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Nr. 61.

FreUag, 6. Febru-rr 1S14.

Wivsdaoener TagbloLt»

Morgen-Ausgabe, 1. Matt.

Seite 3.

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nc-röamcrffta.

Die Einwandcrungsbill. E. Washington, 4. Febr. Die Einwanderungsbill ist vom Repräsen­tantenhaus angenommen worden. Die Bill enthält eine Klausel, die für die Einwanderer den Nachweis der ^Schulbildung vorschreibt, aber alle Amendements über den Ausschluß von Asiaten beseitigt.

Das Ende einer Bestechungsaffäre. New Jork, 4. Febr. Das ehemalige Mitglied des Kongresses W i l l e t t wurde wegen Zahlung von Bestechungs­geldern an den ehemaligen demokratischen Boß C a s s i d y, der ihm zum R i ch t e r a m t am Obersten Gerichtshöfe des Staates New Jork verhelfen sollte, zu sechs Monaten Zuchthaus und tausend Dollar Geldstrafe verurteilt. C a s s i d y erhielt die gleiche Strafe.

Südafrika.

Schwere Parlamentssitzungen. K a p st a d t, 4. Febr. Das Parlament war stark besetzt und in großer Er­regung, als sich Minister S m u t s erhob, um das Vor­gehen der Regierung zu verteidigen. Nachdem er 3 l /i Stunden gesprochen hatte und sichtlich noch nicht die Hälft, dkl Darlegung über den Standpunkt der Regierung erledigt hatte, war es offenbar, daß weder er noch d,s Haus weiterhin den Anstrengungen einer scharfen Debatte gewachsen waren und es wurde daher vertagt. Smuts suchte zu zeigen, daß die Be­wegung in Südafrika von Anfang bis zu Ende kein gewöhnlicher Streik gewesen sei, sondern eine syndi­kalistische Verschwörung höchst vorgeschrittenen Charak­ters.

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• Hus Stadt unb Land.

Wiesbadener Nachrichten.

wstterschau.

Die mittleren Temperaturverhältnisse des Februar leiten zum balü beginnenden Frühjahr über. Vom 1. bis 28. des Monats steigt die Tages wärme von 1° auf 4" Celsius. Bemerkenswert sind in den meisten Jahren Kälterückfälle, die kurz vor der Monatsmitte einzutreten pflegen und die im Gebirge oft ausgedehnte Schneefälle mit sich bringen. Die Normaltemperatur des Monats beträgt in Wies­baden 1,8°, Frankfurt 2°, Mainz 2,3°, Bad Nauheim 1,0°. Die niederste Temperatur, die seit 1857 in Mitteldeutsch­land beobachtet wurde, trat am 8. Februar 1895 mit 20° Kälte ein, die höchste Wärme am 14. Februar 1889 mit 15,5°, so daß die äußersten Grenzen, innerhalb deren die Temperatur schwankte, rund 36° umfassen. Während die höher steigende Sonne den Boden im Tiefland schon merklich zu erwärmen beginnt, sinkt die Temperatur in den höheren Luftschichten oberhalb 1000 Meter immer noch. Der Februar auf dem Feld­berg i. T. (880 Meter) hat eine Temperatur von —3,5», ist darnach nur 0,3° wärmer als der Januar; aber schon auf dem Brocken wird der Februar mit — 4,4° gegen — 3,7° im Januar zum kältesten Wintermonat. S e h r st r e n g war der Februar in Deutschland seit 1719 in folgenden Jahren: 1740 —7,3°, 1755 —6,0°, 1784 —4,0°, 1800 —4,1°, 1814 —6,5°, 1827

