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Sette 2. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

fo scheint er uns sehr wenig überlegt zu sein. Was würbe denn anders, wenn die Gewerkvereine sich nicht mehr christlich nennten? Wären sie dann dem Einfluß und der Zensur der Bischöfe und des Papstes eit t -- rückt? Das scheint man anzunehmen, aber dem ist doch durchaus nicht so. Vorn katholischen Ar­beiter beanspruchen die geistlichen Oberhirten, daß er sich ihnen bezw. dem Papst auf dem ganzen Gebiete des Glaubens und der Sitten unterwerfe und füge, insbesondere auch in Hinsicht der gewerkschaft­lichen Organisation. Der Name dieser Organisation verschlägt dabei gar nichts, und man darf über die Ge­dankenlosigkeit staunen, die in der Erwartung steckt, durch die Wahl eines anderen Namens von der Auto­rität der Bischöfe befreit zu werden. Oder soll die Streichung des Wortes lediglich eine Rache an den Gönnern der Berliner Fachabteilung sein? Daß der Rückzug des Kardinals Kopp gegenüber dem Bischof Schulte am Gewerkschaftsstreit nicht das Geringste ändert, geben setzt auch Zentrumsblätter unumwun­den zu.

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Arbeiter- und Zentrumstagungen.

wb. Berlin, 7. gebe. Wie aus dem rheinisch-west­fälischen Industriegebiet mitgeteilt wird,, ist für näch­sten Sonntag nach Bochum eine große Arbeitextagung der katholischen Arbeitervereine und der katholischen Mitglieder der christlichen Gewerkschaften Westdeutsch­lands einberufen worden, um zu der fortgesetzten Be­unruhigung Stellung zu nehmen. Gleichzeitig tritt in Berlin der Reichsausschuß des Zentrums zusammen. — Bemerkenswert ist, nach einer Meldung unserer Ber­liner Redaktion dazu, daß an dieser Kundgebung auch die katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands, zu deren Gunsten bekanntlich Fürstbischof Kopp einge- grifsen hat, sich beteiligen werden. Man hält an der Auffassung sest, daß demnächst ein p ä p st l i ch e r E r- l a ß erscheinen wird, der ausspricht, daß der Papst zwar die konsessionellen Arbeitervereine vorzieht, daß es aber sein entschiedener Wille ist, auch die christlichen Gewerkschaften zu dulden.

Die Wirkung des Generalparöons.

Nach vorläufiger Schätzung der Dezernenten der Berliner Steuerveranlagungskommission werden in Berlin, wie wir in der Morgen-Ausgabe schon draht­lich meldeten, mindestens vier Millionen Mark an Steuern mehr eingehen, als nach der vorjährigen Veranlagung zur Staatseinkommensteuer zu erwarten war. So berichtet wenigstens eine Berliner Korre­spondenz, und man muß selbstverständlich weitere Mit­teilungen, und zwar beglaubigte Mitteilungen, abwar- ten. Die Stadt Berlin zählt mit ihren wenig mehr als zwei Millionen Einwohnern nicht viel über die Hälfte der Bevölkerung des Zweckverbandes Groß-Berlin, die östlichen und die nördlichen Vororte sind zwar keine Millionärswohnsitze, aber in den Vororten des Westens und des Südens drängen sich die Millionäre form- lich, Charlottenburg ist neben Wiesbaden die „reichste" Stadt im Staate, und so kann man, falls die angegebene Ziffer stimmt, auf ein Mehr an Staats­einkommensteuer in Groß-Berlin von acht bis neun Millionen Mark rechnen. Wollte man verallgemeinern, so wäre also für ganz Preußen ein Mehrertrag von rund achtzig Millionen, gering geschätzt, zu erwarten. Wir wollen uns hier auf die Frage nicht einlassen, ob und in welchem Maße die Städte und das platte Land einander Vorwürfe wegen früherer Steuer­hinterziehungen zu machen berechtigt sind: davon wird natürlich auch noch, und zwar sehr ausgiebig, zu reden sein, aber für jetzt liegen anders Fragen näher. Als die Strafbestinnnung in das Wehrbeitragsgesetz einge- fügt wurde, konnte man alsbald voraussehen, daß den Hauptvorteil die Staaten mit dem Deklarations­zwang haben werden. Der Wehrbeitrag ist e t n- malig, die Einkommensteuer aber bleibt. Sollte das Mehr, um bei Preußen zu bleiben, auch nur 60 oder 60 Millionen Mark betragen, so wäre das ein E r- f o l g. der namentlich für die Finanzen der G e m e i n- den unmittelbare und natürlich sebr er freut: che Wirkungen mit sich bringen müßte. Vielfach wer­den die kommunalen Steu erzu schläg e er­mäßigt werden können oder es wird unvermutetes Geld für Aufgaben bereitsteben, die sonst hatten ver­

