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9he* 5B. Dienstag, 3. Februar 1914, Wiesbadener Tttgblatt. _Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. _«eite S.
etnigung Finnlands mit Rußland statt, an der hervorragende russische und sinnische Industrielle teil- nahmen. Die russischen Industriellen wiesen auf die Rotwendigkeit der allmählichen Durchführung der geplanten Maßnahmen hin, damit eine Erschütterung verschiedener Zweige der russischen Industrie vermieden werde. Die russischen und sinnländischen Industriellen wurden darauf aufgefordert, in Erwägungen über den Termin der Durchführung der Zollvereinigung einzutreten. Die Russen erklärten, sie würden im April die Antwort erteilen.
Die Putilow-Werke. Petersburg, 1. Febr. Direktor Lion von der Union Parisienne und der Direktor F o u r n i e r von den Schneider-Creuzot- Werken treffen morgen hier ein, um die Verhandlungen üt den Putilow-Werken zu eröffnen.
Eine Interpellation über die Mission des Generals Liman von Sanders. Petersburg, 1. Febr. Der Führer der konstitutionellen' demokratischen Partei Miliukow hat die Regierung davon benachrichtigt, daß er sie über die Affäre 3mimt von Sanders zu interpellieren gedenke.
Ein Ableger der „Times" in Wladiwostok. W l a d i - tu o ft o k, 31. Jan. Der Verlag der Londoner „Times" beabsichtigt, hier eine große Tageszeitung in russischer, japanischer und englischer Sprache zu gründen. Allerdings dürfte die Zeitung keinen befriedigenden wirtschaftlichen Erfolg halben, aber man vermutet, daß es sich bei diesem Unternehmen in erster Linie um eine von der Regierung unterstützte Förderung der englischen Interessen handelt.
Albanien.
Bekir-Bei zum Tode verurteilt. Wien, 1. Febr. Das Kriegsgericht verurteilte heute, wie aus Valona gemeldet wird, den Major Bekir-Bei wegen seines Putschversuches zum Tode. Die „Agence Havas" mel- bet: Das Urteil tm Hochverratsprazeß gegen den türkischen Major Bekir-Aga und dessen Mitschuldigen wird dem Prinzen zu Wied unterbreitet werden.
Essad-Paschas Mission. Rom. 1. Febr. Die „Agencia Stefani" meldet aus Durazzo: Zwischen den deutschen und den englischen Delegierten der internationalen Kontrollkommission einerseits und Essad-Pascha andererseits wurde ein Übereinkommen getroffen, daß Essad-Pascha seine Demission geben wird. Die internationale Kontrollkommission wird in drei Tagen in Durazzo ,erwartet. Sie wird Essad-Pascha ihre Genugtuung über seinen Entschluß aussprechen und ihn ermächtigen, dem Prinzen zu Wied als Vertreter der Wünsche des albanischen Volkes entgegenzureisen. Essad- Pascha wird dann mit dem Prinzen nach Albanien zurückkehren.
Türkei
Verstimmung gegen England und Deutschland.
K o n st antinopeI, 31. Jan. Rach der Versicherung des „Tanin" ist die Jnselfrage in eine neue Phase getreten. Das offiziöse Blatt schreibt: Venizelos, der weiß,„daß Griechenland aus eigener Kraft die Inseln unmöglich sich erhalten kann, sucht dafür die G a r a n t i e, E u r o p a s zu erlangen. Dies ist der Zweck, der Reise des griechischen Kabinettschefs nach den Europäischen Hauptstädten. Es gelang Venizelos, seiner Auffassung zum Siege zu verhelfen. Man kann sich vorstellen, welchen Eindruck diese Tatsache in hiesigen politischen Kreisen hervorruft. Kein Ge- ftngerer als England schlägt jetzt den übrigen Großmächten vor, die Inseln unter die Garantie Europas ju stellen, dasselbe England, auf dessen Freundschaft wir bauten, um deretwillen die Türkei die größten Opfer brachte. Aus diesem Grunde ist die Überreichung der Note hier und in Athen verzögert worden. Das Blatt schließt mit dem Hinweis darauf, daß noch eine mdere, der Türkei befreundete Macht, Deutschland, sich die englische Auffassung aneignete, was den äußerst Peinlichen Eindruck verstärkte.
LWen.
Die Krönung des Schahs von Persien. T e h e r a n, 1. Febr. Die Krönungskommission beendete ihre Arbeiten und beschloß, am Geburtstag des Propheten dem Volke anzukündigen, daß die Krönung des Schahs im Juli erfolgt. Besondere Vertreter des Auslandes werden zu der Feier nicht eingeladen.
