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Nr. 54. _Montag, 2. Februar 1914. WiesimdeUrr TklgKlM. Abend-Ausgabe, 1. Blatt. _Sette S.

Burrrettsche Einwanderungsvorlage, die eine der Ein- Wanderung hinderliche Forderung eines Bildungs­nachweises enthält. Eine Abstimmung über die Ge­schäftsordnung hat angezeigt, daß die Vorlage einer Zweidrittelmehrheit sicher ist.

Verstaatlichung der drahtlosen Telegraphie? Washington, 1. Febr. Der Generalpostmeister überreichte dem Senat eine Denkschrift, in der er den Regierungen dce Erwerbung aller drahtlosen Tele­graphie- und Telephonsysteme der Vereinigten Staaten empfiehlt.

Mittelamerika.

Die Revolution in Haiti. Port-au-Prince, ZI. Jan. Der kürzlich an Bord des deutschen Kreuzers „V i n e t a" geflüchtete Präsident von Haiti, O r e st e, verließ vor einigen Tagen mit einem deutschen Dampfer die Gewässer von Haiti. Er begibt sich angeblich nach Kingston auf Jamaika.

Luftfahrt.

Ein neuer Höhenweltrekord mit sechs Passagieren.

Paris, 1. Febr. Der Aviatiker Garaix hat gestern nach­mittag auf dem Flugplatz von Chartres den Höhenweltrekord nut sechs Passagieren um 1000 Meter geschlagen. Es ist Garaix gelungen, die Höhe von 1850 Meter zu erreichen. Der bisherige Höhenrekord für Flüge mit sechs Passagieren wurde von Francois mit 850 Meter gehalten.

Ku§ Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Die freiere Gestaltung des Unterrichts auf der Gberstufe der höheren Lehranstalten.

