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SlLend-AuSgab«, 1. Matt.

Deutsches Reich.

* Zur Verabschiedung des Staatssekretärs Zorn von Bulach. In der Kabinettsorder, durch welche das Abschiedsge­such des Staatssekretärs Zorn v. Bulach genehmigt wurde, heißt es: Aus Ihren an meinen Statthalter wiederholt gerichteten Antrag will ich Ihnen die uachgesnchte Entlassung aus dem Amte des Staatssekretärs für Elsaß-Lothringen mit Gnaden hiermit erteilen. Zugleich verleihe ich Ihnen als Zeichen meines unveränderten Wohlwollens und meines Dankes für Ihre langjährigen treuen Dienste die königliche Krone zum Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub.

* Jsmael-Kemal in Berlin. Jsmael-Kemal, der provi­sorische Präsident von Albanien, hält sich seit einigen Tagen in Berlin auf. Er ist unter dem Namen Ekrem-Bei- Libohova unter strengstem Inkognito im Bellevue-Hotel ab- gestiegen. In seiner Gesellschaft befindet sich der Abgeordnete Olora-Bei. Sie haben täglich Konferenzen mit dem Pran­gen zu Wied in Potsdam und kehren regelmäßig erst in später Abendstunde ins Berliner Hotel zurück.

* Die RcichStagsersatzwahl in Offenüurg-Kehl. Boi der gestrigen Ersatzwahl im 17. badischen Reichstagswahlkreis erhielten Kölsch (natl.) 9919, Br- Wirt (Ztr.) 12259 unb Geiler (Soz.) 3032 Stimmen. Demnach ist Stichwahl zwischen dem nationalliberalen und dem Zentrumskandidatem not­wendig, Bei der Hauptwahl am 12. Januar 1912 hatten er­halten der nationalliberale Kandidat 9862, der sozialdemo­kratische 3705 und der Zentrnmskandidat 11615 Stimmen. Die Hoffnungen des Zentrums, den Wahlkreis wie im Jahre 1907 schon im ersten Wahlgang zu erobern, halben sich also nicht erfüllt. Und für die Stichwahl sind die Aussichten für das Zentrum ebenso ungünstig wie 1912, wo der nakional- liberale Kandidat Kölsch über den Zentrumskandidaten Schüler siegte.

* Ein gerichtliches Nachspiel zum Zwischenfall von Sablon. Mehrere Metzer Bürger haben Strafverfolgung gegen den zum Fall von Sablon genannten Major Muth beantragt, weil sie sich durch den AusdruckKrethi und Plethi und Burger 8. und 8.-Klasse" beleidigt fühlen. Sie behanvten, die Gesamt­heit der nicht auLgewandetten Lothringer sei dadurch beleidigt worden. Auch die Zivilbehörden haben eine Untersuchung in der Angelegenheit eingeleitet.

* Ein Zwischenfall in Colmar. Über einen Zwischenfall rn

Colmar wird derStraßburger Post" gemeldet: Am Mon­

tag wurde in Colmar einem Rekruten des Dragoner- Regiments Nr. 14 von einem unbekannten Zivilisten in die Hand geschossen. Er wurde von einem Offizier in ärztliche Behandlung gebracht. Die Kugel ist noch nicht ent­fernt worden. Nähere Aufklärungen des Vorfalles bleiben albzuwarten. .

