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Abend-Ausgabe, 1 Blatt. Mesbadener Ttttzblatt. Samstag, 31. Januar 1911. Nr. 52.

— Der diesjährige Besuch des Kaisers in Wiesbaden.

Nach den vorläufigen Reisedispositionen des Kaisers wird der Monarch nach Schluß der diesjährigen Hoffestlichkeiten vor­aussichtlich im Lauf des Monats Diärz eine Reise nach Carfu antreten. Die Kaiserin wird in dieser Zeit auf Schloß Homburg einen mehrwöchigen Aufenthalt nehmen, der Kaiser kehrt Anfang Mai aus dem Süden zurück und wird in der zweiten Maiwoche in Wiesbaden eintreffen und im Königl. L-chloß eine Woche Hoflager beziehen. Die Kaiserin wird entweder von Homburg oder von einem Besuch am Herzoglichen Hof in Braunschweig nach Wiesbaden folgen.

— Nassauische Laudesdirektion. Nachdem der Landesrat A u g u st i n von der hiesigen Landesdirektion, der zum Stadt­rat der Stadt Charlottenburg gewählt und bestätigt worden, heute aus seiner seitherigen Stellung ausgeschieden, ist das von ihm bearbeitete Dezernat: „Fürsorgeerziehung Minder­jähriger", dem Landesrat Schmorl übertragen worden.

— Intendanz und Dramaturg. Zu der kürzlich erwähn­ten Angelegenheit des Dramaturgen Linsemann vom hiesigen Hoftheater wird uns von unterrichteter Seite folgen­des Weitere mitgeteilt: Zwischen Linsemann und der Inten­dantur ist es zu einem Konflikt gekommen aus Gründen, die mit künstlerischen Dingen nichts zu tun haben. Der Konflikt hat sich jetzt so zugespitzt, daß Linsemann sich genötigt sah, die Klage dem Geheimen Justizrat des Königs in Berlin gegen den König von Preußen vorzulegen. Termin zur Verhand­lung ist bereits für nächste Zeit anberaumt. Gegenstand der Klage ist das Verlangen Linsemanns, die ihm laut Vertrag zugesicherten Rechte vollauf erfüllt zu sehen.

— Kaisergcburtstagsfcier. Die dienstfreien Beamten der Polizerverwaltung hatten sich gestern abend im „Gesellenhaus" in der Dotzheimer Straße zu einer Feier aus Anlaß des Geburtstags des Kaisers versammelt. Polizeipräsi­dent v. S ch e n ck hielt eine Ansprache. Das Programm, das Musikdarbietungen der Schutzmannskapelle, Vorträge, ein flottgespieltes Theaterstück und einen Festball, verzeichnete, nahm einen stimmungsvollen Verlauf.

— Allgemeine Ortskrankenkaffe. Im Anschluß an unsere Notiz über die Wahl der Vorsitzenden der „Allgemeinen Orts­krankenkasse" in der heutigen Morgen-Ausgabe schreibt man uns: Bei der Wahl des ersten Vorsitzenden wurden abgegeben 6 Stimmen aus dem Kreis der Arbeitgeber, wovon 3 Stim­men auf Gerich und 3 Stimmen auf Jeckel entfielen. Von selten der Versicherten wurden abgegeben für Gerich 7, für Jeckel ö Stimmen. Keiner von beiden erhielt somit die Stimmenmehrheit der beiden Gruppen, womit, der erste Vor-, sitzende nicht gewählt ist. Das Stimmenverhältnis bei dev Wahl des zweiten Vorsitzenden ist richtig. Gemäß § 329 Abs. 2 der Reichsversicherungsordnung mutz sonach ein erster Vorsitzender, bis eine Einigung unter den Gruppen hcrbei- geführt ist, von dem Versicherungsamt ernannt werden. Als solcher wird Gerichtsassessor vr. Frankenbach von hier bis zur gültigen Wahl die Rechte und Pflichten des ersten Vorsitzenden ausüben.

