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Nr. 5Ä

Samstag. 31. Januar 1914. WresdadellSV Tagdittit« Abend-Ausgabe, 1. Blatt._ Seite 3.

Wörtlichkeit auf. Die Verantwortlichkeit werde in den Händen des Direktors. der Luftschifffahrt zen­tralisiert. Die Luftschiffahrt und das Flugwesen, die anfangs in denselben Händen ver­einigt waren, würden nunmehr getrennt. Der Minister erkannte an, daß die Aushebung der Mechaniker ungenügend sei, doch seien die Kritiken, die in dieser Beziehung geübt worden seien, übertrieben. Jeder den lenkbaren Luftschiffen zugeteilte Posten be­sitze eine Werkstätte zur Erzeugung von Wasser­stoff. Eine zweite werde bald errichtet. Eine Wasserstoffabrik werde demnächst in Saint Ehr ein­gerichtet. Der Minister gab zu, die zur Erbauung der Luftschiffhallen bestimmten Kredite seien in einer Weise ausgegeben worden, die zur Kritik berech­tige. Am Schlüsse erklärte der Minister unter starkem Beifall, er werde seine Pflicht voll erfüllen. Der Sozialist F l a i s s i e r e s schlug eine Tagesordnung vor, welche die Bestrafung derjenigen Offiziere ver­langte. die ihre Pflicht nicht erfüllten. (Bewegung.) Der Kriegsminister protestierte dagegen. Reymond schlug die von der Regierung angenomnrene Tagesord­nung vor, in der die Fehler in der Organisation der militärischen Lustschiffahrt bedauert werden und dem Kriegsminister das Vertrauen ausge- sprachen wird, daß er durch die Autonomie die notwen­digen Reformen verwirklichen werde. Die Tages­ordnung wurde durch Gandaufheben angenommen. Der Kriegsmini st er kündigte eine technische Sektion für das Flugwesen an. Er werde die privaten Konstruktionen überwachen und die Vervollkommnung der Apparate studieren. Der Minister gab zu, daß jetzt weniger Andrang zum Flugwesen ist als früher, aber im ganzen habe sich die Beschaffenheit verbessert, der Nachwuchs sei ebenfalls besser. Die privaten Fliegerschulen müßten durch militärische Schulen ergänzt werden, in welchen mit Strenge und Disziplin gearbeitet wird. Der Minister erklärte, wie die Erbauer von Flugzeugen durch Prämien er­mutigt werden sollen. Frankreich besitze gegenwärtig 600 Flugzeuge, die Deutschen nur 460 bis 500. Man wisse nicht, ob die Deutschen gepanzerte Flugzeuge besitzen. Frankreich bestellte von dem ersten, bereits ausgeführten Apparat, der vollkommen zu­friedenstellend _ erscheine, mehrere unter Vorbehalt. Frankreich besitze den Typus eines Zerstörer- Aeroplans, das heißt eines Flugzeuges, das ge­panzert und mit Waffen versehen ist. 677 Flugzeuge seien gekauft und geliefert worden, 100 andere müßten noch nachgeliefert werden. Der Minister sagte voraus, daß es sich nur um eine beschränkte Zahl von Typen werde handeln können. Die Versuche müßten strenger werden. Der Minister rechtfertigte den be­scheidenen Gebrauch, den man in Marokko von den Flugzeugen gemacht hat. Die Zentren für das Flug­wesen in diesem Lande würden von einer besonderen Gruppe organisiert. Von den Luftschiffen sprechend, glaubte der Kriegsminister, daß der Besitz lenkbarer Luftschisfe binnen kurzer Zeit unvermeidlich und notwendig sei.

Der Bahnbau Tanger-Fez. Paris, 30. Jan. Auf eine schriftliche Anfrage des Deputierten Henry Simon teilte der Ministerpräsident und Minister des Äußern Doumergue mit, daß die Vorarbeiten für die Eisenbahnlinie Tanger-Fez rasch fortschreiten. Man hoffe daß die Submission mehrerer Teilstrecken werde erfolgen können, sobald die Regierungen Frank­reichs und Spaniens die Bildung der Eisenbahn- gesellschgft Tanger-Fez genehmigt haben.

