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Morgen-Nusgabe, 1* Blatt,
Zahlungen". Samstag. den 7.. „Zyklus: „T«r lebende ^.erch- nsm". Sonntag, den 8.. nachm.: „Hans Huckebem'. Abends: „Polenblut".
* Bereinigte Stadttheater Frankfurt a. M Opernhaus. Sonntag, den 1. Februar, nachm. ^4 Uhr: ..Wiener Blut". Abends 7 Uhr: „Manon". Montag, den 8.: „Tiefland". Dienstag, den 2., sum erftennMl „Polerslm . Mittwoch den 4.: „Parfifal". Donnerstag, den 5.: .,Cosi fan tutte . Freitag, den 6.: „Die Zauberflöte". Samstag, den 7.: „Der Troubadour". — Schauspielhaus. Sonntag, den 1. Febr., nachm. VA Uhr: „Der gestiefelte Kater" Abends 7 Uhr: „Me einst im iOM". Montag, den 2.: „Idathan der Werse. Dienstag, den 8.: „CHrWiane". Vorher: „Der. veavandolte Komödiant". Mittwoch, den 4.: „Wie einst im Mar. Donnerstag. den 5., zum erstenmal: „Die Kronprätendenten . Freitag, den 6.: „Wie einst im Mai". Samstag, den 7., nachm, o Uhr: .Wilhelm Tell". Abends 8 Uhr: Heimat".
* Kunstsalon Wtuaryus. Neu ausgestellt sind in der graphischen Abteilung RadierungLn von Walter Waentrg. Bruno Hsroux, Heinrich HabeÄ und Hermann Struck. Die Kollektivausstellung der holländischen Mnstlervererurgung Sanct Lucas ist noch kommende Woche zu besichtigen. Anschließend daran findet eine Gedächtnisausstellung für K. W. Diefenbach, den jüngst auf Capri verstorbenen Künstler, statt.
* Galerie Banger. Vielfachen Wünschen entsprechend, hält Frl. vr. Adele Reuter morgen Sonntag, präzis 12 Uhr. nochnÄs eine FÄhrung durch die AuÄteLung Münchener Künstler. Neu ausgestellt sind Werke von Walter Püttner „Gebirgsbach". Prof. Dill „Am Strande von L>ottomarma bei Venedig" und „Winterabend in den Wachholdern". Die Ausstellung ist nur noch 8 Tage zu besichtigen.
* Bortras. Der 4. öffentliche Vortrag in der „Wiesbadener G. f. bild. Kunst" findet nächsten Dienstag, abends 8 Uhr. in der Aula des Oberlyzeums statt. Redner des Abends ist Dr. Wolfram-Waldschmidt-Wiesbaden. der auf Grund seiner im Vate.laiide des Künstlers gemachten Studien über Francisco Goya, den letzten der großen spanischen Klassiker, zu sprechen gedenkt. Dem Vortrag werden zahlreiche LichMlder beigsgeben.
ÄUS dem vereinsleben.
vorbsrichte, Versinsversammlungen.
* Der „Evang. Arbeiterverein für Wiesbaden und Umgegend" begeht heute Sonntag, den 1, Februar, in der „Mannerturnhalle", Platter Straße 16. des Kaisers Geburtstagsfeier, verbunden nrtt lebenden Bildern, Theaterstücken und Tanz.
* Der „Klnb Edelweiß" veranstaltet heule Sonntag, von 4 Uhr ab, im „Deutschen Hof", Goldgasse 2. eine karnevalistische Damensitzung
* Die Ortsgruppe Wiesbaden des „D e n t s ch n a t i o - na len Handlungsgehilfen-Verbandes" hält ihren Maskenball am Samstag, den 7. Februar. abends 8.11 Uhr. im Kurtheater ab. Die Ballmusik wird von zwei Orchestern aus-geführt.
* Dar Voiksmaskenball des „S ä n g e r ch o r s Wiesbaden" findet am Sonntag, den 8. Februar, abends 8 Uhr, im „Gesellenhaus". Dotzheimer Straße 24, statt.