Am Freitag, den 30. Januar, fand in der Turnhalle der Spiesschen Lehranstalt die Jahresversammlung des „Allge­meinen deutschen Realschulmännervereins, Vereins für Schulreform" statt. Der Vorsitzende Professor Or. R o ß - mann begrüßte die Anwesenden, insbesondere die von aus­wärts erschienenen Gäste, erstattete den Jahresbericht und entwickelte die neuen Arbeitsziele des Vereins. Dann ergriff Professor Dr. Bauer vom hiesigen Reform-Realgymnasium das Wort zu seinem Vortrag über die Organisation und Be­wegungsfreiheit der höheren Schulen Frankreichs. Er stellte zunächst fest, daß das preußische Schulwesen zweimal in ent­scheidenden Momenten die Entwicklung der französischen Schule beeinflußt hat, einmal im Jahre 1868, als der Minister Durny den Ausbau des Realschulwesens begann, und weiter­hin im Jahre 1868, bei der großen Schulenquete, die der Reform des französischen höheren Schulwesens vom Jahre 1902 vorausging. Damals schuf man in Frankreich unter dem Eindruck der großen wirtschaftlichen Entwicklung Deutsch­lands und der neuen preußischen Schulorganisation einen Lehrplan von großer Vielseitigkeit und Geschmeidigkeit. Er hatte als doppeltes Ziel die Anpassung an die Forderungen des modernen Lebens und eine weitgehende Berücksichtigung der individuellen Veranlagung der Schüler. Das Problem der Schulreform war in Frankreich besonders verwickelt durch die eigentümliche Organisation der Lyzeen, die zum großen Teil Massenanstalten sind von 800 bis 3000 Schülern mit In­ternat und cn den Städten konzentriert sind. Das Land hat zu wenig Schulen, so daß viele Schüler schon frühzeitig dem Elternhaus entzogen werden. Der Redner erörterte eingehen­der die Einrichtungen von Internat und Bakkalaureat, der an der Universität abzulegenden Reifeprüfung, und hob einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der französischen und der preußischen höheren Schule hervor. Die Schule ist in Frank­reich nicht wie bei uns eine staatliche Veranstaltung, sondern es besteht nach der Trennung von Kirche und Staat ein doppeltes Monopol des Staats und der Kirche, das einen gro­ßen Kulturkampf herbeizuführen droht. — Der Redner be­sprach nunmehr den Aufbau der französischen höheren Schule, die nach einer vierstufigen Borbereitungsschule zwei Zyklen umfaßt von^ im ganzen sieben Schuljahren. Unsere Ober­prima fehlt dem französischen Lyzeum. Höchst bemerkenswert ist die Einrichtung, daß die französische Schule die verschiede­nen deutschen Schularten, Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule, grundsätzlich in einer einheitlichen Schule ver­einigt und jedem Schüler sämtliche Bildungswege zugänglich macht. Die höhere Schule beginnt erst mit der unserer Quinta entsprechenden Klasse. Die wöchentliche Gesamt­stundenzahl in den sieben Klassen des Lyzeums beträgt durch­schnittlich 21 BtS. 24 Stunden gegen 82 bis 35 bei uns. Die Muttersprache wrrd in Frankreich wesentlich mehr als bei uns gepflegt und führt zu guten Ergebnissen im Unterricht. Die dritte Sprache tvrnmt erst im Lehrplan der Sekunda, wie in unserer Reformschuce, bei Beginn des zweiten Zyklus. Schon von Anfang an ist der Grundsatz der Gabelung durchgesührt. Der erste Zyklus zeigt zwei Abteilungen, von denen die eine Latein uird lebende Sprachen mit wahlfreiem Griechisch, die andere die lebenden sprachen, Mathematik und Naturwissen­schaften betont, unter fast ausschließlicher Beschränkung auf diese Fächer neben Muttersprache und Geschichte. Der zweite Zyklus gabelt vierfach und entwickelt in jedem Zweig eine Gruppe von 8 bis 4 Hauptfächern, nicht von 5 bis 6 wie bei uns. Der Redner besprach bie einzelnen Gruppen und die Stellung der Lehrfächer tn ihnen, wobei er Bedenken gegen die zu früh und zu enyertig erfolgende Beschränkung geltend machte und die Notwendigkeit einer guten Allgemeinbildung betonte. Der französische und der deutsche Lehrplan zeigen hier große Gegensätze, in Frankreich eine zu weitgehende Be­schränkung in den ^ehrgegensiänden, in Preußen zu wenig Bewegungsfreiheit der der Auswahl der Lehrfächer. Man

treibt' bei uns zu vielerlei nebeneinander bis ins 19. Lebens­jahr und gibt zu wenig Spielraun- für die besonderen Be­fähigungen. Der Redner schloß mit dem Wunsch, daß auch bei uns mehr Freiherr aus der Oberstufe gewährt werden möge und erhofft, daß dadurch bei unserer Jugend die Selbst- tätiakeit, die Freude an der eigen-n. mehr wie bisher selbst- bestimmten Arbeit gestarrt werd--. Der sehr interessante und anregende Vortrag fand den ungeteilten Beifall der Zuhörer. Daran schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich die Herren Direktoren Or. ..-aurer, Professor I>r. Walther, Professor vr. Weimer sotme die Herren Professor Altendorf fMainz), Professor Dr. Wtslwenus (Frankfurt), Hausmann und vr. Hartung beteiligten. Das Ergebnis dieses Gedanken- austauschs war die Annahme folgender Entschließungen: Der Zweigverein des „Allgemeinen deutschen Realschulmänner­

vereins, Vereins für Schulreform" wünscht für die höheren Schulen: 1. eine freiere Ausgestaltung des Unterrichts auf der Oberstufe und Förderung dahingehender Versuche, 2. Be­schränkung der Lehrziele und Verminderung der Stundenzahl.

— Todesfall. In Luxemburg starb dieser Tage im 74. Lebensjahre der Kaufmann I. Weck, der die Frischerhal­tungsgläser eingeführt hat, welche einen Umschwung im Konservierungsderfahren bedeuten. Die Leiche wurde am Samstag hier auf dem Nordfriedhof in die Familiengruft verbracht.