Tie Uenza-Minen; ein Wahlreformreferendnm. Paris, 30. Jan. In der Kammer wurden die Ver­handlungen über die Uenza-Angelegenheit fortgesetzt. Peckadre. der die alte Konvention dagegen ver­teidigte, daß sie die Ausländer begünstigte, hob hervor, daß die neue Konvention das deutsche Haus M u l l e r aus Düsieldorf bevorzuge. Der Minister der öffentlichen Arbeiten David protestierte dagegen und sagte, selbst wenn das Haus Müller, das erklärte, holländisch zu sein, tatsächlich deutsch wäre, so be­trägt das Verhältnis der Kapitalien in der neuen Kon­vention 67 Prozent französische und 33 Prozent ausländische Kapitalien, während sie in der alten Kon­vention 68 Prozent französische und 32 Prozent aus­ländische betragen, haben. Peckadre erwiderte: Das Haus Müller ist mit den Gebrüdern Mannes­mann assoziiert. Jauräs rief dazwischen: All dres beweist, daß die neue Konvention fast ebenso schlecht ist wie die alte.. Zum Schluß der Sitzung rief ein Antrag des bonavartisti^en Deputierten Puglil^l.-Contr, innerhalb eines Monats, also noch vor den allgemeinen Kammerwahlen unter der Wählerschaft ein Referen- d u m über das Mehrbeits- und Perhältniswablsvstem zu veranstalten, eine lebhafte Debatte hervor. Mrnrster- prändent Doumergue bekämpfte den Antrag als

verfassungswidrig und stellte die Vertrauens­frage. Brian d sprach sich gleichfalls entschieden aeaen den Antrag aus. der für die Deputierten de- mütiaend sei., nachdem sich die Kammer wiederholt für das Verhältniswahlsystem ausgesprochen habe. Er griff dstrbei die Sozialisten an. welche mit Rücksicht ans ihre Wahlmandate den Grundsatz des Perhältniswablsvstems im Socke lasten wollten. Jaurds erwiderte heftig iind reckfterftate die Haltung der Sozialisten und be­schuldigte Vriand durch die Frag? des Verhältniswahl- Mf Pm 3 Zwietracht unter die Revublikgner säen zu wollen selbst wenn dadurch die Rrmchlik gefährdet wer­den sollte. Der Antrag Rualissi-Conti wurde daraus durch die Stellung der Vorfrage mit 396 gegen 164 Stimmen abgelehnt.

Encrknntz.

Die Kaisergeburtstagsfeier in London. London, 30. Juri. Die deutsche Kolonie feierte den Geburtstag Kaiser Wil­helms II. gestern, um dem Botschafter, der am 27. Januar in Windsor weilte, die übernähme des Präsidiums zu ermög­lichend Alle deutschen Vereine waren beteiligt und über 600 Personen anwesend. Der Botschafter betonte beim

Trinkspruch auf den König von England, daß die königliche Familie die herzliche Gesinnung, die König Georg bei jeder Gelegenheit seinem Vetter und Freund, dem deut­schen Kaiser, zeige, und den aufrichtigen Wunsch des Königs, mit Deutschland und dem deutschen Volk die freundschaftlich­sten Beziehungen zu unterhalten, teile sowie sein Verständ­nis für deutsches Wesen. Der Botschafter brachte sodann den T r i n k s p r u ch auf K a i s e r Wilhelm aus. Er erinnerte an die Ereignisse des letzten Jahres und wies daraus hin, daß Deutschland in Übereinstim m u n g mit seinen V e r - b,,ü n d e t e n und mit der befreundeten englischen Regierung für den europäischen Frieden gewirkt habe und daß es den Mächten gelungen sei, den Frieden wiederherzustellen. Die gemeinsame Arbeit habe nicht nur einzelne Mächte, sondern auch die, bestehenden Mächtegruppen einander näher gebracht. Fürst Lichnowsky erwähnte seine jüngste Reise nach New- Castle und Bradford und betonte die herzliche Aufnahme seitens der Stadtväter und namhafter Vertreter von Handel und Industrie. Er habe sich persönlich von den Früchten über­zeugt, welche das Zusammenwirken der kauf­männischen Interessen beider Länder getragen habe.^ Der ständig zunehmende Geschäftsverkehr und der wachsende gegenseitige Güterabsatz sowie die dadurch bedingte Interessengemeinschaft bilde die sicherste Verbindung beider Rationen. Der Botschafter gedachte sodann der Opferfreudigkeit der deutschen Kolonie in London im Jubi- läumsjahr, deren Ergebnis, die Sammlung von 38 000 Pfund Sterling, in de^,Geschichte der Deutschen im Ausland uner­reicht dastehe. Sie sei, ein schöner Beweis für die Vaterlands­liebe und die Anhänglichkeit der in London lebenden Deutschen an die alte Heimat. Der Redner begrüßte sodann die Begrün­dung des Deutschen Verbands, dem auch vielleicht die Pro­vinzen beitreten könnten und betonte in beredten Worten gegenüber der mißverständlichen Auffassung des Auslands die Einigkeit der deutschen Nation und die Solidarität aller deutschen Stämme, des Nährstandes und des Wehrstandes. Er feierte den,Kaiser als ersten Patrioten des Deutschen Reichs, dessen Fürsorge allen Angehörigen ohne Unterschied der Her­kunft und des Standes gelte. Zum Schluß seiner Rede brachte Botschafter Fürst Lichnowsky das Kaiserhoch aus, das be­geisterten Widerhall fand. Das Fest nahm einen harmoni­schen Verlauf. Dem Botschafter wurden st ü r m i s ch e Ovationen gebracht. (Vergl. L. Drahtberichte.)