den. Diese beiden Werke haben auch gestern lebhaft ange­sprochen. Die erstgenannte Ouvertüre von zart-poetiichem Gehalt, sein und duftig anmutend, ist von einer lreblichen, zum Teil auch humorvollen Weihnachtsstimmung durchweht, die „Käbhchen von Heilbronn"-Ouvertüre scheint von glanzen­der Ritterlichkeit und holdem Minnetum zu künden; auch das mystische Dämmer der Romantik spielt hinein: die Motive sind prägnant und geistreich verarbeitet. Ein „Vorspiel" zum dritten Akt desselben Dramas gefällt sich in musikalisch fein erfühlter Naturschilderung, die Pfitzners hervorragendes ton­malerisches Geschick bezeugt. Frischere Rhythmik und kräftigere Akzentuierung herrschten in der „Einzugsszene", die sich mit ihren hellschmetternden Fanfaren zu einem recht anschau­lichen Tonbild abrundet.

Von besonderem Interesse waren daneben die Fragmente aus der Oper „Die Rose voni Liebesgarten". Es handelt sich in dem Werk um eines jener „Erlösungsdramen", wie sie schon durch R. Wagner verschiedenartige Gestaltung erfuhren: durch den aufopfernden Tod einer liebenden Jungfrau wird der Held zu übernatürlicher Kraft erweckt und besiegt glau­bensmutig das Reich der Finsternis. Den „Waldmonolog" deS Helden „Siegnot" sang gestern Herr Kammersänger Wal­ter Kirchhofs (von Berlin). Seine Kunst ist hier seit lange geschätzt: sein warmblühender, strahlender Tenor ist in vorzüglicher Schule gebildet, der Vortrag durch erlesenen Ge­schmack bestimmt. Die Orchesterpartie des Monologs ist aber wohl zweifellos auf ein tiefliegendes, verdecktes Orchester berechnet; so wie gestern—hatte der Sänger oft große Mühe, mit den Textworten durchzudringen. W>e der „Waldmono­log", in welchem sich manch geheimnisreiche Naturempsindung widerspiegelt, so ist auch das „Blütenwunder" aus „Der Rose Liebesgarten" ein stimmungsreiches Naturbild von subtiler Feinheit, poetischem Reiz und fesselndem Kolorit,

WiesbaDerrer EaMrrN.

schoben werden müssen oder die nur in beschränktem Maße zu erfüllen gewesen wären. Was den Wehrbei­trag selbst betrifft, so kann man es jetzt n i ch t mehr als phantastisch bezeichnen, wenn gesagt worden ist, daß die dritte Rate vielleicht gar nicht erhoben zu werden braucht. Wissen kann man es selbstverständ­lich nicht, aber möglich ist es schon.

Deutschem Reich«

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der GesundheitSaustmrd

des bayerischen Verkehrsministers v. Seidlern hat sich der­art gebessert, daß er demnächst aus dem Urlaub zuruckkehren wird. .

Der nationalliberale LandtassabgLordirete Prof, s'rred- berg wird Mitte Februar die Mintt in Frankfurt ci. M. ver­lassen und längere Zeit nach dem Süden gehen.

— Die neue elsaß-lothringische Regierung. Der Kaiser hatte beim Empfang der neuen elsaß-lothringischen Regie- rungsmänner, des Staatssekretärs Grafen von Rödern und deS Ilnterstaatssekretärs Frhrn. von Stein, eine längere Unterredung mit den Genannten, die auf einem Spaziergange in dem kleinen Gärtchen am Königlichen Schlosse stattfand.

* Fürst Bülow über die Gerüchte seiner Statthalter­kandidatur. Fürst Bülow wurde kürzlich, so wird uns von unserem r ö m i s ch e n Korrespondenten geschrieben, von seinen römischen Freunden interpelliert, was an den Ge­rüchten über seine eventuelle Ernennung zum Statthalter von Elsaß-Lothringen Wahres wäre. Der Fürst gab die charakteristische Antwort: „So leicht kriegt man mich nicht w Lederins Jo ch." Es folgten dann einige mit vielem Behagen vargebrachte Bemerkungen, aus denen hervor­geht, daß sich der Fürst procul negotiis außerordentlich wohl­fühlt und nicht im entferntesten daran denkt, undankbare Ämter zu übernehmen. Nur Leute, die den Fürsten in Rom nicht kennen, konnten auf den seltsamen Einfall kommen, ihn mit der Statthalterfrage in Verbindung zu bringen.

