zu sagen, zu sozialdemokratisch, sind. Aus diesem Gebiete fühlen sich die Adeligen im Zentrum mit den .Konservativen eines Sinnes.

wir und Nutzland.

. Die deutsch-russischen Beziehungen sind offenbar nicht so, wie sie sein sollen. Auch wenn man nur bescheidene Ansprüche macht, ist es erlaubt, zu tagen, daß die Wirklichkeit hinter ihnen zurückbleibt. Rach den Darstellungen, die in Berlin beliebt wer­den und die in t ü r k i s ch e n offiziösen Meldungen be­stätigt werden, sollen wir nun zwar in der Angelegen­heit des Generals Lim an v. Sanders keineswegs eine Niederlage erlitten haben, aber auch wenn es so ist olnbt eine große Unfreundlichkeit des Petersburger Kabinetts bestehen, das sich mit feind- s e 1 1 cj ft e r Schroffheit bemühte, uns in Konstan- tinopel aus dem Sattel zu heben. Jedenfalls ist es etwas Ungewöhnliches, daß Herr Ssasonow ficf)’ wie aus Petersburg gemeldet wird, des über uns — ver­meintlich oder wirklich — errungenen Erfolges offen rühmte. Mehr noch, er gab aus die Frage eines Ab­geordneten. ob nicht Deutschland bis 1917 größere Verwicklungen herbeiführen könnte um sich beim netten Handelsverträge bessere Be­dingungen pl sichern, wie wir meldeten, die seltsame Antwort, solche Befürchtungen seien allerdings nicht grundlos, und die Regierung werde die Möglichkeit auswärtiger Verwicklungen zum Zeitpunkt des Ab­schlusses des Handelsvertrages berücksichtigen. Aus­drücklich wird in Petersburger Telegrammen versichert daß diese eigentümliche Äußerung des Ministers durch das Stenogramm verbürgt.sei. Freundschaft er* warten wir ja von Rußland nicht, aber nachdem der Reichskanzler, übrigens übereinstimmend mit den Herren Kokowzow und, Ssasonow, feine Befriedigung über die letzten Unterhaltungen mit den russischen Staatsmännern ausgesprochen hatte, hätte man min­destens eine Temperatur so um den Nullpunkt herum erwarten können, dafür weht setzt sibirische K alte von der Newa herüber. Weder in Wien noch bei uns wird gegenwärtig gern von unserem Verhält-

Münchener Rrirf.

Eine großartige Idee, die in allen Kreisen der Bevölke­rung auf regstes Interesse trifft, soll bei allgemeiner Förde­rung bald in die Tat umgesetzt werden: man will für das Münchener Deutsche Museum ein Phonogramm-Archiv schaffen! Künftigen Geschlechtern sollen aber nicht nur die Stimmen großer Fürsten, Staatsmänner, Gelehrten und Künstler bewahrt bleiben, nein, man wird die Platten, für deren Herstellung man an ein bayerisches Unternehmen denkt und so gleichzeitig Praktisches, eine Hebung der Industrie, mit Ideellem verbindet, auch dazu benutzen, um alte Mund­arten, die im Aussterben sind, zu erhalten. Da auch in eini­gen Städten des Auslands, in Italien, der Schweiz usw., der- stlbe Plan ausgenommen wird, könnte die höchst verdienstvolle Sache durch einen Austausch der Platten noch gefördert wer­den. In München beschäftigt sich Oskar v. Müller, der Begründer des Deutschen Museums, bereits mit der Be­schaffung eines für diese Zwecke am besten geeigneten Auf- uahmeapparats und scheint den rechten in einem kürzlich von Professor Reko vorgeführten gefunden zu haben. Im übrigen sind die Arbeiten im neuen Gebäude des Deutschen Museums in vollem Gange, augenblicklich werden auf dem Turm die Antennen für die drahtlosen Telegraphenstationen aufgestellt, denn der drahtlosen Telegraphie sollen zwei Stationen, und Mar eine Telefunkenstation und eine andere für ungedämpfte Schwingungen, nach dem System des dänischen Ingenieurs Panlsen, gewidmet sein. Die erstere wird mit 8000 Volt arbeiten, ihre Reichweite wird bis zu 1000 Kilometer gehen. Am gleich bei den technischen Wundern zu bleiben: der lange, .sowohl von bayerischer wie von österreichischer Seite geplante Bau einer Zugspitzbahn hat nun wenigstens die Konzession erhalten, eine Zahnradbahn wird über Garmisch, den Eibsee und das Platt Bequeme auf den Gipfel bringen- die Trace geht nur über bayerischen Boden, und natürlich wird manchem