— Verlosung von Pferden usw. Der Bürgermeisterei der Stadt Mainz ist die Erlaubnis erteilt worden, zu den im Frühjahr und im Herbst 193 4 in Mainz zu veranstaltenden öffentlichen Verlosungen von Pferden, Wagen, Pferdege­schirren und anderen Gegenständen im diesseitigen Staats­gebiet (in den Kreisen Wiesbaden-Stadt und -Land und Höchst a. M.) Lose zu vertreiben.

— Die Dotzheimer Bürgermeisteraffäre. In der Dis- ziplinarsache wider den früheren Bürgermeister Rossel von Dotzheim ist vor dem Kreisausschuß Donnerstag endlich das Urteil gesprochen worden. Dasselbe lautet auf Amtsent­hebung, Verlust des Bürgermeistertitels, sowie Verlust der Pensionsberechtigung. Dem Verurteilten wurde dagegen ein lebenslängliches Ruhegehalt zugebilligt.

— Verbrannt. Wie uns aus S ch i e r st e i n a. Rh. be­richtet wird, kam dort heute vormittag die 64 Jahre alte Privatiere Q u a i r o n i dem Feuer zu nahe. Dabei geriet zunächst ihre Schürze in Brand und bald darauf brannte die Unglückliche lichterloh. Als Hilfe herbeikam, hatte sie bereits derartige Brandwunden erlitten, daß sie nach kurzer Zeit ihren Geist aufgab. Die Verunglückte ist die Mutter der früheren Ballettmeisterin am hiesigen Königl. Theater, Frau Ruppel-Quaironi, der Gattin des von hier nach Schierstein üoergesiedelten Weinhändlers Eduard Ruppel.

_Personal-Nakbrichten. Geheimrat Froehlich. Vor­sitzender der Steuerv^anlagungskommission. ist ab 1. Juli nach Hannover versetzt.

Spielpkan der Wiesbadener Theater.

vom 1 Februar bisst. F-bruar.

Königl.

Schauspiele.

Residenz-

Theater.

Knr-Tbeater.

Sonntag

Abon. 0. Lobengrin.

6Va Uhr

>/rt Uhr. (Halbe Pr.) Monna Bann».

7 Ubr: Hochgeboren!

Geschlossen.

Montag

Ab. P.

Die Stützen der Gesell.chast.

Es lebe das Leben.

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Dienstag

Abon. A.

Hänsel und Gretel. Hierauf:

Die Puppenfee.

Hochgeboren!

Mittwoch

Abon. B. Hofftnanns Erzählungen.

Kammermusik.

Donnerstag

Ab. 6.

Der fliegende Holländer.

Hochgeboren!

Geschloffen.

Freitag

Ab. A.

Neu einstudiert: G«aes und sein Ring.

Die spanische Fliege.

Gastspiel von vr.

V. Krügers Scetch-Enjemble.

Samstag

Abon. v. P-lenblut.

Neu einstudiert: Traumulus.

-

Sonntag

Ab. 8.

Zum 275- Male Oberon.

Unbestimmt.

-

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vorberichte über Kunft, Vorträge und verwandtes.

* Residenz-Theater Die Opsm-Watinee des Svangen- bergschen Konservatoriums, die rnorgen Sonntag mV, Uhr stattfindet, steht unter der Smelleltung des Kgl. Oberwaiffeurs Ed. Mebus und der musikalischen Dnektwn des Zotmusikdirektors Fritz Keiser. Sämtliche Ans^hrende sind Schüler aus der Gesangsklaffe des Professors Fahr.

Der Singchpr des Königlichen Theaters ver­galtet auch in dleiem Iah e eine große Festlichkeit rn den oberen Räumen der „Walhalla", verbunden mit Gesangs- und dekwmatorischen Vorträgen, Ball und Tombola, zu der Solo- herrEften der Oper und des Schauspiels ihre Mitwirkung zugesagt haben.

Aus dem Landkreis Wiesbaden.