EPP. Der Kaiser und die Deutsche Evangelische Missions-Hilfe. Wie wir soeben erfahren, hat der Kaiser mittels Kabinettsorder vom 2. Februar die Errichtung der unter seinem Protektorat stehenden Stiftung „Deutsche Evangelische Missions-Hilfe" genehmigt, wodurch diese rechts- beständig geworden ist. — Tie Stiftung verfolgt den Zweck, das durch die Nationalspende zum Kaiserjubiläum im deut­schen Volke geweckte Interesse am evangelischen Mifsionsge- danken dauernd wachzuerhalten. An der Spitze des Vorstan­des steht der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Wirklicher Geheimer Rat von Hegel, als Direktor ist Missionsdirektor Schreiber (Bremen) gewählt.

H- Der wirtschaftliche Ausschuß. Der Reichstagsabgeord- nete Bassermann hat vor kurzem, in der Reichsragssitzung vom 31. Januar, eine Verstärkung des wirtschaftlichen Ausschusses begehrt, der Staatssekretär des Reichsamts des Innern hat sich aber dagegen ablehnend verhalten. Der wirtschaft­liche Ausschuß dürfe nicht zu einer Art Zollparlament werden, bemerkte Pr. Delbrück. Wie wir aus Kreisen, die mit den Verhandlungen dieses Ausschusses seit Jahren vertraut find, vernehmen, sind aber die Klagen über die Zusammensetzung dieses Ausschusses vollarch begründet. Die Verhandlungen des Ausschusses .machen den Eindruck eines Kampfes aller gegen alle. Jedes Mitglied spricht nur für sich und den Er­werbszweig, den es vertritt. Es ist gegenwärtig unmöglich, die einzelnen Ausführungen unter gemeinsame Gesichtspunkte zu bringen. Außerdem aber, und das ist mindestens ein ebenso großer Mangel, sind viele Mitglieder des Ausschusses be­tagte Herren, denen es an der nötigen Spannkraft fehlt und die, weil sie selbst mit Glücksgütern und Ehren überhäuft und darum gesättigt sind, nicht mehr die wünschenswerte Teil­nahme für die Bestrebungen der anderen bekunden, die es so weit noch nicht gebracht haben. Es müssen, das ist die Über­zeugung von Kennern dieser Körperschaft, frische Kräfte in den wirtschaftlichen Ausschuß, und zwar Männer, die mitten im Kriegen und Kämpfen unserer Tage stehen. Für den M i n i st e r ist der jetzige Ausschuß allerdings sehr bequem.

* Tie Novelle zum Kaligesetz dürfte in der nächsten Plenarsitzung des Bundesrais vorliegen. Die Kaliindustrie, die bekanntlich ein gesetzliches Eingreifen bekämpft, wird un­geachtet der Beratungen des Bundesrats ihre Bindungsaktion fortführen. Ob ihre Erwartung sich aber erfüllen wird, daß der- Reichstag, wenn ein umfassendes Bindungsresultat vor­liegt, die Novelle ablehnen wird, bleibt dahingestellt.

* Versetzung des Amtsrichters Knittel. Der durch seinen Prozeß bekannte Amtsrichter Knittel wurde dem „Ober­stes. Anz." zufolge von Rybnick nach Strehlen verseht.

Im „Trauermarsch" aus derssWen Oper schlägt der Kompo­nist ein großes tragisches Pathos an, ohne indes damit so recht erwärmen zu können. Wenn der Waldmonolog Sieg- nois unwillkürlich an die Waldszene „Siegfrieds" genmhnt, so wird man den Trauermarsch Siegnots nicht ohne „ein süß Erinnern" an den Trauermarsch Siegfrieds hören; wie ja denn Pfitzners Phantasie überhaupt von R. Wagner vielseitig befruchtet wurde. Pfitzners Tonsprache an sich ist aber trotz starker Berührungspunkte nicht fa finnisch schwelgerisch und üppig wie die seines großen Vorknlses; in der Orchestration nicht so farbenglühend; in der Entwickelung der Gedanken nicht so konsequent und gedrungen: es lebt eine gewisse vor­nehme Innerlichkeit und Feinnervigkeet darin, eine Eigenart, die, wenn auch zuweilen etwas spröde und in sich verschlossen, doch den Willigen für sich einnehmen muß. Herr Professor Br. Pfitzner, welcher das Kurorchester mit sicherem Blick — hei fast allßu aufgeregter Gestiiulierung — leitete, wurde vom Publikum in sehr ehrenvoller Weise ausgezeichnet.

