Eette L. Morgen-Ausgabe, 2 * «otöu.
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daß der Eingeborene der wertvollste Besitz der Kolonien sei, hat die Mission einzusetzen, um ihn, den Eingeborenen, zu schützen und zu bewahren. Wollen wir die nationale Missionsaufgabe näher begrenzen, müssen wir uns dem I s l a m - Pr o b I e m zuwenden. Unaufhaltsam dringt der Islam in Kamerun vor. In der Mitte des verflossenen Jahrhunderts gründete der Fulbe-Sultan Adama von den Ufern des Tschadsee bis weit in den Süden ein gewaltiges Reich. Der ganze Norden unserer Kolonie fällt in den Bereich dieses Mohammedanerstaates. Durch die Kolonialmächte England, Frankreich und Deutschland wurde Adamas Macht gebrochen und sein Reich zerteilt. Geblieben aber ist die Eigenart des stolzen Fulbe-Volkes, der Fanatismus des Glaubens, der Einfluß der strengen Mohammedaner-Orden Nordafrikas. Im Norden Kameruns sitzt eine Bevölkerung mit alt-islamitischer Kultur; innerhalb des Fulbe-Staates befinden sich, wo Gebirge und Sümpfe schwer zugängliche Gebiete bilden, kleinere Heidenstämme. Es sind dies die früheren Bewohner des Landes, die von der Fulbe seinerzeit ver- trieben und verdrängt wurden. Auch das Handelsvolk der Haussa dringt beständig mit seinen islamitischen Ideen vor. Die von Haussa durchzogenen und von Haussa bedienten Heidenstämme werden Mohammedaner. Bis vor kurzem wurde die Mohammedaner- Mission als etwa Aussichtsloses beiseite geschoben. Die Ursache ist der Stolz, mit dem der Jslamit auf die Ungläubigen herabblickt. Schwer ist es einen islamiti- sierten Heidenstamm zu bekehren, aber nicht erfolglos. Je mehr der Islam in Kamerun vordringt, desto inehr ist die deutsche Herrschaft gefährdet. In Kamerun selbst ist es zurzeit unmöglich, Mohammedaner-Mission zu treiben. Die Regierung hat diese Arbeit rundweg verboten. Auch die Niederlassung von Missionaren unter den Heidenstämmen ist abgelehnt worden. So bleibt nur übrig, durch Christianisierung der Völker an den Grenzen der islamitischen Bevölkerung einen Damm gegen das Vordringen des Islams zu bauen. Das ist die große nationale Missionsaufgabe in Kamerun. Im Norden hat diese Tätigkeit die Basler Mission übernommen, im Osten stehen die Baptisten. Zwischen S a n a g a und N j o n g will die G o ß n e r - M i s s i o n sich dieser Aufgabe widmen. Der fürchterliche Würgeengel der „Schlafkrankheit" zieht durch das Land, hier kann die Mission sich n e b e n den Ärzten erfolgreich betätigen. Sollen die Missions- qesellschaften mit Erfolg ihre nationalen Aufgaben er- füllen, so ist es Pflicht aller gebildeten evangelischen Christen, sie mit Rat und Tat dauernd zu unterstützen.
Die Gründe der Rirchenauslrittsbewegung.
Die sehr vorsichtig urteilende „Chronik der Christlichen Welt" sieht in der gegenwärtigen Kirchenaus- irittsbewegung die Folgen mancher Fehler der Kirche, ivenn man natürlich auch nicht sagen könne, daß sie durchweg daran schuld sei. Die Kirche habe sich vor allem um die vom Lande in die Großstädte hineinströmende heimatlose Masse trotz der stattlichen Zahl neuer Kirchen und neuer Pfarrstellen wenig gekümmert. Außerdem aber rächt sich", wie die „Chronik" fort- fährt, „noch zweierlei an der Kirche. Einmal die „offizielle Kirchlichkeit", die der Kirche den Stempel der Lüge aufgedrückt, sie in den Augen des Volkes zum Instrument der Staats raison herabgewürdigt hat. Hierüber hat gerade die hochkonservative „Kreuzzeitung" sehr ernste Wort gefunden. Und zweitens der antisoziale Erlaß des Berliner Oberkirchenrats von 1895, der das Konto der evangeli- scheu Kirche furchtbar belastet hat. Vor 20 Jahren, zwischen 1890 und 1896, waren sich, trotz der revolutionären Gelüste der damaligen Sozialdemokratie, die Kirche und die Arbeiterschaft viel näher gestanden als
heute. In diese Blüte fuhr „Christlich-sozial ist Unsinn" hinein, uird der Oberkirchenrat fetzte das kaiserliche Wort alsbald in die Tat um. Jetzt kommt die Quittung, jetzt rechnet die Sozialdemokratie offen mit der Kirche ab; die Arbeiter unserer Großstädte sind kirchlich tot, so tot, daß, sie vermutlich selbst ein regelrechtes Missionswerk nicht in die Kirche zurückführen wird." Wird inan „oben" diese treffenden Worte hören und zu Herzen nehmen?