WC. Biebrich. 31. Jan- Heute in aller Frühe, nach 6 Uh,, ist von einem hier vor Anker siegenden sch,ff ein dort be- dienstetes Mädchen in den Rhein gestürzt und ertiunf cn. Die Leiche ist noch nickt gelandet. Es handelt sich be, der Er­

trunkenen um die 39 Jahre alte, in Köln geborene Katharina Kapellen. Sie war mittelgroß, blond, trug grau- und blaukariertes Kleid usw.

Naffauische Nachrichten.

FC. Oücrlahnstein, 30. Jan. Der Geburtenrück­gang in hiesiger Stadt zeigt einen erfreulichen Aufstieg im abgelaufenen Jahr. Während desselben waren 239 Geburten zu verzeichnen gegen 213 im Jahre 1912. Die Todesfälle dagegen weisen eine niedrige Ziffer auf: 79 gegen 126 in 1912. Ehen wurden 109 geschlossen gegen öS im Jahre zuvor. Die Bevölkerungszahl hat sich trotz des Rückgangs der Kolonie Friedrichssegen vermehrt von 8707 in 1912 auf 8714 in 1918.

Aus der Umgebung.

Die Mainzer Stadtverordnetenwahl, wb. Mainz, 81. Jan. Der Kreisausschuß erklärt in einer heute mittag bekannt gegebenen Entscheidung die am 4. Dezember 1913 vorgenommene Stadtverordnetenwahl in Mainz für g ü l t i g. Es sind demnach von, sozialdemo­kratischen Zettel 13 und vom b ü r g e r l i ch e n 3 Kandi­daten gewählt.

Verzeichnung von Erdbeben.

hd. Frankfurt a. M., 31. Jan. Vom Taunus-Observato- riuni auf dem Kleinen Feldberg wird gemeldet: Der Seismograph verzeichnete heute in den ersten Morgenstunden ein Fernbeben, das in ostwestlicher Richtung eine ziemlich starke Bodenbewegung aufweist. Die Entfernung des ge­störten Gebiets beträgt 8300 Kilometer.

w- Darmstadt, 31. Jan. Die Erdbebenwarte Darmstadt- Jugenheim meldet: Heute früh gegen 6 Uhr wurde ein starkes Fernbeben verzeichnet, dessen Herd etwa 9000 Kilometer ent­fernt ist. Es ist das erste erhebliche Erdbeben in diesem Jahr. Seit dem Beben in Peru am 6. August 1913 war , hier kein stärkeres Erdbeben verzeichnet worden.

Spott und Spiel.

Fußball. Morgen Sonntag findet auf dem Sportplatz an der Frankfurter Straße ein Privatwettspiel zwischen der 1. Mannschaft des „Sportvereins Wiesbaden" und der 1. Mannschaft der Fußballabteilung des hiesigen „Turnver­eins" statt. Das Spiel beginnt um 3 Uhr.

Eine Srubenkatastrophe.

* Dortmund, 31. Jan. Gestern abend gegen 6h^ Uhr er­eignete sich aus der Zeche „Minister Achenbach" ein schweres Grubenunglück. Es handelt sich um eine Explosion schlagender Wetter, die auf der Zeilensohle zwischen der zweiten und dritten Sohle erfolgte. Bis 12 Uhr abends waren 22 Tote und 16 Schwerverletzte zutage gefördert. In der Grube be­finden sich noch 65 Bergleute, über deren Schicksal noch nichts bekannt ist. Man befürchtet, daß die meisten von ihnen den Tod gefunden haben. Die Leichen sind zum Teil schrecklich verbrannt. Nach Ansicht der Sachverständigen handelt es sich uni eine Schlagwetter-Explosion, die mit furchtbarer Gewalt große Strecken zu Bruch gebracht hat.