Im zweiten Teil des über Gebühr ausgedehnten Kon­zerts brachte das Kurorchcster unter Herrn Musikdirektor Karl Schur ichts Direktion eine sehr wohlgelungene Auf­führung der Schubertschen H-Moll-Sinfonie. Trotz der „Un­vollendetheft" liegt eine durchaus ^befriedigende gegenseitige Ergänzung in diesen beiden Musiksätzen beschlossen: dort das von herben Akzenten durchbrochene melancholisch schattierte „Allegro" — hier das hoffnungsfreudMre, von Lichtblicken durchsonnte „Andante"; dort die bange Erwartung — hier die „Vollendung". Den reichen Melodienstrom der Partitur wußte Herr Schuricht durch wohlvorbereitete dynamische: Steigerungen und sinngemäße Phrasierung noch besonders anziehend 'zu beleuchten? Das Kurorchester folgte mit musika­lischer Eraktheit und hingebendem Eifer.

Der Solist des Abends, Herr Walter Kirchhofs,

Samstag, V. Februar 1914. Skr. 64.

* Kundgebung für den scheidenden Schutzmannskollegen. Zu einer Kundgebung gegen den Berliner Polizeipräsidenten gestaltete sich gestern abend die Abreise des gemahrsgel- t e n Berliner Schutzmanns H ö h n o w nach Königsberg, Höhnvw, der bekanntlich wegen seiner Bemühungen um dis Gründung eines Vereins Berliner Schutzleute strafversetzt ist, verließ gestern Berlin vom Schlesischen Bahnhof um 11*4 Uhr abends. Am Bahnhof hatte sich eine große Anzahl von Schutz­leuten in Zivil eingefunden, um dem scheidenden Kollegen Lebewohl zu sagen. Höhnow hielt eine längere Ansprache, an deren: Schluß er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Wünsche der Berliner Schutzleute bald in Erfüllung gehen möchten. In Erwiderung hierauf dankte man ihm für sein mannhaftes Eintreten für die Interessen der Schutzleute. Ein dreifaches Hoch wurde dem Scheidenden zuteil, als der Zug die Halls verließ.

* Kreisdircktor Mahl soll Zaberner Ehrenbürger werden? Wie der „Post" aus Zabern gemeldet wird, liegt dem dortigen Gemeinderat ein Antrag vor auf Verleihung des Ehrenbürger- rechts an den scheidenden Kreisdirektor Mahl wegen seines Eintretens für die Interessen des BürgertumS der Stadt.

sh. Königliches Landesökonomiekollegium. In der gestrigen Sitzung des Königlich Preußischen Landesökonomiekollegiums erstattete Frhr. v. Marenholtz (Gr.-Schwülper) den Bericht der Landwirtschaftskammern über Pferdezucht. Er kon­statierte ein Anwachsen des Pferdebestandes, was ein erfreu­liches Interesse an der Pferdezucht verrate. Der Pferdebe­stand in Preußen belief sich '1812 auf 8193 279, im Jahrs 1913 dagegen auf 3 216 257 Stück. — Oberlandstallmeister v. Oettingen nahm in der Debatte die Gestütsverwaltung gegen die wider sie erhobenen Angriffe in Schutz. — Der fol­gende Bericht betraf die B i e h z u ch t. Referent war Land­rat a. D. Batocki (Bledan). Er wies u. a. auf die Gefahr hin, die den jüngeren Biehverwertungsgenossenschaften aus ihrer Beteiligung an der in Liquidation befindlichen Viehzentrale erwachsen könnte, falls diese Liquidation nicht ohne erheblichs Verluste für die Beteiligten erledigt werde. Die Staats- regierung möge rnit Energie, eventuell unter Bereitstellung staatlicher Mittel auf eine sachgemäße Lösung dieser wichtigen Frage hinwirken. — Zum Schluß berichtete Gärtnereibesitzer Jungclausen (Frankfurt a. d. O.) über Wein-, Gemüse- u n d Gartenbau; er trat für Gemüsezölle ein.

* Eine Sammlung für die Olympiade in Berlin. Um gegen die Absetzung des Antrags, betreffend einen Reichszn- schuß zu den olvmpischen Spielen, in der Budgetkommission zu protestieren, hat die Kont. - Kautschuk - Co. den Betrag von 60 000 M. gezeichnet, mit dem sie sich an die Spitzs einer öffentlichen Subskription stellen wird.

parlamentarisches.