* Maßnahmen gegen die Arbeitslosen in Berlin. Vom

Ausschuß der Stadtverordneten zur Vorberatung des sozial­demokratischen Antrages über die Bewilligung von 800 000 Mark zur Unterstützung von Berliner Arbeitslosen wurden gestern unter Ablehnung diese? Antrages folgende Anträge angenommen: Die Stadtverordnetenversammlung wolle be­

schließen, den Magistrat zu ermächtigen. 300 000 M. zu ver­wenden zur Gewährung von unverzinslichen Darlehen an Personen, die infolge wirischaftlichen Niederganges m vor­übergehende Not geraten sind. Voraussetzung zur BewU- liauna der Darlehen ist ein einähriger Aufenthalt in Ber­lin. In der Regel sollen nur verheiratete und solche Per- sonen unterstützt werden, welche eine Familie zu unterhalten haben und fortlaufende Armenunterstützung nicht beziehen. Der Magistrat soll ferner ersucht werden, die Verwaltung der städtischen Rieselgüter zu beauftragen. Arbeitslose gegen den ortsüblichen Tageslohn in möglichst großem Umfang zu be­schäftigen. Ferner sei die städtische Güterverwaltung zu be­auftragen, einen Organisationsplan in bezug auf die Koloni­sation städtischer Ödländer?, vorzubereiten.

* Die Gründung eines deutsch-amerikanischen Wrrt- schaftsverbandes. Da in den Verhandlungen innerhalb der Jndustrieverbände sich die Wahrscheinlichkeit ergab, einen deutsch-amerikanischen Wirtschaftsverband auf einer wesent­lich «breiteren Grundlage zu errichten, ist die Grundungsver- sammlung des deutsch-amerikanischen WrrtschaftsverbandeS vom 6 auf den 26. Februar verschoben worden.

* <*ie' offizielle Beteiligung Englands an der Buchge-

Werbeausstellung in Leipzig 1914 ist gesichert. Groß­britannien errichtet ein eigenes StaatSgebaude von 2400 Quadratmeter Grundfläche. _

legendarischen Vikomte als natürlichen Vater zulegt und schließlich selber daran glaubt. Sehr tamnch und rn brillantm Laune hingestreut, nur sprengt es die ganze Snob-Charakte­ristik. Ein Mensch, der an sülchen Unsicherheiten le'.vet, der in dieser Situation der Frau gegenüber sich unmöglich - nimmt, ja ridicul wird, der so faustdick und mrt so hemmungs­loser Phantastik Schwindeleien fabriziert, die morgen schon entlarvt werden können, dem trauen wir auf keinem Gebiet SituationSbeherrschnng zu; der hätte längst von seiner ihn mit Vorsicht und Zweifeln beobachtenden Umgebung durch- ich aut werden und abstürzen müssen. Sternheim, der ihn zum Erfolg führt, wollte offenbar den begabten Snob zeichnen, ver seine Fortune macht. Was ihm wider Willen daraus . wurde, das ist ein Gascogner ans Tarascon oder ein Hjalmar Ekdäl und die bringen es bekanntlich nie zu was anderem als einer Narrenkrone.

Trotz aller Einwände bleibt die Erinnerung an einen lebendigen Theaterabend. Basiermann mischte die In­gredienzien seiner Snobgestalt überzeugend, und im letzten Akt, wo es nichts zu mischen gab, ließ er seiner überlegenen Laune die Zügel schießen. Er trug sogar, da nun die Burleske anhob, als Generaldirektor zu der Hochzeit mit der Gräfin das Frack-Cave mit w e i ß seidenem Futter von der Exzentrie- Metropole-Eleganz Giampietros und behielt im Zimmer seiner jungen Frau den stumpfen Abendhut auf. Jetzt regierte eben die komische Unwahrscheinlichkeit. Der wirkliche Snob, wie Sternheim machen wollte, aber dann nicht zwang, ist in den Äußerlichkeiten ja eher übertrieben korrekt. Ihm würden solche Entgleisungen nicht passieren. Er würde auch zur strengen Trauertoüette keine gleißende lange Halskette anlegen, und zur Tattersallweste des Reitrocks keine Gold- chhtelaine, sondern die Armbanduhr am Wildlcderriemen tragen. Das ist ja der Unterschied von Parvenü und Snob, daß der erstere sofort erkannt wird, während der zweite doch eine sehr gelungene und nur von den scharfäugigsten Experten zu erkennende Kopie des echten Gentleman aus Tradition ist. Sternheim brachte schillernd die verschiedenen Spielarten durcheinander, und diese Zwiespältigkeiten spiegelten sich für den Betrachter amüsant, wenn auch gewiß ohne Absicht, in solch kleinen Kleidungs-kaux-vas. Ganz schlecht erschien da-