— 6,6°, 1838 —5,2», 1845 —5,8°, 1855 —7,5°, 1865 —5,1°, 187g _5,4°, 1895 —4,0°. Ein Februar mit einer Mittel­

temperatur von 7° Kälte und darunter kann darnach nur etwa alle 100 Jahre einmal erwartet werden. Seit 1855 kamen so außerordentlich große Kälteepochen nicht mehr vor. -sehr warm mit 5° Mittelwärme und darüber waren folgende Jahre: 1747, 1756, 1757, 1763, 1764, 1779, 1783 und 1869. Während das 18. Jahrhundert allein 7 extrem warme Feöruarmonate brachte, trat bis jetzt im 19. und 20. Jahr- hundert nur e i n derartiger Monat ein. Eine Zunahme der Winterwärme läßt sich nicht erkennen, wohl aber eine periodi­sche Folge von kalten und warmen Wintern mit überwiegen der letzteren.

Allgemein hat der Februar eine geringe Nieder­schlagsmenge, geringer als Januar und März. Die durch­schnittliche Zahl der Tage mit Schneedecke beträgt im warmen Main- und Rheingebiet 4 bis 5 und steigt mit der Erhebung des Landes bis 28 im Mittelgebirge oberhalb 800 Meter. Im Jahre 1895 kam es vor, daß selbst in der Mainebene an 27 Tagen eine Schneedecke lagerte.

' Der vergangene Januar hatte in ganz Deutschland ausgesprochen winterlichen Charakter. Im Mittelgebirge ist seit dem 20. Dezember v. I. kein nennenswertes Tauwetter eingetreten, so daß hier überall bis weit ins Flachland herab eine tiefe Schneedecke lagert. Besonders heftig waren die Schneestürme Ende 1913. Am g. Januar lag fast ganz Deutsch­land unter Schnee. Es meldeten: Kassel 12, Erfurt 19, Halle 13, Stettin 13, Görlitz 27, Schreiberhan 65, Breslau 10, Königsberg 16 Zentimeter Schnee. Im Mittelgebirge in 700 bis 800 Meter Höhe lag vielfach 1 Meter Schnee, der zu mannigfachen Verkehrsstörungen Anlaß gab. Wenn auch in der Folge eine kurze Tauwetterperiode im Tiefland die Schneedecke abschmolz, so blieben doch die Mittelgebirge und ganz Süddeutschland während des Monats verschneit. Die Wärmeausstrahlung der weiten Schneeflächen brachte auch dem schneefreien Lande anhaltenden, zum Teil scharfen Frost, der sich in Schlesien bis 20° steigerte. Fast alle größeren Flüsse sind in ihrem mittleren und oberen Lauf zugefroren, was seit Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Seit dem 26. Januar ist endlich in Norddeutschland mildes Tauwetter eingetreten, wahrend m Suddeutschland der Frost unter dem Einfluß der abkühlenden Schneedecke anhält. Würde Süd­deutschland nicht zufällig von Schnee überlagert, dann hätten wir auch dort schon ^auwetter. Denn über dem Ozean ziehen fortgesetzt tiefe Zhilone vorüber, die ganz Westeuropa mit warmen Südwestwmoen uberfluten. Die warme Strömung fließt aber um die kalten Luftmassen Süddeutschlands und Südosteuropas herum, ohne sie verdrängen zu können. Aus­gedehnte Schneedecken fordern ganz außerordentlich die Erhal­tung^ der Winterkälte und verwehren den westlichen Luft­wirbeln den Eintritt rns Festland. Fast alle strengen Winter waren die Folge einer sich zufällig erhaltenden, geschlossenen Schneedecke. Daß in, flroßeren Hohen der Atmosphäre schon seit einigen Tagen ein Einfluß oer westlichen Luftwirbel be­steht, zeigen die Drachenanflttege der Freiluftwarten, die warme Strömungen über den unteren kalten Luftmassen fest- stcllen. So wurden über Lindenberg rat Südosten Berlins am 25. Januar in 500 Meter 4° Warme gemessen, während am Erdboden 6" Kalte herrschten, so daß die Temperatur bei 500 Meter Aufstieg um 10° zunahm. Der in den Niederungen

fortdauernde Frost verhindert das Aufgehen des Flußeises. Plötzlich entsetzendes Tauwetter mit Regen tu den Gebirgen könnte in diesem Jahre bei den gewaltigen Schneemassen, die hier vorhanden sind, verhängnisvolle Hochwasserkatastrophen bringen, zumal die Flüsse zugefroren sind, über den britischen Inseln beträgt die Temperatur schon am Morgen 10 bis 12°

Or. A. P e p p l e r (Gießen).