Ans der Budgetkommission des Reichstags. Nach der schon im heutigen Morgenblatt telegraphisch mitgeteilten Be­sprechung des Lieferungswesens und der Frage der Anstellung verabschiedeter Marineoffiziere wurde in die Einzelberatung eingetreten. Der Staatssekretär bemerkte, daß man in der Ö l f e u e r u n g sehr vorsichtig vorgeye. Die Vorteile der Ölmotoren seien noch nicht klargestellt. Gewiß biete die Ölfeuerung manche Vorteile, z. B. wenig Rauchent­wicklung, schnellere Dainpfaufrnachung, leichtere Übernahme des Heizmaterials auf See, aber auch Nachteile, z. 23. teuerer Preis, Lieferung durch das Ausland. Ob die Teerölproduktion in Zukunft mehr Material liefern werde, sei noch unsicher. Andere Staaten seien bezüglich der Ölverwendung noch zu­rückhaltender als wir. Daß die Zukunft den Ölmotoren gehöre, sei aber kaum zweifelbaft. Ein Nationalliberaler bittet um Auskunft über die Petroleumkonzession fremder Staaten in bisherigen oder zukünftigen Produktionsgebieten. (Der Staatssekretär betont, daß die Ölliefernng für den Frieden gesichert ist; ein sprungweiser Übergang zum Öl werde kaum eintreten. Der Fahrdienst sei gegen früher schon eingeschränkt. Ein Zentrumsmitglied warnt vor jeder Schikanierung der großen Petroleumgesellschaften. Es müßten mit ihnen beizeiten Verträge geschlossen werden, damit sie im Kriegsfall nicht versagten. Heute wird der Staatssekretär des Auswärtigen Auskünfte über b.ie Petroleumproduktion geben.

Aus der Leuchtölmonopolkonimission. In der Kommission des Reichstags zur Vorbereitung eines Entwurfs über den Verkehr mit Leuchtöl legte der Staatssekretär des Reichsschatz­amtes die Stellungnahme der Regierung zu den KommisstonS- beschlüssen dar. Die Regierung sei gegen die Errichtung einer Aktiengesellschaft, in der der Reichskanzler die Mehr­heit der Stimmen hätte. Eine solche Gesellschaft würde nicht lebensfähig sein. Ehe könne man daran denken, das Statut der Reichsüank nachzubilden mit einem unter der Leitung deS Reichskanzlers stehenden Direktorium und Kuratorium, daS

brachte gestern noch einige Rob. Schumannsche Lieder und das Preislieo aus den „Meistersingern" zur Wiedergabe. Daß er sich mit dem letzteren einen glänzenden Sieg errang, war selbstredend; überraschend aber war die Kunstfertigkeit, mit welcher der berühmte Bühnensänger dem feinen lyrischen Schwung der Schumannsche» Lieder gerecht wurde. Von einigen etwas gekünstelten Finessen im Vortrag sehe ich gern ab: eS blieb genug des Schönen: die unwiderstehlich werbende Kraft, die dem Organ des Sängers innewohnt, die weich« Elastizität in der Tongebung, die musterhafte Sprachbehand- lung einten sich hier mit einem gefühlsstarken Ausdrucksver­mögen und intelligenter Beherrschung des Stoffs zu harmo­nischer Wirkung. Diese gemütvolle Wärme in „Sonntags am Rhein"; diese kernige Frische in „Knabe mit dem Wunder­horn"; dieser schwärmerische (nur zum Schluß fast ein wenig versckWärmte) Empfindungsausdruck in . „Myrten und Rosen"; dieser feurig chevalereske Schwung im „Hidalgo" —: hier wurde jedes Lied zum Preislied und der Sänger zum Meistersinger —! 0. Pl

Nus KunK und Leben.

* Aus den Frankfurter Theatern. Der neue Intendant, Hofrat Wehrend, hatte sich Ibsens „Kronprätendenten" als seine erste künstlerische Tat erwählt, wie er vorgestern in der Generalversammlung der Theater-Aktiengesellschaft erklärte. Ein gewagtes und ein löbliches Beginnen! Sind doch die Kronprätendenten ein Jugendstück des Dichters, behaftet mit allen bühnentechnischen Mängeln eines solchen, ein Stück aus Norwegens alter Geschichte, daS uns stofflich fernliegt — aber zugleich ein Drama, das des Dichters Werden, die Wurzel» seiner Kunst dem verständigen Zuschauer in überaus intet*