— Ehrung eines Wiesbadeners. Eine Auszeichnung tvnrde dem von hier gebürtigen Metzgermeister Moritz Schramm in Kiel zuteil, indem Prinz Heinrich von Preu­ßen ihn zu seinem Hoflieferanten ernannte. Als junger Mann kam Herr Schramm seinerzeit nach Kiel, und vor 22 Jahren übernahm er das zu hoher Blüte von ihm ge­führte Geschäft. Seit langen Jahren ist er Lieferant für die Kaiserliche Marine und Lieferant der Hofhaltungen des Prin­zen Heinrich in Kiel und dem Sommersitz Hemmeimark. Herr Schramm ist ein Sohn des ehemaligen Metzgermeisters Karl Schramm in der Neugasse.

— Thalia-Theater. Der Andrang zu den gestrigen Abend­vorstellungen war so lebhaft, daß die Kassen wiederholt ge­schlossen werden mußten. Ein starkes Polizeiaufgebot war nötig, um den rwsigen Menschenverkehr auf der Kirchgasse zu regeln. Die Eingangsräume des Thalia-Theaters wurden vom Publikum bestürmt, und die Direktion konnte trotz Her­anziehung des gesamten Personals die drängenden Menschen­massen schwer zurückhalten, so daß ein allgemeines Chaos ent­stand. Im Interesse der Theaterbesucher selbst läge es, wenn die beiden Nachmittagsvorstellungen bevorzugt würden.

— Erster bunter Faschingsabend. Im Kurhaus wurde am Samstag der große Saal in karnevalistischer Aus­schmückung den Freunden froher Faschingslaune zur Ver­fügung gestellt. Das Parkett war zur Restauration umge­wandelt und aus dem Musikpodium, von dem aus sonst nur ernste Kunst dem Publikum vermittelt wird, produzierten sich die Jünger und Jüngerinnen der leichtgeschürzten Muse. Die erste Veranstaltung dieser Art in der heurigen Fastnachts­saison bedeutete schon dem Besuch nach einen vollen Erfolg, Parkett und Rang waren bis auf den letzten Platz besetzt. Er­wartungsvoll sah man den Genüssen entgegen, die ein nicht weniger als 17 Nummern umfassendes Programm versprach. Zunächst stellte sich der Conferencier des Abends, Herr Alois G r o ß m a n n, vor, der mit verbindlichen Worten Künstler und Publikum in Kontakt zu bringen sich bemühte, was bei der Menge der Teilnehmer kein sehr dankbares Geschäft war. Stärker wirkte er als Humorist; hier löste sein Vortrag, den eine eindrucksvolle Mimik drastisch unterstützte, stürmische Heiterkeit aus. Um die Damen zunächst zu Wort kommen zu lassen, erwähnen wir als Erste Fräulein Clarissa R o d i n, die mit ihrem Partner George Rottenburg in einigen Duettszenen durch ihre natürliche Liebenswürdigkeit und sympathische Vortragskunst, namentlich in den im Bieder­meierkostüm gesungenen Schlager „Das war in Schöneberg" restlose Anerkennung fand. Herr Rottenburg hatte übrigens auch Gelegenheit, in humoristischen Dialektvorträgen als er­folgreicher Solist zur Geltung zu kommen. Frau Mary Brach-Gareis erfreute in Liedervorträgen durch eine angenehme Stimme und Fräulein Madeleine Wilden er­probte die Wirkung leichter Chansons auf das aufnahme­freudige Publikum. Von den noch nicht genannten Herren verstand es Herr Ewald Mall eh durch selbstbegleitete Ge­sangsvorträge am Flügel die Aufmerksamkeit seiner dank­baren Zuhörer zu fesseln, während der hier nicht mehr unbe­kannte Herr Joseph Gar eis sein Programm: humoristische Lieder zur Laute, erfolgreich erledigte. Von starker Wirkung waren auch die Vorträge des Herrn Fritz Schlotthauer vom Mainzer Stadttheater, dessen Kölner Karnevalslieder laute Heiterkeit auslösten. Nicht weniger amüsant war das Tänzerpaar „Dah and Knight", das sich vom Cowboy Dance über den Tango zum Ragtime in der effektvollen Wiedergabe exzentrischer Tanzvariationen zu übertreffen versuchte. Die Aufnahmefähigkeit der Teilnehmer schien unbegrenzt; sie un­terhielten sich bis zum Schluß und lohnten die Mühen der Künstler durch beifällige Auszeichnungen ihrer Dar­bietungen. g,