die allgemeine Erschließung des höchsten deutschen Berges schmerzlich sein. Dem echten Bergsteiger aber raubte der Massenandrang schon lange die rechte Freude an ihm — und

schließlich ist es auch schön, Weren und des Steigens Unfähi­gen Gipfelfreuden zu bereiten. Die geplante Schwebebahn auf das Kreuzeck über Garmisch wird besonders den Wtnter- jportsfrennden willkommen sein, doch soll ein vornebmes Notel oort oben auch für die sorgen, die den Winter draußen, außer­halb der Städte, genießen wollen. Zurzeit sind fast alle gro­ßen, oberbayerischen Seen zugefroren —, die Schlittschuh- laufer haben endlich 'mal wieder eine glänzende Saison die auch nicht von den Faschingsverlockungen beeinträchtigt wird. Gegen ihre Ausartung hat übrigens die Polizeidirektion eine geharnlichte Verfügung erlassen, dre sich besonders gegen an- üoßige Tänze, zu denen ohne weiteres auch der Tango gerech- uet wird, „weil er mehr ein sinnliches Reizmittel sei als ein Lang , richtet, und ebenso, und das mrt vollem Recht! gegen dre freie Kostümierung. Wo aber ein Tanz aufhört, nur noch ein Tanz zu sein und ein Reizmittel zu werden, das wird wohl auch trotz eifrigen Recherchierens die Polizei nicht ent­decken können; von diesem Gesichtspunkt aus wäre wohl vor­sichtshalber jeder Tanz zu verbieten! Daß unsere Zeit sich an een alten Formen nicht mehr genügen läßt und nach neuer Ausdrucksmöglichkeit für ihre Freude sucht, ist ^.er; ba mag watt das jetzige Herumprobieren als Übergang ansehen und ein wenig nachsichtig sein —, es hat \a auch eine Epoche qe- SEBen, wo der Walzer, der jetzt hoffähig ist, als unmoralisch und anstößig im höchsten Grad verdammt wurde; Byrons langes Schmähgedicht „The VValtz" ist ein Beweis dafür. Und doch nutzte nichts gegen seinen Siegeszug!

Von bemerkenswerten Vorlesungen dieses Monats sind drei zu erwähnen. An einem vom „Neuen Verein" veranstal­teten Abend sprach vr. Milan in der nur ihm eigenen wun­dervoll jchlichten Art norddeutscher Dichter; man kann es nicht anders ausdrücken: er sprach sie —, denn man könnte sich kernen besseren Interpreten für Hebbel, Kleist, Fontane,

ms zu Rußland gesprochen. Es hat sich verschlech­tert, aber man will das nicht sagen. Auch über die russischen Truppe nanhäufungen an unseren Grenzen wird weislich und vieldeutig geschrieben.

3um Straßburger Veamtenwechsel.

Sit r « ß b u r g, 10. Febr.

Die Ernennung eines pr e u ß i s ch e n Beamten für .vzustiz und _ Kultus kommt hier nicht überraschend. Schon die bisherige Besetzung hat gezeigt, daß mit einer völligen Änderung des Systems bei der Personenauswahl für Elsaß-Lothringen gerechnet wer­den müsse. __ Die Annahme, daß man einen Elsässer zum ^ustizminister bestellen werde, hatte von vornherein wenig Wahrscheinlichkeit sür sich. Im übrigen ist der neue Minister für Elsaß-Lothringen für die hiesige Be­völkerung ein unbeschriebenes Blatt, über die Lauf­bahn des neuen elsaß-lothringischen Unterstaatssekretärs sei folgendes mitgeteilt: vr. Frenken ist ein gebür- tiger Rheinländer und aus der Staats- a n w a I t s ch a f t hervorgegangen. Er war früher Staatsanwalt in Köln, dann Hilfsarbeiter und darauf Vortragender Rat im preußischen Justizministerium, -v^. dieser Eigenschaft gehörte er der preußischen Justiz- prufungskommission für Assessoren an. Im Bundes- rate vertrat er die preußische Regierung bei der Be- ratung neuer Gesetze strafgesetzlichen Inhalts. In dem bekannten B o r ch a r d t - L e i n e r t - Prozeß ist er es gewesen, der die Frage verneinte, ob die Ausschließung eines Abgeordneten eine Verletzung der strafgesetzlichen Bestimmungen darstelle. Das Gericht hat sich seiner- zeit aiis dieses Gutachten bei der Verurteilung der Ab­geordneten bezogen, vr. Frenken wurde dann zum Direktor im pr-n ' - isterinm, Abteilung

Strafsachen und Gefängniswesen, ernannt und hat als solcher auch die preußische Regierungs-Jubiläums­amnestie bearbeitet.