» Der Wiesbadener Ka-nevalverein „Narrhalla" veranstalte: nächsten Sonntag, den 8. Februar, abends 8.11 Uhr, im närrisch dekorierren Theaterfaale dar „Walhalla" seine diesjährige große Gala-Fremdensitzung mtt darauffolgend-sm Bal unter Mitwirkung der Weindelschen Karneval-Gesellschaft von Frankfurt a. M. sowie der großen Hanauer Karnevalsgesellschaft.
" Der Stenographen-Verein „G a b e l s b e r g e r" hat beschlossen, im Laufe des Winters allmonatlich einen Vortrag in sein Programni aufzunehmen. Den ersten dieser Vorträge hielt am Donnerstag, den 22. Januar, in dem Vereins- loka! „Hotel Vogel", Rheinstraße 27, mit lebhaftem Beifall Magistrats-Assistent Tolksdorff über den Erfinder der deutschen Kurzschrift, Franz Xaver Gabelsberger. In der dem Vortrag vorausgegangenen Hauptversammlung unter Leitung des 1. Vorsitzenden, Dipl. Handelslehrer H. Schopen, wurden die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt. Künftig findet jeden Donnerstagabend, von hd Uhr ab, Zusammenkunft der Mitglieder in: Bereinslokal statt. Ein neuer Anfängerkursus beginnt Dienstag, den 3. Februar, abends !49 Uhr, Mittelschule Luisenstraße 26, Zimmer 26.
* > Die „W iesbadener Lokal-Sterbever- sicherungskasse" hatte ihre Mitglieder zur Jahresversammlung auf Sonntag, den 25. Januar d. I., in das Turner- Heim an der Heümundstratze erngoladen. Der 1. Vorsitzende, Kassierer Ernst, erosfnete die Versammlung mit dem Hinweis auf die wichtise Punkte (u. a. Statutenänderung), welche zur Tagesordnung stehen. Der in Druck vorliegende Jahresbericht und Kassenbericht wurde durch den 1. Vorsitzenden und den Kuffensührer erläutert und dabei auf die günstige finanzielle Entwicklung der Kasse sowohl als auch die mindere Sterbeziffer hingewiesen. 24 Mitglieder wurden ausgenommen. Abgegangen sind durch Tod 54. Ausschluß 17, Austritt 2, zusammen 78. Der Mitgliederbestand am Schlüsse des Jahres betrug 2234. An Sterbegeldern wurden 30 800 M. gezahlt. Das Gesamtvermögen letzt sich an dem Schlüsse des Rechnungsjahres wie folgt zusammen: Kassenbestand 847.10 M.. rückständige Beiträge 8181.10 M„ Guthaben bei der „Wiesbadener Vereinsbank 8649.75 M., Wertpapiere 315 000 M., zusammen 322 677.65 M., mithin gegen das Vorjahr ein Mehr von 27 654.17 M. Nach dem Berichte der Rechnungsprüfungs- kommission war die Kassenführung in bester Ordnung, daher wurden dem Kassierer und dem Vorstand Entlastung erteilt. Bei der Ergänzungstoahl des Vorstandes wm.de Herr Ernst zum 1. Vorsitzenden einstimmig wiedevgewählt. Ferner gingen aus der Wahl hervor: MaUist «tssekretär C. K. Trolle als stell- vertretender Schriftführer. Restaurateur Fr. Meng, Schuh- mnchermeister A. Schleider und Sch einer I Weber als Beisitzer. Die Rechnungsprüfungskommission für 1914 setzt sich zusammen aus den Mitgliedern Junior. Barth, Faust. Wenig und Wolf. Zu ständigen Kaffenvepisoren wurden Tüncher- meister Stolz Kaffenbeamter Ruhl und Ksffenbote Spies gewählt. Der Bericht über die bersicherungstechnifche Prüfung zeigte, daß. wenn auch die Kasse am Schluffe des Jahres 1912 nach der technischen Bilanz einen Überschuß von 187.33 M. hatte, zurzeit eine Herabsetzung der Kaffenbeiträge in der 1. und 2. Waffe nicht möglich ist. Die Abänderung der Satzung, und zwar dafür, daß Mitgliedern, welche 25 Jahre der Kaffe angeboren. die Beitrage gestundet werden können bei Verweigerung der Mahngebühr ein Ausschluß erfolgen kann, der Rechnungsprüfungskommission eine Vergütung zu gewähren und die Bekanntmackunsen in dem „Wiesbadener Tagblatt" erfolgen., wurden einstimmig angenommen. Die Präsenzliste ei-gab die Anwesenheit von 85 Mitgliedern. Namens des Kassenvorstandes dankte der 1. Vorsitzende für das rege Interesse. das me Mitglieder <m den Verhandlungen zeigten und schloß mit dem Wunsche, daß die Kaffe sich so weiter entwickeln möge ftne disoer. die Versammlung.