Die Rettungsmatznahmen.

wb. Dortmund, 31. Jan. Im Dezember 1912 forderte die Schlagwetter-Explosion aus der Zeche „Minister Achenbach" in Brambauer 50 Tote. Gestern gegen 7i/ 2 , Uhr abends lief wiederum die Kunde von einem neuen Unglück auf derselben Zeche durch die Straßen. Auf dem Wege zu der etwa 15 Kilo- ineter entfernten Zeche fahren zahlreiche Krankenwagen und Automobile, die sich einen Weg durch die Menschenmenge, die das Zechentor umlagert, bahnen. Im Zechenhof wimmelt es von Fahrzeugen aller Art. Rauchgeschwärzte Männer und Rettungs Abteilungen, mit dem Sauerstoffapparat auf den Schultern, eilen zu dem Schacht oder bringen mit langsamem Schritt die Toten getragen. Die Toten werden in einem großen Raum aufgebahrt. Sie sind schwarz verbrannt, aber nur vereinzelt verstümmelt. Die schwersten Brandwunden haben die Arbeiter von dem Flöz 19. An dieser Stelle ent­stand auch nach der Meinung der Ausgefahrenen die verhäng­nisvolle Explosion. Schrill hallt die Signalglocke durch die Stacht. Sie gibt das Zeichen, daß neue Opfer zutage gefördert werden. SanitätsmannfchafteN, Gendarmen und die Beamten der Bergbehörden leisten hilfreichen Beistand. Gegen Mitter­nacht wird es stiller auf der Zeche, nur wenige Angehörige bleiben in dem Totenraum und suchen die Verbrannten zu rekognoszieren. Um 12% Uhr nachts fährt der Berghaupt­mann Liebrecht ein, um die endgültigen Feststellungen zu treffen. Ein Grubenbrand ist glücklicherweise nicht ausge­brochen, aber die Arbeitsstelle ist zu Bruch gegangen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich unter den Kohlentrümmern noch weitere Tote befinden.

Die Zahl der Opfer.

Ci Dortmund, 31. Jan. (Eig. Drahtbericht) Die Kata­strophe stellt sich glücklicherweise als nicht so schwer heraus, als man zunächst annehmen mußte. Um 8% Uhr gab die Verwaltung bekmmt, daß die Zahl der bisher geborgenen Toten 1 9 und die der Verletzten 16 betrage. Vier bis fünf Bergleute werden noch vermißt. Die Explosion war so stark, daß eine elektrische Grubenlokomotive von ihrem Stand­ort 60 Meter weit fortgeschleudert wurde.

Die Situation in der Grube.

* Dortmund, 31. Jan. Ein Zeitungskorrespondent hatte Gelegenheit, mit dem Führer einer der Rettungskolonnen zu sprechen, die versucht hatten, zu den Eingeschloffenen vorzu­dringen. Dieser, ein Obersteiger, erklärte, daß es nach mensch­licher Voraussicht unmöglich sein wird, auch nur einen der Eingeschlossenen lebend ans Tageslicht zu befördern. Die Dämpfe in den Schächten und Gängen seren so stark, daß ein Durchdringen dieses jedes Leben ertötenden Qualms selbst den mit Rauchhelm und Sauerstoffapparaten versehenen Rettungsmannschaften unmöglich sei- Man kann daher wohl annehmen, daß die unglücklichen Opfer der Katastrophe bald bewußtlos waren und einen schnellen Erstickungstod gefunden haben. Außerdem sind die Schachtwände eingestürzt, so daß die Leichen ivahrscheinlich unter den Gesteinsmaffen ver­schüttet rrnd doppelt schwer zu erreichen sein werden.

Das Beileid des Abgeordnetenhauses.

wb- Berlin, 81. Jan. Auf Grund eines bei Beginn der

heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses gefaßten Beschlusses landtc der Präsident des Abgeordnetenhauses heute folgendes Telegramm ab: Gewerkschaft „Minister Achenbach", Bram-

Hauer- Namens des Abgeordnetenhauses spreche ich der Ge­werkschaft, den verunglückten braven Bergleuten und den Hinterbliebenen meine herzliche Teilnahme au?.'

Neues aus aLler well.

Eine Millionenstiftung für arme unv kranke Kinde,.