— Der Evangelist Binde begann gestern abend die'ange­kündigten Ebangelisations - Versammlungen für Männer im großen Saal der „Turngesellschaft". Er sprach über den „Fluch des Unglaubens" und bekämpfte zu­nächst die Auffassung von der Gleichartigkeit des Glaubens der verschiedenen Religionen. Es komme nicht nur darauf an, daß man etwas glaubt, sondern auch darauf, was man glaubt' Die Auffassung der Bibel vom Glauben siehe im Kontrast mit der Auffassung der modernen Menschen, die nur das glauben wollen, wa? sie fühlen und am liebsten sehen, In der Bibel aber heißt es: Der Glaube ist eine gewisse Zuver­sicht von dem, was man hofft, und nicht ein Anzweifeln von dem was man nicht steht. Ebenso sei es falsch, zu glauben, es komme lediglich auf dw -raten und nicht auf den Glauben an, denn die Handlung fließe aus dem Glauben. Der Redner sprach weiter über den Inhalt des biblischen Glaubens und die m der Bibel enthaltene Wahrheit. Die Bibel sei ein un­geheuerliches Kapital an Wahrheit, von dem jeder seine An­leihe machen könnte. Nur der findet seinen Glauben und seinen Gott, der aufgehört Hatz zu grübeln und zu zweifeln, nur dem werde dre Bibel verständlich, der innerlich fähig ge­worden ist, die biblischen Wahrheiten aufzunehmen. -ü- — Zur Erhaltung der körperliche» und geistigen Gesund­heit. In einer Zeit, die, !vie dre unsere, in bezug aus An­spannung und Leistung ganz außerordentliche Anforderungen an den einzelnen stellt, sind die Bestrebungen, welche dahin zielen, die Erziehung des Menschen zu tüchtigen, im Kampf ums Dasein freudig ihrer Beichastigung und ihrer Pflicht nachgehenden Individuen zu fordern, dankbar anzuerkennen. Zufriedenheit und Glückseligkeit, dre letzten Endes ihre Wur­zeln in oer körperlichen und geringen Gesundheit haben, sind aber nur auf dem Weg der Setbstzuchi und Energie sowie einer Freudigkeit für die Tätigkeit des Alltags zu erreichen. Die Zukunft des Menschen ist da» einer angeborenen

und anerzogenen Energie —v f° leitete am Samstagabend Geheimrat Professor vr. Rumpf (Bonn) seinen von der hiesigen Ortsgruppe des „Deutschen Vereins für Volks- bygiene" veranstalteten Vortrag m der Aula des Lyzeums am Schloßplatz ein. Eine harmonische Entwicklung des Körpers und Geistes müsse dabei das Grundprinzip der Erziehung sein. Der Vortragende erinnerte an die mannigfachen Sün­den in bezug auf die körperliche Betätigung und Ernährung, deren Vermeidung zu berücksichtigen sei. Er empfahl die Aus­übung von Sport ohne Übertreibung, das richtige Essen und langsame Kauen. Die moderne Hygiene habe die Mortali­