Eine amerikanische Flnßkorrektion in China. Schanghai/ 31., Jan. Der amerikanische Gesandte und der Hande.smmister Unterzeichneten einen Vertrag Über eine fünfprozentige Anleihe von 40 Millionen Dollar. Das Kapital gibt die amerikanische Rote Kreuz-GesellsÄaft: es soll zur Regulierung des Huai- f l u s s e s dienen. , Chefingenieur ist der Amerikaner Jameson, der seit 1912 die Verhältnisse des Huai- gebietcs studiert.
Deutsche Waffen für die Mongolei. M u k d e n. 31. Jan. Für die Ausrüstung der mongolischen Armee sind hier zwanzig Maschinengewehre aus Deutschland erngetroffen.
Ku§ §LaöL und Land.
tVresHadenSr Nachrichten,
Die SimMtanschuke.
Daß die nassauische S i m u l t a n s ch u le, die wir ls eine segensreiche Einrichtung zur Förderung der konfessionellen Duldsamkeit schätzen, sowohl in orthodox evangelischen :!§ in gut katholischen Kreisen Gegner hat, ist bekannt. Weiter laben verschiedene Erscheinungen, die in den letzten Jahren utage getreten sind, deutlich genug gezeigt, daß von zwei seiten: eben von einem Zwar nicht allzu großen, aber ein- lußreichen Teil der protestantischen Orthodoxie md den in der Z e n t r u m spartet ihre politische Ver- reterin erblickenden Katholiken, an den Mauern unserer simultanschule gerüttelt und für ihre Ersetzung durch die
t o n f e s s i o n s s ch u l e gearbeitet >oird. "
Unsere Simultansstule ist in Gefahr; sw ist um so mehr n Gefahr, als auch die Regierung mehr und mehr die Neigung hat, den Freunden der Konfessionsschule, weit- lehende Konzessionen zu machen. Darum ist es Vklröbt der
Nassauer, die aus den Erfahrungen eines Jahrhunderts die Überzeugung gewonnen haben, daß die Simultanschule ein kostbares Vermächtnis der Vorfahren ist, mit aller Entschiedenheit den Bestrebungen entgegenzutreten, die geeignet sind, unserer konfessionslosen Schule Eintrag zu tun. Wir wollen nicht rückwärts, sondern vorwärts gehen; es wäre aber noch unserer Überzeugung ein unheilvoller Schritt, zurück, würden wir die Simultanschule zugunsten der Konfessionsschule preisgeben.
Die „Rheinische Volkszeitung" veröffentlichte in ihrer Samstag-Nummer einen Artikel mit der Überschrift: „Die nassauische Simultanschule als Schule zur Knechtung der Katholiken". Auch der Titel dieses Streitartikels zeigt wieder, daß das Zentrumsblatt mit Absicht bis zum äußersten übertreibt. Die Simultanschule soll im ungünstigsten Licht erscheinen, deshalb wird sie eine Schule zur Knechtung der Katholiken genannt, obwohl es schwer fallen wird, auch nur einen einzigen Fall angufüh- ren, in dem die Simultanschule eine katholische Seele geknechtet hat.
Die Simultanschule ist auf der Gleichberechtigung der Konfessionen aufgebaut. Ihre vornehmste Aufgabe ist indessen nicht, den Schülern Religion beizubringen, sondern ihnen, ohne Unterschied des Geschlechts, der Religion, des Standes und der künftigen Bestimmung, die notwendige allgemeine Bildung zu geben. Dem Religionsunterricht ist darin insofern eine besondere Rolle eingeräumt, als da, wo die Schule von Kindern besucht wird, die nicht zur Konfession des Lehrers gehören, die „erforderliche Fürsorge für den Religionsunterricht" von Geistlichen geschieht. Nirgends, aber auch nirgends ist von einer Bevorzugung der Protestanten und einer Benachteiligung, der Katholiken die Rede; beide sollen bekommen, was sich ihnen im Rahmen einer Schule, deren oberstes Prinzip nicht religiöse Erziehung, sondern die Beibringung der „notwendigen allgemeinen Bildung" ist, geben läßt.