Mihla,,b

_ Ei« Diner zu Ehren Delcassäs. Zarskoje S s e l o, 30. Jan. Heute fand im Kaiserlichen Schloß rn Gegenwart des Kaisers ein Diner zu Ehren D e l- cassäs statt, dem die Minister und die Mitglieder der französischen Botschaft beiwohnten. Vor dem Essen hatte sich Delcassä von der Kaiserin verabschiedet.

krwamen.

Die Abreise des Prinzen zu Wied nach Albanien.

^ e r li n, 30. Jan. Der Oberhofmarschall des Prin- 8 r U ® err b- Throtha, wird sich, wie das

^brl. /ovgebl." von unterrichteter Seite erfährt, am 2 t. Februar von Triest nach Durazzo begeben, um dort dre Vorbereitungen für die Ankunft des Prinzen zu treffen. Der Prinz selbst wird dann nach dem Be­richt des Herrn v. Throtha 8 oder 14 Tage später mit ferner Familie und dem Gefolge nach Durazzo reisen. Einem Berliner Speditionshaus sind bereits Wagen und Pferde zunr Transport übergeben worden.

Südafrika.

Der große Streik vor dem Parlament. Kapstadt, c>0. ^an. Generalgouverneur Viscount G ladstone eroffnete das Parlament mit einer Rede, in wel- cher er einen Rückblick auf die jüngsten Ereignisse in Südafrika warf und seinen Dank ausdrückte für die Schnelligkeit, mit welcher.die Streitkräfte Südafrikas die Mobilmachung bewerkstelligt und sich an den Orten gesammelt haben, wo Unordnungen drohten. General Smuts kündigte die Einbringung eines Gesetz­entwurfes für Montag an, durch welchen das Stand recht aufgehoben, der Regierung die Indemnität für alle Handlungen zur Unter­drückung der inneren Unordnungen erteilt und die Landesverweisung über die Deportierten ver­hängt wird, wie über unerwünschte Einwanderer, falls sie, zurückzukehren versuchten. Die Mitglieder der Ar­beiterpartei machten fruchtlose Versuche, die Debatte über die Deportation der Arbeiterführer zu eröffnen ,.m Hinblick auf Smuts Ankündigung "lehnte der Sprecher, eine solche Diskussion zuzulassen, ab.

Die allgemeine Lage. Johannesburg 30. Jan. Das K r i e g s r e ch t ist noch rnuner in Kraft, * wird aber überall mit der größten Milde gehandhabt. Die, Bergarbeiter verlassen noch immer scharen­weise das Land. In Kapstadt fand gestern eine M a s f e n v e r s a m m I u n g statt, an der viertausend Arbeiter teilnahmen und m der ern geharnischter Pro­test gegen die Verurteilung des Arbeiterführers Creßwell sowie gegen dre Deportation der Streikführer zur Annahme gelangte. Die „Evening Chronicle" macht den Vorschlag, man solle die Streik­führer, die sich an Bord ernes Dampfers befanden, nicht deportieren, sondern ganz emfach einige Tage auf hoher See lassen, bis das Amnestiegeseh angenommen fei.

Kur Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Politik und Moral.