tätsziffer gegen früher ganz bedeutend herabgesetzt. In der Bekämpfung und Verhütung von Krankheiten habe die Medizin m den letzten Jahren wahre Triumphe gefeiert; ge­wisse Seuchen sind uns fast nur noch dem Namen nach be­kannt. Nur in bezug auf Syphilis und Alkoholmißbrauch wäre eine ausgedehntere Bekämpfung zu empfehlen. Am in­teressantesten war aber der letzte Teil der Ausführungen Pro­fessor vr. Rumpfs, in dem er Mittel und Wege wies zur Kräftigung der geistigen Gesundheit, bei der Jugend und bei Erwachsenen. Wie schon eingangs erwähnt, bezeichuete er hier die Energie als den Faktor,' der zur Überwindung von Schwierigkeiten, zur Erreichung eines Ziels und zur Zu­friedenheit führt. Dabei soll der Mensch die Freude pflegen und sich alles Disharmonische möglichst fernhalten, und dann, was nicht unwesentlich ist, von Zeit zu Zeit aus dem Alltag heraussteigen auf einen Turm, der ihm den weiten Blick wredergrot. Dieser Turm ist bei den einzelnen verschieden: Musik, Literatur, Kunst usw. Die klaren, grundlegenden Ausführungen des Vortragenden blieben nicht ohne Eindruck auf die Zuhörer, die aufmerksam bis zum Schluß folgten und dankbar applaudierten. -th-

— Arbeitslosenversicherung. Der „Bund der technisch­industriellen Beamten, Ortsgruppe Wiesbaden", veranstaltet am Mittwoch, den 4. Februar, abends 8% Uhr, im Restau­rant „Wartburg", Schwalbacher Straße 51, eine öffentliche Versammlung, in der Herr G r a n z i n (Stuttgart) über „Arbeitslosenversicherung" spricht. Nach dem Vortrag erfolgt freie Aussprache.

— Kleine Notizen. Der städtische Seefischver- kauf wird morgen Dienstag, den 3. Februar, wieder abge- baltcn.

vorberichte über ttunjt, Vorträge und verwandtes.

* Konzert. Morgen Dienstag, abends 7)4 Uhr, findet im «roßen Saale des ..Zivilkasinos" ein Konzert zum Besten des Vereins „F r a u e n b i l f e" zu Wiesbaden statt. Die Mit­wirkenden können jetzt genannt werden. Es sind dies Fräulein van Dresser vom Opernhaus in Frankfurt a. M.. Elly Ney- van Hoogstraten (Klavier), Lady Speyer, London (Proline), Hans Bäte haus. Konzertsänger. Frankfurt a. M. Das Pro­gramm ist reichhaltig und interessant. Das Konzert verspricht sehr genußreich zu werden

Musik- und Vortragsabend«.

Das Svangenvergsche Konservatorium ver­anstaltete gestern im Residenz-Theater eine Overnaufführung. Es war die erste derartige Veranstaltung des Instituts und bedeutete für dieses einen neuen Merkstein tu der aufsteigen- den Entwicklung, Herr Prof Fahr als spiritue rertor hatte, unterstützt du ch Herrn Mebus als sachkundiger Regisseur, und Herrn Hofmusikdrrektor Keifer als erfahrener musikalischer Leiter, durch reiche Mühewaltung eine Aufführung zustande ge­bracht. die mancher Berufsbühne zur Ehre gereichen würde und einen künstlerisch berechtigten Erfolg bedeutet. In den B uchstücken aus „Fidelio" und „Troubadour" und der Offen- bachscken Operette „Die Verlobung bei der Laterne" boten eine Anzahl stimmbegabter Damen und Herren in Gesang und Spiel nur Anerkennenswertes: Frl. Gericke war ein warmherziger Fidelio und eine temperamentvolle Azuzena. und Frl. Fuchs als Lconore bot namentlich gesanglich Ausgezeichnetes AÜ schauspielerisches Talent von Ursprünglichkeit und Frische er­wies sich Frl Scherer, die im Verein mit Frl. Hartzmann und Fl Planm. namentlich in der Operette, durch gewandtes Spiel die Zuhörer erheiterte. Von den .Herren erfreute besonders Her." Lemb durch schönes Stimmaterial. Herr Schuchardt durch Leichtigkeit seines Spiels und Gesangs, und auch die Herren Freundlich. Schneider und Wrgaord wußten sich aufs beste dem Ensemble einzufügen. Die zahlreich er­schienenen Zuhörer ließen es an Beifall nicht fehlen. =»