Das Zentrumsblatt meint, die fortschrittlichen Freunde der Simultanschule befürchteten, „katholische Lehrer könnten auf Grund von Tatsachen und Erfahrungen in der Schuldeputation Urteile abgeben, die man nicht gern hört und die man, wenn sie nicht ausgesprochen werden, nicht zu beantworten braucht." In der Schuldeputation sitzt auch ein katholischer Geistlicher. Sollte dieser berufene Vertreter der katholischen Konfession nicht in der Lage sein, Vorgänge zu beobachten, die für die Vergewaltigung der katholischen Minorität sprechen, wenn derartige Vorgänge überhaupt möglich wären? Daß sie nicht Vorkommen, beweist am besten die Tatsache, daß das geistliche Mitglied der Schuldeputation bis heute keine Anschuldigung gegen die Tätigkeit der Deputation erhoben hat, die sich im Sinne der Förderung protestantischer konfessioneller oder gar antireligiöser Bestrebungen deuten ließe.
Die „Rheinische Bolkszeitung" weiß, daß Herr v. Eck der liberalen evangelischen Richtung angehört, die keineswegs antichristliche Tendenzen hat. Da ist es denn um so auffallender, daß sie mit besonderem Eifer den gesetzlich christlichen Charakter der Simultanschule betont/ Tut sie das am Ende nur, um noch einmal mitteilen zu können, daß die König!. Regierung Herrn Rektor Breidenstein als dem Vorsitzenden des „Wiesbadener Lehrerver- e i n s", „der bei seinem Familienfest den christlichen Charakter der Schule vergessen zu haben schien", eine Antwort gegeben hat, die „nicht erfreulich gewesen" sein soll? „Wir sind deshalb der Meinung, daß zu Mitgliedern der Schuldeputation nur überzeugte Christen gewählt werden sollen." Dieser Satz folgt unmittelbar hinter dem Hinweis auf die bekannte, gegen den „Wiesbadener Lehrerverein" gerichtete Denunziation, die sicher von „guten" Christen ausgegangen ist. Wollt ihr überzeugte Christen, so dürft ihr nicht Mitglieder des „Wiesbadener Lehrervereins" wählen. Das will die „Rheinische Volkszeitung" sagen. Die aufs neue verdächtigten Lehrer werden die Antwort nicht schuldig bleiben. Aber auch die städtische Schulaufsichtsbehörde wird angeschwärzt:
„Die Tatsache, daß die Königs. Regierung bezüglich des schon erwähnten Familienfestes des „Wiesbadener Lehrervereins" ein Einschreiten für nötig hielt, während die städtische Schulaufsichtsbehörde von dem öffentlichen Ärgernis nichts zu merken schien, war keine besondere ■ Anerkennung für die Wiesbadener Schuldeputation. Oder trifft vielleicht sogar die Schuldeputation insofern eine Mitschuld, als man bestrebt war und durch die Art der Zusammensetzung der Schuldeputation, insbesondere durch den Ausschluß katholischer Mitglieder, auch die Macht hatte, aus den Bewerbern um Schulstellen die „Fortgeschrittensten" zu wählen? Unserer Schule wird nur dann nach des Gesetzes Vorschrift christliche Erziehung garantiert, wenn die unmittelbare städtische Aufsichtsbehörde vor allem überzeugte Christen beider Konfessionen zu Mitgliedern hat."
Die Darstellung und Verwertung eines Vorgangs, der aber auch ganz und gar nichts mit der christlichen Gesinnung der dem „Wiesbadener Lehrerverein angehörenden Mitglieder zu tun hat, ist allein schon kennzeichnend für die sich wenig um Tatsachen kümmernde Art und Weise, wie das Zentrum gegen die Simultanschule kämpft. Man nennt ohne weiteres ein öffentliches Ärgernis, was überhaupt kein Ärgernis war, und sucht in dieser Weise b er Regierung die Meinung zu suggerieren, daß tatsächlich der „Wiesbadener Lehrerverein" antichristlich gesinnt seu ^ Zu diesem Zweck wird zugleich die städtische Schulaufsichtsbehörde ein bißchen denunziert. Angeblich handelt es sich um die Abwehr der „Knech- lung der Katholiken", in WüruaMit aber ist das Endziel des Kampfes die Beseitigung unserer Simultanschule. Deshalb ist es nötig, daß auf die an und für sich nicht allzu tragisch zu nehmenden Ausführungen ^ Zen-
trmnSölattes aufmerksam gemacht wird als auf ein Symptom von Bestrebungen, die sich gegen den guten liberalen Geist unseres heimischen Schulwesens richten. -n-
— Lichtmeß, für die Katholiken das Fest Mariä Reinigung, ist von denselben gestern gefeiert worden. Das Fest ist seit dem 5. und 6. Jahrhundert eingeführt und dem Gedächtnis des Besuchs der Maria mit demJesuskind im Tempel zu Jerusalem gewidmet. In der katholischen Kirche werden dabei die Kerzen für das ganze Jahr geweiht. In der Wetterfrage ist Mariä Lichtmeß ebenfalls von Bedeutung. Die Bauernregel „Lichtmeß, reiche Leut' bei Tag .eff’" weist darauf hin, daß die Zunahme des Tages schon eine recht wahrnehmbare ist, was in diesem Jahre bei dem sonnigen Wetter ganz besonders der Fall war.