— Wettbewerb. Bei dem Wettbewerb der Gemeinde Reinickendorf zur Erlangung von Entwürfen für die Auf­teilung des Geländes hinter dem Rathaus, in der Nähe des Schillerparks, erhielt unter anderen der Stadtbaumeister Fr. Zollin ger in Neukölln, ein geborener Wiesbadener, den dritten Preis von 1000 M. Bei dem Wettbewerb wurde von neuem bewiesen, daß es möglich ist, auf Grund der bestehenden Bauordnung eine den heutigen hygienischen An­forderungen entsprechende flache und weiträumige Bauweise mit größeren zusammenhängenden Freiflächen zu schaffen, ohne daß die Gemeinden eine wirtschaftliche Einbuße erleiden.

— Kommunale Stellennachweise für Handlungsgehilfen. Über diese Frage sprach am 4. Februar in.einer recht gut be­suchten Versammlung in der „Wartburg" das Vorstandsmit­glied Gustav Schneider (Leipzig), Leiter der Stellenvermitt­lung des Leipziger Handlungsgehilfenverbands. In ungemein fesselnder Form verstand er es, das etwas weitschichtige Thema seinen Zuhörern nahezubringen. Er bekämpfte die Errichtung kommunaler Stellennachweise für Kaufleute, weil sie die Stellenvermittlung zersplittern und durch die örtliche Be­schränkung die Freizügigkeit der Angestellten aufhebe. Diese Aufhebung habe einen Lohndruck zur notwendigen Folge, weil durch sie der Angestellte verhindert sei, seine Arbeitskraft dort zu verkaufen, wo sie am teuersten bezahlt werde. Eine weitere schlimme Folge der kommunalen Nachweise sei die Bureau- kratisieruug einer Einrichtung, die, wenn sie erfolgreich sein solle, durchaus kaufmännische Beweglichkeit haben müsse. Die Stellenvermittlung der Handlungsgehilfen baue sich auf ganz anderen sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Bedürfnissen auf (Sonderstellung der Handlungsgehilfen im HGB.) und könne nicht nach Methoden der Arbeiter behandelt werden. An Hand einer reichgegliederten Statistik belegte der Redner jede einzelne seiner Feststellungen. Für alle, die tiefer in die Materie eindringen wollen, verivies der Redner auf die vom Verband herausgegebene Schrift: „Die Stellenvermittlung

der Handlungsgehilfen". Dann ging er auf die heute statt- findenden Kaufmannsgerichtswahlen ein und empfahl die Liste 3. Als zweiter Redner sprach Geschäftsführer G e ß n e r (Frankfurt a. M.) über „Sonntagsruhe und Reichstag". Er gab die Unzufriedenheit und Verbitterung der Handlungs­gehilfen über die Haltung des Reichstags kund, ließ es aber auch an einer Kritik des Gesetzentwurfs nicht fehlen. Beide Redner ernteten lebhaften Beifall. An der Aussprache betei­ligten sich zwei Redner. Die Aufforderung des Versamm­lungsleiters, die Liste 3 des Leipziger Handlungsgehilfenvcr- bands zu wählen, wurde mit Beifall ausgenommen.

— Kleine Notizen. Zu einer vorgestern gebrachten Notiz torad uns nritgeteilt. daß die Verletzungen des Herrn K ö n i g, Bismarckring 33. nicht etnster Natur wirren, und daß Herr König, nachdem man ihn gegen seinen Wunsch in das ftäbttf-d&e- Krankenhaus gebracht hatte, dasselbe wieder kurz nach seiner Einlieferung verlassen konnte.