Es ist eine landläufige Auffassung, daß Politik und Moral nichts miteinander zu tun haben, ja, daß Politik sogar moral­auflösend wirkt nach dem bekannten Wort: Politik verdirbt den Charakter. Wie haltlos und oberflächlich solche Anschau­ungen sind, bewies in der gestrigen Monatsversammlung der Fortschrittlichen Volkspartei Referendar Hans Meier (Frankfurt a. M.) rn geistvollen Ausführungen, die durch ihre ideale Auffassung wie durch ihre Tiefe auf die Zuhörer einen außerordentlichen Eindruck machten. Wenn das Größte in der Welt nach Kant ein guter Wille ist, dann kann man politisches Händeln nicht außerhalb der Moral stellen. Politik, ist weder eine Machtfrage, noch ist das durch die Ethik be­stimmte politische Handeln gleichbedeutend mit einer Verzicht­leistung und Unterordnung des Staatsinteresses unter eine

andere Idee. Denn der Staat ist nicht Selbstzweck, sondern er leitet seinen Wert nur aus seiner, Unterstützung zur sitt­lichen Ertüchtigung der Gesamtheit seiner Bürger ab. Darum wirkt auch bei allen großen Staatshandlungen Las imma­nente Sittengesetz mit; jeder Kriegserklärung folgt deshalb die Feststellung seitens des Herausfordernden, daß der, Geg­ner die Schuld allein trägt. Aus der Bindung an sittliche Normen im politischen Handeln erwachsen jene großen seeli­schen Konflikte zwischen Pflicht und persönlichem sittlichem Empfinden, und jedesmal wird der Sieg des letzteren zugleich den Stempel historischer Größe verleihen, wie das Beispiel Uorks zeigt. Die Politik kann sich darum über das allgemein Gültige des Sittengesetzes nicht hinwegsetzen; sie hat es mit dem Menschen zu tun. Alle Dinge haben Preis; der Mensch allein hat Würde, hat Selbstzweck. Der Mensch kann deshalb niemals Mittel für andere Menschen sein. Von diesem grund­legenden Standpunkt aus ist die auswärtige Politik zu be­urteilen, die niemals eine Machtfrage sein kann auf die Dauer; hier hat Kant den Weg zum ewigen Frieden gewiesen, der aber keineswegs gleichbedeutend mit Grabesruhe ist. Man kann aber auch nicht die äußere Politik als Machtfrage und die innere Politik unter dem Gesichtspunkt der Moral betrach­ten, wie es gewisse Parteien wollen. Wie innere, also auch Parteipolitik nach moralischen Anschauungen zu treiben W ergibt sich, wenn man klar das politische Ziel erkannt hat, das nicht in der Mandatenzahl besteht. Den Parteikampf ehrlich führen ohne die beliebten Schlagwörter und die oft allzu dienstfertige Massensuggestion, politisches Prinzip und Lebens­haltung auch im privaten Leben in Einklang bringen, das sind Forderungen an jeden, vor allen an den Parteipolitiker. — Die außerordentlich lebhafte Debatte, die der Vortrag an­regte, ergab eine einmütige Kundgebung der Parteifteunde zu den idealen Anschauungen des Redners, dem der Vor­sitzende unter lebhaftem Beifall den Dank der Versammelten abstattete. Gleich anregend und fruchtbringend verlief die weitere Besprechung kommunaler Angelegenheiten, die in letz­ter Zeit die hiesige Bürgerschaft lebhaft bewegten. Erst nach Mitternacht konnte der Vorsitzende, Rektor W. Breiden­stein, die Versammlung mit dem Wunsch schließen, daß auch in 14 Tagen, wenn Stadtrat Kalkbrenner am gleichen Ort über „Städtische Grund- und Bebauungspolitik" sprechen wird, gleiches Interesse die Verhandlungen fördern möge.