— Todesfall. Am 31. Januar verschied hier der Königl. Oberleutnant a. D. Alfred Schnitze, Ritter des Eisernen Kreuzes, im 64. Lebensjahre.
— Das Wiesbadener Rathaus. Man schreibt uns aus ärztlichen Kreisen: „Daß unser Rathaus sich längst als zu klein erwiesen hat, und daß über kurz oder lang ein Ergänzungsbau auf dem Dernschen Terrain geplant wird, ist «ine Tatsache, die ebensowenig geleugnet werden kann wie das Vorhandensein mannigfacher sonstiger Mängel des Hauberisserschen Baus. Vor allem macht sich das Fehlen eines oder mehrerer Personenaufzüge sehr _ störend bemerkbar. Bei einem Bau von der Höhe und den Dimensionen des Rathauses und bei dem lebhaften Personenverkehr in fernen Mauern ist es unbegreiflich, daß man dieses Verkehrsmittel vergessen konnte, welches heute in jedem großen öffentlichen Gebäude sich findet. In einer Stadt wie Wiesbaden, in welcher stets viele Rekonvaleszenten und Invalide jeder Art Aufenthalt nehmen, ist dieses Versehen doppelt unentschuldbar. Wer, wie der Einsender dieser Zeilen, nicht mehr recht wegfertig ist und häufiger genötigt ist, die steilen Rathaustreppen hinaufzuklettern, empfindet das Fehlen eines Aufzugs besonders schmerzlich. Daß ein Teil der Bureaus unter dem Dach liegt, bildet selbst für rüstige Besucher eine Erschwerung des Verkehrs, welche der Abhilfe bedarf. Es steht nun einem Bau von Aufzügen angeblich nur der Kostenpunkt entgegen, der 20 000 M. betragen soll. Es ist aber kaum denkbar, daß eine solche Summe ein Hindernis bilden sollte, wenn es sich um die Abstellung eines so fühlbaren Mitzstands handelt; zu berücksichtigen ist auch, daß die Erleichterung des Verkehrs in gleicher Weise dem Publikum wie den städtischen Beamten zugute kommt. Der Einsender glaubt mit seinen Zeilen die Anregung zu einer Verbesserung gegeben zu haben, durch welche auch der Rathausbau selbst modernisiert wird und gewinnt, und ist überzeugt, daß die Stadtverordneten die nötigen Mittel bewilligen werden."
— Gewerbesteuerausschuß. Zu Mitgliedern ves Steuerausschusses der Gewerbesteuerklasse 2 für den Regierungsbezirk Wiesbaden sind für die Veranlagungsjahre 1914/15/16 gewählt: Fabrikant Wilhelm Ohl (Limburg), Johann Joseph Meister (Oberursel), Hotelier Georg Hahn (Wiesbaden), Mühlenbesitzer Sigmund Hehmann (Wiesbaden), Buchdruckereibesitzer Reinholdt Mahlau (Homburg), Kaufmann Anton Moog (Frankfurt), Kaufmann Eduard Ganz (Frankfurt), Hoflieferant Joseph Fromm (Frankfurt) und Kaufmann Ludwig Bangel (Frankfurt). Zu Stellvertretern sind gewählt: Brauereibesitzer Louis Heckelmann (Hahnstätten), Kaufmann Adolf Harth (Wiesbaden), Hotelbesitzer Ludwig Walther (Wiesbaden), Kaufmann Emil Hees (Wiesbaden), Hoflieferant Julius Ettlinger ^Frankfurt), Bankier Julius Karlebach (Frankfurt), Lehmann Herzfeld (Frankfurt), Direktor Glauberg (Frankfurt) und Kaufmann Hugo tzok (Frankfurt).
— Endgültige Anstellung der Volksschullehrer und Lehrerinnen. Die Königl. Regierung weist in einem Rundschreiben darauf hin, daß alle Lehrpersonen tunlichst bald nach Erlangung der Anstellungsfähigkeit endgültig angestellt werden. Die endgültige Anstellung der Bolksschullehrer ist alsbald nach Bestehen der zweiten Prüfung auszusprechen, wenn sie bereits ihre aktive Dienstzeit im Heer oder in der Marine erfüllt haben oder von derselben befteit sind. Volksschul- lehrerinnen können frühestens drei Jahre nach Bestehen der Prüfung endgültig angestellt werden, vorausgesetzt, daß sie wenigstens zwei Jahre im Schuldienst vollbeschäftigt gewesen sind.