Dereinsfeste. (Ausnahme frei bi» zu 20 Seilen.)
* Die Kaisevqeburtstagsfeier im „Frauenklub" bestehend aus einem Festkonzert, die sich eines, sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte, nahm einen für alle Teile äußerst befriedigenden Verlauf. Rach dem Konzert hielt die erste Vorsitzende eine stimmungsvolle Kaiscrrede und nach dem allgemein gelungenen „Heil Dir im Siegerkranz" hielt ein vorzügliches Abendessen die Klubmitglieder noch mehrere Stunden vereint. .
* Die dre: Krieg er- und Militärvereine (Krieger- und Reserve-Verein. Krieger- und Militär-Verein „Fürst Otto von Bismarck,, Marine-Verein) hatten sich am Montag, den 26. Januar ttn Saale des Katholischen Ge. iellenhauses zur aemelmamen Kaisergeburtstagsseier vereinigt. Eine stattliche Zahl von Gästen und Ehrengästen, an deren Svitze Herr Polizeipräsident van Scheuch verlieh der Ehrentafel der Offiziere Mit deren Damen einen uniform- uud ordensgeschmückten Glanz. Aus dem erlesenen Programm
Wi§sdsderrer Tagbiatt.
seien hervorgehoben die herzliche Begrüßungsrede des Stabsarztes d. L. Dr. Otto, die markige und schwungvolle Kaiser- Rede des Leutnants d. R. Hagen und, die künstlerhaften Sopran-Soli von Frau Anna Rödler sowie das brillante Cello-Solo von Herrn Zahnarzt Zentner. Der tonfrische Gesangverein „Sängerrunde", unter seinem wackeren Dirigenten Herrn Lehrer Remsberger, brachte mehrere exart e:n- geschulte und melodische Chöre zu genußreichem Bortrag. Nicht vergessen seien der Prolog, eindrucksvoll gesprochen von Frl. Reinsberger, sowie ein flottes Theaterstück, drastisch gespielt und gut emstudiert. Den Beschluß machte cm ausgedehntes Tänzchen mit imposanter Eingangs-Polonaise.
* Im „M ä N ner - Tnrnverein" wurde der Karneval am verflossenen Sonntag mit einem Konzert eröffnet. Das Programm umfaßte gemeinschaftliche Lieder, musikalische Vorträge der gesamten Kapelle der ehemaligen 80er und turnerische Vorführungen. Das von R. Jost verfaßte Tongemälde „Ein Sommerfest auf dein Turnplatz Nonnentrift mußte auf allgemeines Verlangen wiederholt werden. Auch die Schieisteiner Strandbadkapelle lüste heiteren Jubel aus. Die gymnastischen Sruhlpyramiderr, von den besten Turnern des Vereins unter Engels Leitung, erregten lebhaftes Interesse wegen sicherer und eleganter Ausführung. Die gemeinsamen Lieder, verfaßt von Herrn R. Jost u. K. Müller, fanden allgemeinen Beifall. Am Sonntag, den 8. Februar, folgt eine Jubiläums-Damensitzung.
Kus dem Landkreis Wiesbaden.
— Schierstem, 31. Jan. Der „Geflügelzuchtverein Schierstein am Rhein", gegründet 1900, veranstaltet, wie schon früher erwähnt, von heute bis Montag, den 2. Februar, in der Turnhalle dahier seine 0. Geflügelausstellung, wozu 303 Nummern Geflügel angemeldet sind. Unter den angemeldeten Tieren sind sehr interessante Rassen von großartiger Züchtung.