Deutsches Reich.
— Zum Entwurf, betr. Abänderung des Kommunalabgabengesetzes, wird uns vom H anf ab und geschrieben: In den Kreisen der Industrie hat es Befremden erregt, daß der Entwurf eines preußischen Gesetzes, betreffend die Abänderung des Kommunalabgabengesetzes, durch die Veröffentlichung im „Deutschen Reichsanzeiger" vom 11. Dezember 1913 nur im Auszug und ohne Begründung bekannt gegeben iouvde. Die veröffentlichten Änderungen der §§ 25 und 35 würden aber gerade vom Standpunkte der Unternehmer in Industrie und Handwerk wegen der Ausdehnung des Begriffes des Grundstücks auf zu diesem gehörende Bestandteile zu schwersten Bedenken Anlaß geben. Es bestünde auf diesem Wege die Möglichkeit, auch die Maschinen einer industriellen und gewerblichen Anlage der Besteuerung zu unterwerfen und somit neue schwere Lasten dem Gewerbestand aufzuerlegen. ES darf daher vor allem erwartet werden, daß eine alsbaldige Veröffentlichung des gesamten Entwurfes einschließlich der Begründung erfolgt, damit die betroffenen Kreise Gelegenheit halben, zur rechten Zeit zu diesem Gesetzentwurf von so großer Tragweite Stellung zu nehmen.
— Km das Mandat des Grafen Mielzynski wird ein harter Kampf entbrennen. Der Wahlkreis Samter-Birnbaum- Schwerin-Obornik ist zwar seit 1874 in polnischer Hand, aber er gehört zu denen, die durch einmütiges Zu- s a in me n st eh e n aller Deutschen den Polen leicht entrissen werden kann. Das Polenblatt, der „Postemp", schreibt zur Nachwahl im Wahlkreise, der Graf von Mielzynski habe seine Wahl nur der erprobten Agitation und der Unterstützung durch die deutschen Katholiken zu verdanken gehabt. Inzwischen hat sich aber der Graben zwischen Zentrum und Polnischer Partei erweitert, dank der fortgesetzten Hetze der Polen gegen die deutschen Katholiken. Den rücksichtslosen Boykott der Polen, haben auch die deutschen Katholiken gespürt. Somit ist zu hoffen, daß sich diesmal auch die dem Zentrum angehörenden deutschen Katholiken der deutschnationalen Front einfugen werden. Um die 1600 Stimmen polnischer Mehrheit von 1912 hereinzuholen, bedarf es allerdings eines guten Stücks Arbeit, die im Interesse des Deutschtums unverzüglich in Angriff genommen werden muß.
— Ein ehrenvolles Zeugnis wird der reichsländiscken Lehrerschaft von einem in hoher Stellung befindlichen reichs- ländiscben Offizier ausgestellt. Er bespricht in der Deutschen Tagesztg." die elsäffisch-lothringischen Zustände — nicht jeder wird seinen Ansichten durchweg beipflichten — und sagt dabei: „Der einzige wirkliche Träger des Deutschtums im Elsaß ist der Volksschullehrer. Dieser Ehrenmann wird aber geschunden und geschmäht. Er erfährt nur Anfeindungen, aber keine Unterstützung. Auch hier wird in militärischen Kreisen stark gesündigt, weil den jungen Offizieren bis einschließlich Aauptleuten diese Tatsache nicht vor Augen gehalten wird. Gerade wir müßten den Volksschullehrern mit allen Mitteln die Wege ebnen und ihnen das Rückgrat steifen gegen den allmächtigen Dorfgeistlichen und den franzosenfreundlichen Herrn Maire."