WiesLmdeNer TsgNaU«,

Mittwoch, 4. Februar 1914« Mkt 88»

* Die Sammlung für die Hochwassergeschädigten an der Oftsee. Bei dem ständigen Komitee zur Unterstützung der durch da§ Hochwasser ^>er Ostsee Geschädigten fittb dis beute über 150 000 M. eingegangen. Weitere Spenden sind sehr e r w ü n s ch t. Dag Bureau befindet sich Berlin, Alsenstratze 10.

* Einweihung des Denkmals für die bei Rendsburg ge­fallenen Österreicher. In Rendsburg erfolgte gestern nachmittag auf dem Militärfriedhof die feierliche Einweihung des Denkmals gum Andenken der am 3. Februar, 1864 bei Rendsburg im Kampfe gegen die Dänen gefallenen öster­reichischen^ Offiziere und Mannschaften. An der Feier betei­ligten sich Abordnungen dreier österreichischer Infanterie- Regimenter. Generalmajor Frhr. v. Troschke nahm mit einer Ansprache das Denkmal unter seinen Schutzs Das Lied Schleswig-Holstein meerumschlungen" beschloß die eindrucks­volle Feier." Nunmehr legten zahlreiche Deputationen Kränge am Denkmal nieder. Die Stadt war mit Flaggen in öster­reichischen, deutschen und schleswig-holsteinischen Farben prächtig geschmückt.

* Die Kranken- und JnvaliditätSbeiträge für Dienst­boten sind für Berlin infolge einer Entscheidung des .Per» sicherungSamtes, da eine neue Festsetzung der Sachbezüge er­folgt, erheblich herabgesetzt wotzden.

* Austauschverkehr von amerikanischen und deutschen Kaufleuten? An der Harward-Universität in Cambridge be­schäftigt man sich mit dem Plan eines Austauschverkehrs von amerikanischen und deutschen Kanfleuten. Ein darauf bezüg­liches Schreiben liegt den Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin vor, die beschlossen haben, die Angelegenheit in einer besonderen Kommission weiter zu beraten.

* Zur einheitlichen Regelung des militärischen Waffen­gebrauchs. über die Verhandlungen über eine einheitliche Regelung des Waffengebrauchs erfährt dieTägl. Rundschau", daß ebenso wie Bayern auch die übrigen süddeutschen Regierungen ihre Zustimmung zu einer einheitlichen Regelung der Frage ausgesprochen haben.

Rechtspflege und Verwaltung.

Der Nachfolger des'Grafen v. Rödern. Als Nachfolger des Grafen v. Rödern auf den Posten des Oberpräsidialrats wird der bisherige Landrat des Kreises Prenzlau, Helmut Frhr. v. Maltzahn, genannt. Als dessen Nachfolger in Prenzlau soll PrinzAugust Wilhelm vonPreußen in Betracht kommen.

parlamentarrsches.

* Reichstagsabgeordneter Dr. Prenß f. Der Vertreter des Reichstagswahlkreises BraunsbergpHeilsberg, der Zen­trumsabgeordnete Gymnasialdirektor Dtr. Poeuß, ist in der Rächt zum Samstag im St. Ursulaftist in Berlin im 64. Lebensjahre einem Herzschläge erlegen. Er war seit 1912 Reichstaasmitglied. Der Reichstagswahlkreis Braunsberg- Heilsberg ist s i ch e r e r Best tz des Zentrums. Bei der letzten Wahl im Jahre 1912 erhielt das Zentrum von 15 871 abgegebenen Stimmen 15 247, die Sozialdemokraten brachten es auf nur 398 und die Fortschrittler auf 173 Stimmen.