Israelitischer Gottesdienst. Israelitische Kultur-

gemeinde. (Synasoge: Michelsberg.) Gottesdienst in der Hautztsvnagoge. Freitag: abends 5.15 Uhr. Sabbat: morgens 9 Uhr. nachmittags 3 Uhr, abends 6.15 Uhr. Gottesdienst im Gemeindesaal: Wochentage morgens 7.30 Uhr. abends 5.15 Uhr. Die GemeindebMiothek ist geöffnet Sonntagvormittag von 11 bi§ 12 Uhr und Dienstaanachurittac, von 6 o,s 8 Uhr

Alt - Israelitische Kultus gemeinde. Synagoge Frisdrichftraße 33. Freitag: abends 5.15 Uhr, Sabbat: morgens

8 80 Uhr. Vortrag 10.30 Uhr, Jugendgottesdienst nachmittags 2.15 Uhr. nachmittags 3 Uhr. abends 6.20 Uhr. Wochentage: morgens 7.15 Uhr. abends 5 Uhr.

Talmud Thora-Verein. Wiesbaden, Nero- straße 16. Sabbat-Eingang 5 Uhr. morgen 8.30 Uhr. Mussaf

9 30 Uhr, Mincha und Schiur 5 Uhr, Ausgang 6.16 Uhr. Wochentage: umrgens 7.15 Uhr. Mincha und Schiur 5.15 Uhr, Maraif 6,15 Uhr.

vorberichte über Uunst. Vorträge und verwandtes.

* Königliche Schauspiele. Heute geht die Neueinstudierung

von Friedrich Hebbels lange nicht gegebener Tragödie „G v g e s und sein Rin g" Mm Aranmal in Szene. In den Hauptrollen sind die Damen.de Bruhn, Gauby, Schrötter und die Herren Albert. Everth. Zolltn beschäftigt. Die Regie führt Herr Legal (Abonnement: A). . Nedbals Operette

..Polenblut", deren 100. Aufführung letzt m Berlin statt- finder und welche hier einen so außergewöhnlichen Erfolg zu verzeichnen hat. geht morgen zum tnertenmal in Szene (Abonnement D). Am Sonntag, den 8. d. SK., gelangt Webers „Oberon" zur 275. Auffuhrung (Abonnement B). Die Uraufführung des Werkes ging in Wiesbaden am 20, Mai 1882 vor sich: die .Hauptrollen waren damals wie folgt besetzt: „Oberon": Herr Benesch „Huon". Herr Beer. „ScheraSmin": Herr Schäfer, „Rezm : qvt. Laforelle, „Kalif"- Herr Cornelius. „Fatime": Frau schMidt-Fr,ese.

* Wiesbadener Künstler auswärts. In Camberg wirkten, wie von dort geschrieben wird, „wie schon i !t trüberen Konzerten auch diesmal Frl. Hedwig Hertel (Cello) und Herr A. Hertel. Kgl. Kammermusiker (Klavier) aus Wiesbaden mit: die von ihnen gebotenen Einlagen in tunst,gerechten musikali­schen Wenen bestehend, kennzeichneten auch gestern wieder den guten Ruf. welchen die Künstler allenthalben, wo sie auftreten genießen. Wir erwähnen von den sestngen Aufführungen be­sonders das ergreifende „Allerseelen von Schubert, ferner die „Gavotte", eine aus dem 15. JabrhundMt herstanunende Ver­tonung des italienischen Tondichter^ Gabriel Maria, sowie die vorausgegangeneu Variationen uver „Die letzte Rose" letzteres eine Leistung, getragen von feinem Empfinden und Verständnis für beide Instrumente.

klus dem Vereinslehen.

vorberichte, Vereinsversammlungen.