Mrrs dem Landkreis Wiesbaden.

z. Bierstadt, 31. Jan. Durch die Neuanlage des Kanals auf der Strecke von der Ringwciche bis zur Grenzstraße ent­stehen des öfteren Verkehrsstockungen der elektrischen Bahn, so daß es ohne Verspätungen nicht abgchen kann. Die Strecke ist nämlich nicht für das Fuhrwerk gesperrt. Die Ar­beiten schreiten indessen rüstig weiter und ein gut Teil des neuen Kanals ist bereits fertiggestellt. Ein Polizeibeamter ist stets anwesend, dessen Anordnungen die Fuhrwerksbe­sitzer sich zu unterwerfen haben.

§§ Erbcnheim, 30. Jan. Der 1. Punkt der letzten Ge-- meindevertretersitzung betraf die Versicherung der Lehrer und Lehrerinnen, welche gemäß § 165 Ziffer 5 der Reichsversicherungsordnung der Krankenversicherungspflicht unterliegen. Es wurde beschlossen, den an der hiesigen Volks­schule endgültig oder einstweilen angestellten, auftrags- oder vertretungsweise beschäftigten Lehrern und Lehrerinnen, die der Krankenversicherungspflicht unterliegen, für den Fall der Erkrankung vom ersten Tage bis zur 26. Woche den Betrag des anderthalbfachen Krankengeldes zu gewähren, rückwirkend vom 1. Januar d. I. Der Gemeinderat wird beauftragt, mit ' dem „Turnverein" einen Vertrag abzuschließen, wonach der letztere den Platz hinter der neuen Schule in der Taunus­straße gegen unentgeltliche Benutzung der Turngeräte seitens der Schuljugend als Turnplatz benutzt. Der „Geflügel- und Kaninchenzuchtverein" beabsichtigt auf einem Grundstück der Gastwirtin Roos in der Neugasse einen Geflügelhof an­zulegen und bittet um Überlassung eines Feldweges. Dem Gesuch wird stattgegeben. — Die Holzverstetgerung int Distrikt „Kalteborn" mit einem Erlös von 875,80 M. wird genehmigt. Die Kommandantur Mainz teilt mit, daß der Schießplatz bei Rambach zum Abhalten des gefechts­mäßigen Schießens vom 2. Februar bis einschließlich 20. März d. I. an den Werktagen benutzt wird.

Nassauische Nachrichten.

, Ich. Eppstein, 1. Febr. Die gegenwärtig unbewohnte „Villa Unverzagt" bei Vockenhausen wurde nächtlicherweise von Dieben auSgeplündert.

UO. St. Goarshausen, 1. Febr. Der Provinzialrat der Provinz Hessen-Nassau genehmigte die Abhaltung eines allge­meinen V i ehmarkts der Gemeinde Dachs enhauserr versuchsweise für die Jahre 1914 und 1915. Als Markttag für 1814 ist der 28. April bestimmt.

Krrs der Umgebung.

Die Zirkus-Festspiele in Frankfurt.

= Frankfurt a. 591., 1. Febr. Am Samstagabend fand in der hiesigen Festhalle die Premiere der Zirkus-Festspiele statt. 500 Mitwirkende, 300 Pferde, 260 Menagerietiere gaben zusammen ein Programm ab, wie es in der Tat bisher kaum erreicht wurde. Nicht weniger als 80 Progyammnummern (also viermal so viel, als ein gewöhnliches Zirkusprogramm bringt) wurden von 8% bis II 14 Uhr in buntester Fülle bor- geführt. Das Publikum hat in den bisherigen Vorstellungen die Darsteller mit Beifall überschüttet. Die Zahl der Zu­schauer bei der Premiere wird auf 18 000 geschätzt.

Geständnis eines Mörders.

D. M. Frankfurt a. M.. gl. Inn. .Vor etwa 14 Tagen wurde hier durch die Kriminalpolizei em Italiener auf