KMEische Nachrichten.
IN. Geisenheim (Rheingau), 80. Jan. Ihr 50jähriges Arbeiterjubiläum konnte der Monteur Derstorfs, der Dreher Ullendorf und der Former Brust mann der Maschinenfabrik Johannisberg feiern. Den Jubilaren wurde aus diesem Anlaß vom Bürgermeister Hartmann (Winkel) das ihnen vom Kaiser gestiftete Allgemeine Ehrenzeichen überreicht.
Inn. Hattenheim i. Rhg., 31. Jan. Die bei der im Frühjahr 1913 abgehaltenen Weinversteigerung der Freiherrlich Reitz v. Frentzschen Gutsverwaltung in Hattenheim zurückgezogenen 1910er und 1911er Weine, sowie die Kreszenz von 3/2 Stück 1913er gingen durch Kauf an das Hotel- und Weinrestaurant Reß in Hattenheim über. — Trotz des milderen Wetters gilt die hiesige Eisbahn noch als vollständig ungefährlich.
v. Höchst a. M., 31. Jan. Morgen begeht hier Stadtrent- meister Safran sein Wjähriges Dien st jubilü u m.
— Limburg, 31. Jan. Nach längerem Leiden starb hier im 75. Lebensjahre Lehrer a. D. Karl Ri es er. Er wird in dem nahen Linter, wo er 40 Jahre als Lehrer wirkte, beerdigt. — Die Lahn ist zwischen Limburg und Steeden noch immer mit einer geschlossenen Eisdecke bedeckt. — In Aumenach hat sich ein Jungfrau en v erei n behufs Jugendpflege und ein Flottenverein gebildet. — Die Scheidsche Maschinenfabrik, die im Spätherbst niederbrannte und sich während des Winters in Notbauten durchhalf, läßt bereits für große Neubauten Fundamente aus- schachten.
8. Vom Westerwald, 30. Jan. Die Holz verstei gern n g e n in den fiskalischen Waldungen haben begonnen und die dabei erzielten Preise zeigen wieder einen kleinen Rückgang. Die Bevölkerung erseht vielfach den Holzbrand durch Kohlenbrand. Leider zeigt auch das Holz nicht mehr die gleiche Güte wie früher. Die Forstverwaltung läßt nämlich dre besten Buchenstämme als Nutzholz liegen, die dann teils in die Fabriken gehen oder gleich an Ort und Stelle zu Bahnschwellen verarbeitet werden. Das besorgen Italiener, die in großer Zahl in der jetzigen Zeit in den Waldungen des Westerwaldes beschäftigt sind.
Aus der Umsetzung.
Nahe und Rhein.
in. Bingen, 31. Jan. Eine nach Hunderten zählende Menschenmenge stand gestern an den Ufern der Nahe und sah der Sprengung der Eismassen auf dem Fluß zu. Die Lage im unteren Nahegebiet ist im Lauf der letzten Tage eine recht ernste geworden. Infolge des noch immer, herrschenden Tauwtztters werden dem Fluß größere Waffermengeu zugeführt. Da aber der Wasserspiegel des Rheins immer noch höher ist a l§ der der Nahe an der Mündung, so staut sich das Wasser oberhalb derselben. Hierzu kommt noch, daß die untere Nahe mit einer festen Eisschicht bedeckt ist. An verschiedenen Stellen hat das Wasser der Nahe die Hochwassergrenze bereits erreicht. Bei weiterem^ Steigen des Wassers sind große Überschwepiuiungen zu befürchten. Ebenso wird ein Dammbruch bei Dietersheim befürchtet, durch den der Ort in hohem Matze gefährdet sein würde. Das gleiche gilt auch von Laubenheim an der Nahe. Für einen schleunigen Abfluß des Wassers muß aus diesem Grund Sorge getragen werden. Zu diesem Zweck traf hier eine Abteilung des 21. Pionierbataillons aus Mainz-Kastel. ein, die in die Eisdecke eine etwa 10 Meter breite Rinne zu brechen sucht. Der Rhein ist zurzeit fast vollständig eisfrei. Die Schiffahrt ist auf dem Strom im vollen Umfang wieder ausgenommen worden. In den letzten 24 Stunden kamen hier etwa 80 Schleppzüge und Güterboote vorüber. Der Verkehr dürfte in der nächsten Zeit recht lebhaft sein.