* Der „Sängerchor Wies b a d e n" hält seinen BolkSmaskenball am Sonntag, den 8. Februar, im ..Gesellen­haus", Dotzheimer Straße 24. ab- ^

* Nächsten Sonntag, den 8. F^ruar. findet die Gala-

Fremden- und Damensitzung beS |tömebailt>erdn§ „N arr - hall a" im närrisch geschmückten ber „Walhalla",

abends 8 Ilhr 11 Min., statt. Rach Schluß der Sitzung Ball. Die Weindelscke KarnetmlgesellsckLw Mvre die große Hanauer Karneval,gesellschaft haben ihre MMNiung zugssagt. Das Komitee der „Narrhalla" hat keine Muhe und Kosten gescheut, uni dem Prinzen Jokus großartig zu huldigen. Prinz und Prinzessin Kanteval werden der Fremdensjtzuug beiwohnen.

KUK dem Landkreis Wiesbaden.

wc. Biebrich. 5. Febr. Gestern ö&ettb fuhr in der Nähe der Moshacher Brücke das Automobil eines Biebricher Fabrikherrn. welches aus der Kaiserstroße kam und im Begriffe war nach Wiesbaden zu fahren, b« bern herrschenden starken Nebel in eine dem Metzaermeister Bm in Wiesbaden gehörige, aus der Bahnhofstraße kommende Sch «f h e r d e, bestehend aus etwa 150 Tieren, hinein. Vier Schafe wurden, dabei der­art verletzt, daß sie abgeschlachtet werden mutzten, eine Anzahl

weiterer Tiere kam mit leichteren Blessuoen davon. Den Chauffeur trifft, wie als fcstsestellt angesehen werden kann, an dem Vorfall keine Schuld. Er war angewiesen worden, mit Rücksicht aus den Nebel besonders langsam zu fahren und dieser Instruktion auch nachgekommen. Die durch das von dem Auto mrsaeftrömte. Acht geblendeten -Schafe aber waren, statt dem Fahrzeug auszuwsichen. direkt in dasselbe htneingelaufen.

— -o- In der Nähe des Strandheims b c o d) Lester n imch- mittag ein 13jähriger Schüler an einer Stelle du ich ras Eis der Krippe, wo dies durch heiße Fabrikabwässec sehr ounn und dadurch wenig tragfähig ist. Er konnte nach längeren Be­mühungen von einigen Erwachsenen, die auf dem Bauche bis zur Einbruchsstelle vork.ochen. gerettet werden. — Der bet der Hauptversammlung des Kleinkinderschulvereius er­stattete Jahresbericht enthält folgende bemerkenswerte L-aten: Die Schule wurde täglich von durchschnittlich 170 Kindern be­sucht, davon 18 unentgeltlich. Im Sommerhalbjahr wurden täglich 80 bis 40, im Winter täglich 50 bis 60 Kinder m der Schule beköstigt. Nach dem konfessionellen Verhältnis waren zwei Drittel der Kinder evangelisch und ein Dattel katholisch.

— Die Lesehalle des V o l k s b i l,d u n g S v e r e r n s wurde im abgelaufenen Jahr von 7856 Personen besucht gegen 6491 in 1912.