Ein neuer „Kintopp", nichts weiter!, hat sich vielleicht die Mehrzahl des Publikums beim Passieren des Bretterzauns gedacht, der das wenig geschmackvolle „Reulche" gegenüber dem Mauritiusplatz seit einigen Monaten verdeckte. Und doch wurde mit sichtlichem Interesse in den letzten Tagen das Ent­stehen der schmalen, aber schmückenden Fassade beobachtet, ja, cs sollen sogar Wetten darüber gelegt worden sein, daß der Bau wirklich bis zum festgesetzten Termin — gestern abend 8 Uhr — fertiggestellt wird. Das einheimische Handwerk, das ausschließlich bei dem Bau des „Thalia-Theaters" Be­rücksichtigung fand, hat sich als durchaus tüchtig erwiesen. Um 7 Uhr bereits verkündeten die zahlreichen Glühlampen der Eingangspforte die Vollendung der Arbeit, und das zahlreiche Publikum, das schon den ganzen Tag über die Fertigstellungs­arbeiten beobachtete, konnte die Anfahrt der geladenen Gäste beobachten, die der Eröffnungsfeier beiwohnen sollten. Und die Teilnehmer wurden angenehm enttäuscht. Keine grellbunten Plakate machten Stimmung für die darzustellen­den Filmattraktionen. Ein schmaler, in ruhigen Farben deko­rierter Durchgang, der in der Mitte durch geschickte Raumaus­nutzung und ansprechende Ausstattung- die Formen eines Foyers bekommt, nimmt zunächst die Besucher auf und führt sie zum Theatersaal. Hjer erlebt der Besucher die zweite, wiederum angenehme Enttäuschung: Er befindet sich in einem großen, vornehm ausgestatteten Raum, dessen Ausschmückung durchaus ruhig, geschmackvoll und bis auf die zum Teil schablonierte Wandmalerei gediegen ist. Parkett, Rang und Logen, dre zujammen etwa 500 Personen Raum geben, ge­statten einen freien Ausblick auf die „Bühne" und komplettie­ren in der Gesamtanordnung den Eindruck eines intimen r.heaters. Vor dem Podium, wo ein violetter Seidenvorhang die Pro;ektlonsleinwand verbirgt, sitzt ein acht Mann starkes Orchester. Der Eindruck der Überraschung war bei allen An- wesenden^bemerkbar. Unter den ersten Besuchern des „Thalia- Theaters ' konnte man auch den Oberbürgermeister Glässing, oen Bürgermeister Travers, zahlreiche Beigeordnete, Stadt­räte und Stadtverordnete, sowie prominente Mitglieder der Wiesbadener Gesellschaft beobachten. Die Eröffnungsfeier wurde mit Bachs „Jubelouvertüre", vom „Thalia-Orchester" gespielt, eingeleitet. Dann folgte ein „Filmprolog in 500 Kinometern mit Versen und Flimmerbildern von Wilhelm C l o b e s". Vollständig lautlos, ohne das störende Geklapper des Projektionsapparats, erschienen die Bilder auf der Lein­wand, zog ein Stückchen Wiesbadener Leben, die Entstehung des Theaters, die Kirchgasse, die Langgasse, die Wilhelmstratze der letzten Tage, an den Augen der Zuschauer vorüber. Und die Filmindustrie arbeitet schnell: die verregnete Kaiser­

geburtstagsfeier am Dienstag, der Abmarsch der Truppen von der Marktkirche, wurde am Freitag bereits vorgeführt. Herr Clobes, der sich zunächst nur „im Bilde" gezeigt hatte, erschien nach den ersten Bildern vor dem Podium und sprach nun wirk­lich einen Erosfnungsprolog, der in wohlgeformter Rede die Bedeutung der modernen Lichtspielbühne im allgemeinen, Ziel und Zweck des „Thalia-Theaters" im besonderen feierte.

^Sentliche „Premiere", das sechsaktige Kino- 1 a , n * 1 § ' nach dem gleichnamigen Roman von auptmann, kam zur Vorführung. Einen Film iwSm „ ^n wenig dankbares Unterfangen; ein ktLei sich da am besten der Zuschauer selbst. Der Hin­weis, daß gerade dieses Kinoschauspiel, dessen Vorbereitung P an3 ^Heutige Kosten verursachte, Bilder von wahrhaft oramatisther Wirkung, Szenen von packender Wucht und jpannende Momente von Anfang bis zum Schluß zeigt, seinen yroßten Effekt aber in dem Untergang des Schnelldampfers ^ttoland" auf offener See mit allen sich dabei abspielenden Details findet, mag genügen, um ein ungefähres Bild von rem Vorgeführten zu geben. Die Vorführung des Films nahm fast zwei Stunden in Anspruch, wirkte aber trotz der Länge nicht ermüdend auf die Zuschauer, die sichtlich befriedigt das neue Lichtspielhaus verließen. g.

— Dank des Kaisers. Auf das Glückwunsch-Telegramm, welches der Bezirkskommandeur Oberst v. Rott im Auftrag der am Geburtstag des Kaisers im Kurhaus vereint gewese­nen Festversammlung an den Kaiser gerichtet hat, ist folgen­des Danktelegramm eingegangen: „Seine Majestät der Kaiser und König lassen der zur Feier Allerhöchst Ihres Geburtstags im dortigen Kurhaus vereint gewesenen Festversammlung für die freundlichen Glückwünsche ^bestens danken. Der Geheime Kabinettsrat v. Valentini."