Deutscher Reichstag.
Das Gehalt des Ztaatssskretärs.
8. Berlin, 81 . Jan. (Erg. Drahtbericht) Heute ist der neunte Tag der Etatsbsratung. Die Gruben- k a t a st r o p h e auf Zeche Achenbach, dis ja erfreulicherweile weniger Opfer gefordert hat, als es zu Anfang schien, wurde heute im Reichstag von den verschiedensten Seiten berührt. Auf eine Anfrage des Abgeordneten B a s s e r m a n n gab Staatssekretär Delbrück das vorläufige Ergebnis . der amtlichen Erhebungen bekannt und auch der sozialdemokratische Redner kam später noch einmal kurz auf das Unglück und seine Ursachen zurück.
Der heutige große Tag, der^ großen wirtschafts- politischen Debatte, zeigte im übrigen ein etwas Höhe re s^ Niveau. Herr B a s s e ttnann formulierte die Stellung der nationalliberalen Partei zur Frage des Arbeitswilligenschutzes. Er bekennt sich als unbedingter Anhänger der Koalitionsfreiheit und darum als Gegner des konservativen Streikposten-
Smrntcrg, 1 . Februar 1S14 Nr. 58 .
antrages. Ganz wie der Reichskanzler meinte auch der nationalliberale Führer, etwaige Auswüchse könnten schon heute durch die Polizei, jedenfalls aber auf denk Wege der ordenllichen Gesetzgebung verhütet und gesühnt werden. Das war. eine sehr hübsche und tapfere Rede, die nur einigermaßen darunter litt, daß Herr Bassermann das natürlich vergebliche Kunststück versuchte, lvie in der vorigen Woche d-ie Meinungen der Abgeordneten van Calker und Röchling über die Zabern-Affäre, so heute die Ausführungen des Abgeordneten Röchling über den ArüeitswWgenschntz mit seinen eigenen Ausführungen unter einen Hut zu bringen.
Graf Westarp setzte auch sofort an dieser Stelle ein. Im übrigen wandte sich der konservative Redner gegen die bekannten Erklärungen des Staatssekretärs über die Handelsverträge und den Zolltarif. Herr Westarp meinte, der Entschluß der Regierung, "die Handelsverträge nicht zu kündigen, sei voreilig gewesen, voreilig gegenüber dem Ausland, das auf die Anregungen nichts weniger als freundlich reagiert habe, voreilig auch gegenüber dem Inland, wo die letzte Reichstagsdebatte gezeigt hätte, welch mancherlei dringende .Wünsche bei einer Revision des Zolltarifs gehegt würden.
Herr Delbrück hatte vorher die ablehnende Haltung der Regierung gegenüber einem Umbau des wirtschaftlichen Ausschusses begründet. Dagegen wandte sich vor allem der fortschrittliche Wgeordnete Dt. Weritt orff, der im weiteren mit gutem Humor und kühlem Blick außerordentlich schlagfertig, namentlich gegen gewisse Zwischenrufs des Herrn iw. Oertel, die Haltung der Konservativen zur Frage der inneren Kolonisation kritisierte. Der fortschrittliche Abgeordnete S ch w eick- bar d t wandte sich gegen den Abgeordneten Vogt-Hall, der ein falsches Bild über die württembergische Landwirtschaft gegeben habe. Der sozialdemokratische Abgeordnete Pens sprach über die Konsumbäckereien und Brotfabriken und Herr Faßbender erörterte noch einmal die Wünsche bezüglich des Gesetzes über den Handel mit Waffen. Und nun kam das Satyrspiel Zwischen dem früheren Bauernbündler und jetzigen nationaliberalen Abgeordneten Dr. Böhme und dem bisherigen nationallibevalen H e st e r m a n n. Es war ein sehr einseitiges Duell. Herr Dr. Böhme redete immer, an Hestermann vorbei und begnügte sich mit einer Polemik gegen die Konservativen. Ganz anders Herr Hestermann: der schlug feste um sich, zur Rechten wie zur Linken; namentlich aber auf die Nationalliberalen. Manches war von so unglaublicher Naivität, daß das Haus sich vor L a ch e n schüttelte. Als der Redner von seiner alten Freundschaft zu den Nationalliberalen sprach, rief man ihm M: Kchre zurück, es ist alles vergeben. Als der Redner erklärte, die nationalliberale Kampfstellung gegen das Zentrum sei unbegründet, denn man habe mit dem Zentrum ganz gute Politik machen können, da erscholl unter stürmischer Heiterkeit der Zuruf: Gehen Sie doch zum Zentrum! Herr Gröber rückte schleunigst einen Sitz ab und machte eine ein ladende Handbewegung. So schloß die heutige Sitzung. Me formelle Bewilligung des Delbrückschen Gehalts wird erst nach der Spezialdebatte über das Vereinsgesetz, die anr Dienstag beginnen soll, erfolgen.^
Sitzungsbericht.