Berlin, 81. Jan. Ein Charlottenburger Bürger, der nickst genannt fein will. har der Stadtgemeinde eine Million Mari für arme und skrofulöse oder schwächliche Kinder geschenkweise überlassen.

Tod unter dem Eise gesunden. Köln, 80. Jan. Der seit einigen Tagen vermißte Fabrikbesitzer Voormann-Dahn wurde tot unter dem Eise eines Mwbens aufgefundcn. Er ist offen­bar eingebrochen.

Zum Eisenbahnunglück bei Hof. München, 30.Jan. Zu dem Eisenbahnunglück bei .Hof teilt die königliche Eisenbahn - direktion München mit: Heute mittag entgleiste auf der Station Köditz eine Lokomotive des Lokalbahnzuges Nr. 46 mit -den nachfolgenden Personenwagen. Ein Personenzug fiel die Böschung tzmab. Sieben Reisende wurden verletzt, darumer drei schwer.

Verhaftung eines Bankrotteurs. Prenzlau. 31. Jan. Die seit fast 100 Jahren hier bestehende Bankfirma Louis David ist mit etwa 300 000 M. in Konkurs geraten. Der In­haber ist gestern verhaftet worden.

Im Speisewagen an Vergiftung erkrankt. Mailand. 30. Jan. Nach der Mahlzeit im Speisewagen der Linie Genua- Mailand erkrankten fünf Reisende unter Bcrgiftungs- erscheinungen, davon zwei lebensgefährlich. Es scheint, daß in den Salznäpfen Rückstände von Kleesalz, das zum Gc- schirreinigen benutzt wurde. geblieben sind.

Zu dem Schiffsunglück an der Küste von Virginia. Nor­folk. 30. Jan. Der Dampfer „Nantucket" ist hier mit 85 überlebenden des nntergegangenen Dampfers „Monroe" ein- getroffen. 48 Personen sind ertrunken. Die überlebenden er­zählten, daß der .Monroe" 12 Minuten nach der Kollision im Nebel 2 Uhr morgens gekentert sei. Verschiedene Leute kletterten auf den freilieaenden Teil, des Rumpfes des „Monroe", bis er mit dem Kiel nach oben sank. Inzwischen konnte eine Anzahl von Personen Rettnngsgürtel umlegen. Verschiedene Leute trieben dreiviertel Stunden im Eiswaffer umher, bis sie von Booten des „Nantucket" ausgenommen Nmrden. Ein Passagier erklärte, er habe die Katastrophe erst gemerkt, als das Wasser in seine Kabine eindrang. Es herrschte nur wenig Verwirrung. _

Zusammenstoß auf einer ungarischen Klenwahn. Buda­pest. 30. Jan, Auf der elektrischen Klembwhn, Budapest- Szcnt-Larincz stießen in der Nähe von Kispest zwei Züge zu­sammen. Von den Fahrgästen wurden fünf mehr oder weniger schwer verletzt. Der Materialschaden rst bedeutend. _

Eine Tänzerin verschwunden. Püris. 80. Jan. Die russische Tänzerin Metscherskv. die angeblich, die geschiedene Gattin eines russischen Fürsten sei, soll vor ernrgen Tagen rn geheimnisvoller Weise berschwurrden sein. Ihre Angehörigen befürchten angeblich. daß sie einem Anschlag zum Opfer ge­fallen sei.

Letzte vrahtberichte.

Eisenbahnfragen in der Budgetkommission des Reichstags.