Besser ist Ministerialrat Cronau bekannt, der

Ministerialdirektor ernannt worden ist. Man schätzt ihn als einen tüchtigen Beamten. Mit dem Ministerialrat v. Traut verliert das eliaß-kothrmgische Beamtentum einen seiner tückstia- sten .Vertreter, der besonders auf dem Gebiete des Wanerbaus, der für Elsaß-Lothringen so wichtigen Kanalsrage, al- Autorität gilt. Der neue Ministerial­direktor Cronau wurde in M.-Gladbach 1863 geboren. Er kam als Sohn des Oberregierunqsrates bei der Generaldirektion der Reichseisenbahnen in Elsaß- Lothringen früh nach dem Reichslande und ver­lebte seine ganze Jugend hier. Er besuchte zunächst das Lyzeum in Straßburg und trat 1884 in den Justiz- dienst ein. 1889 bestand er die Staatsprüfung und wirkte von da ab als Assessor an verschiedenen Stellen, beim Bezirkspräsidium in Straßburg und in der Kreis- direktion von Altkirch. 1889 wurde er Regierungsrat und 1900 der Abteilung für Landwirtschaft überwiesen, 19M wurde er Geh. Negierungsrat und 1909 zum Ministerialdirektor ernannt. Er folgte damals dem Ministerialrat Sieveking, der im vorigen Jahr in die

Storni denken. Und zum Schluß kam des alten Matthias Claudius rührendes „Die Nacht ist aufgegangen", dies Gebet voll Innigkeit und kindlicher Einfalt, vr. Milan spricht ganz frei, dadurch gewinnt auch die Prosa, die in „Drucksprache" gesetzt ist, etwas ungeheuer Lebendiges. Zwei Autoren Herbert E u len b erg und Thomas Mann, lasen selbstver- standllch aus ergenen Werken. Eulenberg hat auch in

KUI, i e L f JTr fe J2? - 0r ^ e Jeuieinde; er las eine Vorrede zu „Anna Walmvska, der Tragödie, die vor kurzem ja in München aufgefuhrt wurde, ein paar seiner herrlichen Deut scheu Sonette , eine Übertragung aus dem „Befteiten"Kru-

SLr- den originellen Einakter „Die Ge­

schwister . ^-homas Mann machte mit der Einleitung zu

e-nem noch' ^-^rberg" und zwei Kapiteln 'aus

""gedruckten Roman „Bekenntnisse des Hoch-

und seiner Art^austviesetn"^^ E Vorzüge seines Stils

Verein" widmete einen Theaterabend dem Katers Schriftsteller Emil Rosenow, dessen Lustspiel heitere M ^ • emft biel gegeben wurde. Aber wie dieses würe r r ohne Hauptmanns „Biberpelz" zu denken

Zfln Ir ""ch ^in Drama „Die im Schatten leben",

° -fussuhrung durch den „Neuen Verein" in den „Kam- mer,p:elen" veranlaßt wurde, ganz im Schatten der „Weber".

ist ein Zustands- und Arme-Leutsdrama, wie sie vor zwanzig Jahren Diode waren, und hat recht gute Qualitäten, unter denen allerdtngs die theatralischen die künstlerischen uverwtegen. — Das König!. Residenz-Theater gönnte endlich einmal wieder Ludwig Anzengruber das Wort, und zwar zum erstenmal seinem vortrefflichen Volksstück „Das inerte Gebot". Ebensowenig, wie man einsieht, daß ein Staat durch ein Stück wie „Die im' Schatten leben" gefährdet wer­den kann — es müßte denn ein sehr schwacher, zerbröckelter Staat sein! —, begreift man, wie unter andern der Satz des Anzengruberschen Stücks, der den ganzen Inhalt dieser Tragödie zusammenfatzt, noch 1878 gestrichen werden konnte.