— Ter Ausschuß für die Privatangestelltenfrage der Gesellschaft für soziale Reform tagte kürzlich und nahm, wie die neue Nummer der „Sozialen Praxis" mitteilt, Stellung zu der von der Gesellschaft in Aussicht genommenen Tagung für Privatbeamtenfragen. Die Mehrheit des Ausschusses trat dafür ein, daß neben dem Koalitionsrecht der Angestellten der neue Patentgesetzentwurf, so weit er für die
>en Ureinwohner des Landes behandeln, dessen ehemaligem Sefitz sie ihren ganzen Reichtum zu verdanken haben. Koffuth üixon, der Führer der Wanemaker-Erpedition, ist soeben von einer Reise zu den nordamerikanischen Indianern zurückgeehrt und berichtet, daß er ein an der Schwindsucht dahin- terbendcS Volk gefunden hat, dessen einzelne Stämme oft den chwarzen Hunger leiden müssen. Weiter und werter treibt ie die Kultur zurück und nimmt ihnen das Notwendigste. Von ,en Agenten der Regierung um ihre Rechte betrogen, gehen ie, ein Schandfleck auf dem Wappen der amerikanischen Nation, langsam und unaufhaltsam ihrem Untergang ent-
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Anders steht es um die New Uorker Indianer, die Apachen oder „Gangsters", wie man sie hier nennt. Die blühen und gedeihen besser denn je. Eine polizeiliche Statistik besagt, daß New Dark rund 100 000 Menschen beherbergt, die sich ihren Lebensunterhalt auf dem Wege des Verbrechens verschaffen, und dieser holde Schwarm wird jeden Morgen auf die arme Menschheit losgelassen. Die unglaublichsten Tricks werden ausgedacht, und vom offenen Mord angefangen bis zum Verschleppen junger Mädchen in Bordells können wir so ziemlich mit allem dienen, was Verbrechen heißt. Neben einer Zweigstelle der „schwarzen Hand" bestehen noch andere derartige Verbindungen, die ihre festen Preise haben. Zwanzig Mark für ein blaues Auge, 200 für einen Stich, wohin man nur wünscht, und „itzs big fotz", der Mord, stellt sich auf 2- bis 4000 M. — Mit guten Beziehungen kann man's natürlich auch billiger haben. — Der alte Trick des Bombenverschickens ist hier schon so übertan, daß nur noch selten ein Dummkopf darauf hereinfällt. Eine gutbewährte Neuigkeit sind die „ver-. gifteten Nadeln". Damit spritzt der Verbrecher einzelnen Damen auf der Straße oder im Theater unbemerkt das Gift ein, worauf diese ohnmächtig werden. Sofort attachiert sich der „Kavalier", und ein jeder denkt natürlich, die beiden gebären zusammen. Er winkt einer Droschke, und wenn das Opfer wieder zu sich kommt, findet es sich meist schon in einem Bordell. Etwa 50 000 Frauen und Mädchen (viele Einwanderer darunter) verschwinden jährlich in diesem Lanide, ohne eine Spur zu hinterlassen. — Wundern kann man sich über die moralischen Zustände allerdings nicht mehr, sobald man einen intimeren Einblick in die Erziehung des Nachivuchses tut. Den amerikanischen, oder besser gesagt, New Jorker Müttern geht so ziemlich alles Verständnis für diesen Punkt ab. „Den Kindern möglichst viel Freiheit zu lassen, damit sie
den Charakter selber entwickeln", das ist das Grundprinzip eines Erziehnngssystems, dessen Resultate dann die obenerwähnten „Gangsters" sind. Nun ist allerdings New Dork durch die starke Mischung aller Rassen nicht als Amerika zu betrachten, denn von 6 Millionen Einwohnern sind nur 600 000 stimmberechtigte Bürger. Aber es ist unausbleiblich, daß die Moral der Metropole allmählich im Lande Fuß faßt, und bei einer so jungen Nation, deren Nationalgetränk obendrein noch der Whisky ist, sollte das doch zu denken geben.
— Vor einigen Tagen schoß ein löjähriges Schulmädel ihren. 17jährigen Verführer nieder, der sie „verlassen" hatte. — Was für Streiflichter wirft das auf die sittliche Beschaffenheit der Bevölkerung, zumal derartige Fälle keineswegs vereinzelt dastehen. — übrigens ist auch Schmidts erster Prozeß zu Ende gegangen, aber er verlief wie das Hornberger Schießen. Die Geschworenen konnten sich nicht einigen und so muß man jetzt auf den nächsten warten.