— Die Weinkreszenz im Regierungsbezirk Wiesbaden. Das gesamte Weinbergsgelände im Regierungsbezirk belief sich im vergangenen Jahre auf: 3968 Hektar 19 Ar, davon entfällt der weitaus größte Teil mit 2488 Hektar 85 Ar ans den Rheingaukreis, 794 Hektar 73 Ar auf den Kreis St. Goarshausen, 580 Hektar 84 Ar auf den Landkreis Wiesbaden, 43 Hektar 72 Ar auf den Unterlahnkreis, 36 Hektar auf Frankfurt, 9 Hektar 54 Ar auf den Kreis Höchst, 8 Hektar auf die Stadt Wiesbaden, 3 Hektar auf den Oberlahnkreis, 2 Hektar 15 Ar auf den Obertaunuskreis und 1 Hektar 36 Ar auf den Kreis Limburg. Von den 3968 Hektar 19 Ar Weinberg- gelände stehen rund 1000 Hektar nicht im Ertrag. Geherbstet wurden an Weißwein 9224 Hektoliter, an Rotwein 51,61 Hektoliter. Der Ertrag, so weit überhaupt ein solcher in Frage kam, variierte zwischen einem 60tel und einem 4M Herbst. Den größten Komplex an Weinbergland mit 296 Hektar hat Hochheim, den zweitgrößten mit 233 Hektar Caub, den drittgrößten mit WO Hektar Östrich.
— Zur Kaufmannsgerichtswahl. Der hiesige Kreisverein des Verbands deutscher Handlungsgehilfen, Leipzig, hat auf Mittwoch, den 4. Februar, abends 9 Uhr, im großen Saal der „Wartburg" eine öffentliche Versammlung anberaumt, zu der alle Handlungsgehilfen, auch die Nichtorganisierten und die noch nicht Wahlberechtigten, eingeladen sind. Herr Gustav Schneider, Vorstandsmitglied aus Leipzig, wird sprechen über die den städtischen Stellennachweis für Kaufleute behandelnde Frage „Bureaukratismus oder Kaufmannstum?" und „Ein offenes Worl für Liste 3 des Leipziger Verbands". Ferner wird Herr Arnim G e ß n e r, Geschäftsführer aus Frankfurt a. M., reden über „Der Sonntagsruhegesetzentwurf im Reichstag". Nach diesen Vorträgen findet freie Aussprache statt. — Die Wahl der Gehilfenbeisitzer zum Kaufmannsge- r'cht findet am 6. Februar im Rathaus, Zimmer 27, von mittags 12 bis abends 8 Uhr statt.
— Die Sonntagsruhe im Handclsgewerbe und der deutsche Reichstag, über dieses Thema sprach am 29. Januar auf Einladung des „Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbands" Gauvorsteher Schellin aus Frankfurt a. M. Etwa 200 Personen — selbständige Geschäftsleute, Handlungsgehilfen und Käufer — hatten sich im großen Saal des „Katholischen Gesellenhauses" eingefunden. Auch die Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des „Käuferbundes", Frau v. Hahnenfeld, war zugegen. Der Redner kam zunächst auf die Vorgeschichte des jetzt von der Regierung vorgelegten Entwurfs zu sprechen und teilte mit, daß seitens des „Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbands" eine Eingabe mit den Unterschriften von mehr als 41 000 Ladeninhabern an den Reichstag gesandt worden sei. Im übrigen wurden die Wünsche, die der Redner hegte, in einer Entschließung niedergelegt, die einstimmige Annahme fand. Sie lautet: „Die am 29. Januar in Wiesbaden auf Einladung des „Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbands" versammelten Angestellten und Kaufleute sowie Käufer lehnen die Regierungsvorlage zur Veränderung der Sonntagsruhe mit aller Entschiedenheit ab. Trotz der kühlen Aufnahme, die die Forderung der völligen Sonntagsruhe im Reichstag gefunden hat, halten sie daran fest und bitten die 24er Kommission des deutschen Reichstags, die völlige Sonntagsruhe mit etwaigen Ausnahmen für die Bedürfnisgewerbe zu beschließen, da nur ein solcher Beschluß die Bewegung und per, Kampf für den freien Sonntag zur Ruhe bringen kann. Insbesondere Littet auch die Versammlung den deutschen Reichstag, die für Prokuristen und Juden vorgesehenen Ausnahmen und Borzugsbe-