* Mandatsniederlegnilg eines nationalliberalen Land- tagsabgeordncten. Der Senator Fink in Hannover hat sich entschlossen, sein Mandat als nationalliberaler Lcmdtagsab- geordneter nicderznlegen. Als neuer Kandidat wird der Ge- schästssührcr des Preußischen Städtetages, Dr. Luther, genannt.

Die Frage des Dr. inecl. den*, und die Mesothorium­behandlung. In der Budgetkommiffion des Äbgeordneten- hanses sagte der Ministerialdirektor: Es schweben Erwägungen darüber, ob es nicht möglich sei, den Zahnärzten den medi­zinischen D o k t o r t i t e l zugänglich zu machen. Ein anderer Regierungskommissar erklärte, daß die Frage der Radium- unid Mesothoriumbehandlung noch nicht abschließend erforscht sei und daß es deshalb nicht zweckmäßig sei, größere Ausgaben dafür zu machen.

Ein Antrag, betreffend die Gefängnisarbeit. Im Ab­geordnetenhause hat die Fortschrittliche Volkspartei zum Etat der Justizverwaltung einen Antrag eingebracht, ioorin die Staatsregierung ersucht wird, dem Hause eine Denkschrift vorznlegen. die über den jetzigen Stand der Gefängnisarbeit, insbesondere über Umfang und Art der Beschäftigung von Gefangenen, über die dafür gezahlten Löhne und über die Tätigkeit der für die einzelnen Provinzen eingesetzten Bei­räte Aufschluß geben soll.

gegen der alte Maske Viktor Arnolds, eine Kreuzung von Rübezahl und Vater Jahn im Sitzriesenformat. Erschütternd in. seiner hahnebüchenen Biederkeit, die sich recht angenehm mit solider Gefräßigkeit und Rücksichtslosigkeit mischt. Jeder Zoll ein Sechserrentier; Kanzleirat a. D.; doch immer noch ein Mann, klein, aber oho! ...

Felix Poppenberg.

M jUlifilf

Frauenh ilfe" ein gutes Wort: ein schützender Hort, wert, daß edle Frauen und ernste Männer mit eif­riger Hingabe, mit Rat und Tat dafür Eintreten! Zum Besteu desFrauenhilse"-Vereins fand gestern abend im Kasino-Saal ein Wohltätigkeitskonzert ^statt; und da die Gattin unseres Regierungspräsidenten, Frau v. Meister bekannt als feinsinnige Kennerin, ja sogar Könnerin, und Gönnerin unserer musikalischen Kunst mit an «der Spitze desFrau-enhilfe»-Vorstands steht, w laßt sich s denken, daß die Elite unserer Wiesbadener Gsiellichaft oen Konzertsaal füllte. Wer will die glänzende Verjammlung beschreiben; neben den eleganten Kavalieren all diese blühenden Frauen und lieblich erblühenden Jungfrauen, die hier so recht von Herzen »wohltuend" in Erscheinung traten! Gewiß, ihr An­blick vermochte auch der schärfsten Kritik standzuhalten.

Uno nun eine Reihe auserlesener Knnstgenülie. ...u erster Linie: Clly R e h van Hoogstraten!- Diese _ Klavier-

künstl-erin stand gestern einmal wieder auf der Höhe ihres Könnens: man weiß, was das bedeuten will. Ihr Spiel zün­dete gleich Blitzen in den Gemütern der Hörer.. Dabei ent­zückte diesmal noch besonders dtr seeleuvoll mit-schwingende Poesie, die ihrem Spiel eignete. Mit wundervoller Zartheit und Tiefe des Gefühls gab sie die Kompositionen von Franz Schubert: dieMoments mnsfcales" ganz wie tn roman.

tisch es Elairobseur getaucht; dasRosamunde - Intermezzo und das F-Moll-Jmpromptu mit aufreizend kecker Rhythmik; und mit virtuosem Schwung das von Liszt bearbeitete Ständchen". Im weiteren Verlauf des Konzerts: Ehopm. Die As-Dur-Ballaüe, diese lebensvoll bewegte Tondichtung erfuhr die omvfindunasreichste Nachdichtung, voll edler

Feer und Slotte.