In der Kunst — um von etwas Erquicklicherem zu reden
— ist nicht allzu viel los. Konzerte • natürlich, aber nichts Besonderes. Egenieff hat vornehmlich mit seiner Balladen- Singerei gut abgeschnitten, unid Matze, der große Belgier, ist ja stets vom Erfolg begleitet. Julia Culp würde mit viel Beifall ausgenommen, während Titto Ruffo, der Caruso der Baritone, enttäuschte. — Übrigens, eine nette Caruso-Geschichte hat sich vor ein paar Wochen in Philadelphia zugetragen, wo die Metropolitan Company mit „Boheme" gastierte. Segurola, der treffliche Vertreter des Colline, fühlte sich sehr krank und blickte, als er im letzten Akt das Mantellied singen sollte,, hilfesuchend nach den Kollegen um, ob keiner ihm die Aufgabe abnehmen wolle. Kurz vor dem Einsatz trat Caruso plötzlich vor, nahm ihm den Mantel aus der Hand und sang — on dit — mit vollen warmen Tönen die Baßarie, der selbstverständlich ein frenetischer Beifall folgte. — Viel Lärm um nichts sind die ewigen Wagner-Konzerte eines Herrn Damrosch — seinen Namen, lediglich den — hat er vom Vater ererbt, der Wagner seinerzeit in New York einführte —, der vom Geiste dieser Schöpfungen nichts, von dem Körper nur das Forte begriffen zu haben scheint und dementsprechend nun lustig drauflos- magnert Sme so viele andere. Und dabei läßt dieser Mann keine Gelegenheit vorübergehen, um über die bescheidenen Produktionen Europas herzuziehen, die schon jetzt in keinem Vergleich zu dem künstlerischen Amerika mehr ständen. — Im Deutschen Theater am Irving Place hat Rudolf Christians eine Faustvorstellung herausgebracht, in. der von dem Goethe-
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Angestellten in Betracht kommt, erörtert werden solle. Der Vorstand unid der Hauptausschnh der Gesellschaft werden zu dieser Anregung Stellung nehmen. Als Ort der Tagung wurde Berlin und als Zeitpunkt der Monat Mai in Aussicht genommen.
* Ein neuer Ankauf der Ansiedelungskommission. Wie aus Liffa gemeldet wird, hat die Ansiedelungskommission das dem Rittergutsbesitzer Grünke gehörige, 640 Morgen große Gut Wymyslowo bei Rakel für 350 000 M. erworben.
* Auflösung einer polnischen Versammlung. In Bochum ist eine große polnische Versammlung polizeilich aufgelöst worden. Es handelte sich um die Tagung des Verbandes rheinisch-westfälischer Polenvereine, dem 18 Einzelvereine mit 682 Mitgliedern angehören. Der „Rhein.-Westf. Ztg." zufolge ist die polizeiliche Auflösung der Versammlung erfolgt, weil dem polizeilichen Auffichtsbeamten der Zuttitt verweigett wurde.
— Die Zentral - Auskunftsstelle für Auswanderer in Berlin W. 35, Am Karlsbad 10, hat im vierten Vierteljahr 1913 (1. Oktober bis 31. Dezember) in 6268 Fällen Auskunft an Auswanderuiigslustige erteilt und zwar in 5107 Fällen schriftliche und in 1161 Fällen mündliche. Beantivortet wurden insgesamt 8762 Anfragen über die verschiedenen Auswanderungs-Gebiete. Davon bezogen sich 3368 auf die deutschen Kolonien und zwar auf Deutsch-Südwest- afrika 1276, Deutsch-Ostafrika 615, Kamerun 130, Togo 28, Samoa 84, Kiautschou 69, Deutsch-Neuguinea 63, auf die afrikanischen Kolonien im allgemeinen 211 usw. Unter den fremden Auswanderungs-Gebieten steht Süd-Brasilien mit 873 Anfragen an der Spitze; dann folgen Argentinien, Kanada, Mittel-Brasilien, die Vereinigten Staaten, von Amerika, Chile, Brasilien im allgemeinen mit 128. die Türkei usw. Von den 3708 Anfragenden, die ihr Alter angaben, waren 510 weniger als 20 Jahre, 2279 zwischen 20 und 30, 696 zwischen 30 und 40, 187 zwischen 40 und 50 und 36 über 60 Jahre alt, und von den 5590 Fragestellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, waren 4471 ledig,. 1083 verheiratet und 36 verwitwet. Nach dem Berufe waren unter den Anfragenden am stärksten die Kaufleute, Handwerker und Landwirte vertreten. Von den An fragenden 6 m zeichneten sich 296 als mittellos, während über 1300 zum Teil über recht erhebliche Summen verfügten. Von den Anfragen kamen aus Preußen 3692, darunter aus Hessen-Nassau 172. Aus den deutschen Kolonien kamen 32 Anfragen, aus dem Auslande 430, davon 228 aus Österreich-Ungarn, 29 aus der Schweiz, 26 aus Rußland, 23 aus Belgien, 20 aus England, 15 aus Frankreich usw. Die Zentral-Auskunftsstclle für Auswanderer erteilt kostenlos schriftliche und mündliche Auskunft.