8. Berlin, 31. Jan. (Eig. Drahtbericht) In der Büdget- kommission des Reichstags äußerte sich heute der preußische Eisenbahnminister über die Schlafwagen dritter Klasse. Die bisherigen Typs in den nordischen Ländern würden bei uns nicht befriedigen. Ob sich überhaupt die Ein­richtung bewähren würde, sei zweifelhaft. Es handle sich ja bei uns nicht, um so große Entfernungen wie in Schwaden und Rußland. Um die Einstellung von Schlafwagen dritter Klaffe könne cs sich erst dann handeln, wenn der Schlastvagenverkehr so wachse, daß man vollständige Sch la fw a ge n z üg e einsühren könne. Ein nationallibe- - rales Mitglied Befürwortet erneut wohlwollende Prüfung des Projektes der Mosel- und S a a r k a n a l i s i e r u n g. Der Minister erklärt, daß auch die neue Bewegung zugunsten dieses Planes keine durchschlagende Gründe dafür beigebracht habe. Es sind neue Eisenbahntarife für Kohlen und Erze für die Mosel- und Saargegend in Bearbeitung ge­nommen, die eine so enorme Verbilligung ergeben werden, daß für den Schiffahrtsweg kein Bedürfnis mehr besteht. Auf eine" weitere nationalliberale Anfrage, betr. die automa­tische Z u g s i ch e r u n g, hält der Minister an seiner früheren im wesentlichen ablehnenden Stellungnahme fest. Es werden noch einige. Fahrplanwünsche vorgebracht. Der Minister stellt eine Beschleunigung des Berlin-Frankfurter Verkehrs nach Vollendung der Umbauatzbeiten bei Elm m Aussicht.

Line Zentrumsinterpellation im Abgeordneten­haus.

8. Berlin, 31. Jan. (Eig. Drahtbericht) Im Abgeord­netenhaus hat, wie wir hören, das Zentrum ciue Interpella­tion zum Grubenunglück auf der Zeche „Achenbach" einge­bracht. Die Interpellation hat folgenden Wortlaut: „Ist die Königl. Staatsregierung in der Lage, über die Ursachen des Grubenunglücks auf der Zeche „Achenbach" am 30. Januar 1914 Mitteilungen zu machen, und welche Maßnahmen ge­denkt die Regierung zur Verhütung der häufigen Gru­ben unglücksfälle für die Zukunft zu treffen?"

Die römische Kurie gegen Kardinal-Fürstbischof stopp.

G Berlin, 31. Jan. (Eig. Drcchtbericht) Der römische Mitarbeiter der „Tägl. Rundsch." telegraphiert seinem Blatte: Eine unterrichtete vatikanische Persönlichkeit erklärte meinem Gewährsmann, die Kurie werde sachlich zur GowerkschaftS- frage vorläufig nichts tun, sondern den deutschen Bischöfen überlassen, einen Ausweg zu finden. Die Kurie habe jedoch 5dem Fürstbischof Kopp ihr Befremden über sein Vorgehen ausgesprochen. Die Verbitterung der leitenden Kreise der Kurie sei deswegen so groß gegen. Kopp, weil der Papst äußerst schonungsbedürftig ist. Die Kurie hegt Verdacht, daß Kopp die Regierung und die Gewerkschaften zu angrisss- weisem Vorgehen herausfordern wolle, um das Eingreifen des Papstes notwendig zu machen. Die Kurie sehe daher gerne, wenn die Gewerkschaften hieraus nicht hcreinfielen, sondern einfach ohne Lärm auf der Erklärung der Enzyklika durch die Bischöfe beharrten.

Weitere Berufung zur deutschen Militärmission in der Türkei.

A> München, 31. Jan. (Eig. Drahtlbericht) Dtr- F^l ur h, Privatdozent an der Würzburger Universität, ist^als Juspek- tor des gesamten Arzneimittelwesens der türkischen Armee und als Lehrer an der Medizinschnle zu Heida-Pascha bei Konstantinopel berufen worden. Er soll als Mitglied der deutschen Militärmisston und stellvertretender Vizepräsident der MMzinalabteilung in das türkische Kriegsministerium eintreten.

Des Fürsten LichnowSky bemerkenswerte Kaiscrrcde.

w b London, 31..Jan, Bei dem Trinkspruch auf Kaiser Wilhelm erklärte der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky noch: Wir kennen kernen Gegen­satz zwischen B ü r g e r und Soldat, sondern nur em brüderliches 'Zusammenarbeiten beider