Prinz Adalbert als Gast italienischer Marineoffiziere.

Prinz Adalbert von Preußen, der sich zurzeit in Italien be­findet, besuchte gestern in Begleitung italienischer Marrne- osfiziere den Hafen von Spezia und besichtigte dort die vor Anker liegenden Panzerschiffe des Mittelmeergeschwaders. Vorher war der Prinz in Florenz und Fiesolc.

KuZlanö.

Frankreich.

Eine unglaubwürdige Meldung von zwei deutschen Deserteuren. Paris, 4. Feür. Einer hiesigen Agentnr- meldnng zufolge sind gestern in der Nähe von Nancy, ,u Blamont, zwei deutsche Ulanen beritten und rn voller Uniform angekommen. Sie haben sich aus dem dortigen Bureau für die Fremdenlegion anwerden lastest und erklärten, infolge schlechter Behandlung desertiert zu sein.

Bevorstehender Rücktritt des italienischen Botschafters?

P a r i S, 3. Feür. Mit größter Bestimmtheit wird hier der Rücktritt des italienischen Botschafters Tittoni von der Abendpresse gemeldet. ,

Domnergue zur Putilow-Affäre. Paris, 3. ? 5 ebr. D o u m e r g u e wurde heute vom Kammerausschutz für aus­wärtige Fragen über die Angelegenheit der Putilow- W e r i e vernommen. Donmergue erklärte, daß es sich cmr Anfang um einen p t x baten Inter essenstreit gehandelt habe - und daß die Angelegenheit nach Einschreiten der Regierung in einer den französischen Interessen durchaus entsprechenden Weise geregelt worden sei. Der Deputierte Denis C o ch r n erklärte bei der Erörterung der Pntrlowwerkeangelegenheit, er müsse sich fragen, ob Frankreich bei dem Jnteressenstreit der großen Waffenfabriken nicht etwa die Rolle des be­trogenen Teiles sviele. Er sei ein entschiedener Anhänger des Bündnisses mit Rußland, aber er würde es. bedauern, wenn Frankreich seine Geheimnisse einer Waffenfaorrk aus­liefern würde, welche diese Geheimnijse direkt oder rnmrekt vielleicht durch Vermittelung ihrer französischen Gesellschaft^:, zu einer Art Erpressung benützen würde. Es Ware vielleicht gut, wenn die französische Regierung den letzteren gegenüber eine bestimmte Sprache fiihren würde.

Portugal.

Neue Unruhen. Paris, 4. Febr. Wie dasJournal aus guter Quelle meldet, sind gestern abend in L iss a b o n neue große Unruhen ausgebrochen. An sechs verschiedenen Stellen der Stadt explodierten Bomben, dre großen Materialschaden anrichteten. Wer Verluste an Menschenleben ist noch nichts bekannt. Man nimmt an, daß hie Urheber der Attentate verabschiedete Eisenbahnangestellte sind, zumal dre Gesellschaft der Eisenbahnen gestern an allen Mauern der Stadt große Plakate anschlagen ließ, auf denen sie ihren Ent­schluß bekannt gibt, die entlassenen Arbeiter nrcht wreder ern- zustellen. Man befürchtet, daß die anderen Arbeiter sich mrt ihren entlassenen Kameraden solidarisch erklären und die Arbeit niederlegen werden. Weiterhin wird aus Oporto gemeldet, daß in den Zentralhallen einö Bombe explodierte, die schweren Schaden verursache und mehrere Personen ver­letzte. Es läuft das Gerücht, daß die Royalisten einen neuen Einfall im Norden des Landes versucht haben. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt noch nicht vor, doch steht fest, daß die portugiesische Regierung eine starke Truppenmacht nach dem Norden entsandt hat. Die politische Lage ist gleichfalls ungeklärt. Die Hoffnungen aller Republikaner richten sich aus Bernardino Wach ad o, der sich auf der Rückfahrt von Brasilien befindet und heute erwartet wird Man hofft, daß es seinem großen Einfluß gelingen wird, die beiden feindlichen Parteien,, die durch Kammer und Senat repräsentiert werden, wieder zu versöhnen.