X Beamte tat preußischen Abgeordnetenhause. Unter den 443 Abgeordneten des preußischen Landtages befinden sich nicht weniger als 99 noch im Dienst stehende Beamte. Unter diesen Beamten zählt man 42 Berwaltungsbeamte im Reichs- und im Staatsdienst, 42 Justizbeamte und 15 Kommunal- und Korporationsbeamte. Von den 42 Verwaltungsbeamten gehören 22 zu den Konservativen, 8 zu den Freikonservativen, 4 zu den Nationalliberalen, 1 zur Fortschrittlichen Volkspartei und 7 zum Zentrum. Darunter sind nicht weniger als 27 L a n d r ä t e im Dienst, von welchen 17 zur konservativen, 7 zur freikonservativen und 3 zur nationalliberalen Fraktion gehören. Bon den 42 Justizbeamten sind 40 höhere und 2 (Zentrum) mittlere Beamte. Zu den Konservativen gehören 3, zu den Freikonservativen 4, zu den Nationalliberalen 12 und zum Zentrum 23. Die 16 Kommunal- und Korporationsbeamte verteilen sich, wie folgt, auf die einzelnen Fraktionen: Konservative 2, Freikonservative 1, Nationalliberale 7, Fortschrittliche Volkspartei 3 und Zentrum 2.
Deutsche Schutzgebiete.
DKG. Das Koloniale Vogelschutz- und Rutzungskomitee hat sich zu nachstehendem Aktionsprogramm geeinigt: 1. Für
praktische Zwecke alle diejenigen, die an der Vogelfauna von einem wissenschaftlichen, ästhetischen oder Handelsgesichts- vunkt interessiert sinid, zusammenzufassen, 2. von allen Teilen
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scheu Faust nicht viel mehr übriggeblieben ist als das gesprochene Wort. Der gröbste Fehler bestand darin, daß Christians selber den Mephisto gab und sich damit zum sviel- wütigcn Provinztheaterdirektor degradierte. — Es war furchtbar, und jeder, der Christians kennt, wird über einen Versuch lächeln, der selbstverständlich außerhalb jeder ernsten Diskussion steht. Für die deutsche Schauspielkunst im Ausland war er jedoch ein böses Renommee. — In der Akademie ist die übliche Winterausstellung eingezogen, die aber ebensowenig aufregend wirkt wie ihre Vorgängerinnen. Frau Woodrow Wilson, die Gattin des Präsidenten, hat zwei Bilder ausgestellt, die von der amerikanischen Presse als „oliarining" bezeichnet wurden, die man aber treffender charakterisiert mit dem Wort aus Gutzkows „Königsleutnant": Tapeten. — Der Bildhauerei ist, entgegen früherer Jahre, diesmal mehr Raum gewährt worden, womit aber die Qualität der Produktionen keineswegs verbessert werden konnte.
Von unserer „heroischen" Mexiko-Politik kann ich Ihnen leider immer noch keine Änderung berichten, wenigstens nicht von amerikanischer Seite aus. Wilson ist in Mexico-City von der Bühne aus öffentlich beleidigt worden, und die fürchterlichsten Meldungen von da unten halten noch immer an. Zapata, der Schrecken der Bevölkerung, und Villa, die furchtbarsten Banditen, die die Phantasie nur auszudenken vermag, treiben ungestört ihr Wesen, und die Kriegskorrespondenten berichten täglich von den unaussprechlichen Brutalitäten, deren Zeugen sie waren. Vierzehn mißhandelte Frauen wurden an einem Telegraphenpfahl aufgehängt, anderen Gefangenen die Nasen und Ohren abgeschnitten, die Augen ausgestochen und Arme oder Beine amputiert. Ein Amerikaner, der wie durch ein Wunder mit seiner Frau aus der Gefangenschaft entkam, erzählt, daß alle Ausländer einfach festgenommen würden, daß man sie dann nach ihrer Nationalität frage und sie, falls sie nicht Amerikaner seien, mit Entschuldigungen wieder freilasse. Nur mit den verhaßten „^ringos", wie man in Mexiko die Amerikaner nennt, wird möglichst kurzer Prozeß gemacht. — Alles daS prallt eindruckslos an der süßlichen Friedenspolitik des Herrn Professors Wilson ab, wofür er die uneingeschränkte Bewunderung seines vortrefflichen Staatssekretärs Bryan erntet. Wenn auch zehnmal Kriegsschiffe nach Beracruz geschickt iverden, so ist das nichts weiter als ein Bluff, und keine Seele denkt daran, endlich Ernst zu machen.
Hermann C. Morel-