— Dotzheim, 3. Febr. Hier hat sich auch eine Ortsgruppe des Evangelischen Bundes gegründet, der schon zahl- reiche Mitglieder beigetreten sind. — Gelegentlich des Fest­essens an Kaisers Geburtstag regte Bürgermeister Svorkhorft auch die Gründung einer bis jetzt hier noch fehlenden Orts» g.uppe des „Deutschen Flottenvereins" an. seine Aufforderung hatte den Erfolg, daß die meisten Festterlnehmer sich in die Mitgliederliste eintrugen. — Der Antrag der hie­sigen Gemeinde, den Schulvorstand durch eine u l - deputation zu e: setzen, hat die Genehmigung der Komgl. Regierung erhalten. Die nächste Vertretersitzung wird sich be­reits mit der ÄLvbl der betreffenden Mitglieder beschäftigen, — Rektor Schüler, der im vorigen Jahre sein 4raahnges Dienstjubiläum feierte, konnte am 1. Februar auf eine vier­zigjährige Tätigkeit als Lehrer am hiesigen Orte zurückblickem Zugleich waren am 1. Januar 20 Iahte ver­flossen. seit er zunächst zum Hauptlehrer uno dann zum Rektor der Mädchenschule er nannt wurde. Auch auerßhalo der schule Hai er sich um das Wohlergehen der Gemeinde febr verdient geuacht; so hat er u. a auch den hiesigen Gewerb^eve--ein ge­gründet. war eine Reihe von Jahren Vorsitzende' destelben und zuletzt Leiter der gewerblichen Fortbildun-sStchaie. Von dem letzte en Posten beabsichtigt er seines vorgerückten Alters wegen am 1. April zürückzukreten.

88 Et-benheim. 4. Febr. In der letzten, unter dem, Vorsitz des Bürgermeisters Merten staitgehaaten Gern ein de- vertretersitzung wurde zunächst der Voranschlag für 1914. der in Einnahme 152 472 29 M. und m Ausgaoe 152 417.39 M. aufweift, festaeftellt. Dies^ bedangt mnen Steitersatz von 120 Bros. Einkommen-. 180 Proz. .Real-,„unb 100 Pros. Betriebssteuer. Die Holzvorsteigeruna tm Diftnkt „Wellborn" mit einem Erlös von 3327.10 M. ward genehmigt. Im Anschluß hieran gibt der Bürgermeister bekannt, daß am 7. d M abermals eine Holzversteiserung stattfindet, ber der ein großer Bosten im Stand Dürr gewo denes Holz zum Aus- gebot kommt. Der Drechsler Karl Seelgen beabsichtigt, in der unteren WörthstraHe zwischen dem Wohnhaiuse des Gast- wi ts Ludwin Giebermann Ir und dem Bäckermeister Häublein ein Wohnhaus zu erbauen. Hierzu benötigt er einen Streifen Gemeindeland, das ihm die Rute zu 450 M. käuflich unter der Bedingung überlassen wird', daß er auf die Länge seines Grundstücks die Straßenbaukosten der Gemeinde zu ersetzen hat. Die Beratung über den mit unserem Kommunalarzt Herrn Dr. Gelderblom neu äbzuschließenden Be-trag fmdet auf Ant-«g eines Gemeindevertreiers unter Ausschluß der Hffentlichkeit statt. Dem BertvagKentwurf des Ärzte- vereins wird zusestimmt. Hierzu wird eine Mjnimialtaxe festgelegt. wozu tarifmäßig festgesetzte, nach dem Einkommen steigende Zuschläge treten. Ferner soll, auf unser« Bürger­meisterei eine Liste aufgelegt werden, in der , die , Einwohner, welche keiner Krankenkasse angehäven, durch Ginzeichnung ihre Zustimmung erteilen können. Zum Schluß wird bekannt- gegcben daß die Gemeinde mit dem Allgemeinen Stuttgarter Bersicherungsverein eine Haftpflichtversicherung abgeichloßen hat. wonach jeder Hausbesitzer, soweit es die Reinigung der Straßen betrifft, ve-sichert ist. Unfälle, welche sich durch Glatteis infolge Nicktbestreucns ereignen, sind in diese Ver­sicherung nicht mit eingeschloffen. — Gemeinderechner und Drogist Theodor Schilv ist nach langen Leiden gestorben.