Eigener DraLtberiebt des „Wiesbadener TaMaNS".
P- Berlin, 31. Janwrr.
Am Bulldesratstisch: Staatssekretär des Innern
Di'. Delbrück, Kommissare.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 12,02 Uhr.
Die zweite Beratung zum
Etat des Innern
wird beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs" fortgesetzt. Hierzu liegen nunmehr 22 Resolutionen vor.
Wg. Baffermann (natl.): Bei der Eröffnung der heutigen Verhandlungen stehen wir unter dem Eindruck des Bergwerksunglücks bei Dortmund. Als erster Redner darf ich dem Gefühl herzlicher Teilnahme für alle von dem schweren Unglück Betroffenen und deren Angehörigen Ausdruck geben. Wir würden dem Staatssekretär dankbar sein, wenn er uns einige Mitteilungen über daS Unglück machen könnte. (Bravo!) —Dem Reich sbankpräfidenten können wir für seine bisherige Politik nur unser dollstes Vertrauen aussprechen. Besonders verdient; das. Anwachsen des Goldbestandes der Reichsbank hervorgehoben zu werden.
Der Auftchwung unserer Industrie ist zwar zurüSzuführen auf die leitenden Persönlichkeiten» zum großen Teil aber auch auf die Unterstützung unserer Bankwelt.
Mit der ablehnenden Haltung des Reichsbankpräsidenten gegenüber der Frage eines Depositengesehes sind wir einverstanden. Ein solches Gesetz würde große Hemmungen für den Verkehr bringen. Auch sind die Wirkungen eines derartigen Depositengesetzes nicht zu übersehen. Soll etwa, wenn eine solche staatliche Kontrolle eingeführt ist, der Staat oder das Reich für den dennoch entstandenen Schaden haftbar gemacht werden? Das würde doch zu den gefährlichsten Konsequenzen führen. . Schon heute haben wohl alle Banken selber eine umsichtige Revision durch besondere Beamte eingerichtet. Der Geldmarkt Deutschlands würde durch ein derartiges Gesetz außerordentlich erschwert werden. Wir müssen bedenken, daß die großartige Entwicklung und die Weltstellung der französischen Republik in erster Linie neben den starken nationalen Instinkten auch auf der Kalütalkraft der Bürger beruht.. Frankreich war so in der Lage, der Geldgeber Rußlands zu fein. Dadurch, und weil es auch den Mut hatte, Milliarden herzugeben, hat es die Tripelentente außerordentlich gestützt. An der Kreditnot des Mittelstandes und namentlich des Baugewerbes darf die Gesetzgebung nicht dorüber- gehen; gegen unsolide Unternehmungen mutz vorgegangen werden. In das Koalitiansrecht der Arbeiter einzugreifen, wäre politischer Wahnsinn.
Unsere vollen Sympatbien begleiten die christlichen und nationalen Gewerkschaften in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokratie und auch gegen die kirchlichen Autoritäten. (Beifall.) Gibt man den Arbeitern das Koalitionsrecht, so