Nuklond-

Ein hoher Orden für Venizelos. Petersburg,

3. Febr. Der Kaiser verlieh dem griechischen Ministerpräsi­denten B e n i z e l o s den Alexan-der-Newsky-Orden. Heute früh hatte der griechische Ministerpräsident eine lange Unter­redung mit dem serbischen Ministerpräsidenten Paschrtsch.

Eine neue Hebe derRowoje Wremja". Petersburg. 3. Febr. Die panslawistische ,.Rowoje Wremja" verosfeutücht einen Leitartikel in überaus scharfer Form über^ unerhörte, für Rußland außerordentlich bedrohliche Rüstungen

Wärme und in gleichwie verhaltener Glut der Leideuschast. Darnach die As-Dur-Polonaise mit glänzender^ technffcher Bravour und fortreitzender Verve gespielt: der Mügel ein prächtigerIbach" aus Stopplers Magazin mag vor SW tollkühnen Angriffen der Gewaltigen gezittert haben; doch er siegte mit der Siegreichen !

Unb nun zu Marcia van Drösser, ihr, der die Musen und Grazien in gleicher Weise hold gesinnt scheinen. Wenn Marcia v. Dresser eine kolorierte Mozart-Arie singt (aus der OperCosi fan tutte":So machen es alle"), so darf man sicher sein, daß eS ihr nicht daraus ankommt, nur äußerlich zu brillieren und vielleicht rine astdere KoloratursängeMN um die Nasenlänge eines Tones zu schlagen: nein, eine musrk- empsindende Seele spricht aus ihrem Vortrag. Sie weiß d,e Mazartschen SchönheitAinien sein und sympathisch zu be­leuchten, und ihre Bravour gibt sich mit vornehmem Ge­schmack: unaufdringlich doch eindringlich. Und so nrachen cs n i ch t alle. ?lnch in einer Anzahl Lieder dürft« man das weiche, schmiegsame, zuweAen auch glänzende Organ und die sinnige Empfindungsweise dieser Künstlerin vearüßen: so in RottenberaS stimmungsvollemNachtgebet", so in LisztsFischerknabe", ein Lied, dessen empfindsames Pathos besonders glücklich getroffen ward. Zum Schluß Beethovens' SchelmenlicdDer Kuß" eirffach süß . ^

Marcia v. Dresser war nicht die einzige «geschätzte Kraft", die uns Frankfurt sandte: auch ein wohlbekannter Frankfurter Konzertsänger war zur Stelle: Herr Hans

Vaterhaus, der mit seinem dunckelgefärbten, wuchtigen Baßbariton, der namentlich in der Mezzavoce oft sehr wirk- sam ansprichtz einen ganzen Strauß Lieder mch Balladen jene von Wolf, diese von Löwe darbot. Om recht leben- dip-s Gestaltungsvermögen erwies der Sänger u. a. in Hugo WolfsRattenfänger" undStorchenbotschaft , deren Humor- volle Wendungen und Pointen er in Ton, Färbung und Aus­druck geschickt nachzuzeichnen wußte.

Doch die Genüsse des Programms waren auch hiermit noch nickst erschöpft; noch einmal griff musikalische Frauen- hilfe segensreich ein: Lady Speycr, eine ganz neue Er­scheinung auf dem Wiesbadener Konzert-Lodium und, wie