— Kloppeirhcim, 5. Febr. Zurzeit herrscht abends in unserem Dorfe eine unidurchdrin gliche ä« optische Finsternis. Besonders die Dorfstraßenbeleuch- t u n g ist in einer geradezu trostlosen Verfasiung. Der Grund dieser mangelhaften Beleuchtunq ist darin zu suchen, daß rmser kleines Gaswerk zurzeit außer Betrieb ist. Schon der Umstand, daß infolge.schlechter Wettervevhältnisse, wie Frost, Schnee und Glatteis, bei irngenügender oder ganz ausbleibender Straßenbeleuchtung leicht Unglücke geschehen können, müßte die Gemeindevertretung veranlassen, für Abhilfe zu forgLn, resp. irgend eine andere Bezugsquelle für elektrisches Licht und Kraft zu suchen.

Noffsuischs Nachmchtsn.

— Caub, 3. Febr. Die Generalversammlung des „Evangelischen K i r ch e n g e s a n g v e r e i n s" hat ein erfreuliches Bild von der äußeren und inneren Entwicklung des Vereins gegeben. SNit seinen 55 Aktiven wird er wohl einer der stärksten gemischten Chöre in unserem Bezirk sein; der Gesamtbestand seiner Mitglieder beziffert sich auf 201. Bei 23 Gelegenheiten ist er singend hervorgertreten und hat dabei im ganzen 103 Chöre gesungen; eine respektable Leistung, die dem Drrigenten wie den Sängern zur Ehre ge­reicht. Nicht unerwähnt darf die Mitwirkung des Chors bei der Jahrhundertfeier bleiben, wo er nicht nur den Grundstock des Massenchors bildete, sondern mit 14 Hauptrollen an dem SpielmaNnschen Festspiel „Caub" beteiligt war. Außerdem hat er durch die Aufführung des „Cauber Neujahr", das er hier in der Neujahrsnacht noch einmal zur Darstellung brachte, in einer ganzen Reihe der benachbarten Rheinstädt­chen die Jahrhundertfeier vorbereiten helfen.

h. Seelbach. 4. Febr Bei HolzfäLungAarLeiten im Distrikt „Ahlbach" verunglückte, der 40 Jahre alte Wlhelm E i s e n k o v f dadurch, daß ihn ein Baumstamm an Kopf und Schulter traf. Der Verunglückte erlitt einen Bruch des Schluß elbruchs und erne schwere Gehirnerschütterung. Sein Zustand cst bedenklich.

bt- Unterliederbach, 4, Der Arbeiter Müller er­

litt neulich auf der hiesigen Bahn einen Unfall und sollte sich deShalo einer Untersuchung in Frankfurt unterziehen. Er reiste vorgestern früh nach dort ab und ist seitdem ver­schwunden. Müller hat eine Frau mit sieben Kindern.

—. Grenzhausen, 4. Febr. Für den vorgestrigen Feiertag hatte rat, Nachbarorte Höhr der sozialdemokratische Arbeiter- , verein einen Vortragsabend mit kinematos-aphischen Bildern veranstaltet, der sich auch eines äußerst zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Für den Nachmittag war eine Kinder­vorstellung voraesehen, zu der am Sonntag bereits eine große Anzahl Eintrittskarten verausgabt waren. Am Feiertag, direkt nach denr Gottesdienst, verbot der Rektor der Hobrer Sckmle. ein katholischer Geistlicher, den Besuch der, Krnder- vorstelluna unter Llndrohung körperlicher Züchtigung im.uver- tretungsfalle. So kam es, daß an der NachmittaB-Kntder- vorstell->:ng mit ihrem Märchenprogramm nur kleine. !wch mcht schulpflichtige, und ältere, schulentassene Kinder und Er­wachsene teilnahmen: hoffentlich hat diesen der uitvucl des „sozialdemot.atifchen" Rotkäppchens oder DäumnE- nichts ge­schaht .. . Ein Unglücks fall, der leicht noch schlimmere Folgen hätte haben können, ereignete sich geiwrn aachmittag an der hiesigen Bahnst atze. Im schärfsten Trabe kam ein mit Möbeln beladenes Fuhrwerk aus Ko blenz me Straße herabgesaust. Anscheinend versagte die Bremse, das Pferd